spätes 9. Jahrhundert: O quam glorifica luce coruscas
"Herrlich strahlst du im Licht, Jungfrau Maria, Kind aus Davids Geschlecht,
Tochter des Königs, die erhaben nun thront hoch in den Himmeln und
Gebieterin
ist über die Engel.
Dem allmächtigen Gott wurdest du Mutter, hast dem Herrn, der dich
schuf, Wohnung bereitet, ihm den heiligen Schoß willig geboten -
un dim Fleisch ward Gott Mensch wie wir alle.
Den in Ehrfurcht verehrt Erde und Himmel, den Erlöser und Herrn,
bitten wir heute, da ins himmlische Reich ganz er dich aufnahm: Aus dem
Dunkel der Welt für uns zum Lichte.
Dir sei Ehre und Preis, Vater des Lichtes, dir dem ewigen Sohn, der
uns erlöst hat, dir, dem heiligen Geist, Gott dem Dreieinen, dessen
Herrschaft und Reich währen auf ewig. Amen."
um 1100: Ave Regina caelorum (coelorum) (GL 579)
| Ave Regina coelorum,
Ave Domina Angelorum: Salve radix, salve porta, Ex qua mundo lux est orta: Gaude Virgo gloriosa,
|
Ave, du Himmelskönigin,
ave, der Engel Herrscherin. Wurzel, der das Heil entsprossen, Tür, die uns das Licht erschlossen: Freu dich, Jungfrau, voll der Ehre,
|
| Ave regina coelorum,
Ave domina angelorum, Miserere tui labentis Dufay, ne peccatorum ruat inignem fervorum. Salve radix sancta, ex qua mundo lux est orta, Miserere, miserere genetrix domini ut pateat porta coeli debili. Gaude gloriosa, super omnes speciosa, Miserere, miserere supplicanti Dufay sitque in conspectu tuo mors eius speciosa. Vale, valde decora, et pro nobis semper Christum exora, In excelsis ne damnemur miserere nobis et iuva, ut in mortis hora nostra sint corda decora. Guillaume Dufay (c. 1400-1474). |
Laurentius von Schnüffis, 1692 - Wunderschön prächtige
"Wunderschön prächtige,
hohe und mächtige,
liebreich holdselige, himmlische Frau,
der ich mich ewiglich
weihe herzinniglich,
Leib dir und Seele zu eigen vertrau.
Gut, Blut und Leben
will ich dir geben;
alles, was immer ich hab, was ich bin,
geb ich mit Freuden, Maria, dir hin.
Schuldlos Geborene,
einzig Erkorene,
du Gottes Tochter und Mutter und Braut,
die aus der reinen Schar
Reinste, wie keine war,
die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut.
Du Makellose,
geistliche Rose,
Krone der Erde, der Himmlischen Zier!
Himmel und Erde, sie huldigen dir.
In diesem Jammertal
rufen wir allzumal
zu dir, o Mutter, aus Elend und Not.
Aber vor allem gut
halt uns in deiner Hut,
wann Leib und Seele sich scheiden im Tod!
Dann für uns streite
und uns geleite,
mächtige Jungfrau, zum Himmel empor,
wo dich lopreisen die Engel im Chor."
Es sollen die Lüfte erschallen, Südtirol (aus: Norbert
Wallner: Deutsche Marienlieder der Enneberger Ladiner, Wien 1970)
"Es sollen die Lüfte erschallen von Jubel und freudigem Ton,
da jene, so heilig vor allen aufsteiget in Himmel zum Lohn.
Seht! Wie sich maria erhebet, in Lüften je länger, je mehr,
seht wie sie so eilend fortschwebet begleitet vom englischen Heer!
Der Himmel ihr offen schon stehet, ihr ist schon bestimmet der Thron.
Entgegen der Mutter selbst gehet mit Freude ihr göttlicher Sohn.
