Helmut Zenz:
Zum Schutz des ungeborenen und geborenen Lebens



Texte und Erklärungen:

Mutter Teresa:

"Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte: Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? Sogar in der Heiligen Schrift steht: "Selbst wenn die Mutter ihr Kind vergessen könnte, ich vergesse es nicht." Aber heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts. In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm.
Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind. Und das Kind muß sterben, weil sie dies eine Kind nicht mehr haben wollen - nicht ein Kind mehr - und das Kind muß sterben.
Und ich bitte Sie hier im Namen der Kleinen: Rettet das ungeborene Kind, erkennt die Gegenwart Jesu in ihm!
Als Maria Elisabeth besuchte, hüpfte das Kind vor Freude im Schoß der Mutter in dem Augenblick, als Maria ins Haus kam. Das Ungeborene brachte Freude. Daher versprechen wir hier, jedes ungeborene Kind zu retten. Gebt jedem Kind die Gelegenheit, zu lieben und geliebt zu werden. Wir bekämpfen Abtreibung mit Adoption. Mit Gottes Gnade werden wir es schaffen. Gott segnete unsere Arbeit. Wir haben Tausende von Kindern gerettet, sie haben ein Heim gefunden, in dem sie geliebt werden, wo wie erwünscht sind, wohin sie Freude gebracht haben.
Deshalb fordere ich Sie heute auf, Majestäten, Exzellenzen, meine Damen und Herren, Sie alle, die aus vielen Ländern der Erde gekommen sind: Beten Sie, daß wir den Mut haben mögen, das ungeborene Leben zu schützen. Hier in Norwegen haben wir nun die Gelegenheit, dafür einzutreten."

MEINE POSITION:
Auch ich bin der Überzeugung, dass Abtreibung der größte Feind des Friedens ist und dass es falsch ist, Abtreibung zu legalisieren. Eine andere Frage ist es, ob sie unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben kann.
Dabei ist jegliche Fristenlösung für mich ein Skandal, da Leben mit der Befruchtung der Eizelle beginnt. Gerade die moderne Gentechnik zeigt dies. Wie sonst wäre es möglich, dass eine befruchtete Eizelle ihrem Ursprung entnommen, in eine andere Gebärmutter eingesetzt und dort schließlich zu einem Menschen heranwachsen könnte.
Auch jede Indikationenlösung hat ihre Tücken, vor allem die eugenische Indikation. Nicht umsonst wenden sich die Behindertenverbände gegen die jetzige gesetzliche Regelung in Deutschland.
Die Möglichkeit, Kinder zur Adoption freizugeben, wird immer noch viel zu wenig in den Blick genommen.

Aber: Gesetzgebung in einem parlamentarisch-demokratischen Rechtsstaat bedeutet aber über Meinungsbildungsprozesse Mehrheiten zu bekommen. Die Mehrheit in Deutschland ist derzeit in Bezug auf die Abtreibung eine andere. Für Lebensschützer gilt es daher zum einen, am demokratischen Meinungsbildungsprozess teilzunehmen und so einen Stimmungsumschwung für eine neue gesetzliche Regelung zu erreichen. Jegliches militante Auftreten widerspricht meiner Gesinnung, so dass ich ein Gegner aller militanten Lebensschutzgruppierungen bin. Neben der Meinungsbildung gilt es unter den schlechten Bedingungen einer lebensfeindlichen Mehrheit den bestmöglichen Lebenschutz zu gewährleisten. Dies ist eine schwierige Gratwanderung, bei der mitunter das kleinere Übel und vielen Übeln zu wählen ist. Wer sich die Hände dabei nicht schmutzig machen will, verrät die in einen Schwangerschaftskonflikt geratenen Frauen. Ich bin daher auch enttäuscht, dass die Kurie die deutschen Bischöfe zum Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung gedrängt hat, auch wenn ich mir bewusst bin, dass sich die Kirche hier in einer Dilemma-Situation befindet. Aber dies ist in jedem politischen Bereich zwischen Kirche und Gesellschaft so, wenn sie "Kirche in der Welt", aber nicht "Kirche von dieser Welt" sein will. Verantwortungsethisches Handeln ist angesagt anstatt ethische Gesinnungen zwischen der Macht des Stärkeren und akosmistischer Nächstenliebe (vgl. Max Weber).

