Die fruchtbarste Periode (1832-1842)
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1832
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Im Mai: Rückkehr nach Frankreich
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nach nur 14 Monaten
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zunächst nach La Côte, wo er einige Monate
verbringt und das Aufführungsmaterial für Lélio vorbereitet.
"Alle diese Villen, dies üppige Grün ... das ist entzückend,
das ist schön, es gibt in Italien nichts Ähnliches! ... Aber
meine begeisterte, naive Freude wurde plötzlich durch einen stechenden
Schmerz gebrochen, den ich im Herzen fühlte ... Mir war, als hätte
ich in der Ferne das Tosen von Paris gehört." (Mémoires I,
S. 281)
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Im Oktober verläßt Berlioz La Côte,
"die alte prosaischte Welt" der Provinz (Corr. gen. II, S. 18).
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Im Oktober: Rückkehr nach Paris
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Zufällig bezieht er in Paris ein Appartment,
das kurz vorher von Harriet Smithson bewohnt war. Als er es herausfand,
kamen die alten Gefühle für sie zurück.
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Am 9. Dezember: Erstes Konzert nach der Rückkehr
in Paris und Begegnung mit Harriet Smithson
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im Conservatoire unter Habenecks Leitung die
"Symphonie fantastique" zusammen mit der Fortsetzung "Lélio".
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Auf Grund einer "Folge unglaublicher Zufälle"
kam es, daß Berlioz Harriet Smithson zu diesem Konzert in
eine Loge einladen konnte; "sie war jedoch weit davon entfernt zu ahnen,
daß sie die Heldin jenes so seltsamen wie schmerzvollen Dramas sei."
(Mémoires I, S. 286)
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Er schreibt seiner Schwester Adèle: "Ich hatte
einen außerordentlichen Erfolg, ich wurde von Beifallssütrmen
erdrückt und, was mir noch nie widerfahren ist, vom Publikum, das
mich vor dem Verlassen des Saals noch einmal zu sehen verlangte, lautstark
hervorgerufen." (Corr. gén II, S. 40)
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Berlioz wird ebenfalls den nächsten Tag
Harriet
Smithson vorgestellt; und bald darf er, in Gegenwart ihrer Schwester
vernehmen: "Eh bien, Berlioz ... je vous aime" ... Ich glaube den Verstand
zu verliren. Ja, sie liebt mich! Sie hat das Herz Julias, das ist meine
Ophelia!" (Corr. gén, II, S. 60)
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La captive (Text: Victor Hugo), Sololied mit
Klavier
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um 1832: Le jeune pâtre breton (Text:
August Brizeux)
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1832 tritt Frédéric Chopin zum
erstenmal in Paris auf. Neben Meyerbeer, Paganini und vor
allem Liszt, ist er einer der wenigen Musiker, die für Berlioz
zählen.
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1833
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Am 3. Oktober mit 30 Jahren: Heirat mit Harriet
Smithson.
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trotz der Opposition beider Familien und der Schulden
von Smithson.
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Franz Liszt ist einer der Trauzeugen. Berlioz´
heftige, unerwiderte Leidenschaft für Harriet findet in dieser Ehe
aber nicht ihr Ziel, sondern ihr Ende. Außerdem beginnt er sie am
"Abgrund der Schulden meiner Frau" (Mémoires I, S. 296)
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Dezember: Mehrere Konzerte
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Eine Aufführung der "Symphonie fantastique"
im Dezember 1833, wurde zum "größten Erfolg, den ich hier jemals
gehabt habe. Das Publikum ließ die Marche au supplice wiederholen
... Es war das erste Mal, daß mir die Ehre des "bis" zuteil wurde."
(Corr. gén, II, S. 143).
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Bei einer Aufführung von "King Lear", ebenfalls
im Dezember, gab ihm Niccolò Paganini nach dem Konzert die
Ehre: "Schließlich, um mein Glück zu vervollständigen,
erwartete mich, als das Publikum gegangen war, ganz allein im Saal ein
Mann mit langen Haaren, durchdringendem Blick und eigentümlichen verwittertem
Gesicht, ein Mann, besessen vom Genie, ein Koloß unter den Riesen,
ein mann, den ich noch nie gesehen hatte und dessen erster Anblick mich
tief verwirrte. Er hielt mich an, als ich vorüberging, um mir die
Hand zu drücken, er überschüttete mich mit glühenden
Lobsprüchen, die mir Herz und Kopf entflammten - es war Paganini!!"
(Mémoires I, S. 296 f.)