Wie liebreich er selbe empfangen beym Eintritt der heiligen Stadt,
wie zärtlich er selbe umfangen, ein mensch noch begriffen es hat.
Gott selbst sie als Königin krönet, der Menschen, und Engeln
zugleich:
Vor Jubel, und Freude ertönet das ganze oberirrdische Reich.
Maria den Zepter itzt führet, zwölf Sterne gestalten die
Kron,
der Mond ihre Füße auszieret, das Kleid ihr muß geben
die Sonn.
Maria! weil du so erhoben, und itzt bist die nächste bey Gott:
Wir alle dich ehren, dich loben, und rufen: in dringender Noth.
Ach! Mutter uns niemals verlasse, als Kinder uns alle nimm an!
Macht, daß wir nur wandeln die Straße, die bald zu dir
führen uns kann."
Engel - was bedeuten sie mir? Habe ich eine Vorstellung von Ihnen? Maria ist ihre Herrscherin und Gebieterin - was könnte das heißen? Oder sind mir die Bilder vom himmlischen Engelsgesang nur ein Bild für die unermeßliche Verehrung Gottes, den Maria sozusagen "dirigiert", anführt und leitet?
Eh´ der Mensch zur Welt geboren, warest du schon auserkoren,
daß du einstens hier auf Erden Mutter Gottes solltest werden.
Cherubim, die Engel eben, sind zu deinem Dienst gegeben,
Seraphime auch desgleichen nie von deinem Lobe weichen.
Jenen, der die Himmel zieret, Sonn´ und Mond allein regieret,
hast du Jungfrau uns geboren, Gottes Mutter auserkoren.
Jener, der allein das Leben allen Menschen hat gegeben,
wollte hier auf dieser Erden aus dir uns geboren werden.
Gott, das Wort, hat dich erkoren, ist durch dich zur Welt geboren,
daß wir nicht zugleich verderben und in unsern Sünden sterben.
Wer wird es nicht billig finden, daß ich will dein Lob verkünden,
weil ja ist aus dir entsprossen, der für uns sein Blut vergossen?
Voll der Gnad´ sei uns zugegen, da du stets auf allen Wegen
in den Nöthen und Gefahren uns als Mutter kannst bewahren.
Sieh´ wir sinken dir zu Füßen, laß uns deine
Hilf´ genießen,
ganz besonders dazumalen, wenn wir in Versuchung fallen.
Wollest auch die armen Seelen, die dort ihre Sünden quälen,
die um Hilfe zu dir schreien, von der großen Pein befreien.
Wenn der Feind uns will verführen, lasse uns nur nicht verirren,
leite uns auf deine Seiten, daß wir keinen Schiffbruch leiden.
O Maria voll der Gnaden, laß den Satan uns nicht schaden,
wenn er von des Glaubens Lehren uns zum Irrthum wollte kehren.
Wann der Tod vom Herrn gesendet seine Pfeile auf uns wendet,
selbe auf uns abzuschießen, laß uns deine Hilf´ genießen.
Wenn die Seel´ vom Leib muß scheiden, Mit den bösen
Geistern streiten,
o Maria sei zugegen, schütze mich mit Gottes Segen.
Wann ich ins´ Gericht muß gehen, zitternd vor dem Richter
stehen,
wollest Jesum für mich bitten, vor der Hölle mich behüten.
Ewig, ewig dich will loben, weil dich Gott so hocherhoben,
dir will ich mich ganz verschreiben, und dein treuer Diener bleiben.
O Maria! O Maria! Groß ist deine Heiligkeit."
Nachfolge in Heiligkeit - kein Mensch kann die makellose Jungfrau an Heiligkeit erreichen! So ist Maria auch Königin aller Heiligen! Wie heilig möchte ich sein? Fühle ich mich schon als Heilige/Heiliger? Wir sind in der Taufe geheiligt und Paulus redet uns deshalb als Heilige an? Lebe ich aber mit dem Ziel, dass mich die Kirche vielleicht auch einmal heilig spricht? Warum lebe ich nicht in meinem Bereich wie Mutter Teresa es tat? Oder tue ich es schon und wird es nur nicht "erkannt"?
