Jahre des Aufbäumens
(1856-1861)
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1856
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Berlioz wird zum Mitglied des Institut de France
gewählt - nach drei erfolglosen Bewerbungen. (Auch Delacroix oder
Hugo haben sich allerdings mehrmals bewerben müssen.)
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Berlioz dirigiert in Weimar.
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1856-1858 Les Troyens (spätere Umarbeitungen)
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Bei langen Gespräche mit Franz Liszt
und Carolyne von Sayn-Wittgenstein entsteht der Plan einer großen
Vergil-Oper:
"Ich kam auf meine Bewunderung für Vergil zu sprechen und auf meine
Idee, eine Grand opéra in Shakespeareschem Stil zu schreiben, deren
Sujet das zweite und vierte Buch der "Aeneis" sein sollte. Ich fügte
hinzu, daß ich zu gut wüßte, wieviel Kummer mir ein solches
Unternehmen notwendig bereiten würde ... "Gewiß", antworte die
Prinzessin, "muß aus Ihrer Leidenschaft für Shakespeare, vereint
mit solcher Liebe zur Antike, etwas Großartiges und Neues hervorgehen.
Wohlan, Sie müssen diese Oper schreiben". ... Nach Paris zurückgekehrt,
begann ich, die Verse zu der dramatischen Dichtung "Les Troyens" niederzuschreiben."
(Mémoires II, S. 336)
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Im Sommer 1856 schließt er das Libretto zunächst
ab: "Sie werden in dieser Vergil-Dichtung viele Shakespeare-Anleihen finden.
Ich habe meinen Cypernwein mit Spiritus verschnitten." (Briefe Wittgenstein,
S. 26) "Sie gehen sogar so weit die Schönheiten der Vergilischen Dichtung
mir zur Ehre anzurechnen und mich wegen meiner Plagiate an Shakespeare
zu loben." (Briefe Wittgenstein, S. 27)
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Die Begeisterung schowb "den Widerwillen, den meine
Krankheit mir eingab" hinweg (Briefe Wittgenstein, S. 37)
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"Ich denke nur daran, das Werk zu vollenden ... Ich
arbeite mit einer konzentrierten Leidenschaft, die zu wachsen scheint,
je mehr sie befriedigt wird... Ich empfinde ein wahres Glück dabei,
diesen großen Robinsonkahn auszuhöhlen, auszurüsten und
mit Masten zu versehen, den ich nicht flottmachen kann, wenn das Meer nicht
selbst ihn holen kommt." (Briefe Wittgenstein, S. 62)
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Brief an Schwester Adèle: "Ich fühle,
daß, könnte Gluck zurückkommen und "Les Troyens" hören,
er zu mir sagte: "Wahrhaft, das ist mein Sohn". Ich bin nicht gerade escn
gerade bescheiden, nicht wahr?" (zit. n. dem Beiheft der Philips-Einspielung
von Les Troyens)
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Berlioz orchestriert unter teilweiser Bearbeitung
die Lieder von Les nuits d´été von 1840/41 (mit
Ausnahme von Abscence, orchestriert 1843)
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1857
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Roméo et Juliette Berlioz, Hector. Paris,
1857
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Berlioz gehört erstmals der Jury für den Rompreis an. Nach mehreren
Abstimmungen einigte sich am 3. Juli 1857 die Jury, die sich aus Mitgliedern
der Musikabteilung der Académie des Beaux-Arts zusammensetzte, den
ersten Preis an Charles Colin zu vergeben (später Oboenprofessor am
Conservatoire, gestorben 1881), den zweiten an einen obskuren Schüler
Carafas (vgl. S. 33); Bizet wurde nicht mit einem Preis bedacht. Als am
folgenden Tag erstmals die gesamte Académie abstimmte, wurde der
erste Preis Bizet zugesprochen, der zweite Colin.
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1858
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Es folgten weitere persönliche Begegnungen zwischen Wagner
und Berlioz in Paris, bei denen aber die Distanz dominiert. (1858, 1859,
1860)
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In einem Postskriptum der Mémoires verteidigt sich Berlioz in einer
großen Rechtfertigung gegen alle die Mißverständnisse,
denen seine Musik fortwährend ausgesetzt ist.
