Geschichte des Islams in Deutschland von
1731/1732
bis 1945
Vorgeschichte
1731/1732/1739 Erste islamische
Gemeindegründung auf
deutschem Boden?
1927 Gründung des Islam-Instituts in Berlin
1930 Gründung der Deutsch-muslimischen
Gesellschaft
1932/1933 Gründung des Vereins Islamischer
Weltkongreß/Zweigestelle
Berlin
1939 Gründung des Islam-Instituts zu
Berlin
1941 Gründung des Zentral-Instituts
zu
Berlin
Vorgeschichte
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1683 belagerten die Osmanen zum zweiten Mal Wien und das
Lebensgefühl
ganz Europas wurde durch die "Türkennot" geprägt. Auch
Fürsten
aus Deutschland eilten zur Verteidigung der Stadt. Wer siegreich aus
der
Schlacht hervorging, brachte meist Kriegsgefangene als Beute
mit
nach Hause. Einige hundert solcher Gefangener mögen sich damals an
den verschiedenen Höfen befunden haben. Die Mehrheit wurde getauft
oder kehrte in die Heimat zurück. Wer hierzulande als Muslim lebte
und starb, hinterließ im besten Fall eine Grabstätte.
-
1689/1691 Die ältesten erhaltenen und bekannten Grabstätten
bzw. Grabsteine sind die des sechsjährigen Mustaf in Brake von
1689 sowie von Hammet und Hassan in Hannover von 1691. [Vgl. Heller
1996.]
1731/1732/1739 Erste islamische
Gemeindegründung
auf deutschem Boden?
-
Der Herzog von Kurland mach dem Preußenkönig Friedrich
Wilhelm
I. (1713-1740) zwanzig `türkische´ Gardesoldaten zum
Geschenk.
Muhammad Salim Abdullah glaubt, dass Friedrich Wilhelm I. mit dem
Dekret
zu Potsdam von 1731 für sie am Langen Stall in Potsdam
nicht
nur einen Saal als "erste Moschee" errichten ließ,
sondern
spätestens 1739 auch die erste islamische Gemeindegründung
auf
deutschem Boden erfolgte. Lemmen sieht dies mittlerweile als historisch
nicht haltbar: Während Abdullah einen Daueraufenthalt von 22
türkischen
Kriegsgefangenen in jenen Jahren in Potsdam annimmt, geht aus einer
zeitgenössischen
Quelle eindeutig hervor, daß sich die besagten Muslime lediglich
vorübergehend dort aufgehalten haben. [In den Collectaneen des
Samuel
Gerlach (1711-1786), die 1883 in den Mittheilungen des Vereins für
die Geschichte Potsdams abgedruckt wurden, ist zu lesen: „Den 22
großen
Türken, welche dem in der Folge unglücklichen Herzog von
Curland,
in dem Kriege, welchen Rußland mit den Türken führte,
in
die Hände gerathen waren und die dieser Herzog A. 1739 unserm
Könige
zum Präsent machte, ward, ihren Muhamedanischen Gottesdienst
abzuwarten
im Königlichen Waysenhause auch ein eigenes Zimmer angewiesen, und
wer weiß, was der König mehr gethan hätte, wenn er sie
hätte behalten wollen, sie wurden aber aus Königlicher
Großmuth
allesammt wieder auf freyem Fuß gestellet und mit Geschenken
wieder
in ihr Vaterland zurück geschickt." (S. 179f).]
-
Auch der Nachfolger Friedrich Wilhelms I., sein Sohn Friedrich der
Große
folgte dem Prinzip der Toleranz und antwortete auf eine Anfrage der
Stadt
Frankfurt am Main, ob ein Katholik das Bürgerrecht in einer
evangelischen
Stadt erwerben dürfe, folgendermaßen: ”Alle Religionen sind
gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen,
ehrliche
Leute sind und wenn die Türken kamen und wollten hier im Lande
wohnen,
dann würden wir ihnen Moscheen bauen.” Der preußische
König
verlieh der islamischen Gemeinde durch die Zusage, dass er die
islamische
Religion und ihre Ausübung schützen und die den muslimischen
Untertanen angestammte Lebensform gewährleisten werde, einen
gesicherten
Rechtsstatus.
