Chronologiekritik - Fantomzeiten – Zeitensprünge
Nun ist es kein Geheimnis, dass man in Kreisen von Fachhistorikern, ob mediävistischer oder archäologischer Provenienz, und in Kreisen von Naturwissenschaftlern als Anhänger der Theorie vom „Erfundenen Mittelalter“ keine Ehre aufhebt. Und doch bleibe ich bei meiner Überzeugung, die ich seit 2002 mit zunehmender Deutlichkeit und eigenen Beiträgen vertreten habe:
- Die traditionelle Chronologie weist im Zeitraum zwischen 532 und 1150 große Ungereimtheiten auf, die davon herrühren, dass aufgrund von willkürlichen oder unabsichtlichen Synchronisierungsfehlern verschiedener älterer Chronologien zwischen 190 und 532 Jahren Zeit eingefügt worden ist.
- Die mir immer noch plausibelste Version der Theorie vom „Erfundenen Mittelalter“ stammt von Heribert Illig, der die Fantomzeit mit rund 300 Jahren zwischen ca. 614 und ca. 911 ansetzt.
Leider kam es in den letzten Wochen zunehmend zu Spannungen zwischen mir und den „älteren“ Vertretern dieser Form der Chronologiekritik, die mittlerweile in einen Bruch gemündet sind, den ich sehr bedauere, der aber – die Genese betrachtend – wohl nicht zu vermeiden war.
Um diese Entwicklung und meine Beiträge dazu besser einordnen zu können, veröffentliche ich nun diese eigene Seite zur Fantomzeit.
1. Mein Einstieg
Die Lektüre von Illigs Buch „Das Erfundene Mittelalter“ war für mich tatsächlich so etwas wie eine Offenbarung, weil dieses Buch meine heimat-, namens- und theologiegeschichtlichen Anfragen an die traditionelle Chronologie in sehr schlichter und logischer Art und Weise beantwortete.
Meine interessierte weitergehende Lektüre vertiefte diesen Eindruck, so zum Beispiel
- die Studie zur Ausbreitung des Islam von Uwe Topper (in: Die Große Geschichtsfälschung. Verkürzte Weltzeit. Durchbruch durch den geschichtlichen Zeitstrahl, Berlin, Januar 2000, Manuskript online)
- die Studie über die Carolus-Münzen von Gunnar Heinsohn (Karl der Einfältige (898/911-923): Ist er mit Carolus-Münzen und KRLS-Monogrammen lediglich ein nichtswürdiger Imitator Großkarls oder liefert er das Urmuster für den Überimperator und die übrigen frühmittelalterlichen Karls-Kaisers?“, in: Zeitensprünge, Bd. 13, Nr. 4, 2001, S. 631-661)
- die Bayernstudien von Illig und Anwander (Bayern und die Phantomzeit, Mantis Verlag 2002)
Dies beeinflusste meine weiteren persönlichen Studien, doch für Veröffentlichungen hat mangels Zeit noch nicht gereicht. Zwischen 2002 und 2005 habe ich in meinen Zusammenstellungen über die Geschichte des Islam und der Erzdiözese München-Freising immerhin schon offen auf Illig verwiesen.
2. Mitarbeit am Wikipedia-Artikel
Am 5. Juli 2005 begann ich meine Mitarbeit am Wikipedia-Artikel, die zunächst als „Helmut Zenz“, später als „SDB“ im Wesentlichen bis zum 14. Juli 2007 ging.
Das Ende der Arbeit am Artikel hatte mit meinem generellen Abschied aus der Wikipedia, nicht mit dem Artikel zu tun, obwohl der Kampf um den Artikel viel Nerven gekostet hatte. Die Diskussionen waren zum Teil sehr heftig, aber auch spannend und letztlich hatte ich mir als Hauptautor eine Stellung erarbeitet, dass zumindest an der Grundstruktur des Artikels nicht ohne vorherige Diskussion Veränderungen vorgenommen werden konnten, ich selbst aber viele sachliche Änderungen problemlos vornehmen konnte.
3. Begegnung mit Illig
Nach meiner Rückkehr aus Italien, wo ich das Noviziat zum Salesianer Don Boscos machte, kam es zu einer persönlichen Begegnung mit Illig bei Illigs, in der es zwar auch um meine Vorstellungen zur Fantomzeit-Theorie ging, die aber insgesamt eher privater Natur war. Dennoch haben mich an diesem Abend seine Kultur und die Schärfe seiner Argumentation imponiert und mich motiviert, die faire Darstellung der These in der Öffentlichkeit, insbesondere in Wikipedia intensiver zu unterstützen.
4. Mitarbeit am Fantomzeit-Forum
Am 21. Juli 2007 begann ich meine Mitarbeit im Fantomzeit-Forum. Zuvor hatte am 1. Mai 2007 Hans-Erdmann Korth im Forum einen Text unter dem Titel „Konstantin der Überlebensgroße“ eingestellt, den ich nun erstmals länger mit meinen Vorstellungen kommentierte:
"Wenn man Mohammed mit der ursprünglichen Topper-These zeitlich in die Nähe von Arius bringt, der 325 als Anhänger eines arianischen Glaubensverständnisses quasi mitverurteilt wurde und dann eine eigene jüdisch-christlich-persische Glaubensgemeinschaft begründet hat (der Islam in seiner heutigen Form wäre dann ja wohl aus dem 10. Jahrhundert), warum schiebt man den Herakleios nicht auch einfach nach vorne und versucht die Nachfolger abzugleichen.
Denn: Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass sowohl im Westen als auch im Osten viele Namen in den diversen Kaiser-, Papst- und sonstigen Namenslisten ebensogut als zeitgenössische oder nachträgliche “Ehrentitel” durchgehen würden, bis hin zu Namen wie Benedictus oder Bonifatius.
Überhaupt scheint mir immer mehr die Namensetymologie von Bedeutung zu sein:
Hat sich eigentlich schon mal jemand die Frage gestellt, warum es die Namen Karlmann und Pippin nur in einem ganz bestimmten Zeitraum gibt und bis heute keine Vernünftige etymologische Herleitung möglich ist.
Was, wenn Karlmann eigentlich nur die “harte” Form von Charlemagne ist (siehe Alemann, Alemannien, Allemagne) und viele der Namen und Länder mit -mann sich gar nicht von den Mannen einer Person ableiten, sondern vom lateinischen Magnus. Vergleicht man zum Beispiel die Namenslegende des Berchtesgadener Watzmann (samt Frau mit sieben Kindern), in der ein großer, aber harter König in einen der größten Berge der Region verwandelt wird, was spricht dagegen, dass hier ein Watzo der Große (Watzo=Warin=Guarin=Warinbert=Guaribert=Garibert der Große) dahinter steht. Ähnlich wie hinter Tatzmann, Tatzo der Große (Taginbert=Dagobert) steckt.
Darauf kommt man, wenn man sich im 10. Jahrhundert umschaut. Da gibt es einen Heinrich , der in Urkunden zum Hezelin wird (Hezzo, Hessilo, etc.). Aber Tassilo muss unbedingt ein Tassilo bleiben, hinter ihm darf sich keine regionale Verkleinerungsform für einen realexistierenden größeren Namen stehen.
Wir wissen heute dass die Ursprungs-Ariberts, Aribos, Arbeos sowie Odoakers/Ottokare vom Chiemgau und von Steiermark/Kärnten (Anfang des 10. Jahrhunderts), dass hat aber die Urkundenschreiber damals nicht interessiert, sondern sie haben die Namensschreibung und Regionalbeziehung verwendet, die ihnen am naheliegendsten war. Warum kann das nicht öfter passiert sein und wir haben viele identische Personen.
Was ist mit den Namenslücken bei den Transformationen im Hochadel der Phantomzeit. Da hören plötzlich die Chlodwigs, Chariberts, etc. auf, aber bis sie als Ludwigs und Ariberts wieder auftauchen, entsteht fast ausnahmslos eine Lücke von 80 bis 120 Jahren, in denen entgegen der Traditionen vorher kein Nachkomme mehr mit diesen Namen belegt worden ist, um dann in ganz anderen verwandtschaftlichen Linien wieder Auferstehung zu feiern?
Was nun wenn alle Karlmanns gleich groß waren, sprich es tatsächlich einen Karl den Großen gegeben hat? Was wenn wir alle Karlmanns ineinanderschieben? Das einzige was passiert ist, dass sich bei Karl dem Großen selbst jene angeblich zahlreichen weiteren Kinder einfinden, die ihm ohnehin schon mit weiteren Konkubinen zugeschrieben werden. Vielfach lösen sich tote Linien auf, weil sie plötzlich ebenfalls mit anderen zusammenfallen. Jung verstorbene Kinder, von denen es ohnehin keine gesicherten Daten und Gräber gibt, werden von ihrem frühen Tod erlöst und fallen mit langlebenden realexistierenden Größen zusammen.
