Was es mit dem bairischen "Fasching" auf sich
hat?
Die je nach Frühlingsvollmond zwischen 28 und 63 Tage dauernde
Zeit zwischen Epiphanie (6. Januar) und Aschermittwoch (4. Februar bis
10. März), vor allem aber zwischen Lichtmeß (2. Februar) und
Aschermittwoch und insbesondere die Woche vor dem Aschermittwoch, mit dem
dann - ganz im biblischen Sinn (Mt 4,2: Fasten Jesu in der Wüste)
- die vierzig Tage und vierzig Nächte dauernde Fastenzeit vor Ostern
beginnt, wird im größten Teil des Bairischen als "Fasching"
bezeichnet. Dies geschieht im Unterschied zur verwandten "Fastnacht"
bzw. "Fasnacht", ein Begriff der im "Westen" (Alemannischer und ostfränkischer
Sprachraum, Tirol und zum Teil westliches Bayern) gebräuchlicher ist,
und dem sonst üblichen "Karneval". Woher kommen diese begrifflichen
Unterschiede? Und was versteckt sich dahinter an Brauchtumsgeschichte?
Karneval - Fasnacht - Fasching
Das lateinische Stammwort für Karneval lautet "caro" und heißt
übersetzt "Fleisch". Aus dessen Ableitungen "carnislevamen", "carnisprivium",
"carnetollendas" und "carnelevale" bzw. "carne vale" - letzteres bedeutet
so viel wie "Fleisch(eslust) ade!" - hat sich nach der Meinung der meisten
Sprachforscher im Spätmittelalter das Wort "Carneval" entwickelt.
So berichtet uns Benedikt, der Chorherr von St. Peter in Rom und Verfasser
der `Mirabilia Urbis´, in seinen Aufzeichnungen aus dem im Jahre
1142
über vier damals übliche Feste: die "Cornomania" am Sonntag nach
Ostern, die "Ludi Romani communes in Kalendis Ianuarii" am 1. Januar, die
"Ludus carnelevarii" (Karneval) am Sonntag "dimissionis carnium"
(also dem Faschingssonntag) und die "Laudes pueorum in medio Quadragesimae"
(Mittfasten). Der Papst war zumindest bei der "Cornomania", die ebenfalls
von Narren geprägt war, und beim "Ludus carnelevarii" anwesend. Letzteres
bestand aus einem Gelage und aus einem Turnier der römischen Ritter
beim Monte Testaccio. Dann tötete man "einen Bären, den Teufel,
den Versucher unseres Fleisches; man tötete junge Stiere, das heißt
den Übermut unserer Lust, man tötete einen Hahn, die Geilheit
unserer Lenden, damit wir von nun an keusch und nüchtern leben im
Kampf unserer Seele, um an Ostern würdig den Leib unseres Herrn empfangen
zu können." Von Maskerade ist in diesem Bericht für diese Feier
noch nicht die Rede.
In Deutschland ist das Wort "Karneval" bislang erstmals
für das Jahr 1699 belegt. Zu dieser Zeit existierten die Begriffe
"Fasnacht" und "Fasching" schon einige Jahrhunderte im alemannischen bzw.
bairischen Sprachraum und zwar als unmittelbare Übersetzung der lateinischen
Ursprungsbegriffe. Der "deutsche" Begriff Karneval braucht uns also nicht
weiter zu kümmern.
Das Wort "Fasching" geht sprachgeschichtlich auf die mittelhochdeutsche
Prägung "vastschanc" zurück, das bald schon zu "vaschang"
verkürzt worden ist. Das Wort bezeichnete den "Ausschank vor dem
Fasten".
Das Wort "Fas(t)nacht" kommt stattdessen von "vas(t)(en)nacht"
und meinte zunächst allgemein die "Nacht vor dem Fasten".
Fasching und Fastenzeit
Dass diese Worte in engen Zusammenhang mit der von der Kirche eingeführten
Fastenzeit vor dem Osterfest steht, liegt natürlich auf der Hand.
Die Kirche hatte auf dem Konzil von Nicäa 325 ihren Ostertermin
auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt und
Papst
Gregor der Große hat um 600 die vorgelagerte vierzigtätige
Fastenzeit begründet.
Zählt man nun von Ostern aus 40 Tage und 40 Nächte zurück,
ergibt sich als Beginn der Fastenzeit der Dienstag nach dem 6. Sonntag
vor Ostern. Dieser 6. Sonntag vor Ostern erhielt im Hinblick auf
die genannten 40 Tage den Namen "Dominicia Quadragesima" oder "Invocavit"
-
auch "Funkensonntag" genannt. Der Montag nach diesem Sonntag wurde infolgedessen
früher oftmals als eigentliche "Fastnacht" begangen. Und diese
Tradition lässt sich heute noch in Basel und in manchen Gemeinden
des badischen Markgräflerlandes greifen, in denen der Termin der "alten
Fastnacht" nicht aufgegeben wurde.
Das Konzil von Benevent im Jahre 1091 nahm dann, einer Regelung
Papst Gregors des Großen aus dem 7. Jahrhundert folgend, die
Sonntage
als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu von der Fastenzeit aus,
so dass der Beginn der Fastenzeit um 6 Tage vorrückte.
Damit verschob sich auch die Fastnacht nach vorne, die seither dem sogenannten
"Aschermittwoch" vorausgeht.
Im Konzilskanon heißt es ausdrücklich, dass es "kein Laie
nach dem Aschermittwoch wagen solle, Fleisch zu essen". Vielmehr sollten
alle, Kleriker wie Laien, Männer so gut wie Frauen an diesem Tage
die Asche auf ihren Häuptern empfangen. Dieser liturgische Brauch
wird in Bayern liebevoll auch als "Einascherln" bezeichnet und von
ihm hat der Aschermittwoch schließlich auch seinen Namen.
Der 7. Sonntag vor Ostern hieß dann konsequenterweise auch "dominicia
quinquagesima".
Diese "Neuerung" führte allerdings zu einer Unterscheidung zwischen
der "neuen" oder auch "Herrenfastnacht", da die Obrigkeit der Nacht
vor dem Aschermittwoch den Vorzug gab, und der "alten" oder auch "Bauernfastnacht",
da die einfache Bevölkerung noch lange am gewohnten Termin, also am
Sonntag "Invocavit" und dem zugehörigen Montag festhielt.