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1859
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Abschluß derund Aufführung von Les
Troyens:
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Januar 1859: "Was unsere Troyens betrifft, so habe
ich kein Wort gesagt, keinen Schritt getan, nicht einmal einen Bürogehilfen
aufgesucht, um ihn zu veranlassen, daß man sich damit beschäftigt"
(Briefe Wittgenstein, S. 94)
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Les Troyens werden in Szenen konzertant aufgeführt:
"Ich muß Ihnen gestehen, seit diesem Augenblick quält mich Tag
und Nacht der Gedanke an die Quarantäne, der man dieses Werk unterwirft
... Diese großen Stellen haben mich berauscht. Jetzt sehe ich die
Wirkung, die sie auf der Bühne haben würden, aber was soll ich
tun." (Briefe Wittgenstein, S. 99) Les Troyens ruhen in der Schublade.
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Wagner kommt erneut nach Paris in der Hoffnung
Tannhäuser aufzuführen und gerät dabei in Konkurrenz zu
Berlioz´ "Les Troyens".
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Die Fürstin Sayn-Wittgenstein hat die
Idee einer Cleopatra-Oper: "Einzig und allein, um Ihnen zu gehorchen ...
Aber wozu ein solches Werk schreiben? In der Tat für Sie! Es ist wahr.
Pardon." (Briefe Wittgenstein, S. 107 f.)
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Berlioz publiziert Les Grotesques de la musique
(Paris 1859)
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Einrichtung der Oper "Orphée" von Gluck
für die Opéra
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1860
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Abschluß der Arbeit von Les Troyens
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"Die Partitur der Troyens fließt über
von Leidenschaft" (Lett. int., S. 221)
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Widmungsbrief an Fürstin Wittgenstein, einigen
Exemplaren des Klavierauszugs beigelegt: "Sie haben, als Sie mich in den
Kampf schickten, wie jene Spartanerinnen gesprochen, die ihren Söhnen
ein Schild reichten mit den Worten: Kehre wieder, mit ihm oder auf ihm!
Ich bin zurückgekommen, blutend und schwach, mit dem Schild. Das Werk
hat, wie ich selbst, während des Kampfes schwere Wunden erlitten.
Ich war stark genug, sie zu heilen ... Es trägt die Votivinschrift:
Divo Virgilio. Aber könnte es nicht auch Ihren Namen tragen? Möge
es also leben unter diesem doppelten Protektorat! (Briefe Wittgenstein,
S. 164)
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Wagner-Berlioz I
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Die Besprechung der Konzerte Richard Wagners,
mit dem Untertitel "Die Zukunftsmusik" (La Musique de l´avenir) für
das "Journal des Débats" geschreiben und bald darauf in den Sammelband
À travers chants übernommen hat (A travers chants, hrsg. von
L. Guichard, Paris 1971, S. 321 f.), gehört wohl nicht zu seinen Meisterstücken,
sind aber als Rétour-Kutsche für die bisherigen Publikationen
von Wagner über Berlioz zu verstehen, die ähnlich apologetisch
und polemisch abgefaßt waren. Am Anfang steht eine breite Darlegung
des Gemeinplatzes, "Voreingenommenheit" des Kritikers sei unvermeidbar:
"Dies wird meine Entschuldigung sein, wenn ich mir jetzt die Freiheit nehme,
von Richard Wagner nach meiner persönlichen Empfindung zu reden."
Er pointiert immer wieder die "Neigung Wagners und seiner Schule, der ´Empfindung´
nicht Rechnung zu tragen, nur die auszudrückende poetische oder dramatische
Idee im Auge zu haben, ohne sich darum zu kümmern, ob der Ausdruck
dieser Idee den Komponisten zum Verlassen des eigentlich musikalischen
Berichs (conditions musicales) zwingt oder nicht". Wagners "Fähigkeiten
würden viel stärker leuchten, wären sie mit mehr Erfindungsgabe,
weniger Gesuchtheit und einer gerechteren Würdigung gewisser Grundregeln
der Kunst verbunden." "Prüfen wir nun die Theorien, die als die seiner
Schule gelten, die man heute allgemein als Schule der Zukunftsmusik bezeichnet."
"Man muß das Gegenteil von dem tun, was die Regeln lehren ... Man
darf nur der Idee Rechnung tragen und sich aus der sinnlichen Empfindung
nichts machen. Man muß das lumpige Ohr verachten ..." "Zukunftsmusik"
wird hier zum wahren Antichrist: "Wenn das die neue Religion ist ..., so
in ich weit davon entfernt, mich zu ihr zu bekennen ... Ich hebe die Hand
und schwöre `Non credo´".
