Marianische Exerzitien im Alltag

26.10.    Du Königin der Engel

spätes 9. Jahrhundert: O quam glorifica luce coruscas
"Herrlich strahlst du im Licht, Jungfrau Maria, Kind aus Davids Geschlecht, Tochter des Königs, die erhaben nun thront hoch in den Himmeln und Gebieterin ist über die Engel.
Dem allmächtigen Gott wurdest du Mutter, hast dem Herrn, der dich schuf, Wohnung bereitet, ihm den heiligen Schoß willig geboten - un dim Fleisch ward Gott Mensch wie wir alle.
Den in Ehrfurcht verehrt Erde und Himmel, den Erlöser und Herrn, bitten wir heute, da ins himmlische Reich ganz er dich aufnahm: Aus dem Dunkel der Welt für uns zum Lichte.
Dir sei Ehre und Preis, Vater des Lichtes, dir dem ewigen Sohn, der uns erlöst hat, dir, dem heiligen Geist, Gott dem Dreieinen, dessen Herrschaft und Reich währen auf ewig. Amen."

um 1100: Ave Regina caelorum (coelorum) (GL 579)
 
   Ave Regina coelorum,
   Ave Domina Angelorum:
   Salve radix, salve porta,
   Ex qua mundo lux est orta:

   Gaude Virgo gloriosa,
   Super omnes speciosa:
   Vale o valde decora,
   Et pro nobis Christum exora.
 

  Ave, du Himmelskönigin,
   ave, der Engel Herrscherin.
   Wurzel, der das Heil entsprossen,
   Tür, die uns das Licht erschlossen:

   Freu dich, Jungfrau, voll der Ehre,
   über allen Seligen Hehre,
   sei gegrüßt, des Himmels Krone,
   bitt für uns bei deinem Sohne. 
J. G. Rheinberger, op. 140 Nr. 4,  Marienhymnus der Komplet

   Ave regina coelorum,
   Ave domina angelorum,
   Miserere tui labentis
   Dufay, ne peccatorum
   ruat inignem fervorum.
   Salve radix sancta,
   ex qua mundo lux est orta,
   Miserere, miserere genetrix domini
   ut pateat porta coeli debili.
   Gaude gloriosa,
   super omnes speciosa,
   Miserere, miserere supplicanti
   Dufay sitque in conspectu tuo
   mors eius speciosa.
   Vale, valde decora,
   et pro nobis semper Christum exora,
   In excelsis ne damnemur
   miserere nobis et iuva,
   ut in mortis hora
   nostra sint corda decora.
Guillaume Dufay (c. 1400-1474). 
Weitere Textvarianten und Übersetzungen:
"Maria, Himmelskönigin, der Engel hohe Herrscherin, o Wurzel, der das Heil entsprießt, du Tor des Lichtes, sei gegrüßt.
Freu dich, du bist an Ehren reich, dir ist an Gnaden keine gleich. (Freu dich, denn du bist ehren-reich, an Gnade ist dir keine gleich.)
Ach bitt für uns an Gottes Thron bei Jesus, deinem lieben Sohn. (Ach, bitt für uns am Gnadenthron bei Jesus Christus, deinem Sohn.)"

Laurentius von Schnüffis, 1692 - Wunderschön prächtige
"Wunderschön prächtige,
hohe und mächtige,
liebreich holdselige, himmlische Frau,
der ich mich ewiglich
weihe herzinniglich,
Leib dir und Seele zu eigen vertrau.
Gut, Blut und Leben
will ich dir geben;
alles, was immer ich hab, was ich bin,
geb ich mit Freuden, Maria, dir hin.
Schuldlos Geborene,
einzig Erkorene,
du Gottes Tochter und Mutter und Braut,
die aus der reinen Schar
Reinste, wie keine war,
die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut.
Du Makellose,
geistliche Rose,
Krone der Erde, der Himmlischen Zier!
Himmel und Erde, sie huldigen dir.
In diesem Jammertal
rufen wir allzumal
zu dir, o Mutter, aus Elend und Not.
Aber vor allem gut
halt uns in deiner Hut,
wann Leib und Seele sich scheiden im Tod!
Dann für uns streite
und uns geleite,
mächtige Jungfrau, zum Himmel empor,
wo dich lopreisen die Engel im Chor."