Da beide Termine an sich auch gleich gut begründet waren, blieben
sie in einzelnen Gebieten jahrhundertelang nebeneinander bestehen. Dabei
ergab sich jedoch die Situation, dass mancherorts noch Fastnacht gefeiert
wurde, als anderswo längst die Fastenzeit begonnen hatte, immerhin
handelt es sich um 6 Tage Unterschied. Die Konkurrenz zwischen den beiden
Terminen wird in zahlreichen Urkunden des 13. bis 16. Jahrhunderts
bezeugt, die "auf den Freitag vor der alten Fastnacht", auf die "rechte"
(d.h. die neue) oder auf die "Pfaffenfastnacht" datiert worden sind. Mit
letzterem Begriff wird darauf angespielt, dass vor allem die "Pfaffen",
vor allem auch die Jesuiten, in Zusammenarbeit mit der Obrigkeit und den
Patriziern diesen Termin durchzusetzen versuchten. (Er meint später
aber auch den Unterschied zwischen der "Pfaffenfastnacht" am Faschingssonntag
und "Laienfastnacht" am Faschingsdienstag.) Noch im 16. Jahrhundert sind
diese Verschiebungen durchaus üblich.
-
So heißt es etwa "(Gegeben) 1260 an dem zistag noch dem
sunnendage in der vasten der do heisset reminiscere, der ist aht tage noch
der groszen vastnaht",
-
oder: "1299 in dem manode Marcio an dem nächsten fritage
vor der altun vastnaht",
-
oder 1330: "sunndags an aller man vaschangtag"
-
"Do man zalte 1334 jor, an der pfaffen vastnaht" usw.
Ende des 14. Jahrhunderts mehren sich die Belege, die auf den neuen Fastnachtstermin
abheben und beispielsweise lauten:
-
"1391 am suntage estomihi vor der fasthenaht." Der "suntage estomihi"
war der 7. Sonntag vor Ostern.
Erst ab dem 16., vor allem im 17. und 18. Jahrhundert bemühte
man sich, um diesem Mißstand der ungleichen Fastnachtstermine abzuhelfen,
verstärkt darum, die Bräuche der alten Fastnacht auf den neuen
Termin vorzuverlegen und den alten ganz zu beseitigen. Zum Beispiel griffen
in Luzern die Jesuiten in diesem Sinn stark in die Brauchgestaltung ein.
Über die Verlegung des Fastnachtstermins berichtet der dortige Stadtschreiber
Renward Cysat: "Anno 1580 ward das vngerympt Wäsen vnd Vmbzug
am Montag nach der allten Fassnacht ..., item ouch vff denselben Sonntag
selbs mit Gastery, Fassnachtfüwr ... abgeschaft, vnd das Fassnachtwäsen
vnd Beschluß der Fassnacht vff den letzten tag der Fassnacht, die
junge Fassnacht genant, gelegt ..." So blieb nur dort, wo sich die
Jesuiten nicht durchsetzen konnten, wie im reformierten Basel mit seiner
katholischen Minderheit, der alte Brauchtermin erhalten.
Waren also die "Funkenfeuer" am heutigen ersten Fastensonntag,
der vor allem im Allgäu aufgrund dieser Feuer auch heute noch "Funkensonntag"
heißt, Bestandteil des Fastnachtsbrauchtums, bildeten sie mit der
Durchsetzung des "rechten" Faschingstermins - außer z.B. in Basel
und Mailand - nur mehr das "Überbleibsel" der "alten" Fastnacht..
Die Funkenfeuer kennt man auch im östlichen Frankreich, in Luxemburg
und Belgien, in der Schweiz, in Vorarlberg und Tirol. Oftmals wird dabei
in Gestalt einer Hexe aus Stroh alles Böse verbrannt.
Als Perikope für den Sonntag vor der von Gregor dem Großen
vorgesehenen, also am heutigen Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit findet
sich bereits in dessen Homilienverzeichnis (um 600) eine Stelle
aus dem 1. Korintherbrief des Apostels Paulus: "Wenn ich mit
Menschen und mit Engelszungen redete, ohne Liebe zu haben, so wäre
ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle". Bei Papst Gregor
dürfte dies keinen bloßen Zufall darstellen, trifft es sich
zeitlich mit den damals in Rom schon gängigen Masken- und Schellenbräuchen.
Auch in der Perikopenliste des heiligen Burckhardt von Würzburg
(gest. 753), im Evangelienverzeichnis der Pfalzkapelle zu Aachen
und noch öfter findet sich für diesen Sonntag vor der bzw. zum
Teil noch gut eine Woche vor der Fastenzeit die besagte Stelle.
Römisch-heidnische Ursprünge
Die römische Kirche legte also Fastenzeiten vor Weihnachten (Advent)
und vor Ostern um ein schon bestehendes Brauchtum zu begrenzen. Dieses
"heidnische" Brauchtum hat seinen Ursprung :
-
in den "Saturnalien" (17.-23. Dezember, später im 5. Jahrhundert
nach Christus "Feriae servorum"), dem römischen Fest zu Ehren des
Saat- und Fruchtbarkeits-Gottes Saturn.Schon bei den Saturnalien wurden
alle Standesunterschiede aufgehoben, die getragenen Masken machten ebenbürtig,
ja sie verkehrte sogar die Standes- und Rangdifferenzen oftmals in ihr
Gegenteil, das heißt die Herren wurden zu Dienern und bedienten ihre
Bediensteten. Bei den im Rahmen dieser Feste veranstalteten Umzügen
wurden als Schiffe dekorierte Wagen mit Götterbildern mitgeführt,
was nach einigen Sprachforschern eine andere Ableitung des Wortes "Karneval"
für möglich erscheinen lässt, nämlich von "carrus navalis",
was soviel wie Schiffswagen bedeutet. Diese Ableitung ist allerdings wenig
glaubwürdig, da den Schiffswagen keine solch zentrale Bedeutung bei
den Festfeiern zukam. Es wurden Festgelage abgehalten und durch Würfeln
wurde ein rex bibendi, ein Trinkkönig, ein Saturnalienkönig gewählt;
er hatte die Aufgabe, durch sinnlose Anordnungen für Heiterkeit zu
sorgen. Auch Geschenke wurden verteilt. Das Saturnalienfest, ursprünglich
auf den 17. Dezember fixiert, dehnte sich von dort immer mehr zur Wintersonnenwende
hin aus; man feierte drei, fünf, ja sieben Tage lang, wobei unter
Kaiser Augustus drei, später fünf Tage offiziell anerkannt waren.
Später wurde die Begriff "Saturnalien" bzw. "feriae servorum" (Slavenfest)
überlagert vom Begriff "Brumalia", der allgemein die Zeit des Wintersonnwendfestes
bezeichnete.
-
in den "Bacchanalien", dem römischen Fest zu Ehren des Wein-Gottes
Bacchus;
-
in den "Lupercalien" (15.-21. Februar), dem römischen Fest
zu Ehren des Natur-Gottes Lupercus, der als Wolfswesen und damit als Wolfsabwehrer
verehrt wurde. Die Luperkalien waren daher geprägt von den Luperci,
den Wolfsmännern oder Wolfsabwehrern, die nur mit einem Schutz aus
Ziegenfell bekleidet waren, einen Bock schlachteten, mit Messer, Blut und
Milch ein Ritual an zwei jungen Männern zu vollziehen hatten und zum
Abschluß dieses Vorgangs laut zu lachen hatten. Dann wurde das Bocksfell
in Riemen zerschnitten, und die Wolfsmänner liefen damit umher und
versetzten jedem, der ihnen begegnete, ein paar kräftige Schläge
- zumal die jungen Frauen, versichern die Quellen, hätten sich willig
schlagen lassen, wie uns von W. Eisenhut berichtet wird. Alle diese Feste
verbreiteten sich, wohin immer die Römer kamen, und zumal die Truppen
waren, auch wenn bislang nur Ähnlichkiten, aber keine unmittelbaren
Kontinuitäten zwischen diesen antik-römischen und den mittelalterlichen
Karnevalsbräuchen belegen lassen.