Was wenn auch alle Pippins zusammenfallen, weil der Name ohnehin im 10. Jahrhundert und später spannenderweise weder als Beiname “Der Pfeifer” noch als Abkürzung für “Philipp” oder “Joseph” eine Rolle spielt?
Was wenn sich dann auch noch ein Rätsel löst, dass bislang die Unglaubwürdigkeit im Quadrat löst. Nämlich, dass von den wichtigen Söhnen Karls des Großen von Hildegard: Karl der Jüngere, Karlmann und Pippin, Karl der Jüngere und Pippin bereits (809 bzw. 810) sterben müssen und der verbliebene Karlmann dann ausgerechnet vom Papst “umbenannt” wird, ausgerechnet in “Pippin”, dem Namen seines verstorbenen Bruders?
Was damit, dass man Pippin von Landen-Heristal mitunter einen Vater namens Karlmann, andere ihm eine französische Regionalgröße namens Charles als Vater unterschieben? Pippin von Landen-Heristal ist dieser Karl der Große (Karlmann), davon bin ich fest überzeugt. Und der einzige, den es vom Namen her mit welchen Zuschreibungen auch immer vielleicht noch gegeben hat, dürfte wohl Karl Martell(us) gewesen sein, der als Vater dieses Karls des Großen ohnehin dem spätrömischen Zeiten nähergerückt werden sollte, damit sein sprechender Beiname eine sinnvolle Bedeutung erhalten kann.
Karl den Großen hat es gegeben, ebenso wie Konstantin und vielleicht war auch er genauso “Überlebensgroß” wie dieser, weil er nämlich nicht aus der Geschichte verschwinden muß, sondern lediglich weitere biographische Informationen hinzubekommt (andere erdichtete dafür verliert).
Im Übrigen hätte das Ganze noch einen großen Vorteil. Man müsste nicht mehr von Verschwörung ausgehen, es könnte theoretisch sogar ein “Versehen” gewesen sein, denn wenn es die Phantomzeit nicht gegeben hat, dann fallen die Supergaue, die man gemeinhin unter Völkerwanderung, Perser=Araber=Sarazenenstürme, Awaren=Hunnenstürme, Schlachten bei denen der halbe Adel ums Leben kommt (909/11), Nachfolgekämpfe bei denen ganze Sippen ausgerottet werden (613/614) nämlich so schön zusammen, dass die Geschichtsschreiber des 10. Jahrhunderts, die im Auftrag Ottos und Konstantins mit dem Aufsammeln der Reste beschäftigt waren, gar keine andere Wahl gehabt haben, als Geschichte neu zu erfinden, durch eine subjektive Zusammenstellung von Namen und Geschlechtern.
Bezüglich von an Herkules anknüpfende Beinnamen erinnern wir uns schwach, aber immerhin mit Wikipedia (Artikel Römische Tetrarchie), dass Diokletian 293 ein neues Regierungssystem einführte
“Das von Diokletian erdachte System beruhte auf vier Herrscher im Kaiserrang: Jeweils einen Seniorkaiser (Augustus) im Westen (Residenzen waren hier Mailand und Aquileia) und im Osten (Residenz Nikomedia), der je einen Juniorkaiser (Caesar) adoptierte, welcher später sein Nachfolger werden sollte.” Und nun nahmen doch auch die beiden Augusten tatsächlich Götternamen als Beinamen an und wen wunderts. “Diokletian nahm als Beinamen des Götternamen Iovius an, sein Mit-Augustus Maximian den Namen Herculius.” (Siehe die schöne Zusammenstellung auf http://www.treveris.com/konstantin.htm Es wird hier von sakraler Legitimierung gesprochen!) Maximians Mitkaiser ist Constantius I. (Chlorus), dessen Sohn wiederum Konstantin der Große.
Es gibt einen interessanten Artikel von Bruno W. Häuptli im BBKL zur armenischen Königsdynastie. Demnach gibt es dort arsakidische Könige namens Chosrau I. (Chosroes, 216/217-252), Enkel Trdats II., Sohn Chosraus II. (279/280-287). Tja, hier es geht also um die Parther, “ein antikes iranisches Volk, das vom 3. Jahrhundert v. Chr. an im heutigen Iran ein Reich aufbaute” (Wikipedia). Und wer war doch gleich nochmal der Kontrahent von Herakleios, der persische Großkönig Chosrau II.
Und wer war doch gleich nochmal der Nachfolger von Herakleios, richtig: ein Konstantin (der III. von Byzanz),
Dem wer folgte?: Heraklonas, der Sohn des Kaisers Herakleios. Nochmals zum Herkules aber auch … Ein Schelm wer Böses dabei denkt …
Wer hat schon seit langem auf die Probleme der armenischen und parthischen Geschichtsschreibung und diesbezügliche Kalenderstreitigkeiten hingewiesen, richtig: Illig & Co."
Korth reagierte mit ein paar Anmerkungen. Interessanterweise ist Korth eher ein Kritiker meiner namenskundlichen Darlegungen.
“Karl/Charl/Earl gilt als altnordischer Häuptlingstitel. Karlmann wäre demnach eine verdoppelnde Hervorhebung (ähnlich Häuptling - Haupt-mann). Der Gleichklang Karlmann - Charlemagne bzw Carolus Magnus war sicher nicht unerwünscht. Ansonsten scheint Karlmann nur eine Sonderform von Karl zu sein und beide sind keine Eigen- sondern Regentennamen.
Pippin kam als Eigenname erst im 11. Jh. auf. Die Bezeichnung ‘Der Kleine’ dürfte davor eine Unterscheidung für den Sohn des Regenten gewesen sein.“
Er stimmte mir jedoch darin zu, dass man bei der FZ genauso wenig von Verschwörung ausgehen müsste wie bei der Sommerzeit unserer Tage: „Beides war ein Verwaltungsakt, der Nutzen versprach.“ In meiner Beobachtung zu Chosrau sieht er „einen weiteren Punkt für die Liste der Pro-FZ Beobachtungen (ID 39)“
Beaufort fand diese Diskussion so interessant, dass er ihr am 22. Juli 2007 – also fast genau vor einem Jahr - einen eigenen Thread eröffnete, den ich später durch weitere namenskundliche Beobachtungen ergänzt habe, unter anderem unter dem Titel „Die doppelte Waldrada“.
Seit dieser Zeit habe ich im Forum folgende Diskussionen angestoßen:
- 3. August 2007:
„Wenn Heraclius, wie historisch durchaus anzunehmen, nicht richtiger Name, sondern Beiname war, würde das die Lücke schließen, die zwischen der römischen Tetrarchie 286/293 AD, in der Mit-Augustus Maximian den Beinamen Herculius/Heraclius trägt (und in den Quellen zum Teil auch nur mit diesem Namen benannt wird). Constantius Chlorus, der Schwiegersohn Maximians und Vater von Konstantin dem Großen proklamierte sich als Nachkomme des Herkules. Dann hört diese Tradition scheinbar abrupt auf und im Ende 6./Anfang 7. Jahrhundert beginnt die Tradition wieder mit Heracleios dem Älteren, dem großen Heracleios und seinem Sohn Heraklonas. Und der andere Sohn heißt, wie könnte es anders sein, Konstantin (III.), der wiederum einen Sohn hat der eigentlich Herakleios heißt, aber dann als Konstans II. zum Kaiser gekrönt wird. Wohlgemerkt zwischen 354 und 574 gibt es überhaupt keinen Konstant* in Byzanz, im Westen gibt es 407-411 und 421 zwei sehr kurzlebige Konstant*. Das wars dann auch schon, von Herkules gibt es in dem Zeitraum gar keine Spur mehr. Das einmal Anfang des 7. Jahrhunderts gesetzt man dem Herakleios eine schöne Lebensgeschichte schreibt, versteht sich eigentlich von selbst. Dabei ist es für mich völlig unerheblich, ob man nun Herakleios und Konstantin den Großen aufgrund ihrer gleich langen Regentschaften in eins, nebeneinander oder aneinandersetzt. Hier müsste man mal mit Numismatikern reden, ob das archäologisch denkbar wäre, bei einer ersten Durchsicht spräche zumindest nichts gegen das “aneinander”.“
- 11. August 2007:
„Braucht es denn unbedingt aktive “Täter”, oder reichen nicht zufällige “Nutznießer” aus? Nach “Völkerwanderung” (was immer das auch war) sowie (laut FZT ja zeitnah bis identisch) Araber/Sarazenen-, Ungarn- und Wikinger-Einfällen herrschte ziemliches Chaos in ganz Europa vom Norden bis zum Mittelmeerraum und weit darüber hinaus. Nachdem hier allem Anschein nach sogar neuzeitliche Historiker den Durchblick verloren haben, wie kann man dann annehmen, dass die Historiker des 10. bis 12. Jahrhunderts diesen behalten hätten. Sie haben das wenige, was original übriggeblieben ist, gesichtet, zusammengestellt und Fehlendes “dazu erfunden”, sicher nutzbringend für die Herrschenden, aber nicht notwendigerweise absichtlich, sondern lediglich absichtlicherweise notwendig! Nachdem es sogar noch in unseren Zeiten 18 Jahre dauert, bis ein “Schießbefehl” auftaucht, kann man für das Mittelalter durchaus einen längeren Zeitraum annehmen, doch dass man bislang überhaupt keinen “Schreibbefehl” finden konnte, das kritisieren die Gegner der FZT zurecht. Irgendeine ehrliche Mönchshaut hätte doch in irgendeinem Buchdeckel seinem Wahrheitsbedürfnis für die Nachwelt Ausdruck verleihen müssen, außer es hat tatsächlich keinen Schreibbefehl gegeben, sondern das, was Mediävisten, Archäologen, Historiker, ja sogar historische Hilfswissenschaftler (z.B. C 14-Datierer) allem Anschein nach ja bis heute machen: ohne ihre eigenen sowie anderweitige Grundlagen immer wieder zu überprüfen, Mosaiksteine zusammenzubauen und als einzige Passmöglichkeit darzustellen, unbeschadet der Widersprüche, Lücken und Einzwängungen. Und was nicht passen will, wird aussortiert oder selbst gefälscht.“
- 14. August 2007 und später: Bekenntnis zur „immer häufiger vertretenen Theorie, dass Herodes der Großes nicht 4. v. Chr., sondern erst 1. v. Chr. starb, Quirinius 3./2. v.Chr. als Übergangsstatthalter keinen Zensus, sondern die erste Volkszählung im Zuge des Treueeides auf den neuen Kaisertitel “Pater Patriae” zum 750. Gründungstagsrom und dem 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers durchführte und dabei nicht nur die römischen Bürger, sondern “die ganze Welt”, also auch die Juden in der damals bekannten Welt erstmals “gezählt” wurden und zwar in ihren jeweiligen Herkunftsorten.“ – dazu eigene biblische Beobachtungen und Überlegungen.
