Club der Altstipendiaten (Von den zwischenzeitlich
ca. 1450 deutschen Altstipendiatinnen und Altstipendiaten sind mittlerweile
mehr als 830 Mitglieder im Club der Altstipendiaten.)
Nachdem folgende Personen ihre Förderung durch die Hanns Seidel-Stiftung
im Internet bekannt haben, gehe ich davon aus, dass sie gegen eine Erwähnung
an dieser Stelle nichts einzuwenden haben. Sollte dem nicht so sein, bitte
ich um eine kurze Nachricht. Ich werde den Eintrag, dann umgehend löschen.
Auf die Wiedergabe von Titeln und Ämtern habe ich verzichtet. Wer
dagegen gerne in die Liste aufgenommen werden möchte, möge sich
ebenfalls bei mir melden: helmut.zenz@t-online.de
Die nachfolgenden bibliographischen Angaben wurden zusammengestellt aus
verschiedenen Internet-Angeboten (siehe unten) und der Publikation zu seinem
100. Geburtstag "Weltanschauung und politischen Handeln" der Hanns-Seidel-Stiftung,
insbesondere den darin enthaltenen biographischen Aufsätzen und Dokumentationen
(siehe unten).
12.10.1901: Geburt in Schweinheim (damals: Landkreis Aschaffenburg) als
eines von insgesamt sechs Kindern. Die Familie Seidel war katholisch. Taufe
auf den Namen "Franz Wendelin", bald aber "Hanns" gerufen. Sein Vater,
Johann Seidel, war kaufmännischer Angestellter, seine Mutter Christine,
geb. ?.
1908: Tod des Vaters. Die Familie hätte es in ihrer schwierigen materiellen
Lage lieber gesehen, wenn er nach dem Besuch der Realschule möglichst
bald ins Berufsleben übergetreten wäre. Dann konnte er aber doch
zunächst das Studienseminar St. Ludwig der Missionsbenediktiner in
der Nähe von Volkach, ab 1914 dann das Königliche Humanistische
Gymnasium (heute Kronberg-Gymnasium) in Aschaffenburg, Pfaffengasse besuchen.
Allerdings gehörte es zu seinem Alltag, sich durch Nachhilfestunden
und Ferienarbeiten ein Zubrot zu verdienen.
1921-1925: Abitur, anschließend Studium der Germanistik, Rechtswissenschaft
und Nationalökonomie in Würzburg, mit jeweils einem Semester
in Freiburg und Jena. Während des Studium arbeitete er Untertage im
Bergwerk. Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KStV Normannia
(Würzburg), KStV Brisgovia (Freiburg) u. KStV Flamberg (Bonn).
1925-1928: Im November 1925 legte Seidel in Würzburg das erste juristische
Staatsexamen ab und begann seine Referendarzeit, die er drei Jahre später
mit der Großen Staatsprüfung, dem "Staatsexamen für den
höheren Justiz- und Verwaltungsdienst" abschloss.
1929 (1928?): Promotion zum Dr. jur. in Würzburg mit der Arbeit "Die
Bedeutung der Ausschließung des Richters in der freiwilligen Gerichtsbarkeit"
(bei Prof. Friedrich Oetker).
April 1929: Zulassung als Rechtsanwalt am Landgericht Aschaffenburg. Er
ließ sich also zunächst als selbständiger Rechtsanwalt
in Aschaffenburg nieder.
20. August 1929: Heirat mit Ilse Tenter, deren Vater seit 1920 Direktor
bei den Aschaffenburger Zellstoffwerken war.
1930 Sein mutiges Eintreten gegen die Nationalsozialisten wird in einer
Aschaffenburger Zeitung erwähnt, nachdem er in einer Versammlung der
Reichspartei des Deutschen Mittelstandes energisch das Wort gegen dei Nationalsozialisten
ergriff.
1931 Geburt des Sohnes Hans Joachim Georg Seidel.
1932 Eintritt in die Bayerische Volkspartei ein. Er tritt in vielen Wahlveranstaltungen
für eine erneute Reichspräsidentschaft Hindenburgs. auf.
