Helmut Zenz SDB:
Gebete von Heiligen

als Exerzitien im Alltag



I. Gebete aus dem 4. Jahrhundert

1. Tag: Gebet des Hl. Ephräm des Syrers (306-373)
Herr und Gebieter meines Lebens:  den Geist des Müßigganges, des Kleinmuts, der Herrschsucht und der Geschwätzigkeit gib mir nicht.
Den Geist der Lauterkeit, Demut, Geduld und Liebe aber verleihe mir, Deinem Diener.
Ja, Herr und König,  laß mich meine eigenen Sünden erkennen und nicht meinen Bruder verurteilen - denn gepriesen bist Du in alle Ewigkeit.
Amen.
in den Stundengebeten der Fastenzeit; Textfassung: Archimandrit Irenäus Totzke aus dem Benediktinerkloster Niederaltaich


2. Tag: Gebete des Hl. Gregor von Nazianz (329-390) und des Hl. Basilius (330-379)
O du, alles vorbei, wie anders bist du zu nennen?
Wie können Worte dich preisen,
dich, der du durch kein Wort auszusagen bist?
Wie können Gedanken dich erreichen,
dich, der du durch kein Denken zu greifen bist?
Du einziger, unaussprechlicher, bei dir allein bleibt alles bewahrt,
auf dich hofft alles, du bist das Ziel von allem.
Du bist eins. Du bist alles. Du bist niemand. Du bist nicht eins. Du bist nicht alles.
Sei mir gnädig. O du, alles vorbei.
 

O Herr, unser Gott, wir bitten dich:
Lehre uns die rechten Gewährungen recht von dir zu erflehen.
Steuere du das Schiff unseres Lebens hin zu dir, du ruhiger Hafen aller sturmgepeitschten Seelen.
Zeige uns den Kurs, den wir zu nehmen haben.
Erneuere in uns den Geist der Willigkeit.
Laß deinen Geist unsere launischen Sinne zügeln und
führe und kräftige uns zu dem, was unser wahres Gut ist:
deine Gesetze zu halten und in all unsern Werken stets froh zu werden deiner herrlichen und erquickenden Gegenwart.
Dein ist der Ruhm und Preis von allen deinen Heiligen immer und ewig.
Amen.

3. Tag: Gebete des Hl. Augustinus Aurelius von Hippo (354-430)

Herr, du bist groß und hoch zu loben;
groß ist deine Macht,
deine Weisheit ist ohne Ende.
Und dich zu loben wagt der Mensch,
ein winziger Teil deiner Schöpfung,
der Mensch, der dem Tod verfallen ist,
der weiß um seine Sünden und weiß,
dass du dem Hoffärtigen widerstehst;
und dennoch, du selbst willst es so:
wir sollen dich loben aus fröhlichem Herzen;
denn du hast uns auf dich hin geschaffen,
und unruhig ist unser Herz,
bis es Ruhe findet in dir.

Wer gibt mir, daß ich Ruhe finde in dir?
Wer gibt mir, daß du in mein Herz kommst und es trunken machst, damit ich alles Schlechte hinter mir lasse und mein einziges Gut umfange - dich?
Was bist du mir?
Erbarme dich, damit ich reden kann.
Und ich, was bin ich für dich, daß du von mir geliebt sein willst und, wenn ich es unterlasse, mir zürnst und mit Unheil drohst?
Ist es nicht Unglück schon genug, wenn ich dich nicht liebe.
Bei deinen Erbarmungen, Herr, mein Gott, sag mir, was du mir bist!
Sag meiner Seele: Dein Heil bin ich.
Und sage es so, daß ich es höre.
Sieh, meines Herzens Ohr ist bei dir, Herr;
tu es auf, und sag meiner Seele: Dein Heil bin ich.
Nachlaufen will ich dieser Stimme, bis ich dich fassen kann.
Verbirg dein Angesicht nicht vor mir:
Sterben will ich, um nicht zu sterben und dein Angesicht zu schauen.
Eng ist das Haus meiner Seele, in das du kommen magst zu ihr: erweitere es!
Baufällig ist es: erneuere es!
Es bietet ein Ärgernis deinen Augen, ich weiß und bekenne es.
Aber wer wird es reinigen?
Zu wem andern soll ich rufen als zu dir:
"Von meinen verborgenen Sünden reinige mich, Herr,
und vor fremden Sünden behüte deinen Knecht!
Ich glaube, und darum rede ich."
Herr, du weißt es.
"Hab ich dir nicht meine Sünden bekannt wider mich selbst, mein Gott, und du hast mir vergeben die Bosheit meines Herzens?"
Ich rechte nicht über das Urteil mit dir, der du die Wahrheit bist;
und ich will mich nicht selbst betrügen, daß nicht "meine Sünde sich zum eigenen Schaden lüge".
Darum rechte ich nicht mit dir über das Urteil,
denn "wenn du acht haben wolltest auf die Missetaten, Herr, Herr, wer könnte dann bestehen?

4. Tag
Dank dir, o Gott, daß wir nicht ganz dem Tode preisgegeben sind.
Du mahnst uns, wachsam zu sein.
Dank dir, daß wir das Gute vom Bösen unterscheiden, das Böse fliehen, das Gute suchen und vor Widerwärtigkeiten nicht zurückweichen.
Dank dir erkennen wir, daß uns fremd ist, was wir für das Unsere hielten, und daß uns eigen ist, was uns fremd erschien.
Dank dir werden wir frei von den Nachstellungen und Angriffen des Bösen.
Durch dich machen uns die kleinen Dinge nicht geringer.
Durch dich wird das Bessere in uns nicht vom Schlechteren erstickt.
Durch dich ist der Tod überwunden.
Gott, der du uns zu dir hinführst,
der du uns freimachst von dem, was nicht ist, und uns bekleidest mit dem, was ist, mache uns würdig, daß wir erhört werden.
Du stärkst uns, die ganze Wahrheit läßt du uns erkennen.
Du flößt uns alles Gute ein, damit wir nicht zu Toren werden.
Du führst uns auf den guten Weg zurück.
Du begleitest uns bis an das Tor, und denen, die anklopfen, öffnest du.

Herr, mein Gott,
Deine Worte sind Freude für mich.
Hilf mir, dass ich sie nicht missdeute und andere in die Irre führe.
Herr, wende dich mir zu und hab Erbarmen.
Du bist das Licht der Blinden und die Kraft der Schwachen.
Du bist das Licht für die Sehnenden und die Stärke der Starken.
Dein sind Tag und Nacht, deine Hand lenkt die Zeiten.
Schenke mir ein wenig Zeit, damit ich in deine Gesetze eindringen.
Verschließe nicht die Tür vor dem, der anklopft.
(Verschließ uns nicht das Geheimnis deines Gesetzes, wenn wir anklopfen.
Offenbare uns deine Geheimnisse.)
Herr, vollende dein Werk an mir dein Wort, und erschließe mir dein Wort.
Deine Stimme ist mir Freude, teurer als jedes andere Vergnügen.

Herr, du mein Gott, meine einzige Hoffnung, sei mir gnädig und erhöre mich!
Laß nicht zu, daß ich so schwach werde und nicht mehr nach dir verlange;
gib, daß ich immer und unermüdlich dein Angesicht suche.
Gib mir die Kraft, zu dir zu streben.
Du ließest dich finden und gabst mir die Hoffnung, dich mit immer reinerem Gewissen erkennen zu können.
Vor dir ist meine Schwachheit und Kraft offenkundig.
Mehre die Kraft, und nimm von mir die Schwachheit;
du kennst mein Wissen und meine Torheit.
Wo du mir aufgetan hast, empfange mich;
wenn ich anklopfe, öffne mir;
mach mir auf, wo du versperrt hattest.
Gib, daß ich an dich denke, dich begreife und dich liebe.
Mehre in mir diese Gaben, bis du mich einst verwandelst auf ewig.
 

5. Tag
Herr, unser Gott, im Schatten deiner Flügel hatten wir Hoffnung.
Schütze und trage uns!
Du wirst uns tragen von unserer Kindheit an bis ins hohe Greisenalter.
Denn nur dann ist Kraft in uns, wenn sie aus dir kommt, wenn sie aus uns kommt, ist sie Schwäche.
Reich und schön ist das Leben in deiner Nähe.
Doch weil wir uns abgewandt haben von dir, sind wir auf Irrwege geraten.
Damit wir nicht umkommen, lass uns heimkehren zu dir.
Bei dir haben wir Heil in Fülle, weil du selber das Heil bist.
Darum vertrauen wir die Heimat wiederzufinden, die wir einst verließen.
Auch wenn wir ferne waren, das Haus, dein in Ewigkeit, ist immer für uns da.

Gott,
von dir sich entfernen heißt fallen, zu dir zurückkehren heißt sich erheben, in dir bleiben heißt auf sicheren Grund bauen.
Weggehen von dir heißt sterben, zurückkehren zu dir heißt auferstehen, wohnen in dir heißt leben.
Keiner verliert dich, ohne getäuscht zu sein, keiner sucht dich, ohne gerufen zu sein, keiner findet dich, ohne gereinigt zu sein.
Dich verlassen heißt verlorengehen, dich suchen heißt dich lieben, dich sehen heißt dich besitzen.
Der Glaube drängt uns zu dir, die Hoffnung führt uns hin zu dir, die Liebe vereinigt uns mit dir.

6. Tag
Du Wahrheit und meines Herzens Licht, laß nicht meine Finsternis zu mir sprechen!
In sie bin ich hinabgesunken, und ich fand mich wieder im Dunkel;
aber selbst darin habe ich dich geliebt.
Ich bin auf Irrwege geraten, doch ich habe mich an dich erinnert.
Ich hörte deine Stimme hinter mir, die mich rief, zu dir zurückzukehren;
doch ich hörte sie nur mit Mühe, weil in mir die Friedlosigkeit vorherrschte.
Aber jetzt kehre ich zu dir zurück, ich dürste und sehne mich nach deiner Quelle.
Niemand soll es mir verwehren, mich aus ihr zu nähren.
Aus ihr will ich trinken und leben.
Ich will nicht selbst mein Leben sein;
denn aus mir habe ich mein Leben verfehlt, bin zum Tode mir geworden.
In dir lebe ich wieder auf.
Sprich du zu mir und weise mir den Weg!
Deinem Wort vertraue ich mich an, auch wenn es ein tiefes Geheimnis bleibt.