- Am 29./30. September 2007 kam es in Trier anlässlich der Konstantin-Ausstellung zu einem ersten Zusammentreffen mit anderen Zeitensprünglern. Hier war zwar die „Spannung“ zwischen Korth und Otte schon zu spüren, aber Korths Konstantin-Herakleios-Theorie wurde noch mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. In der Folgezeit hatte ich meine Mitarbeit im Fantomzeit-Forum verstärkt.
- 8. Oktober 2007 und später: Namenskundliche Hinweise zu Widukind
- 26. Oktober 2007 und später: Plädoyer für die Konstantinische Schenkung unter dem Blickwinkel der Fantomzeittheorie
- 5. November 2007: Hinweis auf „eine jüdische Apokalypse des 7. Jahrhunderts? Kaiser Heraklius als Antichrist?“
- 5. November 2007 und später: Namenskundliche Hinweise zu: Phokas - Nikephorus Phocas - Philippicus - Philippikos Bardanes
- 11. November 2007:
„Auch wenn ich damit Serrade & Co wieder auf die Tagesordnung bringe, halte ich es für notwendig, die Antwort Illigs auf Pfister, Serrade & Co hier nochmals zu zitieren, um dem einsteigenden Leser den Argumentationszusammenhang sichtbarer werden zu lassen: Illig (aus: 297 Jahre - zur Länge der Phantomzeit): `Die Phantomzeit ist nicht beliebig zu verlängern. Christoph Pfister [1999] hat das unfreiwillig dokumentiert. Er präsentierte die Kirche St-Prex westlich von Lausanne mit 8 Ausbaustufen und insgesamt 10 Bauphasen, die für spätrömisch bis hochromanisch um 1200 stehen. Pfister wollte zunächst diese 10 Bauphasen aus 800 Jahren auf knappe 200 Jahre zusammendrängen [ebd., 164] – das hätte alle 20 Jahre einen Um- oder Neubau bedeutet!? Er untermauerte das mit der Kathedrale von Genf, auf deren Terrain seit 350 drei Baptisterien und mehrere Kirchen gebaut worden sind, die bis zum Kathedralbau von 1150 ein völlig unübersichtliches Gewirr von Grundmauern hinterlassen haben, die allesamt von ihm umdatiert werden müssten. Im Grunde geht er von einer 1.000-jährigen Phantomzeit aus [ebd., 142], womit auch noch die restlichen 200 Jahre samt Spätantike und Frühromanik entfallen müssten. Im “Bayernbuch” [2002] stellten Anwander und ich die Pfarrkirche von Gundelfingen (4 Bauten vom 8. bis 12. Jh.) vor, dazu die 7 Bauphasen am Platz der Sola-Basilika von Solnhofen (630-840) und die verwirrende Vielfalt unterm Dom von Eichstätt (5 bis 6 Kirchen; 740-1350). Diese Bauphasen brauchen einfach Zeit: Christliche Bauten lassen sich nicht nach Belieben der Antike zuschieben, Vorstufen der Romanik nicht einfach in die Hochromanik übertragen; und romanische Bauten lassen sich nicht ohne weiteres zu römischen “umfunktionieren”. Insofern trägt Pfisters Ansatz so wenig wie der von Autoren, die ebenfalls 1.000 Jahre und zum Teil noch mehr vorschlagen; die maximale Länge der Phantomzeit, die sich dem Archäologen “überall” zeigt, mag der große Osterzyklus von 532 Jahren vorgeben. Einstige Prämisse für die Spanne von 297 Jahren war mir die Unzahl von archäologisch und literarisch belegten Bauten Kaiser Justinians (gest. 565) [vgl. Illig 1997, 133].´“
- Am 12. November 2007 habe ich den Bericht von Eva Berndt über das Bibel-Projekt der Hebräischen Universität von Jerusalem entdeckt.
- Am 16. November 2007 habe ich zu Anthony R. Rowley sprachgeschichtlichen Versuchen, Illig zu widerlegen Stellung bezogen.
- 2. Februar 2008: Beitrag zur Diskussion um die historische Verortung Hippolyts und die Rolle Severus Alexanders
- 8. Februar 2008: Kommentar zu Adalbert Feltz´ Beitrag:
„Die Realität der mittelalterlichen Phantomzeit und ihre Konsequenzen“: „Mir wird in diesem Text viel zu viel von “Streichung”, “Erfindung” und “Verdoppelung” gesprochen, was alles aktive Willkür voraussetzt. Zum Beispiel Sachsen und Missionierung. Da wird einerseits davon gesprochen, dass sich die Christianisierung zwischen England und Irland um drei Jahrhunderte auseinanderzieht. Anstatt also die angelsächsischen König alle zu “streichen” schiebt man doch lieber abzüglich einer faktischen Verdreifachung, die sich bei den Karolingern an den drei Pippins und in England an den Lücken in den einzelnen sächsischen Grafschaften nachvollziehen lässt, nach vorne und man wird sehen, es gibt selbst zur spätrömischen Geschichte kaum Widersprüche, im Gegenteil, es wird Geschichte wird plötzlich stimmiger und die namenlosen Sachsen = Wikinger in England bekommen plötzlich ein neues “spätantikes” Gesicht. Wie heißt es so schön in Wikipedia unter “Angelsachsen”: `Bereits ab dem Ende des 3. Jahrhunderts hatte es erste Seeräuberüberfälle auf den britischen Inseln von der norddeutschen Tiefebene aus gegeben. Die eigentliche Auswanderung der Sachsen und Angeln aus der Landschaft Angeln im heutigen Schleswig-Holstein und der Jüten aus Jütland begann im 5. Jahrhundert. … In Wahrheit setzten die Angelsachsen wohl in kleinen Gruppen nach Britannien über, schon bevor die Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts abzogen, und waren wahrscheinlich als römische Hilfstruppen eingesetzt.´“
- Vor 163 Tagen (9. Februar 2008) und später: Überlegungen zum "Titel" Eudokia = Eudocia = Eudoxia
Ansonsten habe ich versucht, verschiedene Online-Fundsachen zu sammeln und zur Sprache zu bringen.
5. Der Anfang vom Ende
Die Entwicklungen liefen zunächst unabhängig von mir weiter:
- Im Oktober erschien herausgegeben von Otte der Sammelband „Zeitenspringer - Heribert Illig zum 60. Geburtstag“. Im darin enthaltenen Beitrag von Niemitz heißt es im Blick auf das eigene Buch „C 14-Crash“:
„Denn mit diesem Buch ist grundsätzlich das letzte Wort zu diesen Methoden gesprochen.“ (S.102)
- Im Dezember 2007 waren in den Zeitensprüngen Korths Beiträge „Chronologie und Überlieferungen. Phantomzeit ohne Verschwörung“ und „Chronologie und Naturwissenschaft. Wie weit trägt die Phantomzeit-These?“ erschienen, die allem Anschein nach heftige Diskussionen unter den Zeitensprünge-Beziehern ausgelöst haben müssen. Nur so lassen sich die heftigen Reaktionen im Anschluss daran erklären.
