Biographie
Es lohnt sich folgende Namen durchzuspielen:
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Florian
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Gluck
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Haydn
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Salieri
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Weber
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Spontini
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Meyerbeer
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Beethoven
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Méhul
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Bellini
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Vergil
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Shakespeare
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Napoleon
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Le Sueur
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Cherubini
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Rossini
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Bouieldieu
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Palestrina
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Fétis
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Reicha
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Habeneck
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Duboeuf
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Ferrand
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Smithson
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Liszt
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Mendelssohn Bartholdy
I. Kindheit in La Côte Saint-André
(1803-1821)
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1803
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11. Dezember: Louis HECTOR Berlioz
wird in La Côte Saint-André (Dept. Isère zwischen Grenoble
und Lyon) geboren
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Vater: Louis-Joseph Berlioz, Arzt -
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Er übte seinen Beruf "in der uneigennützigsten
Weise" aus, und war "eher ein Wohltäter der Armen und Bauern als ein
Arzt, der von seiner Praxis leben muß." (Mémoires I, S. 41).
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"Er genoß großes Vertrauen nicht nur
in unserer kleinen Stadt, sondern auch in den Nachbarstädten." (Mémoires
I, S. 43)
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"Mit welch unermüdlicher Geduld, mit welch eingehender,
kluger Sorgfalt wurde er also in Sprachen, in Literatur, Geschichte und
Geographie, selbst in der Musik mein Lehrer." (Mémoires I, S. 44)
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Und er war von "freiem Geist" (Mémoires I,
S. 47) und angeblich ein offen erklärter Atheist.
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Mutter: Marie-Antoinette-Joséphine,
geborene Marmion, * 1784,
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1802 Heirat mit Louis-Joseph Berlioz
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Katholikin mit Neigung zur Bigotterie
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Von ihr wird Berlioz als Junge zu einem strengen Katholiken erzogen, der
aber bald die Kirche verläßt und angeblich erklärte, er
sei den Rest seines Erwachsenenlebens ein Agnostiker gewesen.
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Trotzdem hat "diese bezaubernde Religion - seit
sie niemanden mehr verbrennt - mich sieben volle Jahre hindurch beglückt;
und obgleich wir seit langer Zeit entzweit sind, habe ich ihr immer ein
sehr zärtliches Andenken bewahrt" (Memoires I, S. 41); die Poesie
des katholischen Kult war es, die Berlioz reizvoll erschien: Das Anfangskapitel
der Mémoires beschreibt den Akt der Erstkommunion als exaltiertes
ästhetisches Gefühlserlebnis einer empfindsamen Seele, ganz im
Sinne der sentimentvollen Restauration des Katholizismus von Chauteaubriands
`Génie du christianisme´ (1802).
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Geschwister:
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Marguerite-Anne-Louise (1806-1850 = Nanci
genannt; "sie liebt die Musik, hat es aber nie so weit bringen können,
Noten zu lesen" (Mémoires I, S. 53);
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Adèle (1814-1860);
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drei weitere Geschwister sind früh verstorben.
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1811-1815
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Berlioz liest Vergils "Aeneis". Insbesondere
die Geschichte der unglücklichen Dido bereitet ihm "nervöse Schauer"
(Mémoires I, S. 46).
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Mit acht bzw. zehn Jahren lernt Berlioz singen und
Flöte spielen (Flageolett, Querflöte) und mit dreizehn Jahren
außerdem Gitarre.
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"So war ich nun Meister auf diesen drei majestätischen
und unvergleichlichen Instrumenten geworden ... Wer wagte es, in dieser
klugen Wahl das Gebot der Natur zu verkennen, die mich zu den gewaltigsten
Orchestereffekten und zur Musik à la Michelangelo hindrängte!"
(Mémoires I, S. 53f).
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Klavier durfte er nicht lernen, da sein Vater befürchtete
"ohne Zweifel, das Klavier möchte mich zu heftig begeistern und weiter
in die Musik hineinziehen, als es sein Wunsch war" (Mémoires I,
S. 54).
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"Wenn ich bedenke, daß die meisten" Komponisten
ihre "Platituden ... nicht schreiben könnten, hätten sie ihr
musikalisches Kaleidoskop nicht und lediglich ihre Feder und ihr Papier,
dann kann ich mich nicht enthalten, dem Zufall zu danken, der mich in die
Notwendigkeit versetzt hat, still und frei komponieren zu lernen. Er hat
mich vor der für den Gedanken so gefährlichen Tyrannei der Fingergewohnheiten
bewahrt." (Mémoires I, S. 56)
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Er komponiert später infolgedessen unmittelbar
in Partitur und für Orchester.
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1815
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Er lernt die sechs Jahre älteren Estelle
Duboeuf kennen:
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"Ihr Name war mir schon lieb geworden durch
Florians
Pastorale ("Estelle et Némorin"), die ich aus der Bibliothek meines
Vaters entwendet und hundertmal heimlich gelesen hatte ... Als ich sie
erblickte, fühlte ich einen elektrischen Schlag; ich liebte sie, und
damit ist alles gesagt. Ein Schwindel erfaßte mich und verließ
mich nicht wieder. Ich hoffte nichts ... ich wußte nichts ... aber
ich fühlte im Herzen einen tiefen Schmerz" (Mémoires I, S.
48).
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1815/16
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Erste Kompositionen (als Autodidakt) entstehen:
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"eine Art sechstimmiges Potpourri über italienische
Themen" (Mémoires, S. 54) und zwei Quintette, Vertonung einiger
Romanzen aus "Estelle et Némorin".
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Eine Romanze davon wurde gedruckt, das übrige
hat Berlioz vor seinem Aufbruch nach Paris verbrannt, die ein oder andere
Melodie allerdings in späteren Kompositionen wiederverwendet.