-
in den "Antecineralien"
-
Auch das Neujahrfest zunächst an den Kalenden des März
(1. März), später an den Kalenden des Januars (1. Januar) hatte
mit seinem Brauchtum dazu beigetragen, dass der gesamten Zeitraum von Mitte
Dezember bis Anfang März zur ausgelassenen Feier wurde. Auch die "Kalendae
Ianuariae" boten Stieropfer, Militärparaden und Maskenzüge, ausgelassene
Gelage und Geschenke.
Die Kernaussage dieser römisch-heidnischen "Masken"-Festlichkeiten
konnte relativ leicht christlich umgeformt werden. Auch konnte die Kirche
auf diese Weise eine Fastnachtsfeier gutheißen, die den Gläubigen
einerseits den Eintritt in die Fastenzeit erleichtern, zugleich aber auch
den Gläubigen eine Alternative im Leben deutlich machen konnte. Die
Feiern führten die abgelehnte Lebensform in der von Begierden bestimmten
Gemeinschaft "Babylons" anschaulich vor, während mit Beginn
der Fastenzeit man sich nach "Jerusalem" hinwandte.
Die Faschingstage
Das feste Ende der nunmehr also römisch-christlichen Bräuche
hatte freilich eine Folge, mit der die kirchliche und staatliche Obrigkeit
zunächst nicht gerechnet hatte. Sie rief die Bürger quasi erst
Recht dazu auf, die letzten Tage vor der Fastenzeit besonders intensiv
zu nutzen.
Faschings-Donnerstag
Zunächst begann man die Faschingszeit - wohl auch aus theologischen
Gründen, nämlich in Analogie zum Gründonnerstag als
Tag der "Wiederaufnahme der Gefallenen" - bis auf den Donnerstag vor
Aschermittwoch auszudehnen. Vielerorts werden an diesem Tag auch heute
noch Narrenreiche errichtet, die mit dem Fastnachtsdienstag wieder
verschwinden. An diesem Tag beginnen also allerorten die Narreteien. Er
heißt deshalb auch "unsinniger" oder "unseliger Donnerstag"
und wird gelegentlich - unter Verwendung des mittelhochdeutschen Wortes
"gumpeln" für das Possenreißen bzw. "gumpen" für Hüpfen,
Springen - auch als "gumpata", "gumpeliger" oder "gumpiger Donnerstag"
bzw. im Bairischen "Pfin(g)sta" bezeichnet. (Da im Rheinland an diesem
Tag auch vielerorts die "Weiberfastnacht" stattfand, bürgerte
sich dort auch dieser Begriff für den ganzen Tag ein.) Dieser Donnerstag
heißt im südwestdeutschen Raum zumeist "schmutziger Donnerstag",
was sich nicht von "Schmutz", sondern von "Schmotz" herleitet, was soviel
wie Schmalz bedeutete und sich auf die fetten oder fettgebackenen
Speisen bezieht, die man an diesem Tag zu essen pflegt. Von daher hat sich
in anderen Landschaften auch der Name "fetter" oder "feister" Donnerstag
gehalten.
Franziska Hager weiß zu berichten: "Wir wissen auch noch,
was es mit dem `Unsinnigen Pfingsta´ für eine Bedeutung hat.
... An diesem unsinnigen Pfingsta, den sie auch den `gumpaten Donnerstag´
nannten (gumpen = hupfen, springen), schlüpften die Dörfer in
die Masken. Alt und jung ging Maschkera. Der Hanswurscht im Flecklgewand
und mit der Saubladern am Stecken, war bei den Kindern `Moar´. Die
Leute gingen als Einsiedler, Mausfallenhändler, Bärentreiber,
andere kamen auf Stelzen. Es gab ein Wursthupfats, ein Sackhupfats, Schubkarrenrennen
und das Ziegeltragen. Die fünf Finger der rechten Hand hielten den
sechs Pfund schweren Stein, der nach unten hing. So musste die Rennbahn
durchlaufen werden. Das war die Bedingung für den Glückslauf,
den meist eine Stalldirn oder ein Senn gewannen, denn sie hatten vom Melken
das meiste `Schmalz´ in den Fingern.
Am Unsinnigen Pfinsta war das `Fleischstehlen´ erlaubt. Fleisch
gab es bei den meisten Bauern nur an Sonn- und Feiertagen. Fleisch war
in einer Weise begehrt, wie wir es uns, die wir an seinen täglichen
Genuß gewöhnt sind, nicht mehr vorzustellen vermögen. `A
Unsinniga hat mir mei Fleisch gstohln!´ lamentierte an dem Donnerstag
manche Bäuerin." (Hager, Franziska/Heyn, Hans: Drudenhax und Allelujawasser.
Volksbrauch im Jahreslauf, Rosenheim, S. 135). Und für Partenkirchen
schreibt Paul Ernst Rattelmüller: "So richtig geht es aber erst
am unsinnigen Donnerstag los, das ist der Donnerstag vor dem Aschermittwoch.
Er ist besonders interessant in Mittenwald; dort gibt es nämlich das
Schellenrühren, das allerdings nur stattfindet, wenn der unsinnige
Donnerstag nicht auf den Agathentag fällt, auf den 5. Februar. Sonst
wird es auf den Faschingssonntag verschoben. Zweimal, so erzählt man
sich, wären die Mittenwalder Schellenrühren gegangen, als der
unsinnige Donnerstag am Agathentag war, und zweimal sei an diesem Tag ein
Feuer ausgebrochen. Ein großes Feuer, das gleich ein ganzes Viertel
von Mittenwald in Schutt und Asche gelegt hat. ..." (Rattelmüller,
Paul Ernst: Ein bairisch Jahr, München 1962, S. 24 ff.). Ähnliches
berichtet Rattelmüller auch für Partenkirchen.
Faschingsfreitag:
Der Freitag in der Fastnacht, der nur vereinzelt bräuchlich begangen
wird, weil nach vielen örtlichen Verboten seit dem 15. Jahrhundert
(z.B. 1475 in München) sogar ein Edikt des Papstes Benedikt XIV. von
1748 eine Brauchübung an diesem Tage untersagte, trägt gelegentlich
den Namen "beramiger", "bromiger" oder "Beramfreitag". Dieses Wort
beruht auf dem mittelhochdeutschen Substantiv "râm", das "Ruß"
bedeutet. Tatsächlich wird er vielerorts eben auch "rußiger
Freitag" genannt. Das Verbot konnte sich aber nie ganz durchsetzen.