- Illig hatte wohl schon vor dem Druck auf den Korrekturfahnen inhaltliche Einwände angemeldet und auch Kritik an der Verständlichkeit geübt, später die Beiträge aber unverändert abgedruckt.
- 11. Februar 2008: Andreas Otte wirft Korth im Forum den Fehde-Handschuh hin, als er unvermittelt im Kommentar zu einer Äußerung von Feltz schreibt: „Auch H.-E. Korth ist seit 2002 die Auseinandersetzung mit dem C14-Crash bis heute schuldig geblieben und wird sie wohl auch schuldig bleiben.“ Darauf eröffnet Jan Beaufort mit einer leicht abweichenden Meinung den Thread „C 14-Crash“, an dem sich Korth jedoch nicht beteiligt.
- Am 7. April 2008 erhalte ich wie viele andere einen Offenen Brief von Korth mit folgendem Inhalt:
“Sehr geehrte Geschichts-Skeptiker, aus gegebenem Anlass möchte ich mich heute in diesem Rundschreiben mit einigen Infos an Sie wenden. Zunächst eine persönliche Anmerkung: 'Zeitensprüngler' hatten mich gewarnt, dass Heribert Illig sich schon von etlichen engagierten Mitstreitern getrennt hat - wobei 'selbstredend' stets Letztere den Anlass dazu geliefert hatten. Nun hat also sein 'Bannstrahl' auch mich getroffen (Auslöser war wohl meine
Verstörung angesichts 2er ZS Beiträge zur Astronomie - s.u.). An einer klärenden Aussprache bestand seinerseits kein Interesse. Schade - und jedenfalls kontraproduktiv. Niemand will Illig seine Verdienste um die Phantomzeitthese streitig machen. Diese dürften jedoch bald zu einer Marginalie werden, wenn es ihm nicht gelingt, sich konstruktiv an der Fortentwicklung seines neuen Geschichtsbildes zu beteiligen. Wer sich der kritischen Diskussion verschließt, der landet bekanntlich rasch im wissenschaftlichen Abseits - oder er bleibt dort. Ich habe den Zeitensprüngen und ihren gegenwärtigen und ehemaligen Autoren viele interessante Erkenntnisse zu verdanken und ich habe mich dafür revanchiert, indem ich dort eine ganze Reihe Beobachtungen vorstellen konnte, das Faktum der Phantomzeit, deren Zustandekommen und mögliche Motive der Protagonisten betreffend. Als Mitgestalter von www.fantomzeit.de hatte ich mich darüber hinaus für die Verbreitung wissenschaftlich fundierter Thesen zur Geschichte engagiert. Wenn diese Zusammenarbeit nun enden sollte, so ist das sehr bedauerlich, auch wenn weiterhin genügend andere Wege der Kommunikation offen stehen.
Im Folgenden möchte ich einige Gründe dafür aufzuzeigen, warum sich die Phantomzeitdebatte mittlerweile festgefahren hat:
Zu Anfang der 90er Jahre hatte Heribert Illig die These von den drei geschichtslosen Jahrhunderten des Frühmittelalters formuliert und bald auch eine Vielzahl von Belegen zu ihrer Stützung gefunden. Das Entdeckerschicksal, dennoch zunächst einmal Hohn und Spott zu ernten, blieb ihm nicht erspart. Seine Entdeckung wurde nicht ernst genommen und unter Hinweis auf die naturwissenschaftlichen Befunde zurückgewiesen, die der Phantomzeitthese, zumindest auf den ersten Blick, klar widersprachen.
Im Gegenzug auf die ihnen entgegengebrachte Ablehnung begingen die Protagonisten der Chronologiekritik nun einen tragischen Fehler: Da ja offenkundig all ihre Beobachtungen für die Fiktionalität des Frühmittelalters sprachen, mussten dann doch wohl die naturwissenschaftlichen Messverfahren, welche das herkömmliche Geschichtsbild stützten, fehlerhaft und zirkelschlüssig sein. Die näher liegende Überlegung, welche Auswirkungen eine irrtümliche Prämisse zum Geschichtsverlauf (20 statt in Wahrheit 17 Jahrhunderte seit Kaiser Augustus) wohl auf die Zeitachsen der Messverfahren gehabt hätte und wie diese zu korrigieren wären, wurde jedenfalls nicht weiter verfolgt.
Zunächst hatte die Zurückweisung aller Einwände Vorrang - auch auf die Gefahr hin, dass die Argumente der 'Phantomzeitler' unhaltbar waren (Ein Unbehagen der dort an Zahl überwiegenden geisteswissenschaftlich Ausgebildeten gegenüber den Vorgehensweisen der Naturwissenschaftler und deren oft schwer verständlicher Argumentation mit Hilfe von Diagrammen und Formeln, mag ebenfalls zu dieser Entwicklung beigetragen haben). Schließlich machten sich mehrere Autoren mit allenfalls rudimentären Kenntnissen der Naturwissenschaften zur Fundamentalkritik an diesen auf. Diese führte aber direkt in ein Dilemma: Wer die Phantomzeitthese akzeptieren wollte, musste zugleich deren messtechnische Überprüfbarkeit verwerfen. Für Naturwissenschaftler war dies inakzeptabel und folgerichtig wandten sie sich ab.
Aus dem Sündenregister:
- Bis heute spukt in einigen Köpfen immer noch G. Heinsohns Kritik an der Eiskerndatierung herum (VFG 4/94): Heinsohn hatte sich auf die 1989 erfolgte Bergung von im Jahr 1942 auf dem Grönlandeis notgelandeten Flugzeugen bezogen, die unter fast 80m Eis lagen, dh. um ein Mehrfaches tiefer, als von Experten vermutet. Wer die Experten waren und wie sie zu ihrer Meinung kamen, wurde nicht verraten. Inzwischen ist bekannt, dass die herkömmlichen standardisierten Niederschlagsmesser (= Trichter + Messbecher) unter arktischen Bedingungen zu geringe Werte liefern - was nicht wirklich überrascht.
[http://www.uaf.edu/water/faculty/yang/1998JD200110.pdf]
Am Ort der Flugzeuwracks im Südwesten Grönlands beträgt die mittlere Jahresniederschlagsmenge (lt Google) ca 1600 mm, was etwa 2 m Eis pro Jahr entspricht, also 80 m in 40 Jahren. Im Nordwesten, nahe Thule ( ~2000 Km von den Flugzeugen entfernt) betragen die Niederschläge nur etwa ein Drittel hiervon. Bei der CAMP Eisbohrung wurde dementsprechend für das vergangene Jahrhundert eine Eisschicht von ca 40m ermittelt (mit
der Tiefe nimmt die Jahresschichtdicke stark ab, da das Eis unter dem Druck abfließt).
- In ihrem 1997 erschienenen Buch 'C14-Crash' bemühen sich Ch. Blöss und H.-U. Niemitz nicht nur, die Unmöglichkeit des sinnvollen Einsatzes von Radiokarbon-Verfahren und Dendrochronologie zu beweisen, sondern sie unterstellen den damit befassten Wissenschaftlern auch Unredlichkeit.
Hinzu kommt ein heutzutage eher selten anzutreffender Unfehlbarkeitsanspruch: 'Denn mit diesem Buch ist grundsätzlich das letzte Wort zu diesen Methoden gesprochen.' [Niemitz in der Festschrift zu Illigs 60., S.102]. Wer wollte da noch argumentieren? Spätestens von
da an war ein sachlicher Austausch mit der Naturwissenschaft kaum noch möglich.
Noch vor 120 Jahren hat man in wissenschaftlichen Schriften 'Fluggeräte schwerer als Luft' für unmöglich erklärt. Heute genügt zumeist ein kurzer Blick zum Himmel, um die damaligen Argumente zur Aerodynamik zu entkräften. In Bezug auf C14 leistet der Vergleich mit dem Gisp2 Eiskern dasselbe. Wie die Abbildung zeigt
[http://www.korthweb.de/not4public/PeakKorr_Intcal_GISP.gif] , besteht eine lineare Beziehung zwischen dem vulkanischen Sulfat des an Jahresschichten abgezählten Eiskerns und den 'Knickstellen' der Intcal Kalibrierkurve für C14 (Die zugrunde liegende Kausalkette: Der Staub mächtiger Eruptionen reduziert die Sonneneinstrahlung, damit die Temperatur und die Verdunstung, folglich auch die Niederschläge die C14 aus der Atmosphäre auswaschen, sodass deren C14-Gehalt kurzfristig ansteigt).
Eine andere Erklärung als die, dass die Zeitachse der Intcalkurve um den Faktor 2000 Jahre / 1700 Jahre falsch skaliert ist und um das Jahr 1000 einen Sprung von 300 Realjahren zeigt, habe ich noch nicht vernommen.
Um der Sache einen weiteren Dreh zu geben: Hätten Blöss und Niemitz mit ihrer Behauptung recht, dass eine sinnvolle C14 Kalibrierung gar nicht möglich ist, dann könnte die in der Abb. dargestellte Korrelation nicht die Realität wiedergeben und die Phantomzeitthese wäre demzufolge widerlegt!
