Helmut Zenz:
Evangelikale, fundamentalistische, charismatische und pfingstlerische Freikirchen und Sondergruppen



Herausforderung für die Kirchen - Evangelikale, charismatische und pfingstlerische Freikirchen nehmen stark zu

Nicht zuletzt seit der "Kreuzbüchlein"-Aktion "Vom Minus zum Plus" des Pfingstlers Reinhard Bonnke ist offensichtlich, daß im evangelikalen und pfingstlerischen Bereich einiges in Bewegung ist. Auch in unserer Region ist die gesteigerte Aktivität von einigen dieser neuen religiösen Gruppen nicht zu übersehen. Bonnke hat es geschafft, mit seiner Aktion zahlreiche evangelische Freikirchen und Pfingstgemeinden in die Aktion miteinzubinden, sogar einige katholische Pfingstler beteiligten sich daran. Mit einer Auflagenstärke von 65 Millionen wurde eine Hochglanz-Broschüre an nahezu alle bundesdeutschen Haushalte verteilt.


Ziel solcher Aktionen ist eine "Massenerweckung" bzw. "Massenbekehrung" angesichts des durch zahlreiche Krisen drohenden Untergangs der Erde. Die Broschüre verspricht dazu "die erstaunlich einfache Lösung der Probleme der Menschheit". Durch eine radikale, oftmals wortwörtliche Auslegung der Bibel und durch die starke Betonung des Pfingsterlebnisses und der vom Heiligen Geist geschenkten Gaben ("Charismen") glaubt man, die Schwierigkeiten der Welt bewältigen zu können.

Zweifellos ist in der katholischen Kirche in der Vergangenheit oftmals die Arbeit mit der Bibel und die Lehre von den Charismen vernachlässigt worden. Deshalb gibt es auch innerhalb der Kirche berechtigte und durchaus unterstützte Erneuerungsbewegungen

In vielen der neuen, außerhalb der traditionellen Kirchen stehenden Gruppen wird den traditionellen Kirchen der lebendige Geist aber geradezu abgesprochen. Ob jemand den Geist besitzt, wird meistens an bestimmte Kriterien geknüpft, bei ganz extremen Pfingstler-Gruppen z.B. an die Fähigkeit, in Zungen zu reden. Solche Einteilungen widersprechen der katholischen Auffassung vom Heiligen Geist. Auch das Bibelverständnis, die Deutung von Krankheit und Leid als Zeichen von falschem Glauben und Gebet, die einseitige Bevorzugung bestimmter Charismen und nicht zuletzt die häufig anzutreffende unlautere Verknüpfung von wirtschaftlichem Vertrieb und missionarischer Werbung sind kritisch zu betrachten.

Zum Beispiel verkauft (hoffentlich: verkaufte) eine Freikirche aus Österreich ein Produkt, auf dessen Verpackungsinnenseite klar Werbung für die Freikirche gemacht wird, ohne daß dies aber aus der angegebenen Adresse hervorgeht. Auch bei der Werbung für das Produkt wird immer wieder betont, daß es sich um ein "rein wirtschaftliches" Produkt handelt. Die Innenseite der Verpackung bekommen viele Geschäftsleute, die um die Aufnahme des Produkts in ihr Sortiment gebeten werden, gar nicht zu Gesicht. Auch die katholische oder evangelische Kirche verkauft Produkte, aber entweder wird dabei auf missionarische Werbung verzichtet oder man steht zum eigenen Namen und gibt ihn an.

Nicht selten wird von diesen Gruppen behauptet, daß zwischen der Zugehörigkeit zu ihrer Gemeinschaft und der Mitgliedschaft in den traditionellen Kirchen kein Widerspruch bestehe, daß es sich lediglich um ein intensiver gelebtes Glaubensleben handele. Doch bestehen zu große Unterschiede in den Vorstellungen und Methoden, als daß dies von der katholischen Kirche so hingenommen werden können.

Die katholische Kirche führt seit den sechziger Jahren einen intensiven Dialog mit charismatischen und pfingstlichen Gemeinschaften in und außerhalb der Großkirchen, lehnt aber jegliches extreme Pfingstlertum entschieden ab. (vgl. dazu vor allem die wichtigen Beiträge z.B. von Heribert Mühlen und Norbert Baumert)

Gerade die katholische Kirche wird heute in der Öffentlichkeit heftig kritisiert und sie tut gut daran, diese Kritik ernst zu nehmen und sich ihr zu stellen. Gerade deshalb ist es aber nicht einzusehen, warum diese neuen Gruppen ihre z.T. frag-würdigen Vorstellungen und Methoden nicht öffentlich zu verteidigen brauchen. Toleranz und kritische Auseinandersetzung gehören eng zusammen.

Dennoch dürfen diese Gruppen nicht einfach als "Sekten" abgestempelt werden. Es muß eine klare Unterscheidung zu den wirklich harten Psycho-Kulten wie Scientology, aber auch schon gegenüber den Zeugen Jehovas getroffen werden. Den neuen evangelikalen und pfingstlerischen Bewegungen kann man weder das ernsthafte Ringen um den Glauben noch den Willen um theologische Lauterkeit absprechen; bei allen geäußerten Bedenken geht es weder um reine Geschäftemacherei noch um religiösen Fanatismus. Diese Menschen sind auf der Suche nach Lebensinn und nach einem Glauben, der für das alltägliche Leben praktische Bedeutung hat. Sie glauben, daß sie dies in den traditionellen Kirchen nicht mehr finden können.

Deshalb sollte man sie als Herausforderung betrachten, in den eigenen Gemeinden die Arbeit mit der Bibel wieder zu verstärken und kleine Gruppen zu fördern, in die die Gläubigen ihre unterschiedlichen Begabungen und Charismen einbringen können. Das entscheidende Kriterium auch bei neuen Gruppen innerhalb der Kirche bleibt jedoch, ob sie zum Aufbau der bestehenden Gemeinden beitragen oder ob sie engagierte Gläubige durch zahlreiche Sondergottesdienste und -veranstaltungen oder andere Verpflichtungen von einer stärkeren Mitarbeit in der eigenen Pfarrei abbringen.



Gemeinsame theologische Merkmale der Freikirchen:

Zur Geschichte der Freikirchen:

Der Evangelikalismus und Fundamentalismus

Die charismatische Bewegung und die Pfingstbewegung

Verschiedene freikirchliche Richtungen gegeneinander

Freikirchliche Zusammenschlüsse

Freikirchen und Ökumene




Adventistische Freikirchen und Sondergruppen (Endzeit-Gemeinden)

Apostolische und prophetische Freikirchen und Sondergruppen (Apostel-Gemeinden)

Brüderbewegung

Heiligungsbewegung und perfektionistische Freikirchen

Heilungsbewegung(en)

Weitere Erweckungsbewegungen

Traditionalistisch-fundamentalistische Freikirchen und Sondergruppen




Esoterische, neuoffenbarerische und messianische Freikirchen und Sondergruppen



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