So berichtet uns noch Josef Schlicht 1877: "Der rußige Freitag
(Freitag vor dem Faschingssonntag) bringt einen kernigen Hausjux ins Land.
Nämlich, wer an diesem Tag in eine fremde ilmländische Stube
tritt, ohne wohl auf seiner Hut zu sein, dem wird jählings eine Handvoll
Pfannenruß auf die Backe gestrichen. Selbst die Mutter tut´s,
besonders gern führt aber die erwachsene Tochter den Schabernack auf;
indes die alleremsigsten in dem Stück sind natürlich die Wirtsdianln.
Jede hat am rußigen Freitag eine schwarze Hand. Und sowie ein Bursch
die Türschnalle Drückt, um in die Zechstube zu treten, im Pfennigsagen
(so schnell) sitzt ihm auch von rückwärts angeflogen ein possierlicher
Rußfleck im Gesicht. Den Gipfel, wenn der biedere Bursch in der Zipfelhaube,
ohne es zu ahnen, seine angehexte, schwarze, neckende Liebesschmarre hinter
der Nase nicht nur den ganzen Zechabend führt, sondern auch noch nach
Hause trägt." (vgl. Schlicht, Josef: Blauweiss in Schimpf und
Ehr, Lust und Leid (1877), Rosenheim (3)1991, S. 52). Nach Franziska Hager
kam der Brauch aber dann doch immer mehr ab, so dass er Mitte der zwanziger
Jahre kaum mehr geübt wurde (Hager/Heyn, a.a.O., S. 135 f.)
Faschingssamstag
Ähnliches wie für den Faschingsdonnerstag gilt auch für
den Samstag, der vielerorts als "schmalziger" oder "Schmalzsamstag"
bekannt ist, weil an ihm die Schmalzküchlein, also die "Fastnachtskrapfen"
gebacken wurden. Dieser Begriff ist schon 1462 für Augsburg und
1643 für Ulm belegt.
Faschingssonntag
In der Gegend um Augsburg und Ulm findet sich dann auch für den
Sonntag der Begriff "Küchlesonntag".
Faschingsmontag
Der Montag dagegen war in Süddeutschland bis ins 20. Jahrhundert
nie ein besonderer Tag. Und selbst der "Rosenmontag" im Rheinland
erhielt seinen Namen erst nach 1824, weil das Komitee, das seit
1824 die Umzüge des Kölner Karnevals vorbereitet, am Sonntag
Laetare (Mittfasten) bzw. dem ihm folgenden Montag seine Generalversammlung
abhielt. Und da dieser Sonntag Laetare seit dem 11. Jahrhundert "Rosensonntag"
hieß, weil an diesem Tag der Papst mit einer goldenen Rose in der
Hand auf den Altan des Laternpalastes trat, um durch sie, das Sinnbild
Chrsiti in seiner Passion, auf die am darauffolgenden Sonntag anhebende
Leidenswoche und das Auferstehungsfest vorauszuweisen, nannte sich das
Komittee "Rosenmontagsgesellschaft". Von dieser Gesellschaft aus
übertrug sich nach 1830 der Begriff "Rosenmontag" auf den Montag,
an dem die von der Gesellschaft vorbereiteten Umzüge stattfanden.
Die ältere Bezeichnungen für diesen Montag sind daher auch "guter"
oder "blauer" Montag, wohl weil am Nachmittag dieses Tages nicht gearbeitet
wurde, im bairisch-fränkischen Raum seit dem 15. Jahrhundert aber
auch "geiler Montag", was damals noch nichts anderes als "fröhlich"
und "übermütig" bedeutete und nur am Rande auf sexuelle Freizügigkeit
abhob.
Faschingsdienstag
Der Faschingsdienstag wird regelmäßig als "Narrenfastnacht"
bezeichnet, weil bei ihm von alters her besonders viele Narren auf den
Straßen ihr Unwesen trieben, wie gesehen als "Laienfastnacht",
analog zum Faschingsdonnerstag auch als "unsinniger Dienstag", im
Unterschied zur "falschen" am Montag nach Quadragesima auch "rechte Fastnacht"
bezeichnet. Auf dem Lande hieß dieser Tag vereinzelt auch "Schnitzdienstag",
weil das bäuerliche Hauptgericht an diesem Tag aus gedörrten
Birnenschnitzen und Speck bestand.
Schließlich wurde in der Regel am Faschingdienstag auch die Faschingszeit
beendet. Nur mancherorts führte man die Begräbniszeremonien für
die Fastnacht erst am Aschermittwoch durch, was von der Geistlichkeit sehr
kritisch betrachtet wurde. Im besagten Edikt des Papstes Benedikt XIV.
von 1748 wird auch darauf Bezug genommen: Es sei unerträglich,
dass hin und wieder Gläubige am Aschermittwoch in ihren Fastnachtskleidern,
nur mit einem Überwurf angetan, das Aschenkreuz empfingen und anschließend
zu Bett gingen, um erst einmal den Rausch des letzten Fastnachtstages auszuschlafen.
Der
Aschermittwoch sei gewissermaßen das Tor zum Fasten, und wer den
Eingang entweihe, sei nicht würdig, das Heiligtum zu betreten. Dass
jemand in Karnevalskleidern zum Altar gehe, widerstreite der schuldigen
Ehre der Kirche. (Vgl. dazu auch Rattelmüller, Paul Ernst: Ein
bairisch Jahr, München 1962)
Versuche der Ausdehnung nach vorne und hinten
Es wurde wieder und wieder versucht, die "fetten" bzw. "tollen" Tage
noch weiter auszudehnen. Noch im 18. Jahrhundert versuchte man zum Beispiel
in Venedig, den Beginn des Karnevals soweit vorzuziehen, dass die Maskenherrschaft
schließlich von Anfang Oktober bis Aschermittwoch mehr als fünf
Monate betrug, nur unterbrochen von der Advents- und Weihnachtszeit. Und
ähnliches dürfte hinter dem Ausspruch von Grimmelshausen stehen,
der darauf verwies, dass das "biß Faßnacht währende
Fressen und Saufen bei uns Teutschen um Martini einfällt". Tatsächlich
war der Martinitag, der "Fasching" der Adventszeit, solange die Adventszeit
als Fastenzeit gehalten wurde. So kommt es auch nicht von ungefähr,
dass der Martingstag, der 11. November, als Beginn des Faschings gehandelt
wird, zumal er sich für die Schnapszahl 11.11. um 11.11 Uhr eignet.
Allerdings gilt dies eben nur, wenn man die Adventszeit nicht als allzu
strenge Fastenzeit nimmt, was bereits im 18. Jahrhundert immer mehr der
Fall gewesen zu sein scheint.