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1834
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Harold en Italie, Symphonie avec
un alto principal (mit konzertierender Viola)
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Januar: Die Pariser Zeitungen berichten, Paganini
habe
"von Berlioz eine neue Komposition nach der Art der Symphonie fantatique"
erbeten. "Dieses Werk soll den Titel haben: Die letzten Augenblicke der
Maria Stuart, dramatische Fantasie für Orchester, Chor und Solobratsche."
(zit. n. Corr. gén. II, S. 159).
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März: Brief an Ferrand: "Ich bin dabei, die
Symphonie mit Solobratsche zu vollenden, mit der mich Paganini beauftragt
hat. Ich rechnete damit, sie in nur zwei Sätzen zu machen, aber mir
kam noch ein dritter, dann ein veirter; ich hoffe jedoch, daß ich
mich daran halte." (Corr. gén. II, S. 164)
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Bei diesem angeblichen Auftrag könnte es sich
aber auch um ein "Reklamemanöver" gehandelt haben.
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Berlioz schreibt: "Ich glaube, Paganini wird finden,
daß die Bratsche nicht genügend konzertmäßig behandelt
ist; es ist eine Symphonie nach einem neuen Plan ..." (Corr. gén
II, S. 196)
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In den Mémoires hält Berlioz dazu fest:
"Kaum war der erste Satz geschrieben, als Paganini ihn sehen wollte. Beim
Anblick der Pausen, die die Bratsche im Allegro hat, rief er aus:
`Das geht nicht! Ich schweige hier viel zu lange, ich muß immerfort
zu spielen haben!" ... Ich erkannte, daß mein Plan der Komposition
ihm nicht passen konnte, und befaßte mich nun, ihn mit einer anderen
Intention durchzuführen, und mich nicht weiter darum zu kümmern,
die Solobratsche besonders hervorzuheben." "Ich stellte mir vor, für
Orchester eine Folge von Szenen zu schreiben, an denen sich die Solobratsche
wie eine mehr oder weniger aktive Rollenfigur beteiligen würde, die
dabei hhren eigenen Charakter bewahrt." "Harolds Gesang überlagert
sich den anderen Melodien des Orchesters, bildet zu ihnen durch seine Bewegungsart
(mouvement) und seinen Charakter einen Kontrast, ohne die Entwicklung zu
unterbrechen." "Ich wollte die Bratsche in den Mittelpunkt poetischer Erinnerungen
stellen, die ich von meinen Wanderungen in den Abruzzen behalten hatte,
eine Art melancholischen Träumer wie Byrons Childe Harold." (Mémoires
I, S. 297 f.)
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August: Abschluß der Komposition Harold
en Italie.
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Mai: Brief an Adèle: "Meine Freunde sind für
einen halben Tag zu mir gekommen ...: Alfred de Vigny, Antony
Deschamps, Liszt, Hiller und
Chopin. Wir haben
geplaudert, über Kunst, Dichtung, Geist, Musik und Drama diskutiert,
schließlich über alles, was das Leben ausmacht." (Corr. gén.
II, S. 181)
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Alfred Comte de Vigny (Dichter 1797-1863)
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Antony Deschamps (französisch-romantischer
Schriftsteller 1800-1869)
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Ferdinand Hiller (deutscher Dirigent und Komponist
1811-1885, von 1828-1835 in Paris)
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Berlioz ist Mittelpunkt eines romantischen Kreises
um:
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Victor Hugo (französisch-romantischer
Schriftsteller und Politiker 1802-1885, 1851-1870 Exil) (befreundet)
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Alexandre Dumas
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Honoré Balzac (Schriftsteller 1799-1850,
seit 1814 in Paris),
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Eugène Delacroix (französisch-romantischer
Maler, Aquarellist, Zeichner, Litograph, Grafiker, 1798-1863, ab 1834 in
Paris),
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Gérard de Nerval (französisch-romantischer
Dichter 1808-Selbstmord 1855) (befreundet)
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Er ist darüber hinaus befreundet mit:
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George Sand (Schriftstellerin 1804-1876, seit
1831 in Paris), (befreundet)
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Thomas Gounet, (befreundet)
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Joseph d´Ortique (befreundet)
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Geistig nahe stehen ihm außerdem:
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Théophile Gautier (französisch-romantischer
Maler, dann realistischer Schriftsteller und Kritiker 1811-1872)
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Marie Henri Stendhal (Schriftsteller 1783-1842,
die letzten Lebensjahre in Paris),
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Camille Corot (Maler 1796-1875),
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Gustave Courbet (realistischer Maler 1819-1877,
seit 1840 in Paris).
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Mit ihnen vollzieht er - im Grunde als einziger französischer
Musiker - auch den Übergang von der Romantik zur modernen Kunst des
Realismus in Zuge der, aber auch gegen die Juli-Monarchie.