Es sollen die Lüfte erschallen, Südtirol (aus: Norbert Wallner: Deutsche Marienlieder der Enneberger Ladiner, Wien 1970)
"Es sollen die Lüfte erschallen von Jubel und freudigem Ton,
da jene, so heilig vor allen aufsteiget in Himmel zum Lohn.
Seht! Wie sich maria erhebet, in Lüften je länger, je mehr,
seht wie sie so eilend fortschwebet begleitet vom englischen Heer!
Der Himmel ihr offen schon stehet, ihr ist schon bestimmet der Thron.
Entgegen der Mutter selbst gehet mit Freude ihr göttlicher Sohn.
Wie liebreich er selbe empfangen beym Eintritt der heiligen Stadt,
wie zärtlich er selbe umfangen, ein mensch noch begriffen es hat.
Gott selbst sie als Königin krönet, der Menschen, und Engeln zugleich:
Vor Jubel, und Freude ertönet das ganze oberirrdische Reich.
Maria den Zepter itzt führet, zwölf Sterne gestalten die Kron,
der Mond ihre Füße auszieret, das Kleid ihr muß geben die Sonn.
Maria! weil du so erhoben, und itzt bist die nächste bey Gott:
Wir alle dich ehren, dich loben, und rufen: in dringender Noth.
Ach! Mutter uns niemals verlasse, als Kinder uns alle nimm an!
Macht, daß wir nur wandeln die Straße, die bald zu dir führen uns kann."

Engel - was bedeuten sie mir? Habe ich eine Vorstellung von Ihnen? Maria ist ihre Herrscherin und Gebieterin - was könnte das heißen? Oder sind mir die Bilder vom himmlischen Engelsgesang nur ein Bild für die unermeßliche Verehrung Gottes, den Maria sozusagen "dirigiert", anführt und leitet?



27.10.    Du
Königin der Patriarchen -Königin der Propheten - Königin der Apostel - Königin der Märtyrer - Königin der Bekenner - Königin der Jungfrauen - Königin aller Heiligen
Lob Mariens (aus Joseph Gabler (Hrsg.): Neue geistliche Nachtigkall, Linz 1884)
"O Maria! O Maria! Groß ist deine Heiligkeit Altes Ettaler Gebet
"O gütigste Jungfrau Maria, schönste Lilie unseres Tales, die du aus deinem anmutsvollen Antlitz in deinem wunderschönen Bilde deine engelreine Unschuld, Demut und Liebe zu erkennen gibst, wodurch du aller Herzen an dich ziehest und zu deiner Nachfolge erweckest, die dich sehen und verehren; ich bitte dich, holde Mutter, daß du mich, wie alle, die sich unter deinen Schutz begeben, in deinem Schoß aufnehmen, beim Scheiden aus diesem Tränentale mir beistehen und in die ewigen Wohnungen des Himmels mich einführen wollest, damit ich dort JESUS, deinen göttlichen Sohn, ewig sehen, lieben und loben könne. Amen."

Nachfolge in Heiligkeit - kein Mensch kann die makellose Jungfrau an Heiligkeit erreichen! So ist Maria auch Königin aller Heiligen! Wie heilig möchte ich sein? Fühle ich mich schon als Heilige/Heiliger? Wir sind in der Taufe geheiligt und Paulus redet uns deshalb als Heilige an? Lebe ich aber mit dem Ziel, dass mich die Kirche vielleicht auch einmal heilig spricht? Warum lebe ich nicht in meinem Bereich wie Mutter Teresa es tat? Oder tue ich es schon und wird es nur nicht "erkannt"?