Andererseits kann ich der Position von Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter einiges abgewinnen, der gleichermaßen den Ausstieg der kirchenrechtlich gebundenen Institutionen befürwortet, ohne deshalb das weitere Engagement von Katholiken in der Schwangerenkonfliktberatung (mit Schein) von vorneherein abzulehnen. Er möchte die weitere Entwicklung des Vereins "Donum Vitae" abwarten. Er vergleicht das Problem der Schwangerenkonfliktberatung mit dem Problem der Politik insgesamt. Kirchlichen Würdenträgern ist die Übernahme von politischen Ämtern in der Regel untersagt und kirchrechtlich gebundene Vereinigungen sollen nicht als politische Partei auftreten, um nicht einseitig Partei zu ergreifen und unabhängig "Zeichen der Transzendenz der menschlichen Person" (GS) sein zu können. Nichtsdestoweniger sind katholische Laien und ihre nicht kirchenrechtlich gebundenen Vereinigungen, d.h. solche die die Bezeichnung (römisch-)katholisch nicht beanspruchen, dazu aufgefordert sich politisch zu engagieren. Eine einseitige Parteinahme kirchlicher Würdenträger oder kirchenrechtlich gebundener Vereinigungen für die Schwangerenkonfliktberatung mit Schein ist aufgrund des damit verbundenen Dilemmas und aufgrund der damit verbundenen Verknüpfung von Kirche und Staat nicht mehr wünschenswert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich einzelne Katholiken nicht dennoch zusammenschliessen können, um die Schwangerenkonfliktberatung mit Schein als das in ihren Augen und nach ihrem Gewissen im säkular-pluralen Staat derzeit Mögliche und Erreichbare an Lebensschutz fortzuführen, unbeschadet dass sie sich dafür einsetzen, eine noch bessere gesetzliche Regelung mittels Überzeugungsarbeit im politischen Meinungsbildungsprozess zu erreichen.


EIN ARTIKEL VON PROF. HANS MAIER
Prof. Hans Maier schrieb am 29.12.1999 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Rubrik "Fremde Federn":
"In fast allen Ländern der westlichen Welt kann man heute ein ungeborenes Kind bis zum Ende des dritten Monats straffrei abtreiben. Auch in Deutschland? Ja, leider auch bei uns. Dies ungeachtet der Tatsache, dass die Ungeborenen Menschen sind vom ersten Augenblick an (wie heute jedes Schulkind weiß, das in der Schule von DNS, vom genetischen Code, hört). Moral und Gesetzgebung haben im 20. Jahrhundert mit der fortgeschrittenen wissenschaftlichen Einsicht nicht Schritt gehalten, eher im Gegenteil. ...
Allerdings unterscheidet sich die deutsche Regelung in zwei Punkten von einer reinen Fristenlösung: Die Abtreibung bleibt Unrecht (wenn auch straffreies Unrecht); und eine Beratung der Schwangeren ist Pflicht. Es darf also nicht einfach rechtfertigungslos abgetrieben werden wie in den meisten anderen Ländern. Vielmehr soll die Selbstbestimmung der Schwangeren durch Beratung - also von außen - im Sinn des Lebensschutzes beeinflusst werden. Daher auch Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft, Beraterinnen und Beratungsgespräche mit dem Ziel, Frauen in Konfliktlagen - gerade wenn sie, oft unter dem Druck ihrer Umgebung, schwanken und unsicher sind - für das Leben ihres Kindes zu gewinnen. Oft gelingt es. Oft können psychischer Zuspruch und materiellen Hilfen viel bewirken. Jedenfalls wird mit der Beratung ein letzter Versuch gemacht, Leben zu schützen und zu retten. Scheitert der Versuch, so tritt die Lage ein, die in fast allen anderen westlichen Ländern gilt ...
Nun soll dieser Versuch nach dem Willen des Papstes beendet werden - zumindest in den in Deutschland vorgeschriebenen gesetzlichen Formen. Die Begründung hierfür: Die Beratungsbetätigung, der "Schein", könne als Mitwirkung, als stillschweigende Billigung einer Abtreibung missdeutet werden. Die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses stehe in Frage - Mehrdeutigkeiten sind in der Tat nicht auszuschließen. Das ist überall so, wo sich die Kirche ins Handgemenge mit der "Welt" begibt. ...
Ich zweifle, ob eine Beratung außerhalb der gesetzlichen Vorschriften (oder in nur partieller Ausfüllung des Beratungskatalogs) überhaupt an die Zweifelsfälle der Ratlosen, Bedrängten, mit sich Ringenden, Unsicheren herankommt. Gerade auf sie kommt es aber an. Die Kirche darf sich ja nicht nur um die treuen Seelen im Inneren sorgen. Sie muss sich auch um die Angefochtenen draußen kümmern. Erst dann ist sie missionarische Kirche - "Salz der Erde".
Kann es wirklich sein, dass der Vatikan mit Ländern, die eine reine Fristenlösung praktizieren, weniger Schwierigkeiten hat als mit den Deutschen, die aus Gründen ihrer Geschichte und Verfassung der schlichten Preisgabe des Lebens die erwähnten Riegel vorgeschoben haben? Brüchige Riegel gewiss - aber in aller Unzulänglichkeit doch Schranken, die nicht einfach übersehen und leichtfertig überschritten werden können. ...
Das römische Lehrstück hat ... Folgen, die ich für bedenklich halte ... Sodann müssen Christen in der Politik - in allen Parteien, vor allem aber in den Unionsparteien - sich durch die jüngsten Entscheidungen desavouiert, sogar verhöhnt fühlen. Sie haben 1994/95 auf das Beratungsmodell gedrungen, um in einer säkularen Gesellschaft das Mögliche und Erreichbare an Lebensschutz gesetzlich zu verankern. Nun wird ausgerechnet die Beratung zum Zankapfel - nicht mit den weltlichen Kräften, sondern mit Rom. ... Mehrere Staaten in Mittel- und Osteuropa haben in den vergangenen Jahren das deutsche Beratungsmodell diskutiert und seine Einführung erwogen. Davon werden sie nun die Finger lassen, da man sich damit nur Ärger mit Rom einhandelt. So wird, fürchte ich, die "reine Fristenlösung" in Osteuropa weiter vordringen, ebenso wie im Westen.
Ob man dies alles in Rom genügend bedacht hat?"