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Im Mai: Beginn mit dem Libretto zu Benevenuto
Cellini.
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"Sein Charakter liefert mir in mancher Hinsicht ein
vorzügliches Sujet." (Corr. gén. II, S. 184)
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Das Libretto von Benvenuto Cellini
wird zunächst zurückgewiesen: "Bei der Opéra-comique betrachtet
man mich als einen Pionier, einen Umstürzler des nationalen Genres,
und man will von mir nichts wissen. Daher hat man das Libretto abgelehnt,
um nicht die Musik eines Verrückten zulassen zu müssen." (Corr.
gén. II, S. 197). "Oh! Einmal muß es doch soweit sein, vorwärts!
Ich mache mir keine Sorge; wenn ich bloß das Nötige hätte,
was ich zum Leben brauche ... würde ich noch ganz andere Dinge unternehmen
als Opern." "Die Musik hat weite Flügel, die sie in den Mauern eines
Theaters nicht ganz entfalten kann." (Corr. gén. II, S. 198)
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Am 14. August wird Sohn Louis geboren:
Der "kleine Louis, das süßeste und hübscheste Kind, das
ich je gesehen habe." (Corr. gén. II S. 209)
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Der schon ganz Klassizist gewordene Mendelssohn-Bartholdy
urteilt 1834 über die Ouverture Les Franc-Juges: "Seine Instrumentierung
ist so entsetzlich schmutzig und durcheinander geschmiert, daß man
sich die Finger waschen muß, wenn man mal eine Partitur von ihm in
der Hand gehabt hat. Zudem ist es doch auch schändlich, seine Musik
aus lauter Mord und Not und Jammer zusammenzusetzen" (Briefe von Felix
Mendelssohn Barthodly an Ignaz und Charlotte Moscheles", Leipzig 1888,
S. 85)
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1834/35
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Berlioz ist mit der Opéra wegen einer Oper
über "Hamlet " im Gespräch: "Alle Dichter von Paris, von Scribe
bis Victor Hugo, haben mir Operndichtungen angeboten; nur diese
dummen Kanaillen von Direktoren hindern mich noch daran, vorwärts
zu kommen." (Corr. gén. II, S. 230)
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Lob für Meyerbeer
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"der einzige von den bedeutenden Musikern, der mir
wirklich lebhaftes Interesse bezeugt hat" (Corr. gén. II, S. 231).
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Meyerbeer feierte mit "Robert le diable" (1831)
und mit "Les Huguenots" (1836) triumphale Erfolge.
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Aber auch er bleibt um ein wesentliches konventioneller,
glatter, einggängiger, weniger zupackend, schlicht gesagt, weniger
modern als Berlioz.
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Kritik am Pariser Publikum: "Denn die Liebe der Pariser
Musik geht nicht so weit, daß sie sich Pferderennen und anderen Schauspielen
fürs Auge vorzögen." (Corr. gén. II, S. 239)
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um 1834: Les champs - Aubade (Text: Pierre-Jean
de Béranger)
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Berlioz orchestriert Le jeune pâtre breton
von 1832
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1835
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Berlioz über die Franzosen, die wahre Musik
und sein Publikum: "Es ist wahrscheinlich, daß die Franzosen in sechs
oder sieben Jahren anfangen werden, die wahre Musik zu begreifen. Was mich
betrifft, so habe ich mein Publikum, das täglich größer
wird." (Corr. gén. II, S. 244)
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Berlioz übernimmt das Musikfeuilleton am
"Journal des Débats"
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Berlioz klagt: "Das wirklich Schreckliche in dieser
Situation ist, daß meine Zeitungen mir nicht ein Viertel oder ein
Sechstel einbringen von dem, was ich mit meinen Konzerten gewinnen könnte,
wenn ich komponieren könnte", wofür wiederum kaum die Zeit bleibt."
(Corr. gén. II, S. 244)
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"Ich arbeite wie ein Neger für vier Zeitungen,
die mir das tägliche Brot geben." (Corr. gén. II, S. 247)
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1835-1838 Benevenuto Cellini, Oper (Text: Léon
de Wailly und Auguste Barbier)
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Im Sommer 1835 gelingt es Berlioz, Duponchel,
den neuen Direktor der Opéra, für Benvenuto Cellini zu interessieren;
er erhält "die geschriebene Zusicherung ... daß die Oper früher
oder später aufgeführt werden wird." (Corr. gén. II, S.
252 f.). "Duponchel ist immer mehr von dem Stück eingenommen,
aber er mißtraut immer mehr meiner Musik (die er allerdings nicht
kennt), und er zittert vor Angst."