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Die Lektüre von Biographien Glucks und
Haydns
versetzen ihn "in die allergrößte Aufregung: Welch schöner
Ruhm! sagte ich mir in Gedanken an den der beiden berühmten Männer;
welch eine schöne Kunst!" (Mémoires I, S. 55)
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1821
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Mit 18 Jahren besteht Berlioz das Baccalaureat in
Grenoble.
Studium in Paris (1821-1831)
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1821-1822 Von der Medizin zur Musik, vom Willen
der Eltern zur Berufung
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1821
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Ende Oktober: Berlioz geht nach Paris; auf Wunsch
des Vaters beginnt er zunächst mit dem Medizinstudium: Denn er sollte
"Arzt sein! Anatomie studieren! sezieren! schauerlichen Operationen assistieren!
statt mich mit Leib und Seele der Musik hinzugeben ... Den Himmel vertauschen
mit den traurigsten Aufenthaltsorten der Erde!" (Mémoires I,
S. 56).
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1822
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Berlioz wendet sich für kurze Zeit dem Jurastudium
zu. Hierbei lernt er Humbert Ferrand kennen,
der seit dieser Zeit sein engster und lebenslang treuester Freund war und
ihm später das Libretto für die allerdings nicht vollendete Oper
"Les Francs-Juges" und weitere Texte schrieb.
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Er hört die Oper "Les Danaides" von Antonio
Salieri. Sie versetzt ihn "in in einen Zustand der Verwirrung und Aufregung,
den zu beschreiben ich nicht versuchen will. Mir war wie einem zum Seemann
geborenen jungen Menschen, der vorher nur die Nachen auf seinen Gebirgsseen
gesehen hat und sich plötzlich in einen Dreidecker auf hoher See versetzt
findet." (Mémoires I, S. 62 f.)
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Er studiert die Partituren von Gluck in der
Bibliothek des Conservatoire. "Ich schrieb sie ab, ich lernte sie auswendig;
sie raubten mir den Schlaf." (Mémoires I, S. 64).
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1823-1826 Studien bei Le Sueur
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1823
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Er wird Schüler von Jean-Francois
Le Sueur (1760-1837):
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Le Sueur war zunächst Kirchenmusiker, wandte
sich in der Revolutionszeit der Komposition von Opern zu und spielte auch
am neugegründeten Conservatoire eine wichtige Rolle.
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1804 wurde Le Sueur Musikdirektor der Kaiserlichen
Hofkapelle, und an seiner Oper "Ossian ou Les Bardes" (1804) fand Napoleon,
der prominenteste Schwärmer für die (auf die Mystifikation des
Schotten James Macpherson zurückgehende) Ossian-Mode um 1800, höchstes
Entzücken.
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Ohne Bruch rettete Le Sueur sein Renommée
in die Restauration hinüber; nunmehr Königlicher Opernkapellmeister
und Hofkomponist erhielt er 1818 eine Professur am Conservatoire.
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Le Sueurs Theorien einer "imitativen Musik",
die er in einem vierbändigen "Exposé" (1787ff.) dargelegt hatte,
haben in Berlioz´ zentralem Konzept einer "dramatischen Symphonie"
ihre Spuren hinterlassen.
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Berlioz muß zwar eine "Theorie von Akkordbildung
und -folge" über sich ergehen lassen, einen Lehrgang, den er später
beklagt; aber "Le Sueurs kleine Oratorien, die das Repertoire der königlichen
Kapelle bildeten," und die Berlioz "regelmäßig jeden Sonntag"
im Gottesdienst "in den Tuilerien hörte", wobei der Komponist ihm
"das Sujet des Werkes erklärte, seinen Plan und seine Hauptintention"
darlegte, hat er "sehr bewundert" (Mémoires I, S. 65f.)
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Berlioz gewann zu seinem Lehrer bald auch ein persönliches
Verhältnis, in dem die gemeinsame Begeisterung für "Gluck,
Vergil
und Napoleon" (Mémoires I, S. 68) eine feste Konstante bildete.
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Er arbeitet in dieser Zeit an folgenden Werken, ohne
sie jedoch zu vollenden:
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an einer Kantate für großes Orchester,
Le Cheval arabe;
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an einer Oper nach "Estelle et Némorin";
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an einem Oratorium Le Passage de la Mer rouge;
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an einer "recht finsteren Szene, entnommen Saurins
Drama "Beverly ou le joueur". Ich war für dieses Bruchstück leidenschaftlicher
Musik ... ernstlich eingenommen." (Mémoires I, S. 71 f.)
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Er bekommt eine Choristenstelle am Théâtre
des Nouveautés.
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Erste musikschriftstellerische Arbeiten entstehen.
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1824
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Berlioz hört im Théâtre Odéon
den "Freischütz" von Weber.
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"Inmitten dieser hitzigen Periode meiner musikalischen
Studien ... erschien Weber", "freilich nicht in seiner ursprünglichen
Schönheit, sondern auf tausend Arten durch einen Arrangeur verstümmelt,
ins Gemeine gezogen, gequält und beleidigt" (Mémoires I, S.
115).
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Er übt allerdings Kritik am neuen Arrangement
von Francois Catil-Blaze ("Robin des bois"). "Dieser neue Stil, gegen den
meine intolerante und ausschließliche Verehrung der großen
Klassiker mich zuerst voreingenommen hatte, überraschte und entzückte
mich in hohem Maße ... Dieser Partitur entströmte ... ein wildes
Aroma, dessen köstlich Frische mich berauschte." (Mémoires
I, S. 116)
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Die Poesie des "Freischütz" "ist voll von Bewegung,
von Leidenschaft, von Kontraten. Das Übernatürliche bringt darin
eigentümliche, heftige Wirkungen hervor." (Mémoires I, S. 117)
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1824/25
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Messe solennelle:
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Davon schien lange Zeit nur das Resurrexit
erhalten, kürzlich wurde die Messe ganz wiedergefunden.
