Marianische Exerzitien im Alltag

13.10.    Du kluge Jungfrau - Jungfrau, von den Völkern gepriesen -
Jungfrau, mächtig zu helfen - Jungfrau, voller Güte

Kardinal John Henry Newman (1801-1890):
"Maria, Quell der Gütigkeit,
du Mutter der Barmherzigkeit:
beschirme uns, der Feind uns droht;
begleit uns in des Todes Not."

Gebet zur Schutzfrau Bayerns
"O Gott, du hast die Mutter deines geliebten Sohnes
uns zur Mutter und dem Lande zur Patronin gegeben;
gewähre gütigst, daß wir unter dem Schutz dieser Mutter
vor jedem Angriff unserer Feinde gesichert seien
und ohne Furcht in Heiligkeit und Gerechtigkeit dir dienen.
Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen."

"Das Münchnerisch unser lieben Frawen Gesang" (gedruckt 1637; Neufassung, 3. und 4. Strophe Zudichtung Frz. P. Schrott 1950)): himmlische Frau Königin (GL 855)
"V -
1. O himmlische Frau Königin, der ganzen Welt ein Herrscherin!
2. Dich München gar im Herzen hat: dein Dom steht mitten in der Stadt
3. Auf hoher Säule ragt dein Bild, du Schutzfrau Bayerns wundermild.
4. Auf Bergeshöhn, in Waldesgrund viel Kirchen tun dein Hilfe kund.
5. Das ganze Bayernland ist dein. O laß es dir befohlen sein!
A - Maria bitt für uns
V -
1. Du Herzogin von Bayern bist, das Bayernland dein eigen ist.
2. Er ist gebaut gar stark und fest zu deiner Ehr aufs allerbest.
3. Das liebe Kind auf deinem Arm des ganzen Volkes sich erbarm!
4. Von jedem Turm das Ave klingt, in Stadt und Land dein Lob man singt.
5. Wir bitten dich all, groß und klein, du wollest unsre Schutzfrau sein.
KV: Darum liebreiche Mutter, reich uns dein milde Hand, halt deinen Mantel ausgespannt und schütze unser
Bayernland!"

Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153): Gebet "Memorare":
 
Memorare, o piissima Virgo Maria, non esse auditum a saeculo,
quemquam ad tua currentem praesidia, tua implorantem auxilia, tua
petentem suffragia esse derelictum. Ego, tali animatus confidentia,
ad te, Virgo virginum, Mater, curro, ad te venio, coram te gemens
peccator assisto. Noli, Mater Verbi, verba mea despicere, sed
audi propitia et exaudi. Amen.
"Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es noch nie gehört worden ist, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht genommen hat und um deine Fürbitte gefleht, von dir sei verlassen worden.
Von diesem Vertrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und meine Mutter.
Zu dir komme ich, vor dir stehe ich als sündiger Mensch.
O Mutter des Ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Bitte, sondern höre mich gnädig an und erhöhre mich.
Amen."
oder:
"Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es von Ewigkeit nicht erhört wurde, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nah, deinen Beistand anrief, um deine Fürbitte flehte, von dir sei verlassen worden.
Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, Jungfrau der Jungfrauen, Mutter, zu dir komme ich, vor dir stehe ich seufzend als Sünder.
O verschmähe nicht meine Worte, du Mutter des Wortes, sondern höre sie gnädig an und erhöre mich!
Amen."

Petrus Abälard + 1142: Adorna, Sion, thalamum -  Auf, Zion, schmücke dein Gemach (Hymnus im Stundengebet zur Darstellung des Herrn)
"Auf, Zion, schmücke dein Gemach, der Herr ist da, den du ersehnt. Steh auf und mache dich bereit, empfange Bräutigam deine Braut.
Zu seinem Tempel kommt der Herr: Die Eltern bringen Christus dar. Der ohne alle Sünde ist, macht dem Gesetz sich untertan.
Tritt, königliche Jungfrau, ein, bring mit dem Opfer dar dein Kind, des ew'gen Vaters wahren Sohn, der uns zum Heil erschienen ist.
Was dir verheißen, Simeon, das ist in diesem Kind erfüllt. Nun mache allen Völkern kund das Licht, das ihnen leuchten soll.
Herr, dir sei Preis und Herrlichkeit, der sich den Heiden offenbart, mit dir dem Vater und dem Geist durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen."

Der Feind droht! Wer sind heute unsere persönlichen Feinde? Wer greift heute das Land "Bayern" an, so dass Maria es davor schützen müßte? "Gedenken" und "Verschmähen" sind die Stichworte im "Memorare"! Maria soll gedenken und nicht verschmähen und wir? Wem oder was gedenken wir, was verschmähen wir in unserem Alltag? Tochter Zion und Tempel weisen uns auf das Judentum, dass der Herr sich den Heiden offenbart auf die Ungläubigen. In welchem Verhältnis stehe ich persönlich zu Juden einerseits und Ungläubigen andererseits?



14.10.    Jungfrau, du Magd des Herrn
(1950: getreue Jungfrau)

Hilf uns, Maria, Magd des Herrn
"Hilf uns, Maria, Magd des Herrn und Königin des Himmels, daß auch wir auf Gott hören und ihm mehr gehorchen als den Menschen.
Laß uns im Aufschauen zu dir immer wieder Kraft und Mut schöpfen, die Mühen und Plagen unseres Alltags auf uns zu nehmen.
Sei uns Mitbeterin in unseren Anliegen und Fürsprecherin bei deinem Sohn.
Er möge auch uns nach unserm Lebensweg die ewige Vollendung in seinem Reich und die Krone des ewigen Lebens schenken.
Amen."

Der Engel des Herrn (GL 2-7)
"Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist(e). Gegrüßet seist du, Maria ...
Maria sprach: (Sieh(e),) Ich bin die (eine) Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort(e). Gegrüßet seist du, Maria ...
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du, Maria ..."
V Bitte für uns, heilige Gottesmutter (früher: Gottesgebärerin),
A (auf) daß wir würdig werden der Verheißung (früher: Verheißungen) Christi
V Lasset uns beten.
Allmächtiger Gott (früher: Wir bitten dich, o Herr),
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes erkannt.
Laß uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
(früher: gieße deine Gnade ein in unsere Herzen, auf daß wir, die wir durch die Botschaft des Engels die
Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der
Auferstehung gelangen, durch Christus unseren Herrn.)
Amen."

Du Magd des Herrn (P. Heinz Perne)
"Dunkle Verheißungen fallen wie Steine auf dich:
Und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
Mit den Worten des Sehers erzittert dein Herz.
Auf deine Schultern bürdet sich traurige Last.
Gerettet hast du dein Kind in den Nächten und Tagen der Flucht.
Doch nun geht dein Sohn mit dem Kreuz in den Tod.
Du gehst mit ihm, wenn die Freunde auch fliehen.
Ein Wort sagt er dir: `Frau, siehe deinen Sohn.´
So wirst du beim Kreuz auch Mutter für uns.
Halte mit Jesus auch uns fest umfangen.
Erhebe die Hände und bitte für uns.
Richte die Augen auf die Straßen der Menschen.
Rette aus Ängsten, aus Tränen und Not.
Nimm von uns die Nacht und führe uns in sein Licht."

Mutter und Königin (P. Heinz Perne)
"Gottes Engel stand vor dir und wartete auf Antwort, Magd des Herrn.
Gottes Wort wollte in dir wohnen, und du sagtest ja, Braut des Geistes.
Gottes Sohn solltest du gebären, du schenktest ihn uns, Mutter Christi.
Gottes Knecht sühnte unsere Sünden, du standest unter Kreuz, du Schmerzenreiche.
Gottes Liebe hielt dich umfangen, du einzig Erwählte, Königin des Himmels.
Gottes Licht leuchte auch uns durch dich, unsere Fürsprecherin."

Magd? Knecht? Worte aus der Erinnerung an die landwirtschaftlichen Verhältnisse im vergangenen und Anfang des 20. Jahrhunderts. Was bedeutet aber das Wort "Magd" für das 21. Jahrhundert? Zur Magd gehören die Tugenden des Dienens und des Demuts? Üben wir uns in diesen Tugenden und wie?



15.10.    Du Spiegel der Gerechtigkeit
              Du Sitz der Weisheit
              Du Ursache unserer Freude

Guido Görres, 1842: Maria, Maienkönigin (Umdichtung)
"Maria, Maienkönigin,
wir kommen, dich zu grüßen;
:o holde Freudenspenderin,
sieh uns zu deinen Füßen, :
Nichts glich an Schönheit einstens dir,
nichts dir an Tugendglanze.
: Nun prangst du als die schönste Zier
dort in der Heiligen Kranze. :
Wir möchten gern, o Jungfrau mild,
auch unsre Herzen schmücken
: und deiner Tugend holdes Bild
in unsre Herzen drücken. :
Wo dir ein frommes Herz sich weiht,
da hilfst du freundlich pflegen
: die Blüten zarter Lieblichkeit,
die sich im Herzen regen. :
Drum liebe, treue Gärtnerin,
wir unser Herz dir schenken.
: Du nimmst es als dein eigen hin
und wirst es treu bedenken. :
Dann blüht's in uns mit süßem Duft
wie auf des Maien Auen,
: und wenn der Herr zur Ernte ruft,
wird uns ein selig Schauen :

Quelle unbekannt:
1. Maria, Maienkönigin,
dich will der Mai begrüßen.
O segne ihn mit holdem Sinn
und uns zu deinen Füßen.
2. Maria, dir empfehlen wir,
was grünt und blüht auf Erden.
Lass uns in dieser Pracht und Zier
das Werk des Schöpfers ehren.
3. Behüte auch, Maria rein,
du größte aller Frauen,
das Gottesvolk, die Kinder dein,
im Glauben und Vertrauen.
4. O öffne, Himmelskönigin,
in Lied uns Herz und Stimme,
zu danken Gott im Heilgen Geist,
dass wir sein Lob stets singen.
5. Der Christi Kirche ward gesandt
in Sturm und Feuerflammen,
zu führen sie mit seiner Hand
durch alle Zeiten. Amen.