- In den letzten beiden Heften der Zeitensprünge wird abermals höchst laienhafte Fundamentalkritik geübt: Diesmal an den Datierungsmöglichkeiten der Astronomie. [Werner Benecken: 'Die zwei Variablen bei einer Eklipse. Der Mond und die falschen Terminierungen
der Finsternisse', sowie Tom Reinhard / H. Illig: 'Zwischen Erde und Mond. Zahlen- und Messprobleme'] Auch hier empfiehlt sich ein Blick auf die Realität
[http://www.korthweb.de/not4public/EklipsenHistA.gif]. Die bei den Berichten über antike Finsternisse beklagten 'Verformungstendenzen' [Demandt] von Beobachtungszeit, -Ort und Grad der Verfinsterung entfallen, sobald 3 Jahrhunderte später nach den entsprechenden Eklipsen gesucht wird. Diese Übereinstimmung erweist nicht nur die Gültigkeit der
Phantomzeitthese, sondern sie ist überhaupt nur dann möglich, wenn die Rückrechungsalgorithmen fehlerfrei sind und ihre Abweichung über 2000 Jahre nicht mehr als etwa 10 Minuten beträgt!
- Reichen eigene Überlegungen nicht hin, um das Beobachtete zu erklären, so liegt seit je die Annahme nahe, dass höhere oder auch finstere Mächte hierfür verantwortlich seien. Nun liefern Glaubenslehren und Verschwörungstheorien zwar für alles Erklärungen, dafür stehen sie jedoch gemeinhin im Widerspruch zu den Naturwissenschaften. Leider sind auch viele Chronologiekritiker gegen solche Erklärungen nicht immun. Einige von ihnen sind diesen Weg gegangen, indem sie eine universelle Verschwörung zu Zeiten des Hochmittelalters oder der Renaissance postulierten. Natürlich gab es Fälschungen. Gefälschte Urkunden können aber allenfalls dann als Beleg für die Fiktionalität der geschilderten Ereignisse und Personen herangezogen werden, wenn die Fälschung sicher bewiesen ist. Dabei ist jedoch zunächst einmal sicherzustellen, dass die Widersprüchlichkeit nicht selbst eine Folge der mittelalterlichen Chronologierevision ist.
Aus einer These werden drei:
Die gute Nachricht mag, wie es scheint, derzeit niemand hören: Alle Beobachtungen bestätigen Illigs Phantomzeitthese, wenn man das Zustandekommen des Sprunges in der Jahreszählung etwas differenzierter betrachtet:
1. Zur Wiederherstellung der römischen Geschichte wurde diese im Westen ab dem Beginn der Kaiserzeit bzw Christi Geburt um 299 Jahre veraltet [ZS 3/07].
Die ursprünglichen Ereignisse des 1.-3. Jh. wurden so überdeckt. Der Archäologe konnte sich daher über die Menge der Funde aus der Kaiserzeit freuen und zugleich deren Mangel in der republikanischen Zeit beklagen. Die 'Julianische Kalenderreform' ist nur als Produkt einer Rückrechnung erklärbar. [http://www.korthweb.de/not4public/Julian_Reform.gif]
(Lediglich der erste Satz wird von der ursprünglichen Phantomzeitthese 'Alles vor 614 fand ~3 Jh. später statt' abgedeckt. - Von Uwe Topper stammt dabei der wichtige Hinweis, dass sich nur ein Sprung über 297 Jahre mit der durchgehenden Zählung der Wochentage verträgt. Daraus folgt aber nicht, dass dies auch die Anzahl der ursprünglich eingefügten Jahre sein muss. Auch bei geringfügig abweichender Zahl - z.B. 299 - hätten sicherlich in vielen Fällen an den angegebenen Wochen- oder Festtagen orientierte Plausibilitätstests eine Korrektur auf 297 Jahre nach sich gezogen. Dagegen hätten Bezüge auf die Indiktion eine Korrektur auf 300 Jahre nahe gelegt. Die Häufigkeits-Verteilung gleichartiger Ereignisse [ZS 3/07 S.736] scheint diese Überlegung zu bestätigen.)
2. In Konstantinopel war zuvor Konstantin I. (= Herakleios I.) mir seinen Nachfolgern verdoppelt und als Klon abermals in die Geschichtsschreibung eingefügt worden - um 304 Jahre (d.h. um genau 4 kallippische Zyklen) verschoben. Die genaue Zeitspanne bestätigen
Lebensdaten sowie Eklipsenberichte, desgleichen der sog. Osterstreit: Waren die oströmischen Überlieferungen des 4.-7-Jh. um 304 Jahre zu alt datiert, dann musste eine Überprüfung der Osterdaten ergeben, dass das Äquinox dort anscheinend 3 Tage früher lag und der Vollmond 1 Tag später (10 J. im metonischen Zyklus). Offenbar hatte sich die Sache aber später wieder eingerenkt. Was lag also näher, als anzunehmen, dass es einst einen entsprechenden Disput gegeben hätte?
3. Die arglose Verknüpfung der römischen Jahreszählung mit der griechischen (Nero 65 AD = 211. Olympiade) und der ägyptischen (Augustus war zugleich Pharao) führte schließlich zum Bruch des Gleichlaufs in der vorchristlichen Zeit und zu Anachronismen gegenüber dem republikanischen Rom (zB. 3 Jh. Abstand der Doppelbiografien des Plutarch; Brand der
Bibliothek von Alexandria unter Kleopatra und 3 Jh. später unter deren möglicher Nachfahrin [L.v.Ranke] Zenobia).
Die Gleichsetzung der 'Alexanderära' (Thronbesteigung -335 konv.) mit der unverfälschten 'Seleukidenära' (-311 real - noch Ibn Yunus hat diese anno 1004 als Alexanderära bezeichnet) spiegelt eine um weitere ca. 24 Jahre zu alte Datierung der griechischen Antike wieder, was durch die Eklipsenberichte bestens bestätigt wird. [http://www.korthweb.de/not4public/EklipsenHistB.gif]
Diese Arbeitshypothesen lösen, wie mir scheint, die verbleibenden Unstimmigkeiten auf (auch die Passatafel des Alexander findet so ihren Platz). Einwände nehme ich gerne entgegen. Falls sich keine finden, so wäre dies wohl der richtige Zeitpunkt für jeden Chronologiekritiker, sich über seine persönlichen Motive Rechenschaft zu geben. Diejenigen, denen es darum geht, die bestmögliche Erklärung für den Ablauf der Menschheitsgeschichte zu finden, sollten sich kooperativ um die Klärung des aktuellen Kenntnisstandes und dessen öffentliche Vermittlung bemühen. Die Hinwendung zu den Naturwissenschaften bedeutet aber auch, dass die ursprüngliche Phantomzeitthese nicht als Dogma gesehen werden
darf. Wenn überhaupt ein Weg aus der gegenwärtigen Isolation hinaus führt, dann über den Abgleich an den vorhandenen und überprüfbaren Daten.
Solange die Chronologiekritik in all ihren divergierenden Standpunkten nicht die Stärke aufbringt, eine ernsthafte Sachdiskussion in Gang zu halten, kann sie nicht erwarten, dass man sie in Wissenschaft und Öffentlichkeit ernst nimmt.