28.10.    Du Königin, ohne Erbschuld empfangen
(1883 von Papst Leo XIII  bewilligt: "ohne Makel der Erbsünde")

Gebet zur Himmelskönigin (nach Papst Pius XII.)
"Jungfrau, Unbefleckt Empfangene, Gottes und der Menschen Mutter!
Aus der Tiefe dieses Tals der Tränen, erheben wir unsere Augen zu Dir, o Maria, geliebte Mutter, um durch die Schau Deiner Heiligkeit gestärkt zu werden, um Dich, Königin und Herrscherin des Himmels und der Erde, als unsere erhabene Königin und Herrin zu grüßen.
Dein Königtum lobpreisen wir mit dem berechtigten Stolz, Deine Kinder zu sein und anzuerkennen es, weil es der erhabenen Würde Deines Wesens zukommend ist, die liebreiche und wahre Mutter Jesu zu sein, der durch eigenes Recht König ist.
O Mutter und Herrin, weise uns den Weg der Heiligkeit, leite uns und stehe uns bei, auf daß wir niemals von ihm abweichen.
Wie Du in der Höhe des Himmels Herrschaft über die Engelscharen ausübst, die Dich als Herrin anrufen, über die unzählige Schar der Heiligen, die beseligt sind in der Schau Deiner leuchtenden Schönheit, so herrsche auch über das ganze Menschengeschlecht und öffne vor allem jenen den Weg zum Glauben, die Deinen Göttlichen Sohn nicht kennen.
Herrsche über die Kirche, die inmitten der Bedrängnis unserer Tage bei Dir ihre sichere Zukunft findet.
Herrsche über die Einzelnen und über die Familien, über die Völker und unser Land.
Herrsche auf den Straßen und Plätzen, in Stadt und Land, in Berg und Tal, in den Lüften, auf der Erde und dem Meer.
Erhöre das fromme Gebet derer, die wissen, daß Dein Reich ein Reich des Erbarmens ist, wo jede Bitte Erhörung findet, jeder Schmerz Linderung, jede schmrzliche Prüfung Trost, jede Schwäche Heilung, und wo durch den Wink Deiner milden hand, selbst aus dem Tod strahlend das Leben ersteht.
Erwirke, daß wir Deine Kinder, dereinst im Himmel der Fülle Deines Reiches teilhaftig werden, in der Schau Deines göttlichen Sohnes, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen."

Gebet
"O Maria, unbefleckte Königin, blicke auf unsere arme, verwirrte und erkrankte Welt.
Du kennst unser Elend und unsere Schwächen.
Habe Mitleid mit uns!
Dir gab JESUS königliche Gewalt über die ganze Menschheit.
Dir hat er alle Schätze seiner Gnade anvertraut.
Durch dich will er uns Verzeihung und Barmherzigkeit schenken.
Darum kommen in dieser Stunde der Angst und Not wir, Deine Kinder, zu Dir, unserer einzigen Hoffnung.
Wir preisen Dein Königtum über die ganze Welt und erflehen sehnlichst Deinen Triumph.
Wir brauchen eine Mutter, wir brauchen ein Mutterherz.
Sei Du die leuchtende Morgenröte, die unsere Finsternis verscheucht und uns den wahren Weg des Lebens weist. -
Sei Du die unversiegliche Quelle, zu der wir kommen, um Mut, Vertrauen und Liebe zu schöpfen.
Sei Du das Band, das alle Menschen vereint, das große Zeichen des Friedens.
Sei Du, wie Du es immer warst, unsere Mutter in den Zeiten der Prüfungen und errette uns in der Stunde der Gefahr.
Amen."

Gebet um den Segen der Marienweihe (von Mutter Teresa)
"Maria, meine liebste Mutter, gib mir Dein Herz so schön, so rein, so unbefleckt, so voll von Liebe und Demut, damit ich wie Du Jesus empfange, und damit ich eile, ihn anderen zu geben."

Erzbischof Wetter bei seinem Einzug in München
"Mutter unseres Herrn Jesus Christus!
In mütterlicher Liebe trägst du Sorge für uns, deine Kinder.
Dein Sohn hat dich rein gemacht für alle, die der Hilfe bedürfen.
Darum rufen wir voll Vertrauen zu dir:
"Führe uns zu deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne."
Du bist die heilige Jungfrau, ohne Makel.
Du bist das strahlende Urbild der Kirche.
Dir ist die lebendige Kirche von München und Freising geweiht.
Mutter unseres Herrn, du bist die Patronin der Bayern.
Ich (Wir) empfehle(n) mein (unser) Bistum und meinen (unseren) Dienst deinem Mutterherzen.
Bleibe dem Bayernlande, unserer Erzdiözese und jedem einzelnen von uns zugewandt,
o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria."

