Reise- und Abstiegsjahre (1841-1856)
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1841
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Erste Gedanken der Resignation und an das Ende mit
38 Jahren!
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Herbst: "An die Stelle meiner heftigen musikalischen
Leidenschaft ist eine Art Kaltblütigkeit getreten, Resignation, oder
Verachtung, wenn Sie wollen, all dem gegenüber, was mich an der Praxis
und am zeitgenössischen Geschehen der Kunst abstößt; ich
bin weit entfernt davon, mich darüber aufzuregen." (Corr. gén.
II, S. 700)
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Im Oktober schreibt Berlioz an Ferrand: "Mir scheint,
es geht mit mir in schrecklicher Schnelligkeit bergab; das Leben ist so
kurz! Ich werde gewahr, daß der Gedanke an das Ende mir seit einiger
Zeit so oft kommt! Darum pflücke ich nicht die Blumen, die meine Hand
beim Herabgleiten auf dem holprigen Weg erreichen kann, ich reiße
sie eher in wilder Begier ab." (Corr. gén. II, S. 701)
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1842
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Wagner - Berlioz:
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Januar 1842: Brief von Wagner an Robert Schumann:
"Dieser Mensch ist durch Frankreich oder vielmehr Paris so ruiniert, daß
man icht einmal mehr erkennen kann, was er vermöge seines Talentes
in Deutschland geworden wäre. Ich liebte ihn, weil er tausend Dinge
besitzt, die ihn zum Künstler stempeln, wäre er doch ein ganzer
Hanswurst geworden, in seiner Halbheit ist er unausstehlich - und was das
Entsetzlichste ist - grenzenlos langweilig." (Richard Wagner: Sämtliche
Briefe, Bd. I, S. 577; Schumann veröffentlicht einen Teil des
Briefes als "Extrablatt aus Paris" in seiner "Neuen Zeitschrift für
Musik", griff allerdings redigierend ein.)
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Wagner in einer Autobiographischen Skizze
von 1842: "Mit wenigen Ausnahmen ist seine Musik Grimasse." (Richard Wagner:
Sämtliche Briefe, S. 107)
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Wagner kehrt 1842 nach Deutschland zurück.
Erst jetzt hat er mit Rienzi und Der fliegende Holländer Erfolg, vor
allem in Dresden.
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Herbst 1842: Reise nach Brüssel (In Mémoires
II fälschlicherweise auf 1840 datiert) -erstmals begleitet ihn Marie
Recio.
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1842/43
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Erste Konzertreise in Deutschland
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Berlioz spricht davon, es sei "eine zwar mühevolle,
aber musikalisch ergiebige und in pekuniärer Hinsicht recht vorteilhafte
Forschungsreise" gewesen. (In Mémoires II, S. 50 fälschlicherweise
auf 1841/42 datiert.)
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In Frankfurt hört Berlioz eine ausgezeichnete
Aufführung des "Fidelio" und trifft seinen "alten Freund Ferdinand
Hiller" wider (Mémoires II, S. 61)
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Ende Dezember dirigiert Berlioz in Stuttgart die
Hofkapelle, ein "exzellentes Orchester" (Mus. err. I, S. 17) und
erhält "alle möglichen Glückwünsche von seiten des
Königs" (Mémoires II, S. 70), "der seit zwei Jahren seinen
Fuß nicht mehr in einen Konzertsaal gesetzt hatte (Mus. err. I, S.
16), "und des Prinzen Jérôme Bonaparte" (Mémoires II,
S. 70)
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Am Silvestertag reist, Berlioz, eingeladen vom Fürsten
Friedrich Wilhelm Konstantin von Hohenlohe-Hechingen zu Löwenberg,
"durch den Schnee und große Fichtenwälder" zur Hohenzollernburg
bei Hechingen. "Die frohen Gesichter, die Liebenswürdigkeit des Fürsten,
die Neujahrsfestlichenkeiten, der Ball, das Konzert, das tolle Gelächter,
die Pläne, sich in Paris wiederzusehen, und .. das Lebewohl ... und
die Abreise ... Oh! ich leide!" (Mémoires II, S. 71)
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Es folgen weitere Konzerte in Stuttgart. Dort erhält
er eine Einladung an den Hof von Weimar.
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Über Mannheim und Frankfurt reist Berlioz nach
Weimar. In Frankfurt versuchte er sich der Rezio zu entledigen, die nach
Hiller nicht nur "wie eine Katze" sang, sondern auch noch "in allen seinen
Konzerten aufzutreten verlangte" (Ferdinand Hiller: Künstlerleben,
Köln 1880, S. 90). Berlioz täuschte sie und reiste heimlich nach
Weimar ab, allerdings folgte die Recio wenige Tage später.
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Weimar "ist ruhig, hell und luftig, voll Friede und
Träumerei." "Meine Blicke können sich nicht trennen von diesen
schmalen Fenstern, diesem unscheinbaren Haus , diesem ärmlichen schwarzen
Dach." (gemeint ist Schillers Haus). "Goethe, der Reiche,
der Staatsminister ... hätte er nicht das Schicksal des Dichters,
seines Freundes, ändern können? ...
Goethe liebte sich
zu sehr." (Mémoires II, S. 81 f.) Berlioz´ Konzert, in dem
er vor allem die Symphonie fantastique vorführt, hat nachhaltigen
Erfolg.
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In Weimar erhält Berlioz ein Schreiben von
Mendelssohn,
der ihn dringend nach Leipzig einldt, wo er seit 1835 als Kapellmeister
der Gewandhauskonzerte den Mittelpunkt des Musiklebens bildete. Er wünsche
die in Rom geshclossene Freundschaft zu erneuern. Seinerzeit hatte Mendelssohn
ja wenig freundlich über Berlioz gedacht; jedoch scheint die Herzlichkeit
der Einladung keine Heuchelei gewesen zu sein. Die wiederaufgenommenen
Beziehungen waren jedenfalls von gegenseitiger Zuneigung und Hochachtung
bestimmt - mit kleinen Einschränkungen, wie sie beider Verschiedenheit
der künstlerischen Ziele kaum wegzudenken sind. Berlioz meint von
Mendelssohn, er liebe "nur immer die Tote etwas zu sehr" (Mémoires
II, S. 88) und bemerkt: "In der Generalprobe zu Mendelssohns neuem Werk"
- "Die erste Walpurgisnacht - "wurde ich vom ersten Augenblick an in höchste
Verwunderung versetzt ... vor allem durch die glänzende Komposition."
(Mémoires II, S. 88). Entzückt von dem Werk, bittet Berlioz
den Freund "um den Taktstock, mit dem er soeben die Probe .. dirigiert
hat" (Mémoires II, , S. 90) Mendelssohn beschränkt sich seinerseits
darauf, in Berlioz´ Orchesterlied "L´Absence einen Einsatz
des Kontrabasses in der Begleitung zu loben." (Mémoires II, S. 94).
"Aber über die Symphonien, die Ouverturen, das Requiem hat er mir
niemals ein einziges Wort gesagt." (Corr. in., S. 133)
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Im Leipziger Konzert gibt er die Violinromanze "Rêverie
et Caprice", "die Fantastique, die mehr erstaunt als ergriffen hat" (Corr.
in., S. 134), die gerade fertiggestellte Orchesterfassung des Liedes
"L´Absence und das unvermeidliche Offertorium aus dem Requiem. Schumann,
der schweigsame Schumann, ist ganz elektrisiert vom Offertorium. Zum großen
Erstaunen derer, die ihn kennen, öffnete er anderntags den Mund, um
mir zu sagen, indem er meine Hand ergriff: `Dieses Offertorium übertrifft
alles!" (Corr. in., S. 134) "Die deutsche Presse ist mir äußerst
gewogen." (Mus. err. I, S. 38)
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In Dresden ist er "für zwei Konzerte engagiert"
(Mémoires II, S. 97), die im Hoftheater von Carl Gottlieb Reißiger,
dem Ersten Kapellmeister, dirigiert wurden. In Dresden traf Berlioz mit
Richard Wagner zusammen, der wenige Tage zuvor Zweiter Kapellmeister
am Hoftheater geworden war und Berlioz "mit Eifer und sehr gutem Willen
... in den Proben unterstützte." (Mémoires II, S. 99) Er hörte
die drei letzten Akte von Wagners "Rienzi", will aber keine "gefestigte
Meinung" darüber äußern. (Mémoires II, S. 100) Die
umfangreichen Dresdner Programme gaben einen Querschnitt durch das Werk:
"Was aber auf das Publikum und die Künstler Dresdens den lebhaftesten
Eindruck gemacht hat, ist die Kantate Le cinq mai ... Das Gedächtnis
Napoleons ist heute dem deutschen Volk fast ebenso teuer wie den Franzosen."
(Mémoires II, S. 101 f.)
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Zweites Konzert in Leipzig
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Anfang März geht er nach Braunschweig. Er findet
dort ein hervorragendes Orchester vor, das, ganz für Berlioz´
Musik entflammt, heimlich Proben veranstaltet und den Komponisten zu höchsten
Lobesäußerungen begeistert. "Die Ausführung war wundervoll",
berichtet Berlioz in einem stolzen "Bulletin der Grand Armée" dem
Vater, "und die Begeisterung des Publikums und der Künstler übertraf
alles, was ich mir je erträumen konnte." "Man hat auf offener Bühne
meine Partituren des Roméo und des Requiems bekränzt." (Mus.
err. I., S. 39) "Kaum war der letzte Akkord verklungen, erschütterte
ein furchtbarer Lärm den Saal: die ganze Masse des Publikums schrie,
im Parkett, in den Logen, überall; die Trompeten, Hörner und
Posaunen des Orchesters schmetterten Fanfaren in verschiedenen Tonarteen."
(Mémoires II, S. 113)
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Aufenthalt in Hamburg, wo ein großes Konzert
"enormen Erfolg hatte" (Mus. err. I., S. 42)
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Ende März trifft Berlioz in Berlin ein. Im Opernhaus
wohnt Berlioz einer vollkommenen Aufführung der "Hugenotten" bei;
"Meyerbeer herrschte am Dirigentenpult ... Das Orchester ist in seiner
Hand, er macht damit, was er will." (Mémoires II, S. 128). Lediglich
an der Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient übt er Kritik
(Mémoires II, S. 130 f.) "Es gibt wenige Hauptstädte, wenn
es überhaupt welche gibt, die sich vergleichbarer musikalischer Schätze
rühmen könnten. Die Musik ist hier in der Luft, man atmet sie
ein, sie durchdringt einen." (Mémoires II, S. 137) In der Berliner
Singakademie hört Berlioz Bachs "Matthäus-Passion" und ist vom
Publikum irritiert: "Man ist bei der Predigt, man hört das Evangelium,
man wohnt schweigend nicht dem Konzert, sondern dem Gottesdienst bei ...