-
1760/1762 In der zaristischen Armee verbreitete sich 1760 das
Gerücht,
der Sultankalif plane aus Freundschaft zu Preußen den `Heiligen
Krieg´
gegen Rußland auszurufen, was zum Überlaufen zahlreicher in
der russischen Armee dienenden moslemischen Soldaten zu den
Preußen
führte. 1762 wurde aus ihnen ein selbständiges
`Bosniakenkorps´
mit ca. 1000 Mann errichtet.
-
Seit 1763 gab es in Berlin eine ständige osmanische
Gesandtschaft.
-
1780-1785 Auch die Architektur jener Zeit machte orientalische
Anleihen.
Im Schloßpark von Schwetzingen entstand im sog. "Türkischen
Garten" des pfälzischen Kurfürsten Carl-Theodor als
Mittelpunkt
eine „Moschee", die aber wie alle orientalisierenden Bauten jener Zeit
weder als Gebetsstätte konzipiert wurde. [Vgl. Lange 1994.]
Nach Lange wurde sie auch nicht als solcher genutzt, nach Abdullah
jedoch
wurde sie ab 1870/71 von kriegsgefangenen Zuaven und Turkos als
Gebetsstätte
genutzt wurde. Vgl. dazu auch: http://www.badische-heimat.de/archiv/kultur/tuerkenmode.htm
-
1798 Der dritte osmanische Gesandte, Ali Aziz Efendi, verstarb am 29.
Oktober
1798. Zu seiner Bestattung stellte der preußische König ein
Gelände zur Verfügung - nach einem Geländetausch der
Grundstein
des bis heute erhaltenen islamischen Friedhofs am Columbiadamm. [Vgl.
Höpp
1996a.]
-
1807 Preußisch-deutsche Muslime als Soldaten in den
Feldzügen
Friedrich des Großen und in der Schlacht von
Preußisch-Eylau
am 7. und 8. Februar 1807 gegen Napoleons Armee, als Kaufleute,
Diplomaten,
Forscher, Entdecker und Schriftsteller, ausgerüstet mit
königlichen
Privilegien, stets im Dienste sowohl ihrer deutsche Heimat als auch
ihrer
Religion Islam. Sie verstanden sich dabei immer und stets auch als
„Brücke
zwischen Okzident und Orient“.
-
1910 Der in Baroda in Indien geobrene Stifter des Ordens der
Chesti-Derwische,
Pir Inayat Khan, macht auf einer Reise nach den USA auch in Deutschland
Station.
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1914/1915 Kaiser Wilhelm II. läßt in Wünsdorf bei
Zossen,
nahe Berlin, eine Moschee für die mohammedanischen
Kriegsgefangenen
bauen. Diese aus Holz gebaute Moschee diente nach dem Ersten Weltkrieg
den Berliner Moslems als erste Gebetsstätte, wurde aber wegen
Einsturzgefahr
1924 geschlossen und 1925/26 abgerissen werden. Allein die
"Moscheestraße"
und einige Soldatengräber erinnern daran. [Vgl. Höpp 1997;
Kahleyss
1998.]
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1917 Balfour Declaration: England verspricht während des
Weltkrieges
den Menschen jüdischen Glaubens eine `nationale
Heimstätte´
in Palästina.
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1918/19 Mit dem Ende des Krieges blieb eine Reihe muslimischer
Exilanten
und Flüchtlinge vornehmlich in Berlin.
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1918 Gründung: Verein zur Unterstützung
russisch-mohammedanischer
Studenten e.V. (1918),
-
1918 Gründung: Hilfsverein in Deutschland lebender
Mohammedaner
e.V. (1918)
1922 Die in Berlin lebenden Angehörigen des Islam aus 41 Nationen,
vornehmlich Ahmadiyya-Anhänger, schlossen sich zur `Islamischen
Gemeinde
Berlin e.V.´ zusammen (Berlin-Charlottenburg,
Giesebrechtstraße
5). Als Gründer gilt der indische Imam Maulana Sadr-ud-Din aus
Lahore
- 1924 Gesellschaft für islamische Gottesverehrung e.V. (1924)
-
1924 Durch den Zuzug von Studenten, Akademikern und Intellektuellen
vornehmlich
aus den Ländern Ost- und Südosteuropas entfaltete sich bald
ein
reges islamisches Gemeindeleben, dem sich deutsche Konvertiten
anschlossen
und von dem heute noch die 1924 grundgelegte Wilmersdorfer Moschee
(Brienner
Straße) zeugt. Diese Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde gab von 1924
bis 1940 die Zeitschrift Moslemische Revue heraus, und einer ihrer
Imame
legte 1939 die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer
Feder
vor.