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Februar 1860: Antwort von Wagner an Berlioz
mit einem offenen Brief (Richard Wagner: Gesammelte Schriften und Dichtungen,
Leipzig 1887 f., Bd. VII, S: 82 f.): "Ermessen Sie, lieber Berlioz, wie
es mir nun vorkommen muß, wenn ich nach zehn Jahren nicht nur aus
der Feder obskurer Skribenten, aus dem Haufen halb oder ganz unsinniger
Witzbolde, aus dem Geschwätz der ewig nur nachschwatzenden blinden
Masse, sondern selbst von einem so ernsten Manne, einem so ungemein begabten
Künstler, einem so redlichen Kritiker, einem mir so innig werten Freunde,
dieses albernste aller Mißverständnisse einer, wenn irrigen,
doch jedenfalls tief gehenden Idee, mit der Phrase einer `musique de l´avenir´
mir zugeworfen sehe, und zwar unter Annahmen, die mich sobald ich irgendwie
bei der Abfassung der von Ihnen angezogenen Thesen beteiligt wäre,
geradesweges unter die albernsten Menschen selbst einreihen müßte."
"Gönnen Sie meinen Dramen ein Asyl auf Frankreichs gastlichen Boden,
und glauben Sie an die herzliche Sehnsucht, mit der ich der ersten und
hoffentlich durchaus gelingenden Aufführung der `Trojaner´ entgegensehe."
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Berlioz und Bizet:
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Im März urteilt Bizet in einem Brief an seine Mutter gegen Ende seines
Rom-Aufenthalts im Zuge des Rompreises über die Musikabteilung der
Académie, über die häufige Abwesenheit von Berlioz und
die Unfähigkeit der anderen "Untiere": "Alles kommt so, wie es sein
muß, nur daß einmal der Areopag über einen jungen Mann
zu Gericht sitzt, der eigentlich den meisten seiner Richter ebenbürtig,
wenn nicht gar überlegen ist (das gilt nicht nur für mich, sondern
für jeden) ... Was kann man schon von diesen Untieren erwarten? Reber
ist zu blöd, Berlioz abwesend, Auber schläft, nur Carafa und
Clapisson hören zu (welch ein Unglück!). Übrig bleibt nur
Thomas, aber er ist so faul!" Ende Juli reist Bizet aus Rom ab. Über
die ersten sechs Wochen seiner Rückreise schrieb Bizet Tagebuch. Dieses
merkwürdige Dokument, völlig extrovertiert, enthält zum
Thema Musik nur wenig, außer daß Bizet in ein paar Kirchen
orgelte, über Menschen nicht viel mehr, abgesehen von Prostituierten,
auf die sein Appetit anscheinden unersättzlich war (er hatte ja leider
gerade von einer Geliebten in Rom Abschied nehmen müssen). Eine von
ihnen, die er etwas dürftig fand, sprach ihn aus heiterem Himmel eigenartigerweise
an: "Oh, Berlioz, que n´étais-tu là?" - "Oh, Berlioz,
warum warst du nicht da?"
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Berlioz stellte Bizet im Partiturspiel neben Liszt und Mendelssohn.
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1860-1862 Die letzte Komposition
von Berlioz: Béatrice et Bénédict, Oper (Text:
Berlioz)
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Um sich von Troyens "zu erholen", machte sich Berlioz
an eine kleine Opéra comique. "Sie ist heiter und fröhlich"
(Lett. int., S. 224) Es handelt sich um ein Auftragswerk für Édouard
Bénazet und das neue Thater von Baden-Baden. Berlioz plante die
Oper zunächst einaktig, mit "einem Dutzend Musikstücken" (Lett.
int., S. 224). "Ich habe mir diesen Akt aus der Tragikomödie von Shakespeare
"Viel Lärm um Nichts" zurechtgeschnitten:. (Lett. int., S. 228) "Ich
habe nur den Grundgedanken dem Stück entnommen, alles übrige
ist meine Erfindung. Es handelt sich ganz einfach darum, Béatrice
und Bénédict zu überzeugen, daß sie ineinander
verliebt sind ... Das ist von ezellenter Komik, Du wirst es sehen. Außerdem
sind da dann auch noch Scherze von meiner Erfindung und musikalische Chargen"
(Corr. in., S. 270)
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Im August 1862 dirigierte Berlioz die Oper zur Eröffnung
des Baden-Badener Theaters: "Großer Erfolg! "Béatrice" ist
von Anfang bis zum Ende mit Beifall aufgenommen worden; man hat mich, ich
weiß nicht wie oft, herausgerufen." (Corr. in., S. 270)
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Wagner - Berlioz II
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Berlioz sieht in Wagners Auftreten in Paris
schließlich offenes Rivalentum, das ihm beißende Sottisen über
die "Zukunftsmusik", "die Schule der Katzenmusik (charivari)" entlockt
(Corr. in, S. 277); der Fall des "Tannhäuser", der auf kaiserlichen
Befehl den Toryens vorgezogenen Oper des Ausländers, erfüllt
Berlioz mit einer Genugtuung, die sich vor Haß überschlägt.