Aber auch der Aschermittwoch als strenge Scheidelinie zwischen Faschings-
und Fastenzeit wird immer wieder einmal zu durchbrechen versucht. Als 1978
die Fastnacht sehr früh einfiel, so dass die Zeit für die zwischen
Epiphanie und Aschermittwoch üblichen Tanzveranstaltungen nicht ausreichte,
entschloß sich die Direktion des "Bayerischen Hofes" in München,
etwa 20 Bälle, darunter den "Magnolienball" der Deutsch-Amerikanischen
Gesellschaft, den Ball der Österreichisch-Bayerischen Gesellschaft
sowie die närrischen Feste der Metzger, Zahnmediziner und einiger
Großbetriebe, unter Beibehaltung der Faschingsdekoration in die Fastenzeit
hinein fortzuführen. Dieses Vorhaben wurde sofort vom Erzbischöflichen
Ordinariat als "reichlich närrisch" und "außerordentlich bedauerlich"
beanstandet. Prälat Anton Maier trat in einer Presseerklärung
entschlossen gegen eine Verlängerung des Faschings ein. Der Aschermittwoch
sei nicht nur die geistliche Grenze des Faschings, er gebe ihm vielmehr
erst seinen Sinn. Den Fasching über diesen Tag hinaus zu verlängern,
würde bedeuten, ihn aus seinem traditionellen und kulturellen Rahmen
herauszunehmen. Deutlicher noch hob an Fastnacht 1978 selbst der damalige
Münchener Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger hervor, der Fasching
sei zwar kein kirchliches Fest im engeren Sinn, "aber doch nicht ohne
den Festkalender der Kirche zu denken". Der Mensch bedürfe des
"Wissens um den Rhythmus der Zeit", in dem alles seinen Platz habe, das
Sinnliche wie das Geistige. Es sei daher "töricht", den Fasching verlängern
zu wollen, "wenn Geschäfte und Terminkalender dazu raten", weil auch
der Fasching durch die Herausnahme aus dem Jahreslauf seinen eigentlichen
Sinn verliere. Ähnlich hartnäckig wie die Narren versuchte also
die Kirche diesem Ansinnen nach "Verlängerung" immer wieder entgegenzusteuern.
Die Kirche schwankte also in Bezug auf die Faschingsbräuche ständig
zwischen Zustimmung und Ablehnung, Verständnis und Begrenzung.
Germanisch-keltische Wurzeln des Faschingsbrauchtums
Auch in Deutschland war schon lange ein auf die Bändigung
(Bräuche zur Wintersonnenwende) und schließlich Austreibung
des Winters und das Wiedererstehen der Fruchtbarkeit bezogenes Brauchtum
vorhanden. Ob und wie ähnlich es dem römischen Brauchtum war
und inwieweit der härtere Winter nördlich der Alpen zunächst
völlig eigenständige Bräuche entwickelt hatte, ist schwer
zu entscheiden. Sicher gilt, dass Ähnlichkeiten allein zwischen römischen
Festen und heutigen Faschingsbräuchen kein zuverlässiger Wegweiser
sind. Eine Beeinflussung ist anzunehmen, muss aber immer zusammengedacht
werden mit der Möglichkeit, dass mehrerenorts gleiche Bräuche
entstanden sind, es sich also um "archetypische Erscheinungen" (Fuhrmann)
handelt.
Zweifellos aber aber wurde das Brauchtum nördlich der Alpen mit
der römischen Besatzung (Rhein, Schwäbisch-Alemannien, Bayern
und Österreich), dem Vordringen der Germanen bis nach Rom (568) und
der allmählichen Einführung des Christentums und seiner Feste
durch
das römisch-christliche Brauchtum überformt. Und in diesem
christlich-römisch überformten keltischen, germanischen, alemannischen,
fränkischen und nicht zuletzt bairischen Brauchtum wurzeln dann eben
auch die Begriffe "Fasching" und "Fasnacht".
Warum sagen aber nun die einen Fastnacht und die anderen
Fasching?
Vom "Fasching" zur "Fasnacht" und zurück
Der Sprachforscher Peter Wiesinger hat aus bestehenden Sammlungen und
eigenen Recherchen für die Zeit des ausgehenden 13. bis endenden 15.
Jahrhunderts 605 Belege für die Worte "Fasching" und "Fasnacht" aus
145 genannten oder erschlossenen Orten ermittelt und ausgewertet und dabei
interessante Ergebnisse zu Tage gefördert.
Im Westen Deutschlands hat sich auf kirchlichen Gütern im
12. Jahrhundert vor dem Aschermittwoch, also am Dienstag, eine nächtliche
Feier eingebürgert, die allmählich ausgebaut wurde. Vor allem
in den Klöstern wurden die Bediensteten reichlich bewirtet und beschenkt,
ehe dann bald die Städte diesen Brauch aufgriffen und dort zum Beispiel
die Ratsherren üppige Mähler abhielten. Man wollte vor der mit
dem Aschermittwoch anbrechenden Fastenzeit sich und seine Bediensteten
noch einmal kräftig stärken.
-
Im "Dialogus miraculorum" des Caesarius von Heisterbach (um 1170-1240)
ist von einem Scharfrichter in Koblenz die Rede, der mit seinen Genossen
die Fastnachtsdienstagsnacht in wüstem Gelage verbrachte, gleichsam
um sein Fleisch abzuwaschen. Dieser Brauch wurde mit dem im alemannischen
und ostfränkischen Sprachraum heute noch üblichen Bezeichnung
"Fas(t)nacht" belegt.
-
Der Begriff ist ebenfalls erstmals zu Beginn des 13. Jahrhunderts bei Wolfram
von Eschenbach (um 1206) in dessen "Parzival" (8. Buch, 409,
9) nachweisbar. Das "an der vasnaht" bezieht sich dort auf einen
Brauch in Dollnstein bei Eichstätt im nordbairischen Grenzgebiet.
Es ist zugleich der erste Beleg für eine eigene "Weiberfastnacht".
Denn Wolfram von Eschenbach berichtet davon, dass die Kaufmannsfrauen von
Dollnstein im Tal der fränkischen Altmühl zur Fastnachtszeit
Turniere aufführten, bei denen es hitzig zugegangen zu sein scheint,
obwohl sie der reinen Lustbarkeit dienten.
Als sich diese Bräuche bald weiter nach Osten ausdehnte, begann
der Begriff "Fastnacht" (vasnaht, vahstnacht, vastenaht) mit dem dort bodenständigen,
bairischen Begriff "Fasching" (vaschang) zu konkurrieren und sich allmählich
durchzusetzen.