1927 Gründung des Islam-Institut zu Berlin
-
Auf das als „fromme Stiftung" nach islamischem Recht konzipierte
Islam-Institut
zu Berlin beriefen sich zwei in späteren Jahren gegründete
Vereine
(Islam Institut zu Berlin e.V. und Islamisches Zentral-Institut zu
Berlin),
worin sich die Zerstrittenheit innerhalb der muslimischen Gemeinschaft
jener Tage dokumentierte:
1930 Gründung der Deutschen
Moslemgemeinde,
später: Deutsch-Muslimischen Gesellschaft e.V.
-
Im Grunde handelt es sich bei dieser Gründung lediglich um eine
Umbenennung
der Wilmersdorfer Gemeinde, mit der zum einen die Offenheit für
Konvertiten,
zum anderen die Loyalität zu Deutschland dokumentiert werden
sollte.
-
Burkhard Schröder:
"Im Sommer 1933 entdeckten Spaziergänger am Ufer eines Sees im
Grunewald
eine Leiche: Der Ertrunkene war Mohammed Nafi Tschelebi, ein
syrischer
Student an der technischen Universität Charlottenburg. Mit ihm
verloren
die Muslime im deutschen Reich ihre herausragendste
Persönlichkeit.
Während die islamische Gemeinde in Berlin trauerte, kam Tschelebis
Tod den Nationalsozialisten sehr gelegen: Er enthob sie der
unangenehmen
Pflicht, gegen den prominenten Muslim vorzugehen und sich dadurch bei
den
Anhängern der Lehre des Propheten unbeliebt zu machen. Die
Umstände
seine Todes blieben ungeklärt. Auch was mit seiner Leiche geschah
und wo sie bestattet wurde, ist - merkwürdig genug - nicht
bekannt.
Man kann vermuten, dass Mohammed Nafi Tschelebi schon von den Schergen
Hitlers beobachtet wurde. Am 30.5.1930 hatte sich, von Tschelebi
angeregt, die Deutsche Moslemgemeinde gegründet,
später:
"Deutsch-Moslemische
Gesellschaft". Ihr Ziel war, "das Verständnis für den
Islam
zu fördern" und die "Kameradschaft unter den Muslimen in ganz
Europa
zu pflegen." Nicht nur Muslime, sondern auch Andersgläubige - wie
Juden und Christen - durften Mitglied werden. Die Nazis hielten diese
Organisation
zeitweilig für einen "Zufluchtsort für
Kurfürstendammjuden",
als reiche Deutsche mosaischen Glaubens, die im vornehmen Westend
wohnten.
Auch der kosmopolitische Zuschnitt des Vereins war den
Nationalsozialisten
suspekt. Bei einigen der Mitgliedern witterten sie "bolschewistische"
Gedanken.
Erst mit Mohammed Nafi Tschelebi war ein frischer poliischer Wind durch
die Islamische Gemeinde Berlins gezogen. Eine Gruppe arabischer und
nationalistischer
Studenten um Tschelebi hatte 1927 ihre Führung übernommen.
Ihr
autokratischer Leiter, der Inder Abdel Jabbar Kheiri, wurde abgesetzt.