Gebet zur Himmelskönigin (nach Papst Pius XII.)
"Jungfrau, Unbefleckt Empfangene, Gottes und der Menschen Mutter!
Aus der Tiefe dieses Tals der Tränen, erheben wir unsere Augen
zu Dir, o Maria, geliebte Mutter, um durch die Schau Deiner Heiligkeit
gestärkt zu werden, um Dich, Königin und Herrscherin des Himmels
und der Erde, als unsere erhabene Königin und Herrin zu grüßen.
Dein Königtum lobpreisen wir mit dem berechtigten Stolz, Deine
Kinder zu sein und anzuerkennen es, weil es der erhabenen Würde Deines
Wesens zukommend ist, die liebreiche und wahre Mutter Jesu zu sein, der
durch eigenes Recht König ist.
O Mutter und Herrin, weise uns den Weg der Heiligkeit, leite uns und
stehe uns bei, auf daß wir niemals von ihm abweichen.
Wie Du in der Höhe des Himmels Herrschaft über die Engelscharen
ausübst, die Dich als Herrin anrufen, über die unzählige
Schar der Heiligen, die beseligt sind in der Schau Deiner leuchtenden Schönheit,
so herrsche auch über das ganze Menschengeschlecht und öffne
vor allem jenen den Weg zum Glauben, die Deinen Göttlichen Sohn nicht
kennen.
Herrsche über die Kirche, die inmitten der Bedrängnis unserer
Tage bei Dir ihre sichere Zukunft findet.
Herrsche über die Einzelnen und über die Familien, über
die Völker und unser Land.
Herrsche auf den Straßen und Plätzen, in Stadt und Land,
in Berg und Tal, in den Lüften, auf der Erde und dem Meer.
Erhöre das fromme Gebet derer, die wissen, daß Dein Reich
ein Reich des Erbarmens ist, wo jede Bitte Erhörung findet, jeder
Schmerz Linderung, jede schmrzliche Prüfung Trost, jede Schwäche
Heilung, und wo durch den Wink Deiner milden hand, selbst aus dem Tod strahlend
das Leben ersteht.
Erwirke, daß wir Deine Kinder, dereinst im Himmel der Fülle
Deines Reiches teilhaftig werden, in der Schau Deines göttlichen Sohnes,
der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen."
Gebet
"O Maria, unbefleckte Königin, blicke auf unsere arme,
verwirrte und erkrankte Welt.
Du kennst unser Elend und unsere Schwächen.
Habe Mitleid mit uns!
Dir gab JESUS königliche Gewalt über die ganze Menschheit.
Dir hat er alle Schätze seiner Gnade anvertraut.
Durch dich will er uns Verzeihung und Barmherzigkeit schenken.
Darum kommen in dieser Stunde der Angst und Not wir, Deine Kinder,
zu Dir, unserer einzigen Hoffnung.
Wir preisen Dein Königtum über die ganze Welt und erflehen
sehnlichst Deinen Triumph.
Wir brauchen eine Mutter, wir brauchen ein Mutterherz.
Sei Du die leuchtende Morgenröte, die unsere Finsternis verscheucht
und uns den wahren Weg des Lebens weist. -
Sei Du die unversiegliche Quelle, zu der wir kommen, um Mut, Vertrauen
und Liebe zu schöpfen.
Sei Du das Band, das alle Menschen vereint, das große Zeichen
des Friedens.
Sei Du, wie Du es immer warst, unsere Mutter in den Zeiten der Prüfungen
und errette uns in der Stunde der Gefahr.
Amen."