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Schließlich lehnt der Berlioz wenig zugetane
Innenminister Adolphe Thiers einen entsprechenden Kontrakt ab. Das
Sujet entstammt den "Memoiren, die dieser Bandit von Genie geschreiben
hat" (Corr. gén. II, S. 253)
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Le cinq mai, Chant sur la mort de l´Empereur
Napoléon (Text: Pierre-Jean de Béranger) (Solo, Chor, Orchester)
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Berlioz nimmt "die schlechten Verse von
Béranger"
(Corr. gén. II, S. 279) für seine - aus freien Stücken,
nciht etwa als Auftragswerk komponierte - Kantate zum Gedenken an Napoleons
Todestag.
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Meyerbeer "und Bertin bewegen mich
... meine Oper zu schreiben" (Corr. gén. II, S. 281)
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Entschluß, seine Kompositionen möglichst
selbst zu dirigieren, da selbst von erfahrenen Dirigenten, "die Tempi immer
falsch genommen wurden" (Corr. gén. II, S. 282)
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Les francs-juges <Ouvertüre> / Arr.] Berlioz,
Hector. Leipzig, [um 1835]
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R. Schumann: Sinfonie von H. Berlioz (1835),
in: Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, hrsg. von M. Kreisig,
Leipzig 1914, Bd. I. Schumann kannte das Werk nur durch den von Liszt angefertigen
und 1834 veröffentlichten Klavierauszug. Instinktiv lehnt er die brutalen,
gewalttätigen Züge der Symphonie ab und verurteilt das Programm:
"Ganz Deutschland schenkt es ihm: solche Wegweiser haben immer etwas Unwürdiges
und Charlatanmäßiges." "Wollte man gegen die ganze Richtung
des Zeitgeistes, der ein Dies irae als Burleske duldet, ankämpfen,
so müßte man wiederholen, was seit langen Jahren gegen Byron,
Heine, Victor Hugo,
Grabbe und ähnliche geschrieben
und geredet worden. Die Poesie hat sich auf einige Augenblicke in der Ewigkeit
der Maske der Ironie vorgebunden, um ihr Schmerzensgesicht nicht sehen
zu lassen; vielleicht daß die freundliche Hand eines Genius sie einmal
abbinden wird." (S. 69 f.)
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1836
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Berlioz äußert sich zu seinem Verständnis
von Programmmusik: In einer besonderen Anmerkung zum Programm der Symphonie
(zit. n. BNE, Bd. 16, S. 170), heißt es: "In der Tat handelt es sich
keineswegs darum - wie manche offenbar geglaubt haben -, hier eine genaue
Reproduktion dessen zu geben, was der Komponist mit den Mitteln des Orchesters
auszudrücken sich bemüht hatte. Genau das Gegenteil ist der Fall:
Um die Lücken in der Entwicklung des dramatischen Gedankens zu füllen,
die von der musikalischen Sprache notwendigerweise offen gelassen werden,
mußte er zur geschriebenen Prosa Zuflucht nehmen, um den Plan der
Symphonie darzulegen und zu rechtfertigen. Der Verfasser weiß sehr
wohl, daß die Musik weder das Wort noch die Kunst der Zeichnung zu
ersetzen imstande sein wird."
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1836 erscheint die Partitur der Ouvertüre
Les
Francs-Juges. Der Leipziger Verleger Hofmeister hatte ohne
Einwilligung des Komponisten einen entstellenden Klavierauszug herausgebracht,
was Berlioz sehr erbittert hat.
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1837
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Ende der dreißiger Jahre: Interesse an Berlioz´
Musik außerhalb von Paris
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Robert Schumann veranlaßt, dass die
Ouverture Les Francs-Juges in Leipzig aufgeführt
wurde.
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Berlioz dankte Schumann mit einem ausführlichen
Brief, worin er auch erklärt, warum er seine beiden Symphonien nicht
im Druck erscheinen lassen und auch die Manuskripte nicht zu Aufführungszwecken
aus der Hand geben wollte. "Ich liebe diese armen Kinder mit einer väterlichen
Liebe, die nichts Spartanisches an sich hat, und ich ziehe tausendmal vor,
sie unbekannt, aber unversehrt zu wissen, als sie in die Fremde zu schicken,
wo sie den Ruhm finden können, aber auch schlimme Wunden und den Tod."
(Corr. gén. II, S. 329 f.)