Friedrich Spee 1623:  Laßt uns erfreuen herzlich sehr (GL 585)
"Laßt uns freuen herzlich sehr,   Halleluja,
Maria seufzt und weint nicht mehr.  Halleluja.
Verschwunden sind die Nebel all,   Halleluja,
Jetzt glänzt der lieben Sonnenstrahl. Halleluja R - Halleluja, Halleluja,    Halleluja.
Wo ist, o freudenreiches Herz,   Halleluja,
wo ist dein Weh, wo ist dein Schmerz?  Halleluja.
Wie wohl ist dir, o Herz, wie wohl;  Halleluja,
nun bist du aller Freuden voll.   Halleluja - R.
Sag an, Maria, Jungfrau rein,   Halleluja,
kommt das nicht von dem Sohne dein?  Halleluja.
Ach ja, dein Sohn erstanden ist;   Halleluja,
kein Wunder, daß du fröhlich bist.  Halleluja - R.
Aus seinen Wunden fließen her,   Halleluja,
fünf Freudenseen, fünf Freudenmeer.  Halleluja.
Die Freud sich über dich ergoß.   Halleluja,
und durch dein Herz die Freude floß. Halleluja - R.
Dein Herz nun ganz in Freuden schwimmt, Halleluja,
und zu und uzu die Freude nimmt.   Halleluja.
Ach nun vergiß auch unser nit,   Halleluja,
und teil auch uns ein Tröpflein mit.  Halleluja - R."

Altchristliches Marienlob
"Wir grüßen dich, heilige Mutter, die du geboren den König, der über Himmel und Erde in alle Ewigkeit herrscht.
Selig bist du, denn du hast empfangen.
Selig bist du, denn du hast Ihn geboren.
Selig bist du, denn du hast Ihn genährt, den Allernährer.
Selig bist du, denn in deinem Schoße hast du den Gewaltigen getragen, der durch seine Macht die Welt trägt, Den, der alles lenkt und leitet.
Selig bist du, denn aus deinem Schoß ging ein Glanz hervor, der den ganzen Erdkreis überstrahlt und dein Lob verkündet.
Sei gegrüßt, du Morgenröte des Heils, du Ursache unsere Freude.
Sei gegrüßt, unsere Zuflucht.
Sei gegrüßt, unser Ruhm.
Durch dich ist unser Geschlecht zum Himmel erhöht worden.
Bitte Gott, der aus dir geboren wurde:
Er solle Seiner Kirche Schutz verleihen.
Durch die Kraft deines Gebetes, o Mutter des Allerhöchsten, möge Er der Erde und ihren Bewohnern völligen Frieden schenken.
Lob sei ihm, der kam und aus dir aufging, dich zu Seiner Mutter machte und durch dich zum Kind ward.
Gebenedeit sei der König der Könige, der Mensch geworden ist und das Menschengeschlecht zur Höhe des Paradieses erhoben hat.
Lob sei dem Vater, der Ihn gesandt hat zu unserer Erlösung, und Preis dem Heiligen Geist, der unsere Sünden tilgt.
Amen."

Wo ist ein Halt (Stimmer-Salzeder)
"KV: Ein Zeichen der Hoffnung bist Du uns, Maria, in Dir zeigt uns Gott seine Liebe.
Ein Zeichen der Hoffnung bist Du uns, Maria, in Dir wird die Hoffnung der Menschen wahr.

Wo ist ein Halt, wo ist ein Ziel, wo geht ein Licht uns auf?
Wo ist ein Beispiel, wo ein Zeichen, daß unsre Hoffnung Boden hat? - KV
Du hast das Ja für uns gesagt, du hast geglaubt - bedingungslos.
Du hast ein Beispiel uns gegeben, wie Gottes Liebe Wurzeln schlägt. - KV
Du warst ein Mensch, ein heiler Mensch, denn tief warst Du mit Gott verbunden.
So bist Du Beispiel, bist Du Zeichen für uns, die wir die Hoffnung suchen. - KV"

Roswitha von Gandersheim (935 -973): Hoffnung der Welt
Einz`ge Hoffnung Du der Welt,
Meeresstern am Himmelszelt,
Königsmutter, Jungfrau rein,
Du des Lebens heilger Schrein,
die der Welt von neuem gab,
was durch Eva sank hinab,
neig Dich gnädig Deiner Magd

Habe ich Maria schon einmal als Spiegel der Gerechtigkeit oder als Sitz der Weisheit betrachtet? Wohin schaue ich, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle oder wenn mein Gewissen meine Gerechtigkeit prüft? Woher beziehe ich meine Lebensweisheiten? War Maria mir persönlich schon einmal Ursache der Freude? Nehme ich mir im Alltag Maria wirklich als Beispiel, als Zeichen der Hoffnung?



16.10.    Du Kelch des Geistes
(früher: "geistliches Gefäß"; ab 1950: Kelch des Geistes)
              Du kostbarer Kelch - Du Kelch der Hingabe

Theophanes Graptos (+ 845, Mönch und späterer Metropolit von Nikaia)
"Als dein Sohn und Gebieter dich, Makellose, als Rose inmitten der Dornen gefunden,
hat uns erfüllt der Gebieter mit deinen lieblichen Wohlgerüchen der Gnaden des Geistes.
Uns, die in Reue ihm singen: Erlöser, Gott gepriesen bist du."

Herzenstausch mit Maria
"Setze, o gute Mutter, an die Stelle meines sündigen Herzens Dein Unbeflecktes Herz,
damit der HEILIGE GEIST in mir wirken
und JESUS, Dein göttlicher Sohn, in mir wachsen kann.
Erfülle meine Bitte, Du gute, Du getreue, Du aller Gnadenvermittlerin!
Amen.
Komm HEILIGER GEIST,
komm durch die machtvolle Fürsprache des Unbefleckten Herzens Mariens, Deiner so geliebten Braut!
Amen."

Martin Thurner: Maria, liebe Mutter
"Maria, liebe Mutter,
Dir wenden wir uns zu voll Vertrauen und Hoffnung.
Du bist uns Vorbild im Glauben;
Du hast uns gezeigt, was Hingabe ist;
in Dir wurde Gott sichtbar.
Schau auf uns, die wir durch so vielerlei bedrängt sind.
Lehre uns, Christus Deinen Sohn, als das Entscheidende, allein Wesentliche unseres Lebens anzusehen.
Unser Herz gehöre ihm, damit er durch uns seine Liebe wirken lasse!"

Sei gegrüßt Maria (Kathi Stimmer-Salzeder)
"Sei gegrüßt, Maria

Sei gebenedeit!"

Mutter und Schwester (Kathi Stimmer-Salzeder)
"KV: Mutter und Schwester bist  Du uns im Glauben,
Gott Deine Hoffnung, Dein Weg, Dein Licht.
Mutter und Schwester bist Du im Vertrauen,
wer auf Dich schaut, den verläßt Du nicht!
Offen bist Du für den Anruf. Du sagst Ja, sagst Ja zu Gott.
Du gehst helle, dunkle Straßen, gehst zu Jesus, gehst mit ihm. - KV
Mutter bist Du, unsre Zuflucht, weil Du Gottes Mutter bist.
Großes Glück und tiefe Schmerzen lassen Dich uns nahe sein. - KV
Schwester bist Du uns im Glauben, weil als Mensch Du nahe bist.
Dein Vertrauen sei ein Vorbild unsrem Hoffen, unsrer Kraft. - KV"

Maria und der heilige Geist, eine im Gebet oft vernachlässigte Verbindung! Wir denken öfter an den Sohn und den Vater, obwohl wir im Glaubensbekenntnis beten, dass sie vom Heiligen Geist empfangen hat! Als Kelch des Geistes, der ihre Hingabe ermöglicht und sie uns so kostbar macht, sehen wir sie eher selten, oder? Aber der Geist war es, der sie offen für den Anruf gemacht hat? Öffnen wir uns auch diesem Geist, damit wir Gottes Ruf an uns überhaupt hören können?



17.10.    Du geheimnisvolle Rose ("rosa mystica")

Ambrosius
Expos. Ev. Luc. II 24: "Die Wurzel ist das Geschlecht der Juden, der Sproß Maria, die Blume aus Maria Christus"

Weihnachtslied:
"Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart. ... und hat ein Blümlein bracht ... Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt, ist Maria, die Reine, die uns das Blümlein Bracht. Aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren und blieb doch reine Magd."

Johann Georg Braun, Sulzbach 1675: -> Echo Hymnodiae coelestis: Ave Maria zart, du edler Rosengart (GL 583)
"Ave Maria zart,
du edler Rosengart,
lilienweiß, ganz ohne Schaden,
ich grüße dich zur Stund
mit Gabrielis Mund:
Ave, die du bist voller Gnaden.
Du hast des Höchsten Sohn,
Maria rein und schön,
in deinem keuschen Schoß getragen,
den Heiland Jesus Christ,
der unser Retter ist
aus aller Sünd und allem Schaden.
(früher: Jesum, das liebe Kind,
das da die Sünder blind
errettet hat aus allem Schaden.)
Denn nach dem Sündenfall
wir warn verstoßen all
und sollten ewig sein verloren.
Da hast du, reine Magd,
wie dir vorhergesagt,
uns Gottes Sohn zum Heil geboren.
(früher: Durch sein kostbares Blut
ist nun des Satans Mut
gestürzt, der Höllen Pfort zerbrochen;
druch seine Wunden rot
und seinen bittern Tod
des Tods und Teufels Trutz gebrochen.)
Darum, o Mutter mild,
befiehl uns deinem Kind,
bitt, daß es unser Sünd verzeihe,
endlich nach diesem Leid
die ewig (ewge) Himmelsfreud
durch dich, Maria, uns verleihe."
Ave Maria zart

Rottenburger Gesangbuch (J. Herold), 1865: Kommt, Christen, kommt zu loben
"Kommt, Christen, kommt zu loben, der Mai ist froh erwacht;
singt aus des Lobes Lieder in seiner Blütenpracht!
Kommt. singt mit reichstem Schalle,
tief aus des Herzens Grund,
stimmt ein, ihr Vöglein alle,
ihr Blüten reich und bunt!
Die Blumen, die zum Feste hat die Dreieinigkeit
der Tochter Braut und Mutter in Tau und Duft geweiht,
o windet sie zum Kranze,
die Blumen von der Au
und schmückt das Bild der hohen,
der königlichen Frau
Die schönste Himmelsblüte, an Gnadentau so reich,
ihr ist an Duft und Prangen auf Erden keine gleich.
Kommt, schlingt um die Altäre
der Maien schönste Pracht,
der reinsten Frau zur Ehre,
die Gott so groß gemacht."