Tschelebi übernahm auch den Vorsitz der muslimischen
Studentenvereinigungen
"Islamia" und "El-Arabyia". Im selben Jahr gründete Tschelebi das
"Islam-Institut" im Humboldt-Haus in der Fasanenstrasse (heute:
Literaturhaus)
als Gegenpol zu der traditionell mehr konservativen und unpolitischen
Islamischen
Gemeinde. Das Institut sollte die "Entfremdung zwischen Europa und der
islamischen Welt" überwinden helfen. Seine Gründer verstanden
sich als "ehrliche Makler" in völkerverbindender Mission. Auch bei
der Gründung des Islamischen Weltkongresses 1932 in Berlin sass
Tschelebi
im Vorstand. Durch seine Vermittlungen normalisierte sich auch
das
Verhältnis zwischen der Islamischen Gemeinde mit ihren zeitweilig
1500 Mitgliedern und der Ahmadia-Sekte. Nach Tschelebis Tod
führten
das Islam-Institut und die Deutsch-Muslimische Gesellschaft nur noch
ein
Schattendasein. Seine Nachfolger verstrickten sich in endlose Intrigen
und Profilierungskämpfe. Das völkerverbindende Motto und der
Gedanke der Verständigung zwischen den drei grossen Buchreligionen
wurde zu den Akten gelegt. Dabei mischten die Nazis wenig später
kräftig
mit. Die deutsche Wehrmacht marschierte 1941 in Richtung Ägypten,
und im Irak putschte eine anti-britische Offiziersclique. Die
Nationalsozialisten
definierten ihre Interessen im Nahen Osten neu. Nach der Eroberung
Nordafrikas
sollte das britische Mandatsgebiet Palästina von zwei Seiten in
die
Zange genommen werden. Deutsche Truppen sollten über den Kaukasus
vorstossen und im Irak eine Marionettenregierung etablieren."
-
Noch heute wird vom Islam-Archiv der "Mohammed Nafi Tschelebi
(Medien-)Preis"
verliehen.
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Die Deutsch-Moslemische Gesellschaft wurde allerdings 1945
aufgelöst.
1932/1933 Gründung des Vereins
Islamischer
Weltkongreß/Zweigestelle Berlin -> Islamrat
-
Am 31. Oktober 1932 wird der Verein Islamischer
Weltkongreß/Zweigstelle
Berlin gegründet und am 31. Mai 1933 in das Vereinsregister beim
Amtsgericht
Berlin-Lichterfelde eingetragen.
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Diese Institution richtete mit einem `Islam-Kolloquium´
die
erste moslemische Bildungseinrichtung auf deutschem Boden ein. Dieses
gehört
heute zum Zentralinstitut Islam-Archiv Deutschland.
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Damals lebten ca. 1000 Moslems, darunter 300 Deutsche in Deutschland.
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Als Rechtsnachfolger sieht sich der 1986 gegründete Islamrat, zu
dessen Gründungsmitgliedern der VIKZ, die Jama’at un-Nur Köln
e.V., die sufische Gemeinschaft Les amis de l’Islam e.V. und eben der
Islamische
Weltkongreß / Deutsche Sektion e.V. gehörte und der sich
1997
mit dem Islamischen Weltkongreß Deutschland (altpreußischer
Tradition) e.V. zusammenschloss.
1939 Gründung des Islam
Instituts
(Ma’ahad-ul-Islam) zu Berlin e.V.
1941 Gründung des Islamischen
Zentral-Instituts zu Berlin e.V. , (jetzt: Zentralinstituts
Islam-Archiv-Deutschland
e.V. (ZI IAD) in Berlin (heute Soest). heutige Adresse: Postfach
1528,
Am Kuhfuß 8 (Deiringsen), 59494 Soest, Tel. (02921) 60702;
Telefax:
65417, E-Mail: Mehmet.Kilinc@t-online.de
-
1942 erhielt das Archiv den Rechtsstatus eines eingetragenen Vereins.
-
Burkhard Schröder: zur
nicht unproblematischen Geschichte: "Der ägyptische Journalist
Kamal
Eldin Galal gründete am 21.9.41 im Restaurant Berliner Kindl am
Kurfürstendamm
das "Islamische Zentral-Institut e. V." - unter wohlwollender Billigung
des Auswärtigen Amtes, das sich eine Propagandawirkung in der
arabischen
Welt versprach. Die meisten Mitarbeiter des neugegründeten
Instituts
arbeiteten auch als Journalisten für das Amt, Galal unter dem
Decknamen
Baschir Sufian. Im Juni marschierten die Engländer in den Irak
ein.