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"Der Beifall Deutschlands, dieses Vaterlands der
Musik, ist in meinen Augen von zu hohem Wert und er wird mir, fürchte
ich, zu schwierig zu erringen sein (wenn überhaupt ich ihn erringe),
als daß ich nicht den Augenblick abwartete, in dem ich selbst als
Pilger meine bescheidene Opfergabe zu seinen Füßen niederlegen
könnte."
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Grande messe de morts (Requiem)
(Solo, Chor, Orchester)
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Im März beauftragt der Innenminister Adrien
Comte de Gasparin Berlioz damit, ein Requiem "für den Jahrestag des
Todes von Marschall Mortier" zu schreiben (Corr. gén. II, S. 337).
Édouard Mortier war eines der Opfer des Attentats Giuseppe Fieschis
von 1835.
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Cherubini, der zunächst das nach traditionellem
Recht ihm zustehende Requiem selbst aufführen wollte, verzichtete
aufgrund der Order von oben zunächst. "Der Text des Requiems war für
mich eine langbegehrte Beute, die mir endlich überlassen wurde, und
auf die ich mich mit einer Art Wut warf. Mein Kopf schien unter der Anstrengung
meines glühenden Denkens fast zu platzen." (Mémoires II,
S. 7)
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Als Cherubini aber von einer bevorstehenden
Kabinettsumbildung im April erfuhr, begann er die Ausfertigung der Ordre
zu hintertreiben. Nach erfolgter Umbildung erhielt Berlioz im Juli - nach
Beginn der Proben - "aus dem Ministerium einen Brief mit der Mitteilung,
daß die Trauerfeierlichkeiten für die Julihelden ohne Musik
stattfinden würden, und mit dem Befehl, alle meine Vorbereitungen
einzustellen." (Mémoires II, S. 7).
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Berlioz spricht immer wieder von "Verschwörung"
und einmal auch von seiner "Zwangsarbeits-Existenz" (Corr. gén.
II, S. 340).
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Nach der Einnahme von Condelte im Algerien-Krieg
erneuert der Kriegsminister den Auftrag für ein Requiem zu einem "feierlichen
Gedenkgottesdienst" für den gefallenen General Charles Comte de Damremont.
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Am 5. Dezember fand im Invalidendom "in Gegenwart
der Prinzen, der Minister, der Paris, der Abgeordneten, der ganzen französischen
Presse, der Korrespondenten ausländischer Zeitungen und einer großen
Menschenmenge" (Mémoires II, S. 10) die Aufführung des Requiems
unter Leitung Habenecks statt." Der Schrecken, den die fünf
Orchester und die acht Paar Pauken verbreiteten, ... läßt sich
nicht beschreiben." (Corr. gén. II, S. 391) "Wahrhaftig, es war
von schrecklicher Größe. Sie haben den Brief des Kriegsministers
gelesen; ich habe noch, ich weiß nicht wi viele, andere in der Art
bekommen ... von verschiedenen Künstlern, von Malern, Musikern, Bildhauern,
Architekten und Dichtern." (Corr. gén. II, S. 391 f.)
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Dazu Dömling: "Das Genre des Monumentalen vereint
für Berlioz - und für seine Zeit zwei Begriffe: das Erhabene
und das Schreckliche. (Das Thema des Requiem umfaßt beide.) Das Erhabene
in der Spielart des Antikisierenden (...) und des Religiösen; das
Schreckliche als das Apokalyptische, gleichfalls dem religiösen Bereich
zugehörig, und als das Kolossale, Gigantische, das - mit Berlioz´
Lieblingsausdrücken - "Babylonische, Ninivetische"." (Berlioz, 1977;
(4)1993, S. 71)
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Tod von Jean-Francois Le Sueur
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Adolphe Adam (1803-1856): "... diese Musik,
die, zusätzlich zu einem beträchtlichen Orchester normaler Zusammensetzung,
noch zwanzig Posaunen, zehn Trompeten und vierzehn Pauken heranzog. Eh
bien!, all das hatte nicht die geringste Wirkung. Und trotzdem, lesen Sie
die Zeitungen, mit wenigen Ausnahmen preisen sie die Messe als ein Meisterwerk.
Das kommt, weil Berlioz selbst Journalist ist; er schreibt im "Journal
des Débats", der einflußreichsten Zeitung, und alle Journalisten
unterstützen sich gegenseitig. Man muß sagen, so verabscheuungswürdig
er als Musiker ist, so elegant schreibt er zum Ausgleich." (zit. n. J.-G.
Prod´homme, Hector Berlioz jugé par Adolphe Adam, in: Zeitschrift
der internationalen Musikgesellshaft, 5, 1903/04, S. 476)
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1838
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Tod von Berlioz´ Mutter
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1. Februar: Berlioz erhält 4000 Francs für
das Requiem. Die Partitur wurde damit Besitz des französischen Staates.