Man betet Bach an, und man glaubt an ihn." (Mémoires II, S. 140).
In seinen zwei eigenen Konzerten bringt er die fünf Sätze aus
Roméo und erstmalig in Deutschland "die großen Sätze
aus dem Requiem" (Mémoires II, S. 144), darunter das Dies irae,
zu gehör; der Erfolg war großartig.
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Konzerte in Hannover und Darmstadt.
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Ende Mai Rückkehr nach Paris: "Ich kehre nach
Frankreich zurück; und schon fühle ich an einer unbestimmten
Erregung, an einer Art Fieber, das mein Blut trübt, an einer grundlosen
Unruhe, die Kopf und Herz erfüllt, daß ich wieder in Kontakt
mit dem Stromkreis von Paris trete. Paris! Paris!" (Mémoires II,
S. 150 f.) "Nun sind wir ... am Ende dieser Pilgerfahrt angelangt, der
schwierigsten vielleicht, die je ein Musiker unternommen hat; und ich fühle,
daß die Erinnerung daran über den Rest meines Lebens erhaben
bleiben wird." (Mémoires II, S. 161)
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1843
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Berlioz leitet einige eigene Konzerte, so im November,
die letzte Veranstaltung, für die ihm der Saal des Conservatoire überlassen
wurde.
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Jahresende: Berlioz publiziert Grand traité
d´instrumentation et d´orchestration modernes (Paris 1843)
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Berlioz orchestriert La belle voygeuse
und
Chant sacré von 1829 und bearbeitet im Rahmen der Orchestrierung
Absence von 1840/41
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Die Kunst der Instrumentirung Berlioz, Hector. Leipzig,
1843
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Wolfgang Robert Gripenkerl (1810-1868) im
ersten deutschsprachigen Buch über Berlioz: "Wir scheuen uns nicht,
es auszusprechen, da es unsere innigste Überzeugung ist, daß
Berlioz in einem organischen Contacte zu Beethoven steht, daß kein
deutscher Instrumentalcomponist, er heiße wie er wolle, dem Franzosen
diesen Platz in der Entwicklung der Kunstgeschichte streitig macht. Auf
Beethoven folgt, wenn es sich um den eigentlich organischen Punkt der Entwickelung
handelt, Niemand, als Berlioz. Er steht dem Unsterblichen am Nächsten,
er ist sein Bruder in des Wortes edelster Bedeutung ... Dasjenige Element
aber, was beide, Beethoven und Berlioz, organisch verbindet, ist das humoristische
Element. Berlioz ist Humorist! Auf einer hohen Stufe der Entwickelung ist
er dieses. Hier ist er nicht Franzose - denn diese Nation hat es nicht
bis zur Darstellung dieses Moments bringen können - dazu fehlt ihr
der Ernst und die Tiefe - sie hat nur das Komische schaffen können
... Er erfährt das Schicksal aller Humoristen. Die kühnsten Sprünge
nach den Polen seiner Gegensätze werden ihm als Effekthascherei angerechnet,
taucht eine Melodie auf, deren ruhigen Spiegel er perturbiert, indem er,
so zu sagen, einen Felsblock hineinwirft, so daß der hinüber
sprudelnde Schaum den feinnasigen Kritiker zum Niesen bringt, so heißt
es, er störe die Einheit des Kunstwerks." (Wolfgang Robert Griepenkerl:
Ritter Berlioz in Braunschweig, Braunschweig 1843, S. 25 f. = einzige Monographie
über Berlioz zu dessen Lebzeiten) Dazu W. Dömling (1977; (4)1993,
S. 18 f.): "In Berlioz einen erneuernden Klassizisten zu sehen, einen -
um das auf Schönberg geprägte Wort zu übernehmen - "konservativen
Revolutionär", entspricht der geschichtlichen Wahrheit weit eher als
die bis heute populär gebliebene Etikettierung als willkürlich-bizarrer,
den bloßen Effekt suchender Umstürzler - ein Verdikt, dessen
Herkunft aus einer bequemen Ästhetik der Restauration kaum zu übersehen
ist."
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1844
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Großes Musikfest in Paris
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Mit Isaac Strauss, "der Direktor der vornehmen
Bälle" plante er für die Austellung von Industrie und Handwerk
"für die Aussteller ein veritables Musikfest (festival)" (Mémoires
II, S. 171).
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Im Sommer fand dieses Konzert im "großen Mittelcarrée"
des Ausstellungsgeländes, "Maschinensaal genannt" (Mémoires
II, S. 174), statt un dzog eine gewaltige Menschenmenge an. Er dirigierte
dabei aus Opern von Auber, Rossini, Halévy, Meyerbeer und Gluck;
Ouverturen von Weber und Spontini; Scherzo und Finale aus Beethovens Fünfter
Symphonie; als Hommage an den anlaß "Le Chant des industriels", auf
einen Text von Adolphe Dumas von einem Provinzmusiklehrer komponiert; von
ihm selbst schließlich den Marsch aus der Symphonie fantastique,
die Apothéose aus der Symphonie funèbre und die "Hymne à
la France, die ich ausdrücklich für diese Gelegenheit komponiert
hatte" (Mémoires II, S. 174)
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Hymne à la France (Text: Auguste Barbier)
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"Dieser Enthusiasmus von achttausend Zuhörern!,
diese völlige Stille während der Musikstücke, die Schreie
und Hurrarufe danach; alle springen auf, die Hüte in die Luft ..."
(Muss. err. I, S. 83). Auch wenn nur ein bescheidener Gewinn von 860 Francs
übrigblieb, weil das andere Konzert des Gemeinschaftunternehmens mit
Isaac Strauss weniger als ein Zehntel der Einnahmen von Berlioz erzielte,
resümiert Berlioz: "Das ist der schöne Lohn dafür, daß
ich in Paris das größte Musikfest gegeben habe, das in Europa
jemals stattgefunden hat." (Muss. err I, S. 84)
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Anschließend ging Berlioz auf Anraten eines
Arztes, der eine Gelbsucht und höchst gereizte Nerven konstatierte,
"für einen Monat nach Nizza, dank der achthundert Francs, die das
Festival mir eingebracht hatte, um so weit wie möglich den Schaden,
den es an meiner Gesundheit angerichtet hatte, wiedergutzumachen." (Mémoires
II, S. 181)
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Klagen über Paris
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Bald beginnen aber auch die Klagen über Paris:
"Unsere Hauptstadt finde ich wieder vor allem mit materiellen Interessen
beschäftigt, unaufmerksam und gleichgültig gegen das, was die
Dichter und die Künstler begeistert ... Ich finde wieder ... ihre
gelangweilten Gestalten und verdrießlichen Gesichter, ihe entmutigten
Künstler, erschöpften Denker, die wimmelnde Menge an Dummköpfen,
die entkräfteten, ausgehungerten, sterbenden oder toten Theater" (Mémoires
II, S. 184), so "daß ein kalter Schauer mein Herz erfaßt und
mir den Wunsch gibt, nach Deutschland zurückzukehren, wo die Begeisterung
noch lebt." (Mus. err. I, S. 51)
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Berlioz wendet sich an den Mailänder Verleger
Ricordi,
er möge ihm die Wege ebnen, "einige meiner Werke in Italien hören
zu lassen" (Muss. err. I, S. 51).
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"In Paris wird" die Kunst " bekränzt und als
Göttin behandelt, vorausgesetzt, daß man auf ihren Altären
nur spärliche Opfer zu bringen braucht ... In Paris trägt der
skrufulöse Bruder der Kunst, das Handwerk, dieser Bastard, mit Flitter
bedeckt, seine bourgeoise Unverschämtheit zur Schau. Manchmal jedoch
belästigt der Bastard seinen Bruder so sehr, daß der ihm unglaubliche
Gunst erweist. Und der Urheber dieser vorübergehenden und schauderhaften
Allianz ist das Geld, die Liebe zum schnellen, unmittelbaren Gewinn ...
Die Berührung mi den bürgerlichen Sitten" verderbe die Kunst;
"Bei unseren jetzigen Sitten und unserer Regierungsform muß der Künstler,
je mehr er Künstler ist, desto mehr leiden; je neuer und größer
seine Werke sind, desto strenger muß er durch die Folgen seiner Arbeit
gestraft werden. Die Medici sind tot. Unsere Abgeordneten werden sie nicht
ersetzen." (???)
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Trennung von seiner Frau.
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Nachdem ihre Schauspielerkarriere gescheitert war,
verblassten ihre Gesundheit und Schönheit. Sie begann zu trinken und
verwandelt sich in eine "shrew". Sie wurde so unmöglich, dass Berlioz
sich schließlich trennte, nachdem er zuvor schon ausgezogen und eine
Affäre mit Marie Recio begonnen hatte.
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Publikation: Voyage musical en Allemagne et
en Italie, Paris 1844
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Ouverture Le Carnaval romain (über
Themen aus Benvenuto Cellini)
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um 1844: La belle Isabeau (Text: Alexandre
Dumas); La Chasseur (Texte: Adolphe de Leuven);
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Erstfassung von Ouverture Le corsair
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Ende des Jahres: Vertrag mit dem Impresario Franconi,
eine Reihe von großen musikalischen Aufführungen in dessen "Cirque
des Champs-Élysées" - einer Reitbahn, zu der auch ein großer
Saal, "der größte und schönste Saal in Paris" (Corr. in.,
S. 137) gehörte - zu geben.
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Heinrich Heine über die "Musikalische
Saison in Paris" in der "Augsburger Zeitung": "Hier ist ein Flügelschlag,
der keinen gewöhnlichen Sangesvogel verrät, das ist eine kolossale
Nachtigall, ein Sprosser von Adlersgröße, wie es deren in der
Urwelt gegeben haben soll. Ja, die Berliozsche Musik überhaupt hat
für mich etwas urweltliches, wo nicht gar antediluvianisches, und
sie mahnt mich an untergegangene Tiergattungen, an fabelhafte Königstümer
und Sünden, an aufgetürmte Unmöglichkeiten: an Babylon,
an die hängenden Gärten von Semiramis, an Ninive, an die Wunderwerke
von Mizraim, wie wir dergleichen erblicken auf den Gemälden des Engländers
Martin. In der Tat, wenn wir uns nach einer Analogie in der Malerkunst
umsehen, so finden wir die wahlverwandteste Ähnlichkeit zwischen Berlioz
und dem tollen Briten: derselbe Sinn für das Ungeheuerliche, für
das Riesenhafte, für materielle Unermeßlichkeit. Bei dem einen
die grellen Schatten- und Lichteffecte, bei dem andern kreischende Instrumentierung;
bei dem einen wenig Melodie, bei dem andern wenig Farbe, bei beiden wenig
Schöheit und gar kein Gemüt." (zit. n. Heinrich Heine: Zeitungsberichte
über Musik und Malerei, hrsg. v. M. Mann, Frainkfurt 1964, S. 159)
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1844/45
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Bekanntschaft mit Michail I. Glinka
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Glinka ist der Komponist von "Ruslan und Ludmilla"
und "Ein Leben für den Zaren", der 1844/45 in Paris lebte, mehr des
Vergnügens halber als aus musikalischen Gründen.