"Wagner ist offensichtlich verrückt. Er wird an Wahnsinn sterben,
ebenso wie Jullien im vergangenen Jahr." (Corr. in., S. 278)
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Dagegen erkennt Wagner in einem Brief an Liszt,
"daß der Hochbegabte nur wieder den sehr Hochbegabten zum eigentlich
erkennenden Freunde haben kann, und das bestimmte mich zu der Einsicht,
daß in dieser Gegenwart doch nur wir drei Kerle eigentlich zu uns
gehören, weil nur wir uns gleich sind; und das sind - Du - Er - und
Ich!" (Wagner-Listzt, Bd. II, S. 282)
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Rückblick auf die Oper:
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"Bénazet, der seine Sachen immer großartig
macht, hat für die Oper ein wahnsinniges Geld ausgegeben für
Kostüme, Dekorationen, für Darsteller und Choristen ... Das hat
hier" - in Paris - "großen Lärm gemacht." (Lett. int. , S. 236)
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Vor allem das Duett Hero-Ursula (Nr. 8) hat "eine
riesige Wirkung hervorgebracht; der Beifall wollte gar kein Ende nehmen"
(Corr. in., S. 291).
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"Man entdeckt, daß ich Melodie habe, daß
ich heiter und sogar komisch sein kann ... Welche Geduld müßte
ich haben, wenn ich nicht auch so gleichgültig wäre! " (Lett.
int., S. 236).
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Tod der Schwester Adèle.
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Offenbach, Jacques: Orphée aux enfers / Arr., Berlin ; Posen,
[circa 1860]
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1861
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Berlioz werden Konzerte in Amerika angetragen, die
aber nicht zustandekommen.
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Einrichtung der Oper "Alceste" von Gluck für
die Opéra
Jahre der Resignation und Isolation (1862-1869)
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1862
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Tod seiner zweiten Frau Marie Recio (Herzattacke)
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Berlioz resigniert endgültig:
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Berlioz klagt: "Die schreckliche Vereinsamung, in
die ich durch diese plötzliche, gewaltsame Trennung geraten bin, läßt
sich nicht beschreiben." (Lett. int., 237)
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Berlioz räsoniert in einem Brief an Ferrand:
"Sind nun solche Schmerzen die notwendigen Folgen unserer Veranlagung?
Müssen wir dafür bestraft werden, daß wir in unserm ganzen
Leben das Schöne angebetet haben? Wahrscheinlich. wir haben zu viel
aus dem berauschenden Becher getrunken, wir haben zu sehr dem Ideal nachgestrebt."
(Lett. int., S. 238); "Ich beeile mich, alle Fäden, die mich mit der
Kunst verknüpfen, zu lösen oder zu zerschneiden, damit ich jederzeit
zum Tod sagen kann: `Wann du willst!" (Lett. int., S. 238)
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Berlioz publiziert À travers chants
(Paris 1862)
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Reyer ist für die Eröffnung des neuen Theaters
in Baden-Baden im August zuständig, wo er sein "Érostate" und
Berlioz´ "Béatrice et Bénedict" aufführen wollte.
Ab Mai unterstütze ihn dabei Bizet als sein "Pariser Agent", während
Reyer das Werk in Baden-Baden vollendete. Bizet versäumte sogar die
Premiere von Béatrice et Bénedict", über die ihm Reyer
aber in einem Brief detailliert Bericht erstattete, und reiste erst ein
paar Tage später nach Baden-Baden.
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1863
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Berlioz publiziert einen Sammelband von Liedern und
Chormusik "32 Mélodies" (2. Auflage: 33 Mélodies)
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Musikfest in Strasbourg
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Dabei hat "L´Enfance du Christ, vor einer wahren
Volksmenge ausgeführt, eine ungeheure Wirkung erzielt. Man hat geweint,
Beifall gespendet, mehrere Stücke wurden spontan unterbrochen." (Lett.
int., S. 251)
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Die Volksmenge kam in "die religiöse Extase,
die ich beim Schreiben träumte und fühlte" (Lett. int., S. 251)
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Schwierige Aufführung von Les Troyens
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Berlioz willigt ein, dass das kleinere und unzulänglich
ausgestattete Théâtre-Lyrique sich des Werkes Les Troyens
annahm, nachdem er Jahre auf eine Aufführung an der Opéra gewartet
hatte.