Einer der Drahtzieher des Putsches war Amin El-Husseini gewesen,
ein
fanatischer Antisemit und Mufti von Jerusalem. El-Husseini hatte seine
Finger in mehrere Aufständen arabischer Nationalisten in
Palästina
gehabt und stand auf der englischen Fahndungsliste ganz oben. Der
Gesuchte
floh über Teheran und Italien nach Berlin. Dort traf der Mufti am
6.11.41 ein, nannte sich fortan "Grossmufti von Palästina" und
verlangte
gleich, dass ihm "eine grössere Judenwohnung" zur Verfügung
gestellt
werden sollte. Das geschah - Adresse: Goethestrasse 27 in Zehlendorf.
Bald
darauf wurde er von Hitler persönlich empfangen. Amin el-Husseini
gelang es in kurzer Zeit, sowohl das "Islamische Zentralinstitut" als
auch
die Islamische Gemeinde zu instrumentalisieren und alle seine
Gegenspieler
kaltzustellen. Bei der Einweihung des Instituts im
Prinz-Albrecht-Palais,
dem "Haus der Flieger", wurde der Mufti von der Islamischen Gemeinde
als
"Führer der arabischen Welt" begeistert empfangen. In seiner
antisemitischen
Hetzrede behauptete er unwidersprochen, die Juden seien die
"erbittersten
Feinde" der Moslems und seit jeher ein "zersetzendes Element". "Das
Weltjudentum"
hätte den Krieg entfesselt. In den letzten Kriegsjahren
intervenierte
el-Husseini von Berlin aus bei diversen Behörden, um zu
verhindern,
dass osteuropäische Juden auswandern konnten. Adolf Eichmann hatte
Mai 1943 den Briten vorgeschlagen, 5000 jüdische Kinder aus
Bulgarien
nach Palästina emigrieren zu lassen, im Austausch gegen die
Freilassung
internierter Deutscher im Ausland. Der Mufti protestierte bei der SS -
erfolgreich. Die Kinder wurden stattdessen nach Polen geschickt, in den
sicheren Tod. Ein deutscher Beamter protokollierte, dass der Mufti die
Juden "am liebsten alle umgebracht" sähe.1944 reiste el-Husseini
mehrfach
nach Bosnien, wo er im Auftrag der SS muslimische Regimenter
rekrutierte.
Die bosniakische "Waffen-Gebirgs-Division-SS Handschar" erfreute sich
des
Wohlwollens Heinrich Himmlers, der sich um die religiöse
Erziehung
kümmerte. In Dresden wurde eine Mullah-Schule der SS eingerichtet.
Himmler schwärmte von der "weltanschaulichen Verbundenheit"
zwischen
dem Nationalsozialimus und dem Islam. Bei Kriegsende floh Amin
el-Husseini
in die Schweiz. Von Frankreich aus gelangt er nach Kairo, dann in den
Libanon.
Obwohl Jugoslawien ihn als Kriegsverbrecher ausgeliefert sehen wollte,
liessen ihn die Alliierten laufen: Sie hofften, sich seiner in
Palästina
bedienen zu können. Der Mufti genoss die Unterstützung der
Arabischen
Liga und finanzierte mit dem von den Nazis erhaltenen Geld die
sogenannte
Arab Liberation Army, die die Juden in Palästina terrorisierte.
1949
rief das Arab Higher Comittee, eine einflussreiche Gruppe
palästinensischer
Notablen, el-Husseini zum Präsidenten einer
Gesamt-Palästinensischen
Regierung im Gaza-Streifen aus. 1951 wurde der jordanische König
Abdullah
ermordet. Die Täter gehörten zu einer Geheimorganisation, die
der Grossmufti 1948 gegründet hatte, um "Palästina vor den
Zionisten
zu schützen". Einer der zum Tode verurteilten Verschwörer,
Dr.
Mussa Abdullah el-Husseini, war ein Vetter des Muftis. Im selben Jahr
immatrikulierte
sich ein weiterer Verwandter El-Husseinis an der Universität
Kairo:
Rahman Abdul Rauf el-Qudwa el-Husseini. Der Student hielt es für
ratsam,
seinen genauen Namen zu verschweigen, um sich von der kompromisslosen
und
fanatisch antisemitischen Politik des Grossmuftis zu distanzieren. Er
nennt
sich seitdem Yassir Arafat."
-
Heute hat es seinen Sitz in Soest und ist die einzige unabhängige
islamische Archiv- und Bildungs-Einrichtung im deutschsprachigen Raum.