Frühjahr 1933: Er selbst wurde als Kandidat für die Stadtratswahlen
im Frühjahr 1933 von Aschaffenburg aufgestellt und kam auch in den
Stadtrat, wurdeaber infolge der Gleichschaltung des Stadtrates im Zuge
Machtergreifung der Nationalsozialisten aus dem Gremium gedrängt.
1933-1945: Auch während der NS-Zeit war Seidel mehrfach für jüdische
Mitbürger ein- und gegen die Nationalsozialisten aufgetreten, geriet
am 24.6.1933 für einige Tage in Haft, ließ sich aber auch durch
unverhohlene Morddrohungen und gegen seine Anwaltstätigkeit gerichtete
Sanktionen nicht entmutigen. Anwaltskollegen informierten ihn darüber,
dass der Aschaffenburger Ortsgruppenleiter der NSDAP plane, ihn in ein
Konzentrationslager einliefern zu lassen. Hanns Seidel emigrierte deshalb
zu seinen Schwiegereltern, die wieder zurück nach Memel/Litauen gezogen
waren. Er kehrte aber zurück, als er glaubte, die Aufregung habe sich
gelegt und verteidigte weiterhin jüdische Mitbürger gegen die
Nationalsozialisten, was ihm eine erneute Rüge vom "Stürmer"
einbrachte. Julius Streiches NS-Hetzblatt prangerte ihn als undeutschen
Judenfreund an. Um seine Anwaltspraxis und damit den Lebensunterhalt für
seine Familie zu retten, vermied er fortan die direkte Konfrontation. So
ist auch sein Beitritt zu den nationalsozialistischen Organisationen NS-Rechtswahrerbund,
NS-Volkswohlfahrt und Reichsluftschutzbund zu deuten.
1935: Geburt des Sohnes Christian Seidel.
Herbst 1940-45: Dienst in der Deutschen Wehrmacht. Bis Kriegsende blieb
er an der Ostfront, wo er für seine Tapferkeit hohe Auszeichnungen
erhielt.
Anfang Juni 1945: Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft gehörte
Dr. Hanns Seidel zusammen mit Adam Stegerwald zu den Mitbegründern
der Christlich-Sozialen Union.
11./25?.10.1945: Berufung/Ernennung zum Landrat von Aschaffenburg durch
die amerikanische Besatzungsmacht/Militärbehörde
28.04.1946: Demokratische Bestätigung in seinem Amt nach der Kreistagswahl,
bei der die CSU 28 von 45 Kreisräten stellen konnte.
30.06.1946: Wahl zum Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung
in Bayern als Vertreter für den Bezirk Unterfranken. Seine Fraktion
wählte ihn in den Haushaltsaussschuß, bestimmte ihn als Ersatzmitglied
des Verfassungsausschusses und berief ihn in den Fraktionsausschuss zur
Formulierung des Abschnittes über die Wirtschaft. Hanns Seidel äußerte
sich dabei mehrfach dezidiert gegen die Einführung des Amtes eines
Staatspräsidenten.
01.08.1946: Bestätigung im Amt des Landrats durch eine einstimmige
Wahl von allen Parteien des Kreistages (bis 20.09.1947).
August 1946: Entsendung in die "Arbeitsgemeinschaft der Christlich-Demokratischen
und Christlich-Sozialen Union Deutschlands", die bis 1950 das organisatorische
Bindeglied zwischen den Zonen- und Landesverbänden der Unionsparteien
in Deutschland war. Er gehörte formell auch derem Wirtschaftspolitischem
Ausschuß an, an deren Sitzungen er aber offenbar nur am 5./6. Februar
1947 teilnahm.
01.12.1946: Wahl zum Mitglied im Bayerischen Landtag für den Wahlkreis
Obernburg-Miltenberg (bis 1961) mit 68,9% der Stimmen.
14./15.12.1946: Landesversammlung der CSU in Eichstätt. Seidel brachte
der CSU die endgültige Schiedsordnung nahe, erläuterte ihre grundsätzliche
Bedeutung und legte ihre Instanzen und Funktionsweisen dar.