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"Man wird "La Prise de Troie" nicht aufführen;
die beiden ersten Akte werden für jetzt weggelassen. Ich mußte
sie durch einen Prolog ersetzen, wir beginnen erst in Karthago. Das Théâtre-Lyrique
ist weder groß noch reich genug ... Verstümmelt, wie es ist,
ist das Werk mit seinem Prolog immer noch in fünf Akte geteilt." (Lett.
int., S. 255)
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Im November: Premiere des Fragements "Les Troyens
à Carthage": Anfangs schien es ein "großartiger Erfolg; tiefe
Erregung im Publikum, Tränen, endloser Beifall" (Lett. int., S. 258)
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Aber "Trotz der `Verbesserungen´ und
`Korrekturen´ ... brachten es `Les Troyens à Carthage´
nur auf 21 Vorstellungen." (Mémoires II, S. 344).
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er 1863 erschienene Klavierauszug gab allerdings
nur die entstellte Fassung vom Théâtre-Lyrique wieder.
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Berlioz beklagt, dass sein Sohn bis 1863 "insgesamt
nur eine Aufführung des Requiems gehört hatte, als er zwölf
Jahre alt war." (Lett. int., S. 256)
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Berlioz in Deutschland
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In Weimar dirigiert er Béatrice et Bénedict
in der deutschen Übersetzung des späteren ersten deutschen Berlioz-Biographen
Richard Pohl; "Der Großherzog, die Großherzogin und Königin
von Preußen haben mich mit Komplimenten überhäuft" (Corr.
in., S. 295)
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Berlioz dirigiert in anderen deutschen Städten,
so auch in Löwenberg; Der Fürst von Hohenlohe-Hechingen
zu Löwenberg "teilte mir mit, sein Orchester kenne mein ganzes symphonisches
Repertoire, und bat mich, ihm ein Instrumentalprogramm ausschließlich
aus meinen Kompositionen zu machen." (Mémoires II, S. 345); "Und
wie diese Kerle spielen! Stellen Sie sich vor, bei der ersten Probe haben
sie das Finale von Harold ohne jeden Fehler ausgeführt und das Adagio
aus Roméo et Juliette ohne irgendeinen Akzent zu verfehlen!" (Corr.
in., S. 297)
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Berlioz zu seinem letzten Werk Béatrice et
Bénédict: "Für mein Gefühl" ist dieses Werk "eines
der lebendigsten und originellsten, die ich geschaffen habe." (Mémoires
II, S. 348)
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Gounod nimmt in einem Brief Stellung zu Klagen von
Bizet: "Sie bedauern, daß die herrschenden Gesetze keine Ermordung
bestimmter Musiker gestatten? Freilich ist sie erlaubt, und das göttliche
Recht befiehlt sie sogar. Nur müssen Sie selbst sich über die
Mittel klarwerden. Wir töten alle: die Metzger das Vieh, der Faule
die Zeit, Journalisten die Toten, gute Werke die schlechten. In zwnazig
Jahren werden Wagner, Berlioz und Schumann eine stolze Zahl von Opfern
auf ihrem Konto haben; haben wir nicht schon einige seinerzeit große
Namen von Beethovens letzten Schlägen halb hingemordet gesehen? Was
war das für ein Blutbad! Seien Sie auf der Seite der Mörder;
zwischen dieser und der Seite der Opfer gibt es keinen MIttelweg."
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Nach der Uraufführung von Bizets Oper "Les Pêcheurs
de perles" am 30. September 1863 widmet Berlioz seinen letzten Artikel
für "Journal des Débats" dieser Oper. Er analysierte sie sorgfältig
und griff einige besonders einfallsreich komponierte Sätze heraus,
um ihnen sein Lob zuteil werden zu lassen, darunter den Eingangschor mit
Tanz und den herrlichen Chor, der zu Beginn des zweiten Akts hinter den
Kulissen vorgetragen wird. Besonders lobte er die Sorgsamkeit und den Einfallsreichtum
Bizets in der Orchestrierung, wies aber den Chor "Ah, chante, chante encore"
zurück, "dessen Rhythmus zu den Dingen gehört, die man heutzutage
nicht benutzen sollte". Mit typischer Ironie betonte er, Bizet sei aus
Rom zurückgekehrt, ohne die Musik verlernt zu haben, und schloß:
"Die Partitur zu `Les Pêcheurs de perles´ macht Monsieur
Bizet alle Ehre, so daß wir ihn trotz seiner großen Begabung
im Vom-Blatt-Spiel als Komponisten zu akzeptieren haben." Berlioz kämpfte
wie üblich auch diesmal auf verlorenem Posten.