Das Institut entwickelt sich auch immer mehr zum Dialogforum
verschiedener
islamischer Organisationen.
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Leitung: Muhammed Salim Abdullah
-
Anzahl der Mitarbeiter: 8
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Öffnungszeiten Mo-Do: nach Vereinbarung
-
Benutzung: Keine Zugangsbeschränkung; Präsenzbenutzung;
Fotokopien
gegen Kostenerstattung
-
Informationsleistungen: Kostenpflichtig: Recherchen;
Materialzusammenstellungen
-
BIBLIOTHEK: Fachgebiete: Islam (allgemein); Islam in Deutschland und
Europa;
Islamische Sondergruppen; Christliche Mission; Mystik; Kunst;
Hadith-Literatur;
Arabische Klassiker; Theologie und Recht; Prophetenbiographien;
Politik;
Wirtschaft; Ausländer: Jugendlicher, Schule, Weiterbildung; Frau
und
Familie; Sondersammlung: Historische deutschsprachige Koranausgaben
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Bestand: 6 Tsd. Bände
-
Anzahl der Zeitschriften: 150
-
Ausgewertete Quellen: Graue Literatur; Zeitschriften
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Inhaltserschließung: Schlagwörter
-
Speicher/Nachweis: Kartei
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ARCHIV: Fachgebiete: Islam in Deutschland und in Europa; Islamische
Weltorganisationen;
Christlich-moslemischer Dialog; Kirche und Christen in der islamischen
Welt; Christliche Mission unter Moslems; Schule und
Religionsunterricht;
Kirche zur Ausländerpolitik; Sondersammlungen: Internationale,
islamische
Zeitschriften (von 1739 bis zur Gegenwart); Anerkennung des Islam als
Körperschaft
öffentlichen Rechts; Historische Ausstellung "Geschichte des Islam
in Deutschland" (130 Objekte, Tafeln und Bilder)
-
Bestand: 1.200 Ordner (602 Tsd. Stichwörter)
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Veröffentlichungen: Islam-Nachrichten, unregelmäßig;
Moslemische
Revue, viermal jährlich
-
Zeitschrift: Moslemische Revue.Islamische Zeitung für
Deutschsprachige,
erscheint vierteljährlich, 64 Seiten DIN A5. Jahresabonnement:
45,-
DM + Porto, Bankverbindung: Postbank Frankfurt BLZ: 500 100 60,
Konto-Nr.:
492 966 605 (Auflage: ca. 600)
-
Islam-Nachrichten (Islam-Echo), wöchtenlich, 6-10 Seiten
-
1972 Korrespondentenstelle des Islamischen Weltkongresses in
Saarbrücken
-
Der Islamische Weltkongreß richtet in Saarbrücken eine
Korrespondentenstelle
ein und faßt dadurch organisatorisch und originiär wieder
Fuß
in der Bundesrepublik
-
1976 Gemeinsame Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen
und des Islamischen Weltkongresses von 1976, nach der Muslime und
Christen
das uneingeschränkte Recht haben müssen, zu überzeugen
und
überzeugt zu werden und ihres Glaubens gemäß zu leben
sowie
ihr religiöses Leben so zu ordnen, daß es mit ihren
jeweiligen
religiösen Pflichten und Prinzipien übereinstimmt.
-
1977 Gründung des "Freundeskreises Islamischer Weltkongreß"
mit Sitz in Gütersloh als Vorstufe für die
Wiedergründung
einer nationalen Sektion
-
1979 Berufung eines Bevöllmächtigten Vertreters des
Islamischen
Weltkongresses für die Bndesrepublik und West-Berlin.
-
1982 Einsetzung der nationalen Sektion des Islamischen Weltkongresses
in
Rinteln/Weser
-
1983 Erklärung der deutschen Sektion des Islamischen
Weltkongresses
für die Einheit der islamischen Gemeinden, für die
Anerkennung
der verfassungsmäßigen Ordnung und für Frieden und
Zusammenarbeit
vom 7. Januar 1983 (Rintelner Erklärung)
-
1984 Die Vertretung des Islamischen Weltkongresses reklamierte beim
Amtsgericht
Berlin-Charlottenburg die Rechtsnachfolge der Einrichtung von 1932/33,
was auch anerkannt wurde.