Herr und Gott, wie tief verborgen sind deine Geheimnisse!
Heile meine Augen, daß ich mich über dein Licht freue.
Du bist der unwandelbar Ewige, der wahrhaft ewige Schöpfer der Seelen.
In dir gibt es kein Nacheinander der Eindrücke oder eine Erinnerung an das Gehörte wie bei einem, der ein unbekanntes Lied singt oder singen hört.
Wie du im Anfang Himmel und Erde in deinem ewigen Erkennen geschaut hast, so hast du im Anfang Himmel und Erde erschaffen, ohne daß sich dein Tun änderte.
Wer das versteht, der soll dich bekennen;
aber dich bekennen soll auch, wer es nicht versteht.
Wie erhaben bist du!
Und doch nimmst du Wohnung in den demütigen Herzen.
Du richtest auf, die am Boden liegen;
und sie fallen nicht wieder, weil du sie aufrecht hältst.

7. Tag
dem Hl. Augustinus zugeschrieben:
Atme in mir, Du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke.
Treibe mich, Du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue.
Locke mich, Du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe.
Stärke mich, Du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte.
Hüte mich, Du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.

Sedulius Caelius (425-450)
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, um dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.

Hl. Patrick (+ 493)
Aus dem Morgengebet
Ich erhebe mich heute

Ich weihe mich heute Christus sei mit mir,
Christus sei vor mir,
Christus sei in mir,
Christus sei unter mir,
Christus sei über mir,
Christus zur Rechten,
Christus zur Linken,
er die Kraft,
er der Friede!

Christus sei, wo ich liege,
Christus sei, wo ich stehe,
Christus sei, wo ich sitze,
Christus in der Tiefe,
Christus in der Höhe,
Christus in der Weite.



Hymnus des Bischofs Hrabanus Maurus  (780-856)
zugeschrieben 9. Jhdt.
Komm, Heil'ger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: nun hauch uns Gottes Odem ein.
Komm Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.
Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.
Entflamme Sinne und Gemüt, daß Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.
Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn, daß Unheil uns nicht schaden kann.
Laß gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, versteh´n
und dir vertrau´n, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt.
Den Vater auf dem ew'gen Thron und seinen auferstand´nen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heiliger Geist, auf ewig Erd und Himmel preist.

8. Tag:
Gebete des Hl. Ambrosius (333-397)
Gott, dessen Wort die Welt erschuf und dessen Wille sie erhält:
du hüllst den Tag in holdes Licht, in gnäd´gen Schlaf die dunkel Nacht.
Dich träume unser tiefstes Herz, wenn uns die Ruhe nun umfängt.
Der Schlaf erquicke unsern Leib und rüste ihn mit neuer Kraft.
Dir sei der Lobpreis dargebracht, Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist.
Dreiein´ge macht, die alles lenkt, behüte, die auf dich vertrau´n.
Amen.

Herr, wenn wir fallen, sieh uns an und heile uns durch deinen Blick.
Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus, in Tränen löscht sich unsre Schuld.
Du Licht, durchdringe unsern Geist, von unsren Herzen scheuch den Schlaf,
dir sei das erste Wort geweiht, dich preise unser Morgenlob.
Amen.

Gebet des Johannes Chrysostomus (344-407)
Gedenke, Herr, der Stadt, in der wir wohnen, jeder Stadt und jeden Landes und der Gläubigen, die darin wohnen.
Gedenke, Herr, der Reisenden, der Kranken, der Notleidenden und Gefangenen.
Gedenke, Herr, derer, die Frucht bringen und Gutes tun und sich der Armen annehmen in Deinen Gemeinden.
Lass über uns kommen den Reichtum Deiner Barmherzigkeit und
lass uns mit einem Mund und einem Herzen Deinen herrlichen und hohen Namen preisen und feiern.
Vater, Sohn und Heiliger Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.


II. Gebete aus dem 12.-14. Jahrhundert

9. Tag:
Gebet der Hl. Hildegard von Bingen (1098-1179)
Hymnus zu Ehren des Heiligen Geistes
Feuergeist! Preis Dir!
Du wirkest auf Pauken und Harfen.
Der Menschen Geist entbrennt von Dir, der Menschen Gezelte tragen ihre Kräfte.
Davon steigt der Wille empor und verleiht der Seele Geschmack;
ihre Leuchte ist das Sehnen.
Mit süßem Tone ruft Dich der Geist an und bereitet Dir gar vernünftig eine Stätte, die er in goldenen Werken mühevoll aufbaut.
Du aber führst immer ein Schwert, das abzuschneiden, was der schadenbringende Apfel in schwarzem Morde hervorbringt.
Wenn der Nebel den Willen und die Strebungen bedeckt, in denen die Seele fliegt und sich allum bewegt.
Aber der Geist ist die Bindung des Willens und des Sehnens.
Reckt sich aber der Geist also empor, daß er des Bösen Pupille zu sehen sucht und zum Kinnbacken des Bösen hinstrebt, dann verbrennst du - wenn Du nur willst - ihn schnell im Feuer.
Neigt sich die Vernunft durch üble Werke zum Bösen, dann zerpresst und zerreibst Du sie, wenn es Dir beliebt, und führst sie durch Ergießung von Erlebnissen zurück.
Zieht jedoch das Böse sein Schwert wider Dich, dann wendest Du es gegen dessen Herz zurück, wie Du beim ersten gefallenen Engel getan, wo Du den Turm seines Stolzes in die Tiefe hinabschmetterst.
Aufgerichtet hast Du einen anderen Turm unter den Zöllnern und öffentlichen Sündern, die Dir ihre Sünden und Werke bekennen.
Darum preist Dich jegliche Kreatur, die von Dir lebt, weil Du die köstlichste Salbe bist für alle Brüche und eiternden Wunden, die Du in die kostbarsten Perlen verwandelst.
Und nun würdige Dich, uns alle bei Dir zu versammeln und auf den rechten Weg zu führen.
Amen.

10. Tag
Mariengebet des Hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153)
Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es von Ewigkeit nicht erhört wurde, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief, um deine Fürbitte flehte, von dir sei verlassen worden.
Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, Jungfrau der Jungfrauen, Mutter, zu dir komme ich, vor dir stehe ich seufzend als Sünder.
O verschmähe nicht meine Worte, sondern höre sie gnädig an und erhöre mich!
Amen.


Mariengebet des Hl. Franz von Assisi (1181-1226)
Marienlied:
Heilige Jungfrau Maria,
keine Frau in der Welt ist dir ähnlich.
Du Tochter und Magd des Höchsten und Erhabensten Königs, des Himmlischen Vaters.
Du Mutter unseres Heiligsten Herrn Jesus Christus.
Du Verlobte des Heiligen Geistes.
Bitt für uns, zusammen mit dem Heiligen Erzengel Michael, mit allen himmlischen Kräften und mit allen Heiligen
bei deinem Heiligsten geliebten Sohn, dem Herrn und Meister.

Gebete des Hl. Franz von Assisi (1181-1226)
11. Tag
Du bist heilig, Herr, einziger Gott. 
Du tust Wunderbares. 
Du bist der Starke. Du bist der Große. Du bist der Höchste. 
Du der allmächtige König. 
Du heiliger Vater, König des Himmels und der Erde. 
Du Dreifaltiger und Einer, Herr, Gott aller Götter. 
Du bist das Gut, das ganze Gut, das  höchste Gut, 
Herr, Gott, lebendig und wahr. 

Du Weisheit, Du Demut, Du Geduld, 
Du Schönheit, Du Milde, 
Du Sicherheit, Du Ruhe, 
Du Lust, Du unsere Hoffnung und unsere Freude, 
Du Gerechtigkeit, 
Du all unser Reichtum, mehr als wir brauchen, 
Du Beschützer, Du Wächter und Verteidiger, 
Du Stärke, Du Zuflucht, 
Du unsere Hoffnung, Du unser Glaube, Du unsere Liebe, 
Du unsere ganze Wonne, Du unser ewiges Leben, 
groß und bewundernswürdig. 
Herr, Allmächtiger Gott, barmherziger Retter.

Du bist heilig, Herr, unser Gott. Du bist der alleinige Gott, 
der Eine, der Wundertaten vollbringt. 
Du bist der Starke, du bist der Große, du bist der Höchste. 
du bist allmächtig, du bist heilig, 
der Vater und König des Himmels und der Erde 
Du bist der Dreifaltige und der Eine, Gott der Herr. 
Du bist der Gute, das höchste Gut 
der lebendige und wahre Gott. 
Du bist die Güte, die Liebe 
du bist die Weisheit, du bist die Demut, du bist die Geduld. 

Du bist die Geborgenheit und Ruhe, 
die Fröhlichkeit und die Freude 
Du bist die Gerechtigkeit und das Maß. 
Du bist aller Reichtum 
Du bist die Milde 
du bist unsere Zuflucht und Stärke 
du unser Glaube, unsere Hoffnung und unsere Liebe 
unsere große Glückseligkeit 
Du bist die unendliche Güte, 
großer und wunderbarer Gott. 
Gott, allmächtig, liebreich, erbarmend und heilbringend. 
 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus — und in allen Deinen Kirchen, die in der ganzen Welt sind, und preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

12. Tag
Allmächtiger, ewiger gerechter und barmherziger Gott.
Gib,
dass wir Elende um Deiner selbst willen das tun, von dem wir wissen, dass Du es willst.
und immer wollen, was Dir gefällt.
So können wir, innerlich gereinigt und erleuchtet, durch das Feuer des Heiligen Geistes entflammt, nachfolgen:
Deinem geliebten Sohn, unserem Herrn Jesus Christus.
So können wir durch deine Gnade allein zu Dir Höchster gelangen,
der Du in vollkommener Dreiheit und einfacher Einheit lebst und herrschest und verherrlicht wirst,
allmächtiger Gott in alle Ewigkeit. Amen.