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Einen Teil des Satzes hat Berlioz später im
"Te deum" mit neuer Textierung wiederverwendet.
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Im Sommer 1824 schlug ihm "Masson, der Kapellmeister
an Saint-Roche vor, eine feierliche Messe zu schreiben ... Ich machte mich
also voll Eifer daran, diese Messe zu schreiben, deren Stil mit seiner
ungleichmäßigen und recht zufälligen Färbung nur eine
ungeschickte Nachahmung von Le Sueurs Stil war."
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Doch der "lang gehegte Traum einer großen Orchesteraufführung"
zerstob. Berlioz arbeitete "die Messe fast vollständig um" (Mémoires
I, S. 71f.).
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Dennoch konnte sie erst im Juli 1825 "vor einem zahlreichen
Publikum glänzend aufgeführt" (Mémoires I, S. 76) werdeb.
Immerhin die erste Aufführung eines Werkes von Berlioz.
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1825
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Bei einem Aufenthalt zuhause erklärt sich Berlioz´ Vater bereit,
sein Musikstudium zu erlauben, solange bis er scheitert, dann müßte
er einen anderen Beruf wählen. Seine Mutter wirft ihm allerdings vor,
Schande über die Familie zu bringen, wenn er das teuflische Leben
eines Künstlers wählt.
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1825/26
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Berlioz beginnt Les Francs-Juges, Oper (Text:
Humbert Ferrand) (davon vollendet: Ouverture)
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Die Oper blieb unvollendet, weil die Prüfungskommission
das Libretto des politischen Schriftstellers und Freundes von Berlioz ablehnte.
"Die Ouverture allein ist ans Tageslicht gekommen." (Mémoires I,
S. 88).
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Verschiedene Bruchstücke hat Berlioz in anderen
Werken verarbeitet, so den Marsch im vierten Satz der Symphonie fantastique.
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La Révolution grecque, Scènes
héorique (Text: Humbert Ferrand) (Soli, Chor, Orchester)
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ein Werk, "dem man auf jeder Seite den energischen
Einfluß von Spontinis Stil anmerkte" (Mémoires I, S. 89) und
das der damals allgemeinen Begeisterung für den griechischen Freiheitskampf
gegen das Osmanische Reich passt.
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Er hört die "Iphigenie auf Tauris" von Gluck
und beschließt, Musiker zu werden. "Ich wäre eher nach China
gegangen .. als daß ich mich ergeben hätte." (Mémoires
I, S. 91).
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1826-1830 Offizielles Studium am Conservatoire
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1826
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1826 nimmt Berlioz´ Vater seine Erlaubnis zum Musikstudium zurück.
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Dennoch beginnt Berlioz mit dem Studium am Conservatoire.
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Seit 1822 war an diesem berühmten Institut
Luigi
Cherubini Direktor.
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Berlioz beklagte allgemein, daß ihm seine Lehrer
"in der Instrumentierung nichts beigebracht" hätten. (Mémoires
I, S. 97).
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Berlioz mußte bei Antonin Reicha die
Kurse in Kontrapunkt und Fuge nachholen. "Er lehrte den Kontrapunkt mit
bemerkenswerter Klarheit; in kurzer Zeit und mit wenigen Worten hat er
mir sehr viel beigebracht. ... Er war weder ein Empiriker noch ein Feind
von Neuerungen; er glaubte an den Fortschritt in gewissen Teilen der Kunst."
Berlioz kritisierte aber, daß er sich "immer noch der Routine" und
der Tradition unterwerfe, "obgleich er sie verachtete" (Mémoires
I, S. 98).
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"So machte ich mich allmählich mit der Verwendung
des Orchesters vertraut und lernte von den meisten Instrumenten wenn auch
nicht Umfang und Mechanismus, so doch Ton und Klangfarbe kennen. Durch
den aufmerksamen Vergleich der erreichten Wirkung mit dem zu ihrem Hervorbringen
angewandten Mittel wurde mir sogar die versteckte Beziehung klar, die zwischen
dem musikalischen Ausdruck und der eigentlichen Kunst der Instrumentation
besteht." (Mémoires I, S. 98)
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Musikalische Eckpunkte:
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Berlioz empfindet Begeisterung für Spontini
und
Weber sowie Méhul.
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Dagegen spürt er tiefe Abneigung gegenBoieldieu
("La Dame blanche") und Rossini, der seit 1824 in Paris residierte.
Er kritisiert ihre problemlose Eingängigkeit und Gefälligkeit,
die den Forderungen des dramatischen Ausdrucks ausweicht. "Mehr als einmal
habe ich mich gefragt, wie ich es anfangen müßte, das Théâtre-Italien
zu unterminieren und es an einem Abend mit seiner ganzen Rossini-Bevölkerung
in die Luft zu sprengen." (Mémoires I, S. 103). Diese Abneigung
wird dadurch verschärft, daß Berlioz, um nicht zu verhungern,
für Maurice Schlesinger Korrekturen von Rossinis "Tell" lesen
mußte.
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"Der Zeus unseres Olymps war Gluck ... Da
ich die Partitur gründlich kannte, war es auch nicht ratsam, etwas
daran zu ändern ... Vor dem Publikum und mit lauter, deutlicher Stimme
fuhr ich die Schuldigen an." (Mémoires, S. 109).
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Im Sommer bewirbt sich Berlioz erstmals für
den Rompreis, fällt jedoch bei der Vorprüfung durch. Der erste
Preis gewährte nicht nur das Ende der Lehrzeit, sondern ein fünfjähriges
Stipendium (zwei Jahre davon in Rom, eines in Deutschland).