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1864
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Berlioz bekommt zusätzlich zur Neuralgie Koliken,
eine Rose, "hartnäckige Schmerzen im Hals" (Lett. int., S. 272)
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Im April korrepetierte Bizet Proben zu Berlioz´
"L´Enfance du Christ".
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Bescheidene Anerkennung
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Immerhin ernennt man ihn zum Offizier der Legion
d´honneur: "Es regnet Glückwünsche, weil man weiß,
daß ich niemals Derartiges verlangt habe. Aber es ist ein wahres
Wunder, daß man an einen Sonderling gedacht, der nichts haben wollte."
(Lett. int., S. 271)
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"Man will mich bestimmen nach St. Petersburg zu gehen.
Aber ich werde mich dazu nur entschließen, wenn die mirvon den Russen
gebotene Summe es wert ist, daß ich noch einmal ihrem schrecklichen
Klima Trotz biete. Ich würde es nur für Louis tun." (Lett. int.,
S. 273)
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"Entschieden würde meine musikalische Karriere
schließlich ganz bezaubernd werden, wenn ich nur hundertvierzig Jahre
lebte." (Mémoires II, S. 350).
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September 1864: Berlioz begegnet Estelle wieder.
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"Selten habe ich so sehr an Langeweile gelitten wie
in den ersten Septembertagen des vergangenen Jahres, 1864 ... Da fühlte
ich mich von dem lebhaften Verlangen ergriffen Vienne wiederzusehen, Grenoble
und vor allem Meylan und meine Nichten und ... noch jemand, wenn ich die
Adresse ausfindig machen könnte. Ich reiste ab." (Mémoires
II, S. 353 f.)
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"Madame Fornier kam mir entgegen ... Ich erkannte
ihren Gang und ihre göttergleiche Haltung ... Gott! wie schien sie
mir im Gesicht verändert! Ihr Teint ist etwas braun geworden, ihre
Haare ergrauen. Und doch war mein Herz bei ihrem Anblick auch nicht einen
Augenblick unentschlossen, und meine ganze Seele flog ihrem Idol entgegen,
gerade als ob sie noch in ihrer Schönheit geleuchtet hätte ...
Ich betrachtete sie mit gierigen Augen und meine Einbildungskraft stellte
ihre entschwundene Schönheit und Jugend wieder her; endlich sagte
ich zu ihr: "Geben Sie mir Ihre Hand, Madame." Sie reichte sie mir sogleich,
ich führte sie an meine Lippen und glaubte zu fühlen, wie mein
Herz zerfloß und mein Gebein erschauerte." (Mémoires II, S.
357 f.)
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In einem Brief an Madame Fornier schreibt Berlioz:
"Bedenken Sie, daß ich Sie seit neunundvierzig Jahren liebe, daß
ich Sie seit meiner Kindheit immer geliebt habe, trotz der Stürme,
die mein Leben verwüsteten. Der Beweis dafür ist das tiefe Gefühl,
das ich heute empfinde; wenn es auch nur einen einzigen Tag wirklich ausgesetzt
hätte, so wäre es unter den gegenwärtigen Umständen
nicht wieder lebendig geworden. ... Halten Sie mich nicht für einen
bizarren Menschen, der das Spielzeug seiner Einbildungskraft ist. Nein,
ich bin mit einer sehr lebhaften Empfindung begabt, die sich, Sie können
es mir glauben, mit großer geistiger Klarheit verbindet." (Mémoires
II, S. 363)
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Es folgen bis 1868 vierzig Briefe von Berlioz an
Madame Fornier. Von den Antwortbriefen sind nur drei erhalten, die restlichen
hat Berlioz auf Wunsch von Madame Fornier verbrannt.
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Maries Mutter, die er "nie zu verlassen versprochen"
hatte, ist Berlioz in den letzten Jahren eine treue Gesellschafterin, sie
"ist in aufmerksamster Weise um mich besorgt und fragt mich niemals nach
den ursachen meiner Anfälle von trüber Stimmung" (Mémoires
II, S. 373)
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Dörffel, Alfred: Partitur-Beispiele zu Hector Berlioz' Instrumentationslehre.