Noch 1838 erschien die Druckausgabe. Es war nach Huit Scénes de
Faust die erste Publikation eines größeren Werkes von Berlioz.
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Berlioz zu seiner Kritikertätigkeit: "Ich amüsiere
mich oft damit, die unterirdische Arbeit gewisser Leute zu verfolgen, die
einen zwanzig Meilen langen Tunnel graben, um zu einem sogenannten `guten´
Feuilleton zu kommen ... Es gibt nichts Lächerlicheres als die mühsame
Arbeit, die Geduld, mit der sie den Gang bahnen und das Gewölbe aufbauen
- bis zu dem Moment, in dem der Kritiker, gereizt durch diese Maulwurfsarbeit,
plötzlich einen Strahl Wasser losschickt, der ... den Grubenarbeiter
überflutet." (Mémoires II, S. 19)
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Am 10. September Premiere von Benvenuto.
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"Gewisse Episoden aus dem Leben Benvenuto Cellinis
hatten mir den lebhaftesten Eindruck gemacht." "Ich sehe heute noch nicht,
inwiefern es geringer ist als so und so viele andere, die man tagtäglich
aufführt." (Mémoires II, S. 25). Da "bereitet man der Ouverture
einen übertriebenen Erfolg und zischte alles Übrige mit bewundernswerter
Einmütigkeit und Energie aus (Mémoires II, S. 27). Der Schriftsteller
und Ernest Legouvé hatte ihm zuvor mit größter Diskretion
eine Geldsumme zur Verfügung, "mit deren Hilfe ich "Benevenuto" zu
Ende führen konnte." (Mémoires II, S. 29)
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Am 20. September schreibt Berlioz an Ferrand: "Man
publiziert Broschüren pro und contra. Es ist ein Handgemenge, in dem
meine Verteidiger fast ebenso viele Torheiten vorbringen wie meine Verleumder
... Die Franzosen haben die Leidenschaft, über die Musik zu disputieren,
dabei haben sie weder die nötigsten Kenntnisse noch das Empfindungsvermögen.
So war es im vergangenen Jahrhundert, so ist es jetzt, und so wird es bleiben."
(Corr. gén. II, S. 457) Nun sehen Sie, wir taten unrecht zu glauben,
ein Libretto, in dem es um ein künstlerisches Interesse, eine Künstlerleidenschaft
geht, könne dem Pariser Publikum gefallen." (Corr. gén II,
S. 458)
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Nach insgesamt sieben Aufführungen verschwand
die Oper vom Spielplan.
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Ein Exemplar des Requiems durfte er pesönlich
dem Herzog von Orléans überreichen, "der sich seit langem
auf dieses Werk subskribiert hatte. Der Prinz war sehr liebenswürdig
und freundlich." (Corr. gén. II, S. 477).
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Paganini, Harold en Italie und das
Geldgeschenk
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Paganini verbrachte die letzten Jahre seines Lebens
zumeist in Nizza, so daß er die ursprünglich von ihm vermutlich
beauftragte, aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen aber von Berlioz
unabhängig davon ausgeführten Komposition erst 1838 Werk hören,
als Berlioz sie zusammen mit der Symphonie fantastique aufführt.
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Berlioz schreibt dazu seinem Vater: "Mein gestriges
Konzert hat einen solchen Erfolg gehabt, daß ich nicht weiß,
wie ich ihn Euch schildern soll. Nach dem Konzert kam Paganini, dieser
edle und große Künstler, auf die Bühne ... In Gegenwart
einiger Musiker meines Orchesters, die noch nicht gegangen waren, fiel
er trotz meines Widerstands vor mir auf die Knie und erklärte, ich
sei weiter gegangen als Beethoven." (Corr. gén. II, S. 490)
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Zwei Tage später überbringt Paganinis
zwölfjähriger Sohn Achille den folgenden Brief mit einem Geschenk
von 20000 Francs: "Mio caro amico, Beethoven konnte nur in Berlioz wiedder
aufleben; un dich, der ich Ihre göttlichen Kompositionen genossen
habe, die eines solchen Genies würdig sind, haltes es für meine
Pflicht, Sie zu bitten, als Zeichen meiner Ehrerbietung 20000 Francs annehmen
zu wollen, die Ihnen durch den Baron von Rothschild überwiesen werden."
(Corr. gén. II, S. 488)
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Schon einen Tag später las man in "Dutzenden
von Zeitungen über Paganinis noble Tat" (Corr. gén. II, S.