-
1984 Weitere Erklärungen
-
Grundsatzerklärung von Witten vom 12. Mai 1984
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Bekenntnis und Auftrag - Erklärung von Soest vom 19. August 1984
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Erklärung von Berlin vom 24. November 1984
-
1988 Erklärung "Islam und Arbeit" des Islamischen
Weltkongresses/Deutsche
Sektion vom 20. Februar 1988
-
1989 Erklärung des Islamischen Weltkongresses/Deutsche Sektion:
-
"Grundlagen des Dialogs zwischen Christen und Moslems", Soest vom
9.2.1989;
-
"Stellungnahme zur Ausländerfeindlichkeit" vom 15.2.1989;
-
"Islam und Grundgesetz" vom 24.9.1989
-
Aktuelle Adresse des Weltkongresses ist die gleiche Adresse wie
Zentralinstitut
Islam-Archiv Deutschland (siehe oben)
-
Der Kongreß strebt die Zuerkennung der öffentlichen
Körperschaftsrechte
für den Islam in Deutschland und die Einführung eines
islamischen
Religionsunterrichtes als ordentliches Lehrfach in den
öffentlichen
Schulen und als akademisches Fach zur Ausbildung von Theologen und
islamischen
Religionslehrern in Deutschland an.
-
Derzeitiger Kirchenreferent des Islamischen Weltkongresses ist Bernhard
Umar Priesmeier.
-
Der Islamische Weltkongreß Deutschland hat 100 eingetragene
deutsche
Mitglieder.
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Dem Weltkongreß steht der Jugendverband "Bund Moslemischer
Pfadfinder
Deutschlands (BMPD) e.V." nahe.
-
Adresse: Bundesamt, Obertor 10, 41189 Mönchengladbach, Tel.
(02166)
53389
-
1990 3. Ordentliche Bundesversammlung in Soest-Deiringsen
-
Zu seinen Trägern gehört allerdings auch der Verband der
Islamischen
Jugendzentren e.V., der sich an den Lehren Nursis orientiert.
-
Informationen größtenteils aus:
-
http://islamic-centre-hamburg.de/al-fadschr/nr081_090/af087/af087_16.htm:
Bericht über: 70 Jahre Islam-Archiv Deutschland: "Einigen
Bekanntheitsgrad
dürfte es mittlerweile schon haben, das Islam-Archiv in Soest.
Jedoch
werden viele nicht wissen, daß diese Institution auf eine
mittlerweile
siebzigjährige Geschichte zurückblickt. Diese Geschichte war,
wie die M. Salim Abdullah herausgegebene Broschüre "70 Jahre
Zentralinstitut
Islam-Archiv Deutschland" zeigt, recht wechselvoll. Begonnen hatte
alles
in den zwanziger Jahren in Berlin. In dieser Zeit hatte sich dort eine
islamische Gemeinschaft entwickelt, deren Mitglieder hauptsächlich
aus Studenten und Geschäftsleuten aus den arabischen Ländern
und Indien bestanden und die dort zunächst in wechselnden Gruppen
agierten. 1927 gründete sich auf Initiative von Mohammed Nafi
Tschelebi,
eines Studenten syrischer Herkunft, das Islam-Institut. Dieses sollte
nach
den Worten seines Gründers in "doppeltem Sinne eine Brücke
bilden:
einmal zwischen der islamischen Welt und Deutschland, dann aber auch
zwischen
den in Deutschland lebenden Angehörigen aus unterschiedlichen
islamischen
Ländern". Ferner sollte es ein "geistiges Zentrum für den
Kulturaustausch
zwischen Deutschland und der islamischen Welt werden und beide Seiten
durch
seine Mittlertätigkeiten befruchten." Unter dem Vorsitz von
Tschelebi
entwickelte das Institut bald vielfältige Aktivitäten wozu
der
Aufbau einer Bibliothek und die Herausgabe einer deutschsprachigen
Zeitschrift
gehörten. Das Jahr 1933 brachte einen Einschnitt in zweifacher
Hinsicht:
Zum einen kam Tschelebi bei einem Badeunfall ums Leben und, wie die
weitere
Entwicklung zeigte, gab es wohl keine gleichsam qualifizierte
Persönlichkeit,
die in der Lage war, die Aktivitäten in seinem Sinne
fortzuführen.