Frühjahr 1947: Hanns Seidel kandidierte für das Amt des Stellvertretenden
Vorsitzenden des Verwaltungsrats für Wirtschaft in Minden, kam aber
nicht zum Zuge.
1947: Seidel gehört dem Landesvorstand der CSU an.
August 1947 Auf der zweiten Landesversammlung in Eichstätt schlug
Müller Seidel als stellvertretendes Mitglied des Ältestenrates
der Union vor, nachdem Seidel die Anhänger Müllers von der Notwendigkeit
des überkonfessionellen Konzept der Union überzeugte.
08.08.1947: In einem Brief an Josef Müller regt er die Gründung
eines Landkreisverbandes in Bayern an (ACSP, NL Müller Josef C 263)
20.09.1947: Ernennung zum bayerischen Staatsminister für Wirtschaft
(bis 1954). Ministerpräsident Dr. Hans Ehard hat sich in der schwierigsten
Phase der bayerischen Wirtschaftsgeschichte Seidel in das Bayerische
Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr geholt. Bayern hatte
über zwei Millionen Vertriebene aus dem Sudetenland, aus Schlesien
und aus dem südosteuropäischen Raum zu integrieren und den Übergang
Bayerns vom Agrarstaat in einen Industriestaat auszubauen, was von der
Förderung der Grenzlandgebiete bis zum Ausbau der Main-Wasserstraße
reichte.
Ende November 1947: Erste wichtige Etatrede Hanns Seidels.
Anfang 1948: Hanns Seidel war als Kandidat im Gespräch für die
Besetzung des Postens der Verwaltung für Wirtschaft in Deutschland,
doch er verzichtete darauf.
Februar 1948-August 1949: Zusammen mit Ministerpräsident Hans Ehard
Vertreter Bayerns im Länderrat des Vereinigten Wirtschatsgebietes.
Februar 1948 Dr. Hildegund Feilner wird erneut Referentin im Bayerischen
Staatsministerium für Wirtschaft. Dort wird sie eine enge Vertraute
von Hanns Seidel.
14.6.1948: Gründung des Wirtschaftsbeirats der CSU, zu dessen aktivsten
Initiatioren Hanns Seidel gehörte.
1949 Seidel kandidiert auf dem Spitzenplatz der Landesliste der CSU für
den Bundestag. Da die CSUaufgrund der starken Bayernpartei lediglich 29,2%
der Stimmen erreichte, konnte kein Angehöriger der Landesliste in
den Bundestag einziehen. Auch bei der darauffolgenden Landtagswahl erreicht
die CSU nur 27,4%, während die Bayernpartei bereits 17,9 und die SPD
28% erreichte.
April/Mai 1950: Konrad Adenauer drängte ihn, den Posten des Staatssekretärs
im Bundeskanzleramt zu übernehmen, doch auch das lehnte Seidel ab.
12.06.1950: Seidel berichtet in einem Brief an Fundi Feiler (ACSP, NL,
Seidel, Nr. 19) über seine Erfahrung während eines Kongresses
der internationalen Gesellschaft für Sozialwissenschaft und Politik
11.07.1950: Phase der Niedergeschlagenheit: "Man erstickt in der Alltagsarbeit
und hat keine Zeit sich abzuklären." (Seidel an Feilner am 11.7.1950,
ACSP, NL Seidel Nr. 19)
01.10.1952: aus Sparzwängen wird Hanns Seidel zusätzlich Verkehrsminister,
allerdings ohne große Begeisterung.
19.12.1953: Einweihung der Bahn auf den Jenner bei Berchtesgaden.
17./18.06.1954: Einweihung der Großschleuse Würzburg.
21.07.1954: "Ich weiss noch nicht genau, ob ich mich aus dem politischen
Leben zurückziehe oder aber, ob ich auch für die Zukunft ein
politisches Amt anstreben soll." (Brief an Feilner, 21.7.1954, ACSP, NL
Seidel Nr. 19)
Herbst 1954: Die CSU wurde bei den Landtagswahlen mit 38 Prozent Stimmen
die stärkste politische Kraft in Bayern, konnte aber letztlich nicht
den Ministerpräsidenten stellen, weil die von Ministerpräsident
Hans Ehard geführten Koalitionsverhandlungen scheiterten. So fanden
sich die Mandatsträger der CSU auf den Oppositionsbänken wieder.
