Chronologiekritik - Fantomzeiten – Zeitensprünge

Nun ist es kein Geheimnis, dass man in Kreisen von Fachhistorikern, ob mediävistischer oder archäologischer Provenienz, und in Kreisen von Naturwissenschaftlern als Anhänger der Theorie vom „Erfundenen Mittelalter“ keine Ehre aufhebt. Und doch bleibe ich bei meiner Überzeugung, die ich seit 2002 mit zunehmender Deutlichkeit und eigenen Beiträgen vertreten habe:

Leider kam es in den letzten Wochen zunehmend zu Spannungen zwischen mir und den „älteren“ Vertretern dieser Form der Chronologiekritik, die mittlerweile in einen Bruch gemündet sind, den ich sehr bedauere, der aber – die Genese betrachtend – wohl nicht zu vermeiden war. Um diese Entwicklung und meine Beiträge dazu besser einordnen zu können, veröffentliche ich nun diese eigene Seite zur Fantomzeit.

1. Mein Einstieg

Die Lektüre von Illigs Buch „Das Erfundene Mittelalter“ war für mich tatsächlich so etwas wie eine Offenbarung, weil dieses Buch meine heimat-, namens- und theologiegeschichtlichen Anfragen an die traditionelle Chronologie in sehr schlichter und logischer Art und Weise beantwortete. Meine interessierte weitergehende Lektüre vertiefte diesen Eindruck, so zum Beispiel

Dies beeinflusste meine weiteren persönlichen Studien, doch für Veröffentlichungen hat mangels Zeit noch nicht gereicht. Zwischen 2002 und 2005 habe ich in meinen Zusammenstellungen über die Geschichte des Islam und der Erzdiözese München-Freising immerhin schon offen auf Illig verwiesen.

2. Mitarbeit am Wikipedia-Artikel

Am 5. Juli 2005 begann ich meine Mitarbeit am Wikipedia-Artikel, die zunächst als „Helmut Zenz“, später als „SDB“ im Wesentlichen bis zum 14. Juli 2007 ging.


Das Ende der Arbeit am Artikel hatte mit meinem generellen Abschied aus der Wikipedia, nicht mit dem Artikel zu tun, obwohl der Kampf um den Artikel viel Nerven gekostet hatte. Die Diskussionen waren zum Teil sehr heftig, aber auch spannend und letztlich hatte ich mir als Hauptautor eine Stellung erarbeitet, dass zumindest an der Grundstruktur des Artikels nicht ohne vorherige Diskussion Veränderungen vorgenommen werden konnten, ich selbst aber viele sachliche Änderungen problemlos vornehmen konnte.

3. Begegnung mit Illig

Nach meiner Rückkehr aus Italien, wo ich das Noviziat zum Salesianer Don Boscos machte, kam es zu einer persönlichen Begegnung mit Illig bei Illigs, in der es zwar auch um meine Vorstellungen zur Fantomzeit-Theorie ging, die aber insgesamt eher privater Natur war. Dennoch haben mich an diesem Abend seine Kultur und die Schärfe seiner Argumentation imponiert und mich motiviert, die faire Darstellung der These in der Öffentlichkeit, insbesondere in Wikipedia intensiver zu unterstützen.

4. Mitarbeit am Fantomzeit-Forum

Am 21. Juli 2007 begann ich meine Mitarbeit im Fantomzeit-Forum. Zuvor hatte am 1. Mai 2007 Hans-Erdmann Korth im Forum einen Text unter dem Titel „Konstantin der Überlebensgroße“ eingestellt, den ich nun erstmals länger mit meinen Vorstellungen kommentierte:

"Wenn man Mohammed mit der ursprünglichen Topper-These zeitlich in die Nähe von Arius bringt, der 325 als Anhänger eines arianischen Glaubensverständnisses quasi mitverurteilt wurde und dann eine eigene jüdisch-christlich-persische Glaubensgemeinschaft begründet hat (der Islam in seiner heutigen Form wäre dann ja wohl aus dem 10. Jahrhundert), warum schiebt man den Herakleios nicht auch einfach nach vorne und versucht die Nachfolger abzugleichen. Denn: Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass sowohl im Westen als auch im Osten viele Namen in den diversen Kaiser-, Papst- und sonstigen Namenslisten ebensogut als zeitgenössische oder nachträgliche “Ehrentitel” durchgehen würden, bis hin zu Namen wie Benedictus oder Bonifatius. Überhaupt scheint mir immer mehr die Namensetymologie von Bedeutung zu sein: Hat sich eigentlich schon mal jemand die Frage gestellt, warum es die Namen Karlmann und Pippin nur in einem ganz bestimmten Zeitraum gibt und bis heute keine Vernünftige etymologische Herleitung möglich ist. Was, wenn Karlmann eigentlich nur die “harte” Form von Charlemagne ist (siehe Alemann, Alemannien, Allemagne) und viele der Namen und Länder mit -mann sich gar nicht von den Mannen einer Person ableiten, sondern vom lateinischen Magnus. Vergleicht man zum Beispiel die Namenslegende des Berchtesgadener Watzmann (samt Frau mit sieben Kindern), in der ein großer, aber harter König in einen der größten Berge der Region verwandelt wird, was spricht dagegen, dass hier ein Watzo der Große (Watzo=Warin=Guarin=Warinbert=Guaribert=Garibert der Große) dahinter steht. Ähnlich wie hinter Tatzmann, Tatzo der Große (Taginbert=Dagobert) steckt. Darauf kommt man, wenn man sich im 10. Jahrhundert umschaut. Da gibt es einen Heinrich , der in Urkunden zum Hezelin wird (Hezzo, Hessilo, etc.). Aber Tassilo muss unbedingt ein Tassilo bleiben, hinter ihm darf sich keine regionale Verkleinerungsform für einen realexistierenden größeren Namen stehen. Wir wissen heute dass die Ursprungs-Ariberts, Aribos, Arbeos sowie Odoakers/Ottokare vom Chiemgau und von Steiermark/Kärnten (Anfang des 10. Jahrhunderts), dass hat aber die Urkundenschreiber damals nicht interessiert, sondern sie haben die Namensschreibung und Regionalbeziehung verwendet, die ihnen am naheliegendsten war. Warum kann das nicht öfter passiert sein und wir haben viele identische Personen. Was ist mit den Namenslücken bei den Transformationen im Hochadel der Phantomzeit. Da hören plötzlich die Chlodwigs, Chariberts, etc. auf, aber bis sie als Ludwigs und Ariberts wieder auftauchen, entsteht fast ausnahmslos eine Lücke von 80 bis 120 Jahren, in denen entgegen der Traditionen vorher kein Nachkomme mehr mit diesen Namen belegt worden ist, um dann in ganz anderen verwandtschaftlichen Linien wieder Auferstehung zu feiern? Was nun wenn alle Karlmanns gleich groß waren, sprich es tatsächlich einen Karl den Großen gegeben hat? Was wenn wir alle Karlmanns ineinanderschieben? Das einzige was passiert ist, dass sich bei Karl dem Großen selbst jene angeblich zahlreichen weiteren Kinder einfinden, die ihm ohnehin schon mit weiteren Konkubinen zugeschrieben werden. Vielfach lösen sich tote Linien auf, weil sie plötzlich ebenfalls mit anderen zusammenfallen. Jung verstorbene Kinder, von denen es ohnehin keine gesicherten Daten und Gräber gibt, werden von ihrem frühen Tod erlöst und fallen mit langlebenden realexistierenden Größen zusammen. Was wenn auch alle Pippins zusammenfallen, weil der Name ohnehin im 10. Jahrhundert und später spannenderweise weder als Beiname “Der Pfeifer” noch als Abkürzung für “Philipp” oder “Joseph” eine Rolle spielt? Was wenn sich dann auch noch ein Rätsel löst, dass bislang die Unglaubwürdigkeit im Quadrat löst. Nämlich, dass