Mit den besten Grüßen - und stets dankbar für sachliche Ergänzungen und Kritik
Ihr
Hans-Erdmann Korth“
- Am 10. April 2008 habe ich im Anschluß an diesen Brief den Thread "Keine Spaltung ohne triftigen Grund" eröffnet, um auf die Einseitigkeiten in der C14-Crash-Diskussion hinzuweisen, um so meine Zustimmung zu hek´s Position zu signalisieren. Vor 99 Tagen wurde nach einem Beitrag von emma, der Thread von Jan Beaufort geschlossen, weil „persönliche Querelen“ in den Vordergrund gerückt wurden. Meine damaligen Beiträge:
“Die Wissenschaftstheorie kennt seit Kuhn eine Theorie der revolutionären Sprünge. Zunächst als Außenseitertheorien vertreten, bewähren sich diese nach und nach und setzen sich durch. Seit Poppers Kritischen Rationalismus kommt hinzu, dass auch die Außenseitertheorien sich dabei ständig selbst in Frage zu stellen haben. Nichts ist tödlicher, gerade auch in den Geschichtswissenschaften, als eine Tradierung ohne kontinuierliche Mechanismen der Selbst- und Fremdkritik. Gerade Popper hat aber hohe Maßstäbe gesetzt. Weder den “Anything goes”-Relativismus seines Schülers Feyerabend noch die Rückkehr irgendwelcher Dogmatismen hat er gutgeheißen. Immer schon gab es in der Forschung Weggemeinschaften und auch solche, die sich nach unbestimmter Zeit wieder getrennt haben. Dies kann persönliche, nur sekundär inhaltliche Vorwürfe zur Ursache haben, wie zwischen Illig&Co und Topper&Co, oder aber auch inhaltlich-methodische, die erst sekundär persönliche wurden, wie zwischen Illig&Co und Pfister&Co. Beides ist schade, aber liegt in der Natur der Sache: unüberbrückbare Kluften - einmal zwischenmenschlich, einmal chronologiekritisch, denn zwischen fehlenden drei Jahrhunderten und einer Verkürzung auf 1000 Jahre liegen eben Welten. Nun droht jedoch eine Spaltung neuer Qualität. Es tut sich ein neuer Graben auf, der weder auf persönlichen Abneigungen noch auf inhaltliche Fundamentalgegensätze beruht. Im Gegenteil: Zwei Parteien halten eine etwa dreihundertjährige Fantomzeit für eine “großartige Idee”, die mehr erklärt und weniger Fragen offen lässt als die bisherige chronologische Tradition. “Die gute Nachricht mag, wie es scheint, derzeit niemand hören: Alle Beobachtungen bestätigen Illigs Phantomzeitthese” (Korth). Und doch hat sich der Konflikt bis zur Spaltung zugespitzt. Worum geht es? Eine “Fraktion” geht letztlich davon aus, dass bestimmte Ereignisse zu Beginn der Fantomzeit als Block nach vorne geschoben gehören, weil es sich um eine nachträgliche Zeiteinschiebung zwischen 4. und 7. Jahrhundert handelt (Mohammed, Islam) und damit zusammenhängend um eine Dopplung von römisch-byzantinischer Geschichte (Konstantin der Große ~ Flavius Herakleios, Basileus). Da mit beidem archäologische Befunde zusammenhängen, gibt es eine offensichtliche Spannung mit der Theorie vom “C 14-Crash”. Zudem wurden in letzter Zeit für einige bislang gemachte Annahmen in der Theorie alternative Erklärungen gefunden. Hans-Erdmann Korth hat daher schon seit geraumer Zeit vor einer dogmatischen Verknüpfung von Fantomzeit und “C 14-Crash” gewarnt. Während sich im Zuge der Fantomzeittheorie in den vergangenen Jahren immer neue Indizien und Argumente finden haben lassen und ein Gegenargument ums andere sich in Luft aufgelöst hat, haben sich Für und Wider in der Radiocarbon-Auseinandersetzung, gerade auch innerhalb der Chronologiekritiker, kaum etwas geschenkt. Es gelte daher weiter vorurteilsfrei zu versuchen, sowohl die Indizien und Argumente für als auch gegen “C 14? zu FALSIFIZIEREN und die Frage daher offen zu lassen. Leider haben einige Fantomzeittheoretiker das Ziel der Argumention von Korth nicht verstanden, sondern von ihm kontinuierlich eine Widerlegung der Argumente von Niemitz/Blöss gefordert. Dazu ist er aber im Sinne der Falsifikation Poppers weder verpflichtet noch ist es sinnvoll. Die selbstkritische Überprüfung der Voraussetzungen und Ergebnisse ist Aufgabe von Niemitz&Blöss! Korths Aufgabe war und ist es, seine Argumente gegen den “C 14-Crash” vorzubringen, zu verteidigen und natürlich auch selbstkritisch in Frage zu stellen. Dies hat er in meinen Augen, sehr gewissenhaft und ohne jeglichen Dogmatismus getan. Daher stand und steht ihm auch das Recht zu, jeglichen Dogmatismus auf der konträren Seite zu kritisieren. Völlig zu Recht moniert er: “In ihrem 1997 erschienenen Buch ‘C14-Crash’ bemühen sich Ch. Blöss und H.-U. Niemitz nicht nur, die Unmöglichkeit des sinnvollen Einsatzes von Radiokarbon-Verfahren und Dendrochronologie zu beweisen, sondern sie unterstellen den damit befassten Wissenschaftlern auch Unredlichkeit. Hinzu kommt ein heutzutage eher selten anzutreffender Unfehlbarkeitsanspruch: ‘Denn mit diesem Buch ist grundsätzlich das letzte Wort zu diesen Methoden gesprochen.’ [Niemitz in der Festschrift zu Illigs 60., S.102].” Ein solcher Unfehlbarkeitsanspruch ist in doppelter Richtung untragbar. Erstens weil er kritisch-rationale Verfahren ausschließt, zweitens weil damit alle, die, ohne ein endgültiges Urteil über den Ausgang der Diskussion zu fällen, Indizien und Argumente für diese Methoden gefunden zu haben glauben, von vornherein exkommunizieren. Daher bitte ich eindringlich, die “C 14-Crash”-Diskussion offen zu halten und damit auch die Tür für Korth und andere Vertreter der kombinierten Veraltungs-Verdoppelungs-Theorie (darunter auch für mich selbst) offen zu lassen. Wer die Zustimmung zum “C 14-Crash” zur Voraussetzung macht, unter dem Dach der Illigschen Fantomzeittheorie verbleiben zu dürfen, macht sich der Spaltung ohne triftigen Grund schuldig.“
- Am 11. April 2008 offenbart Otte den Hintergrund von Korths "Offenem Brief":
„Ich würde nicht so weit gehen wie Niemitz und vom “letzten Wort” sprechen (Sag Niemals Nie!), aber ich kann die Haltung von Niemitz durchaus verstehen. Wenn man sich auf dieser Basis die Bedingungen klar macht, denen eine Methode genügen müsste, um nicht in gleichartige Probleme zu geraten, dann sieht man, dass das nahezu unmöglich ist. Und eines ist klar: Libby hat gepfuscht und Protsch von Zieten ist nur das letzte Schaumkrönchen. Warum das wohl notwendig war und ist? … Es kann aus den obigen Gründen nicht überraschen, dass jemand, der mit diesem methodischen Treibsand seine Theorie flankiert oder womöglich sogar gründet, mit gewissen Akzeptanzproblemen konfrontiert ist. Und wenn man dann auch noch die Theorie in der Form präsentiert, wie das in ZS 3/2007 geschehen ist, dann braucht es nicht zu wundern, dass es Kritik hagelt. In den ZS 1/2008 wird zu der Präsentationsform und den Inhalten Stellung genommen werden. Ich bin sicher, die Vertreter dieser Theorie sind von ihr überzeugt, aber sie hat, zumindest in der dargestellten Form, andere nicht überzeugt (mir ist niemand bekannt). Ist das deshalb gleich ein Grund für eine Spaltung? Es gibt einfach unterschiedliche Meinungen.“
- Als ich am Tag darauf (12. April 2008) mit direkter Anspielung auf „Libby hat gepfuscht“ schreibe: „Sag das bitte auch Illig und sorgt mit ihm dafür, dass in den Zeitensprüngen und andernorts nicht “gepfuscht” wird. Korth moniert ja einige ganz konkrete Dinge, wenn es das Verhältnis von Chronologiekritikern zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen geht: zum Beispiel, dass Heinsohns Kritik an der Eiskerndatierung immer noch kursiert, obwohl diese mittlerweile gegenstandslos geworden ist. Auch seine Kritik an den astronomiekritischen Zeitensprüngenbeiträgen von Werner Benecken“ wurde, wie ich aus jüngsten Beiträgen schließen muß, wohl als Majestätsbeleidigung gewertet, nachdem schon emma es direkt als „unverschämten Entmündigungsappell“ ansah. Obwohl MFK, ohne mit Korth in allem einer Meinung zu sein, gegen Andreas Otte argumentierte und mz vor 91 Tagen auf die Dendrochemie verweist, lautet der letzte Eintrag des Threads „C14-Crash“, der einen Tag darauf von Otte stammt: „Mir erschließt sich hier immer ein Bild eines frei im Raum schwebenden Ringelreigens, zwar untereinander und ineinander schön verschlungen und verknüpft aber eben ohne Bodenkontakt. Einer mehr im Ringelreigen macht da keinen qualitativen Unterschied.“
- Am 17. Mai 2008 kritisierte der Autor mit dem Kürzel mz pauschal meine namenskundlichen Beiträge und versuchte ihnen mit münzarchäologischen Materialsammlungen zu begegnen, worauf ich mit „CVN(N)ETTI und die Namensforschung“ und Beiträgen zur Diskussion bezüglich der beigebrachten Materialen die Einwände mz´s zu entkräften.