13.12.1954: Wahl zum Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. Prälat Georg
Meixner bleibt aber Fraktionsvorsitzender.
22.01.1955: Wahl zum Vorsitzenden der CSU in einer Kampfabstimmung gegen
Franz Josef Strauß (380:239(329?) Stimmen), nachdem zuvor die konträren
altgedienten CSU-Größen Müller und Schäffer zurückgezogen
hatten. Strauß und Rudolf Eberhard wurden Stellvertreter. Friedrich
Zimmermann Leiter der Landesgeschäftsstelle (später Generalsekretär).
Januar 1955-Oktober 1957: Vorsitz im Ausschuß zur Information über
Bundesangelegenheiten.
Oktober 1955: Hanns Seidel wirft der Regierung Hoegner im Landtag vor,
das Ministerium von politisch missliebigen Beamten "gesäubert" zu
haben.
Oktober 1955: Hanns Seidel publiziert seine Schrift "Die Funktion der Opposition
im parlamentarischen System".
23.10.1955 Vielbeachtete Rede auf dem Landesparteitag der CSU in München
gegen die Zeitgeisterei. Anlaß war das zehnjährige Bestehen
der CSU.
24.04.1956 Im Namen der Fraktion gibt Seidel eine richtungsweisende Erklärung
"Zur politischen Bildung" ab.
Herbst 1956 Reise in die Vereinigten Staaten als Mitglied einer deutschen
Delegation.
27.04.1957: Verleihung des Grossen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und
Schulterband (überreicht durch den damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten
Wilhelm Hoegner, SPD)
17.05.1957: Hanns Seidel schmiedet für die Bundestagswahl 1957 ein
Wahlbündnis zwischen der CSU und der CVP im Saarland.
01.06.1957: Neues Grundsatzprogramm der CSU, durch das sich Hanns Seidels
programmatische Neubesinnung und Neuorientierung in der CSU manifestierte.
07.07.1957: Vielbeachete Rede auf der Landesversammlung in Nürnberg
über das Verhältnis von weltanschaulichen und pragmatischen Elementen
der CSU-Politik.
September 1957: Adenauer wollte erneut Seidel ins Kabinett holen als Nachfolger
von Fritz Schäffer im Bundesjustizministerium.
15.09.1957: Überragender Wahlsieg der CDU und CSU bei der Bundestagswahl.
Die Strategie Seidels brachte also für CSU und CDU, den entscheidenden
Stimmenzuwachs von 0,5%, der den Unionsparteien die absolute Mehrheit von
50,2% sicherte. Dies wurde auch zum Auslöser für eine politische
Wende in Bayern, da die GB/BHE und die Bayernpartei per Brief vom 8. Oktober
die Viererkoalition verließen und somit Ministerpräsident Wilhelm
Hoegner nur den Rücktritt übrig blieb.
16.10.1957: Wahl zum Bayerischen Ministerpräsidenten mit einer Mehrheit
von 110 Stimmen. Vereidigung des Kabinetts Seidel I am 16.10.1957 im Bayerischen
Landtag. Vielbeachtete Rundfunkansprache, bei der er die politischen Gegner
der CSU zu einer gemeinsamen Politik zum Wohle Bayerns und der bayerischischen
Bevölkerung einlädt. In diesem Amt gab er zum 70. Geburtstag
von Dr. Hans Erhard eine Festschrift heraus.
05.11.1957: Bei seiner ersten Regierungserklärung erleidet Seidel
einen Schwächeanfall, so dass er seine Ausführungen vor dem Parlament
nicht beenden konnte. Sie "zeigte einen in der Tradition des modernen Bayern
verankerten etatistischen Zug, der aber mit einer ebenso tief verankerten
Liberalität und einem konfessionellen Toleranzprinzip gepaart war."
(Horst Möller)
20.2.1958 Seidel hält im Kulturring christlich-sozialer Akademiker
in der Aula der Münchner Universität seinen bekannten Vortrag
über "Die deutsche Aufgabe: freiheitliches Geistesleben und staatliche
Ordnung".
