Helmut Zenz: Hermann Boventer im Internet
Hermann Boventer (1928-2001) -
Katholischer Medien- und Sozialethiker
Bilder
Biographie
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* 8.12.1928 in Düsseldorf
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Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie in Bonn, München
und Wyoming (USA);
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1951/52 einjähriger Amerikaaufenthalt als Fulbright-Stipendiat
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Dr. phil.
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1955-1957 Universitätsdozent in USA;
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1957-1968 "Rheinische Post"; Chefredakteur von "kontraste" in Freiburg;
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1968 bis 1981 Redakteur und (als erster Laie) Direktor der Thomas-Morus-Akademie
Bensberg (Katholische Akademie im Erzbistum Köln)
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1972-1981 Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten.
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ab 1976 Lehrbeauftragter für Medienethik und Kommunikationstheorie
an der Universität Bonn,
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1976-1986 Lehrbeauftragter für Medienethik und Kommunikationstheorie
an der Universität München;
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1980 nach dem Brand des Kölner Priesterseminar kommt es in Fragen
Wiederaufbau und Neustrukturierung zum Bruch mit der Thomas-Morus-Akademie
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ab 1981 Arbeit als freier Publizist;
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+ 1. Juni 2001
Bibliographie
Primärliteratur:
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Eros, Liebe, Flirt. Frankfurt am Main, 1966
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Wofür Soldat? Bundeszentrale für Politische Bildung <Bonn>.
Bonn, 1966
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Effizienz und Zukunft der Erwachsenenbildung. Bensberg, 1969
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/Wagner, Christoph T.: Ökonomie der kirchlichen Berufe und Funktionen
. Bensberg, 1970
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Freizügigkeit in Europa: Probleme der sozialen Integration . Bensberg,
1970
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Kirchlichkeit und Weltlichkeit der theologischen Erwachsenenbildung . Bensberg,
1970
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Beruf des Laientheologen. Bensberg, 1971
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Das Image der Frauenorden. Bensberg, 1972
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Geburtenrückgang in der Bundesrepublik, 1973
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Medienpolitik. Köln, 1974
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Gebt uns die totale Schule. Zürich, 1975
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Der Christ und die Gesellschaft. Bensberg, 1975
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Die Utopie und das Heilige. Bensberg, 1975
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/Pöggeler, Franz: Werte in der Erziehung. Bensberg, 1976
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Kirche und Staat - Partner, nicht Gegner. Bensberg, 1976
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Musische Bildung. Bensberg, 1976
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Handel statt Hilfe? Bensberg, 1976
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/Abdullah, Muhammad S.: Muslime unter uns. Bensberg, 1976
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Freiheit, nicht Emanzipation ist der Grundwert. Köln, 1976
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Rundfunkfreiheit, Legitimationskrise des öffentlich-rechtlichen Systems.
Köln, 1977
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/Affemann, Rudolf: Leben und Erziehen. Bensberg, 1977
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/Pöggeler, Franz: Grundwerte in der Schule. Freiburg u.a., 1980
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Politische Bildung. Trier, 1980
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Legal, illegal, ganz egal. Bonn, 1982
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Sich nicht vereinnahmen lassen . Bonn, 1982
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Evangelische und katholische Akademien. Paderborn ; München u.a.,
1983
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(Hrsg.) Thomas Morus-Jahrbuch 1980
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Medienethik (1982-1994)
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Ethik und Journalismus. Eine Untersuchung des Hastings Center zur Medienethik
im Ausbildungsprogramm an amerikanischen Colleges und Universitäte,
Communicatio Socialis 4/1982, 329-333.
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Journalistenmoral als „Media Ethics". Kodifizierte Pressemoral und Medienethik
in den vereinigten Staaten von Amerika, in: Publizistik 28/1983, S. 19-39.
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Ethik des Journalismus, in: Stimmen der Zeit 108/ 1983, 387-401.
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Ethik des Journalismus. Zur Philosophie der Medienkultur, Konstanz : Universitätsverlag
1984; 1985
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Ethik und System im Journalismus, in: Publizistik 29/1984, S. 34-48.