- Am 27. Juni 2008 klinkte ich mich aus gegebenem Anlass erneut in die früher begonnene C14-Diskussion zwischen ao und hek im Thread „Fantomzeit - betraf sie ursprünglich nur die Spätantike?“ ein:
"Es gibt eine These A (FZ=297+/-x) und unterschiedliche Erklärungen wie diese zustandegekommen sein könnte. Jede dieser Erklärungen A’, A'’, A”’ haben eine ganze unterschiedliche Indizienkette und Logik für sich. Jede ist im wissenschaftstheoretischen Prozess darauf angewiesen, sich selbst zu falsifizieren. Wenn sie dies nicht macht, macht sie sich unglaubwürdig. Nun war seit 1998 für den Mainstream der Anhänger der These A es eine große Offenbarung, dass die bis zu diesem Zeitpunkt zwar skeptisch, aber nicht ablehnend betrachtete Radiokarbonmethode selbst die These A bestätigt. Die sog. IntCal98 Calibration Curve “zeigt einen um ca. 300 Jahre verschobenen Langzeittrend. Der Verlauf folgt drei festen Steigungswerten. Die Streuung der Einzelwerte hängt vom Steigungswert ab. All dies ist aus den angenommenen Schwankungen des 14C/12C-Verhältnisses physikalisch nicht zu erkären.” (hieß es noch Anfang 2007 auf den Forumseiten unter “Bildergallerie”.) … Ohne Zweifel:
- Die Radiokarbonmethode alleine reicht zur Zeit aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeit zur Datierung nicht aus.
- Einzelne Radiokarbonforscher haben zudem Ergebnisse gefälscht.
Aber deswegen gleich das Kind mit dem Bade ausschütten?
...
Gehen wir mal von einer ganz anderen Sicht heran. Wir wollen Naturwissenschaftler, die an das C 14-Verfahren glauben, und davon gibt es noch viele, dafür gewinnen, die Fantomzeittheorie in Betracht zu ziehen und in ihre Forschungen miteinzubeziehen. Für diese Wissenschaftler ist die IntCal-Kurve von Bedeutung, weil es ihnen die Aufgabe zuweist, den offensichtlichen Sprung zu erklären. Sind wir doch einfach gespannt darauf, wie sie ihn erklären. Es bleiben ihnen ja nur drei Möglichkeiten: Entweder sie geben die Fehlerhaftigkeit der Methode zu (was haben wir dabei verloren, nichts), oder sie planen die Fantomzeittheorie mit ein (dies führt automatisch zu neuen Forschungen) oder aber sie suchen nach einer anderen Erklärung. Alle drei Möglichkeiten führen dazu, dass Naturwissenschaftler dazu gezwungen sind, Erklärungen zu liefern. Ich kann daher kein trojanisches Pferd erkennen. Die Alternative ist nämlich, dass uns Naturwissenschaftler, die der C 14-Methode nicht anhängen, ebenso wie die Geisteswissenschaftler nicht ernst nehmen. Das kann uns zwar auf der theoretischen Ebene egal sein, auf der praktischen jedoch nicht, denn ganz biblisch gilt, wer nicht gegen uns ist, arbeitet indirekt für uns. Daher verstehe ich den Don Quichotte-Lauf der Niemitz&Blöss-Anhänger nicht, zumal ihnen, wie hek richtig erklärt hat, ebenfalls noch die physikalische Falsifizierung drohen kann, da auch sie in ihrer Logik über Plausibilitäten nicht hinauskommen. Ich für mich persönlich habe mich noch keineswegs entschieden, ob ich für “Intcal beweist Fantomzeit” oder für “C-14-Datierungen sind unbrauchbar” plädieren soll, daher beziehe ich beide Möglichkeiten in meine persönliche Fantomzeitforschung mit ein. Und genau darum geht es mir und ich glaube auch Korth. Denn wenn “Intcal beweist Fantomzeit” richtig ist, dann hat das für die Frage, wann und von wem Zeit eingefügt worden ist, Auswirkungen. Wenn “Intcal beweist Fantomzeit” falsch ist, aber “C-14-Datierungen sind brauchbar” richtig, dann ist die Fantomzeit widerlegt. Wenn “Intcal beweist Fantomzeit” falsch ist und “C-14-Datierungen sind unbrauchbar” richtig, dann wirds für die Illigianer meiner Meinung nach besonders heikel, weil ich dann ehrlich gesagt, zu Topper & Co überlaufen müßte, denn dann müssen wir die Zeit vor 614 allmählich als nicht mehr falsifizierbar und unplausibel erklären.
Ich würde uns daher mehr Gelassenheit wünschen und hek darin unterstützen, die Naturwissenschaftler für die Fantomzeit zu interessieren und gewinnen, indem wir sie weitergehenden, auch selbstkritischen Forschungen herausfordern, statt sie mit einer Radikalkritik einer Methode vor den Kopf zu stoßen und uns gegenüber zu isolieren.
Denn von der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie her, ist es meiner Meinung nicht wahrscheinlicher, dass die IntCal-Kurve aufgrund weitgehend brauchbarer Ergebnisse so verläuft, wie sie verläuft, als dass dieser Verlauf der IntCal-Kurve sich durch zufällige und unbrauchbare Messergebnisse ergibt. Für derartige “Zufälle” reicht mein Glaube an den C14-Crash dann doch nicht, auch wenn ich ihn nicht ausschließe.
…
Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass die C 14-Methode bei allen Grenzen nicht - wie die Rede vom Crash nahelegt - endgültig falsifiziert ist. Und daher gilt nachwievor der Satz, dass, unter der Voraussetzung, dass Datierungen mit C 14 im großen und ganzen brauchbare Ergebnisse liefert,der Verlauf der Intcal-Kurve eine Fantomzeit “beweist” (im Sinne einer naturwissenschaftlich-logischen Plausibilität), weil bislang noch keine andere, plausiblere Erklärung für den Verlauf gefunden worden ist. Niemitz&Co haben die C 14-Gläubigkeit erschüttert. Das ist gut so. Zwischen der notwendigen Zerstörung einer Wissenschaftsgläubigkeit und einer endgültigen Falsifizierung einer Methode ist aber ein meilenweiter Unterschied.
Mal sehen, wer in einigen Monaten oder Jahren, wem Abbitte leisten muss, von der einen Wissenschaftsgläubigkeit in die andere gefallen zu sein. Deinen Mut, dich so bedingungslos in eine auch nur vorläufige Plausibilität zu stürzen, halte ich geradezu für bewundernswert, allerdings auch gefährlich. Wie gesagt, ich befürchte nur, dass uns das ohne Not die Grundlagen für die Zeit vor 614 entzieht und daher unsere Glaubwürdigkeit unter Umständen mehr belastet. Ich kenne mittlerweile einige Fachhistoriker und Naturwissenschaftler, die bereit sind über konkrete Fantomzeiten nachzudenken, wenn auch oft noch hinter verschlossenen Türen. Ich kenne keinen Fachhistoriker und Naturwissenschaftler, der bereit ist, eine völlige chronologiekritische “Tabula rasa” zu unterstützen. Von daher frage ich mich, was dem Projekt “Frühmittelalterliche Fantomzeit” mehr nützt oder schadet.
…
Welche Datierungen vor 614, bitte schön, datieren nicht auf C14, Dendro & Co, wenn es um eine verlässliche Zeitleiste jenseits der traditionellen Chronologie geht. C14, Dendro & Co sind mittlerweile dermaßen eng mit der traditionellen Chronologie verknüpft, dass wir zwar relativ zueinander stehende Ereignisse kennen, aber nicht den genauen Ort auf der Zeitleiste. Wer sich zum Beispiel auch nur ein bißchen mit der herrschenden Genealogie, mit der Siebenschläfer-Problematik, mit den zahllosen Dopplungen von Legenden und Biographien auseinandersetzt, wird deine Schlußfolgerung, dass wir verlässliche Datierungsmöglichkeiten jenseits der C 14, Dendro & Co-Methoden, nicht teilen können. Aber vielleicht wäre es ja mal eine Aufgabe, die von dir angeführten Datierungen zu sammeln."
Am 2. Juli 2008 geht mir von Korth eine Gegendarstellung zu Illigs „Standortbestimmung“ ZS 1/2008, der ich inhaltlich weitestgehend folgen kann.
Am 3. Juli 2008 versuche ich ein weiteres Mal auf Gegenargumente einzugehen (ID 1220), obwohl mich der Vorwurf der „realitätsfernen Stimmungsmache“ extrem wurmt und ich dies auch zur Sprache bringe.
Als dann am 5. Juli 2008 Jan Beaufort den Beitrag „de.wikipedia.org: Phantomzeit. Sind die „Sichter“ selbst „Vandalen“?“ veröffentlicht, versuche ich ihn zu ergänzen, muss ihm aber auch in manchen Teilen aufgrund von Einseitigkeiten widersprechen. Dabei entspinnt sich eine Diskussion um meine Rolle als Autor des Artikels und wer, wann, wie bestimmte „Schieflagen“ in den Artikel gebracht hat.