Leipzig, [1864]
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À travers chants Berlioz, Hector. Leipzig, 1864
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1865
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Anfang des Jahres: "Die Vergangenheit ist nicht ganz
vergangen. Mein Himmel ist nicht mehr leer. Gerührten Auges betrachte
ich meinen Stern, der mir aus der Ferne süß zuzulächeln
scheint ... Stella! Stella! Jetzt könnte ich sterben ohne Bitterkeit
und ohne Zorn." (Mémoires II, S. 374 f.)
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Berlioz läßt in sorgsamer Überwachung
Mémoires
drucken. Es sollte aber erst nach seinem Tod publiziert werden. Freunde
und Verwandte bekommen allerdings Vorausexemplare zur Lektüre und
einige Kapitel werden auch in Pariser Journalen veröffentlicht.
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1865
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Berlioz´ Klagen und religiöse Gefühle:
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"Paris ist für mich ein Friedhof." (Briefe Wittgenstein,
S. 81)
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Brief an Freund Humbert Ferrand: "Was soll aus uns
werden?" (Lett. int., S. 285)
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Berlioz spricht von "religiösen Gefühlen;
sie halten mich aufrecht. Wenn ich das nicht hätte, wäre ich
sehr zu beklagen ..." (Corr. in., S. 329)
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1866
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Einrichtung der Opern "Alceste" und "Armide" von
Gluck für die Opéra.
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"Die Proben zu Àlceste´ hatten
mich wieder etwas in Gang gebracht. Niemals ist mir das Meisterwerk so
großartig schön erschienen, und zweifellos ist Gluck niemals
so würdig aufgeführt worden. Eine ganze Generation von Menschen
hört dieses Wunderwerk zum erstenmal und kniet in liebevoller Anbetung
vor der Offenbarung des Meisters ... Ingres ist nicht der einzige unserer
Kollegen am Institut, die regelmäßig die Aufführungen von
"Alceste" besuchen; die meisten Maler und Bildhauer haben das Empfinden
für das Antike, für das Schöne, das durch den Schmerz nicht
entstellt wird." (Lett. int., S. 299)
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Berlioz berichtet davon, daß und in vielen
Zeitungen "berauschende Lobreden auf den Verfasser" von Les Troyens (Lett.
int., S. 299) gestanden hätten.
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Berlioz dirigiert in Wien "La Damnation de Faust.
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Es waren dreitausend Zuhörer in dem ungeheuren
Redoutensaal versammelt, vierhundert Ausführende. Der Enthusiasmus
überstieg alles, was ich jemals in dieser Art kennengelernt habe.
Am andern Tag war mein Zimmer voll von Blumen, Kräzen, Besuchern und
Leuten, die mich umarmten. ... Ich war jedoch ziemlich krank, aber ich
hatte einen unvergleichlichen Kapellmeister, der manche Proben dirigierte,
wenn ich nicht mehr konnte." (Lett. int., S. 300).
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"Und wie das alles gut vorbereitet war durch Direktor
Herbeck von der Gesellschaft für Musikfreunde, einen Orchesterchef
ersten Ranges, der sich für mich in vier, sechzehn, zweiunddreißig
Stücke gerissen hat und der als erster die Idee hatte, das ganze Werk
aufzuführen." Joseph Hellmesberger "hat in höchst poetischer
Weise das kleine Bartschensolo in der Ballade vom König von Thule
gespielt." (Corr. in., S. 334)
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Die zunehmende Entfremdung zu Liszt gipfelt
im Vorwurf, Liszts "Graner Messe", die er in Saint-Eustache hörte,
sei eine "Verneinung der Kunst" (zit. n. Knapp, a.a.O., S. 54)
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1867
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Tod des Sohnes Louis an Gelbfieber in Havanna
als Kapitän eines Schiffes.
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Berlioz vernichtet alle aufbewahrten persönlichen
Dokumente (Briefe, Pressenotizen, Fotografien usw.
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Aber: Gustave Courbet macht im gleichen Jahr ein Porträt von Berlioz.
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Berlioz werden Konzerte in Amerika angetragen:
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"Ich bin vor wenigen Tagen sehr dringend von Amerika
ersucht worden, nach New York zu gehen, wo ich, wie man behauptet, sehr
populär sei. Man hat dort im letzten Jahr fünfmal unsere Symphonie
"Harold in Italie" mit steigendem Erfolg und Beifallsspenden nach Wiener
Art aufgeführt." (Lett. int., S. 305).