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Die Macht und die Ohnmacht der Medien. Bonn, 1985
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Die neuen Medien. Hannover, 1985
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Das Prinzip Verantwortung in der Massenkommunikation. Problem einer kommunikationswissenschaftlich
fundierten Ethik im Journalismus, in:
Maier, Hans (Hg.): Ethik der Kommunikation, Fribourg: Universitätsverlag
1985, S. 53-71.
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Wahrheit und Lüge im Journalismus. Köln, 1986
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Medien und Moral. Konstanz: Universitätsverlag, 1988, darin: Eine
verschwiegene Laudatio. Gelebte Moral im Journalismus, S. 173-184.
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/Flöhl, Rainer: Moral und Verantwortung in der Wissenschaftsvermittlung.
Fuschl-Gespräch <1982 - 1984>. Mainz, 1987
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/Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands: Bekannt-Machung. Berlin,
1988
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Macht der Medien. Zum aktuellen Stand der Ethik-Debatte in Journalismus
und Wissenschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B46-47/1988, S. 3-13.
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Wertorientierter Journalismus. Die Sicht der Moralphilosophie, in: Erbring,
Lutz / Ruß-Mohl, Stephan u.a (Hg.): Medien ohne Moral. Variationen
über Journalismus und Ethik, Berlin: Argon 1988, S. 226-237.
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Pressefreiheit ist nicht grenzenlos: Einführung in die Medienethik,
Bonn: Bouvier 1989.
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Die Arroganz einer Vierten Gewalt. Köln, 1989
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Medien konstruieren Wirklichkeit. Im Anfang war die Presse - und dann erschien
die Welt. Anmerkungen zum Funkkolleg „Medien und Kommunikation, EB 3/91,
135-154.
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Der Journalist in Platons Höhle. Zur Kritik des Konstruktivismus,
Communicatio Socialis 2/1992, 157-167.
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Journalismus als Moralersatz?, in: Die Politische Meinung, 12/ 1993, 75-79.
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(Hg.): Medien und Demokratie. Nähe und Distanz zur Politik, Konstanz:
Universitätsverlag 1993
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Ohnmacht der Medien. Die Kapitulation der Medien vor der Wirklichkeit,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte 40/1993, S. 27-35.
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Medien - Spektakel: wozu Journalismus?; USA und Deutschland, Frankfurt/
M.: Knecht 1994; 1995.
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Moral in einer massenmedialen Kultur. Kongreß der Moraltheologen
in Salzburg [1993], Communicatio Socialis 27/1994, S. 73-80.
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Muckrackers. Investigativer Journalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit,
in: Wunden, Wolfgang (Hrsg.): Öffentlichkeit und Kommunikationskultur,
Beiträge zur Medienethik Bd.2, GEP-Buch im J.F. Steinkopf Verlag:
Hamburg-Stuttgart 1994, 215-230.
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Europa: Wiege des Humanismus und der Reformation. Frankfurt am Main [u.a.],
1997
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Anthropologie und Moral der Öffentlichkeit. Zur berufsethischen Selbstverpflichtung
der Journalisten angesichts der technologischen Herausforderungen, Dr.
Hermann Boventer, Bensberg (Bergisch-Gladbach), Vortrag auf dem 2. Jahrestreffen
des "Netzwerk Medienethik"
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Sekundärliteratur:
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Kramer, M.: Öffentlichkeit und Verantwortung. Überlegungen zur
Medienethik, darin: 3. Der individualethische Entwurf von Hermann Boventer
im Überblick, Diplomarbeit an der Universität Hamburg, abgegeben
im Januar 1992, S. 55-60
Thesen
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Boventer kommt das Verdienst zu, im deutschen Sprachraum als erster
nachdringlich auf die Notwendigkeit von Medienethik aufmerksam gemacht
zu haben.