Gebet um den Segen der Marienweihe (von Mutter Teresa)
"Maria, meine liebste Mutter, gib mir Dein Herz so schön, so rein,
so
unbefleckt, so voll von Liebe und Demut, damit ich wie Du Jesus empfange,
und damit ich eile, ihn anderen zu geben."
Erzbischof Wetter bei seinem Einzug in München
"Mutter unseres Herrn Jesus Christus!
In mütterlicher Liebe trägst du Sorge für uns, deine
Kinder.
Dein Sohn hat dich rein gemacht für alle, die der Hilfe bedürfen.
Darum rufen wir voll Vertrauen zu dir:
"Führe uns zu deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne."
Du bist die heilige Jungfrau, ohne Makel.
Du bist das strahlende Urbild der Kirche.
Dir ist die lebendige Kirche von München und Freising geweiht.
Mutter unseres Herrn, du bist die Patronin der Bayern.
Ich (Wir) empfehle(n) mein (unser) Bistum und meinen (unseren) Dienst
deinem Mutterherzen.
Bleibe dem Bayernlande, unserer Erzdiözese und jedem einzelnen
von uns zugewandt,
o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria."
Erbschuld/Erbsünde der Menschen - Maria ohne Makel empfangen - Dogmen der katholischen Kirche! Fühle ich mich mit einem Makel behaftet? Verdrängen wir modernen Menschen in unserem Fortschrittsdenken diesen Gedanken nicht allzugern? Warum musste Maria ohne Makel empfangen sein? Kann ich den Zusammenhang der katholischen Dogmen erkennen oder tue ich mir schwer damit? Stehe ich zu meinen eventuellen Schwierigkeiten? Versuche ich sie zu beheben?
Heinrich Bone 1847: Maria aufgenommen ist (GL 587)
"Maria aufgenommen ist - Halleluja -
zu ihrem Sohne Jesus Christ - Halleluja.
Ihr Sohn, der Tod und Grab besiegt, - Halleluja -
er läßt im Tod die Mutter nicht. - Halleluja.
Im Himmel ist sie Königin - Halleluja .
und aller Welt ein Trösterin. - Halleluja.
O Zeichen groß: ihr Kleid die Sonn, - Halleluja -
ihr Schuh der Mond, zwölf Stern ihr Kron. - Halleluja.
O große Freud, o Seligkeit! - Halleluja -
Stimm ein, o ganze Christenheit! - Halleluja.
Gelobt sei die Dreifaltigkeit, - Halleluja -
der eine Gott in Ewigkeit. - Halleluja."
Rom um 1170: Regina caeli
| Regina coeli laetare, alleluja:
Quia quem meruisti portare, alleluja: Resurrexit, sicut dixit, alleluja: Ora pro nobis Deum, alleluja. |
O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja.
Denn er, den Du zu tragen würdig warst, Halleluja, ist erstanden, wie er sagte, Halleluja. Bitt Gott für uns, Maria. Halleluja! J. G. Rheinberger, op. 71, Nr.5 |
Weitere Textvarianten und Übersetzungen:
Text 1: Freu dich, du Himmelskönigin (GL 2-8 mit Oration;
574/575/576) (früher: Wird vom Karsamstag Mittag bis Samstag nach
Pfingsten stehend gebetet)
"O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja,
Denn er, den du zu tragen würdig
warst, Halleluja,
ist erstanden, wie er sagte, Halleluja,
bitt Gott für uns, Maria. Halleluja."
oder
"Freu dich, du Himmelskönigin,
Halleluja,
Den du zu tragen würdig warst,
Halleluja,
er ist auferstanden, wie er gesagt,
Halleluja,
Bitt Gott für uns, Halleluja."
Text 2: -> Konstanz 1600
"Freu dich du Himmelskönigin,
Freu dich, Maria!
freu dich, das Leid ist all dahin.
Halleluja - KV
Den du zu tragen würdig warst,
Freu dich, Maria!
der Heiland lebt, den du gebarst.