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Der reiche Amerikaner, ein Klavierfabrikant" (Zit.
n. Lit. Werke , Bd. V., S. 164) - wahrscheinlich Henry E. Steinway
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kam erneut, "als er hörte, ich hätte den Vorschlag der Russen
angeommen" (Corr. in., S. 341), und bot für sechs Monate New York
100000 Francs.
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"In der Hoffnung, von mir eine zustimmende Antwort
zu erhalten, läßt er einstweilen meine Büste in Bronze
ausführen." (Zit. n. Lit. Werke, Bd. V., S. 164)
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Oktober: "Jetzt, wo ich nicht mehr kann, kommt alles
an mich heran." (Zit. n. Lit. Werke, Bd. V, S. 164 in Brief an Mde. Fornier)
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Im Frühling hatten die Organisatoren der Pariser
Weltausstellung Preise für die beste Kantate und die beste Festhymne
ausgeschrieben. Der erlesenen Jury gehörten einerseits Berlioz, Verdi,
Rossini (der schließlich aber doch absagen mußte), Auber, Thomas
und Félicien David an, andererseits aber auch Carafa, Théophile
Gautier und Saint-Georges. Den Kantatenwettbewerb gewann Saint-Saens, der
Hymnenwettbewerb wurde zurückgezogen.
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1867/68
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Berlioz reist noch einmal nach Rußland:
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Er dirigiert in St. Petersburg neben eigenen Werken
vor allem Werke von Beethoven und Gluck;
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Dazwischen hat er einen Abstecher nach Moskau unternommen.
Berlioz lernt Milij A. Balakirew und Cesar A. Cui kennen,
die zu der "Gruppe der Fünf", der fortschrittlichen, betont russischnational
orientierten Kompositionen - in Opposition zum prowestlichen Tschaikoswky
- gehören; mit dem Kritiker und Theoretiker
Wladimir W. Stassow,
dem Haupt der Gruppe, hat sich Berlioz, dem Ton der Briefe nach zu schließen,
eng befreundet. Aber: "Meine Schmerzen sind so anhaltend, daß ich
gar nicht weiß, was daraus werden soll. Ich möchte jetzt nicht
sterben, cih habe ja etwas zum Leben." (Corr. in., S. 349)
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1868
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Tod seines besten Freund Humbert Ferrand
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März: Brief an Stassow nach der Rückkehr
aus Rußland: "Ich weiß nicht, warum ich nicht sterbe. Da es
aber so ist, will ich meine geliebte Küste von Nizza wiedersehen,
die Felsen von Villefranche und die Sonne von Monaco." (Corr. in., S. 350)
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Frühjahr/Sommer: Letzte Reise nach Nizza
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Diese Reise sei "eine sonderbare Sache, eine verrückte
Reise." (Zit. n. Lit. Werke, Bd. V, S. 170).
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In Nizza erleidet er zwei Schlaganfälle. "Drei
Tage nch meiner Ankunft wollte ich die Felsen durchstreifen, die zum Meer
abfallen; aber meine Tollkühnheit wurde grausam bestraft. Ich fiel
auf den Felsen kopfüber aufs Gesicht und verlor viel Blut. So lag
ich einsam auf der Erde und konnte erst lange Zeit nachher ganz blutüberströmt
ins Hotel zurückkehren." (Corr. in., S. 350) Am nächsten Tag
"wollte ich, entstellt wie ich war, die Terrasse am Meer wiedersehen, die
ich einst so sehr liebte, und stieg den Felsen hinan und setzte mich auf
eine Bank; weil ich aber das Meer nicht gut sehen konnte, stand ich auf,
um mir einen andern Platz zu suchen. Kaum war ich drei Schritte weit gegangen,
als ich vornüber schlug und wieder auf das Gesicht fiel und noch mehr
Blut verlor als am Abend zuvor." (Zit. n. Lit. Werke, Bd. V, S. 170).
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Nach längerer Ruhepause fährt der Kranke
nach Paris zurück.
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1869
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Qualvoll fortschreitende Schwäche, zuletzt Lähmung.
Ab Januar bettlägrig.
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Gestorben am 8. März in Paris
im Alter von 66 Jahren.
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Begräbnis, Grabmal und Erinnerung:
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In feierlich offiziellem Begräbnis - das war
man einem Mitglied des Institut de France schuldig - wurde er auf dem Friedhof
in Montmartre an der Seite seiner beiden Ehefrauen beerdigt.
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Das alte Grabmal existiert nicht mehr. Seit einigen
Jahren steht dort ein klobiges schwarzes Marmormonument.
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In Paris erinnert ein Platz an seinen Namen mit einer
Statue, die den Platz überblickt.
Helmut Zenz - 2003