Internet
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Netzwerk Medienethik:
Nachruf
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"Zu den prominentesten Medienethikern im "Netzwerk Medienethik" gehörte
seit dessen Gründung 1997 Dr.Hermann Boventer, der die
Aktivitäten nicht nur aus der Ferne mit Sympathie begleitete,
sondern an einigen Treffen seither auch persönlich teilnahm und wichtige
Beiträge zur Diskussion lieferte. In der Zeitschrift "Communicatio
Socialis" (34, 2001, S. 355f.) hat Ferdinand Oertel unter dem Titel
"Streitbarer Publizist und Humanist" ein Bild seiner Person und seines
Wirkens gezeichnet. Wir geben diesen Text im folgenden unverändert
wieder. Unerwartet verstarb am 1. Juni 2001 der Publizist und Medienwissenschaftler
Hermann Boventer während eines Amerikaaufenthaltes im Alter von 72
Jahren. Mit Boventer, der bis zuletzt in unermüdlicher Schaffenskraft
zeitkritische Bücher und Artikel veröffentlichte, an medienwissenschaftlichen
und politischen Tagungen teilnahm und selbst Bildungstagungen veranstaltete,
verliert die katholische Publizistik eine profilierte Persönlichkeit,
die sich in Wort und Schrift als engagierter, auch streitbarer Anwalt einer
christlich-humanistisch geprägten demokratischen Gesellschaft, einer
ethisch verantworteten Öffentlichkeits- und Medienarbeit sowie einer
konzilsoffenen, Standpunkt beziehenden Kirche äußerte, ob gelegen
oder ungelegen. Am 8. Dezember 1928 in Düsseldorf geboren, durchlebte
Boventer eine bewegte Zeit, angefangen von der Nazidiktatur und den Kriegswirren
über den Neubau einer demokratischen Gesellschaft, einer fortschreitenden
Säkularisierung mit dem "Versanden von Kirchlichkeit" bis hin zur
globalen Kommunikationsgesellschaft. Entscheidend für seine Geistes-
und Lebenshaltung wurde in seiner Studienzeit ein Fulbright Stipendium,
das ihm 1951/52 zu einem einjährigen Amerikaaufenthalt verhalf. Dabei
lernte er vor allem "das starke Gefühl von Freiheit" in der "tiefverwurzelten
Demokratie" der "dynamischen Gesellschaft" Amerikas kennen und schätzen,
so dass er sich selber als "Atlantiker" bezeichnete. Er heiratete in New
York seine Frau Dorothy, dozierte zwei Jahre an einer Universität
in New Yersey und kehrte dann jedoch mit seiner anwachsenden Familie nach
Deutschland zurück. In Düsseldorf begann Hermann Boventer 1957
seine journalistische Laufbahn, zunächst bei der Rheinischen Post,
dann im Jugendhaus Düsseldorf. In der katholischen Jugend verwurzelt,
gründete er Anfang der 60er Jahre, als die Jugend-Illustrierte "Twen"
neue Akzente im Zeitschriftenwesen setzte, eine inhaltlich und grafisch
ebenso modern gestaltete katholische "Illustrierte für junge Erwachsene"
mit dem programmatischen Titel "Kontraste". Nebenher wurde Boventer publizistisch
stark in der Bildungsarbeit tätig und übernahm 1968 eine neue
Aufgabe als Direktor der katholischen Thomas-Morus-Akademie des Erzbistums
Köln in Bensberg. In der Aufbruchszeit nach dem Konzil und der politischen
Umbruchszeit nach dem 68er Studentenaufstand ließ Boventer in der
Akademie die aktuellen Zeit- und Glaubensfragen offen diskutieren und machte
Bensberg neben der Münchener Akademie der bayerischen Bistümer
zu einem Zentrum des christlichen Dialogs in Kirche und Welt. Lange Jahre
war Boventer dann Vorsitzender der Gesellschaft katholischer Publizisten,
förderte die internationalen Kontakte katholischer Journalisten mit
den europäischen Nachbarn, insbesondere Frankreich und Polen, sowie
im Rahmen der Weltunion der katholischen Presse insbesondere mit Amerika.