Halleluja - KV
Er ist erstanden von dem Tod,
Freu dich, Maria!
wie er gesagt, der wahre Gott.
Halleluja - KV
Bitt Gott für uns, so wird's
geschehn, Freu dich, Maria!
daß wir mit Christus auferstehn.
Halleluja - KV
KV Bitt Gott für uns, Maria."
Text 3: -> Joseph Gabler (Hrsg.): Neue Geistliche Nachtigall, Linz
1884
Aus der Jakobus-Liturgie:
"Lob dir in des Himmelshöhen, reine und glorreiche Jungfrau
und Mutter Maria.
Würdig und recht ist es, dich zu preisen und dich zu bitten als
unsere Mutter und Fürsprecherin bei Gott.
Dir, Begnadete, jubelt die ganze Schöpfung zu, die Scharen der
Heiligen und die Menschheit.
Du bist der geweihte Tempel, du die Krone aller Frauen, die Christus
geboren hat zur Freude aller Welt.
Dir jubelt die ganze Schöpfung zu, dir sei die Ehre und der Ruhm.
Amen."
Weidener Wallfahrer nach Maria-Kulm im Egerland (aus: Eichenseer,
Adolf J. (Hrsg.): Geistliche Volkslieder aus der Oberpfalz)
"Ihr Kräfte der Seelen in süßester Freud,
hier tut euch einstellen, Gott preiset allzeit.
KV: Sprecht Ave Maria mit Herz und mit Mund,
singt salve Regina all Tag und all Stund.
Maria zu loben, kommt, eilet zum Thron,
auf den sie erhoben ihr göttlicher Sohn. - KV
Sie ehren im Namen des Vaters und Sohn,
wie auch in Liebesflammen, die dritte Person! - KV
Sie ist voll der Gnaden, eine reine Jungfrau,
vom Geist überschattet, eine Mutter und Frau! - KV
Sie war ja empfangen ohne Makel und Sünd´,
eshat nicht die Schlange gepacket das Kind! - KV
Nach Jesu alle Ehre der Mutter gebührt,
ihr Lob zu vermehren, Gott selber sie ziert. - KV"
Allen Lobes Wert: Gebet zum Fest Mariä Himmelfahrt aus dem Jahre
1530
"Maria rein, Maria zart,
wir loben heut´ dein´ Himmelfahrt,
denn du bist allen Lobes wert
im Himmel und auf dieser Erd´.
Du bist die Himmelskönigin,
mit Leib´ und Seel´ genommen hin,
und thronst nun im Gelobten Land
zu deines Sohnes rechter Hand.
Auf deinem Haupt die goldne Kron´,
die du empfingst von deinem Sohn,
bedeut´, daß du zu ehren seist
nach Gott dem herrn zuallermeist.
Dein Macht ist groß, erstreckt sich weit,
dann auch deine Barmherzigkeit;
in aller Welt erzeigt sich die,
dein Herz verwarf den Sünder nie.
Erwirk´ uns durch die Fürbitt´ dein,
daß wir zum Himmel gehen ein,
dann loben wir mit reichem Schall
dich immerdar und überall."
Himmelfahrt Mariens? Eigentlich ein falscher Ausdruck! Daher heißt es offiziell auch: Aufnahme Mariens in den Himmel? Maria kann nicht wie Jesus selbst in den Himmel auffahren, sie ist nicht Gott! Selbst bei dem Gottmenschen Jesus ist nicht nur von Auferstehung, sondern auch von Auferweckung, nicht nur von Auffahrt, sondern auch von Aufnahme die Rede, da Gott Vater sein Menschsein sozusagen hochziehen muß. Umso mehr bei der Gottesmutter, die trotz aller Unbeflecktheit zutiefst Mensch bleibt! Daher heißt es zurecht: Maria aufgenommen ist und von ihrem Sohn auf den Thron gehoben ist. Dies müssen wir beim letzten Gebet/Lied immer bedenken!