Rosa Mystica (H. Heinz Perne)
"Noch vor dem Morgenstern berührte Gottes Tau deine Seele, so daß die Nacht der Schuld dein Leben nicht traf.
Und eingesät in die Furchen der Zeit wolltest du blühen in den Farben der Liebe, geheimnisvolle Rose.
Im Wehen des Geistes wuchs aus dir das Reis unserer Hoffnung hervor: Jesus, dein Kind und Gottes Sohn zugleich.
Die Wasser der Leiden färbten dein Kleid blutrot.
Du kostbarer Kelch, geformt aus den Blättern des täglichen "Mir geschehe".
Für immer vollendet, blühst du weiter bei Gott; und deine Liebe erfüllt noch immer die Welt mit köstlichem Duft.
Heilige Mutter Maria, so wächst auch in uns die Liebe zu Gott und die Sehnsucht nach seinem Frieden."

Was bedeutet mir Maria als "Rosa mystica"?
"Als Maria durch den Dornwald ging, da haben die Dornen Rosen getragen?" Hat Maria in meinem alltäglichen Dornengestrüpp schon einmal Rosen aufblühen lassen?
Unsere Sehnsucht nach seinem Frieden wächst umso mehr, je ähnlicher wir der Rosa mystica werden!



18.10.    Du starker Turm Davids - Du elfenbeinerner Turm
Gesegnet bist du, o Tochter (Judit 13,23-25) (GL 32-2)
"Gesegnet bist du, o Tochter, von Gott dem Allerhöchsten, mehr als alle Frauen auf der Erde.
Gepriesen sei der Herr, unser Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat; er hat dich gesegnet mit seiner Kraft.
Die Erinnerung an dein Vertrauen wird in Ewigkeit nicht aus den Herzen der Menschen entschwinden, die der Macht Gottes gedenken.
Denn in der Not unseres Volkes hast du dein Leben nicht geschont; nein, du hast entschlossen unseren Untergang abgewehrt, du bist auf geradem Weg gegangen vor unserm Gott."

Maria Schnee, Südtirol (aus: Norbert Wallner. Deutsche Marienlieder Enneberger Ladiner, Wien 1970)
"O große Himmelsfrau, sei uns gegrüßt!
Osüßer Gnadentau, der dich umfließt!
Du bist die Gnadenquell, erquickest Leib und Seel,
du bist gebenedeit in Ewigkeit.
Lieblich als wie die Sonn bist du allzeit
auserwählt wie der Monn von Ewigkeit.
Schröckbar dem Kriegsheer gleich stärker als Judith Streich
du hast die Schlang besiegt vor dir todt liegt.
O große Himmelspfort in Ewigkeit,
des Sünders Zufluchtsort bist du allzeit.
Wer nur mit Reu und Schmerz und mit zerknirschten Herz
bei dir um Hilf einkehrt, der wird erhört.
Reich uns dein milde Hand in löstzten Streit,
führ´ uns in´s Vaterland zur Himmelsfreud!
Hilf uns, verlaß uns nicht, wann Gott das Urteil spricht,
so wird dein Jesulein uns gnädig sein.
Zur Himmelskaiserin bist du erwählt, als Engelkönigin ewig bestellt.
Und aus den Jungfrauchor gibst du den Glanz hervor.
Du tragst die Himmelskron in höchsten Thron."

Maria-Brünnlein-Lied
"Gottesmutter, Brunnen Gottes,

Laß dich finden, daß wir trinken David und Judith - zwei jüdische Gestalten aus dem Alten Testament. Nicht nur der Messias ist im Alten Testament vorausbedeutet, auch seine Mutter. Wie ernst nehmen wir daher das Alte Testament in unserem Leben, auch in unserer Marienverehrung? Ich habe kein Gebet gefunden, das Maria als Turm Davids und als elfenbeinernen Turm anspricht? Ist uns dieser Gedanke so fremd? Lesen wir im Alten Testament (Hohes Lied 4,4 und 7,5) nach, um herauszufinden, was er bedeutet! Vielleicht lesen wir auch die Judith-Geschichte, die dem Holofernes den Kopf abschlägt? Wie können wir sie auf Maria übertragen? Maria als Brunnen Gottes - dieses Bild liegt uns vielleicht näher?


19.10.    Du goldenes Haus - Du Bundeslade Gottes (bis 1950: Arche des Bundes")

5. Jahrhundert: Hymnos Akathistos
"Sei gegrüßt, du Ort des Gottes, den der Raum nicht faßt;
du Einlaß in das höchste der Geheimnisse.
Sei gegrüßt, du Wort, ganz unverständlich ohne Glauben,
du Ruhm, der redet für die Deinen.
Sei gegrüßt, du Feuersäule, durch die Nacht ein Weg,
du Schutz der Welt über die Wolken weit ...
Sei gegrüßt, du Obdach der Welt, das weiter ist als die Wolke ...
Sei gegrüßt, du Beistand derer, die gefallen sind.
Sei gegrüßt, du Kleid der Zuversicht, für jene, die nackt sind."

Hymnos Akathistos, Geheimnis der Gottesmutter, Phi.
Sei gegrüßt, du Schale darin das Gewissen geläutert;
sei gegrüßt, du Kelch daraus Jubel geschenkt.
Sei gegrüßt, du mystische Rose daraus uns Christus entströmt;
Sei gegrüßt, du der Inbrunst kostbarar Odem.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!
Sei gegrüßt, in Christus frohlocken alle Geschöpfe,
sei gegrüßt, alle Wesen erfüllst du mit Seligkeit.
Sei gegrüßt, meine Seele geleitest du;
sei gegrüßt, meinen Leib machst du heil.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!

Hymnos Akathistos, Geheimnis der Gottesmutter, Gamma.
"Sei gegrüßt, Himmelsleiter, darauf Gott herniederstieg;
sei gegrüßt, unsere Brücke von der Erde zum Himmelreich.
Sei gegrüßt, von den Engeln wieder und wieder erwogenes Wunder;
sei gegrüßt, du für die Widersacher heillose Wunde.
Sei gegrüßt, empfangen hast du unsagbar das Licht;
Sei gegrüßt, niemanden hast du gelehrt, wie solches geschieht.
Sei gegrüßt, die der Weisen Weisheit übertrifft;
sei gegrüßt, die der Gläubigen Glauben vertieft.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!

Aus dem Himmel her trat ein Erzengel in die Welt des Sichtbaren, der Gottesmutter den Freudengruß zu sagen.
Und als er dich mit seinem leiblosen Wort zugleich leibhaft werden sah, o Herr, da stand er außerstande und jubelte ihr zu :
Sei gegrüßt, durch dich leuchtet das Heil hervor
sei gegrüßt, dunkel wird das Unheil vor dir.
Sei gegrüßt, den gefallenen Adam richtest du wieder auf;
sei gegrüßt, von ihren Tränen erlösest du Eva.
Sei gegrüßt, allem menschlichen Überlegen hoch überlegen bist du;
sei gegrüßt, so abgrundtief erschauen dich die Engel nicht einmal.
Sei gegrüßt, von Uranfang des Friedefürsten Thron;
sei gegrüßt, denn du trägst den, der alles erträgt.
Sei gegrüßt, du Stern, der offenbart die Sonne;
sei gegrüßt, aus deinem Leib wird Gott der Menschensohn.
Sei gegrüßt, aus dir wird die Schöpfung neu geboren;
sei gegrüßt, durch dich wirkt der Schöpfer ungeboren als Kind.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter! ...
Sprachlos werden die wortwendigen Redner vor dir, o Gottesmutter.
Solcher Ohnmacht versagt sich das Wort:
wie du jungfräulich gebären konntest.
Staunend schauen wir das Geheimnis des Glaubens:
Sei gegrüßt, du Gefäß der Weisheit Gottes;
Sei gegrüßt, du Gemach seiner Vorsehung.
Sei gegrüßt, Philosophen hast du an die Grenzen geführt;
sei gegrüßt, Wissensforschern hast du das Unerforschliche gezeigt.
Sei gegrüßt, denn die gelehrten Streiter schwindelte;
sei gegrüßt, denn die Mythendichter schwanden dahin.
Sei gegrüßt, spitzfindige Denkgeflechte hast du zerrissen;
sei gegrüßt, gefüllt hast du die Netze der Fischer.
Sei gegrüßt, aus unbekanntem Abgrund hast du uns herausgeführt;
sei gegrüßt, bereichert hast du viele an Erkenntnis.
Sei gegrüßt, du rettendes Schiff derer, die erstreben das Heil;
sei gegrüßt, du Hafen derer, die das Leben erfahren.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!