Erbschuld/Erbsünde der Menschen  - Maria ohne Makel empfangen - Dogmen der katholischen Kirche! Fühle ich mich mit einem Makel behaftet? Verdrängen wir modernen Menschen in unserem Fortschrittsdenken diesen Gedanken nicht allzugern? Warum musste Maria ohne Makel empfangen sein? Kann ich den Zusammenhang der katholischen Dogmen erkennen oder tue ich mir schwer damit? Stehe ich zu meinen eventuellen Schwierigkeiten? Versuche ich sie zu beheben?



29.10.    Du Königin, aufgenommen in den Himmel
(1950 von Papst Pius XII. eingeschaltet)

Heinrich Bone 1847: Maria aufgenommen ist (GL 587)
"Maria aufgenommen ist - Halleluja -
zu ihrem Sohne Jesus Christ - Halleluja.
Ihr Sohn, der Tod und Grab besiegt, - Halleluja -
er läßt im Tod die Mutter nicht. - Halleluja.
Im Himmel ist sie Königin - Halleluja .
und aller Welt ein Trösterin. - Halleluja.
O Zeichen groß: ihr Kleid die Sonn, - Halleluja -
ihr Schuh der Mond, zwölf Stern ihr Kron. - Halleluja.
O große Freud, o Seligkeit! - Halleluja -
Stimm ein, o ganze Christenheit! - Halleluja.
Gelobt sei die Dreifaltigkeit, - Halleluja -
der eine Gott in Ewigkeit. - Halleluja."

Rom um 1170: Regina caeli
 
Regina coeli laetare, alleluja: 
   Quia quem meruisti portare, alleluja:
   Resurrexit, sicut dixit, alleluja:
   Ora pro nobis Deum, alleluja.
O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja.
   Denn er, den Du zu tragen würdig warst, Halleluja,
   ist erstanden, wie er sagte, Halleluja.
   Bitt Gott für uns, Maria. Halleluja!
J. G. Rheinberger, op. 71, Nr.5

Weitere Textvarianten und Übersetzungen:
Text 1: Freu dich, du Himmelskönigin (GL 2-8 mit Oration; 574/575/576) (früher: Wird vom Karsamstag Mittag bis Samstag nach Pfingsten stehend gebetet)
     "O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja,
      Denn er, den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
      ist erstanden, wie er sagte, Halleluja,
      bitt Gott für uns, Maria. Halleluja."
      oder
      "Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja,
      Den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
      er ist auferstanden, wie er gesagt, Halleluja,
      Bitt Gott für uns, Halleluja."
Text 2: -> Konstanz 1600
       "Freu dich du Himmelskönigin, Freu dich, Maria!
       freu dich, das Leid ist all dahin. Halleluja - KV
       Den du zu tragen würdig warst, Freu dich, Maria!
       der Heiland lebt, den du gebarst. Halleluja - KV
       Er ist erstanden von dem Tod, Freu dich, Maria!
       wie er gesagt, der wahre Gott. Halleluja - KV
       Bitt Gott für uns, so wird's geschehn, Freu dich, Maria!
       daß wir mit Christus auferstehn. Halleluja - KV
       KV Bitt Gott für uns, Maria."
Text 3: -> Joseph Gabler (Hrsg.): Neue Geistliche Nachtigall, Linz 1884

Bernhard von Morlas + 1140: Omni die dic Mariae  -> Alle Tage sing und sage (GL 589)
"Alle Tage
sind und sage
Lob der Himmelskönigin;
ihre Gnaden,
ihre Taten
ehr, o Christ, mit Herz und Sinn.
Auserlesen
ist ihr Wesen,
Mutter sie und Jungfrau war.
Preis sie selig,
überselig;
groß ist sie und wunderbar.
Gotterkoren
hat geboren
sie den Heiland aller Welt,
der gegeben
Licht und Leben
und den Himmel offen hält.
Ihre Ehren
zu vermehren,
sei von Herzen stets bereit.
Benedeie
sie und freue
dich ob ihrer Herrlichkeit."