von den wichtigen Söhnen Karls des Großen von Hildegard: Karl der Jüngere, Karlmann und Pippin, Karl der Jüngere und Pippin bereits (809 bzw. 810) sterben müssen und der verbliebene Karlmann dann ausgerechnet vom Papst “umbenannt” wird, ausgerechnet in “Pippin”, dem Namen seines verstorbenen Bruders? Was damit, dass man Pippin von Landen-Heristal mitunter einen Vater namens Karlmann, andere ihm eine französische Regionalgröße namens Charles als Vater unterschieben? Pippin von Landen-Heristal ist dieser Karl der Große (Karlmann), davon bin ich fest überzeugt. Und der einzige, den es vom Namen her mit welchen Zuschreibungen auch immer vielleicht noch gegeben hat, dürfte wohl Karl Martell(us) gewesen sein, der als Vater dieses Karls des Großen ohnehin dem spätrömischen Zeiten nähergerückt werden sollte, damit sein sprechender Beiname eine sinnvolle Bedeutung erhalten kann. Karl den Großen hat es gegeben, ebenso wie Konstantin und vielleicht war auch er genauso “Überlebensgroß” wie dieser, weil er nämlich nicht aus der Geschichte verschwinden muß, sondern lediglich weitere biographische Informationen hinzubekommt (andere erdichtete dafür verliert). Im Übrigen hätte das Ganze noch einen großen Vorteil. Man müsste nicht mehr von Verschwörung ausgehen, es könnte theoretisch sogar ein “Versehen” gewesen sein, denn wenn es die Phantomzeit nicht gegeben hat, dann fallen die Supergaue, die man gemeinhin unter Völkerwanderung, Perser=Araber=Sarazenenstürme, Awaren=Hunnenstürme, Schlachten bei denen der halbe Adel ums Leben kommt (909/11), Nachfolgekämpfe bei denen ganze Sippen ausgerottet werden (613/614) nämlich so schön zusammen, dass die Geschichtsschreiber des 10. Jahrhunderts, die im Auftrag Ottos und Konstantins mit dem Aufsammeln der Reste beschäftigt waren, gar keine andere Wahl gehabt haben, als Geschichte neu zu erfinden, durch eine subjektive Zusammenstellung von Namen und Geschlechtern. Bezüglich von an Herkules anknüpfende Beinnamen erinnern wir uns schwach, aber immerhin mit Wikipedia (Artikel Römische Tetrarchie), dass Diokletian 293 ein neues Regierungssystem einführte “Das von Diokletian erdachte System beruhte auf vier Herrscher im Kaiserrang: Jeweils einen Seniorkaiser (Augustus) im Westen (Residenzen waren hier Mailand und Aquileia) und im Osten (Residenz Nikomedia), der je einen Juniorkaiser (Caesar) adoptierte, welcher später sein Nachfolger werden sollte.” Und nun nahmen doch auch die beiden Augusten tatsächlich Götternamen als Beinamen an und wen wunderts. “Diokletian nahm als Beinamen des Götternamen Iovius an, sein Mit-Augustus Maximian den Namen Herculius.” (Siehe die schöne Zusammenstellung auf http://www.treveris.com/konstantin.htm Es wird hier von sakraler Legitimierung gesprochen!) Maximians Mitkaiser ist Constantius I. (Chlorus), dessen Sohn wiederum Konstantin der Große.
Es gibt einen interessanten Artikel von Bruno W. Häuptli im BBKL zur armenischen Königsdynastie. Demnach gibt es dort arsakidische Könige namens Chosrau I. (Chosroes, 216/217-252), Enkel Trdats II., Sohn Chosraus II. (279/280-287). Tja, hier es geht also um die Parther, “ein antikes iranisches Volk, das vom 3. Jahrhundert v. Chr. an im heutigen Iran ein Reich aufbaute” (Wikipedia). Und wer war doch gleich nochmal der Kontrahent von Herakleios, der persische Großkönig Chosrau II. Und wer war doch gleich nochmal der Nachfolger von Herakleios, richtig: ein Konstantin (der III. von Byzanz), Dem wer folgte?: Heraklonas, der Sohn des Kaisers Herakleios. Nochmals zum Herkules aber auch … Ein Schelm wer Böses dabei denkt … Wer hat schon seit langem auf die Probleme der armenischen und parthischen Geschichtsschreibung und diesbezügliche Kalenderstreitigkeiten hingewiesen, richtig: Illig & Co."