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Berlioz war einer der wenigen bedeutenden französischen
Komponisten, die er kennenlernte. "Berlioz begegnet mir mit außerordentlicher
Freundlichkeit, was man vom größten Teil der Pariser Künstler,
die unerträglich hochmütig sind, nicht behaupten konnte." Glinka
deutet übrigens auch an, daß Berlioz schon "damals nach Rußland
zu fahren beabsichtigte, in der Hoffnung, dort nicht nur Beifall, sondern
auch materiellen Gewinn zu ernten." (Michail I. GLinka: Aufzeichnungen
aus meinem Leben, hrsg. von H.A. Brockhaus, Wilhelmshaven 1969, S. 197,
200)
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1845
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Anfang des Jahres in einem Dankesbrief an einen ihm
persönlich gar nicht bekannten Schriftsteller: "Zur Zeit lebe ich
wie ein verletzter und blutender Wolf einsam in der Tiefe des Waldes; die
erzwungenen Arbeiten für meine Konzerte können mich kaum aus
meiner trägen Düsterkeit reißen, und ich handle wie ein
Schlafwandler ... Die meisten Leibeigenen sind freier und glücklicher
als ich." (Mus. err. I, S. 92 f.)
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Von Januar bis April: vier Konzerte im "Cirque des
Champs-Élysées", unter anderem mit Kompositionen von Félicien
David und Michail I. Glinka
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Orchestrierung von Le Chasseur danoise
von
1844
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Zaide-Boléro (Text: Roger de Beauvoir;
komp., bearbeitet und orchestriert um 1845)
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[Benvenuto Cellini <Ouvertüre> / Arr.] Berlioz,
Hector. Berlin, [circa 1845]
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1845/46
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Konzertreise nach Wien, Prag, Pest
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Ende Oktober: Aufbruch nach Wien als Hauptaufenthaltsort
seiner zweiten großen Tournee.
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Berlioz schreibt an Joseph d´Ortigue: "...
in Wien gab es Diskussionen in einer kleinen feindlichen Ecke." (Corr.
in., S. 140)
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Bis zum Jahresende: Vier Konzerte. Beim letzten,
im Theater an der Wien, wir der ganze Roméo aufgeführt.
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Am 10. Dezember, dem Vorabend von Berlioz´
Geburtstag, geben ihm "150 Künstler, Gelehrte und Musikliebhaber ...
ein glänzendes Fest", ein großes Bankett, auf dessen Höhepunkt
man Belrioz einen "wunderbaren Taktstock" überreicht, auf dem die
Titel von Berlioz´ Werken und die Namen seiner Verehrer eingraviert
sind." (Mus. err. I, S. 121) "Jetzt werden hier sogar Pasteten gebacken,
die meinen Namen tragen." (Mus. err. I, S. 122f.)
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: "Jedoch war tatsächlich die Rede davon, mich
in Wien zu engagieren, aber nicht für die Stelle Donizettis, die Stelle
ist nicht frei, denn er lebt noch; jedoch für die von Weigl .... der
gerade gestorben ist." Erstens jedoch "handelte es sich darum, auf unbegrenzte
Zeit in Wien zu bleiben, ohne den geringsten Urlaub, um jedes Jahr nach
Frankreich zurückzukommen" (Corr. in., S. 142) Auch bemerkt er, daß
"Seine Hoheit, die damals noch nichts von meiner Musik gehört hatte,
eine sehr eigentümliche Vorstellung davon habe." So verzichtete er
daraufhin auf die Vorstellung am Kaiserhof, wo er "eine noch sonderbarere
Meinung vermutete" (Mémoires II, S. 205)
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Rákóczy-Marsch: "In der Nacht
vor meiner Abreise nach Ungarn geschrieben" (Mémoires II, S.209)
(aufgenommen in die Faust-Partitur)
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Beim Konzert in Pest setzt er diesen Marsch an den
Schluß des Programms. Dieses Stück rief beim Publikum "den Ausbruch
eines Vulkans" hervor, "desen Heftigkeit durch nichts gehemmt werden konnte"
(Mémoires II, S. 211)
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Zur Reise nach Prag wurde Berlioz angeregt durch
"drei große Artikel über meine Ouverture Roi Lear in der
`Prager Musikalischen Zeitung´.. Der Verfasser, Herr Doktor Ambros,
schien wirklich Kenntnis mit gesundem Urteil uund glänzender Phanasie
zu verbinden." (Mémoires II, S. 215)
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"Ich habe in Prag" insgesamt "sechs Konzerte gegeben,
teils im Theater, teils im Sophiensaal. Ich erinnere mich, daß ich
beim letzten die Freude hatte, daß Listzt meine Symphonie Roméo
et Juliette zum ersten Mal hörte." (Mémoires II, S. 241) "Schon
der Erfolg meines ersten Konzerrts war von einer Spontaneität und
einem Feuer, wie sie selten sind" (Mus. err. I, S. 129). "Das Publikum
fing Feuer wie ein Pulverfaß" (Corr. in., S. 140). "Man singt hier
sogar auf den Straßen Melodien aus La Fantastique (l´idée
fixe und Le bal)" (Corr. in., S. 145)
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Neben August Wilhelm Ambros lernte Berlioz
in Prag Eduard Hanslick kennen. "Ein charmanter junger Mann voller
Begeisterung für die bedeutenden Dinge in der Musik, der über
die Kunst schreibt, wie einer schreibt, der Seele, Herz und Verstand hat."
(Brief an Liszt, Mus. err. I, S. 136) Ein Bericht von Eduard Hanslick
anläßlich von Berlioz´ Besuch in Prag 1846 besagt: "Unser
kleiner Kreis schwärmte im vorhinein für den genialen Franzosen
... Sein künstelerisches Ideal erfüllte ihn völlig; die
Verwirklichung dessen, was er in glühendem, nie befriedigtem Drang
als schön und groß empfand, bildete sein einzig Ziel und Streben.
In seiner Kunst, mag man sie nun abschätzen wie man wolle, lag eine
großartige Redlichkeit ... Berlioz´ Konzerte erregten in Prag
einen unerhörten Enthusiasmus ... Für das Große und Kühne
seiner ganzen Richtung und für einzelne hohe Schönheiten seiner
Musik heute noch empfänglich, bin ich doch mit den Jahren von dem
maßlosen Enthusiasmus jener Prager Jugendzeit zurückgekommen."
(S. 56 f.) "Berlioz kam in Begleitung einer schönen, glutäugigen
Spanierin, Mariquita Recio, die er für seine Frau ausgab. Es war daher
unverzeihlich, daß wir sie für seine aus Heines Erzählungen
uns bekannte und teuere Gemahlin, die frühere Schauspielerin Miß
Smithson, hielten. Als aber Ambros gleich bei der ersten Begegnung seine
Freude darüber aussprach, neben Berlioz auch das Urbild der
`Double idée fixe´ aus der `Phantastischen Symphonie´,
nämlich Miß Smithson, zu erblicken, erhielt er mit einem strafenden
Blick die Antwort: `Die hier ist meine zweite Frau; Miß Smithson
ist gestorben.´ In Wahrheit lebte seine Frau noch ... Der Mann mit
der Löwenmähne und dem gewaltigen Adlerblick stand widerstandslos
unter dem Pantoffel der Senora." (Eduard Hanslick: "Aus meinem Leben",
Berlin 1894, Bd. I, S. 57) Tatsächlich hatte sich Berlioz von seiner
Frau lediglich 1844 getrennt, sie starb erst 1854 im März. Im Oktober
1854 heiratete er bereits die Recio.
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"Nach dem Vorbild des Banketts, bei dem mir die Wiener
Künstler und Dilettanetn den vergoldeten Taktstock verehrt hatten,
... gab es auch hier nach dem Konzert ein Souper, bei dem mir die Prager
in liebenswürdiger Weise einen silbernen Pokal zum Geschenk machten
... Liszt wurde einstimmig dazu ausersehen, an Stelle des Präsidenten
das Wort zu führen, da diesem das Französische nicht genügend
vertraut war. Beim ersten Toast richtete er im Namen der Versammlung eine
Ansprache an mich, die mindestens eine Viertelstunde dauerte, mit einer
Herzenswärme, einem Reichtum an Ideen und einer Vornehmheit des Ausdrucks,
um die ihn viele Redner beneideten, so daß ich davon tief bewegt
war. Leider sprach er ebenso gut als er trank..." Am nächsten Mittag,
man mußte ihn mühsam wecken, gibt Liszt ein Konzert "und spielt,
wie er, glaube ich, in seinem Leben noch nicht gespielt hatte." (Mémoires
II, S. 243)
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Konzert in Breslau - dort hat Berlioz zum erstenmal
Mendelssohns "Sommernachtstraum"-Musik gehört.
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Konzert in Braunschweig
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1846
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Mai: Rückkehr nach Paris
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La Damnation de Faust, Légende dramatique
(Text: Gérard de Nerval, Almire Gandonnière, Berlioz) (Soli,
Chor, Orchester)
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Auf der "Reise durch Österreich, Ungarn, Böhmen
und Schlesien, begann ich mit der Komposition meiner Légende Faust,
über deren Plan ich schon lange nachgrübelte ... Einmal im Zuge,
" entstand "die Partitur mit einer Liechtigkeit, wie ich sie bei meinen
anderen Werken sehr selten erfahren habe. Ich schrieb, wann und wo ich
konnte, im Wagen, in der Eisenbahn, auf dem Dampfer ... Ich sagte schon,
wie und bei welcher Gelegenheit ich in Wien in einer einzigen Nacht den
Marsch über das ungarische Rákóczy-Thema machte. Die
ungewöhnliche Wirkung, die er in Pest erzielte, veranlaßte mich,
ihn in meine Partitur des Faust aufzunehmen ... Eines Abends, als ich mich
in Pest verirrt hatte, schrieb ich beim Schein der Gaslaterne in einem
Laden den Chorrefrain für den Bauerntanz. In Prag tand ich mitten
in der Nacht auf, um eine Melodie aufzuschreiben, weil ich vor Angst zitterte,
sie zu vergessen ... In Breslau machte ich den Text und Musik zu dem lateinischen
Studentenlied `Jam nox stellata´. Das übrige ist in Paris
geschreiben, doch stets den momentanen Eingebungen folgend, zu Hause, im
Café, im Tuileriengarten ... Ich suchte die Gedanken nicht, ich
ließ sie kommen, und sie stellten sich in ganz unvermuteter Reihenfolge
ein.Als endlich die Partitur vollständig entworfen war, machte ich
mich daran, das Ganze zu überarbeiten, an den verschiedenen Teilen
zu feilen, sie zu verbinden und ineinanderzufügen." (Mémoires
II, S. 246 f.)