Diesen Verdrängungsprozeß glaubt Wiesinger vor allem
anhand einer Pfründe-Ordnung des Benediktinerklosters Geisenfeld bei
Pfaffenhofen aus dem Ende des 13. Jahrhunderts und ihrer Übersetzung
nachweisen zu können. Denn in dieser lateinisch abgefaßten Pfründe-Ordnung
wird der Anspruch der Klosterbediensteten auf Fleisch, das sog. "carnisprivium",
zunächst mit der Erklärung versehen: "ius quod dicitur vaschanc"
- "das Recht, das `vaschanc´ genannt wird". In der bald darauf erfolgten
deutschen Übersetzung derselben Handschrift heißt es an derselben
Stelle ebenfalls noch "vaschang". An fünf zeitlich späteren Stellen
wird "carnisprivium" dann aber bereits mit "vasnaht" übersetzt. Die
weiteren Belege aus dieser frühen Zeit zeigen, dass dieser Prozeß
im oberbayerischen Westen (Mittelbairisch) und am Südwestrand des
Nordbairischen wohl das ganze 13. Jahrhundert hindurch vollzogen hat, im
Südbairischen von Tirol und Südtirol dagegen erst im ersten Viertel
des 14. Jahrhunderts.
Während also zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Nordbairischen und
oberbayerischen Westen, in Tirol und Südtirol schon überwiegend
von der "Fastnacht" die Rede war, konnte sich im östlichen Oberbayern,
in Niederbayern, in Salzburg, Ober- und Niederösterreich der "Fasching"
neben der "Fastnacht" halten, ja zum großen Teil überwog das
Wort "Fasching" sogar noch. Die Wort-Grenze verlief leicht westlich von
Kufstein, Rosenheim, Landshut und Regensburg. Auch für den Chiemgau
ist das Wort "vaschang" in dieser Zeit einmal belegt.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts setzt sich die "Fasnacht" dann auch in
Niederbayern und im östlichen Oberbayern durch und greift dann über
Oberösterreich bis nach Niederösterreich aus.
Ende des 14. Jahrhunderts kommt es aufgrund dieses Schwankens
- belegbar für Vilshofen und Wels - zur sprachlichen Auseinandersetzung
und Vermischung in Wortbildungen wie "vaschnacht" aus "vasch(-ang)"
und "(vas-)nacht". Insgesamt kann man für das beginnende 15. Jahrhundert
sagen, dass in ganz Bayern das Wort "Fastnacht" und nur noch in Salzburg,
Ober- und Niederösterreich das Wort "Fasching" überwog.
Ganz verdrängen konnte aber die schwäbisch-alemannische "Fastnacht"
den bairischen "Fasching" nie. So gibt es im 16. und 17. Jahrhundert Belege
für das Wort "faschang" in Landshut, Straubing, Wasserburg am Inn,
Laufen und Burghausen, wobei zumindest in letzteren beiden Orten die Bezeichnung
"Fastnacht" wesentlich häufiger vorkommt. In den Klosterrechnungen
von Berchtesgaden stehen noch 1717 "Fastnacht" und "Faschinglohn" nebeneinander.
Im mittelbairischen Osten von Niederösterreich und in der Bauernschaft
von Südmähren konnte sich dagegen die "Fastnacht" nie durchsetzen.
Es existiert in Wien für "Fastnacht" nur eine einzige Belegung von
1404 und im Urbar von Nikolsburg (Südmähren) findet sich aus
der Perspektive der Bauern für die zu leistenden Abgaben stets "vaschanghwner",
während der vom Grundherrn festgelegte Termin fast ausschließlich
als "vase(n)nacht" bezeichnet wird. Dies weist auf eine zweite Tendenz
hin. Insgesamt gilt nämlich auch, dass die Oberschichten den Begriff
"Fastnacht", die Unterschichten dagegen den Begriff "Fasching"
bevorzugten.
Von Wien aus begann schließlich der umgekehrte Prozeß,
der dazu führte, dass wir in Altbayern heute wieder mehrheitlich von
Fasching sprechen. Denn das im Osten erhalten gebliebene Wort "Fasching"
wurde dort nun mit einem neuen, brauchtumsbezogenen Inhalt versehen. In
Wien wandte sich nämlich Kaiser Leopold I. nach der Türkenbelagerung
von 1683 zur Wahrung von Ordnung und Sicherheit gegen den bis dahin üblichen
Mummenschanz und das ausgelassene Treiben auf den Straßen und verbannte
sie in Lokale und Säle. Dies führte bald zur Entwicklung
der Wiener Bälle (Faschings-Bälle), die dann im frühen
18. Jahrhundert allseits lebhaften Zuspruch fanden und in allen Sozialschichten
vom Adel bis zu den Kleinbürgern veranstaltet wurden. Das neue Tanzbrauchtum
wurde dann sehr schnell in anderen österreichischen und bayerischen
Städten aufgegriffen und auch die ersten Bauernfaschingsbälle
finden sich. Und im Nu wurde in den östlichen bayerischen Städten
das Wort "Fasnacht" fallen gelassen, und das vor allem auf dem Land nie
ganz aufgegebene "Fasching" kam zu neuen Ehren. Auch die bayerische Haupt-
und Königsstadt München griff den "Fasching" auf. Das ganze 19.
Jahrhundert hindurch vollzog sich dieser Ablöseprozeß. Bis zum
Ende des Ersten Weltkriegs war er so weit fortgeschritten, dass sich vor
allem um München und im westböhmischen Egerland das Wort "Fasnacht"
so gut wie überhaupt nicht mehr belegen lässt. Um 1935 stellten
dann Sprachforscher fest, dass sich das Wort "Fasching" in Bayern gänzlich
durchgesetzt habe und von "Fasnacht" kaum mehr die Rede ist.
Heute im Zeitalter der Medien und der durch sie ausgelösten Begriffseinebnung
und -individualisierung löst sich dieser Begriffsunterschied jedoch
aus anderen Gründen allmählich wieder auf. Jeder gebraucht das
Wort, das ihm am Besten "gefällt".
Der Unterschied zwischen Fastnachts- und Faschingsbrauchtum
Aus diesen sprachgeschichtlichen Ergebnissen lässt sich nun aber
folgern, dass sich das schwäbisch-alemannische Fastnachtsbrauchtum
vom bairischen Faschingsbrauchtum inhaltlich unterschieden haben muss.
Das in den "Osten" transportierte "Fastnachts"-Brauchtum bestand
zunächst wesentlich aus dem von der Kirche unterstützten "Gelage"
in der Nacht vor dem Aschermittwoch, das sich dann allmählich auf
die benannten sechs Tage davor ausdehnte und mit allerlei öffentlichem
Treiben verband.
In München ist für den Adel seit dem 14. Jahrhundert belegt,
dass Gelage und Tanz abgehalten wurden.
-
Vereinzelt gab es aber auch schon einige Tanzveranstaltungen, an denen
auch die Bürger teilnehmen konnten. 1410 wurde sogar ein eigenes Tanzhaus
errichtet.
-
Aus dem Jahr 1459 existiert eine Urkunde, die den Bürgern erlaubt,
in den letzten Faschingstagen Masken zu tragen.