Aus der Jakobus-Liturgie:
"Lob dir in des Himmelshöhen, reine und glorreiche Jungfrau und Mutter Maria.
Würdig und recht ist es, dich zu preisen und dich zu bitten als unsere Mutter und Fürsprecherin bei Gott.
Dir, Begnadete, jubelt die ganze Schöpfung zu, die Scharen der Heiligen und die Menschheit.
Du bist der geweihte Tempel, du die Krone aller Frauen, die Christus geboren hat zur Freude aller Welt.
Dir jubelt die ganze Schöpfung zu, dir sei die Ehre und der Ruhm. Amen."

Weidener Wallfahrer nach Maria-Kulm im Egerland (aus: Eichenseer, Adolf J. (Hrsg.): Geistliche Volkslieder aus der Oberpfalz)
"Ihr Kräfte der Seelen in süßester Freud,
hier tut euch einstellen, Gott preiset allzeit.
KV: Sprecht Ave Maria mit Herz und mit Mund,
singt salve Regina all Tag und all Stund.
Maria zu loben, kommt, eilet zum Thron,
auf den sie erhoben ihr göttlicher Sohn. - KV
Sie ehren im Namen des Vaters und Sohn,
wie auch in Liebesflammen, die dritte Person! - KV
Sie ist voll der Gnaden, eine reine Jungfrau,
vom Geist überschattet, eine Mutter und Frau! - KV
Sie war ja empfangen ohne Makel und Sünd´,
eshat nicht die Schlange gepacket das Kind! - KV
Nach Jesu alle Ehre der Mutter gebührt,
ihr Lob zu vermehren, Gott selber sie ziert. - KV"

Allen Lobes Wert: Gebet zum Fest Mariä Himmelfahrt aus dem Jahre 1530
"Maria rein, Maria zart,
wir loben heut´ dein´ Himmelfahrt,
denn du bist allen Lobes wert
im Himmel und auf dieser Erd´.
Du bist die Himmelskönigin,
mit Leib´ und Seel´ genommen hin,
und thronst nun im Gelobten Land
zu deines Sohnes rechter Hand.
Auf deinem Haupt die goldne Kron´,
die du empfingst von deinem Sohn,
bedeut´, daß du zu ehren seist
nach Gott dem herrn zuallermeist.
Dein Macht ist groß, erstreckt sich weit,
dann auch deine Barmherzigkeit;
in aller Welt erzeigt sich die,
dein Herz verwarf den Sünder nie.
Erwirk´ uns durch die Fürbitt´ dein,
daß wir zum Himmel gehen ein,
dann loben wir mit reichem Schall
dich immerdar und überall."

Himmelfahrt Mariens? Eigentlich ein falscher Ausdruck! Daher heißt es offiziell auch: Aufnahme Mariens in den Himmel? Maria kann nicht wie Jesus selbst in den Himmel auffahren, sie ist nicht Gott! Selbst bei dem Gottmenschen Jesus ist nicht nur von Auferstehung, sondern auch von Auferweckung, nicht nur von Auffahrt, sondern auch von Aufnahme die Rede, da Gott Vater sein Menschsein sozusagen hochziehen muß. Umso mehr bei der Gottesmutter, die trotz aller Unbeflecktheit zutiefst Mensch bleibt! Daher heißt es zurecht: Maria aufgenommen ist und von ihrem Sohn auf den Thron gehoben ist. Dies müssen wir beim letzten Gebet/Lied immer bedenken!



30.10.    Du Königin vom heiligen Rosenkranz
(1675 hinzugefügt)

Papst Leo XIII.: Königin des heiligen Rosenkranzes
"Königin des heiligen Rosenkranzes!
Jetzt in diesen gottlosen Zeiten zeige aufs neue deine Macht so wie früher, da du so glänzende Siege errungen hast!
Vom Himmel aus, wo du als Spenderin der Vergebung der Gnade thronst, schau huldvoll herab auf die Kirche deines Sohnes, auf seinen Stellvertreter und auf alle geistlichen und weltlichen Stände!
Sie sind so schwer bedrängt.
Du kannst machtvoll alle Irrlehren niederringen.
Laß bald die Stunde der Erbarmung kommen, mag auch Tag für Tag durch zahllose Sünden die Stunde der Gerechtigkeit gefordert werden.
Und mir, dem letzten aller Menschen, der ich in Demut hier vor dir knie, erwirke mir die Gnade, die mir am meisten notwendig sit, um gerecht zu leben hier auf Erden und einst mit den Gerechten zu triumphieren im Himmel.
Mit den ganzen Gläubigen der Welt grüße ich dich, Rosenkranzkönigin, und rufe zu dir: Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für uns!"