489), die man seinem notorischen Geiz niemals zugetraut hätte." Ob
Paganini mit diesem Geldgeschenk nicht auch seinen Ruf aufbessern wollte,
oder ob ein anonymer Dritter, zum Beispiel Armand Bertin, der Besitzer
des "Journal de Débats", ihn gar als Mittelsmann gebrauchte, bleibt
offen."
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[Requiem H 75] Berlioz, Hector. Paris, ca. 1838
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1839
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Berlioz erhält "alles in allem und noch immer
trotz Cherubini die Stelle eines Bibliothekars am Conservatoire" (Mémoires
II, S. 23), die schlecht bezahlt war (1838? und Stelle als Konservator?)
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Roméo et Juliette, Symphonie
dramatique (Text: Émile Deschamps) (Soli, Chor, Orchester)
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Das Geld von Paganini ermöglichte es Berlioz
allerdings zum erstenmal, für einige Zeit keine Feuilletons und Kritiken
schreiben zu müssen, sich vollständig einem großen Werk
widmen zu können. "Ich arbeitete sieben Monate lang an meiner Symphonie,
an Roméo et Juliette, ohne mich dabei für drei oder vier Tage
im Monat irgendwelcher anderer Dinge wegen zu unterbrechen." (Mémoires
II, S. 35)
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Im Vorwort zum 1839 gedruckten Libretto schreibt
er: "Zweifellos wird man sich über die Gattung dieses Werkes nicht
tätuschen können. Obschon hier oft Singstimmen verwendet werden,
so handelt es isch weder um ine konzertante Oper (opéra de concert)
noch um eine Kantate, sondern um eine Symphonie mit Chor (symphonie avec
chours). Wenn der Gesang nahezu von Anfang an mitwirkt, so geschieht dies,
um den Zuhörer auf die dramatischen Szenen vorzubereiten, deren Gefühle
und Leidenschaften durch das Orchester ausgedrückt werden sollen."
Lediglich: "Diese letzte Szene der Versöhnung zwischen beiden Familien
gehört allein in das Gebiet der Oper oder des Oratoriums." Mit dem
Begriff "Symphonie avec choeurs" spielt er auf Beethovens "Neunte Symphonie"
an. Berlioz selbst schreibt dazu aber in leichter Abgrenzung: "Die Chormassen,
deren zu unvermitteltes Auftreten der Einheit des Werks hätte schaden
können, seien in der musikalischen Entwicklung allmählich einzuführen
gewesen;"
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Romeo und Juliette wurde im September vollendet und
im November aufgeführt. Seinem Vater berichtet er vom "großen
Erfolg". "Dieses Konzert ... müßte mich über das tatsächlich
vorhandene Interesse aufklären, das ein neues Werk von mir jetzt beim
wahren Publikum erregen würde." (Corr. gén. II, S. 598) In
einem Brief an seine Schwester Adèle schreibt er aber deptimiert:
"Noch niemand hat es gewagt, dreimal hintereinander eine einzige Symphonie,
und zwar dieselbe, zu geben - ich tat´s, und dieses Experiment entlockte
den Taschen des Publikums 13000 Francs; im ganzen beliefen sich die Unkosten
auf 12000 Francs, Du siehst, wieviel mir bleibt ... es ist erbärmlich,
nicht wahr?" (Corr. gén. II, S. 616)
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Richard Wagner (1813-1881) kommt nach Paris
als unbekannter kleiner Komponist, dem auch Meyerbeers Empfehlung an die
Opéra nichts nützt, und der sich mit Korrekturen und Klavierauszügen
Donizettischer Opern, die er für Maurice Schlesinger anfertigt, vor
dem Verhungern rettet.
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Wagner hört Romeo und Julia: "Die Auferstehung
einer neuen Welt der Musik"
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Außerdem hört er die Symphonie fantastique:
"Die phantastische Kühnheit und scharfe Präzision, mit welcher
hier die gewagtesten Kombinationen wie mit den Händen greifbar auf
mich eindrangen, trieben mein eignes musikalisch-poetisches Empfinden mit
schonungslosem Ungestüm scheu in mein Inneres zurück. Ich war
ganz nur Ohr für Dinge, von denen ich bisher gar keinen Begriff hatte
und welche ich mir nun zu erklären suchen mußte." (Richard Wagner,
Mein Leben, hrsg. von Martin Gregor-Dellin, München 1969, BD. I, S.
202)
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1840
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Symphonie funèbre et triomphale
(Text 3. Satz: Anthony Deschamps) (Orchester, Chor)
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"Ich glaubte, daß für ein solches Werk
der einfachste Plan der beste wäre, und daß allein eine große
Anzahl von Blasinstrumenten sich für eine Symphonie eignete, die bestimmt
war - beim ersten Mal wenigstens - im Freien aufgeführt zu werden.