Gebet vor dem Kreuz von St. Damiano
Höchster, glorreicher (herrlicher) Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens,
schenke mir echten Glauben, feste Hoffnung und vollkommene Liebe, Gespür und Erkennen, Herr,
(und gib mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe. Gib mir, Herr, Sinn und Erkenntnis.)
daß ich erfülle deinen heiligen und wahrhaften Auftrag.
(damit ich erfüllen möge deinen heiligen und wahren Auftrag)
 

13. Tag:
Franziskus von Assisi, Nicht bullierte Regel, Kapitel 23
Allmächtigster, höchster, heiligster Gott, heiliger Vater und gerechter Herr des Himmels und der Erde,
wir sagen Dir Dank für Dich selbst,
denn durch Deinen Willen und Deinen einzigen Sohn mit dem Heiligen Geist hast du alles Leibliche und Unleibliche erschaffen
und hernach uns nach Deinem Bildnis gebildet und uns in das irdische Paradies eingesetzt,
aus dem wir wegen unserer Schuld verstoßen wurden.
Hernach danken wir Dir dann zugleich,
wie Du uns durch Deinen Sohn erschaffen,
also hast Du wegen der großen Liebe, die du zu uns getragen, gewollt,
daß er aus dem Leib der heiligsten, verherrlichten Jungfrau Maria als wahrer Gott und Mensch geboren wird; und du wolltest,
daß sein kostbarstes Blut, seine Leiden, seine Geißelung und zuletzt sein grausamer Tod an dem Stamm des Kreuzes der Preis der Erlösung der menschlichen Natur sein sollte.
Letztlich danken wir dir, denn noch einmal wird Dein geliebter Sohn wieder kommen in seiner Majestät und Glorie;
er wird die Verfluchten, welche nicht Buße tun noch ihn für den Erlöser halten, in die Hölle stürzen;
und zu denen, die ihn erkannt, ihm gedient, ihn angebetet und Buße getan haben, sprechen:
Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, zu besitzen das Reich, welches euch von Anfang der Welt bereitet ist.
Dieweil aber wir arme, elende Sünder Dich zu nennen nicht würdig sind,
bitten wir doch demütig:
Du wollest bewilligen,
daß Dein eingeborener geliebtester Sohn Christus Jesus mitsamt dem wahren Tröster, dem Heiligen Geist,
Dir von uns allen und jedem besonders auf eine Dir wohlgefällige Weise möge Dank sagen;
denn er genügt Dir für alles,
und durch ihn hast Du uns alle diese so große Gaben und Gnaden, die keine menschliche Zunge aussprechen kann, erwiesen und wirst sie uns noch erweisen...
Wir bitten auch demütig...,
Du wollest allen denen, die Dir in Deiner heiligen, katholischen und apostolischen Kirche dienen...,
Priestern, Diakonen ... und allen Klerikern, allen Ordensleuten, allen Königen, Fürsten, Herren und Knechten, Handwerksleuten, Arbeitern, allen Jungfrauen, Witwen und Verheirateten, allen Laien, Männern und Frauen, Gesunden und Kranken, Jungen und Alten, allem Volk, allen Zungen und Nationen und allen Menschen des Erdbodens,
die da sind und kommen werden,
in diesem Leben die wahre Gnade der Buße und Verharrung in dem wahren Glauben, ohne welche keine Seligkeit ist, verleihen.
Laß uns samt ihnen die Gnade zuteil werden,
daß wir Dich alle
  • aus ganzem Herzen,
  • aus ganzer Seele und aus allen Kräften,
  • mit allem Verstand und allen unseren innerlichen Gefühlen und Wünschen und unserem Willen lieben;

  • denn die Seele, den Leib und das ganze Leben hast Du uns geschenkt,
    Du hast uns erschaffen und aus lauter Deiner Barmherzigkeit erlöst
    und hast uns armen, elenden, üblen, abscheulichen, undankbaren, unverständigen, gottlosen und rebellischen Menschen so viele Gaben zugeteilt und
    teilst noch tägliches alles Gute zu.
    Schaffe derhalben, o Herr, daß wir
  • nichts anderes begehren,
  • nichts anderes suchen,
  • nichts anderes uns erfreue und gut dünke .

  • Denn Du allein, Herr, unser Erschaffer, Erlöser und Heiland, ein wahrer Gott,
  • der Du vollkommen bist, das wahre, vollkommene und höchste Gut,
  • der Du allein gut, barmherzig, sanftmütig, süß und lieblich, allein heilig, gerecht und wahrhaftig bist,
  • aus welchem, durch welchen und in welchem alle unsere Verzeihung, alle Gnade und Glorie der Bußfertigen, der Gerechten und aller Auserwählten im Himmel kommt.

  • Bewirke dazu, o Herr,
    daß uns nichts hind´re noch abhalte, Dich, unsern wahren Gott, an allen Orten, zu allen Zeiten, zu allen Stunden unablässig in Wahrheit und Demut zu lieben und in unseren Herzen eingeprägt zu behalten,
    und schaffe,
  • daß wir Dich lieben, ehren,
  • Dich anbeten,
  • Dir dienen,
  • Dich loben,
  • Dich verherrlichen und als einen glorreichen und großen GOTT verkünden und
  • Dir, dem allerhöchsten, dreifaltigen und einzigen Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist, dem mächtigen Erschaffer und Erlöser all derer, die an ihn allein glauben und auf ihn ihre Hoffnung setzen und ihn lieben, Dank sagen,

  • welcher Du ohne Anfang und Ende bist, ein unveränderlicher, unendlicher, unaussprechlicher, unbegreiflicher, unerforschlicher, gebenedeiter, gepriesener, glorreicher, höchster, lieblicher, freundlicher, Freude bereitender und über alles ersehnenswerter GOTT,
    von Ewigkeit zu Ewigkeit.
    Amen. 14. Tag:
    Sonnengesang:
    Höchster, allmächtiger, gütiger Herr, Dein sind Lob und Herrlichkeit und Ehre und aller Segen.
    Dir allein, Erhabenster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, Deinen Namen zu nennen.
    Gelobt seist Du, mein Herr, mit allen Deinen Geschöpfen, besonders der Schwester Sonne, die den Tag bringt und durch die Du uns das Licht gibst. Und schön ist sie und strahlt in hellem Glanz; Deine Größe, o Höchster, verherrlicht sie.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne; so leuchtend und klar und schön hast Du sie am Himmel erschaffen.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jedes Wetter, durch welche Du Deine Geschöpfe am Leben erhältst.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser, die gar nützlich ist und demütig und keusch.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch welchen Du die Nacht erhellst, und er ist schön und lustig und gewaltig und wild.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, welche uns trägt und ernährt und allerlei Früchte wachsen läßt und bunte Blumen und Kräuter.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch jene, welche aus Liebe zu Dir Verzeihung üben, Mühsal mit Geduld und Betrübnis mit Fröhlichkeit des Geistes tragen. Selig jene, die ausharren in Frieden, denn von Dir, o Höchster, werden sie die Krone empfangen.
    Gelobt seist Du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod, welchem kein Lebender entfliehen kann. Weh denen, die in schweren Sünden sterben.
    Doch selig jene, die er antrifft bei der Erfüllung Deines heiligsten Willens, denn der zweite Tod wird ihnen nichts anhaben.
    Lobet und preiset meinen Herrn und saget ihm Dank und dienet ihm in großer Demut.

    Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre!
    Würdig ist der Herr, zu empfangen Lob und Ehre!
    Alle, die ihr den Herrn fürchtet, lobet ihn!
    Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir!
    Lobet ihn, Himmel und Erde!
    Lobet, alle Flüsse, den Herrn!
    Preiset, Kinder Gottes, den Herrn!
    Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, frohlocken und freuen wir uns an ihm.
    Halleluja, halleluja, halleluja!
    König Israels!
    Jeder Geist lobe den Herrn!
    Lobet den Herrn, denn er ist gut!
    Alle, die ihr dies lest, preiset den Herrn!
    Alle Geschöpfe, preiset den Herrn!
    Alle Vögel des Himmels, lobet den Herrn!
    Alle Kinder, lobet den Herrn!
    Jünglinge und Jungfrauen, lobet den Herrn!
    Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu empfangen Lob, Ruhm und Ehre!
    Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit!
    Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampf!

    15. Tag

    Segensgebet für Bruder Leo nach Num 6,24-26
    Der Herr segne und behüte dich.
    Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner.
    Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden.
    Der Herr segne dich.
    Die Hl. Klara von Assisi ergänzt für die selige Agnes von Prag:
    Unser Herr sei mit dir zu allen Zeiten,
    und gebe Gott, dass du allzeit in ihm seiest.
    Amen.

    Gebet im Geiste des Hl. Franz von Assisi (wohl aber erst Frankreich 1913)
    Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens:
    dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst.
    dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt.
    dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist.
    dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält.
    dass ich Wahrheit bringe, wo Irrtum herrscht.
    dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht.
    dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist.
    dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.
    O Meister, hilf mir, dass ich nicht danach verlange:
    Getröstet zu werden, sondern zu trösten.
    Verstanden zu werden, sondern zu verstehen.
    Geliebt zu werden, sondern zu lieben.
    Denn:
    Wer gibt, der empfängt,
    wer verzeiht, dem wird verziehen.
    Wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.
    Amen.


    Gebete des Hl. Thomas von Aquin (1225-1274)

    16. Tag:
    Allmächtiger und Allerbarmer Gott, ich bitte dich:
    Gewähre mir die Gnade,

    Ordne meinen Lebensweg zu Lob und Ehre deines Namens. (Lenke meinen Weg in der Welt zum Ruhme deines Namens)
    Laß mich deinen Willen erkennen und erfüllen, so wie es sich gebührt und meiner Seele Segen bringt.
    Laß mich in Glück und Unglück treu zu dir stehen, im Glück demütig, im Unglück stark und ungebeugt.
    Nur was zu dir mich führt, soll meine Freude sein;
    nur was von dir mich trennt soll mich betrüben.
    Gib, daß ich niemand zu gefallen suche und keinem zu mißfallen fürchte als dir allein.
    Was vergänglich ist, o Herr, das sei gering in meinen Augen;
    doch kostbar sei mir alles was dein ist um deinetwillen;
    und über alles andere sollst du selbst mir kostbar sein, o Herr, mein Gott.
    Jede Freude ohne dich sei mir zuwider; laß mich nichts suchen als dich allein.
    Für dich zu arbeiten sei meine Freude, und eine Ruhe ohne dich sei eine Last.
    Gib, daß ich oft mein Herz zu dir erhebe und mit Reue und erneutem Vorsatz Sühne leiste wenn ich gefehlt.
    Laß mich Laß mich Gutes tun ohne Überheblichkeit.
    Laß mich den Nächsten ermahnen ohne Hochmut und ihm erbauen in Wort und Beispiel ohne Falschheit.
    Gib mir, o Herr, Laß mich, o Herr, deine Strafen hienieden tragen im Geist der Buße und deine Wohltaten recht gebrauchen durch deine Gnade.
    Laß mich deine Freude einst im Vaterland genießen durch deine Herrlichkeit, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
    Amen. 17. Tag
    Tantum ergo sacramentum, Übertragung Friedrich Dörr 1970
    Sakrament der Liebe Gottes: Leib des Herrn, sei hoch verehrt,
    Mahl, das uns mit Gott vereinigt, Brot das unsre Seele nährt,
    Blut, in dem uns Gott besiegelt seinen Bund, der ewig währt.
    Lob und Dank sei Gott dem Vater, der das Leben uns verheißt,
    seinem Wort, dem ew´gen Sohne, der im Himmelsbrot und speist;
    auch der Born der höchsten Liebe, sei gelobt, der Heilige Geist.