Papst Leo XIII.: Königin des heiligen Rosenkranzes
"Königin des heiligen Rosenkranzes!
Jetzt in diesen gottlosen Zeiten zeige aufs neue deine Macht so wie
früher, da du so glänzende Siege errungen hast!
Vom Himmel aus, wo du als Spenderin der Vergebung der Gnade thronst,
schau huldvoll herab auf die Kirche deines Sohnes, auf seinen Stellvertreter
und auf alle geistlichen und weltlichen Stände!
Sie sind so schwer bedrängt.
Du kannst machtvoll alle Irrlehren niederringen.
Laß bald die Stunde der Erbarmung kommen, mag auch Tag für
Tag durch zahllose Sünden die Stunde der Gerechtigkeit gefordert werden.
Und mir, dem letzten aller Menschen, der ich in Demut hier vor dir
knie, erwirke mir die Gnade, die mir am meisten notwendig sit, um gerecht
zu leben hier auf Erden und einst mit den Gerechten zu triumphieren im
Himmel.
Mit den ganzen Gläubigen der Welt grüße ich dich, Rosenkranzkönigin,
und rufe zu dir: Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für
uns!"
Gebete zur "Rosa Mystica"
"Rosa Mystica, Unbefleckte Jungfrau, Mutter der Gnade, zur Ehre Deines
göttlichen Sohnes, werfen wir uns vor Dir nieder, um von Gott Barmherzigkeit
zu erflehen.
Nicht durch unsere Verdienste, sondern durch die Güte Deines mütterlichen
Herzens erbitten wir Hilfe und Gnade in der Gewißheit, daß
Du uns erhören wirst.
Rosa Mystica, Mutter Jesu, Königin des heiligen Rosenkranzes,
und Mutter der Kirche, des mystischen Leibes Christi, wir erbitten für
die durch Zwietracht zerissene Welt das Geschenk der Einigkeit und des
Friedens und für alle jene Gnaden, welche die Herzen so vieler Deiner
Kinder umwandeln können.
Rosa Mystica, Königin der Apostel, lasse rings um die eucharistischen
Altäre zahlreiche Priester- und Ordensberufe erblühen, welche
mit der Heiligkeit des Lebens und mit glühendem Eifer für die
Seelen das Reich Deines Sohnes Jesus in der ganzen Welt ausbreiten können.
Gieße doch über uns Deine himmlischen Gnaden aus!
Gegüßet seist Du, Königin, Rosa Mystica, Mutter der
Kirche, bitte für uns!"
Friedrich Dörr: Im Maien
Im Maien hebt die Schöpfung an
zu blühen und zu singen;
die Erde hat sich aufgetan,
uns neue Frucht zu bringen.
Den Gnadenfrühling voller Pracht
hast du, Maria, uns gebracht:
Dir soll das Lob erklingen.
Du bist das blütenreiche Land,
die segensvolle Erde,
an der Gott Wohlgefallen fand,
du allzeit Unversehrte.
Du trugst - o wunderbares Los -
den Gottessohn in deinem Schoß,
daß uns Erlösung werde.
Du allerschönster Rosenstrauch,
der je auf Erden blühte,
befruchtet durch des Geistes Hauch,
betaut von Gottes Güte:
Den Heiland, der aus dir entsprang,
du nahmst ihn auf mit Lobgesang
und liebendem Gemüte.
Als Weizenkorn gab sich dein Sohn
in Erdenleid und Sterben,
um uns, als seines Todes Lohn,
das Leben zu erwerben.
Sein Leib uns nährt, sein Blut uns tränkt -
der Sohn, den du der Welt geschenkt,
macht uns zu Himmelserben."