Am 11. Juli 2008 verweist Otte in seiner Argumentation gegen mich erstmals Illigs „Standortbestimmung“ auf ZS 1/2008:
„Ich kenne nur zwei Personen, die dieser Meinung sind. Andere Zeitenspringer, mit denen ich über die hek-Beiträge aus ZS 3/2007 diskutiert habe, teilen diese Meinung nicht. Für einem Teil der Gegenargumente lese man die Standortbestimmung aus ZS 1/2008. Es ist natürlich keine Mehrheitenfrage, wer hier recht hat, aber es hat mich persönlich schon extrem vorsichtig und misstrauisch gemacht, dass auf bestimmte Fragen auch bei hartnäckigem Nachfragen nicht reagiert wird. So schafft man keine Akzeptanz. Da ist natürlich die auch hier bisher wieder unbeantwortete Thematik IntCal-Optik versus 300 Realjahre ohne Historie zwischen Caesar und Augustus, aber auch die Frage, wie sich 300 Realjahre ohne Historie in unserer Chronologie auswirken. Hier wurde mir zum größten Teil mit Verdopplungen geantwortet, die aber meiner Meinung nach eher für eine Fantomzeit sprechen und eben gerade nicht für eine Anti-Fantomzeit, wie sie zwischen Caesar und Augustus nach dieser These vorliegen soll. Die Zahl der Schnittstellen, die zu kitten sind, hat sich in diesem Konzept jedenfalls ver-n-facht, wie man hier von einer Vereinfachung und weniger Verschwörung reden kann, ist mir rätselhaft. Aber dazu hat sich ja schon Heribert zur Genüge in 1/2008 geäußert.“
Meine Antwort darauf lautete:
"Und dazu (zu 1/2008) gibt es ja auch bereits eine Gegendarstellung von hek, der ich nur beipflichten kann. Wer hören will und kann, der höre und wer nicht, der eben nicht. Ich bin es jedenfalls leid, von ao “Hausaufgaben” diktiert zu bekommen, bloß weil er sich mit unseren Antworten nicht zufrieden gibt, während er umgekehrt kein wenig mehr bereit ist, unsere Anfragen zu beantworten. Und noch mehr bin ich es leid, dass unsere Position wider besseren Wissens falsch wiedergegeben wird. Hier beißt sich allmählich die Katze den Schwanz ab. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass wir von der Möglichkeit ausgehen, dass es in verschiedenen geographischen Räumen verschiedene relativ unabhängige Zeitrechnungen gab, die zu einem Zeitpunkt X wissentlich oder auch unwissentlich, in jedem Falle falsch synchronisiert worden sind und in der jeweiligen Zeitrechnung die entstehenden Lücken aufgefüllt wurden, was in verschiedenen Zeiträumen und in verschiedenen geographischen Räumen unter anderem durch Dopplungen und Erfindungen geschah. Dreh- und Angelpunkt bleibt dabei die frühmittelalterliche Fantomzeit von wohl 300 Jahren (vielleicht waren es im Blick auf Hunnivari auch nur 200), die unbestritten ist. Wenn ao wissenschaftlich definitiv ausschließen kann, dass die IntCal-Kurve für die Spätantike und das Frühmittelalter zutreffend ist, in dem Sinne, dass die sich von IntCal zu IntCal verfestigende Verzerrung zwischen 600 und 900 kein ZUFALLSPRODUKT falscher oder verfälschter Messungen ist, dann möge er den naturwissenschaftlichen Beweis führen. Sonst möge er uns zugestehen, nach anderen Erklärungsmodellen zu suchen, die mit naturwissenschaftlichen Datierungsmethoden inklusive IntCal-Kurve in Einklang stehen. Das ist vom Ausgangspunkt zumindest nicht weniger hypothetisch als Illigs Theorie einer Verschwörung im 10. Jahrhundert, deren Ergebnisse sich dann bis ins 12./13. Jahrhundert hinein politisch verfestigt haben. Denn ohne nachweisbaren Fälschungsbefehl bleibt das Ganze eben eine Hypothese, wie die gemeinsam gemutmaßte frühmittelalterliche Fantomzeit zustande gekommen sein könnte. Ein mehrfacher Synchronisierungsfehler muss definitiv nicht auf einer willkürlichen Verschwörung basieren, sondern kann eben auch komputistischen Ansprüchen genüge geleistet haben oder aufgrund von vorausgehenden Verwüstungsprozessen (”Niedergang Roms”, “Völkerwanderung”, etc.) einer faktischen Unwissenheit der mittelalterlichen Geschichtsschreiber geschuldet sein. Wenn man als Arbeitshypothese also von einem Synchronisierungsfehler ausgeht, dann müssen die 300 Jahre des “westlichen” Frühmittelalters in anderen Zeitrechnungen an anderen Stellen auftauchen. Dann wäre es zum Beispiel auch überhaupt kein Problem Hunnivari mit Illig zusammenzuschauen, es wäre auch kein gravierendes Problem mehr Voigts Kalendersteine zu integrieren und vieles mehr. Die einzige Herausforderung, da sind wir grundsätzlich mit unseren Kritikern einig, bleiben die römischen Zeitleisten bis Heraclius. Und hier ist nun eine Arbeitshypothese unter vielen anderen jene, die ao unzutreffend als “Anti-Fantomzeit, wie sie zwischen Caesar und Augustus nach dieser These vorliegen soll” kennzeichnet. Was ist an dem Satz: “Bei Intcal ist ein Rücksprung nicht zu erwarten, da es keine akzeptablen Proben aus dem vorchristlichen Rom gibt und die griechische und ägyptische Jahreszählung an der römischen Kaiserzeit synchronisiert sind”, so schwer zu verstehen. Wenn er wissenschaftlich stimmt, betreibt ao Schattenboxen. Wenn er Belege hat, dass er nicht stimmt, ist er sie bisher schuldig geblieben. Ach ja, sorry, dann müsste ao zumindest theoretisch davon ausgehen, dass naturwissenschaftliche Datierungsmethoden, auch jene mit C14, vielleicht doch brauchbare Ergebnisse liefern könnte. Und das widerspricht ja seinem Glaubensbekenntnis. ao: “Die Zahl der Schnittstellen, die zu kitten sind, hat sich in diesem Konzept jedenfalls ver-n-facht, wie man hier von einer Vereinfachung und weniger Verschwörung reden kann, ist mir rätselhaft.” Dass viele kleine Schnittstellen einfacher zu verarzten sind, als zwei große, ist zwar nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein kulturwissenschaftliches Grundprinzip, aber das ist ao wohl entgangen. Und dass von Ver-n-fachung nicht die Rede sein kann auch. Mir sind jedenfalls ganz andere Dinge rätselhaft."
Die angesprochene Gegendarstellung ist noch nicht veröffentlicht, liegt mir aber brieflich vor.
Am 14. Juli 2008 spricht Jan Beaufort erstmals das Verdikt aus: „Die lllig-Gegner hek und Obinger können natürlich gerne durch rhetorische Vermehrung von Steinen eine vermeintliche Alternative zur Illig’schen Theorie aufbauen. “Aufbauschen” wäre dann aber wohl das richtigere Wort.“ Gegen meinen diesbezüglichen Hinweis legt Beaufort nach: „Ich denke, “Illig-Gegner” ist sachlich korrekt und dient der Klarheit. Korth und Obinger vertreten eine Version der Phantomzeittheorie, die von Illig ausdrücklich abgelehnt wird. Übrigens ist mir auch kein anderer Vertreter der FZT bekannt, der sie goutiert.“ Darauf bleibt mir nur noch die Feststellung:
"Biblisch gesehen sagt ein und derselbe Jesus einmal “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns”, einmal “Wer nicht gegen uns ist, ist für uns”. Bei erster Variante geht es um Martyrium, bei der zweiten um das Erreichen eines gemeinsamen Zieles. Da ich mir nicht bewußt bin, Illig jemals verfolgt zu haben, nehme ich letzteres für mich in Anspruch. Im Übrigen nennt man und zwar psychologisch sachlich korrekt, ein Verhalten, das nur die erstere Variante kennt: Verfolgungswahn. Ich habe verstanden, ich habe fertig. Ich habe absolut keine Lust, von echten Illig-Gegnern als Sektenmitglied betrachtet zu werden, während mich die Sekte bereits wieder als Illig-Gegner, sprich Häretiker, ausspeit. :("
– ein Eindruck der von Korth geteilt wird („Dem ist traurigerweise nichts hinzuzufügen“).
Am 13. Juli 2008 versucht Jan Beaufort durch einen Nachschlag unter dem Titel „Die Schieflage vor Einführung des `Sichtens´“ die Schuld am Zustand des ursprünglichen Artikels vor dem „Sichten“ zum Teil mir als Hauptautor sowie den „Vandalen“ und „Gegnern“ während der Entstehung des Artikels zuzuweisen. Dies habe ich an den folgenden Tagen entschieden zurückgewiesen. In diese Auseinandersetzung hatte sich ein Troll namens „bronco“ eingemischt, der dann vor 4 Tagen sich in die C14-Diskussion einmischte, erneut ohne vorher oder zugleich eigene substantielle Beiträge zu liefern. Die daran anschließende Auseinandersetzung zwischen mir und „bronco“ nahmen gestern (20. Juli 2008) Jan Beaufort und Andreas Otte zum Anlass, das Forum von www.fantomzeit.de zu schließen.
Stand: 21. Juli 2008