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1827
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Erstmalige Teilnahme am Rompreis-Wettbewerb.
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Es gilt dabei, in mehrwöchiger Klausur über
einen gegebenen Text eine "scène lyrique", eine dramatische Kantate
für Solostimme mit Orchester, zu schreiben.
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Er schreibt: La mort d´Orphée,
Monologue e Bacchanale (Solokantate).
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Die Jury erklärt seine Kantate für unauffühbar,
nach Meinung Berlioz´ wegen der Unfähigkeit des Pianisten. Zwei
Nummern daraus hat er später in Lélio übernommen.
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Die Begegnung mit Shakespeare und Smithson:
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Herbst: Harriet Smithson tritt mit einer englischen
Schauspieltruppe in Dramen Shakespeares (Hamlet, Romeo und Julia
u.a.) auf. Es entsteht in Paris plötzlich ein Enthusiasmus für
Shakepeare-Dramen.
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Berlioz schreibt über die Sterbeszene in der
Gruft von David Garrick (1717-1779), in der Julia noch vor Romeos
Tod erwacht, so dass den Liebenden sind letzte gemeinsame Augenblicke gegönnt
sind, sie sei "eine der rührendsten, die das Theater besitzt" (Mémoires
I, S. 121)
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"Shakespeare, der mich so unerwartet überfiel,
zerschmetterte mich wie ein Blitzschlag .. Ich wohnte im Odéon der
ersten Vorstellung von "Hamlet" bei. ich sah als Ophelia Harriet Smithson,
die fünf Jahre später meine Frau wurde. Die Wirkung ihres wunderbaren
Talents oder vielmehr ihres dramatischen Genies auf meine Phantasie und
mein Herz kann nur mit derjenigen verglichen werden, die der Dichter selbst
auf mich ausübte." (Mémoires I, S. 125).
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Um Harriet Smithson zu beeindrucken plant
er auf eigenes Risiko ein Konzert: "Ich .. verglich mit Niedergeschlagenheit
den Glanz ihres Ruhmes mit dem Dunkel, in das mein Name gehüllt war"
(Mémoires I, S. 128), und so wagte er sich an "das Unternehmen,
im Conservatorie ein großes Konzert zu geben, dessen Programm ausschließlich
aus meinen Kompositionen zusammengesetzt sein sollte." (Mémoires
I, S. 129).
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Berlioz entwickelt Vorliebe für Shakespeare:
"Donnerschläge folgen manchmal im Leben eines Künstlers so rasch
aufeinander wie in großen Gewittern. ... Ich hatte Shakespeare und
Weber nacheinander erscheinen sehen;" (Mémoires I, S. 137)
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Nach der Hamlet-Aufführung im "krankhaften Zustand"
vertont er eines der Gedichte aus Thomas Moores "Irish Melodies"
(in französischer Übersetzung)
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Berlioz nimmt schließlich im folgenden Jahr Englisch-Stunden, um
Shakespeare original lesen zu können.
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Ouverture Waverly
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Um den Begegnungen mit dem Elternhaus ein Ende zu machen, nimmt Berlioz
einen Job als Chorsänger am Vaudeville Theater an. Er war nicht stolz
auf diese neue Arbeit und verheimlichte ihn vor allen.
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1828
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Habeneck und Beethoven
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Der Beethoven-Verehrer Francois Antoine
Habeneck übernimmt die Direktion der neugebildeten Société
des Concerts du Conservatoire und gibt im Frühjahr 1828 eine Serie
von Beethoven-Konzerten.
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Bis 1830, zum Abschluß seiner Studienjahre,
konnte Berlioz so fast alle Symphonien Beethovens hören, das Violinkonzert
und das fünfte Klavierkonzert, einige Ouvertüren und "Christus
im Ölberg"; von deutschen Theatertruppen wurde 1829 und in den beiden
Folgejahren "Fidelio" in Paris aufgeführt.
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So sah Berlioz kurz nach Shakespeare und Weber "an
einem anderen Punkt des Horizonts den gewaltigen Beethoven sich
erheben ... Er eröffnete mir eine neue Welt in der Musik." (Mémoires
I, S. 137)
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Le Sueur hatte kein Verhältnis mehr zur
Musik Beethovens gewinnen können: "Gleichviel, man darf nicht solche
Musik machen" lautete sein Verdikt (siehe Mémoires I, S. 139).
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"Jäh verließ ich die alte breite Straße,
um über Berg und Tal, quer durch Wald und Feld meinen Weg zu nehmen
... Le Sueur bemerkte meine Untreue erst viel später, als er meine
neuen Kompositionen hörte, die ihm zu zeigen ich mich gehütet
hatte." (Mémoires I, S. 140)
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Erstes Konzert
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Nach mancherlei Querelen, insbesondere mit Cherubini,
gelangten im Mai 1828 die Ouverturen Waverly und Les Francs-Juges, die
Scène héroique und (statt der vorgesehenen Orphée-Kantate)
das Resurrexit aus der Messe zur Aufführung.
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"Mehrere Zeitungen lobten dieses Konzert warm." Francois-Joseph
Fétis - der Musikgelehrte und -kritiker, der bald Berlioz´
schärfster Gegner werden sollte - "bezeichnete meinen Eintritt in
die Karriere als ein wirkliches Ereignis."
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Miss Smithson freilich hatte davon "nicht einmal
sprechen hören". (Mémoires I, S. 135)
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Das Urteil über Cherubini steht fest:
Berlioz beschreibt ihn als reaktionär und als den "schlimmsten Akademiker
aller Zeiten" (Mémoires I, S. 146)
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Zweiter Preis beim Rompreis-Wettbewerb:
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Herminie, Scène lyricque (Solokantate).