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"Sobald ich mich entschieden hatte, ans Werk zu gehen,
mußte ich mich auch entschließen, fast das ganze Libretto dazu
selbst zu schreiben; die Huit scènes de Faust" von 1829 - in das
neue Werk eingearbeitet - nach der Faust -Übersetzung von Gérard
de Nerval sowie einige Szenen, die Almire Gandonnière "nach meinen
Angaben geschrieben hatten, bildeten zusammen nicht einmal den sechsten
Teil des Werkes. "Ich versuchte also, während ich in meinem alten
deutschen Postawagen dahinrollte, zu meiner Musik die Verse zu machen."
"Deutsche Kritiker griffen mich heftig an wegen der Änderungen, die
ich in meinem Libretto am Text und am Plan des Goethescchen "Faust" vorgenommen
hatte - als ob es keinen andern `Faust´ gäbe als den von
Goethe, und als ob man überdies eine slche Dichtung in ihrem ganzen
Umfang, und ohne die Szenenfolge zu verändern , in Musik setzen könnte.
Die Legende vom Doktor Faust eigenet sich zu verschiedenartigster Behandlung;
sie gehört dem Volk an und war lange vor Goehte dramatische bearbeitet
worden. "(Vorwort zur Partitur)
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Dezember: Die erste Aufführung gerät Berlioz
zur bittersten Enttäuschung. Der Saal war, auch beim Wiederholungskonzert,
halbvoll. "Nichts hat mich in meiner Künstlerlaufbahn so tief verletzt
wie diese unerwartete Gleichgültigkeit ... Seitdem ist es nicht mehr
vorgekomen, daß ich für den Glauben an die Liebe des Pariser
Publikums zu meiner Musik auch nur zwanzig Francs auf Spiel gesetzt habe."
(Mémoires II, S. 249)
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Wagner tut "La Damnation de Faust" als "Geschmacklosigkeit"
ab, ohne sie je gehört zu haben. (Wagner-Liszt I, S. 177)
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Les chants des chemins de fer für Chor
und Orchester (Text: Jules Janin)
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1847
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Reise nach Rußland: Berlioz dirigiert
in St. Petersburg, Moskau, Berlin
-
"Ich reiste also am 14. Februar 1847 von Paris ab.
Sechs Zoll hoch lag dort der Schnee, und bis St. Petersburg, wo ich zwei
Wochen später ankam, verlor ich ihn keinen Augenblick aus dem Blickfeld."
(Mémoires II, S. 251)
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Honoré de Balzac, "der kurz zuvor" sie "selbst
gemacht hatte", prophezeite Berlioz gewaltige Einnahmen ("dieser große
Geist hatte die Schwäche, daß er überall Reichtümer
zu erwerben sah... er träumte nur von Millionen)" (Mémoires
II, S. 252)
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Der Schaffner des Postwagends nach Tilsit und der
dortige Stationsvorsteher sind Musikliebhaber, sie kennen den Namen Berlioz
- "in Frankreich wäre mir das nicht passiert" (Mémoires II,
S. 252).
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An der russischen Grenze, in Tauroggen, "mußte
ich mich in einen eisernen Schlitten einsperren, den ich vor Petersburg
nicht mehr verlassen sollte, und in dem ich vier harte Tage und ebenso
viele Nächte hindurch ungeahnte Qualen erleiden sollte." (Mémoires
II, S. 253)
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Um so herzlicher ist die Gastfreundschaft in St.
Petersburg; Berlioz begegnet Wilhelm von Lenz wieder, dem musikliebenden
Diplomaten, lernt Heinrich Romberg kennen, "der mit unvergleichlicher Freundlichkeit
den musikalischen Führer durch Petersburg machte." (Mémoires
II, S. 253)
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Im ersten Konzert gab Berlioz "Carnaval romain",
die beiden ersten Teile des "Faust", das "Fee Mab"-Scherzo aus "Roméo"
und die "Apothéose" der "Symphonie funèbre" - ein mixtum
compositum. "Der Enthusiasmus des zahlreichen, blendenden Publikums, das
den ungeheuer weiten Saal füllte, ließ alles hinter sich, was
ich in dieser Beziehung hatte erträumen können, besonders für
Faust." (Mémoires II, S. 257)
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Die materiellen Erträge der Rußlandreise
sind beträchtlich: "Ich war reich" (Mémoires II, S. 258) konnte
Berlioz schon nach dem zweiten Konzert in St. Petersburg konstatieren.
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In St. Petersburg lernt Carolyne Fürstin
von Sayn-Wittgenstein Berlioz kennen.
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Zwischendurch war Berlioz drei Wochen in der "halbasiatischen
Stadt Moskau" (Mémoires II, S. 266). Dort gab er gleichfalls die
beiden ersten Teile von Faust und sah in der Oper Glinkas "Ein Leben für
den Zaren": "Fast bei jeder Szene ... schneebedeckte Tannenwälder
... Ich zittere noch in der Erinnerung vor Kälte.
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Bei weiteren Konzerten in St. Petersburg brachte
Berlioz auch "Roméo und Juliette" ungekürzt: Die Symphonie
"ist selten mit so viel Sicherheit, Verve und Größe aufgeführt
worden wie in St. Petersburg." (Mémoires II, S. 272)
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Die Rückreise geht über Berlin, wo Berlioz
auf besonderen Wunsch Friedrich Wilhelms IV. eine Aufführung des Faust
verantaltete. Die Aufnahme des Werks war geteilt. Berlioz vermutete Intrigen
im Orchester, aber auch eine Entrüstung des Publikums darüber,
"daß ein Franzose die Unverschämtheit habe, eine Paraphrase
des deutschen nationalen Hauptwerks zu komponieren ... Ich habe in meinem
Leben nichts auf so burleske Weise Grausames gesehen wie die Intoleranz
gewisser Götzendiener der deutschen Nationalität." (Mémoires
II, S. 280) Der König jedoch, den Berlioz seiner großzügigen
Förderung der Musik, seines "unmittelbaren Interesses ... an allen
edlen Versuchen der Kunst" wegen bewunderte, "schickte mir durch Meyerbeer"
das Kreuz des roten Adlerordens "und lud mich ... auf Sanssouci zum Diner
ein." (Me´moires II, S. 282 f.)
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Berlioz als Opfer von Intrigen
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Nach der Rußlandreise wird er Opfer einer Intrige
an der Opéra, die ihn endgültig verbitterte.
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Roqueplan und Duponchel hatten unter dem Versprechen,
ihm "die musikalische Oberleitung dieses Theaters und außerdem die
Kapellmeisterstelle" zu geben, Berlioz bewogen, über seinen Einfluß
beim "Journal des Débats" die Bewerbung beider Herren für die
Direktion der Opéra zu untersützen.
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Das Resultat war, daß Berlioz nicht nur die
Stellung nicht erhielt, sondern zudem, da er keine Zeit hatte, das Werk
in kurzer Zeit fertigzustellen, den längst bestehenden Kompositionsauftrag
für die Oper "La Nonne sanglante" (Libretto von Scribe) zurückgeben
mußte.
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1847/48
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London-Reise: Berlioz dirigiert in London
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"Mich ruft ein sehr schönes Engagement dorthin"
"Ich werde das Orchester der großen englischen Oper dirigieren und
vier Konzerte geben ... MEin Engagement läuft für sechs Jahre."
(Lett. int., S. 196 f.) Louis-Antoine Jullien, vormals Stardirigent
und Musikunternehmer in Paris, jetzt Direktor des neueröffneten Drury
Lane Theatre, "gibt mir zehntausend Francs, und weitere zehntausend, um
vier Konzerte mit meiner Musik durchzufürhen; außerdem engagiert
er mich, für das zweite Jahre eine dreiaktige Oper zu schreiben. In
London werde ich nur vier Monate im Jahr zu tun haben." (Corr. in., S.
147)
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"Es ist hier jetzt eine schöne Stelle für
mich frei geworden durch den Tod des armen Mendelssohn." (Corr. in., S.
158)
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Aus London schreibt er: "Ich werde nicht noch einmal
an die Aufmerksamkeit des Publikums appellieren, um nichts als Gleichgültigkeit
zu ernten." (Corr. in., S. 159) "Ich erblicke nichts als Schwachsinn, Gleichgültigkeit,
Undank und Schrecken ... Das ist mein Los in Paris ... Frankreich ist auf
meiner musikalischen Karte ausgestrichen. "(Corr. in., S. 160)
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In einem Brief an den General Alexej F. Lwow, den
Adjutanten des Zaren und Dirigenten der Hofkapelle berichtet Berlioz von
weiterreichenden Olänen, "daß ich mich eines Tages bei Ihnen
niederlassen könnte. Ich will mir diese Idee nicht in den Kopf setzen;
ales hängt vom Kaiser ab. Wenn erwollte, wir würden aus St. Petersburg
in sechs Jahren das Zentrum der musikalischen Welt machen." (Corr. in,
S. 163)
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Bald platzte die Seifenblase. Jullien war nach wenigen
Monaten bankrott. Berlioz erhielt nur einen Teil des Honorars. Es kam im
Februar 1848 nur zu einem einzigen Konzert - nach leidigsten Proben mit
einem unzuverlässigen Orchester. Das aber wurde, wie die Zeitungen
schrieben, für Berlioz zu einem vollständigen Triumph: "Meine
Musik hat auf das englische Publikum wie Feuer auf eine Zündschnur
gewirkt ... Sie hatten Derartiges nicht erwartet, hatten auf eine diabolische,
unverständliche, harte und reizlose Musik gerechnet." (Corr. in.,
S. 164)
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Überhaupt "habe ich für meine musikalische
Karriere nur an England oder Rußland zu denken. Seit langer Zeit
schon trage ich Trauer wegen Frankreich; die jünste Revolution macht
meinen Entschluß fester un dunabänderlicher." (Corr. in, S.