Zum anderen erfolgte in diesem Jahr die Machtübernahme der Nazis
und
damit begann eine für die Muslime problematische Geschichte. Bis
zum
Ausbruch des zweiten Weltkriegs führte das Islam-Institut ein
Schattendasein,
danach ließ es sich immer mehr und sehr bereitwillig von den
Nazis
für deren Kriegspolitik instrumentalisieren. Dazu muß man
wissen,
daß ein Großteil der damals in Deutschland lebenden Muslime
aus Ländern kam, die unter britischer oder französischer
Kolonialherrschaft
standen. Diese sahen aufgrund der Kriegsgegnerschaft zu Frankreich und
Großbritannien völlig unreflektiert nach dem Motto "der
Feind
meines Feindes ist mein Freund" in Deutschland einen Verbündeten.
Diese Naivität nutzten die Nazis und protegierten, obwohl sie die
Orientalen als "Untermenschen" verachteten, Personen wie den
Großmufti
von Jerusalem oder eben auch das Islam-Institut. Der Höhepunkt
dieser
Verbindung war die pomphaft inszenierte Eröffnung des "Islamischen
Zentral-Instituts" im Jahre 1942 in Berlin - von da ab ein reines
"Propagandainstrument
der nationalsozialistischen Politik", wie der heutige Institutsleiter
M.Salim
Abdullah feststellt. Zum Verhalten der Muslime in Deutschland
heißt
es in der Stellungnahme dann weiter: "Die Leitung des heutigen
Zentralinstitut
Islam-Archiv Deutschland e.V. bedauert zutiefst, daß die
Mitglieder
des Vorkriegsinstituts nicht den Mut und die Kraft gefunden haben, sich
gegen das Ansinnen des NS-Regimes zu wehren, wie es die Imame in
Bosnien,
im Kosovo, in Rumänien und Bulgarien getan haben, indem sie dem
Abtransport
jüdischer Mitbürger und der muslimischen Roma heftigen
Widerstand
entgegensetzten". Die Nachkriegsgeschichte des Instituts beginnt 1965
in
Saarbrücken mit dem Neuaufbau des Archivs. Dazu mußten die
durch
den Krieg in alle Welt verstreuten Bestände in mühevoller
Arbeit
wieder zusammengetragen werden. Tätigkeitsfelder und Archivalien
wuchsen
aber weiter, so daß 1982 ein Umzug nach Soest erfolgte, wo das
Institut
auch heute seinen Sitz hat. Das Archiv besteht nun aus einer
Fachbibliothek
und mehreren Sammlungen. Es hat ehrenamtliche Mitarbeiter in allen
Bundesländern
und in der Mehrzahl der in Deutschland bestehenden islamischen
Gemeinden
und Verbünden. Unter Berücksichtigung des Datenschutzes ist
das
Archiv für alle islamischen Organisationen zugänglich, aber
auch
für jede andere Person, die ein wissenschaftliches Interesse
nachweisen
kann. Auskünfte sind nicht kostenpflichtig. Damit ist das
"Islam-Archiv
Deutschland" nicht nur die älteste islamische Einrichtung, sondern
enthält auch die umfassendste Dokumentation über das
islamische
Leben in Deutsch-land und wird damit zu einem immer wichtigeren
Ansprechpartner
für alle, die aus wissenschaftlichen oder journalistischen
Gründen
mit diesem Thema befaßt sind. Darüber hinaus sieht das
Zentralinstitut
eine Hauptaugabe im Dialog mit anderen Weltanschauungen, wozu
unterschiedliche
Aktivitäten stattfinden. Gerade diese Aktivitäten seien aber,
wie man einräumt, nicht nur auf positive Reaktionen
gestoßen:
Neben vielen Freunden hätte man sich auch erbitterte Gegener
eingehandelt.
Ferner werden eine vierteljährlich erscheinende Zeischrift
("Moslemische
Revue") und Publikationen zu unterschiedlichen Themen (Islamische
Organisationen
in Deutschland, islamischer Religionsunterricht, islamische Bestattung
etc.) herausgegeben. (NM)"
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