Modestus von Jerusalem (+ 630): Oratio in Deiparam
"Bundeslade Maria,
du trägst nicht Aarons immergrünenden Stab,
sondern das Reis aus Jesse, von dem der Prophet einst gesungen.
Nicht die Cherubim der Herrlichkeit sind über dir.
Dich überschattet die göttliche Macht des hochherrlichen Vaters."

spätes 9. Jahrhundert: O quam glorifica luce coruscas -> Herrlich strahlst du im Licht, Jungfrau Maria (Hymnus im Stundengebet für Mariä Aufnahme in den Himmel)
"Herrlich strahlst du im Licht, Jungfrau Maria, Kind aus Davids Geschlecht, Tochter des Königs, die erhaben nun thront hoch in den Himmeln und Gebieterin ist über die Engel.
Dem allmächtigen Gott wurdest du Mutter, hast dem Herrn, der dich schuf, Wohnung bereitet, ihm den heiligen Schoß willig geboten - un dim Fleisch ward Gott Mensch wie wir alle.
Den in Ehrfurcht verehrt Erde und Himmel, den Erlöser und Herrn, bitten wir heute, da ins himmlische Reich ganz er ich aufnahm: Aus dem Dunkel der Welt für uns zum Lichte.
Dir sei Ehre und Preis, Vater des Lichtes, dir dem ewigen Sohn, der uns erlöst hat, dir, dem heiligen Geist, Gott dem Dreieinen, dessen Herrschaft und Reich währen auf ewig. Amen."

13. Jahrhundert: Marianische Litanei aus der Abtei Clairvaux
"Maria spricht:
Ich bin der Berg. - Er ist der Stein.
Ich bin der Königshof. - Er ist der König.
Ich bin der Stern. - Er ist die Sonne.
Ich bin die Bundeslade. - Er ist das Manna.
Ich bin der Dornbusch. - Er ist das Feuer.
Ich bin der Weihrauchstrauch. - Er ist der Weihrauch.
Ich bin die Stadt. - Er ist der Gründer.
Ich bin das Schaf. - Er ist das Lamm.
Ich bin die Sionsburg. - Und er ist David.
Ich bin sanft gegen alle. - Er noch mehr.
Ich bin barmherzig. - Er noch viel mehr.
Ich liebe den Frieden. - Er gibt ihn selbst.
Ich bin ein schwaches, menschliches Geschöpf. - Er aber ist der Gottmensch."

A litany of St Bernard addressed to the Virgin Mary, asking for her prayers and intercession.
Kyrieleyson Christeleyson Kyrieleyson
Christe audi nos.
Salvator mundi adiuva nos.
Sancta Maria. Ora pro nobis.
Sancta Maria excellentissima regina ora pro me.
Sancta Maria virgo beatissima, ora.
Sancta Maria clementissima, domina, ora pro me.
Sancta Maria benignissima consolacio ad te confugencium intercede pro me.
Sancta Maria genitrix gloriosa intercede pro me.
Sancta Maria pietate plena et omni dulcedine intercede pro me.
Sancta Maria flos patriarcharum. Intercede.
Sancta Maria desiderium prophetarum. Intercede pro.
Sancta Maria thesaurus apostolorum. Intercede.
Sancta Maria laus martirum. Intercede [pro me.]

O Maria, du mein Leben (aus: Joseph Gabler (Hrsg.): Neue Geistliche Nachtigall, Linz 1884)
"O Maria, du mein Leben, o Maria, meine Freud,
du kannst mir Erquickung geben, ohne dich hab ich nur Leid.
KV: O Maria, Königin, nimm auf meine Seel zur Dienerin!
Du bist schöner als die Sonne. Dir zu Füßen schwebt der Mond.
Bist des höchsten Königs Wonne, der ob allen Sternen thront. - KV
Brunnquell aller Lieblichkeiten, Gold´nes Haus, von Gott geweiht,
Morgenstern zu allen Zeiten, Zierde der Jungfräulichkeit. - KV
Mutter du der schönen Liebe, auserwählte Gottesbraut,
Blütenfeld der reinen Triebe, stets von Gnaden überthaut. - KV
Daß wir sind vom Tod errettet sammt der ganzen Christenheit,
und der Satan angekettet, danken wir dir jederzeit. - KV
D´rum der Satan kann´s nicht leiden, wenn man dich, o Mutter nennt,
weil er muß viel Seelen meiden, da du bist bei ihrem End´. - KV
Wann die Stunde kommt zum Sterben, ich die Welt verlassen soll,
laß mich deine Huld erwerben, mich zu Jesus dann abhol´.
Wann ich werd´ in Zügen liegen, und kein Wort mehr sprechen kann,
laß die Feinde nicht obsiegen, treib´, Maria, sie von dann´.
Wann der Todesschweiß wird stehen an mein´ ganz erblich´nem Leib,
laß die Seel´ nicht untergehen, führ´ sie in die Himmelsfreud´.
Wann die Seel ist ausgefahren und wird kommen vor´s Gericht,
wollst sie vor dem Fluch bewahren, Mutter, da verlaß mich nicht!"+

Maria (Domenico Machetta/Dt. Bearbeitung: P. Osanger)
"KV: Laß uns wie du eine Schale sein, ganz offen für Jesus, deinen Sohn!

Maria, in dir war Schweigen und Erwartung, als der Herr zu dir sprach. - KV
Maria, du warst wie Ton in Gottes Händen, und ließt dich formen von ihm. - KV
Maria, du trugst die wunderbare Gabe seiner unendlichen Liebe. - KV
Maria, in Schmerzen hast du mitgelitten sein Leiden und seinen Tod. - KV
Maria, du lebst in unsagbarer Freude in Gottes Herrlichkeit. - KV"

Maria - goldenes Haus und Bundeslade! Dieser Titel weist uns unweigerlich auf den Tabernakel und auf unser Verhältnis zur Eucharistie. Wie steht es darum? Wie kommt Maria in unserer Eucharistiefeier vor? Wo denken wir sinnvoll an sie, außer an der bekannten Stelle in den Hochgebeten und in Marienmonaten und an Marienfesten durch entsprechende Lieder? Vielleicht kann uns das Bild von Maria als Schale weiterhelfen? Maria im Verhältnis zu Jesus - hilft mir die Litanei aus Clairveaux es besser zu verstehen? Wie kann ich Wohnung für Jesus sein? Wie bereite ich mich vor? Maria als Ort Gottes, den der Raum nicht faßt? Wie verstehe ich dieses scheinbare Paradoxon?



20.10.    Du Pforte des Himmels

Alma-Redemptoris-Mater von Heriman Contractus=Hermann dem Lahmen, Reichenau (+1054)
 
Alma Redemptoris Mater,
quae pervia caeli porta manes,
et stella maris,
succurre cadenti,
surgere qui curat, populo:
tu quae genuisti, natura mirante,
tuum santum Genitorem,
Virgo prius ac posterius,
Gabrielis ab ore
sumens illud Ave,
peccatorum miserere.
Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offne Pforte des Himmels
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem Volke
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
Unversehrte Jungfrau,
die du aus Gabriels Munde
nahmst das selige Ave,
o erbarme dich der Sünder.

Alma-Redemptoris-Mater-Lied von Franz Josef Weinzierl 1816: Maria, Mutter unseres Herrn, oh Himmelspfort o Meerestern (GL 577)
Textfassung 1:
               "Maria, Mutter unsers Herrn,
               o Himmelspfort, o Meeresstern,
               hilf der bedrängten Christenheit,
               auf ihrem Wege durch die Zeit.
               Ein Staunen die Natur erfaßt,
               daß du den Herrn geboren hast,
               den Herrn und Schöpfer aller Welt,
               der dich erschaffen und erwählt.
               So trat der Engel bei dir ein:
               `Gegrüßet seist du, Jungfrau rein.'
               `Ave Maria', singen wir,
               `sei benedeit, Gott ist mit dir.'
               O Mutter, reich an Güt und Huld
               erbarme dich: wir sind in Schuld.
               Steh du uns bei an Gottes Thron
               und zeig uns Jesus, deinen Sohn."
Textfassung 2:
               "Erhabene Mutter unsers Herrn,
            O Himmelspfort, o Meeresstern!
               Steh dem gefallenen Volke bei:
               hilf, daß es sich erhebe frei!
               Als Jungfrau rein du Mutter warst,
               den eigenen Schöpfer du gebarst.
               Dies Wunder hat des Höchsten Macht
               zum Staunen der Natur vollbracht.
               Vom Engel nach des Herren Rat
               vernahmst du `Ave, voll der Gnad!'
               O Mutter, voll der Güt und Huld,
               hilf uns, die drückt der Sünde Schuld!"

St. Gallen (8.)/9. Jahrhundert: Ave, maris stella  (GL 596), im 8. Jahrhundert entstanden, im 9. Jahrhundert schon bezeugt (St. Gallen, Stiftbibliothek 95) und zum Teil von Venantius Fortunatus (Carm. spur. app 1, 206-208) beeinflußt.
 
   Ave, maris stella,
   Dei mater alma
   Atque semper virgo,
   Felix caeli porta.

   Sumens illud Ave
   Gabrielis ore,
   Funda nos in pace,
   Mutans nomen Evae.

   Solve vincla reis,
   Profer lumen caecis,
   Monstra te esse matrem,
   Sumat per te precem
   Qui pro nobis natus
   Tulit esse tuus!

   Virgo singularis,
   Inter omnes mitis,
   Nos culpis solutos
   Mites fac et castos.

   Vitam praesta puram,
   Iter para tutum,
   Ut videntes Jesum,
   Semper collaetemur.

   Sit laus Deo Patri,
   Summo Christo decus,
   Spiritui Sancto
   Honor, tribus unus.
 

   Meerstern, sei gegrüßet,
   Gottes hohe Mutter,
   allzeit reine Jungfrau,
   selig Tor zum Himmel!

   Du nahmst an das AVE
   aus des Engels Munde.
   Wend den Namen EVA,
   bring uns Gottes Frieden.

   Lös der Schuldner Ketten,
   mach die Blinden sehend,
   Zeige dich als Mutter,
   denn dich wird erhören,
   der auf sich genommen,
   hier dein Sohn zu werden.