    Amen.

    Adoro te devote, Übertragung Petronia Steiner 1951
    Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. 
    Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier. 
    Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin, 
    weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin. 
    Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, 
    doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. 
    Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; 
    er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. 
    Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, 
    hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz. 
    Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier; 
    wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir. 
    Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, 
    bet ich dennoch gläubig: "Du mein Herr und Gott!" 
    Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, 
    fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein. 
    Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod! 
    Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot. 
    Werde gnädig Nahrung meinem Geiste du, 
    daß er deine Wonnen koste immerzu. 
    Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; 
    wasch in deinem Blute mich von Sünden rein. 
    Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, 
    bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld. 
    Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht, 
    stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht: 
    laß die Schleier fallen einst in deinem Licht, 
    daß ich selig schaue, Herr, dein Angesicht. 
    Amen.
    Ich bete an und beuge, Gottheit mich vor dir: 
    Du, der Tiefgeheime, weil in Zeichen hier. 
    All mein Wesen neigt sich, gibt sich ganz dahin, 
    weil ich, dich betrachtend, nichts als Armut bin. 
    Auge, Mund und Hände trügen sich in dir, 
    doch der Schall der Botschaft offenbart dich mir. 
    Alles will ich glauben Gottes wahrem Sohn, 
    seiner Rede lausch ich als der Wahrheit Ton. 
    Einst verbarg am Kreuze sich der Gott in dir, 
    nun verhüllt der Mensch auch sich dem Auge hier. 
    Gläubig sei umfangen, hohe Zwienatur! 
    Wie der Schächer seufz ich nach der ewigen Flur. 
    Ach, mein Thomasauge sieht kein Wundenrot, 
    dennoch ruft mein Glaube: Du, Herr, bist das Brot. 
    Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, 
    tiefer laß die Hoffnung, laß die Liebe sein! 
    Heiliges Gedächtnis an des Herren Tod, 
    köstlich uns belebend, du lebendig Brot: 
    Gnädig werde Nahrung meinem Geist du, 
    daß er dein sich freue wonnig immerzu. 
    Du, dem Pelikane gleicher Jesu mein, 
    wasche, der ich unrein, Blutender, mich rein. 
    Dieses Bluts ein Tropfen ist der Welt genug, 
    gnädig tilgt er alle Frevel, die sie trug. 
    Jesus, meinem Auge, bist du hier verhüllt, 
    mein Verlangen betet, daß es einst sich stillt: 
    Unverhüllt erscheine, Glorien-Angesicht, 
    daß ich selig schaue dich in deinem Licht! 
    Amen.

    Dank sei dir, o heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott,
    daß du mich ohne all mein Verdienst, aus reiner Gnade und Erbarmung, mit dem kostbaren Leibe und Blute deines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, gespeist hast.
    Ich bitte dich nun:
    Laß mir diese heilige Kommunion nicht zur Schuld und Strafe gereichen, sondern eine Quelle der Gnade sein.
    Sie sei mir eine Waffenrüstung des Glaubens und ein Schild des guten Willens;
    sie möge

    Und darum bitte ich dich noch besonders:
    Dass du mich zu jenem unaussprechlichen Gastmahl gelangen lassest,
    wo du mit deinem Sohne und dem Heiligen Geiste deinen Heiligen Durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn.
    Amen.

    18. Tag:
    Gebet der Hl. Gertrud von Helfta (1256-1302)
    Lopreis der allerheiligsten Dreifaltigkeit
    O Wesen aller Wesen,  Leben allen Lebens,
    o durchdringender Glanz der ewigen Klarheit, allerheiligste Dreieinigkeit,
    Du gnadenreicher Gott, Du ewige Allmacht und Glückseligkeit, Du nie versiegender Quell der Barmherzigkeit.
    Nimm auf, o allerheiligste Dreifaltigkeit, das Lob meines Mundes, welches die Liebe meines Herzens zur Erhöhung Deiner Herrlichkeit mir eingegeben hat.
    Niemand vermag Dich würdig zu loben.
    So opfere ich Dir auf mein Lob in Vereinigung des unaussprechlichen Lobes und jener Ehren, die in Deiner dreieinigen Gottheit eine Person der anderen darbringt und bezeigt.
    Ich lege mein armes Herz als ein kleines Weihrauchkörnchen in das goldene Rauchfaß des edelsten Herzens Jesu Christi, in welchem ohne Unterlaß der köstliche Weihrauch der ewigen Liebe zu Deine Lobe angezündet wird und zum Thron Deiner Majestät emporsteigt.
    Und für alle Seelen mit allen, die vor Dir stehen, möchte ich meine Stimme vereinen und nie endend rufen:
    Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen!
    Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, denn Er ist lob- und preiswürdig in Ewigkeit!
    Amen.

    Gebet der Hl. Birgitta von Schweden (1303-1373)
    Lob sei dir, Herr Gott, der du bist und warst ohne Ende.
    Wir sind dein eigen und loben und ehren dich.
    Denn du hast uns geschaffen, daß wir uns freuten in dir,
    und hast uns dein unaussprechliches Licht gegeben, in dem wir dich ewig genießen sollen ...
    Herr, laß deine Liebe walten über dem Werk deiner Hände, dem Menschen!
    Du bist allein zu fürchten in deiner unermeßlichen Allgewalt,
    du bist allein zu ersehnen in deiner Liebe,
    du bist allein zu lieben in deiner unwandelbaren Stetigkeit.
    Darum sollst du gelobt sein ohne Ende.

    Gebet der Hl. Katharina von Siena (1347-1380)
    Gott, Du bist mein Vater, ich danke Dir,
    weil Du das Werk Deiner Hände nicht verachtet hast.
    Du hast Dein Gesicht nicht von mir gewandt.
    Du bist das Licht.
    Du hast über die Finsternis in mir hinweggeschaut.
    Du bist das wahre Leben.
    Du hast alles Tote in mir übersehen.
    Du bist der Arzt.
    Du hast Dich von meiner Krankheit nicht abstoßen lassen.
    Du bist ewige Reinheit.
    Du hast meine vielen Leiden nicht verachtet.
    Du bist der Grenzenlose.
    Du hast über meine Grenzen hinweggesehen.
    Du bist die Weisheit.
    Du hast Dich von meiner Torheit nicht abstoßen lassen.


    III. Gebete aus dem 15./16. Jahrhundert

    19. Tag
    Gebet des Hl. Klaus von (der) Flü(h)e (1417-1487)
    Mein Herr und mein Gott,
    nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
    Mein Herr und mein Gott,
    gib alles mir, was mich fördert zu dir.
    Mein Herr und mein Gott,
    nimm mich mir
    und gib mich ganz zu eigen dir.

    Pater Noster
    Vater unser, ewiger Vater der Barmherzigkeit,
    du bleibst immer ein lieber, getreuer Vater deinen gläubigen und gehorsamen Kindern und hast dich selbst zum Diener und Helfer der armen Menschen auf dieser Erde gemacht:

    Wir bitten dich, himmlischer Vater, für alle Gläubigen: Herr Jesu Christe, wir bitten dich: Getreuer Herr Jesu Christe, wir bitten dich auch: Amen.
     

    20. Tag
    Hl. Thomas Morus (1478-1535)

    Gebet um Humor
    Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
    und auch etwas zum Verdauen.
    Schenke mir Gesundheit des Leibes,
    mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.
    Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
    die das im Auge behält, was gut und rein ist,
    damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke,
    sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
    Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist,
    die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,
    und laß nicht zu, daß ich mir allzuviel Sorgen mache
    um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt.
    Herr, schenke mir Sinn für Humor,
    gib mir die Gnade, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
    und anderen davon mitteile.


    21. Tag
    Hl. Ignatius von Loyola (1491-1556)

    Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit.
    Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen.
    Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt.
    Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurück und überlasse alles dir,
    daß du es lenkst nach deinem Willen.
    Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade.
    Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter.

    zugeschrieben:
    Seele Christi, heilige mich.
    Leib Christi, rette mich.
    Blut Christi, tränke mich.
    Wasser der Seite Christi, wasche mich.
    Leiden Christi, stärke mich.
    O gütiger Jesus, erhöre mich.
    Verbirg in deinen Wunden mich.
    Von dir laß nimmer scheiden mich.
    Vor dem bösen Feinde beschirme mich.
    In meiner Todesstunde rufe mich.
    Und heiße zu dir kommen mich,
    mit deinen Heiligen zu loben dich,
    in deinem Reiche ewiglich.
    Amen

    zugeschrieben:
    Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes:
    Lehre mich die wahre Großmut.
    Lehre mich:


    22. Tag
    Gebete der Hl. Theresa von Avila (1515-1582):

    Gepriesen seist du, Herr,
    dass du mich so unfähig und nutzlos gemacht hast.
    Aber noch mehr preise ich dich, dass du so viele berufen hast, damit sie uns aufrütteln.
    Wir sollten häufig beten für jene, die uns Licht bringen.
    Was wären wir ohne sie in diesen stürmischen Zeiten, wie sie die Kirche gerade durchlebt?
    Hat es unter ihnen auch schlechte gegeben, so leuchten die guten doch um so mehr hervor.
    Der Herr möge sie an der Hand nehmen und ihnen helfen, dass sie uns helfen.

    O Herr meiner Seele,
    hätte ich doch Worte, um zu beschreiben, was du denen gibst, die sich dir anvertrauen, und was jene verlieren, die diese Gnade erlangen und trotzdem nicht von sich selber lassen.
    Lass das, o Herr, niemals mit mir geschehen!
    Tust du mir doch viel mehr, da du Wohnung nimmst in einer so elenden Herberge wie meiner.
    Sei gepriesen in Ewigkeit.