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Das Hauptthema dieser Kantate, leitmotivisch mit
Herminies Liebesklage verknüpft, stellt eine - allerdings entschieden
konventionellere - erste Fassung des späteren idée fixe
der Symphonie fantastique dar.
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Im August: Berlioz schreibt einige Artikel über Musik, verliert aber
das Interesse am Schreiben aufgrund der Restriktionen des Journalismus.
Obwohl er später für ein Musik-Journal schreibt, findet er Schreiben
immer langweilig.
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1829
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Erfolglose Teilnahme am Rompreis-Wettbewerb:
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Cléopâtre, Scène lyrique
(Solokantate).
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In dieser Kantate ist der Einfluß Webers
am deutlichsten zu spüren.
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Den Chor hat er später in Lélio
übernommen.
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Der "Méditation" - der Beschwörung der
Pharaonen - stellte Berlioz einen Vers aus Julias letztem Monolog voraus.
"Ich war sogar ungeschickt genug, den englichen Vers als Motto auf meine
Partitur zu schreiben, und schon dies allein war für Akademiker der
Schule Voltaires, wie meine Richter es waren, ein unverzeihliches Verbrechen."
(Mémoires I, S. 164)
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Boieldieu macht Berlioz in Bezug auf Cléopâtre
Vorhaltungen: Zuviel Neues in der Musik zu bringen, sein Bestes zu geben,
sei doch sinnlos und unvernünftig, eine einwiegende Musik hätte
die größten Vorzüge. (Mémoires I, S. 164f.).
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Antwort von Berlioz: "Ja, das war es, was das große
Pariser Publikum wollte: eine einwiegende Musik, selbst für die schrecklichsten
Situationen, eine zwar leicht dramatische, aber nicht zu deutliche Musik,
farblos, frei von außerordentlichen Harmonien, von ungewöhnlichen
Rhythmen, von neuen Formen, von unerwarteten Effekten. Eine liebenswürdige,
galante Kunst, mit anliegenden Hosen und Stulpenstiefeln ... ein Troubadour."
(Mémoires I, S. 165f.)
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Goethes "Faust"
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"Als bemerkenswertes Ereignis meines Lebens muß
ich noch den eigentümlichen und tiefen Eindruck beschreiben, den ich
von Goethes "Faust" erhielt, als ich ihn zum
ersten mal in der französischen Übersetzung von
Gérard
de Nerval las. Das wunderbare Buch faszinierte mich sogleich ... Die
Übersetzung in Prosa enthielt einige gereimte Bruchstücke, Lieder,
Gesänge usw. Ich gab der Versuchung nach, sie in Musik zu setzen."
(Mémoires I, S. 167).
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Er schickte sie Goethe und schrieb ihm dazu:
"Obgleich ich fest entschlossen war, niemals meine schwachen Akkorde mit
Ihren erhabenen Versen zu vereinen, wurde die Versuchung doch nach un dnach
so stark, der Reiz so mächtig, daß sich die Musik zu den meisten
Szenen beinahe gegen meinen Willen einstellte." (Corr. gén. I, S.
247).
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Zunächst angetan, gab Goethe schließlich
der Meinung von seinem musikalischen Berater und Duzfreund Carl Friedrich
Zelter nach: "Gewisse Leute können ihre Geistesgegenwart und ihren
Antheil nur durch lautes Husten, Schnauben, Krächzen und Ausspeyen
zu verstehn geben: von dieser Einer scheint Herr Hector Berlioz zu sein";
seine Musik sei eine "Abgeburt welche aus gräulichem Inceste entsteht."
(zitiert n. BNE, Bd. 5, S. XIV)
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Huit Scènes de Faust (Text: Gérard
de Nerval nach Goethe) (Soli, Chor, Orchester)
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Dieses in sich nicht geschlossene Werk hat Berlioz
fast zwei Jahrzehnte später in "La Damnation de Faust" wiederverwendet.
Die acht Szenen tragen die Motti aus Moores "Irish Melodies", aus Shakespeares
"Hamlet" und "Romeo und Julia"
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Symphonie fantastique
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Berlioz beginnt unmittelbar nach den acht Szenen
an der Arbeit mit der Épisode de la vie d´un
artiste - Symphonie fantastique.
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Ihren biographischen Anlaß hatte die Komposition
in der heftigen, unerwiderten Leidenschaft von Berlioz für Harriet
Smithson.
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Er hat sie "unmittelbar nach den Huit scènes,
und immer noch unter dem Einfluß des Goetheschen Gedichts" (Mémoires
I, S. 168) komponiert. Manche hatten sogar vermutet, daß Teile der
geplanten "beschreibenden Symphonie (symphonie descriptive) über
`Faust´" (Corr. gén I, S. 232) in der Symphonie fantastique
aufgegangen seien. Allerdings ist fraglich, ob der Plan überhaupt
zur Ausführung gelangt war. In der Tat erinnern aber die Abschnitte
"Dies ireae" und "Rondo du Sabbat" der Symphonie fantastique an die Szenenfolge
"Dom" und "Walpurgisnacht" im "Faust". In jedem Fall ist die Symphonie
insgesamt eine Faust-Symphonie.
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Lediglich Reminiszenzen an Chateaubriands
"René", Anspielungen auf Victor Hugos Balladen und Thomas
de Quincey "Opium Eater", Parallelen zur poetischen Welt Byrons
fallen ebenfalls noch ins Auge.
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Das Titelblatt trägt Zitate aus Shakespeares
"Lear" und Hugos "Feuillets d´automne", die aber für
das Werk irrelevant zu sein scheinen.