-
Ein Gesetz von 1475 untersagte nicht nur das Anschmieren mit Ruß
vor allem am Freitag, sondern auch Spiel und Tanz, was allerdings erfahrungsgemäß
nur schwer durchzusetzen gewesen sein konnte.
-
In Wasserburg am Inn wurden 1581 die Metzger an Fastnacht belohnt, "so
sy den Ochsen einschlugen". Dies beruht auf den weitverbreiteten Brauch,
dass gelegentlich ein Fastnachtsochse umgeführt wurde, der dann durch
den "Schlächter" getötet wurde. Andernorst handelte es sich dabei
auch um Bären, Hähne und schließt damit an der bereits
erwähnten Bericht über das "Ludus carnelevarii" aus dem 12. Jahrhundert
an.
Beim "Fastschank" ist dem Namen nach eher ist vom Namen her eher
an ein Trinkbrauchtum zu denken, das im bairischen Raum vorherrschte
um sich auf das Fasten vorzubereiten. Woran ist dabei zu denken?
Das von einzelnen Klosterbrauereien speziell in der Fastenzeit ausgeschenkte
Starkbier stellte keinen Verstoß gegen die Fastenordnung dar, denn
nach einer alten klösterlichen Regel "bricht Flüssiges das Fasten
nicht". Es war als Stärkung für den durch das Fasten geschwächten
Körper erlaubt. Von daher darf darauf geschlosssen werden, dass eben
mit den Tagen vor dem Fasten der Ausschank des sättigerenden Starkbiers
begonnen wurde.
Die Haltung der Kirche zum Faschingsbrauchtum in der
Neuzeit
Immer wieder versuchte die Kirche das Brauchtum der Vorfastenzeit zu
kritisieren, aber auch zu deuten. Vor allem im 15. Jahrhundert begann die
Kirche damit, den moralischen Zeigefinger gegen das tolle Treiben zu erheben,
was die Feiernden jedoch nur noch anspornte: Immer phantasiereicher wurden
Masken und Bräuche, die eine gewisse Lust am Bösen und den Spaß
an der fastnachtlichen Verkehrung der Welt spiegelten. So verlegte man
sich stärker auf die Deutung.
-
Um 1500 schrieb ein flämischer Humanist seine Narrenbücher und
deutet darin "Eva als Urmutter aller Narrheit".
-
Ähnliches findet sich im Großbaseler Totentanz und in Sebastian
Brants "Narrenschiff".
-
Seit dem 16. Jahrhundert findet sich an jesuitischen Bildungseinrichtungen
der Brauch, einen "Muftik-Rex", ein "König des Karnevals" mit souveräner
Gewalt für die Fastnachtstage einzurichten. Die Herrschaft dieses
Königs umfaßte die Loswahl, die Huldigung, die Inthronisation
und verschiedene Bankette, ferner Rügegerichte, Ausfahrten und darmatische
Fastnachtsspiele. In einer Abschiedrede wurde dann den Kollegiaten der
Sinn des Ganzen erklärt. Am letzten Fastnachtsabend nämlich erschien
der König mit seinem Gefolge auf der Bühne des Kollegsaales und
hielt eine Ansprache, in der er darauf hinwies, dass das von ihm vertretene
Reich "dieser Welt" nur kurz und vergänglich sei. Dann legte er die
königlichen Insignien unter bestimmten Bemerkungen über die Nichtigkeit
aller irdischen Herrlichkeit nacheinander ab und trat wieder in den Kreis
seiner Gefährten zurück.
-
Im Kunsthistorischen Museum in Wien hängt ein Bild, das nichts anderes
sagen will: "Kampf zwischen Fastnacht und Fasten", 1559 gemalt von Pieter
Bruegel.
-
Abraham A Santa Clara (eigentlich Johann Ulrich Megerle, 1644-1798), Kanzelredner
und Volksschriftsteller, predigte zu den Fastnachts-Narren: "Der erste
Larventräger, der erste vermummte Narr, ist ohne allen Zweifel der
leidige Teufel, welcher unter der Gestalt der listigen und falschen Schlange
unsere erste Mutter Eva und also all ihre Kinder in das ewige Verderben
geführt hat." In Reimform fügt er hinzu: "Ihr Fastnachts-Narren
groß und klein, Ihr seyd ja mit Verstand geboren, macht Euch doch
selbsten nicht zu Thoren. Wer hier verscherzt die Gnaden-Zeit, lebt nur
in Wollust, Schmerz und Freud, der bleibt ein Thor in Ewigkeit."
-
1775 organisierten im Schwarzwaldstädtchen Villingen Studenten des
Benediktiner-Gymnasiums den ersten großen närrischen Umzug -
unter dem Motto: `Die Torheit der Welt, des Fleisches und des Teufels in
ihren schlimmen Folgen zur heilsamen Mahnung". (Dort wurde auch 1924 die
heutige "Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte" gegründet,
die sich zum Ziel setzte, die historische Substanz der Fasnet zu bewahren
und die moderne Entwicklung verantwortungsvoll zu steuern.)
-
Fastnachts-Reformatoren am Rhein, die 1823 in Köln und 1838 in Mainz
dem Fest eine neue Grundlage gaben, nutzten die ersten Züge zu moralischen
Appellen. So führten die Mainzer 1842 bei ihrem Rosenmontagszug den
"Hochmutsteufel auf Stelzen" vor und den "Kastengeist".
So heißt es aus wissenschaftlicher Sicht: "Das Thema der Fastnacht
lautet `Gegenwelt´, und es ist zu beachten, dass diese Gegenwelt
tendentiell negativ konnotiert ist und vom Charakter der Vergänglichkeit
geprägt wird."
Gecken-, Narren- und Faschingsorden und -gesellschaften
Der älteste deutsche Geckenorden ist die "Narrenzunft von Stockach"
gewesen. Der Hofnarr Albrechts I. (Nachfolger Rudolfs von Habsburg) war
ihr Gründer.
Recht exklusiv war die Geckengesellschaft zu Kleve, die am Kunibertitage
1381
vom Grafen Adolf von Kleve gegründet wurde.
Quellen und Literatur
Quellen:
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das damals die Saturnalien etwas zurückgedrängt und deren Bräuche
übernommen hatte.