    Herr meiner Seele!
    Als Du noch in dieser Welt wandeltest, hast Du den Frauen immer deine besondere Zuneigung bewiesen.
    Fandest Du doch in ihnen nicht weniger Liebe und Glauben als bei den Männern.
    Auch befand sich ja unter ihnen deine Heilige Mutter, deren Verdienste uns zukommen und deren Habe wir tragen.
    Die Welt irrt, wenn sie von uns verlangt, dass wir nicht öffentlich für Dich wirken dürfen, noch Wahrheiten aussprechen, um derentwillen wir im Geheimen weinen, und dass Du, Herr, unsere gerechten Bitten nicht erhören würdest.
    Ich glaube das nicht, Herr, denn ich kenne deine Güte und Gerechtigkeit, der Du kein Richter bist wie die Richter dieser Welt, die Kinder Adams; kurz, nichts als Männer, die meinen, jede gute Fähigkeit bei einer Frau verdächtigen zu müssen.
    Aber es wird der Tag kommen, mein König, wo dieses alles bekannt wird.
    Ich spreche hier nicht für mich selbst, denn die Welt kennt meine Schwachheit, und das ist mir lieb.
    Aber ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt.
     


    23. Tag
    Gebet des Hl. Philipp Neri (1515-1595)
    Ich möchte dir dienen, und ich finde den Weg nicht.
    Ich möchte das Gute tun, und ich finde den Weg nicht.
    Ich möchte dich finden, und finde den Weg nicht.
    Ich möchte dich lieben, und ich finde den Weg nicht.
    Ich kenne dich noch nicht, mein Jesus, weil ich dich nicht suche.
    Ich suche dich und ich finde dich nicht.
    Komm zu mir, mein Jesus.
    Ich werde dich niemals lieben, wenn du mir nicht hilfst, mein Jesus.
    Zerschneide meine Fesseln, wenn du mich haben willst, mein Jesus.
    Jesus sei mir Jesus.

    Gebet des Hl. Johannes vom Kreuz (1542-1591)

    Du nimmst mir ja nicht weg, mein Gott, was du mir in deinem einzigen Sohn Jesus Christus einmal gegeben hast;
    und in ihm hast du mir alles gegeben, was ich mir überhaupt wünschen kann.
     


    Gebete des Hl. Franz von Sales (1567-1622)

    24. Tag
    Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, mein heiliger Engel und ihr lieben Heiligen des himmlischen Reiches,
    legt Fürsprache für mich ein, damit ich Gottes Huld an mir erfahre. Helft mir gut sein.

    Glorreicher hl. Josef, Bräutigam Mariens, nimm uns unter deinen väterlichen Schutz; wir beschwören dich darum durch das Heiligste Herz Jesu.
    O du, dessen Macht sich auf all unsere Bedürfnisse (Nöte) erstreckt und
    der du das Unmögliche möglich machen kannst (der du möglich zu machen weißt, was unmöglich zu sein scheint),
    wende deine väterlichen Augen auf die Interessen deiner Kinder, und nimm dich ihrer an. (Schaue mit deinen väterlichen Augen auf die Anliegen deiner Kinder.)
    In der Not und Bedrängnis, die uns bedrücken, eilen wir mit Vertrauen zu dir.
    Würdige dich, die Leitung dieser wichtigen und schwierigen Angelegenheiten, die uns beunruhigen und bedrücken, mit väterlicher Güte selbst zu übernehmen.
    Mache, daß der glückliche Ausgang derselben zu deiner Ehre und zu unserem Besten gereichen möge.
    Amen.

    25. Tag
    Gebet um Gnade - Weihegebet
    Gnade, mein Gott, Gnade!
    Ich bitte Dich um Gnade und gänzliche Erlassung meiner Sünden im Namen Deines Eingeborenen, unseres Herrn Jesu Christi, der meines Heiles wegen am Kreuze gestorben ist.
    Auf Ihn setze ich meine ganze Hoffnung.
    Heute, o mein Gott, erneuere ich den Eid der Treue, den ich Dir in meiner Taufe geschworen habe;
    jetzt also, wie damals, widersage ich dem Teufel, der Welt und dem Fleische mit allen ihren Werken, Üppigkeiten und Gelüsten für meine ganze übrige Lebenszeit, o mein unendlich gütiger, barmherziger Gott!
    Ja, in dieser Absicht weihe ich Dir, o mein Gott, meine Seele mit allen ihren Kräften, mein Herz mit allen seinen Wallungen, meinen Leib mit allen seinen Sinnen und beteuere, daß ich von keinem Teil meines ganzen Wesens gegen den Willen Deiner göttlichen Majestät Gebrauch machen will.
    Sollte ich aber, ach, durch die Arglist meines Feindes betrogen, oder durch eine menschliche Schwäche verleitet, ermangeln, treulich mit Deiner Gnade mitzuwirken und meinem Vorsatz gemäß zu handeln, so verspreche ich Dir, keinen Augenblick zu versäumen, um mit der Gnade des heiligen Geistes mich von dem Falle wieder zu erheben.
    Dieses ist mein unveränderlicher Entschluß, meine unwiderrufliche Willensmeinung, ohne Rückhalt und ohne Ausnahme ausgesprochen.
    Würdige ewiger, allmächtiger, unendlich gütiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger geist, dieses in meinem ganzen Wesen bestehende Opfer zum lieblichen Wohlgeruche anzunehmen.
    Und da Du mir die Gnade verliehen, jene Entschlüsse Dir zum Opfer zu bringen, so verliehe mir auch Gnade nach Deiner unendlichen Güte, daß ich sie alle vollziehen möge.
    O Gott, Du bist mein Gott, der Gott meines Herzens, der Gott meines Geistes, der Gott meiner Seele!
    Ich bete Dich an, ich liebe Dich, ich will Dich anbeten und lieben in alle Ewigkeit.
    Es lebe Jesus!
    Amen.

    Ich weihe und übergebe der allerheiligsten Dreifaltigkeit alles was in mir ist; mein Gedächtnis und mein Tun Gott dem Vater, meinen Verstand und meine Worte Gottes Sohn, meinen Willen und mein Denken Gott dem Heiligen Geiste, mein Herz, meinen Leib, meinen Zunge, meine Sinne und all meine Leiden der hochheiligen Menschheit Jesu Christi. Amen.


    IV. Gebete aus dem 19./20. Jahrhundert

    26. Tag
    Gebet des Hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars (1786-1859)
    Mariengebet
    O Mutter Jesu,
    durch Deine unermeßlichen Schmerzen im Leiden und Sterben Deines göttlichen Sohnes und um der bitteren Tränen willen die Du vergossen hast, bitte ich Dich:
    Opfere den heiligen, mit Wunden und Blut bedeckten Leib unseres göttlichen Erlösers in Vereinigung mit Deinen Schmerzen und Tränen dem himmlischen Vater auf zur Rettung der Seelen und um die Gnade zu erlangen, um die ich Dich anflehe.
    Jesus, Maria, ich liebe Euch, rettet Seelen!

    Gebet des Hl. Pius X. (1835-1914)
    Jungfräulicher Vater Jesu reinster Bräutigam Mariä, Sankt Joseph, bitte Tag für Tag für uns bei Jesus, dem Sohne Gottes!
    Seine Kraft und Gnade soll uns stärken, daß wir siegreich streiten im Leben und die Krone von Ihm erhalten im Sterben.
    Heiligstes Herz Jesu,
    gieße in reicher Fülle Deinen Segen aus über die heilige Kirche, über den Papst und den ganzen Priesterstand!
    Gib den Gerechten die Gnade der Beharrlichkeit, den Sündern die Gnade der Bekehrung, den Ungläubigen das Licht des Glaubens!
    Segne unsere Verwandten, Freunde und Wohltäter, stehe den Sterbenden zur Seite und befreie die Seelen aus dem Fegefeuer!
    Breite über alle Herzen die süße Herrschaft Deiner Liebe aus!
    Amen.

    Gebet des Papstes Benedikt XV. (1854-1922)
    Heiligstes Herz Jesu, Quelle alles Guten,
    ich bete Dich an, ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich und bereue alle meine Sünden.
    Dir schenke ich dieses mein armes Herz, mache es demütig, geduldig, rein und in allen Deinen Wünschen entsprechend.
    Gib o guter Jesu, daß ich in Dir lebe und Du in mir lebst.
    Beschütze   mich in Gefahren, tröste mich in Trübsal und Betrübnissen.
    Gewähre mir die Gesundheit des Leibes und der Seele, Deinen Segen für alle meine Werke und die Gnade eines heiligen Todes.
    Amen.

    Gebete der Hl. Mirijam von Abellin (1846-1879)
    Heiliger Geist beseele mich.
    Gottes Lieb´ verzehre mich.
    Den Weg der Wahrheit führe mich.
    Maria Mutter schau auf mich.
    Mit Deinem Jesus segne mich.
    Vor aller Täuschung und Gefahr,
    vor allem Übel mich bewahr.
    Amen.

    27. Tag
    Herr Jesus Christus,
    im Schweigen dieses anbrechenden Morgens komme ich zu Dir und bitte Dich mit Demut und Vertrauen um Deinen Frieden, Deine Weisheit, Deine Kraft.
    Gib, daß ich heute die Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.
    Laß mich begreifen, daß alle Herrlichkeit der Kirche aus Deinem Kreuz als deren Quelle entspring.
    Laß mich meinen Nächsten als den Menschen empfangen, den Du durch mich lieben willst.
    Schenke mir die Bereitschaft, ihm mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das Du in ihn hineingelegt hast, zu entfalten.
    Meine Worte sollen Sanftmut ausstrahlen, und mein ganzes Verhalten soll Frieden stiften.
    Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in meinem Geiste haften bleiben.
    Verschließe meine Ohren vor jedem übelwollenden Wort und jeder böswilligen Kritik.
    Möge meine Zunge nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben.
    Vor allem bewirke, o Herr, daß ich so voller Frohmut und Wohlwollen bin, daß alle, die mir begegnen, sowohl Deine Gegenwart als auch Deine Liebe spüren.
    Bekleide mich mit dem Glanz Deiner Güte und Deiner Schönheit, damit ich Dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.
    Amen.



    Gebete der Hl. Therese (Martin) vom Lisieux (vom Kinde Jesu) (1873-1897)

    28. Tag:
    Nichts kann mich erschrecken, mein Jesus, weder Regen noch Wind.
    Und wenn die dunklen Wolken niedersinken, um Dich vor meinem Blick zu verbergen, werde ich mich nicht fürchten und weggehen.
    Ich weiß, dass über den Wolken die Sonne Deiner Liebe für immer scheint und ihre Pracht keinen einzigen Augenblick ausgelöscht werden kann.