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Die Symphonie hat insgesamt vier Versionen, auf die
sich die zahlreichen Varianten des Programms reduzieren lassen, erfahren,
die in ihrer Gesamtheit für das Verständnis von Stellung und
Aufgabe des Programms wichtiger sind, als der Text einer bestimmten Fassung.
Nur zwei Versionen, die letzten beiden, sind allgemein bekannt. Sie wurden
den früheren und den späteren Druckausgaben der Partitur (1845
und nach 1855) beigegeben. Ein wichtiger Unterschied zwischen diesen beiden
besteht darin, daß die letzte Version die ganze Symphonie, nicht
nur die beiden Schlußsätze, als Vision im Opiumrausch deutet.
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Berlioz hielt die Symphonie bis zum Ende des Studiums
am Conservatoire unter Verschluß. Denn sie hatte er wohl gemeint,
als er davon sprach, daß er einige seiner neueren Kompositionen vor
Le Sueur wegen des darin manifesten Beethoven-Einflusses verborgen
hatte. Der Titel des dritten Satzes "Scène aux champs" ist im übrigen
sicher eine Anspielung auf die "Szene am Bach" in Beethovens Pastoral-Symphonie".
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Romantisch an der Symphonie fantastique ist,
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dass sie sich Rausch und Traum und ungehemmter Tätigkeit
der Phantasie hingibt;
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dass sie eine Affinität zum Pathologischen,
zum Bizaren hat;
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dass der jähe Wechsel von Stimmungen, Ironie
und Parodie, Verzerrung und Deformation Mittel des künstlerischen
Ausdrucks sind;
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dass der Künstler als der einsame Held dargestellt
wird. Der Künstlerheld endet in der Einsamkeit des Rausches, im Traum
vom Tod, in Isolierung und Entfremdung.
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Neuf Mélodies imitées de l´anglais,
Gesänge mit Klavierbegleitung (Text: Thomas Gounet nach Thomas Moore):
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Le coucher de soleil
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Hélène (Solo, Duett, Klavier)
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Chant guerrier (Chor, Klavier)
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La belle voygeuse
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Chanson à boire (Chor, Klavier)
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Chant sacré (Chor, Klavier)
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L´origine de la harpe
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Adieu Bessy
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Élégie
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1830
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Erster Preis beim Rompreis-Wettbewerb
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La Mort de Sardanapale.
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Er wollte sie mit "einer Art beschreibender Symphonie"
abschließen, die "die Feuersbrunst" schildern sollte, "die Schreie
der sich sträubenden Frauen, die wilden Rufe des mutigen Wüstlings,
der noch inmitten der steigenden Flammen dem Tod trotzt, und das Getöse
beim Zusammenstürzen des Palastes" (Mémoires I, S. 184).
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Dieses Finale hat Berlioz wohlweislich der Prüfungskommission
vorenthalten; so war ihm der erste Preis sicher.
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Mit 27 Jahren: Ende der Studienjahre. Erst jetzt
sind die Eltern stolz auf ihn und versöhnen sich mit ihrem Sohn.
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Bekanntschaft und Romanze mit Camille Moke.
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Orchestrierung der "Marseillaise"Fantasie sur
la Tempête (Text: Berlioz) (Chor und Orchester)
Camille Moke schlüpft darin in die Rolle einer geliebten Shakespeare-Figur,
des Ariel, dem Berlioz in der bezaubernden Fantasie huldigt.
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Konzert
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Ein letztes Konzert, das Berlioz vor dem Antritt
der Italienreise arrangiert, bringt am 5. Dezember 1830 unter Habenecks
Leitung Sardanapale und die erste Aufführung der Symphonie fantastique.
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"Ich hatte einen rasenden Erfolg", schreibt Berlioz
an Ferrand, "die Symphonie fantastique wurde mit Geschrei und Getrampel
begrüßt, die Marche au supplice hat man da capo verlangt. Der
"Sabbat" hat alles mit fortgerissen durch seine satanische Wirkung." (Corr.
gén. I, S. 387).
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Spontini, der die "Marche au supplice" in
Beethovens
Rang erhebt, und Meyerbeer bekunden ihre Begeisterung; auch Liszt,
dem Berlioz am Vorabend begegnet war, "wohnte dem Konzert bei, in dem er
sich durch sein Applaudieren und seine enthusiastischen Kundgebunden dem
ganzen Publikum bemerkbar machte" (Mémoires I, S. 187). Fétis
äußerte sich in der "Revue musicale": "Die Symphonie ist eine
sehr außergewöhnliche Komposition; aufs deutlichste manifestiert
sich in ihr das auf neue Effekte gerichtete Genie, und zwei Sätze
(Le Bal und La Marche au supplice) verkünden eine reiche Einbildungskraft
- kurz, man findet hier eine individuelle Physiognomie, die sich außerhalb
der gewöhnlichen Kunstformen ausdrückt. Doch im allgemeinen erregt
diese Musik mehr Erstaunen als Gefallen; es mangelt ihr an Charme, und
so sehr sie große Fähigkeiten des Verfassers zeigt, läßt
sie doch bedauern, daß er sie nicht auf eine Art und Weise eingesetzt
hat, die besser mit dem Endzweck der Kunst übereinstimmt." (Revue
musicale, IIe série, 4e année, Bd. 10, Paris 1830, S. 151)
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Beginn der Freundschaft mit Franz Liszt, der
schon seit 1824 in Paris konzertiert und insgesamt zwölf entscheidende
Jahre seines Lebens verbringt.
Kontrapunkte: Nizza und Rom (1831-1832)
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1831/32
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Aufenthalt in Rom
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Als Stipendiat in der Villa Medici in Rom. "Ich mußte
also, ob ich wollte oder nicht, mich der Académie in Rom zuwenden."