168 f.)
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"Bin ich aber erst einmal mit dem zu Ende, was ich
noch habe, so bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an einem Randstein
niederzulegen und wie eivn erirrter Hund vor Hunger zu sterben, oder mir
das Gehirn zu zerspritzen." (Corr. in, S. 171 f.)
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La mort d´Ophélie, Sololied
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1848
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Die Bibliothekarsstelle am Conservatorie bleibt Berlioz
1848 nur durch persönliches Eintreten Victor Hugos erhalten.
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Im März: Berlioz beginnt Mémoires
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Im Vorwort heißt es zur Februar-Revolution
von 1848: "Die Republik läßt ihre eherene Walze über ganz
Europa rollen; die musikalische Kunst, die seit langem überall im
Sterben lag, ist zu dieser Stunde wirklich tot, man wird sie begraben,
oder vielmehr in den Graben werfen. Es gibt für mich kein Frankreich
mehr, kein Deutschland." (Mémoires I, Vorwort, S. 39 f.)
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Berlioz orchestriert La captive von 1832
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Marche funèbre pourl la dernière
scène d´Hamlet
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Umarbeitung des Sololiedes La mort d´Ophélie
von
1847/48 für Frauenchor udn Orchester
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Prière du matin (Text: Alphonse de Lamartine)
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Tod von Berlioz´ Vater
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Berlioz hat seinen Vater - trotz aller Schwierigkeiten
- wohl sehr geliebt.
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Vom Sterbebett des Vaters aus macht sich Berlioz
auf "(seltsamer Durst nach Schmerzen), den Schauplatz meiner ersten leidenschaftlichen
Erregungen wieder zu begrüßen; ich wollte endlich meine ganze
Vergangenheit in die Arme schließen, mich berauschen an Erinnerungen,
wie tief auch die herzzerreißende Trauer sein mochte." (Mémoires
II, S. 298)
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Berlioz unternimmt bald eine "fromme Pilgerfahrt"
nach Meylan, zum Haus der Großeltern, vor allem aber zum Haus Estelles,
der unnahbaren Zauber-geliebten des Kindes. Berlioz schreibt an Madame
Fornier. "Sie werden nicht wissen, wer ich bin, und Sie werden mir, so
hoffe ich, die seltsame Freiheit verzeihen, daß ich Ihnen heute schreibe.
Ich verzeihe es Ihnen auch im voraus, wenn Sie über die Erinnerungen
eines Mannes lachen werden, wie Sie über die Schwärmerei des
Kindes gelacht haben."Despised love"." (Mémoires II, S. 304)
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1849
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Zum ersten Mal nach sechzehn Jahren bringt ein Konzert
des Conservatoire wieder Werke von Berlioz zu Gehör, nämlich
Teile aus Faust. Meyerbeer hat sich maßgeblich dafür
eingesetzt, dem Komponisten im Anschluß daran eine goldene Erinnerungsmedaille
überreicht, wohl auch um ihn als Kritiker für die bevorstehende
Premiere des "Propheten" milde zu stimmen..
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Te deum (Soli, drei Chöre,
Orchester)
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Zum Teil greift er auf einen Satz aus der Messe solennelle
zurück
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Berlioz konnte das Te deum weder zur Krönung
Napoleons noch anläßlich seiner Hochzeitsfeierlichkeiten aufführen,
nachdem er zuvor versucht hat, die Machthaber der Republik für sich
zu gewinnen.
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Es konnte erst 1855 erstmals erklingen (siehe dort).
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Tristia für Chor und Klavier
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Méditation réligieuse (Text nach
Thomas Moore; komp. 1831
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La mort d´Ophélie (Text: Ernest
Legouvé; komp. als Sololied 1847/48, Fassung für Frauenchor
und Orchester 1848
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Tod von Chopin
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1850
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Tod der Schwester Nanci.
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Tod von Balzac
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Anfang des Jahres: Berlioz initiiert nach Londoner
Vorbild in Paris die Société Philharmonique. Seine Stelle
als Bibliothekar am Pariser Conservatoire wird sogar etwas aufgebessert..
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La Fuite en Égypt, Fragments
d´un mystère en style ancien (Text: Berlioz) (Solo, Chor,
Orchester)
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Zunächst entstand der kleine Chor "L´Adieu
des bergers". "Ich langweilte mich augenscheinlich, als Duc sich zu mir
wandte und sagte: `Da Du doch nichts tust, solltest Du für mein
Album ein Musikstück schreiben.´ - `Gerne.´ - Ich
nehme einen Fetzen Papier, ziehe darauf einige Notenlinien, auf denen bald
ein vierstimmiges Andantino für Orgel entsteht. Ich glaube in dem
Stück kommt mir sogleich der Gedanke, einen Text im selben Stil darunterzusetzen.
Das Orgelstück verschwindet und wird zum Chor der Hirten von Bethlehem,
die dem Jesuskind einen Abschiedsgruß singen, als die heilige Familien
nach Ägypten aufbricht. Man unterbricht die Whist- und Brelanpartie,
um mein geistliches `Fabliau´ zu hören. Man ergötzt
sich am Mittelalterlichen meiner Verse und meiner Musik." (Grotesques,
S. 186)
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Berlioz brachte den Chor in einem Konzert der Société
Philharmonique als angebliche Komposition eines gewissen Pierre Ducré,
"eines Kapellmeisters meiner Erfindung, der im 18. Jahrhundert nicht gelebt
hat." (Mil. ch., S. 148) "Der Chor hatte großen Erfolg." Die Kritiker
spielten den sanften, melodiösen Stil des "Ducré" gegen Berlioz´
Musik aus. Berlioz komponierten den zweiten Vokalsatz hinzu (Le Repos de
la Sainte Familie) und schließlich die instrumentale Ouverture. Die
Ouverture ist "in unschuldigem Stil, in fis-moll ohne Leitton - dieser
Modus ist nicht mehr Mode, er ähnelt dem Choral und stammt, wie die
Gelehrten Ihnen sagen werden, von irgendeinem phrygischen, dorischen oder
lydischen Modus des alten Griechenlands ab (was gar nichts zur Sache tut);
aber es herrsht in ihm offenbar jene melancholische, etwas einfältige
Stimmung alter volkstümlicher Klagelieder." (Grotesques, S. 187)
-
Das ganze führte er nun unter seinem Namen unter
dem Titel "La Fuite en ègypt" mehrmals mit großem Erfolg auf.
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An Liszt schreibt er, es handle sich nur um "das
Resultat einer kleinen Farce, die ich unseren guten Gendarmen der französischen
Musikkritik gespielt habe (Briefe an Liszt, Bd. II, S. 95)
-
Neuauflage von Neuf Mélodies unter
dem Titel Irlande
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Berlioz publiziert Fleurs des landes, Gesänge
mit Klavierbegleitung
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Le matin (Text: Adolphe de Bouclon)
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Petit oiseau (derselbe Text wie bei Le matin)
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Le trébuchet (Text: Émile Deschamps)
(Duo)
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Le jeune pâtre breton (Text: Auguste
Brizeux)
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Le chant des Bretons (Text: Auguste Brizeux)
(Chor)
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Berlioz publiziert Feuillets d´album,
Gesänge mit Klavierbegleitung
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Zaide-Boléro (Text: Roger de Beauvoir)
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Les champs - Aubade (Text: Pierre-Jean de Béranger)
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Les chants des chemins de fer für Chor
(text: Jules Janin)
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Prière du matin für Kinderchor
(Text: Alphones de Lamartine)
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La belle Isabeau (Text: Alexandre Dumas)
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Le Chasseur danois (Text: Adolphe de Leuven)
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Benvenuto Cellini Berlioz, Hector. Brunswick, [um
1850]
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1851
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Berlioz als Juror auf der Londoner Weltausstellung.
Die internationale Jury hatte die Musikinstrumente zu begutachten, die
im Rahmen der "Great Industrial Exhibition" gezeigt wurden.
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Berlioz publiziert Vox populi für Chor
und Orchester
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La menace des Francs für Doppelchor
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Hymne à la France (Text: Auguste Barbier)
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Wagners Kritik an Berlioz:
-
Wagner trägt im Zusammenhang seiner Hauptschrift
"Oper und Drama" Kritik an Berlioz vor. Er brandmarkt die Musik Berlioz
nicht nur als ästhetisch minderwertig, sondern vor allem als Verirrung,
als sinnlose Überflüssigkeit. Für Wagner ist "die Geschichte
der Instrumentalmusik" - spätestens seit Beethoven "die Geschichte
eines künstlerischen Irrtums" (Richard Wagner: Gesammelte Schriften
und Dichtungen, Leipzig 1887 f., Bd. III, S. 277).
-
Er spricht vom Finale der Neunten Symphonie, mit
dem Beethoven seinen "Irrtum" (S. 278) - das verzweifelte "Ringen nach
Auffindung eines neuen musikalischen Sprachvermögens nach allen Richtungen
hin in oft krampfhaften Zügen" (S. 280) in seiner Instrumentalmusik
- aufgehoben habe.
-
Berlioz jedoch habe sich "phantastischer Willkür"
zugewandt, der "Laune", dem "hexenhaften Chaos" (S. 281).
-
Berlioz erscheint als "der unmittelbare und energischte
Ausläufer Beethovens nach der Seite hin, von welcher dieser sich abwandte,
sobald er - wie ich es zuvor bezeichnete - von der Skizze zum wirklichen
Gemälde vorschritt" (S. 282).
-
"Berlioz trieb seine enorme musikalische Intelligenz
bis zu einem vorher ungeahnten technischen Vermögen. Das, was er den
Leuten zu sagen hatte, war so wunderlich, so ungewohnt, so gänzlich
unnatürlich, daß er dies nicht so gerade heraus mit schlichten,
einfachen Worten sagen konnte: er bedurfte dazu eines ungeheuren Apparates
der kompliziertesten Maschinen, um mit Hilfe einer unendlich fein gegliederten
und auf das Mannigfaltigste zugerichteten Mechanik Das kundzutun, was ein
einfach menschliches Organ unmöglich aussprechen konnte: eben weil
es etwas ganz Unmenschliches war." (S. 283)
-
Das "Unnatürliche" werde, fadem Schwindel früherer
"Priesterschaft" nicht unähnlich, durch "Wunder der Mechanik" hervorgezaubert:
"Und ein solches Wunder ist in Wahrheit das Berlioz´sche Orchester.
Jede Höhe und Tiefe der Fähigkeit dieses Mechanismus hat Berlioz
bis zur Entwicklung einer wahrhaft staunenswürdigen Kenntnis ausgeforscht."