    Wir leben in einem Jahrhundert der Erfindungen.
    Man braucht nicht mehr die Treppen hinaufzusteigen, denn in den Häusern der Reichen sind sie bequem durch einen Lift ersetzt.
    Auch ich will einen Lift finden, der mich zu Dir, Jesus, empor tragen kann.
    Denn ich bin zu klein, um die steilen Treppen der Vollkommenheit hinaufzusteigen.
    Der Lift, der mich zum Himmel hinauftragen soll, sind Deine Arme, mein Jesus.

    29. Tag
    In deinem bitteren Leiden wurdest du, lieber Jesus der Spott der Menschen, der Mann der Schmerzen. 
    Ich verehre dein göttliches Antlitz. 
    Einst strahlte daraus göttliche Schönheit und Anmut, jetzt gleicht es dem Antlitz eines Aussätzigen. 

    Doch auch in den entstellten Zügen erkenne ich deine unendliche Liebe. 
    Sehnlichst verlange ich danach, dich zu lieben und mitzuwirken, daß alle Menschen dich lieben. 
    Die Tränen, die so reichlich deinen Augen entströmten, sind mir wie kostbare Perlen. 
    Liebevoll möchte ich sie sammeln, um mit ihrem unendlichen Werte die Seelen der armen Sünder loszukaufen. 
    Jesus, dein anbetungswürdiges Antlitz zieht mich an. 
     
     

    Ich bitte dich: 
    Präge meinem Herzen das Bild deiner Gottheit ein und schenke mir eine glühende Liebe zu dir, 
    damit ich einst dein Antlitz in seiner Verklärung schauen darf im Himmel. 
    Amen. 

    O Jesus, der Du in Deinem grausamen Leiden "der Leute Spott" und "der Mann der Schmerzen" wurdest, 
    ich verehre Dein göttliches Antlitz, 
    auf dem die Schönheit und die Milde der Gottheit erglänzen, und das jetzt für mich das Antlitz eines "Aussätzigen" (Is 53,4) geworden ist. 
    Unter diesen Zügen jedoch erkenne ich Deine unendliche Liebe, 
    und ich brenne vor Verlangen, Dich zu lieben und dazu beizutragen, daß Du von allen Menschen geliebt wirst. 
    Die Tränen, die Deinen Augen so überreich entströmten, erscheinen mir wie kostbare Perlen, 
    die ich sammeln will, um mit ihrem unendlichen Wert die Seelen der armen Sünder zu erkaufen. 
    O Jesus, dessen Antlitz die einzige Schönheit ist, die mein Herz entzückt, ich will gerne hienieden auf die Süßigkeit Deines Blickes, auf den unaussprechlichen Kuß Deines Mundes verzichten, 
    aber ich flehe zu Dir: 
    Drücke Dein göttliches Bild in mein Herz ein und entflamme mich mit Deiner Liebe, damit ich mich schnell verzehre 
    und schon bald dahin gelange, Dein glorreiches Antlitz im Himmel zu schauen. 
    Amen.
    Gebet für die Priester:
    Herr Jesus Christus, ewige Hoherpriester,
        bewahre deine Priester im Schutze des heiligen Herzens, wo ihnen niemand schaden kann;
        bewahre rein und unirdisch ihr Herz, das gesiegelt ist mit dem erhabenen Zeichen deines glorreichen Priestertums;
        laß sie wachsen in der Liebe und Treue zu dir und schütze sie vor der Ansteckung der Welt;
        gib ihnen mit der Wandlungskraft über Brot und Wein auch die Wandlungskraft über die Herzen;
        segne ihre Arbeit mit reichlicher Frucht und schenke ihnen dereinst die Krone des ewigen Lebens.

    Gebete der Hl. Schwester Faustine (1905-1938)

    30. Tag
    O Jesus, Ewige Wahrheit, stärke meine schwachen Kräfte.
    Du, Herr, vermagst alles.
    Ich weiß, daß meine Anstrengungen ohne Dich nichts sind.
    O Jesus, verberge Dich nicht vor mir, denn ich kann ohne Dich nicht leben.
    Erhöre das Rufen meiner Seele.
    Deine Barmherzigkeit, Herr, ist nicht erschöpft, so erbarme Dich über mein Elend.
    Deine Barmherzigkeit übersteigt den Verstand der Engel und Menschen zusammen,
    und obgleich es mir scheint, daß Du mich nicht hörst, habe ich mein Vertrauen ins Meer Deiner Barmherzigkeit versenkt,
    und ich weiß, daß mein Vertrauen nicht enttäuscht wird.
    Amen.

    O Gott der Barmherzigkeit, Du unendliche Güte!
    Heute ruft die ganze Menschheit aus dem Abgrund ihres Elends zu Dir, zu Deinem Erbarmen.
    O Gott, sie ruft mit der gewaltigen Stimme ihrer Not.
    Guter Gott, verschmähe nicht das Gebet der Verbannten dieser Erde.
    O Herr, unbegreifliche Güte,
    Du kennst unser Elend ganz und gar und weißt, daß wir nicht imstande sind, uns aus eigener Kraft zu Dir zu erheben.
    Deshalb bitten wir Dich,
    komme uns mit Deiner Gnade zuvor und vervielfache stets Deine Barmherzigkeit in uns,
    damit wir Deinen heiligen Willen treu erfüllen im ganzen Leben und in der Stunde des Todes.
    Möge uns die Allmacht Deiner Barmherzigkeit vor den Angriffen der Feinde unserer Erlösung beschirmen,
    damit wir mit kindlichem Vertrauen auf Dein entgültiges Kommen warten.
    Dieser Tag ist allein Dir bekannt,
    doch wir erhoffen, daß wir alles erhalten werden, was uns Jesus versprochen hat
    - denn Jesus ist unser Vertrauen -
    dann schreiten wir durch Sein barmherziges Herz wie durch ein geöffnetes Tor in den Himmel hinein.
    Amen.

    Ich möchte mich ganz in Deine Barmherzigkeit umwandeln, um so ein lebendiges Abbild von Dir zu sein, o Herr, möge diese größte Eigenschaft Gottes, seine unergründliche Barmherzigkeit, durch mein Herz und meine Seele hindurch zu meinen Nächsten gelangen.
    Hilf mir, o Herr, daß meine Augen barmherzig schauen , daß ich niemals nach äußerem Anschein verdächtige und richte, sondern wahrnehme, was schön ist in den Seelen meiner Nächsten und ihnen zu Hilfe komme.
    Hilf mir, daß mein Gehör barmherzig wird, damit ich mich den Bedürfnissen meiner Nächsten zuneige, daß meine Ohren nicht gleichgültig bleiben für Leid und Klagen der Nächsten.
    Hilf mir, Herr, daß meine Zunge barmherzig wird, daß ich niemals über meinen Nächsten abfällig rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe.
    Hilf mir, Herr, daß meine Hände barmherzig und voll guter Taten sind, damit ich meinem Nächsten nur Gutes tue und schwiergere, mühevollere Arbeit auf mich nehme.
    Hilf mir, Herr, daß meine Füße barmherzig sind, daß sie meinen Nächsten immer zu Hilfe eilen und die eigene Mattheit und Ermüdung beherrschen. Meine wahre Rast ist im Dienst am Nächsten.
    Hilf mir, Herr, daß mein Herz barmherzig ist, auf daß ich alle Leiden der Nächsten empfinde, daß ich niemandem mein Herz versage, aufrichtigen Umgang auch mit denen pflege, von denen ich weiß, daß sie meine Güte mißbrauchen werden; ich selbst werde mich im barmherzigsten Herzen Jesu verschließen. Über eigene Leiden will ich schweigen. Deine Barmherzigkeit, o mein Herr, soll in mir ausruhen (...).
    O mein Jesus, verwandle mich in Dich, denn Du vermagst alles. (163)


    V. Gebete von Verfolgten der Nazi-Diktatur

    31. Tag
    Gebet des Sel. Pater Rupert Mayer SJ (1876-1945)
    Herr, wie Du willst, soll mir gescheh´n,
    und wie Du willst, so will ich geh´n,
    hilf Deinen Willen nur versteh´n.
    Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit;
    und wann Du willst, bin ich bereit,
    heut und in alle Ewigkeit.
    Herr, was Du willst, das nehm´ ich hin,
    und was Du willst, ist mir Gewinn;
    genug, daß ich Dein Eigen bin.
    Herr, weil Du´s willst, drum ist es gut;
    und weil Du´s willst, drum hab´ ich Mut.
    Mein Herz in Deinen Händen ruht!



    32. Tag
    Gebete der Hl. Edith Stein (1891-1942)
    Herr, ist es möglich,
    dass einer neu geboren wird, der schon des Lebens Mitte überschritt?
    Du hast's gesagt, und mir ward es zur Wirklichkeit.
    Des langen Lebens Last an Schuld und Leiden fiel von mir ab.
    Ach, keines Menschen Herz vermag zu fassen,
    was denen du bereitet, die dich lieben.
    Nun hab ich dich, und ich lasse dich nicht mehr.
    Wo immer meines Lebens Straße geht, du bist bei mir.
    Nichts kann von deiner Liebe je mich scheiden.

    Laß blind mich, Herr, die Wege gehn, die Deine sind.
    Will Deine Führung nicht verstehn, bin ja Dein Kind.
    Bist Vater der Weisheit, auch Vater mir.
    Führst durch Nacht Du auch, führst doch zu Dir!
    Herr, laß geschehn, was Du willst: Ich bin bereit!
    Auch wenn Du nie mein Leben stillst in dieser Zeit.
    Bist ja der Herr der Zeit: Das Wann ist Dein.
    Dein ew´ges Jetzt, einst wird es mein!
    Mach alles wahr, wie Du es planst in Deinem Rat.
    Wenn still Du dann zum Opfer mahnst, hilf auch zur Tat!