08.06.1958: Landesausschuss in Hof mit dem berühmten Wort Seidels
"In dubiis liberalitas, in necessariis unitas, in omnibus caritas."
14.06.1958: 800-Jahrfeier Münchens mit Beteiligung des Ministerpräsidenten
Hanns Seidel.
17.06.1958: Ehrenvolle Aufgabe, im Deutschen Bundestag die offizielle Rede
zum Gedenken an den Volksaufstand in der DDR des Jahres 1953 zu halten.
Er gab ihr den Titel "Das Signal des 17. Juni 1953. Versuch einer Deutung."
06.07.1958: Schwerer Unfall während einer Dienstfahrt, in den folgenden
Jahren mehrere Krankenhausaufenthalte
23.11.1958: Die CSU erreicht bei der Landtagswahl 45,6% der Stimmen.
09.12.1958: Seidel wird - diesmal mit einer Mehrheit von 120 Stimmen -
zum zweiten Mal zum bayerischen Ministerpräsidenten und im Bayerischen
Landtag vereidigt.
Veröffentlicht wurden auch seine Regierungserklärung von
1958 unter dem Titel "Bayern". Nach einem schweren Unfall während
einer Dienstfahrt am 6.7.1958 hatte S. in den folgenden Jahren mehrere
Krankenhausaufenthalte, erholte sich aber letztlich nicht mehr. Am 28.7.1959
eröffnet er die "Europäischen Wochen" in Passau. Am 21.1.1960
erklärte S. aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt
als Ministerpräsident und am 20.2.1961 als Vorsitzender der CSU erklären
musste. Immerhin erscheinen 1960 und 1961 noch seine Grundsatzwerke "Weltanschauung
und Politik. Ein Beitrag zum Verständnis der Christlich-Sozialen Union
in Bayern", "Zeitprobleme. Gesammelte Aufsätze und Vorträge"
sowie "Vom Mythos der öffentlichen Meinung". Nach langem Leiden starb
S. am 5. August 1961 im Alter von 59 Jahren in einem Münchner Krankenhaus.
Dr. Erhard, sein Vorgänger und bis zur Wahl 1962 auch Nachfolger erklärte
in seinem Nachruf: "Die sieben Jahre, in denen Dr. Seidel das Bayerische
Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr leitete, waren wohl die
schwierigsten und entscheidensten in der bayerischen Wirtschaftsgeschichte.
Daß es in diesen harten Jahren gelang, die Kriegsschäden und
Kriegsfolgen der Wirtschaft zu überwinden und darüber hinaus
wesentliche Verbesserungen der gesamten wirtschaftlichen Struktur unseres
Landes zu erreichen, die Wettbewerbsfähigkeit des durch seine Lage
vielfach benachteiligten Landes zu stärken und der gesamten Wirtschaft
Bayerns starke Impulse zu vermitteln, ist vor allem das Verdienst Dr. Seidels,
der auch als Wirtschaftsminister immer mehr war als ein Ressortminister,
weil er überragendes fachliches Wissen und Können mit dem Weitblick
eines Staatsmannes und mit der sittlichen Festigkeit und mit der gläubigen
Zuversicht eines Christen in sich vereinte..." Am 7.11.1966 wird im Einvernehmen
mit seiner Frau beschlossen, die CSU-nahe Stiftung für Politische
Bildung nach Hanns-Seidel zu benennen, die alsbald eine Akademie für
Politik und Zeitgeschichte, ein Bildungswerk, ein Institut für Internationale
Beziehungen (heute: Begegnung) und Zusammenarbeit, ein Institut für
Politische Zusammenarbeit (heute: für Auswärtige Beziehungen)
und ein Förderungswerk umfasst mit der Zentrale in München sowie
Bildungshäusern in Kloster Banz und Wildbad Kreuth. Außerdem
unterhält die Hanns Seidel-Stiftung ein Archiv für Christlich-Soziale
Politik, in dem sich auch der Nachlaß Hanns Seidels befindet. Anläßlich
seines 75. Geburstages wurde das natur- und wirtschaftswissenschaftliche
Gymnasium in Hösbach nach Hanns Seidel benannt. An seinem 25. Todestag
1986 bezeichnete ihn Franz J. Strauß anläßlich der Gedenkfeier
zu seinem 25. Todestag S. als "Wegbereiter für das moderne Bayern".