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"So müssen wir Berlioz als den wahren Heiland
unserer absoluten Musikwelt feiern; denn er hat es den Musikern möglich
gemacht, den allerunkünstlerischsten und nichtigsten Inhalt des Musikmachens
durch unerhört mannigfaltige Verwendung bloßer mechanischer
Mittel zur verwunderlichsten Wirkung zu bringen."
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Unter "absoluter Musik" versteht Wagner, im Gegensatz
zum späteren, seit Eduard Hanslick fixierten Gebrauch des Terminus,
alle Musik, die von ihren urpsrünglichen Wurzeln Sprache oder Tanz
losgelöst ist und so keine Daseinsberechtigung hat (und deren technische
Merkmale, die symphonische Durchführung, für Wagner nur als ein
in das `Musikdrama´ einzubringendes Erbe ihre geschichtliche
Legitimation erhalten). Den Hang zum "Mechanischen" verbindet Berlioz -
nach Wagner - mit Meyerbeer und dessen berechnender Kultivation des leeren
Effekts; Berlioz wird somit zum "tragischen Opfer einer Richtung, deren
Erfolge von einer anderen Seite her mit der allerschmerzlosesten Unverschämtheit
und dem gleichgültigsten Behagen von der Welt ausgebeutet wurden"
(S. 284).
-
"Das macht ihn - außer zum warnenden Beispiele
- um so mehr zu einer tief bedauernswürdigen Erscheinung, als er noch
heute von wahrhaft künsterlerischem Sehenen verzehrt wird, wo er doch
bereits rettungslos unter dem Wuste seiner Maschinen begraben liegt."
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Victor Hugo geht ins Exil. Dazu Berlioz in
einem Brief an Liszt: "Hugo, dieser Narr, ist rasdend, weil er nicht selber
Kaiser ist! Nil aliud!"
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Tod von Spontini, ein musikalischer "Abgott"
aus Berlioz´ Jugendzeit.
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Gounods erste Opfer, "Sapho" ("Sappho", 1851), klang sogar für Berlioz
zu modern, der die Ansicht vertrat, daß Gounods Versuche in realistischer
Dramatik den Rahmen des musikalisch Vertretbaren sprengten.
-
1852
-
Berlioz weist die Kritik Heines an den Monumentalwerken
zurück.
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Dieses Genre sei ein "Teil meiner Träume" (Corr.
in., S. 180). Es sei ihm konkret um ungewöhnliche, neuartige musikalische
Probleme gegangen: um die kompositorische Bewältigung des großen
Raumes und der "Gewalt der musikalischen Massen" (Corr. in., S. 180).
-
Er verweist auf die Erlebnis von 1851 in der St.
Pauls-Kathedrale in London "beim Anhören eines Chores von 6500 Kindern
aus den Wohltätigkeitsschulen, die dort einmal jährlich zusammenkommen.
Das war unvergleichlich, eine außerordentlich eindrucksvolle, ja
geradezu babylonische Zeremonie." (Corr. in., S. 180)
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Januar: Berlioz schreibt an Alexej Lwow, wenige
Wochen nach dem Staatsstreich Louis-Napoléons: "Das Gefühl
für das Wahre in der Kunst ist ebenso erloschen wie in der Moral das
Gefühl für das Richtige, und ohne die Energie des Präsidenten
würden wir zur Stunde einander in unseren Häusern anfallen und
umbringen." (Corr. in, S. 182 f.)
-
Berlioz dirigiert als Gast der New Philharmonic Society
die erste Saison, sechs Konzerte, in denen er, von eigenen Werken abgesehen,
unter anderem Mozarts "Jupiter-Symphonie" brachte,
Mendelssohns
"Italienische Symphonie" und , als Höhepunkt,
Beethovens Neunte
Symphonie: "Die Symphonie mit Chor, die hier sonst nie gut lief, hat eine
fabelhafte Wirkung hervorgebracht, und ich hatte sehr großen Erfolg
als Dirigent." (Corr. in., S. 194)
-
Liszt, der seit 1848 Hofkapellmeister in Weimar
war, veranstaltet dort Berlioz-Konzerte. Auch Liszt Lebensgefährtin
Carolyne Fürstin von Sayn-Wittgenstein, zeigte hohes Verständnis
für die Musik Berlioz´.
-
Im Frühjahr hatte Liszt "Benvenuto Cellini"
angesetzt: "Ich bin sehr froh, dieses Werk einem unvoreingenommenen Publikum
dargeboten zu sehen, und zwar durch Dich. Nach dreizehn Jahren des Vergessens
habe ich es soeben eingehend durchgesehen, und ich schöwere, ich würde
diesen cellinihaften ungestümen Schwung, diese gedankliche Vielfalt
heute nicht mehr aufbringen. Aber die Aufführung wird nur um so schwieriger
sein, denn die Theaterleute, die Sänger vor allem, wissen ja nicht
mehr, was "humour" ist." (Mus. err. I, S. 336)
-
Für erneute Aufführungen der Oper im November
im Rahmen einer von Liszt veranstalteten Berlioz-Woche, hatte Liszt eine
Einteilung in drei Akte vorgeschlagen sowie einige drastische Kürzungen,
vor allem im zweiten Finale. Berlioz sah sich einem fait accompli gegenüber,
dem er sich aber, dankbar für Liszts Einsatz überhaupt, im wesentlichen
fügte, und das er nur dadurch modifizierte, daß er einige der
zur Streichung vorgeschlagenen Szenen, um sie zu retten, an anderen Stellen
einfügte. So entstand die "Weimarer Fassung" des Benvenuto Cellini,
die dann durch die Druckausgaben von Klavierauszug und Partitur fixiert
wurde und das Modell für alle späteren Aufführungen abgab.
(Ersteine englische Produktion von 1957 ging wieder auf die ursprüngliche
Pariser Fassung zurück."
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Benvenuto Cellini, dreimal in Weimar gegeben, hat
"unter Liszt Leiutng einen pyramidalen Erfolg errungen." (Mil. ch., S.
33)
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Berlioz dirigierte selbst zweimal Roméo et
Juliette und die beiden ersten Teile von Faust. "Man hat mich wahrhaft
überschüttet, verzogen, umarmt und berauscht (im moralischen
Sinn). Dieses ganze Orchester, alle dies Sänger, Schauspieler, Komödianten,
Tragöden, Direktoren, Intendanten, die sich am Abend vor meiner Abreise
zum Diner im Rathaus vereinigt hatten, repräsentierten eine Welt von
GEdanken und Empfindungen, von der man in Frankreich keine Ahnung hat.
Schließlich habe ich geheult wie zwei Dutzend Kälber, als ich
daran dachte, wieviel Kummer mir gerade dieser "Benvenuto" in Paris bereitet
hat. Der vortreffliche Liszt war in seiner Güte und Selbstverleugnung,
seinem Eifer und seiner Hingabe wundervoll. Die herzogliche Familie hat
mich in jeder Weise mit Gunst überhäuft." (Corr. in, S. 198)
-
Wagner über Benvenuto Cellini: "The poem
of Benvenuto Cellini ist bad, and the composer has been put into the unnatural
position of having to fill with purely musical inventions the lacunae which
only the poet can fill. Berlioz will never be able to rescue his unfortunate
Cellini, but tell me which is worth more - Benvenuto or Berlioz? Let the
first go and save the second. It´s horrible for me to watch these
efforts at resurrection. Let Berlioz write a new opera ... for one thing
can save him, and that ist drama ... Believe me, I love Berlioz despite
the capricious distrust that keeps him distant from me. He does not know
me but I know him. If I expect something from any composer, it is from
Berlioz, but not if he follows the line that has led him to the platitudes
of his "Faust" symphony." (???)
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Berlioz publiziert Les Soirées de l´orchestre
(Paris 1852)
-
Er wünschte, daß man von ihm auch als
eiem "prosateur" spräche, "dem Verfasser des Buches Les Soirées
de l´orchestre" (S. 15)
-
Er beklagt "die platte rhythmisierte Katzenmusik
(le plat charivari rythmé)" (S. 15)
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"Ah! ah! ah! Sie rechnen damit, sich in Frankreich
durch Konzerte berichern zu können - ah! eine wahrhaft steirische
Idee!" (S. 66)
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"In Frankreich muß man das Publikum mitreißen
(entraîner), so, wie man die Rennpferde zureitet (entraîne);
das ist eine ganz besondere Kunst. Es gibt hinreißende (entraînants)
Künstler, denen das niemals gelingen wird, und andere von platter
Mittelmäßigkeit, die unwiderstehliche Bereiter (entraîneurs)
sind." (S. 68)
-
Er spottet über Kompositionen, in denen vor
allem "die große Trommel mit Feuereifer arbeitet" (S. 79)
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In der utopischen Stadt Euphonia etwa läßt
Berlioz in würdiger Erhabenheit monumentale Gluck-Aufführungen
stattfinden. (S. 362 f.)
-
" `Da sieht man es´, grölt die ganze Gesellshaft,
`daß mit der Zeit und mit Geduld die mutigsten Künstler schließlich
das Schicksal besiegen!´ Ich entwische inmitten des Lärms."
(S. 392)
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Gautier bezeugt dazu , Berlioz sei den zünftigen
Literaten ebenbürtig: mit so viel "Phantasie, Verve und Esprit" schreibe
er.
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Umarbeitung von Tristia von 1849 für
Chor und Orchester
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Ouverture Le corsair
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Hans von Bülow (1830-1894): "Genie ist
aber Berlioz nicht abzusprechen; der zwingende, innere Schaffensdrang,
die Originalität und die Neuheit, die Energie und Potenz, die freie,
so unabhängig entwickelte Selbständigkeit des Stiles, denen wir
in seinen Werken begegnen, drücken diesen den Stempel des Genies auf.