Austritt aus der Aktion Lebensrecht für Alle

Bisher dokumentierte ich meine Auffassungen durch eine Mitgliedschaft in der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA). Es ist nicht leicht mit dieser Position eine Lebensschutzvereinigung zu finden, die einem damit Raum gewährt. In der "Aktion Lebensrecht für Alle e.V." fühlte ich mich bisher als Lebensschützer am besten aufgehoben. Ich wußte ihre gute Information (Lebensforum, Lebenszeichen), politische Aktivität, relative Offenheit in ethisch schwierigen Konstellationen zu schätzen. Bedauerlicherweise hat sie in den letzten Monaten im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung mit Scheinausstellung durch Mehrheitsbeschluss im Vorstand einseitig zugunsten des Ausstiegs und gegen den neugegründeten Verein "Donum Vitae" Stellung bezogen und damit ihre Offenheit in meinen Augen stark beeinträchtigt. Nun hat sich die langjährige Ehrenvorsitzende Frau Dr. Hedwig Seelentag durch ihren Austritt von der Aktion Lebensrecht für Alle distanziert. Die Art und Weise, wie dieser Austritt von Seiten der ALfA kommentiert wurde, zeigt mir, dass Frau Seelentag mit ihrem Schritt Recht hatte und entschloss mich selbst zu diesem Schritt.



Lebensfreunde und Donum Vitae e.V.

Frau Dr. Hedwig Seelentag, praktizierende Katholikin, hat zusammen mit ihrem Sohn unter http://www.lebensfreunde.de/ eine offene Gruppe von Menschen, die sich für den Schutz ungeborenen Lebens einsetzen, ins Leben gerufen. Auf diesen Internet-Seiten soll eine Plattform zum Gedankenaustausch zu sozialen, politischen und bewußtseinsbildenden Fragestellungen geboten werden. Grundsätzliche Überlegungen sollen ebenso wie Erfahrungen oder Vorschläge zur praktischen Hilfe über die Grenzen von Konfessionen, Organisationen oder Parteien hinweg diskutiert werden können.

Zum Beratungsschein und zu Donum Vitae (Geschenk des Lebens) schreibt Frau Dr. Seelentag: Donum Vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens e.V. bzw. Donum Vitae in Bayern e.V. Liste der bereits etablierten Beratungsstellen von Donum Vitae
Donum Vitae Landesverband Baden-Wuerttemberg
Donum Vitae im Rheinisch Bergischen Kreis e.V.
Donum Vitae Krefeld e.V.
Frauen beraten - Donum Vitae Kreis Borken e.V.
Donum Vitae Märkisches Sauerland e.V.
Donum Vitae, Ortsvernband Münster e.V.
Donum Vitae Beratungsstelle Erfurt
Donum Vitae Beratungsstelle Altötting
Donum Vitae Regensburg
Förderkreis Donum Vitae Bamberg
Donum Vitae muss leben - Gastkommentar von Christa Nickels in Die Welt vom 16.11.2000
Homepage von Christa Nickels
Vortrag Prof. Bernhard Frahling: Dürfen Katholiken Donum Vitae unterstützen?