Zu seinem 100. Geburtstag 2001 hielt die Hanns-Seidel-Stiftung erneut eine
Gedenkfeier ab, anläßlich der sein Briefwechsel mit Gundi Feilner
veröffentlicht wurde. Die Stadt München hat außerdem einen
Platz in Perlach, Germering eine Straße in Unterpfaffenhofen, Regensburg
einen Weg und die Kuratie für Wohnen im Alter ein Haus in Ottobrunn
nach ihm benannt.
15.01.1959: Regierungserklärung zum Thema: Bayern als "Industrie-Agrarstaat".
21.-24.01.1959: Einziger offizieller Staatsbesuch als Ministerpräsident
im Ausland. Er führte ihn nach Wien und diente vor allem wichtigen
Infrastrukturprojekten von europäischer Bedeutung (Bau des Brennertunnels,
Fertigstellung des Rhein-Main-Donau-Kanals).
13./14.06.1959: Nach seiner offenbarer Genesung wird er mit 95,9 Prozent
der Stimmen als Parteivorsitzender bestätigt. Bei seiner Rede vor
dieser Landesversammlung in München betont er erneut, dass der Staat
an eine höhere Ordnung, insbesondere an Gottes Gebot gebunden ist.
Ab Oktober 1959: Seidel musste sich ständig von seinem Stellvertreter,
Finanzminister Rudolf Eberhard, vertreten lassen.
21.01.1960: Rücktritt als Ministerpräsident aus Gesundheitsgründen
1960: Seine Redendokumentation "Weltanschauung und Politik" erscheint.
Im Jahr darauf sein Ansprachensammlung "Zeitprobleme" und sein Buch "Vom
Mythos der öffentlichen Meinung".
16./20.02.1961: Rücktritt als Vorsitzender der CSU. Zu seinem Nachfolger
wird Franz Josef Strauß gewählt.
05.08.1961: Tod in einem Münchner Krankenhaus im Alter von 59 Jahren.
Er stirbt an den Folgen einer Lungenentzündung.
09.08.1961: Staatsbegräbnis im Münchner Westfriedhof. Weihbischof
Neuhäusler hielt das Requiem.
Sein Nachfolger im Amt, Dr.Ehard, erklärte zum Nachruf zum Tode von
Dr. Hanns Seidel: «Die sieben Jahre, in denen Dr. Seidel das Bayerische
Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr leitete, waren wohl die
schwierigsten und entscheidensten in der bayerischen Wirtschaftsgeschichte.
Daß es in diesen harten Jahren gelang, die Kriegsschäden und
Kriegsfolgen der Wirtschaft zu überwinden und darüber hinaus
wesentliche Verbesserungen der gesamten wirtschaftlichen Struktur unseres
Landes zu erreichen, die Wettbewerbsfähigkeit des durch seine Lage
vielfach benachteiligten Landes zu stärken und der gesamten Wirtschaft
Bayerns starke Impulse zu vermitteln, ist vor allem das Verdienst Dr. Seidels,
der auch als Wirtschaftsminister immer mehr war als ein Ressortminister,
weil er überragendes fachliches Wissen und Können mit dem Weitblick
eines Staatsmannes und mit der sittlichen Festigkeit und mit der gläubigen
Zuversicht eines Christen in sich vereinte...«
1962 Posthum wurde ein Ölgemelde angefertigt, das sich im Privatbesitz
der Familie Seidel befindet.
1971: 10. Todestag - 70. Geburtstag
13.5.1976 Das naturwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium
in Hösbach bekommt den Namen Hanns Seidels verliehen.
(Mitarb.): Für und wider die Rationalisierung, München : Hanser,
1950. - 114 S. (Wege zur Rationalisierung. ; H. 2.)