    33. Tag
    1936 nach Psalm 61
    Erhör, o Gott, mein Flehen, hab auf mein Beten acht.
    Du sahst von fern mich stehen, ich rief aus dunkler Nacht.
    Auf eines Felsens Höhe erheb mich gnädiglich.
    Auf dich ich hoffend sehe: du lenkst und leitest mich.
    Du bist gleich einem Turme, den nie der Feind bezwang.
    Ich weiche keinem Sturme, bei dir ist mir nicht bang.
    In deinem Zelt bewahren willst du mich immerdar.
    Mich hütet vor Gefahren dein schirmend Flügelpaar.
    Mein Bitten hast erhöret, mein Gott, in Gnaden du.
    Wer deinen Namen ehret, dem fällt dein Erbe zu.
    So schenke langes Leben dem, der sich dir geweiht;
    wollst Jahr um Jahr ihm geben, ihn segnen allezeit.
    Vor Gottes Angesichte steh er in Ewigkeit.
    Es wird ja nie zunichte des Herrn Barmherzigkeit.
    So will dein Lied ich singen, wie ich es dir versprach,
    mein Lobesopfer bringen von neuem Tag um Tag.

    Segne die Herzen, Herr, die bitteren.
    Vor allem gib den Kranken Linderung.
    Lehr die vergessen, denen du das Liebste hast genommen.
    Laß auf der ganzen Erde niemand in Seelennot.
    Segne die Frohen, Herr, bewahre sie.
    Von mir nahmst du noch nie die Traurigkeit.
    Sie lastet manchmal schwer auf mir.
    Doch gibst du Kraft, so trag ich sie.


    34. Tag
    Gebet des Hl. Maximilian Kolbe (1894-1941)
    Marienweihe:
    Das Leben, jeder Augenblick, der Tod, wo, wann und wie er mich trifft, die ganze Ewigkeit, alles ist Dein, Immaculata.
    Nimm alles in Deine Hände, wie es Dir gefällt. ...



    Max Josef Metzger (+ 1944)
    Himmlischer Vater!
    Schaue huldvoll auf das gläubige Vertrauen Deiner ganzen Kirche und schenke ihr in Gnaden Einheit und Frieden gemäß Deinem heiligen Willen!
    Wie aus ungezählten Ähren auf aller Welt Dein Brot und aus gar vielen Trauben Dein Wein auf dem Altar eine heilige Opfergabe wird und ein Leib Christi, so lass uns alle eins sein, denen Dein ewigeinziger Sohn in der Menschwerdung Bruder wurde, alle, für die er Sein Leben hingab zur Erlösung, alle, denen er durch die Wiedergeburt der einen Taufe Anteil gab an Seinem göttlichen Leben und daher seinen herrlichen Namen verlieh.
    Lass uns alle, die wir diesen Namen Christi tragen, einträchtig sein im Bekenntnis unseres Herrn, daß ein Glaube im Denken, eine Liebe im Handeln uns eine.
    Mach herzenseins, die Du mit dem einen himmlischen Brote nährst, eines Geistes, die Du zum einen Mahl der Herrlichkeit berufen!
    Ja, lass uns alle, die wir "Unser Vater!" rufen, eine Herde sein, die dem einen Hirten und Führer der Seelen folgt, Jesus Christus, unserem Herrn. Amen. Gebete des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)
    Herr, Gott, großes Elend ist über mich gekommen.
    Meine Sorgen wollen mich erdrücken.
    Ich weiß nicht ein noch aus.
    Gott, sei mir gnädig und hilf!
    Gib Kraft zu tragen, was du mir schickst.
    Laß die Furcht nicht über mich herrschen;
    sorge du väterlich für die Meinen.
    Barmherziger Gott, vergib mir alles, was ich an dir und den Menschen gesündigt habe.
    Ich traue deiner Gnade und gebe mein Leben ganz in deine Hand.
    Mach du mit mir, wie es dir gefällt und wie es gut für mich ist.
    Ob ich lebe oder sterbe, ich bin bei dir, und du bist bei mir, mein Gott.
    Herr, ich warte auf dein Heil und auf dein Reich.

    35. Tag
    Vater im Himmel,
    Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht;
    Lob und Dank sei dir für den neuen Tag;
    Lob und Dank sei dir für alle deine Liebe und Güte und Treue in meinem Leben.
    Du hast mir viel Gutes erwiesen;
    laß mich auch das Schwere aus deiner Hand annehmen.
    Du wirst mir aber nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
    Du läßt deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.

    Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages.
    Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir;
    ich kann es nicht allein.
    In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht;
    ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
    ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;
    ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede;
    in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld;
    ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

    Herr, mein Gott,
    ich danke dir, daß du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
    Ich danke dir, daß du Leib und Seele zur Ruhe kommen ließest.
    Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.
    Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages
    und hilf, daß ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.
    Laß mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen
    und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.
    Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.
    Gott, dein heiliger Name sei gelobt.

    Von guten Mächten treu und still umgeben,
    behütet und getröstet wunderbar,
    so will ich diese Tage mit euch leben
    und mit euch gehen in ein neues Jahr.
    Noch will das alte unsre Herzen quälen,
    noch drückt uns böser Tage schwere Last,
    ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
    das Heil, für das Du uns bereitet hast.
    Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
    des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus Deiner guten und geliebten Hand.
    Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
    an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
    dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
    und dann gehört Dir unser Leben ganz.
    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


    VI. Gebete von bedeutenden Nichtchristen

    36.Tag

    Gebete von Mohammed (um 570-632)
    O Gott, der Du die Herrschaft inne hast,
    Du gibst die Herrschaft, wem Du willst, und Du entreißest die Herrschaft, wem Du willst.
    Du machst mächtig, wen Du willst, und Du demütigst, wen Du willst.
    In Deiner Hand liegt das Gute.
    Wahrlich, Du bist der Allmächtige.
    Nach der Nacht führst Du den Tag herauf, und nach dem Tage die Nacht.
    Leben läßt Du aus dem Tod entstehen, Tod aus dem Leben.
    Du versorgst, wen Du willst, ohne Abrechnung abzuhalten.

    O Gott, ich bitte Dich

    Vergib uns, Herr, unser Gott.
    Zu Dir nehmen wir unsere Zuflucht, Gott, beschwert niemand über sein Vermögen.
    Jeder wird nach seinem Tun belohnt.
    Herr, unser Gott, züchtige uns nicht, wenn wir unachtsam waren oder frevelten.
    Beschwere uns nicht mit dem Joch, das Du denen, so vor uns waren, auferlegt.
    Lege uns keine Last auf, die uns zu schwer ist.
    Verzeih uns, vergib, sei uns gnädig.
    Denn Du bist unser Beistand.
    Und hilf uns gegen die Ungläubigen!

    Ich bitte Dich bei Deiner Macht, ich bitte Dich um Gnade; denn siehe:
    Du bist mächtig, ich bin unmächtig.
    Du bist wissend, ich bin unwissend...
    Du bist der Herr und ich bin Dein Diener.
    Verzeihe mir meine Sünden alle; denn siehe:
    Es verzeiht keiner die Sünden außer Dir.
    Und führe mich zu den besten Sitten; denn siehe:
    Es führt keiner zu den besten Sitten außer Dir.
    Entferne von mir die bösen Sitten; denn siehe:
    Es entfernt keiner die Bösen Sitten außer Dir;
    alles Gute ist in Deiner Hand ...

    Das Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, dem Erbarmer, dem Barmherzigen, dem König des Tages des Gerichtes!
    Dich beten wir an und Dich bitten wir um Hilfe.
    Führe uns die gerade Straße, die Straße derer, denen Du Gunst erwiesen hast,
    nicht der dem Zorn Verfallenen und nicht der Irrenden.



    37. Tag

    Gebete von Mahatma Gandhi
    Du bist barmherzig, ich bin im Elend.
    Du bist der Gebende, ich bin ein Bettler,
    ich bin ein Sünder, Du vergibst Berge von Sünden;
    Du bist die Hilfe der Hilflosen, und wer kann so hilflos sein wie ich?
    Es gibt keinen so Betrübten wie mich, es gibt keinen Erretter außer Dir.
    Du bist der Schöpfer, ich bin ein winziges Geschöpf;
    Du bist der Herr, ich bin der Sklave;
    Du bist Vater, Bruder, Lehrer, Freund, alles in einem für mich;
    wenn ich nur den Glauben habe, weiß ich, daß viel zwischen Dir und mir ist.
    Die Heiligen Schriften weisen uns an, unsere Freunde bei denen guten Herzens zu suchen,
    aber mein Stolz, meine Leidenschaft, meine Eifersucht entfernten mich von ihnen.
    Immer vergnüge ich mich an dem, das mich ins Elend bringt.
    Nun sag mir, Herr, wie kann ich von diesem Elend erlöst werden?
    Ich werde nur gerettet, wenn Du Erbarmen mit mir hast;
    Tulsi - das hat keine andere Hoffnung;
    wie lange soll er in diesem Sumpf verharren?

    Gott, mein Freund, ich bitte Dich um diese Gnade:
    Vergiß mich nicht.
    Ich bin schwach von Geist, weiß nichts, noch zeige ich Liebe für Dich.
    Du verläßt niemanden, den Du unter Deinen Schutz genommen hast.
    Ich weiß, ich habe kein Verdienst, das ich Dir rühmen könnte, im Gegenteil, ich habe schreckliche Mängel.
    Wenn Du, der meine Mängel kennt, mich aufgäbest, wäre ich verloren.
    Aber ich trage die sichere Zuversicht in mir, daß Du mich nicht verläßt.
    Seit jeher schaust Du nicht auf die Gebrechen Deiner Diener.
    Du bist der Freund der Armen, Du bist gütig.
    Ich bete Dich an.
    Ich suche Zuflucht bei Dir.
    Ich besitze weder Vermögen noch Kraft noch Klugheit.
    Mein einziger Glauben ist in der Berührung Deiner Füße, o Herr.
    Ich bin nichts als ein schwaches Kind, das Deinen Schutz sucht.
    O Herr, vergiß mich nicht, der ich so hilflos bin.


    VII. Gebete von der Nachkriegszeit bis heute

    38. Tag

    Gebet des Sel. Johannes XXIII (1881-1963)
    Heiliger Geist,
    vervollständige in uns das Werk, das Jesus begonnen hat!
    Gib unserem Apostolat Begeisterung, damit es alle Menschen und Völker erreicht, denn alle Menschen sind erlöst durch das Blut Christi.
    Gib uns heilige Demut, wahre Gottesfurcht und hochherzigen Mut.
    Kein irdisches Band soll uns hindern, unserer Berufung zu folgen;
    kein Eigeninteresse, keine Trägheit soll uns davon abhalten, uns einzusetzen für Gerechtigkeit;
    keine Berechnung soll die unendliche Weite deiner Liebe in die Enge unserer kleinen Selbstsucht zwängen!
    Möge alles an uns groß sein:
    die Suche und die Verehrung der Wahrheit,
    die Bereitschaft zum Opfer bis hin zu Kreuz und Tod!
    Und alles möge dem letzten Gebet des Sohnes an den himmlischen Vater entsprechen, der Einheit, die er durch dich, Heiliger Geist der Liebe, der Kirche und ihren Einrichtungen, den einzelnen Menschen und den Völkern schenken wollte.