Sehr früh setzte er sich für die Ausbildung des journalistischen
Nachwuchses in den Bensberger Journalistenkursen ein. Boventer erlebte
einen tiefen Einschnitt und Bruch in seiner Biografie, als es nach der
Zerstörung des Bensberger Akademiegebäudes 1980 zu einem persönlichen
Konflikt mit dem Träger der Akademie kam und er seine Anstellung verlor.
Nur durch zwei Eigeninitiativen gelang es ihm, seinen damaligen "Überlebenskampf"
für sich und seine Familie zu gewinnen. Auf der einen Seite widmete
er sich freiberuflich der Kommunikationswissenschaft, wobei er in seinem
Alter zwar nicht das Ziel einer Professur erreichte, aber in Lehraufträgen
an den Universitäten in München und Bonn Grundlagen der Kommunikationstheorie
und insbesondere sein Lieblingsthema Medienethik behandelte. Dokumentiert
ist diese Arbeit in mehreren Büchern mit kennzeichnenden Titel wie
"Ethik des Journalismus", "Presssefreiheit ist nicht grenzenlos", "Medien
und Moral" und "Medienspektakel". Auch hierbei zeigte sich der starke amerikanische
Einfluss in Medientheorie und -praxis. Nicht zuletzt behandelte er diese
Thematik auch häufiger in "Communicatio Socialis". Seine zweite Initiative
betrifft die Gründung der Thomas-Morus-Gesellschaft, durch die er
Leben und Werk des großen englischen Humanisten und Christen des
16. Jahrhunderts neu entdecken half. Was er an diesem Märtyrer für
Glaubens- und Gewissensfreiheit besonders schätzte, war auch ihm Lebensimpuls:
Freiheit und Festigkeit des Gewissens sowie Zivilcourage in Wort und Tat.
Zivilcourage und geistige Unabhängigkeit hat Boventer immer wieder
bewiesen und dafür persönliche Nachteile in Kauf genommen. Mutig
und unerbittlich kritisiert er Zeiterscheinungen in Gesellschaft und Kirche,
in denen der den Verlust von tragenden Werten und Strukturen zu erkennen
glaubte. Dabei vertrat er seine Auffassungen kompromisslos und oft mit
extremem Beharren auf der eigenen Position, was ihm nicht nur Freunde einbrachte.
Seine persönliche Integrität, seine humanistische Bildung und
seine feste Verwurzelung im Glauben trugen ihm Respekt, Anerkennung und
Dank vieler ein, die ihm persönlich verbunden waren."
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Thomas Morus-Akademie Bensberg
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Gesellschaft Katholischer Publizisten
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Roland
Rosenstock, Medienethik I: Ansätze: Das Prinzip „Verantwortung" als
moralphilosophische Kategorie; oder: Individualethik nach Hermann Boventer
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Pro: Boventer hat die Ethik-Diskussion nach langer Abstinenz in der Mitte
der achtziger Jahre wieder angestoßen. Er wendet sich gegen die Relativierung
gültiger Wertauffassungen in einer pluralistischen Gesellschaft als
Legitimation einer journalistischen Situationsethik, die eine verbindliche
ethische Selbstverflichtung ablehnt und erinnert daran, daß in einem
demokratischem System den Medien Freiräume zur Verfügung gestellt
werden, um eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen. Er fordert neben
einer qualifizierten Ausbildung eine persönliche berufsethische Fundierung.
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Contra: Von systemtheoretischer Seite wird Boventer ein „naiver Berufsrealismus"
vorgeworfen; ihm liege ein idealisiertes Menschenbild zugrunde und er verlasse
sich zu sehr auf personale Tugenden. Ein personenzentrierter Journalismusbegriff
entwerfe allein Sollens-Sätze und werde dem System Journalismus mit
seinen organisatorischen Zwängen, Berufsrollen und Arbeitskonditionen
nicht gerecht. Gerade die Medienunternehmen müßten aber in die
Pflicht genommen werden.
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