Ich wollte zuerst die Kämpfe der ruhmvollen drei Tage in Erinnerung
rufen, inmitten der schmerzlichen Melodien eines schrecklichen und zugleich
verzweiflungsvollen Marsches, den man bei der Prozession spielen würde;
sodann eine Art Grab- oder Abschiedsrede an die glorreichen Helden zu Gehör
bringen, in dem Augenblick, wo die Leichname in die monumentale Gruft hinabgelassen
würden, und schließlich eine Hymne der gloire singen lassen,
die Apothéose, wenn, nachdem der Grabstein eingesetzt worden, das
Volk nichts anderes vor Augen haben würde als die hohe Säule
, bekrönt von der Freiheit, die sich mit ausgebreiteten Flügeln
zum Himmel aufschwingt, wie die Seelen derer, die für sie starben."
(Mémoires II, S. 39)
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Auch für dieses zweite Auftragswerk des französischen
Staates erzielte Berlioz höchste offizielle Erfolge und Anerkennung.
Für die Feierlichkeiten anläßlich des "zehnten Jahrestages
der Revolution von 1830 und der Überführung der mehr oder weniger
heldenhaften Opfer der drei Tage in das Monument, das für sie auf
der Place de la Bastille errichtet worden war." (Mémoires II, S.
39) Der Innenminister gratulierte zum Erfolg und der Herzog von Orléans
nahm, kurz vor seinem Unfalltod im Juli 1842, die Widmung der Partitur
entgegen.
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Man hat das Requiem mit Fresken Michelangelos verglichen.
Dazu Berlioz: "... dieses berühmte Fresko der Sixtinischen Kapelle
hat in mir lediglich eine vollkommmene Enttäuschung hervorgerufen."
(Mémoires II, S. 42)
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ca. 1840, spätestens 1841: Les Nuits d´été,
Lieder mit Klavierbegleitung (Text: Théophile Gautier):
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Villanelle
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Le spectre de la rose
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Sur les lagunes
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Absence
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Au cimitière
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L´île inconnu
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[Waverley / Arr.] Berlioz, Hector. Leipzig, ca. 1840
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1841
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Beginn der Liaison mit Marie Recio (eigentlich
Martin), einer Sängerin, über deren künstlerischen wie menschlichen
Qualitäten Schatten liegen. Die Recio begleitete Berlioz - oft genug
gegen seinen Willen - auf den meisten Reisen der folgenden Jahre; obwohl
sie ihm besonders mit ihrem künsterlischen Ehrgeiz nicht selten mehr
als lästig wurde, war die Verbindung dauerhaft.
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Berlioz bearbeitet Webers "Freischütz"
für die Opéra (hierfür: Instrumentierung der "Aufforderung
zum Tanz") (um zu verhindern, dass er bei seiner Wiederaufnahme erneut
entstellt würde.)
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Rêverie et Caprice, Romance für
Violine und Orchester ist im Grunde das einzige nennenswerte reine
Instrumentalstück.
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Wagner über Berlioz:
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März: Richard Wagner schreibt aus Paris
an Ferdinand Heine: "Die Sache ist die: Berlioz steht unter den Franzosen
so ganz allein da, daß er, alles notwendigen Stützpunktes entbehrend,
gewzungen ist, in einer fantastischen Irre umherzutappen, die ihm eine
SCHÖNE Entwicklung seiner enormen Kräfte äußerst erschwert,
ja vielleicht unmöglich machen wird. Er ist und bleibt eine abgerissene
Erscheinung, aber er ist Franzos im vollen Sinne des Worts ... Was er gibt,
gibt er aus seinem innersten Innern, er verzehrt sich und ist der einzige
französische Componist, der nach seinem Succes nicht fett wird." (Richard
Wagner: Sämtliche Briefe, Bd. I, Leipzig 1967, S. 465 f.
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Weiter berichtet Wagner nach Dresden zur Symphonie
fantastique: "Ein ungeheurer innerer Reichtum, eine heldenkräftige
Phantasie drängt einen Pfuhl von Leidenschaften wie aus einem Krater
heraus; was wir erblicken, sind kolossal geformte Rauchwolken, nur durch
Blitze und Feuerstreifen geteilt und zu flüchtigen Gestalten gemodelt.
Alles ist ungeheuer kühn, aber unendlich wehtuend - Formschönheit
ist nirgends anzutreffen." (zit. n. J. Kapp: "Das Dreigestirn", Berlin
1919, S. 62 f.)
Helmut Zenz - 2003