Rosenkranz und Muttergottes (Geistliches Volkslied, 19. Jahrhundert,
in: Joseph Gabler (Hrsg.): Neue geistliche Nachtigall, Linz 1884)
"KV: O Jungfrau in dem Himmelsglanz,
wir ehren dich im Rosenkranz -
Sei gegrüßt, o Gnadensonne,
wundervolles Gnadenbild!
Sieh uns hier vor deinem Throne,
unsrer Zuflucht starker Schild. - KV
Wunderbare Himmelsrose,
Königin in Gottes Reich,
mit dem Wunderkind im Schoße,
Mutter und Jungfrau zugleich. - KV
Sei gelobt, gebenedeiet
mit dem Herzen, mit dem Mund:
Wir dich preisen hocherfreuet,
o Maria, diese Stund. - KV
Wollen einen Kranz jetzt binden
von den schönsten Blümelein,
ihm mit Rosen überwinden,
er gehört Maria rein. - KV
Mutter du der heil´gen Liebe,
o du klarer Morgenstern,
gib uns fromme, reine Triebe,
daß wir halten an dem Herrn. - KV
Mutter rett´ mit deinen Bitten
uns von jedem tiefen Leid,
rette uns des Glaubens Blüthen,
die gewähren rechte Freud´. - KV
Nicht vergiß die armen Seelen
in des Fegefeuers Pein,
die dort große Leiden quälen,
daß sie geh´n zum Himmel ein. - KV
Hilf uns Mutter voll der Gnaden,
wenn es kommt zur Sterbezeit;
laß uns keine Feinde schaden,
hilf´ uns zu der Seligkeit. - KV"
Der Freuden-Rosenkranz (Geistliches Volkslied, in: Joseph Gabler
(Hrsg.), Neue geistliche Nachtigkall, Linz 1884)
"Der Freuden-Rosenkranz
strahl schön im hellsten Glanz.
Kommt, ihr Engel, jubilirt (aus: Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth
(hrsg.): Fränkische Volkslieder, Leipzig 1855)
"Kommt, ihr Engel, jubilirt! weil im Gnadenthron florirt die Mutter
der schönsten Lieb;
preiset ihren Gnadenglanz durch den Heil´gen Rosenkranz,
Maria Victoria!
Wie ein´ schöne Morgenröth so niemalen untergeht, bist
du hier, Maria schön!
Gezieret mit Himmelsglanz ...
Edler Stern aus Jacobs Stammen! Von dir hat ja selbst empfangen Sanct
Pater Dominicus,
mit viel Freud und Jubelglanz ...
O wie hoch hat dich erhöht, in dem Himmel selbst gekrönt
die heiligste Dreifaltigkeit,
mit viel Freud´ und Jubelglanz ...
O du Mutter voller Gnaden, schöner als die Sonnenstrahlen! Zu
den Füßen schwebt der Mond,
übertrifft den Sternenglanz ...
O du Jungfrau auserkoren! Hast vom heil´gen Geist geboren Gottes
Lamm und höchstes Gut.
Erleuchte uns mit Gnadenglanz ...
Schau! Wir armen Adamskinder, wir auch, klein´ und große
Sünder, rufen dich um Hülf´ hier an.
Zeig´ uns deinen Gnadenglanz ...
Ja die Teufel müssen eben, die nach unsrer Seele streben, dir
ja weichen allezeit;
fürchten deinen Gnadenglanz ...
Hör´ deine Kinder kläglich schreien, in der Qual ja
schmerzlich weinen: Ach, wie brennt die heiße Gluth!
Lösch´ die Brunst mit Gnadenglanz ...
Wann die Engel mit Erschrecken all´ die Todten auferwecken mit
Posaunen zum Gericht,
führe uns mit Gnadenglanz ...