Wirtschaftspolitik und soziale Ethik, München : Inst. für Sozialpolitik
und Arbeitsrecht, 1952. - 21 S. (Kleine Schriften zur Sozialpolitik und
zum Arbeitsrecht ; 12)
(Hrsg.): Festschrift zum 70. Geburtstag von Dr. Hans Ehard, München
: Pflaum, 1957/1958. - 249 S. : Ill.
Die deutsche Aufgabe Bayerns: freiheitliches Geistesleben und staatliche
Ordnung ; [Vortrag ... gehalten im Kulturring christlich-sozialer Akademiker
in der Aula der Universität München am 20. Februar 1958], München,
1958. - 16 S.
Bayern 1958: Regierungserklärung / abgegeben von H. Seidel. Haushaltsrede
vom 24. April 1958 / Rudolf Eberhard, Bamberg : St. Otto Verl., 1958.
- 78 S. : Ill., graph. Darst.
Ansprache des Bayerischen Ministerpräsidenten Doktor Hanns Seidel
anläßlich der Eröffnung der "Europäischen Wochen"
in Passau, am Dienstag, den 28. Juli 1959. S.l., 1959. - 14 S.
Weltanschauung und Politik: Ein Beitr. zum Verständnis
der Christlich-Sozialen Union in Bayern. Mit Abhandlungen von Walter Künneth,
Oskar Simmel, Adolf Süsterhenn, München : Verl.Bayern-Kurier,
1960; (2)1961. - 196 S. (Christlich-Soziale Union in Bayern. Schriftenreihe.
; Bd. 1.)
Zeitprobleme : Gesammelte Aufsätze und Vorträge,
Aschaffenburg : Pattloch, 1960; (2)1961. - 320 S.
Die Großschiffahrtsstraße Rhein-Main-Donau: Eine wirtschaftliche
Idee u. ihre Wirklichkeit, Nürnberg : Deutscher Kanal-und Schiffahrtsverein
Rhein-Main-Donau, 1960. - 61 S. (Aus: Seidel, Hanns: Zeitprobleme)
Vom Mythos der öffentlichen Meinung, Aschaffenburg
: Pattloch, 1961. - 219 S.
Briefe an Gundi Feilner : 1950 - 1954 / bearbeitet von Renate Höpfinger
2001, in: Bayer, Alfred u.a. (Hrsg.): Weltanschauung und politisches Handeln:
Hanns Seidel zum 100. Geburtstag. Hanns-Seidel-Stiftung. Grünwald
: Atwerb-Verl., 2001, S. 153-210
Rede zur Europapolitik : Ansprache des Bayerischen Ministerpräsidenten
Dr. Hanns Seidel anlässlich der Eröffnung der "Europäischen
Wochen" in Passau am 28. Juli 1959, in: Bayer, Alfred u.a. (Hrsg.): Weltanschauung
und politisches Handeln: Hanns Seidel zum 100. Geburtstag. Hanns-Seidel-Stiftung.
Grünwald : Atwerb-Verl., 2001, S. 211-220
Rede zur politischen Bildung : Erklärung der CSU-Fraktion, abgegeben
von Hanns Seidel im Bayerischen Landtag am 24. April 1956, in: Bayer, Alfred
u.a. (Hrsg.): Weltanschauung und politisches Handeln: Hanns Seidel zum
100. Geburtstag. Hanns-Seidel-Stiftung. Grünwald : Atwerb-Verl., 2001,
S. 221-231
Rez. "Vom Mythos zur Vernunft", in Main-Echo Nr. 235 vom 12.10.1961.
Stadtmüller, Georg: Hanns Seidel: Lebensweg, Weltbild, Persönlichkeit,
München : Neuer Presseclub, 1964. - 29 S. : Ill. (Die bayerischen
Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, hrsg. von Karl Hnilicka; Bd.