   Jungfrau ohnegleichen,
   Gütige vor allen,
   uns, die wir erlöst sind,
   mach auch rein und gütig.

   Gib ein lautres Leben,
   sicher uns geleite,
   daß wir einst in Freuden
   Jesus mit dir schauen.

   Lob sei Gott dem Vater,
   Christ, dem Höchsten, Ehre
   und dem Heilgen Geiste:
   dreifach eine Preisung.
J. G. Rheinberger, op. 118 Nr. 5,  Marienhymnus der Komplet

Weitere Textvarianten und Übersetzungen:
Text 1: Meerstern, sei gegrüßet (Hymnus im Stundengebet für die Marienfeste, GL 578)
          "Meerstern, sei gegrüßet, Gottes hohe Mutter, allzeit reine Jungfrau, selig Tor zum Himmel!
          Du nahmst an das AVE aus des Engels Munde. Wend den Namen EVA, bring uns Gottes Frieden.
          Zeige dich als Mutter, denn dich wird erhören, der auf sich genommen, hier dein Sohn zu werden.
          Jungfrau ohnegleichen, Gütige vor allen, uns, die wir erlöst sind, mach auch rein und gütig.
          Lös der Schuldner Ketten, mach die Blinden sehend, allem Übel wehre, jeglich Gut erwirke.
          Gib ein lautres Leben, sicher uns geleite, daß wir einst in Freuden Jesus mit dir schauen.
          Lob sei Gott dem Vater, Christ, dem Höchsten, Ehre und dem Heil'gen Geiste: dreifach EINE Preisung. Amen."
Text 2: Ave, Stern der Meere (Hymnus im Stundengebet für die Marienfeste)
          "Ave, Stern der Meere, Gottesmutter, hehre, Jungfrau, allzeit reine, Himmelspfort' alleine.
          `Ave' hieß die Kunde aus des Engels Munde - Evas Namen wende, uns den Frieden spende.
          Dich als Mutter zeige, daß dem Flehn sich neige, der für uns geboren, deinen Schoß erkoren.
          Lehr uns, recht zu handeln, Christi Weg zu wandeln, daß uns Freude einet, wenn er einst erscheinet.
          Gott auf seinem Throne und dem höchsten Sohne und dem Geist - den Dreien Preis und Lob wir weihen. Amen"
Text 3: Sei gegrüßt, du lichter Meeresstern (Hymnus im Stundengebet für Marienfeste, insbesondere für Mariä Geburt)
          "Sei gegrüßt, du lichter Meeresstern, Gottes hohe Mutter, Jungfrau, die der Höchste sich erwählt, sel'ges Tor des
          Himmels.
          `Sei gegrüßt', so sprach des Engels Mund, `du bist voll der Gnade.' Dieses Ave wendet Evas Los, schenkt uns
          Gottes Frieden.
          In das Dunkel unsrer Sündenschuld bringe Licht den Blinden, laß uns Sünder nicht verloren sein, bitt für uns um
          Gnade.
          Steh uns immerdar als Mutter bei, daß durch dich uns höre, der in deinem Schoße Wohnung nahm, Mensch für
          uns zu werden.
          Du bliebst rein vom Makel jeder Schuld, Jungfrau ohnegleichen. Halte fern des bösen Feindes Macht, daß er uns
          nicht schade.
          Führe sicher unsern Weg ans Ziel, lenke unsre Schritte, daß wir einst mit dir in Freude schaun Christus, unsern
          König.
          Gott dem Vater Lob und Herrlichkeit, ew'ger Ruhm dem Sohne, Dank und Lobpreis Gott dem Heil'gen Geist:
          Ehre dem Dreieinen. Amen."

Angelus Silesius:
"Maria, du bist die Himmelskönigin,
unsres Gottes Gebärerin;
du bist des Schöpfers Ruhm und Zier,
du bist des Paradieses Tür,
du bist des Höchsten Freud und Leben,
ein Tempel der Dreifaltigkeit;
durch dich wird uns Barmherzigkeit
von Gott erzeiget und gegeben."

Maria als Himmelspforte? Wie stelle ich mir dann Himmel, Fegfeuer und Hölle vor, wenn Maria wirklich Himmelspforte ist? Maria als Tor zum Himmel und Paradies, wie ist das zu verstehen? Maria Tor, Petrus Pförtner mit Schlüsselgewalt? Passt das zusammen? Maria, hilf mir in den Himmel hinein - kann sie das? Oder ist das Bild nur in der umgekehrten Richtung zu verstehen, im Sinne von "O Heiland reiß die Himmel auf"- Maria als Öffnung für den Heiland in die Welt, also ein weihnachtliches Bild?



21.10.    Du Morgenstern (stella marina, lux matutina, stella matutina)



STELLA MATUTINA:
Stella matutina, ave, Maria!
Laus tibi et vita, nostra domina!
Maria, mater Dei, nost omnes adjuva!
Rosa sine spine, ave, Maria!
A Deo electa, nostra domina!
Maria, mater Dei, nost omnes adjuva!
Perduc nos ad Christum--ave, Maria!
--Filium delectum!
Nostra domina, Maria, mater Dei, nos omnes adjuva!

Olmütz um 1500/Leisentrit 1584, Corner 1625:  Ave Maria klare, du lichter Morgenstern (GL 581)
"Ave Maria klare,
du lichter Morgenstern! Du bist ein Freud (fürwahre)
des Himmels und der Erd, erwählt von Ewigkeit,
zu sein die Mutter Gottes zum Trost der Christenheit.
Ohn Sünd bist du empfangen, wie dich die Kirche ehrt,
bist von der falschen Schlangen geblieben unversehrt.
O Jungfrau rein und zart,
dein Lob kann nicht aussprechen, was je erschaffen ward.
Ein Gruß ward dir gesendet vom allerhöchsten Gott,
durch Gabriel vollendet, der war des Grußes Bot.
`Du sollst ein Mutter sein,
ein Jungfrau sollst du bleiben, ein Jungfrau keusch und rein.
Es wird dich übertauen des Allerhöchsten Kraft,
Gesegnet(st)e der Frauen, in reiner Jungfrauschaft.
Gott selbst, er wird dein Sohn;
du sollst ihn Jesus nennen, und ewig ist sein Thron.
Da sprach die Jungfrau reine:
`Ich bin des Herren Magd. Sein Wille gescheh allein(e).
Es sei, wie du gesagt." Christ wohnt' in ihrem Schoß,
gar lieblich ruht' er drinnen (darinnen); Ihr Freude, die war groß.
Dies Lob sei dir gesungen, Frau, hochgebenedeit.
Von dir ist uns entsprungen der Brunn der Seligkeit.
Empfiehl uns deinem Sohn(e)
und bitte für uns Sünder allzeit an Gottes Thron.
(Corner: Hilf uns zur Engelschar,
daß wir samt deinem Kinde dich loben immerdar!)"

Gebet vor dem Gnadenbild "Maria Stern" (Neukirchen am Simsee)
"Maria, vor deinem Bild komme ich zur Ruhe.
Bei dir kann ich in Ruhe gelassen werden.
Du erstrahlst unerschütterlich, fest und sicher.
Deine Anspruchslosigkeit, dein Glaube hat dir geholfen; er hilft auch mir.
Maria, du bringst Hoffnung in mein Leben und die feste Zuversicht, daß alles gut wird, wenn ich es auch jetzt noch nicht begreifen kann.
Du machst mich selbst zum Stern der Hoffnung im Dunkel dieser Zeit.
Maria, du Morgenstern, bitte für mich!"

Hildegard von Bingen: Heller als die Sonne
"Heller als die Sonne, schöner als die Morgenröte bist du Maria, gute und heilige Mutter!
Königliche Frau, voll der Gnaden, aller Engel und Heiligen Freude, aller Christen Hilfe bist du, Maria.
Bitte für mich bei Gott, du meine Schwester und Mutter!"

Johann Khuen, München 1638:  Sagt an, wer ist doch diese (GL 588, bearbeitet Dreves 1885)
"Sagt an, wer ist doch diese,
die vor dem Tag aufgeht,  (die auf am Himmel geht),
die überm Paradiese
als Morgenröte steht?
Sie kommt hervor aus Fernen (Sie kommt hervor von ferne)
geziert mit Mond und Sternen (es schmückt sie Mond und Stern)
im Sonnenglanz erhöht.  (die Braut von Nazareth)
Sie ist die edle Rose,  (Sie ist die reinste Rose)
ganz schön und auserwählt,
die Magd, die makellose,
die sich der Herr vermählt.
O eilet, sie zu schauen,
die schönste aller Frauen,
die Freude aller Welt.
* Du strahlst im Glanz der Sonne,
Maria, hell und rein;
von deinem lieben Sohne
kommt all das Leuchten dein.
Durch diesen Glanz der Gnaden
sind wir aus Todes Schatten
kommen zum wahren Schein."
(Bearbeitet von G.M. Dreves 1885:
* Sie strahlt im Tugendkleide
kein Engel gleichet ihr
die Reinheit ihr Geschmeide
die Demut ihre Zier;
ein Blumengart verschlossen,
mit Himmelstau begossen,
so blüht sie für und für.
Sie ist der Himmelheere,
der Engel Königin,
der Heilgen Lust und Ehre,
der Menschen Trösterin,
die Zuflucht aller Sünder,
die Hilfe ihrer Kinder
die beste Mittlerin.
Drum fallen wir zu Füßen
der Jungfrau gnadenreich
und sie mit Andacht grüßen
aus Herz und Mund zugleich;
ihr Leib und Seel und Leben
wir gänzlich übergeben
zur Hut ins Himmelreich.")