    Gebete der Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997)

    39. Tag

    O Herr,
    du hast uns gesagt, dass unser Vater im Himmel für uns sorgen wird, so wie er für die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel sorgt.
    Du, der nicht einmal einen Platz hatte, wohin er sein müdes Haupt legen konnte, sei unser Lehrer.
    Lehre uns, auf Gottes Vorsehung zu vertrauen und hilf uns, unsere menschliche Habgier zu überwinden.
    Habgier hat nie jemanden glücklich gemacht.
    Gib uns die Kraft, uns dir ganz zu ergeben, damit wir ein Werkzeug sein können, deinen Willen zu erfüllen.
    Segne den Gebrauch des Geldes in der Welt, damit die Hungernden gespeist, die Nackten gekleidet, die Armen beherbergt und die Kranken gepflegt werden können.
    Und Herr, gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir durch den Glauben, den du uns verleihst, klar erkennen, dass wir alle vor dir mehr gelten als jede schöne Lilie oder jede singende Lerche in der Luft.

    Lieber Herr,
    Du hast mir Mut gegeben aus dem Vertrauen, daß Du mich annimmst.
    Laß mich alle Unerwünschten so lieben, wie Du mich liebst.
    Gib uns Anteil am Reichtum Deiner Liebe, dann werden wir auch einander annehmen.

    Gepriesen seist du, Herr,
    der meinem Leben so viel Freude gebracht hat.
    Ich lächle, wenn ich den Reichtum deiner Segnungen sehe.
    Meine Augen lächeln, wenn ich sehe, wie hungernde Kinder gesättigt werden.
    Mein alter Mund lächelt, wenn ich sehe, wie Menschen begreifen, daß sie von dir gebraucht werden.
    Oft, Herr, lache ich aus vollem Herzen gemeinsam mit den Schwestern, wenn wir sehen, was du wirklich bist.
    Und täglich lachen wir mit der Freude, die du uns gibst, wenn wir dir unser Loblied singen.
    Dank dir für dieses wunderbare, fröhliche Lachen, Herr.
    Amen.

    40. Tag

    Liebster Herr.
    Werde ich dich, verkörpert in deinen Kranken, heute und jeden Tag sehen, und, während ich sie pflege, deine Schmerzen lindern.
    Wenn du dich auch verbirgst unter dem abstoßenden Mantel des Gereizten, des Fordernden, des Unvernünftigen, darf ich dich doch erkennen und sagen: "Jesus, mein Patient, wie süß ist's dir zu dienen."
    Herr, gib mir einen sehenden Glauben, dann wird meine Arbeit nie zur Plage, und ich werde neue Freude finden, im Eingehen auf Launen, im Erfüllen der Wünsche aller armen Leidenden.
    Ihr geliebten Kranken, wie seid ihr mir doppelt teuer, da ihr Christus mir verkörpert; und welch große Gnade ist es mir, euch pflegen zu dürfen.
    Liebster Herr, lass mich die Würde meiner hohen Berufung einsehen, mit all ihren Verpflichtungen.
    Lass nie zu, dass ich ihrer unwürdig werde, indem ich in Kälte verfalle, in Unfreundlichkeit oder in Ungeduld.
    Und, oh Herr, da du Jesus bist, mein Patient, sei gnädig auch mein geduldiger Jesus, verzeih mir meine Fehler und schau nur auf meinen Willen, der sich darauf richtet, dich zu lieben, dir zu dienen, in der Person eines jeden Kranken.
    Herr, stärke meinen Glauben, segne mein Tun und meine Arbeit, jetzt und immer.

    Mach uns würdig Herr, unsern Mitmenschen in der ganzen Welt, die in Hunger und Armut leben und sterben zu dienen.
    Gib ihnen durch unsere Hand heute ihr tägliches Brot und durch unser Verstehen Liebe, Friede und Freude. -
    Laß jede Schwester in der Person des Armen Jesus Christus sehen.
    Je abstoßender die Arbeit oder Person sind, desto größer müssen auch ihr Glaube, ihre Liebe und ihre freudige Hingabe sein, wenn sie unserm Herrn in dieser jammervollen Verkleidung dient.



    Gebete des katholischen Theologen Romano Guardini (1885-1968)

    41. Tag

    Die einfachen Dinge sind die größten - und darum auch am schwersten zu bewältigen! Was sind die einfachen Dinge?
    Leben, ohne zu zweifeln.
    Lieben, immer wieder lieben, auch wenn diese Liebe nicht erwidert wird.
    Anfangen, stets von neuem anfangen, auch im Alter sich nicht zu schämen, abermals zu beginnen.
    Die Dinge sehen wie sie sind. Ohne Vorurteile, ohne Spott, ohne Haß.
    Sie sehen wie sie sind heißt doch unter anderem auch, sie annehmen, sie lieben lernen.
    Herr, mit dem Alter wächst das Verständnis für die einfachen Dinge.
    Mit dem Altwerden sollte auch unsere Einsicht wachsen,
    daß die einfachen Dinge die wahrhaft wichtigen sind;
    daß einfache Menschen große Menschen sind;
    daß alles Große sich im Kleinen und Einfachen einfangen läßt.
    `Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ...´, sagte Dein Sohn zu seinen Landsleuten.
    Wenn wir nicht werden wie die Kinder kindlich einfach, kindlich gläubig, kindlich wahr,
    warten wir vergebens auf den Anbruch Deines Reiches.

    Du bist groß, o Herr, und Deiner Herrlichkeit ist kein Maß.
    Alles bist Du. Alles vermagst Du.
    Unendlichen Lebens voll, bedarfst Du keines Dings, sondern ruhest in ewiger Freiheit.
    Deine Macht ist aber nicht nur Kraft, sondern Wahrheit und Gerechtigkeit.
    Deine Herrlichkeit ist nicht nur Gewalt, sondern Reinheit und Güte.
    Und Dein Sein ist nicht nur Wirklichkeit, sondern heiliger Sinn.
    Du bist so viel wahr, als Du seiend bist;
    (Du bist) so viel gerecht, als Du mächtig bist;
    (Du bist) so viel gütig, als Du stark bist;
    und Deine Wirklichkeit, o Herr, vor der die unsere verweht, ist mit Deiner Heiligkeit ganz eins, o ewiges Licht.
    So bist Du, "der Herr, Gott, der Allherrscher, der da ist und der da war", und "würdig, den Lobpreis zu empfangen und die Ehre und die Macht".
    Lehre mich, das Geheimnis Deiner Hoheit zu erkennen.
    Laß mich inne werden, daß im Neigen vor Dir mein Wesen sich erfüllt.
    So viel mir das aufgeht, bin ich in der Wahrheit.
    So viel ich das tue, bin ich heil.
    In Deiner Anbetung, ewiger Gott, bin ich geborgen;
    und mein Leben verliert sich in Trug und Verwirrung, wenn ich das vergesse.
    Schenke uns, o Herr, die Freude an Deiner Herrlichkeit.
    Wenn wir sie haben, sind wir reich.
    "Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit" -
    so lehrt uns die Kirche zu sprechen: gib uns die Gnade, es in der Freude des Herzens zu tun.
    Amen.

    42. Tag

    Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand.
    So ist es und so soll es sein.
    Das ist meine Wahrheit und meine Freude.
    Immerfort blickt Dein Auge mich an,
    und ich lebe aus Deinem Blick,
    Du mein Schöpfer und mein Heil.
    Lehre mich in der Stille Deiner Gegenwart,
    das Geheimnis zu verstehen, das ich bin.
    Und das ich bin durch Dich und vor Dir und für dich.
    (aus dem Schriftlesungskalender "365mal Gottes Wort" 1991,
    Frankfurt, Verlag der action 365, 1991)

    In unserem dahingehenden Leben, o Herr, ahnen wir Deine stille Ewigkeit.
    Die Dinge beginnen, und haben ihre Zeit, und enden.
    Im Anfang des Tages fühlen wir voraus, wie er im Abend sinken wird.
    In jedem Glück mahnt schon das kommende Leid.
    Wir bauen unser Haus und schaffen unser Werk und wissen, daß es zerfallen muß.
    Du aber, o Herr, lebst, und keine Vergänglichkeit rührt an Dich.
    Du, Jesus Christus, bist zu uns gekommen und hast uns Kunde gebracht von dem, `was kein Auge gesehen hat, und kein Ohr vernommen, und was in keines Menschen Herz gedrungen ist´.
    Wenn die Zeit vollendet ist, soll dort auch meine Heimat sein.
    Mache mich dessen gewiß.
    Laß das Verlangen dorthin in meinem Herzen nie sterben, damit ich im Wandel des Lebens dessen inne bleibe, was allem Leben erst Maß und Sinn gibt.
    (Aus dem Bändchen "Theologische Gebete" mit Texten von Romano Guardini, Verlag J. Knecht, 204 Seiten, 12,80 DM)

    43. Tag

    Herr, lehre uns beten.
    Jesus Christus, einst sind deine Jünger zu dir gekommen und haben verlangt: "Herr, lehre uns beten."
    Lehre mich einsehen, daß ohne Gebet mein Inneres verkümmert und mein Leben Halt und Kraft verliert.
    Nimm das Gerede von Erlebnis und Bedürfnis weg, hinter welchem sich Trägheit und Auflehnung verbirgt.
    Gib mir Ernst und festen Entschluß, und hilf mir, durch Überwindung zu lernen, was zum Heil nottut.
    Führe mich aber auch in deine heilige Gegenwart.
    Lehre mich zu dir sprechen im Ernst der Wahrheit und in der Innigkeit der Liebe.
    Bei dir steht es, mir die innere Fülle des Gebetes zu gewähren, und ich bitte dich, gib sie mir zur rechten Zeit.
    Zuerst aber ist das Gebet Gehorsam und Dienst: erleuchte mich, daß ich den Dienst in Treue tue.


    Helmut Zenz SDB 2006