4)(Historisch-politische Schriftenreihe des Neuen Presseclubs München)
Hanns Seidel und die Stiftung, München : Olzog, 1977. - 71 S. : Portr.,
Ill. (Politische Studien / Sonderheft ; 1977,1)
Schickel, Alfred: D[okto]r Hanns Seidel: e. Leben im Dienste d. Volkes,
Ingolstadt, 1982. - 70 Bl. (Zeitgeschichtliche Forschungsstelle <Ingolstadt>:
Veröffentlichung der ... ; 3)
Strauß, Franz J.: Wegbereiter für das moderne Bayern: Ansprache
d. Bayer. Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß bei d. Gedenkfeier
zum 25. Todestag d. ehemaligen Bayer. Ministerpräsidenten Dr. Hanns
Seidel am 5. Aug. 1986 im Max-Joseph-Saal der Residenz in München,
München : Bayer. Staatskanzlei, 1986. - 35 S.
Hanns Seidel - "Ein Leben für Bayern": [Symposion d. Hanns-Seidel-Stiftung
am 18. u. 19. Juli 1986 im Bildungszentrum Wildbad Kreuth] / [verantwortl.:
Peter Eisenmann], Rosenheim/München, 1987. - 90 S. : Ill. (Berichte
und Studien der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. Mü ...
Groß, Hans F.: Hanns Seidel: 1901 - 1961 ; eine politische Biographie,
München : Hanns-Seidel-Stiftung, 1992. - 238 S. : Ill. (Untersuchungen
und Quellen zur Zeitgeschichte ; 1); zugl.: München, Univ., Diss.,
1991
Zenz, Helmut: Christliche Weltanschauung und Politik im Werk von Hanns
Seidel, 1997. - Ill., in: Politische Studien <München> / Hrsg.
Hanns-Seidel-Stiftung e.V . - Grünwald. - 48 (1997), 355, S. 96 -
109 (erscheint demnächst online)
Brügmann, Claus/Höpfinger, Renate: Ministerpräsident Hanns
Seidel: 16. Oktober 1957 bis 26. Januar 1960. Ill., in: "Das schönste
Amt der Welt" . - München 1999. - S. 99 - 115. - (Bayern / Generaldirektion
der Staatlichen Archive: Kleine Ausstellungen ; 13)
Hettler, Friedrich H.: Vom "undeutschen Judendfreund" zum Ministerpräsidenten:
Dr. Hanns Seidel ..., Ill. in: Maximilianeum / Hrsg.: Bayerischer Landtag,
Landtagsamt, Maximilianeum . - München. - 13 (2001),8, S. 121
Ein Mann des Ausgleichs : zum 100. Geburtstag von Hanns Seidel - Ill.,
in: Bayernspiegel / Verein zur Pflege Bayerischen Heimat- und Staatsbewusstseins
. - München. - 2001,6, S. 24
Meier-Walser, Reinhard C.: Funktion und Bedeutung der parlamentarischen
Opposition : eine Erinnerung an das Politikverständnis Hanns Seidels
/ In: Politische Studien <München> / Hrsg. Hanns-Seidel-Stiftung
e.V . - Grünwald. - 52 (2001),378, S. 5 - 10
Bayer, Alfred u.a. (Hrsg.): Weltanschauung und politisches Handeln: Hanns
Seidel zum 100. Geburtstag. Hanns-Seidel-Stiftung. Grünwald : Atwerb-Verl.,
2001. - 270 S. : Ill. (Politische Studien : Sonderausgabe) ISBN 3-928561-87-1,
darin:
Bayer, Alfred/Baumgärtel, Manfred: Zum Geleit, S. 7-9
Deutinger, Stephan: Hanns Seidel: ein Lebensbild, S. 11-37.
Löffler, Bernhard: Wirtschaftspolitische Konzeption und Praxis Hanns
Seidels, S. 39-66
Möller, Horst: Hanns Seidel als Parteipolitiker, S. 67 - 88.
Münch, Ursula: Bundesstaatlichkeit als Aufgabe und Ziel, S. 89-116
Meier-Walser, Reinhard C.: Hanns Seidel - Politisches Denken zwischen ethischer
Norm, wissenschaftlicher Analyse und pragmatischem Realitätssinn,
S. 117-134
Stoiber, Edmund: Grundlagen einer politischen Erfolgsgeschichte, S. 135-145
Knöpfle, Franz: Zum 100. Geburtstag von Hanns Seidel : eine Rückbesinnung,
S. 147-151