Maria als Morgenstern und Morgenröte! Ein schwieriger Titel, der in der Bibel bei den Propheten oft unmittelbar auf Jesus angewandt wird. Wenn Jesus allerdings nicht nur Morgenstern und Morgenröte ist sondern die aufgehende Sonne der Auferstehung, dann ist Maria so etwas wie das Vorzeichen dafür? Und das dann wohl auch für die Wiederkunft Christi am Ende der Welt (vgl. Offenbarung des Johannes und die aktuellen Marienerscheinungen?).



22.10.    Du Heil der Kranken

O Maria
"O Maria, Heil der Kranken, schau voll Mitleid herab auf alle, die betrübten Herzens sind und in ihren Krankeiten zu dir ihre Zuflucht nehmen. Siehe, viele sind der Seufzer und Gebete, die in Not und Bedrängnis zu dir, der Mutter emporsteigen. Trage die Bitten aller, die dich anrufen, zum Throne Gottes und laß uns erkennen, daß du wirklich das Heil derer bist, die zu dir um Fürsprache flehen. Heilige unsere Gesinnungen, bewahre unsere Herzen. Laß uns in den Leiden die liebende Hand Gottes sehen, die schlägt, um zu heilen und aufzurichten. Nimm allen Kleinmut und Trübsinn aus den Herzen und erwirke uns standhafte Gnade, daß wir gottergeben das Kreuz tragen und reiche Früchte für die Ewigkeit erwerben. Erbitte uns die Gnade, daß wir im Lande der Verbannung aufblicken zur seligen Heimat, wo du thronst zur Seite deines Sohnes Amen."

Zur Mutter der Kranken
"Mutter, wache am Lager aller Kranken der Welt:
Derer, die zu dieser Stunde das Bewußtsein verloren haben und im Sterben liegen;
Derer, die soeben den Todeskampf begonnen haben;
Derer, die ihren Feinden nicht verzeihen wollen;
Derer, die noch gerne beichten, aber keinen Priester bekommen können;
Derer, die schlaflose Nächte im Gebet durchwachen;
Derer, die sich niederlegen müßten, doch die äußeren Umstände es nicht erlauben;
Derer vor allem, die an kein "Ewiges Leben" glauben;
Derer, die sich gegen Gott auflehnen, daß sie sich bekehren;
Derer, die nicht wissen, daß Christus auch für sie gelitten hat.

Altöttinger Bittgebet (siehe unten: Maria, breit den Mantel aus):
"In Krankheit, Unglück, Traurigkeit,
Maria sei zur Hilf bereit;
bewahre uns vor großer Not,
erhalte uns das täglich Brot!
Schenk unsern Kriegern Wiederkehr,
Maria Mutter uns erhör;
bleib deinem Volke, deinem Land,
der Rettung heilig´ Unterpfand!
Altötting deinem Gnadenort,
Maria sei ihm treuer Hort,
behüt in dieser schweren Zeit
dein Heiligtum vor jedem Leid!
Mit deiner Gnade bei uns bleib,
bewahre uns an Seel und Leib;
voll Huld auf uns herniederschau,
Maria, unsre liebe Frau!"

Das Gegrüßet seist du Maria der Wallfahrer
"Gegrüßet seist du Maria ...
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Leidende jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
sprich für uns Leidende bei deinem Sohn.
Er hat gelitten, er trug das Kreuz;
er wurde geschunden, er wurde geschlagen;
er litt Verlassenheit, er weiß um Einsamkeit;
er trug Verachtung, er nahm Verspottung;
so stand er durch bis in den Tod.
Er kann uns stärken mit deinem Geist.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Leidende jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Grüssauer Wallfahrtslied (Georg Thurmair)
"Sei gegrüßt, du Gnadenreiche,
in des Himmels Herrlichkeit.
Sei gegrüßt, du Engelgleiche,
aus dem Tale dieser Zeit.
Gnade ist dein ganzes Wesen,
gnadenvoll ist deine Hand.
Alles wird zum Heil genesen,
wenn es deine Güte fand.
Du hast uns das Licht geboren,
die Erlösung und das Heil.
Was vor Zeiten wir verloren,
ward uns neu durch dich zuteil.
Alles hast du einst empfangen,
was noch nie ein Mensch empfing.
Durch das Leid bist du gegangen,
wie noch keine Mutter ging.
Holde Jungfrau, Makellose,
wunderrein in Ewigkeit.
schöne Blume, Gottes Rose,
blühende Geborgenheit.
Laß von deinem hohen Bilde
uns ein ferner Abglanz sein,
hingegeben deiner Milde
und erhellt von deinem Schein.
Bitte für uns, wenn die Sünde
uns in ihrem Banne hält,
da die Seele heimwärts finde
aus der Fremde dieser Welt.
Laß uns nicht aus deinen Händen,
wenn das Leben von uns geht,
daß wir uns in Gott vollenden
wie ein ewiges Gebet."

Nur einer ist Arzt und nur einer Heiland? Wie also kann Maria Heil der Kranken sein? Stimmt es wirklich, das alles zum Heil genesen wird, wenn es Mariens Güte findet? Wohl nur im Bereich der Fürbitte. Noch schwieriger der Gedanke, im Leiden die liebende Hand Gottes zu sehen, die schlägt, um zu heilen und aufzurichten? Krankheit als Züchtigung Gottes? Auf jeden Fall wird Maria für uns Leidende beten und bitten.



23.10.    Du Zuflucht der Sünder

Münster 1677: Mein Zuflucht alleine
"Mein Zuflucht alleine,
Maria, die Reine,
von Herzen ich meine
zu rufen an:
daß sie mich regiere,
mit Gnaden mich ziere,
ganz treulich mich führe
auf rechtem Plan.
Ach, Krone der Frauen,
mit höchstem Vertrauen
bitt, wollest anschauen
die Seele mein:
Errett mich Elenden
aus feindlichen Händen,
tu niemals abwenden
die Augen dein!
Recht alle dich nennen,
mit Lippen bekennen,
von Herzen erkennen
der Menschen Heil.
Drum darf ich es wagen,
die Sorgen und Plagen
dir, Jungfrau, zu klagen.
Hilf mir in Eil!
In stetigem Leiden,
ohn einige Freuden
die Stunden hinscheiden
ohn Maß und Zahl.
Wann dein ich gedenke,
all Trübsal versenke,
was immer mich kränke,
entschwindet all.
All Sinn und Gemüte,
all Fleisch und Geblüte,
o Mutter der Güte,
dir anvertrau.
Wann endlich muß sterben,
laß Gnad mich erwerben,
den Himmel zu erben,
hilfreiche Frau!"

Innsbruck 1640: Maria, breit den Mantel aus (GL 595)
"Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
laß uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorübergehn. - KV: Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.
Dein Mantel ist sehr weit und breit,
er deckt die ganze Christenheit,
er deckt die weite, weite Welt,
ist aller Zuflucht und Gezelt. - KV
* Maria, hilf der Christenheit,
dein Hilf erzeig uns allezeit;
komm uns zu Hilf in allem Streit,
verjag die Feind all von uns weit.
O Mutter der Barmherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahrt
zu jeder Zeit in aller Gfahr."
* (früher: Maria, hilf der Christenheit,
zeig deine Hilf uns allezeit:
mit deiner Gnade bei uns bleib,
bewahre uns an Seel und Leib!
Wann alle Feind zusammenstehn,
wann alle grimmig auf uns gehn,
bleib du bei uns, sei du uns Schutz,
so bieten wir den Feinden Trutz.
Dein Sohn dir alles gern gewährt,
was deine Liebe für uns begehrt;
so bitt, daß er uns hier verschon
und droben voller Huld belohn!
O Mutter der Barmherzigkeit,
der Gnad und aller Gütigkeit,
komm uns zu Hilf zu aller Zeit,
hilf uns in alle Ewigkeit!)
- dazu zwei neuere Strophen:
"Maria, Gott hat dich erwählt,
in allem, was uns Menschen quält,
darfst du uns Schutz und Hilfe sein,
du laßt uns Menschen nicht allein. - KV Du Mutter voller Güte, uns allezeit behüte.
Du trägst den Sohn auf deinem Arm,
daß er sich unser all' erbarm,
und alle Sorgen mit uns teil,
in unsrer Mitte stets verweil. - KV.

Gebet zu Maria
"O Maria hilf, o Maria hilf
O Maria hilf doch mir,
ein armer Sünder kommt zu Dir.
Im Leben und im Sterben,
laß uns nicht verderben,
laß uns in keiner Todsünd´ sterben!
Steh´ uns bei im letzten Streit
o Mutter der Barmherzigkeit!
Wo von Deiner Mutterhand
schon so mancher Hilfe fand,
wo so manches wunde Herz
Heilung fand und Sorg und Schmerz,
hoffend rufe ich zu Dir:
O Maria hilf auch mir,
O Maria steh mir bei,
daß mir Gott barmherzig sei."

Tuntenhausener Wallfahrtslied (Text: Joseph Kreuzer)
"Mutter, o segne mich!
Trägst ja das göttliche Kind in den Armen,
zeigst es uns Sündern mit großem Erbarmen.
Mutter der Gnade, ich bitte dich:
Mutter, o segne mich!
Mutter, o schütze mich!
Hilf mir, im Lichte des Glaubens zu wandeln,
tapfer nach Gottes Geboten zu handeln!
Mächtige Jungfrau, ich bitte dich:
Mutter, o schütze mich!
Mutter, o rette mich!
Hilf mir im Leben und hilf mir im Sterben!
Laß meine sündige Seel´ nicht verderben!
Mutter des Herrn, ich beschwöre dich:
Mutter, o rette mich!"

Maria als Zuflucht der Sünder - vor wem fliehen wir? Sicher nicht vor Gott Vater und seinem Sohn! Eher schon vor dem Tod und dem was aus der sündigen Menschennatur für uns folgt und was Katholiken als Fegefeuer benennen. Der Tod schießt die Pfeile ab, die der Schutzmantel Mariens abhalten soll. Aber sie kann sie nur so weit aufhalten, als wir Reue zeigen und sie daher für uns eintreten kann, die Zeit der Läuterung nicht zu hart werden zu lassen. Kann ich den Gedanken des Fegfeuers annehmen oder lehne ich ihn ab?