-
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-
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-
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-
Des hochwürdigen doctor keiserpergs narrenschiff so er gepredigt hat
zou straßburg in der hohen stifft daselbst ... Vnd vß latin
in tütsch bracht/darin vil weißheit ist zou lernen vnd leert
auch die narrenschel hinwegk werffen (), Straßburg (Johannes Grieninger)
1520
-
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Rasen etc. nichts anders als eine Heidnische und schändliche Anbetung
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Fastnacht. Liturgische Zeit - Christliches Fest. Grundsätzliches am
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Germanicum in Rom und seine Parallelen. Ein Beitrag zur Geschichte der
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Von Teufeln und Hexen, Prinzen, Narren und Sündern. Der Karneval und
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Nationalsozialistische Fastnachtsdeutung. Die Bestreitung der Christlichkeit
des Fastnachtsfestes als zeitgeschichtliches Phänomen, in: Zeitschrift
für Volkskunde, 78, 1982, S. 200-218
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Perikopenforschung und Volkskunde. Mit elf Thesen zur Fastnacht, in: Jahrbuch
für Volkskunde, N.F. 6, 1983, S. 7-52 und 75-77
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Brauchbindung und Funktionsverlust. Zum Nachwirken der Artus-Tradition
in Fastnachtbrauch und Fastnachtsspiel, in: Göller, K.H. (Hrsg.):
Spätmittelalterliche Artusliteratur, Paderborn usw. 1984, S. 23-40
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Elf als Zahl der Narren. Zur Funktion der Zahlenallegorese im Fastnachtsbrauch,
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Wie aus der Fastnacht und Fasnet Fastnacht wurde, in: Badische Zeitung
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Kritisches zu neuen Hypothesen der Fasnachtsforschung, in: Jahrbuch für
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Willeford, William: Der Narr an der Grenze, in: Antaios 10, 1968/69, S.
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Wimer, E.: Wernher von Gärtner. Der Meier Helmbrecht, in: Dünninger,
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Wolfram, Richard:
-
Faschingslaufen und Bärenjagen in der Pöllau, in: Wiener Zeitschrift
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-
Die Böhmerwälder "Faschingsbursch", in: Wiener Zeitschrift für
Volkskunde, Wien 1935, Jahrg. 40
-
Wuttke, Dieter (Hrsg.): Fastnachtsspiele des 15. und 16. Jahrhunderts,
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-
Ziegler, W.: Fasnet in Elzach, Freiburg i.Br. 1982
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Zöller, K. u.a.: Kölner Karneval, Köln 1982 (hrsg. zum 150-Jahr-Jubiläum
des Festkomitees des Kölner Karnevals von 1823 e.V.)
Links
Auswahl an Belegen nach Wiesinger
-
1272-1329 173, davon 71 Belege aus Sonnenburg bei Bruneck:
-
vas(e)nacht (Fasnacht)
-
1288 Gries bei Bozen in Triol: ze vasnacht
-
1289 Attersee: ze vasnacht, fasnaht
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1295 Friesach (Kärnten): vasnahten (aber: Urkunde vom Erzbischof von
Salzburg!)
-
1304 Salzburg: vor vasnacht
-
1311 Graz: vor der fassnacht (Kärntner Adel)
-
1317 St. Veit an der Glan (Kärnten): vor der vasnaht (Adel)
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1318 Spital an der Drau (Kärnten): vor der vasnaht (Adel)
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1329 Kremsmünster: vor vasnaht
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vaschang (Fasching)
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1268 Tagebuch des Passauer Bischofs Wolfgang von Erla: Vaschang (als ein
vom Brauchtum herkommender Personenname)
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1272 Salzburg: vor dem vahschanch
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1272 Mahrenberg (Untersteiermark): vor vaschanges
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1291 Rodenegg bei Brixen: vor herren faschang
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1311 Brixen: vor dem vaschange
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1330-1399 241, davon 48 aus Eichstätt und 29 aus Wien
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vasnacht:
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1355 Wallsee/Schlierbach: nach der vasnacht
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1368 Straß/Neumarkt: vor vasnacht
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1387 Tierna/Wien: vor vasnacht
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n.1389 Lambach (Oberösterreich): vasnacht
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1395 Haslach (Mühlviertel): vor vasnacht
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1399 Maissau/Niederösterreich: vor der vasnacht
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vaschang:
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1338 Bozen: vor dem vaschange
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1365 Mühldorf/Neumarkt: vor dem pfaffenvaschang
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1389 Lambach (Oberösterreich): vaschang
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1395 Freistadt (Mühlviertel): vor vaschang
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vaschnacht:
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1396 Vilshofen: vaschnacht
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1396 Buchkirchen bei Wels: vaschnacht
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1398 Wels: vaschnacht
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1400-1499 189, davon 68 aus Nikolsburg
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1500-1599
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Fasching
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1542 Landshut
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1544 Landshut
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1581 Wasserburg
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1584 Wasserburg
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1586 Wasserburg
Gedichte und Sprüche
Das Narrenschiff
Die erste deutsche Narrendichtung ist die von
dem Juristen und Dichter Sebastian Brant (Brandt) (* Straßburg 1457,
† ebd. 1521) verfaßte und in fast alle
europäische Sprachen übersetzte Verssatire
"Das Narren Schyff" (Basel: Johann Bergmann von Olpe 1494, mit Holzschnitten
zum Teil von Albrecht Dürer), in der er Laster und Torheiten von Personen,
Berufen und Ständen in Gestalt von Narren darstellte. "Das Narrenschiff"
wurde der erste Verkaufserfolg ("Bestseller") der
deutschsprachigen Literatur.
Doktor Faustus
Georg Faust (Doktor Faust), vermutlich um 1480
in Süddeutschland geboren, erwirbt sich für seine Zeit beachtliche
Kenntnisse und führt als Gaukler und Scharlatan ein bewegtes Leben.
Sein unruhiges Leben führt ihn auch nach Erfurt, wo ihn 1513 der Humanist
Mutianus Rufus bezeugt und als Wahrsager, Narren und Prahlhans bezeichnet.
Bei einem späteren Aufenthalt Fausts in der Stadt soll der Franziskaner
Conrad Klinge vergebens versucht haben, ihn zu bekehren. Als solcher wurde
Doktor Faust eine der beliebtesten Gestalten der europäischen Literatur
(vgl. nicht zuletzt Goethes "Faust").
Spruch
"Lustig ist die Fasenacht,/wenn mei Mutter Küachl bacht,/wenn
sie aber keine bacht,/pfeif ich auf die Fasenacht."
Gedicht
"Ma mechts net glam, wos ma ois siegt
und wos für Unglücksfälle s´giebt.
Oamoi hot se da Dichtl vom Gschwendt
fast soiba nimma kennt,
denn beim Susser drin in oaner Nacht,
hot er an nettn Servus zsammabracht.
Er darf se heit no glücklich nenna,
dass er überhaupts no hoam is kemma.
Wia er dahoam im Bett drin flackt,
do hotn auf oamoi s Grima packt
doch untern Bett war a Haferl drin
do hot da Dichtl einigschpim
und hot net gseng in der Dunkelheit,
dass er s´Gebiß mit eini schpeipt.
Wia dann stad der Morgen kimmt,
sei guate Frau des Haferl nimmt
und denkt sich voller Graus
de Sauerei, de larst glei aus,
hot ois an Mühlbach einigschmissn,
des Wosser hats glei owigrissn.
Und wia da Dichtl wieda sicht,
da is´s so lar da drin im Gsicht.
De Zähn hot er a nimma gfuna,
de san an Mühlbach owigschwumma.
Buam is des wahr?" (Rattelmüller, a.a.O., S. 32)
Copyright © - Helmut
Zenz - 2004