Korth reagierte mit ein paar Anmerkungen. Interessanterweise ist Korth eher ein Kritiker meiner namenskundlichen Darlegungen.

“Karl/Charl/Earl gilt als altnordischer Häuptlingstitel. Karlmann wäre demnach eine verdoppelnde Hervorhebung (ähnlich Häuptling - Haupt-mann). Der Gleichklang Karlmann - Charlemagne bzw Carolus Magnus war sicher nicht unerwünscht. Ansonsten scheint Karlmann nur eine Sonderform von Karl zu sein und beide sind keine Eigen- sondern Regentennamen. Pippin kam als Eigenname erst im 11. Jh. auf. Die Bezeichnung ‘Der Kleine’ dürfte davor eine Unterscheidung für den Sohn des Regenten gewesen sein.“

Er stimmte mir jedoch darin zu, dass man bei der FZ genauso wenig von Verschwörung ausgehen müsste wie bei der Sommerzeit unserer Tage: „Beides war ein Verwaltungsakt, der Nutzen versprach.“ In meiner Beobachtung zu Chosrau sieht er „einen weiteren Punkt für die Liste der Pro-FZ Beobachtungen (ID 39)“
Beaufort fand diese Diskussion so interessant, dass er ihr am 22. Juli 2007 – also fast genau vor einem Jahr - einen eigenen Thread eröffnete, den ich später durch weitere namenskundliche Beobachtungen ergänzt habe, unter anderem unter dem Titel „Die doppelte Waldrada“.
Seit dieser Zeit habe ich im Forum folgende Diskussionen angestoßen:


Ansonsten habe ich versucht, verschiedene Online-Fundsachen zu sammeln und zur Sprache zu bringen.

5. Der Anfang vom Ende

Die Entwicklungen liefen zunächst unabhängig von mir weiter:

„Ich kenne nur zwei Personen, die dieser Meinung sind. Andere Zeitenspringer, mit denen ich über die hek-Beiträge aus ZS 3/2007 diskutiert habe, teilen diese Meinung nicht. Für einem Teil der Gegenargumente lese man die Standortbestimmung aus ZS 1/2008. Es ist natürlich keine Mehrheitenfrage, wer hier recht hat, aber es hat mich persönlich schon extrem vorsichtig und misstrauisch gemacht, dass auf bestimmte Fragen auch bei hartnäckigem Nachfragen nicht reagiert wird. So schafft man keine Akzeptanz. Da ist natürlich die auch hier bisher wieder unbeantwortete Thematik IntCal-Optik versus 300 Realjahre ohne Historie zwischen Caesar und Augustus, aber auch die Frage, wie sich 300 Realjahre ohne Historie in unserer Chronologie auswirken. Hier wurde mir zum größten Teil mit Verdopplungen geantwortet, die aber meiner Meinung nach eher für eine Fantomzeit sprechen und eben gerade nicht für eine Anti-Fantomzeit, wie sie zwischen Caesar und Augustus nach dieser These vorliegen soll. Die Zahl der Schnittstellen, die zu kitten sind, hat sich in diesem Konzept jedenfalls ver-n-facht, wie man hier von einer Vereinfachung und weniger Verschwörung reden kann, ist mir rätselhaft. Aber dazu hat sich ja schon Heribert zur Genüge in 1/2008 geäußert.“
"Und dazu (zu 1/2008) gibt es ja auch bereits eine Gegendarstellung von hek, der ich nur beipflichten kann. Wer hören will und kann, der höre und wer nicht, der eben nicht. Ich bin es jedenfalls leid, von ao “Hausaufgaben” diktiert zu bekommen, bloß weil er sich mit unseren Antworten nicht zufrieden gibt, während er umgekehrt kein wenig mehr bereit ist, unsere Anfragen zu beantworten. Und noch mehr bin ich es leid, dass unsere Position wider besseren Wissens falsch wiedergegeben wird. Hier beißt sich allmählich die Katze den Schwanz ab. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass wir von der Möglichkeit ausgehen, dass es in verschiedenen geographischen Räumen verschiedene relativ unabhängige Zeitrechnungen gab, die zu einem Zeitpunkt X wissentlich oder auch unwissentlich, in jedem Falle falsch synchronisiert worden sind und in der jeweiligen Zeitrechnung die entstehenden Lücken aufgefüllt wurden, was in verschiedenen Zeiträumen und in verschiedenen geographischen Räumen unter anderem durch Dopplungen und Erfindungen geschah. Dreh- und Angelpunkt bleibt dabei die frühmittelalterliche Fantomzeit von wohl 300 Jahren (vielleicht waren es im Blick auf Hunnivari auch nur 200), die unbestritten ist. Wenn ao wissenschaftlich definitiv ausschließen kann, dass die IntCal-Kurve für die Spätantike und das Frühmittelalter zutreffend ist, in dem Sinne, dass die sich von IntCal zu IntCal verfestigende Verzerrung zwischen 600 und 900 kein ZUFALLSPRODUKT falscher oder verfälschter Messungen ist, dann möge er den naturwissenschaftlichen Beweis führen. Sonst möge er uns zugestehen, nach anderen Erklärungsmodellen zu suchen, die mit naturwissenschaftlichen Datierungsmethoden inklusive IntCal-Kurve in Einklang stehen. Das ist vom Ausgangspunkt zumindest nicht weniger hypothetisch als Illigs Theorie einer Verschwörung im 10. Jahrhundert, deren Ergebnisse sich dann bis ins 12./13. Jahrhundert hinein politisch verfestigt haben. Denn ohne nachweisbaren Fälschungsbefehl bleibt das Ganze eben eine Hypothese, wie die gemeinsam gemutmaßte frühmittelalterliche Fantomzeit zustande gekommen sein könnte. Ein mehrfacher Synchronisierungsfehler muss definitiv nicht auf einer willkürlichen Verschwörung basieren, sondern kann eben auch komputistischen Ansprüchen genüge geleistet haben oder aufgrund von vorausgehenden Verwüstungsprozessen (”Niedergang Roms”, “Völkerwanderung”, etc.) einer faktischen Unwissenheit der mittelalterlichen Geschichtsschreiber geschuldet sein. Wenn man als Arbeitshypothese also von einem Synchronisierungsfehler ausgeht, dann müssen die 300 Jahre des “westlichen” Frühmittelalters in anderen Zeitrechnungen an anderen Stellen auftauchen. Dann wäre es zum Beispiel auch überhaupt kein Problem Hunnivari mit Illig zusammenzuschauen, es wäre auch kein gravierendes Problem mehr Voigts Kalendersteine zu integrieren und vieles mehr. Die einzige Herausforderung, da sind wir grundsätzlich mit unseren Kritikern einig, bleiben die römischen Zeitleisten bis Heraclius. Und hier ist nun eine Arbeitshypothese unter vielen anderen jene, die ao unzutreffend als “Anti-Fantomzeit, wie sie zwischen Caesar und Augustus nach dieser These vorliegen soll” kennzeichnet. Was ist an dem Satz: “Bei Intcal ist ein Rücksprung nicht zu erwarten, da es keine akzeptablen Proben aus dem vorchristlichen Rom gibt und die griechische und ägyptische Jahreszählung an der römischen Kaiserzeit synchronisiert sind”, so schwer zu verstehen. Wenn er wissenschaftlich stimmt, betreibt ao Schattenboxen. Wenn er Belege hat, dass er nicht stimmt, ist er sie bisher schuldig geblieben. Ach ja, sorry, dann müsste ao zumindest theoretisch davon ausgehen, dass naturwissenschaftliche Datierungsmethoden, auch jene mit C14, vielleicht doch brauchbare Ergebnisse liefern könnte. Und das widerspricht ja seinem Glaubensbekenntnis. ao: “Die Zahl der Schnittstellen, die zu kitten sind, hat sich in diesem Konzept jedenfalls ver-n-facht, wie man hier von einer Vereinfachung und weniger Verschwörung reden kann, ist mir rätselhaft.” Dass viele kleine Schnittstellen einfacher zu verarzten sind, als zwei große, ist zwar nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein kulturwissenschaftliches Grundprinzip, aber das ist ao wohl entgangen. Und dass von Ver-n-fachung nicht die Rede sein kann auch. Mir sind jedenfalls ganz andere Dinge rätselhaft."
Die angesprochene Gegendarstellung ist noch nicht veröffentlicht, liegt mir aber brieflich vor.
"Biblisch gesehen sagt ein und derselbe Jesus einmal “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns”, einmal “Wer nicht gegen uns ist, ist für uns”. Bei erster Variante geht es um Martyrium, bei der zweiten um das Erreichen eines gemeinsamen Zieles. Da ich mir nicht bewußt bin, Illig jemals verfolgt zu haben, nehme ich letzteres für mich in Anspruch. Im Übrigen nennt man und zwar psychologisch sachlich korrekt, ein Verhalten, das nur die erstere Variante kennt: Verfolgungswahn. Ich habe verstanden, ich habe fertig. Ich habe absolut keine Lust, von echten Illig-Gegnern als Sektenmitglied betrachtet zu werden, während mich die Sekte bereits wieder als Illig-Gegner, sprich Häretiker, ausspeit. :("
– ein Eindruck der von Korth geteilt wird („Dem ist traurigerweise nichts hinzuzufügen“).

Stand: 21. Juli 2008