(Mémoires I, S. 189). Eine Bitte um Dispens an den Innenminister
blieb ohne Erfolg und so brach er im Februar 1831 auf und kam im März
in Rom nach turbulenter Reise an. Die Reise ist nur durch "alberne Notwendigkeit"
veranlaßt (Mémoires I, S. 195).
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Die 22 Stipendiaten der Académie de France
in der Villa Medici genießen eine "nahezu unbeschränkte Freiheit"
(Mémoires I, S. 197)
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Enttäuschung um Camille Moke und Aufenthalt
in Nizza
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Er hoffte in Rom bereits Briefe von Camille Moke
vorzufinden (Mémoires I, S. 203). "drei Wochen lang wartete ich
mit wachsender Sorge; schließlich bestand ich darauf, nach Frankreich
zurückzukehren." In Florenz erhält Berlioz "eine Epistel", die
er als "unerhört und beleidigend" empfindet: "Madame Moke zeigte die
Heirat ihrer Tochter mit Monsieur Pleyel an" (Mémoires I, S. 204).
Berlioz beschließt im Augenblick, in Verkleidung "nach Paris zu fliegen
und dort zwei schuldige Frauen und einen unschuldigen Mann erbarmungslos
umzubringen." Versehen mit der "vollständigen Toiletee einer Zofe",
von einer Modistin in wenigen Stunden angefertigt, und ein "Paar Doppelpistolen"
(Mémoires I, S. 205), macht sich der Rächer auf den Weg nach
Frankreich. Während der Fahrt verselbständigt sich sein Plan
wie eine schauspielerische Rolle: "Ich überlegte mit großer
Sorgfalt die kleine Komödie, die ich bei meiner Ankunft in Paris spielen
wollte. Ich stellte mich bei meinen Freunden gegen neun Uhr abends ein,
wenn die Familie zum Tee versammelt war; ich ließ mich als die Kammerfrau
der Gräfin M. melden .. man führte mich in den Salon; ich übergab
einen Brief, und während man damit beschäftigt war ihn zu lesen
zog ich aus meinem Busen die Doppelpistolen ... Oh welch hübsche Szene!
Es ist wirklich schade, daß sie gestrichen wurde!" (Mémoires
I, S. 207).
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In Nizza schließlich ist "der Kampf zwischen
Leben und Tod" entschieden (Mémoires I, S. 208). Denn "Das Leben
und die Freude eilen auf schnellen Flügeln herbei, die Musik schließt
mich in ihre Arme, die Zukunft lächelt mir zu; und ich bleibe einen
ganzen Monat in Nizza, laufe in den Orangenwäldern herum, tauche im
Meer, schlafe in der Heide des Gebirges ... Ich lebe ganz für mich
allein, ich schreibe die Ouverture Le Roi Lear, ich singe, ich galube an
Gott. Genesung. Auf diese Weise habe ich in Nizza die zwanzig schönsten
Tage meines Lebens zugebracht." (Mémoires I, S. 209)
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Ouverture Le roi Lear
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Aufenthalt in Florenz
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Trotz dieser Eskapade sagte ihm der Akademiedirektor
zu, man werde ihn in Rom "mit offenen Armen empfangen." (Mémoires
I, S. 209). So fährt er zunächst wieder nach Florenz.
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In Florenz notiert er aus Anlaß von Bellinis
neuer Romeo- und Julia-Oper "I capuleti ed i Montecchi", an der ihn vor
allem das Libretto enttäuschte: "Welch ein sujet! Wie ist alles darin
für die Musik vorgezeichnet!" (Mémoires I, S. 214)
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Rückkehr nach Rom
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Schließlich kehrt er nach Rom zurück.
Berlioz der "aus dem Zentrum der Zivilisation" kam "fand sich nun auf einmal
abgeschnitten von Musik, Theater, Literatur, Anregungen, kurz von allem,
worin mein Leben bestand ... die Langeweile" drohte ihn umzubringen. Lediglich
die Reste antiker Größe erregen in ihm "Schauer" der Bewunderung.
(Mémoires I, S. 221).
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"Die vernünftigen Leute wissen nicht, welchen
Grad von Lebhaftigkeit so das Gefühl des Daseines erreichen kann.
Das Herz wird weit, die Einbildungskraft entfaltet ungeheure Flügel,
man lebt mit Ungestüm, der Körper selbst nimmt teil an dieser
übermäßigen Erregung." (Mémoires I, S. 230)
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"Grausame Erinnerung an die Tage der Freiheit, die
nicht mehr sind! Freiheit des Herzens, des Geistes, der Seele, Freiheit
in allem; Freiheit untätig zu sein, selbst nicht einmal zu denken;
Freiheit die Zeit zu vergessen, den Ehrgeiz zu verachten, über den
Ruhm zu lachen ... Wahre, unbedingte, maßlose Freiheit! O großes
und starkes Italien!" (Mémoires I, S. 232) Und doch "Das künstlerische
Italien liegt wie die "schöne Julia" in ihrem Sarg." (Mémoires
I, S. 232)
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Er wanderte tagelang in den Abruzzen, in der Campagna
und in Latium, spielt halbe Nächte lang auf seiner Guitarre zum Aaltarello
auf und lausch der Volksmusik, zu deren Liebhaber er wird. Er verabscheut
von Herzen die Musik, die in Theatern und Kirchen zu hören ist, wenn
zum Beispiel ein Organist im Benediktinerkloster Subiaco "bei der Messe
am Palmsonntag uns" mit Rossinis "Cenerentola"-Ouvertüre "beehrt".
Stattdessen hält er sich lieber an "die Bauernmusik; die hat doch
wenigstens Ursprünglichkeit und Charakter" (Mémoires I, S.