Dorten stelle uns zur Seiten, wollest uns zur Freud´ begleiten,
die Frommen ist bereit,
heilig singen ewig das Allzeit Deo gratias, Maria Victoria! -
Rosenkranz und Victoria = Sieg gehören geschichtlich eng zusammen! Im Mittelalter galt Maria als Helferin im Krieg gegen die Türken und andere Feinde der Christenheit. Wir sollten nicht vorschnell weltliche Feinde und den Teufel in Verbindung bringen! Wohl aber können wir Marias Sieg tatsächlich mit dem letzten Gebet dahingehend deuten, dass die Teufel, die nach unsrer Seele streben, ihr allzeit weichen müssen und daher der heilige Rosenkranz eine schützende Wirkung für uns hat! Allerdings müßten wir dann auch tatsächlich an den Teufel glauben, was viele unserer Zeitgenossen nicht mehr können. Und wir?
Cordula Wöhler, 1870: Segne du, Maria
"Segne du, Maria, segne mich dein Kind,
daß ich hier den Frieden, dort den Himmel find.
Segne all mein Denken, segne all mein Tun,
: laß in deinem Segen Tag und Nach mich ruhn! :
Segne du, Maria, alle, die mir lieb,
deinen Muttersegen ihnen täglich gib!
Deine Mutterhände breit auf alle aus,
: segne alle Herzen, segne jedes Haus! :
Segne du, Maria, unsre letzte Stund!
Süße Trostesworte flüstre dann dein Mund!
Deine Hand, die linde, drück das Aug uns zu,
: bleib im Tod und Leben unser Segen du! :"
Königin des Friedens? (P. Heinz Perne)
"Mit Ruhm und Ehre haben Menschen dich gekrönt; Orden und Siegeszeichen
an dein Gewand geheftet.
Kronen und Diademe schmücken nun dein Haupt.
Denn - so steht es geschrieben - du hast den Sieg errungen über
die Türken vor Wien.
In deinem Namen hat die christliche Flotte bei Lepanto die Feinde auf
den Grund des Meeres geschickt.
Dein Banner hat über dem Schlachtfeld bei Peterwardein geweht,
und Prinz Eugen hat den Feind des Glaubens in die Flucht geschlagen.
Letztlich bliebst du die Siegerin in allen Schlachten.
Heilige Maria, du unsere Mutter, bist du wirklich deswegen die Königin
des Friedens?
Doch was ist heute?
Türken stehen nicht mehr vor Wien, sie sind in Wien und in Bonn,
in Duisburg und in Bottrop und in vielen Dörfern und Städten
weit westlich von Wien.
Sie haben uns nicht überfallen.
Wir haben sie gerufen, denn wir brauchten Arbeitskräfte für
die Fabriken und für den Müll.
Nur wenige sind in Reisebüros beschäftigt und buchen für
uns das Ticket für den Flug in die Sonne.
Schon hört man den Schlachtruf: "Die Türken müssen raus!"
Ob auch Christen schon beten: "Königin des Friedens, bitte für
uns!"?
Was muß geschehen, bis wir begreifen, welchen Frieden du willst?
Würden wir auf dein Wort hören: "Was er euch sagt, das tut",
müßten wir wissen, was wirklicher Friede ist.
Friede heißt dann Versöhnung, Verzicht auf Gewalt, ein Nein
zum Mißbrauch von Macht und Einfluß, ein Ja zu allen Menschen.
Denn alle sind wir Kinder eines Vaters.
Friede heißt Liebe!
Königin des Friedens, bitte für uns."
Nochmals: Friede heißt Liebe. Frieden finden vor Gott. Dazu
kann auch der öffentliche Streit mit der Unwahrheit und Falschheit
gehören, vielleicht sogar der "gerechte Krieg" - ein alter katholischer
Gedanke mit ganz engen Grenzen. Hüten wir uns davor, zu schnell "gerechte
Kriege" zu fordern und militant für katholisches Gedankengut einzutreten,
damit wir nicht, ehe wir uns versehen, auf einmal den Teufel mit dem Beelzebub
austreiben.
Wie wichtig ist doch die Nähe Marias für uns Menschen!