24.10.    Du Trost der Betrübten






Maria, Mutter allen Trostes
"Maria, Mutter allen Trostes,
die du die Gebeugten wieder aufrichtest, in dem du ihnen den Trost und die Kraft des Heiligen Geistes vermittelst, sei bei uns, wenn es dunkel um uns wird, daß wir nicht das Licht verlieren, das uns den Weg ins himmlische Vaterhaus finden läßt.
Amen."

O Maria, Trösterin der Betrübten, bitte für uns!
"O Maria, Trost der Sünder!
Sich´re Zuflucht deiner Kinder
öffne uns dein Mutterherz,
daß da fliehet Sorg´ und Schmerz.
O Maria, du vor allen
hast dem höchsten GOTT gefallen. -
Nie verlorst du Seine Huld.
Du bliebst frei von aller Schuld!
Keine Sünd´ hat dich befleckt,
Dich kein Makel angesteckt.
Voll der Gnad´ und Heiligkeit
war dein Herz zu aller Zeit.
Wie soll ich dich würdig preisen,
wie deinem Mutterherz Ehr´ erweisen?
Dir der Menschen Mittlerin,
unser und der Engel Königin?
Nach des Lebens kurzen Leiden
lebst du ewig in den Freuden.
Nächst bei Jesus deinem Sohn
auf dem höchsterhab´ nen Thron.
O Maria, Trost der Sünder,
sieh uns an als Deine Kinder!
Im Leben und im Tod
bist du uns´re Hilfe bei Gott.
O Maria, in Gefahren
wollst uns mütterlich bewahren!
Diese Bitt´ versag uns nicht:
Du bist uns´re Zuversicht.
O du Mutter voll Erbarmen
nimm uns auf mit Mutterarmen!
Öffne uns dein gold´nes Herz,
daß da fliehet Sorg und Schmerz.
Amen."

Fr. A. Muth, + 1890: O Stern im Meere
"O Stern im Meere,
- Fürstin der Liebe, aller Betrübten Labung und Trost!
Wenn du mir beistehst, fürcht ich kein Unheil, alles ist heiter, alles ist gut.
- Mutter der Schmerzen, aller Bedrängten Hilfe und Trost!
Wenn du mich tröstest, trocknen die Tränen, schwindet all Trübsaal, schindet all Leid.
- Pforte des Himmels, aller der Schiffer Hoffnung und Ziel!
Wenn du mir leuchtest, wenn du mich leitest, schweigen die Stürme, find ich den Port.
: Höre mein Flehen, neige dein Antlitz, gib, meine Herrin, Friede und Heil! :"

Maria, mein Trost im Leben
Wenn ich betrübt und traurig bin,
und alle mich verlassen,
dann eil´ ich zu Maria hin,
Sie liebend zu umfassen.
Sie spricht: `Mein Kind verzage nicht
und trockne deine Tränen,
dort oben einst im Himmelslicht,
stillt Jesus all dein Sehnen!´
Dann segnet mich die Mutter mein
mit ihrem Kind, dem süßen,
und läßt viel Trost und Liebe rein
bei ihr mich froht genießen.
So will sie Mutter stets mir sein,
wenn ich vom Leid umgeben,
auch hilft sie sicher mir hinein
zu ihr ins ewige Leben."

Maria, Jungfrau rein (aus: Joseph Gabler (Hrsg.): Neue Geistliche Nachtigall, Linz 1884)
"Maria Jungfrau rein, nach Gott die Hoffnung mein,
KV: o Mutter mein, Jungfrau Maria rein, du bist mein Trost allein, o schönste Jungfrau mein, dein will ich sein.
Erlaub, daß ich hinreis´ auf daß ich dich recht preis´ - KV
Auf daß mein Leben lang ich dir zeig´ meinen Dank - KV
Maria, meine Braut, dir sei die Seel´ anvertraut - KV
Führ´ sie zu deinem Sohn, zu seinem Gnadenthron - KV
All´ Sünd und Missethat versühn´ durch Gottes Gnad - KV
O große Königin nimm meine Seele hin. - KV
Lab´ meine arme Seel´ Du Gnaden-Brunnenquell - KV
An meinem letzten End´ dich gnädig zu mir wend´ - KV
Im Tod verlaß mich nicht, und hilf mir im Gericht - KV"

Mutter, das Wunder geschah (P. Perne)
"KV: Dein Wort gibt Hoffnung, dein Wort gibt Mut.
Laß uns begreifen: "Was er euch sagt, das tut!" -
Mutter, das Wunder geschah damals zu Kana im Saale:
Wasser ward köstlicher Wein zur Freude der Gäste beim Mahle. - KV
Mutter, die Krüge sind leer. Armut ist das, was wir bringen.
Uns fällt das Bitten so schwer. Trotz allem wollen wir singen. - KV
Mutter, ein Tag schnell vergeht; Scherben nur in unsern Händen.
Das ist, was übrig oft blieb. Kannst du das Elend nicht wenden? - KV
Mutter im Glauben geprüft, hast du zu Kana gehandelt.
Hilf uns, gehorsam zu sein, daß unser Leben sich wandelt! - KV"

Zur Trösterin der Betrübten (Hl. Pius X.)
"Maria, du makellose Jungfrau, du bist die Mutter Gottes und unsre liebevolle Mutter.
In Demut kommen wir zu dir und bitten voll Vertrauen um deinen mütterlichen Schutz.
Von der heiligen Kirche wirst du verehrt als Trösterin der Betrübten.
Zu dir rufen ohne Unterlaß die Bedrängten in ihrer Trübsal, die Kranken in ihrem Leid, die Sterbenden in ihrer Todesangst, die Armen, wenn sie Mangel leiden; Hilfsbedürftige jeder Art, wenn das Land, wenn die Familien vom Unglück heimgesucht werden, und alle finden bei dir Trost und Stärkung.
Teure Mutter, schau in Liebe auch auf uns arme Sünder und nimm unser demütiges, vertrauensvolles Gebet gnädig auf! Hilf uns in jeder Not, sei es geistige, sei es leibliche Not!
Bewahre uns vor jedem Übel, vor allem vom größten Übel aller Übel, vor der Sünde, und vor jeder Gefahr zu fallen.
Erbitte uns von Jesus, deinem Sohne, alles, was uns für Leib und Seele nötig ist, insbesondere das höchste aller Güter, die Gnade Gottes.
Tröste unser Herz! Es ist so geängstigt und verzagt ob des vielen Leids und Elends, das von allen Seiten auf uns einstürmt.
Wir bitten dich darum ob der übergroßen Freude, die dein reinstes Herz empfand bei der glorreichen Auferstehung deines göttlichen Sohnes.
Liebevolle Mutter, nimm uns alle unter deinen gütigen, mächtigen Schutz, damit wir in der Tugend leben, selig sterben und das ewige Glück im Himmel erlangen.
Amen."

Mutter, alle kommen zu Dir! vom hl. Papst Pius X.
Maria, Du bist mit Sternen umkränzt, der Mond dient Dir als Schemel Deiner Füße, Du thronst über den Chören der Engel. Blicke huldvoll herab in
dieses Tal der Tränen und höre unser Rufen! Auf Dich alleine setzen wir unser Vertrauen und unsere Hoffnung.
Heute kannst Du die unendliche Seligkeit des Himmels genießen. Doch auch Du hast die Leiden unserer Verbannung verkostet und weißt, wie bitter
die Tage der Menschen sind, die in Schmerzen dahinleben.
Auf dem Kalvarienberg hast Du eine vertraute Stimme gehört: Frau, sieh da Deinen Sohn; ich gebe ihn Dir an meiner Statt. Damit wurdest Du zur
Mutter aller Gläubigen bestellt.
Was wäre auch das Leben der armen Adamskinder ohne Dich? Ein jeder hat ein Leid, das ihn quält, einen Kummer, der ihn drückt, eine Wunde, die
ihn schmerzt. Alle kommen zu Dir, dem Hafen des Heils, dem Quell allen Trostes. Wenn der Sturm anschwillt zum Orkan, dann wendet der Seemann
sich an Dich und fleht zu Dir um ruhiges Wetter. Das Waisenkind ruft zu Dir, das dem Sturm des Lebens ausgesetzt ist wie eine Blume auf dem
Felde. Die Armen blicken auf zu Dir, wenn das tägliche Brot ihnen fehlt, und keiner bleibt ohne Hilfe, ohne Trost.
Maria, teure Mutter, erleuchte unseren Verstand, rühre unser Herz! Die reine Liebe, die aus Deinen Augen strahlt, möge auf allen ruhen und bei
allen die wundervollen Früchte zeigen, die Dein Sohn uns verdiente, als er sein Blut vergoß, während Du unter seinem Kreuze die bittersten
Schmerzen littest.
Amen

Maria als Trost, als Trösterin der Betrübten - wieder ein einfacherer Gedanke? Im Blick auf Mariens Leben können wir in ihr eine erkennen, die ihren Schmerz im Vertrauen auf Gott überwindet. So kann sie uns Trost sein! Aber haben wir wirklich keinen anderen Trost als "Maria allein"? Kapseln wir uns etwa in unserem Schmerz zu sehr von unseren Mitmenschen ab und schließen uns zusammen mit der nicht sichtbaren und im eigentlichen Sinne hörbaren Maria ein?