234)
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"Unter allen Künstlerexistenzen gibt es keine
traurigere als die eines fremden Musikers, der die Kunst liebt und hier
zu wohnen verdammt ist." Und nur die gewaltige Dimension der Peterskirche
beeindruckt ihn: "Das ist so groß! so vornehm! so schön! so
majestätisch ruhig!" und er erwartet hier, eine Musik zu hören,
"die den unaufhörilichen Lobgesang der anderen Künste zusammenfaßt
und mit mächtiger Stimme zu den Füßen des Ewigen emporträgt."
(Mémoires I, S. 241 f.). Grenzenlos ist dann aber die Enttäuschung
über die "trostloseste Wirklichkeit", über die Vokalpolyphonie
Palestrinas,
jenes berühmten "Komponisten, wenn man mit diesem Namen Musiker bezeichnen
darf, die ihr Leben damit zubrachten, Akkordfolgen ... zusammenzustoppeln."
"Er konnte keine andere Musik schreiben, das ist die Wahrheit" (Mémoires
I, S. 243 f.)
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Die kompositorischen Erträge sind mangels Anlässen,
Aufträgen und Anregungen nicht eben reichlich: "Man muß, wie
man sieht, fast darauf verzichten, Musik zu hören, wenn man in Rom
wohnt; ich war sogar ... so weit gekommen, daß ich nicht mehr komponieren
konnte." (Mémoires I, S. 248) Als notwendige Pflichtkomposition
schickt Berlioz das "Resurrexit" von 1824 nach Paris, "in dem die Herren
einen sehr beachtlichen Fortschritt fanden, einen spürbaren Beweis
für den Einfluß meines Aufenthaltes in Rom auf meine Ideen und
die vollständige Aufgabe meiner wunderlichen Tendenzen." (Mémoires
I, S. 250)
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Ouverture Rob Roy
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Méditation réligieuse (Text nach
Thomas Moore)
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Lélio ou Le retour à la vie,
Monodrame lyrique (Text: Berlioz) (Sprecher, Soli, Chor, Klavier, Orchester).
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In der in Rom wesentlich entstandenen letzten Version
der Symphonie fantastique koppelt Berlioz die Symphonie mit diesem Monodrama,
das fast zur Gänze aus bereits vorhandenen, teilweise umgearbeiteten
Kompositionen besteht. Die vorgeschlagene "dramatische" Ausführung
der Symphonie fantastique muß man sich wohl so vorstellen, daß
Lélio, auf der Vorderbühne schlummernd, die Symphonie träumt,
die - wie ja anschließend auch die ganze Musik des Lélio bis
zum letzten Monolog dieses Stücks - hinter dem Vorhang gespielt wird.
("Épisode de la vie d´un artiste" lautete der Obertitel zunächst
für die Symphonie fantastique, später für beide Werke).
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Die autobiographische Komponente speilt eine deutliche
Rolle: das Harriet- und das Camille-Erlebnis sind gespiegelt, das "retour
à la vie" ist eine deutliche Anspielung auf die Genesung in Nizza,
und in der "Chanson de brigands" klingt Berlioz´ Begeisterung über
die "Reize des Räuberlebens" nach, "das, trotz seiner Strapazen, heutzutage
wirklich allein das für einen ehrlichen Mann würdige wäre."
(Mémoires I, S. 259) Lélio trägt aber auch die Züge
des Hamlet von Byron.
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Rom
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Er reist nach Neapel, wo er das einzige Mal meint
- im Teatro san Carlo - Musik zu hören, nämlich eine Opera buffa
Gaetano
Donizettis, die man "mit einer Verve, einem Feuer, einem Brio" spielt,
"die diesem Theater einen unbestreitbaren Vorrang vor den meisten Opernhäusern
verleihen." (Mémoires I, S. 260)
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Berlioz hat so die wenigste Zeit in der "akademischen
Kaserne" (Mémoires I, S. 269) zugebracht.
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Sein Hausgenosse Émile Signol (1804-1892)
malt Berlioz. Das "Porträt, das, wie es der Brauch ist, vom ältesten
unsrer Maler gemacht wird und in der Galerie des Speisesaales seinen Platz
findet" (Mémoires I, S. 272), wo es heute noch hängt.
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Er übt heftige Kritik an der Kirchenmusik und
der Opernmusik: Die Kirchenmusik ist nicht religiös und die Opernmusik
nicht dramatisch: "Diese Musik lacht immerzu" (Mémoires I, S. 277).
"Für die Italiener ist die Musik ein sinnliches Vergnügen, nichts
anderes. Sie haben vor dieser schönen Kundgebung des Gedankens kaum
mehr Achtung als vor der Kochkunst."
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Bekanntschaft mit dem sechs Jahre jüngeren
Felix
Mendels(s)ohn Bartholdy
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Mendelssohn Bartholdy hat auf seiner grand tour ein
halbes Jahr in Rom zugebracht. Man unternimmt gemeinsame Spazierritte in
die Campagna.
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Berlioz bringt ihm rückhaltlos Bewunderung entgegen:
"... ich glaube fest, daß er eine der größten musikalischen
Begabungen unserer Zeit ist" (Corr. gén. I, S. 441), ein "enormes,
außergewöhnliches, überragendes, wunderbares Talent" (Corr.
gén I, S. 486).
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Umgekehrt findet Mendelssohn wenig Geschmack an Berlioz´
"affektiertem" Wesen: "Ich mag diesen nach außen gekehrten Enthusiasmus,
diese den Damen präsentierte Verzewiflung und die Genialität
in Fraktur, schwarz auf weiß, ein für allemal nicht ausstehen."
(Felix Mendelssohn Bartholdy: Briefe einer Reise", Zürich 1958, S.
124)
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1832
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Bis Mai bleibt Berlioz in Rom.
Helmut Zenz - 2003