- Berlioz besitzt den vollgültigsten Anspruch auf das Ehrenbürgerrecht
in der deutschen Kunst, wie nur wenige Stammesgenossen es in der Gegenwart
beanspruchen dürfen. Berlioz ist durch und durch deutsch, wenn man
mit diesem Prädikat den Begriff des Sittlich-Ernsten, Künsterlisch-Religiösen
verbindet." (Bülow: Ausgewählte Schriften, Leipzig 1911 (geschreiben
1852), Bd. 1, S. 67, 91) Lediglich Benvenuto Cellini verweigert der Berlioz-Bewunderer
Hans von Bülow "Das Prädikat eines Kunstwerks im höheren
Sinne": "... es ist als Kunstwerk zu unvollkommen un din seiner Totalität
zu verfehlt, um dem Publikum der Zukunft zu genügen." Unter dem Einfluß
Wagners argumentiert er, dass für die "schiefe Stellung, welche unser
modernes Publikum dem Künstler gegenüber einzunehmen gewöhnt
worden ist", weniger Trägheit und Ignoranz der Zurückgebliebenen,
der Masse, verantwortlich sind, sondern "wir geben sogleich von vornherein
zu, daß der Künstler es ist, der die Schuld an der Verkehrung
seines Verhältnisses zum Publikum trägt." Er kritisiert den dramaturgischen
Aufbau des Werks mit seinem "Hauptverstoß gegen die Form", da die
zwei Akte, vier Bilder die "ästhetische Notwendigkeit" einer "in der
Natur des Dramas überhaupt" liegende Gliederung in drei oder fünf
Akte mißachtet. Insbesondere das letzte Bild sei "zusammengeflickt"
und "ermüdend". (S. 61 f., 90 f.). Auf Wunsch von Liszt bearbeitet
Bülow den zweiten Akt, indem er seine zwei Bilder zu einem zusammenzieht,
dem "3. Akt" der "Weimarer Fassung". Lang wird die Oper aber erst durch
die langatmige Rezitierung der ursprünglich gesprochenen Dialoge.
-
1853
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Berlioz dirigiert in London die Saison
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Im Herbst 1853 dirigiert er in mehreren deutschen
Städten (in Baden-Baden fast im jährlichen Turnus).
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1854
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Im März stirbt seine Frau Harriet
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"seit vier Jahren gelähmt und der Bewegung und
der Sprache beraubt." (Mémoires II, S. 306)
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Zwei Tage nach dem Tod schreibt Berlioz an seinen
Sohn Louis, der sich als Volontäraspirant auf See befindet. "Du wirst
nie erfahren, was wir, Deine Mutter und ich, einer durch den andern gelitten
haben, und gerade diese Leiden waren es, die uns so eng aneinander fesselten.
Es war mir ebenso unmöglich, mit ihr zu leben, wie sie zu verlassen."
(Corr. in., S. 207)
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"Ich hatte Harriet weder aus meiner Idylle von Meylan
noch aus der Lebhaftigkeit der Erinnerung, die ich daran bewahrte, ein
Geheimnis gemacht." (Mémoires II, S. 311).
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"Liszt schrieb mir bald darauf aus Weimar einen herzlichen
Brief, wie er sie so gut zu schreiben versteht: `Sie hat Dich inspiriert,
Du hast sie geliebt, du hast sie besungen, ihre Aufgabe war erfüllt."
(Mémoires II, S. 311.).
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"Harriert war die Harfe, di e in alle meine Musik
hineinklang, in meine Freude und in meine Trauer, und von deren Saiten
ich - hélas! - so viele zerbrochen habe!" (Mémoires II, S.
312).
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Berlioz über sich und das Ende seiner Karriere:
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"Ich empfinde ein unbestimmtes Gefühl poetischer
Liebe, wenn ich an einer schönen Rose rieche." (Mémoires II,
S. 312). Berlioz war stolz darauf, "ganz passabel eine Seite Partitur und
eine Seite Vers oder Prosa" schreiben zu können." (Mémoires
II, S. S. 312)
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"Ich fühle wohl, was ich in der dramatischen
Musik schaffen könnte, aber es ist ebenso nutzlos wie gefährlich,
den Versuch zu wagen ... Jetzt bin ich wenn nicht am Ende meiner Karriere,
so doch an dem Abhang angelangt, der schneller und schneller dahinführt;
müde, versengt aber immer noch glühend udn voll von einer Energie,
die zuweilen mit einer Heftigkeit ausbricht, die mich fast erschreckt,
Mémoires II, S. 312 f.)
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Berlioz erzählt die erschütternde Geschichte
von der geträumten Symphonie, deren Realisierung Berlioz mit aller
Vernunft, mit trauriger Einsicht also in die unerbittlichen öknomischen
Zwänge - "ich werde dabei schließlich verlieren, was ich nicht
habe" - zurückweist. "In der folgenden Nacht kehrte die aufdringliche
Symphonie wieder und ertönte in meinem Kopf ... Ich wachte in fieberhafter
Erregung auf, ich sang mir das Thema vor, dessen Charakter und Form mir
ausgezeichnet gefielen ... Aber die Überlegungen vom Vortag hielten
mich noch einmal zurück, ich stemmte mich gegen die Versuchung, ich
klammerte mich krampfhaft an die Hoffnung zu vergessen. Endlich schlief
ich wieder ein, und am nächsten Morgen, als ich erwachte, war in der
Tat jede Erinnerung daran verschwunden." (Mémoires II, S. 318)
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Im Frühjahr 1854 findet eine zweite Deutschland-Tournee
statt. Höhepunkte waren Braunschweig, Hannover und Dresden.
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"Ihnen die wahnsinnige Begeisterung des Publikums
und der Künstler in Brauschweig nach der Aufführung von "Faust"
zu beschreiben, würde zu weit führen: ein Taktstock aus Gold
und Silber als Geschenk vom Orchester, ein Souper zu hundert Gedecken,
an dem die Kapazitäten der Stadt (nach dem zu urteilen, was sie gegessen
haben) teilnahmen." (Lett. int., S. 202)
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In Hannover gastierte Berlioz zweimal. In Hannover
"`haben Sie Kadaver belebt´, sagte mir unser Botschafter; `das
Publikum von Hannover ist das kälteste, das es gibt. Nicht zweimal
im Jahr kommte es vor, daß sie etwas aplaudieren.´ Der König
selber war mein Chef de clauqe." (Mil. ch., S. 129)
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Der "bezaubernde junge König von Hannover",
der blinde Georg V., "und seine Antigone, die Königin, interessieren
sich so für meine Musik, daß sie um acht Uhr morgens zu meinen
Proben kommen und manchmal bis Mittag bleiben, um - wie mir der König
kürzlich sagte - besser in den inneren Sinn der Werke einzudringen
und sich mit der Neuheit der Kompositionsweise vertraut zu machen." (Mémoires
II, S. 320)
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Brief an Ferrand: "Heute vormittag empfing ich den
Besuch der Frau von Arnim, der Bettina Goethes. Sie kam nicht, wie sie
sgate, mich zu sehen, sondern mich anzuschauen. Sie ist zweiundsiebzig
Jahre alt und sehr geistreich." (Lett. int., S. 204)
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In Leipzig lernt Berlioz Peter Cornelius kennen
und Johannes Brahms, "diesen kühnen, so scheuen jungen Mann ... der
vorhat, neue Musik zu machen. Er wird viel leiden." (Mil. ch., S. 142)
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Die vier Konzerte in Dresden schließlich -
wie Hans von Bülow an Liszt schrieb - wurden "zu einem der leuchtendsten
Triumphe, die Berlioz je in Deutschland gefeiert hat" (Briefwechsel zwischen
Franz Liszt und Hans von Bülow, hrsg. von La Mara, Leipzig 1898, S.
76)
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In Dresden hat "der Intendant des Königs von
Sachsen mir die Kapellmeisterstelle angeboten..., die demnächst vakant
sein wird." (Mémoires II, S. 321). Die Hoffnung zerschlug sich aber.
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Berlioz bekräftigt seine Verachtung von Revolution
und Republik und baut auf den kommenden starken Mann: "Ich bin durch und
durch Imperialist; ich werde niemals vergessen, daß unser Kaiser
uns von der schmutzigen, dummen Republik befreit hat! Alle zivilisierten
Menschen müssen das im Gedächtnis behalten. Zu seinem Unglück
ist er in bezug auf die Kunst ein Barbar, doch was tut´s ! - er ist
ein barbarischer Retter." (Lett. int., S. 206)
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Der zwanzigjährige Louis schreibt nach dem Tod
der Mutter seiner Tante Adèle: "Der Faden meines Lebens ist bloß
die Verlängerung des Lebensfadens meines Vaters." (Mil. ch., S. 174)
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L´Enfance du Christ, Trilogie
sacré (Text: Berlioz) (Soli, Chor, Orchester),
enthält
als zweiten Teil La fuite en Égypte von 1850
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Titel vielleicht eine Reminiszenz an Herders
"Kindheit Jesu", die Johann Christoph Friedrich Bach komponiert
hat
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Er komponiert zwei weitere Teile zu La fuite en ègypte
von 1850 dazu, erst den dritten, schließlich den ersten. "Außerdem
habe ich die Gewißheit, daß ich dieses Werk leicht und oft
in Deutschland aufführen kann." (Mémoires II, S. 319)
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Ich habe einige neue Wendungen versucht: Herodes´
Arie der Schlaflosigkeit ist in g-moll über einer Skala, die im Choral
ich weiß nicht welchen griechischen Namen führt. Das führt
zu sehr düsteren Harmonien und zu Kadenzen von eigentümlichen
Charakter." (Corr. in., S. 211 f.)
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Im "Schlußchor wird der ganze Inhalt des Werkes
zusammengefaßt. Es liegt darin, scheint mir, ein Gefühl des
Unendlichen, der göttlichen Liebe" (Lett. int., S. 218)
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Erste Aufführung im Dezember 1854 in Paris.
Die Kritiker glauben eine Stilwandel zu erkennen: "Nichts ist weniger begründet
als diese Ansicht. Das Sujet hat naturgemäß eine einfache und
sanfte und eben dadurch ihrem Gesca und ihrer Intelligenz besser entsprechende
Musik hervorgebracht; außerdem mußten sich Geschmack und Intelligenz
mit der Zeit entwickeln. Ich hätte `L´ Enfance´
vor zwanzig Jahren ganz genauso geschrieben." (Mémoires II, S. 323)
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Am 13. Oktober sind die Mémoires
vorläufig abgeschlossen
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In den urpsrünglichen Schlußsätzen
apostrophiert Berlioz: "Im "heiligen Deutschland, wo die Pflege der Kunst
noch rein geblieben ist"
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Wenige Tage später im Oktober heiratet er
Marie
Recio:
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Dazu schreibt er seinem Sohn Louis erklärend:
"Die Verbindung war durch ihre Dauer, Du wirst es verstehen, unlösbar
geworden. ... Wenn Du einige peinliche Erinnerungen an Mademoiselle Recio
hast und ihr nicht wohlgesinnt bist, so zweifle ich nicht, daß Du
diese Gefühle aus Liebe zu mir in der Tiefe Deines Herzens verschließen
wirst ... denn ich möchte um alles nicht, daß in meine Häuslichkeit
irgendein Schatten fiele." (Corr. in., S. 217 f.)