Gebete zur "Rosa Mystica"
"Rosa Mystica, Unbefleckte Jungfrau, Mutter der Gnade, zur Ehre Deines göttlichen Sohnes, werfen wir uns vor Dir nieder, um von Gott Barmherzigkeit zu erflehen.
Nicht durch unsere Verdienste, sondern durch die Güte Deines mütterlichen Herzens erbitten wir Hilfe und Gnade in der Gewißheit, daß Du uns erhören wirst.
Rosa Mystica, Mutter Jesu, Königin des heiligen Rosenkranzes, und Mutter der Kirche, des mystischen Leibes Christi, wir erbitten für die durch Zwietracht zerissene Welt das Geschenk der Einigkeit und des Friedens und für alle jene Gnaden, welche die Herzen so vieler Deiner Kinder umwandeln können.
Rosa Mystica, Königin der Apostel, lasse rings um die eucharistischen Altäre zahlreiche Priester- und Ordensberufe erblühen, welche mit der Heiligkeit des Lebens und mit glühendem Eifer für die Seelen das Reich Deines Sohnes Jesus in der ganzen Welt ausbreiten können.
Gieße doch über uns Deine himmlischen Gnaden aus!
Gegüßet seist Du, Königin, Rosa Mystica, Mutter der Kirche, bitte für uns!"

Friedrich Dörr: Im Maien
Im Maien hebt die Schöpfung an
zu blühen und zu singen;
die Erde hat sich aufgetan,
uns neue Frucht zu bringen.
Den Gnadenfrühling voller Pracht
hast du, Maria, uns gebracht:
Dir soll das Lob erklingen.
Du bist das blütenreiche Land,
die segensvolle Erde,
an der Gott Wohlgefallen fand,
du allzeit Unversehrte.
Du trugst - o wunderbares Los -
den Gottessohn in deinem Schoß,
daß uns Erlösung werde.
Du allerschönster Rosenstrauch,
der je auf Erden blühte,
befruchtet durch des Geistes Hauch,
betaut von Gottes Güte:
Den Heiland, der aus dir entsprang,
du nahmst ihn auf mit Lobgesang
und liebendem Gemüte.
Als Weizenkorn gab sich dein Sohn
in Erdenleid und Sterben,
um uns, als seines Todes Lohn,
das Leben zu erwerben.
Sein Leib uns nährt, sein Blut uns tränkt -
der Sohn, den du der Welt geschenkt,
macht uns zu Himmelserben."

Rosenkranz und Muttergottes (Geistliches Volkslied, 19. Jahrhundert, in: Joseph Gabler (Hrsg.): Neue geistliche Nachtigall, Linz 1884)
"KV: O Jungfrau in dem Himmelsglanz,
wir ehren dich im Rosenkranz -
Sei gegrüßt, o Gnadensonne,
wundervolles Gnadenbild!
Sieh uns hier vor deinem Throne,
unsrer Zuflucht starker Schild. - KV
Wunderbare Himmelsrose,
Königin in Gottes Reich,
mit dem Wunderkind im Schoße,
Mutter und Jungfrau zugleich. - KV
Sei gelobt, gebenedeiet
mit dem Herzen, mit dem Mund:
Wir dich preisen hocherfreuet,
o Maria, diese Stund. - KV
Wollen einen Kranz jetzt binden
von den schönsten Blümelein,
ihm mit Rosen überwinden,
er gehört Maria rein. - KV
Mutter du der heil´gen Liebe,
o du klarer Morgenstern,
gib uns fromme, reine Triebe,
daß wir halten an dem Herrn. - KV
Mutter rett´ mit deinen Bitten
uns von jedem tiefen Leid,
rette uns des Glaubens Blüthen,
die gewähren rechte Freud´. - KV
Nicht vergiß die armen Seelen
in des Fegefeuers Pein,
die dort große Leiden quälen,
daß sie geh´n zum Himmel ein. - KV
Hilf uns Mutter voll der Gnaden,
wenn es kommt zur Sterbezeit;
laß uns keine Feinde schaden,
hilf´ uns zu der Seligkeit. - KV"