25.10.    Du Hilfe der Christen
(durch Papst Pius V. offiziell eingeschaltet)

Zur Mutter von der immerwährenden Hilfe:
"Jungfrau, Mutter Gottes mein!
Laß mich ganz dein eigen sein:
Dein im Leben und im Tod;
dein in Unglück, Angst und Not;
dein in Kreuz und bittrem Leid;
dein für Zeit und Ewigkeit.
Jungfrau, Mutter Gottes mein!
Laß mich ganz dein eigen sein.
Mutter, auf dich hoff und baue ich!
Mutter, zu dir ruf und seufze ich!
Mutter, du gütigste, steh mir bei!
Mutter, du mächtigste, Schutz mir leih!
O Mutter, so komm, hilf beten mir!
O Mutter, so komm, hilf streiten mir!
O Mutter, so komm, hilf leiden mir!
O Mutter, so komm und bleib bei mir!
Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste!
Du willst mir ja helfen, o Gütigste!
Du mußt mir ja helfen, o Treueste!
Du wirst mir auch helfen, Barmherzige!
O Mutter der Gnade der Christen Hort!
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Pfort!
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier!
Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier!
Wer hat je umsonst deine Hilf angefleht?
Wann hast du vergessen ein kindlich Gebet?
Drum ruf ich beharrlich im Kreuz und im Leid:
`Maria hilft immer! Sie hilft jederzeit.'
Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod:
`Maria hilft immer, in jeglicher Not.'
So glaub' ich und lebe und sterbe darauf:
`Maria hilft mir in den Himmel hinauf!' Amen."

Ausspenderin aller Gnaden Papst Pius XI (1857-1939)
Mutter von der immerwährenden Hilfe,
Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, die Gott uns verleiht.
Er hat Dir solche Macht, solchen Reichtum, ein so gütiges Herz gegeben, damit Du in unseren Nöten uns zu Hilfe kommst.
Du bist die Fürsprecherin der Verlassenen, wenn sie sich an Dich wenden.
Hilf auch mir!
Ich empfehle mich Deinem Schutz.
In Deine Hand lege ich mein ewiges Heil, Dir übergebe ich meine Seele.
Nimm mich auf in die Zahl Deiner treuesten Diener, birg mich unter Deinem Schutzmantel!
Das genügt mir. Ja, wenn Du mir hilfst, dann fürchte ich nichts.
Auch von meinem Richter Jesus nicht, denn durch ein einziges Wort der Bitte von Deiner Seite läßt er sich zur Gnade stimmen.
Hohe Königin, erflehe mir Vergebung meiner Sünden, Liebe zu Jesus, Beharrlichkeit bis ans Ende und die Gnade, stets zu Dir zu rufen.
Du Mutter von der immerwährenden Hilfe.

V. v. Haxthausen 1850:  -> Meerstern, ich dich grüße (GL 857)
"Meerstern, ich dich grüße, - O Maria, hilf
Gottesmutter süße!    - O Maria, hilf - R
Rose ohne Dornen,   - O Maria, hilf
Du von Gott erkorne!  - O Maria, hilf - R
Lilie ohnegleichen,   - O Maria, hilf
Dir die Engel weichen!  - O Maria, hilf - R
Quelle aller Freuden,  - O Maria, hilf
Trösterin in Leiden!  - O Maria, hilf - R
(Hoch auf deinem Throne,  - O Maria, hilf
aller Jungfraun Krone!  - O Maria, hilf - R
Gib ein reines Leben,  - O Maria, hilf
sichre Reis' daneben!  - O Maria, hilf - R)
Dich als Mutter zeige,  - O Maria, hilf
gnädig uns zuneige!   - O Maria, hilf - R
(Nimm uns in die Hände  - O Maria, hilf
uns das Licht zuwende!  - O Maria, hilf - R
Hilf uns Christum flehen  - O Maria, hilf
fröhlich vor ihm stehen!  - O Maria, hilf - R)
R: Maria, hilf uns allen aus unsrer tiefen Not!"

Hilf, Maria, es ist Zeit (Altes Wallfahrerlied)
"O Maria, hilf doch mir,
sieh´, es fleht Dein Kind zu Dir!
Du bist es ja, die helfen kann,
o Mutter, nimm Dich meiner an!
Hilf, Maria, es ist Zeit,
hilf, Mutter der Barmherzigkeit!
Du bist mächtig, uns aus Nöten,
und Gefahren zu erretten,
denn, wo Menschenhilf´ gebricht,
mangelt doch die Deine nicht.
Hilf, Maria, es ist Zeit,
hilf, Mutter der Barmherzigkeit!
Nein, Du kannst das heiße Flehen,
Deiner Kinder nicht verschmähen.
Zeige, daß Du Mutter bist,
wo die Not am größten ist.
Hilf, Maria,  es ist Zeit,
hilf, Mutter der Barmherzigkeit!
Keiner fleh zu Dir vergebens
in den Nöten dieses Lebens,
denn Du bist zu allerzeit,
uns zu helfen gern bereit.
Was uns mangelt, willst Du geben,
was uns drückt, willst Du beheben,
was uns kränkt, soll bald verschwinden,
was verwundet, willst verbinden,
Mutter, Du mit eigner Hand,
Die das Leiden auch empfand.
Allen, die sich recht bestreben,
fromm und tugendhaft zu leben,
und sich Gott von Herzen weihn,
willst Du Trost und Hilfe sein.
Hilf, Maria, es ist Zeit,
hilf, Mutter der Barmherzigkeit.

Gebet zu Maria hilf!
"Mit heissen Tränen flieh aufs neue
geliebte Mutter ich zu dir.
Denn nur in deiner Muttertreue
ruht ja mein Heil auf erden hier.
Wer ausser dir hört meine Klagen?
Wer wenn nicht du heilst meinen Schmerz?
Zu dir allein darf kühn ichs tragen
dies arme Angst gequälte Herz.
Dem Mutterblick ist nichts verborgen,
was ein beliebtes Kind belangt.
Du kennst sie all die schweren Sorgen,
weisst wie mirs vor der Zukunft bangt.
Du hörst die Seufzer meiner Seele.
Du zählst die Tränen, die ich wein.
Noch eh mein Leid ich dir erzähle,
will deine Lieb mir Trost verleihn.
Was jetzt mich drückt, dir ist schon lange
viel besser noch als mir bekannt.
Drum hab ich mich zu frommen Gange
in dies dein Heiligtum gewandt.
Hier hoff Erhörung ich zu finden.
Hier such ich Trost für meinen Schmerz.
Ein Wort von dir, die Not muss schwinden
und Friede fühlt das bange Herz.
An Leib wie an der Seele trage
ich schweres Kreuz gar drückend gross.
So kummerschwer ist meine Lage,
so freudenleer mein irdisch Los.
Ach wenn es Gottes Will wäre,
wär gern von dieser Last ich frei.
Bitt du für mich gewiss dann kehre
ich fröhlich heim erquickt aufs neu.
Vor allem schenke meinem Herzen,
was deines besass als bestes Gut,
dass es in allen Erdeschmerzen
getrost im Willen Gottes ruht.
Soll ich mein Kreuz noch länger tragen?
Hilf, dass ich stets noch besser lern,
so demutsvoll wie du zu sagen:
Wohlan ich bin die Magd des Herrn."

Altes Bayerisches Gebet:
Zu Dir Maria kommen wir
und halten bei Dir an.
Wir suchen unsere Hilf bei Dir,
Du hilfst ja jedermann.
Tritt zu dem Throne Gottes hin
und leg Dein Fürbitt ein,
Du, Gottes Sohns Gebärerin
wirst bald erhöret sein.
Nimmst Du uns unter Deinen Schutz,
Du Himmelskönigin,
so bieten wir dem Feinde Trutz,
Maria Helferin.
Versag uns Deine Liebe nicht,
die wir vor Dir hier stehen,
erbitt vor Gottes Angesicht,
was wir durch Dich erflehen.
Beschütze unser Vaterland,
hilf uns in jeder Not,
und reich uns Deine Mutterhand
im Leben und im Tod.

Maria, hilf (Janna Fährmann)
"Maria, Geliebte des Windes, der Sonne, der Erde, des Wasses, der Tiere, des Baums -
gequält und geschunden von uns, der "Krone der Schöpfung":
Hilf uns in deiner Demut die Schöpfung zu schauen.
Maria, du Mutter der weinenden Kinder - verhungert, erforen ins Elend geboren,
gequält und geschunden von uns, der "Krone der Schöpfung":
Hilf uns in deiner Großmut den Reichtum zu teilen.
Maria, du Freundin unsrer Dunkelheiten, die Seelen verstummt, erblindet und taub -
gequält und geschunden von uns, der "Krone der Schöpfung":
Hilf uns in deiner Liebe uns selbst zu sehen."

Unsere Liebe Frau am Anger:
"Mutter Christi und unsere Mutter!
Du Ährenmadonna seit Jahrhunderten hier verehrt.
Deine Augen schauen gütig auf uns.
Mit kindlichem Vertrauen bitten wir Dich: stärke unseren Glauben.
Dein Glaube sei uns Vorbild.
Du Fürsprecherin am Throne Gottes und unsere Schutzfrau.
Erbitte den Segen für unsere Häuser, Gehöfte, Familien, Eltern und Kinder.
Breite Deinen Mantel aus über alle Arbeitsstätten, Krankenhäuser und Menschen, die sich einsam und verloren fühlen.
Behüte unsere Bischöfe, Priester und Ordensleute.
Stehe uns auch gütig bei in der Stunde unseres Todes.
Amen."

Maria hilf - eine Mutter für alle Fälle: beim Beten, beim Streiten, beim Leiden. "Muß" sie uns wirklich helfen? "Hilf, dass ich stets noch besser lern, so demutsvoll wie du zu sagen: Wohlan ich bin die Magd des Herrn." Widerspricht das nicht allzusehr unserem individualistischen Zeitgeist? Verstehen wir uns wirklich noch als Magd des Herrn? Sollten wir es? Oder ist es nicht tatsächlich so, dass wir uns lieber als "Krone der Schöpfung" sehen ohne Rücksicht auf Verluste? Wieweit bin ich persönlich mitverantwortlich am Leid in der Welt?


 Copyright © 2003 Helmut Zenz