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L´Impériale, Kantate für
Doppelchor (Text: Lafont)
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Mit dieser Kaiserhymne, komponiert zur Erinnerung
an den 10. Dezember 1848, das Datum des siegreichen Plebiszits für
Lois-Napoléon: "Denn aus dem Grabe auferstanden, wie einst der Messias,
ist die kaiserliche Dynastie, die Gott selbst geweckt hat, die die gloire
geboren hat", und immer wieder der Refrain "Vive l´Empereuer!" Der
Kaiserhof verhielt sich allerdings Berlioz gegenüber zurückhaltend:
Immerhin schrieb ja Berlioz nach wie vor im "Journal de Débats",
einem Oppositionsblatt. Auch wußte man wohl noch, daß Berlioz
1848 versucht hatte, die Machthaber der Republik für sich zu gewinnen.
Er muß, und gar nicht zu Unrecht, als Opportunist angesehen worden
sein. Berlioz dirigiert bei den Festkonzerten im Industriepalast auch "L´Impériale".
Er hatte ein elektrisches Metronom konstruieren lassen, "mit dessen Hilfe
ich diese ganze ungeheure Mammutveranstaltung buchstäblich in der
Hand gehabt habe." (Briefe an Listzt, Bd. I, S. 58)
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Bei Wahlen in die Académie wird ein Niemand
namens Antoine Louis Clapisson, der aber mit einem Werk des Titels "La
Fanchonnette" an der Opéra-Comique großen Erfolg hatte, Berlioz
vorgezogen. Dies war für Bizet Anlaß, die Angelegenheit aufs
Korn zu nehmen;
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1854/55
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La damnation de Faust Berlioz, Hector. Paris, 1854
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La damnation de Faust Berlioz, Hector. Paris, [ca.
1855]
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1855
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2. Auflage von Grand traité d´instrumentation
et d´orchestration modernes (paris 1855, enthält neu: L´art
du chef d´orchestre)
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Berlioz dirigiert in Weimar
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Im Februar dirigiert Berlioz zwei legendäre
Konzerte: im einen, zum Geburtstag der Groherzogin, als Höhepunkt
die Uraufführung des Es-dur-Klavierkonzerts von Liszt (der den Solopart
spielte), im zweiten die deutsche Erstaufführung von L´Enfance
du Christ (von Peter Cornelius, Liszts Freund und Sekretär, ins Deutsche
übersetzt), dazu noch die Symphonie fantastique zusammen mit Lélio,
der zum erstenmal szenisch dargestellt wurde.
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"Was L´Enfance du CHrist betrifft, so ist die
Wirkung dieselbe gewesen" wie in Paris. "Man hat die Taschentücher
naß geweint." (Corr. in., S. 222)
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Berlioz dirigiert in London
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Wagner - Berlioz
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In London kommt Berlioz Wagner sich menschlich
nahe.
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Begeistert schreibt Wagner über die "herzliche
und innige Freundschaft, die ich für Berlioz gefaßt, und die
wir beide geschlossen ... Er wurde mir ein ganz anderer, als er mir früher
war; wir fanden uns plötzlich aufrichtig als Leidensgefährten,
und ich kam mir - glücklicher vor als Berlioz." (Wagner-Liszt II,
S. 82)
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Wagner schreibt an Liszt: "Ich gestehe, daß
es mich jetzt sehr interessiert, seine Symphonien einmal genau in der Partitur
vorzunehmen." (Wagner -Liszt II, S. 97)
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Berlioz an Wagner nach Zürich: "Sie haben sich
daran gewagt, die Gletscher zum Schmelzen zu bringen mit Ihrer Komposition
der Nibelungen!; ... ich muß verdrießliche Reisen machen, um
meinen Lebensunterhalt zu verdienen, da mir Paris nur faule Früchte
bietet. Gleichviel, wenn wir noch hundert Jahre länger lebten, würden
wir, glaube ich, hinsichtlich vieler Dinge und Menschen recht behalten.
Der alte Demiurg dort oben muß wohl in seinen alten Bart lachen über
den steten Erfolg der alten Posse, die er uns spielt." (Corr. in., S. 226)
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Berlioz über Wagner: "Er ist herrlich
an Eifer und Herzenswärme, und ich gestehe, daß selbst seine
Heftigkeiten mich entzücken. Er hat für mich etwas merkwürdig
Anziehendes, und wenn wir beide schroff sind, so fügen sich wenigstens
unsere Schroffheiten ineinander." (zit. n. Kapp, a.a.O., S. 78 f.)
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Jäh endet die Freundschaft wieder; Denn eine
englische Musikzeitung publiziert und kommentiert jene Passagen aus "Oper
und Drama", in der Wagner "mich auf die komischte und geistreichste
Art herunterreißt ... Die Welt ist ein Theater!!"
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[Te Deum, H 118] Berlioz, Hector. Paris, 1855
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L' enfance du Christ Berlioz, Hector. Paris, [um
1855]
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F. Liszt: Berlioz und sein "Harold-Symphonie"
(1855), in: Gesammelte Schriften, Bd. IV, Leipzig 1882
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Peter Cornelius (1824-1874): "Das deutsche
Publikum sieht in Berlioz einen von deutschem Geiste geweihten, unter Beethovens
Fittichen erstarkten Künstler ... Aber vor allem schätz man in
ihm den Helden, der aus Liebe zur Kunst in seiner Heimat Mißgunst,
Haß und Spott willig erträgt, der nie eine Note schrieb, die
nicht seinem hohen, ihm stets vorschwebendem Ideal entsprach, der niemals
der Mode Zugeständnisse machte noch um die Gunst des Publikums buhlte,
der nie sich zu ihm aus eitler Selbstsucht herabließ, sondern stolz
auf seiner steilen Höhe wartet, bis die Menge zu ihm hinansteigt."
(Peter Cornelius: Hector Berlioz in Weimar, in: "Die Musik", 4, 1904/05,
S. 150 f.) "Hoffmann von Fallersleben improvisierte einen lateinischen
Toast zur Feier der Aufnahme des Meisters in den Neu-Weimar-Verein, einen
Klub, dem Liszt präsidiert und den erst kürzlich die Künstler
und Gelehrten hier gründeten. Dieser Toast, schlicht aber würdig
von Joachim Raff vertont, wurde bei dem Berlioz zu Ehren gegebenen Bankett
als Chor gesungen, und in der folgenden Nacht wiederholten wir ihn trotz
der eisigen Kälte vor der Wohnung unseres Gastfreundes."
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1855/56
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Nochmals verteidigt er gegen Heine und andere
seine Monumentalwerke:
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Die Monomentalwerke sind nach Berlioz ein Genre mit
entschiedenem Neuheitswert, "in das ich fast als einziger der modernen
Komponisten eingedrungen bin und von dem die Alten nicht einmal eine Ahnung
gehabt haben." (Mémoires II, S. 328).
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Es geht um das Problem der Gewalt der Massen, "deren
Lösung ich versucht habe ... durch die Anwendung von außerordentlichen
Mitteln." "Aber hauptsächlich ist es die Form der Sätze, die
Breite des Stils und die furchtbare Langsamkeit gewisser Entwicklungen,
ohne daß man ihr Ziel errät, was diesen Werken ihr seltsam gigantisches
Aussehen, ihren kolossalen Habitus verleiht." (Mémoires II, S. 329)
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Erstaufführung des Te deum
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in der Kirche Saint-Eustache anläßlich
der Pariser Industrieausstellung
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Berlioz schreibt dazu: "Die maßlose Größe
der ganzen Anlage und des Stils hat erstaunliche Wirkungen gehabt, und
Sie können glauben, daß "Tibi omnes" und "Judex", obgleich von
ganz verschiedener Art, babylonische, ninivetische Stücke sind." (Corr.
in., S. 228).
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In einer autorisierten Zeitungsnotiz von 1855 heißt
es: "Dieses Te deum sollte Teil einer in kolossalen Proportionen konzipierten
Komposition sein, halb episch, halb dramatisch angelegt und bestimmt, den
militärischen Ruhm des Ersten Konsuls zu feiern. Diese Episode trug
ursprünglich den Titel Le Retour de la campagne d´Italie. In
dem Augenblick, wenn Gerneral Bonaparte die Gewölbe der Kathedrale
betreten hätte, sollte der geheiligte Lobgesang von allen Seiten widerhallen,
die Fahnen sollten geschwenkt und die Trommeln geschlagen werden ..." (zit.
n. BNE, Bd. 10, S. XVII)
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In einer Vorausnotiz zur Erstaufführung hatte
Berlioz auch auf das Vorbild der "Matthäus-Passion" verwisen. (zit.
n. BNE, Bd. 10, S. XVIII).
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Im Brief an die Schwester: "Ich kann Dir den Eindruck
dieser weiten Kathedrale nicht beschreiben, ihre gegenwärtig so großartige
Ausschmückung, mein Orchester, das den Chorraum füllte, meine
Chöre im vorderen Teil des Mittelschiffs und die achthundert Kinder
auf einnem breiten Amphietheater, das bis zur Höhe von zwei Stockwerken
aufragte. Ich kann Dir erst recht nichts sagen über die Majestät
des großen Duetts zwischen uns und der Orgel, die geheimnisvoll vom
anderen Ende der Kirche her erklang." (zit. n. BNE Bd. 10, S. XIX).
-
Die Orgel "führt vom einen Ende der Kirche aus
den Dialog mit dem Orchester und den zwei Chören am andern Ende, und
mit einem dritten, sehr stark besetzten Chor im Unisono, der, in diesem
Zusammenhang das Volk repräsnetierend, von Zeit zu Zeit an dem gewaltigen
religiösen Konzert teilnimmt." (Mémoires II, S. 329). Diesen
dritten Chor, den Kinderchor - "der so zahlreich wie möglich und von
den beiden anderen Chören getrennt sein muß" (Vorwort der Partiturausgabe)
- hat Berlioz erst 1853/54 in das Te deum eingearbeitet.
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Schließlich spricht Berlioz mit 53 Jahren endgültig
vom Ende seiner Karriere:
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"Meine Karriere ist zu Ende; "Othello´s occupation´s
gone". Ich komponiere nichts mehr, ich dirigiere keine Konzerte mehr, ich
schreibe weder Verse noch Prosa mehr, ich habe meine Stellung als Kritiker
aufgegeben; alle musikalischen Arbeiten, die ich begonnen hatte, sind beendigt.
Ich will nichts mehr tun, ich tue nichts außer lesen, meditieren,
mit einer tödlichen Langeweile kämpfen und an einer unheilbaren
Neuralgie leiden, die mich Tag und nacht peinigt." (Mémoires II,
S. 333).
-
Zunehmende neuralgische Leiden.
Helmut Zenz - 2003