Der Freuden-Rosenkranz (Geistliches Volkslied, in: Joseph Gabler (Hrsg.), Neue geistliche Nachtigkall, Linz 1884)
"Der Freuden-Rosenkranz
strahl schön im hellsten Glanz.

O Freuden-Rosenkranz!"

Kommt, ihr Engel, jubilirt (aus: Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth (hrsg.): Fränkische Volkslieder, Leipzig 1855)
"Kommt, ihr Engel, jubilirt! weil im Gnadenthron florirt die Mutter der schönsten Lieb;
preiset ihren Gnadenglanz durch den Heil´gen Rosenkranz, Maria Victoria!
Wie ein´ schöne Morgenröth so niemalen untergeht, bist du hier, Maria schön!
Gezieret mit Himmelsglanz ...
Edler Stern aus Jacobs Stammen! Von dir hat ja selbst empfangen Sanct Pater Dominicus,
mit viel Freud und Jubelglanz ...
O wie hoch hat dich erhöht, in dem Himmel selbst gekrönt die heiligste Dreifaltigkeit,
mit viel Freud´ und Jubelglanz ...
O du Mutter voller Gnaden, schöner als die Sonnenstrahlen! Zu den Füßen schwebt der Mond,
übertrifft den Sternenglanz ...
O du Jungfrau auserkoren! Hast vom heil´gen Geist geboren Gottes Lamm und höchstes Gut.
Erleuchte uns mit Gnadenglanz ...
Schau! Wir armen Adamskinder, wir auch, klein´ und große Sünder, rufen dich um Hülf´ hier an.
Zeig´ uns deinen Gnadenglanz ...
Ja die Teufel müssen eben, die nach unsrer Seele streben, dir ja weichen allezeit;
fürchten deinen Gnadenglanz ...
Hör´ deine Kinder kläglich schreien, in der Qual ja schmerzlich weinen: Ach, wie brennt die heiße Gluth!
Lösch´ die Brunst mit Gnadenglanz ...
Wann die Engel mit Erschrecken all´ die Todten auferwecken mit Posaunen zum Gericht,
führe uns mit Gnadenglanz ...
Dorten stelle uns zur Seiten, wollest uns zur Freud´ begleiten, die Frommen ist bereit,
heilig singen ewig das Allzeit Deo gratias, Maria Victoria! -

Rosenkranz und Victoria = Sieg gehören geschichtlich eng zusammen! Im Mittelalter galt Maria als Helferin im Krieg gegen die Türken und andere Feinde der Christenheit. Wir sollten nicht vorschnell weltliche Feinde und den Teufel in Verbindung bringen! Wohl aber können wir Marias Sieg tatsächlich mit dem letzten Gebet dahingehend deuten, dass die Teufel, die nach unsrer Seele streben, ihr allzeit weichen müssen und daher der heilige Rosenkranz eine schützende Wirkung für uns hat! Allerdings müßten wir dann auch tatsächlich an den Teufel glauben, was viele unserer Zeitgenossen nicht mehr können. Und wir?



31.10.    Du Königin des Friedens
(1917 von Papst Benedikt XV in der Not des Ersten Weltkrieges genehmigt)

Cordula Wöhler, 1870: Segne du, Maria
"Segne du, Maria, segne mich dein Kind,
daß ich hier den Frieden, dort den Himmel find.
Segne all mein Denken, segne all mein Tun,
: laß in deinem Segen Tag und Nach mich ruhn! :
Segne du, Maria, alle, die mir lieb,
deinen Muttersegen ihnen täglich gib!
Deine Mutterhände breit auf alle aus,
: segne alle Herzen, segne jedes Haus! :
Segne du, Maria, unsre letzte Stund!
Süße Trostesworte flüstre dann dein Mund!
Deine Hand, die linde, drück das Aug uns zu,
: bleib im Tod und Leben unser Segen du! :"

Königin des Friedens? (P. Heinz Perne)
"Mit Ruhm und Ehre haben Menschen dich gekrönt; Orden und Siegeszeichen an dein Gewand geheftet.
Kronen und Diademe schmücken nun dein Haupt.
Denn - so steht es geschrieben - du hast den Sieg errungen über die Türken vor Wien.
In deinem Namen hat die christliche Flotte bei Lepanto die Feinde auf den Grund des Meeres geschickt.
Dein Banner hat über dem Schlachtfeld bei Peterwardein geweht, und Prinz Eugen hat den Feind des Glaubens in die Flucht geschlagen.
Letztlich bliebst du die Siegerin in allen Schlachten.
Heilige Maria, du unsere Mutter, bist du wirklich deswegen die Königin des Friedens?
Doch was ist heute?
Türken stehen nicht mehr vor Wien, sie sind in Wien und in Bonn, in Duisburg und in Bottrop und in vielen Dörfern und Städten weit westlich von Wien.
Sie haben uns nicht überfallen.
Wir haben sie gerufen, denn wir brauchten Arbeitskräfte für die Fabriken und für den Müll.
Nur wenige sind in Reisebüros beschäftigt und buchen für uns das Ticket für den Flug in die Sonne.
Schon hört man den Schlachtruf: "Die Türken müssen raus!"
Ob auch Christen schon beten: "Königin des Friedens, bitte für uns!"?
Was muß geschehen, bis wir begreifen, welchen Frieden du willst?
Würden wir auf dein Wort hören: "Was er euch sagt, das tut", müßten wir wissen, was wirklicher Friede ist.
Friede heißt dann Versöhnung, Verzicht auf Gewalt, ein Nein zum Mißbrauch von Macht und Einfluß, ein Ja zu allen Menschen.
Denn alle sind wir Kinder eines Vaters.
Friede heißt Liebe!
Königin des Friedens, bitte für uns."

Nochmals: Friede heißt Liebe. Frieden finden vor Gott. Dazu kann auch der öffentliche Streit mit der Unwahrheit und Falschheit gehören, vielleicht sogar der "gerechte Krieg" - ein alter katholischer Gedanke mit ganz engen Grenzen. Hüten wir uns davor, zu schnell "gerechte Kriege" zu fordern und militant für katholisches Gedankengut einzutreten, damit wir nicht, ehe wir uns versehen, auf einmal den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.


Schlußgebet:
Maria, Mutter Gottes und unsere Mutter, wir brauchen dich (Vorlage leicht verändert; Der Ruf: "Mutter, wir brauchen dich" kann auch als Antwort auf die einzelnen Sätze verwendet werden.)
"Mutter,  wir fühlen uns wohl bei dir, wohl in deiner Nähe und Gegenwart.
Mutter, du veränderst uns durch deine Nähe.
Mutter, in deiner Nähe schwindet die Angst.
Mutter, in deiner Nähe weicht das Dunkel dem Licht.
Mutter, deine Nähe gibt uns Schutz vor Gefahren.
Mutter, in deiner Nähe erleben wir Trost und Freude.
Mutter, in deiner Nähe lernen wir, den Sinn unseres Lebens besser zu verstehen und uns Gott zuzuwenden, Ihm zu öffnen.
Mutter, deine Nähe schenkt uns Mut, jenen Mut, der in der Prüfung nicht aufgibt.
Mutter, deine Nähe macht uns demütig, so daß Stolz und Eifersucht keinen Platz mehr haben.
Mutter, deine Nähe schenkt uns Freude in aller Traurigkeit.
Mutter, deine Nähe schenkt uns Gelassenheit, wo wir voll Unruhe sind.
Mutter, deine Nähe treibt uns an zu Taten der Liebe, der Güte und des Verstehens.
Mutter, deine Nähe zeigt und lehrt uns, Gott und die Menschen zu lieben.
Mutter, wir brauchen dich."

Wie wichtig ist doch die Nähe Marias für uns Menschen!


 Copyright © 2003 Helmut Zenz