Zur Behauptung, das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken habe Donum Vitae gegründet:

Donum Vitae ein Weg, den Streit zu beenden

Erklärung des Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Professor em. Dr. Bernhard Sutor vom 6. Dezember 1999

"Erneut gehen die Wogen des Streites um die Schwangerenkonfliktberatung hoch, jetzt auch wegen der Gründung von Donum Vitae. Dabei könnte Donum Vitae ein Weg sein, den Streit endlich zu beenden und sich in der Kirche wieder den eigentlich wichtigen Fragen zuzuwenden. Dazu in gebotener Kürze die Begründung:
1. Es ist unter gläubigen Katholiken unstrittig, daß Abtreibung Sünde ist und daß das Leben der Ungeborenen geschützt werden muß. Gestritten wird um die Wege und Mittel dazu.
2. Es ist unter gläubigen Katholiken unstrittig, daß das in Deutschland geltende Recht in dieser Frage erhebliche Mängel hat. Es ist allerdings besser, als in den meisten europäischen Staaten. Es ist keine Frage des Glaubens, sondern des rechtlich-politischen Ermessens, ob der Staat das Leben der Ungeborenen besser mit durchgängiger und strikter Strafandrohung schützt oder durch Beratung, die jedoch eine zeitlich befristete Aussetzung der Strafdrohung nötig macht.
3. Der Papst ist der Überzeugung, daß die Beteiligung kirchlicher Stellen an der gesetzlich geforderten Konfliktberatung das Zeugnis der Kirche für das Lebensrecht verdunkele. Er hat deshalb die Bischöfe nach langen Auseinandersetzungen aufgefordert, diese Beteiligung zu beenden. Es gibt gute Gründe für diese Position, und es ist verständlich, daß die Bischöfe ihr Folge leisten.
4. Es gibt aber mindestens ebenso gute Gründe für die Überzeugung, gerade die Beteiligung an der Konfliktberatung sei als Rat und Hilfe für die konkret Bedrängten christlich geboten. Verurteilung der Abtreibung und Beratung der Frauen in Konfliktlagen schließen einander nicht aus. Schließlich begegnet Christus allen Sündern immer in dieser doppelten Haltung. Augustinus hat das auf die Formel gebracht: Den Irrtum hassen, den Irrenden lieben.
5. Der Papst hat nie gesagt, die Beteiligung an der Konfliktberatung sei formelle Mitwirkung an Abtreibung und deshalb ein Verstoß gegen die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche. Wäre das so, dann müßte er nicht nur längst alle katholischen Beraterinnen mit kirchlicher Strafe bedrohen, auch die in staatlichen Gesundheitsämtern, sondern erst recht alle Katholiken, die das Beratungskonzept politisch und rechtlich zu verantworten haben. Dann hätte er auch keine jahrelangen Gespräche über diese Frage und jetzt keine Übergangszeiten zulassen dürfen.
6. Da es sich also nicht um eine das Gewissen der Gläubigen im strikten Sinn bindende Lehre handelt, sondern um eine Frage gewissenhaften Ermessens, können Katholiken guten Gewissens einen anderen Weg gehen, als ihn der Papst den Bischöfen empfiehlt; zumal da die meisten Bischöfe der Überzeugung waren, auch sie könnten diesen anderen Weg verantworten.
7. Die Kirche kann nach der Weisung des Papstes als Institution und in Verantwortung der Bischöfe nicht mehr in der gesetzlichen Konfliktberatung bleiben. Deshalb versuchen Katholiken als Mitglieder der pluralistischen Gesellschaft und als freie Bürger ihres Staates, mit Donum Vitae einen eigenen Weg in eigener Verantwortung zu gehen. Er richtet sich nicht gegen Papst und Bischöfe, er entlastet vielmehr die Institution Kirche und die Bischöfe von einem Problem, das zu schweren innerkirchlichen Konflikten geführt hat.
8. Donum Vitae will außerhalb der verfaßten Kirche, aber in christlicher Verantwortung, die Fortführung der Konfliktberatung durch Christen ermöglichen, und zwar nach den Leitlinien, die bisher für kirchliche Beratungsstellen gelten. Katholiken, die für diesen Weg sind, sollten Donum Vitae unterstützen; die dagegen sind, brauchen sich nicht mehr betroffen zu fühlen. Geben wir uns gegenseitig in christlicher Verbundenheit den Weg frei zu unterschiedlichem Handeln in einer Frage, in der man mit guten Gründen unterschiedlicher Überzeugung sein kann! In anderen Fragen haben wir das längst gelernt. "



Erklärung des Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Professor Bernhard Sutor zu einem Brief, den Kardinal Joseph Ratzinger an den Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zur Schwangerenkonfliktberatung in Bayern geschrieben hat

"Der Brief von Kardinal Ratzinger an Ministerpräsidenten Dr. Stoiber wird inzwischen in so vielen Details in der Presse zitiert und diskutiert, dass ich als Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern nicht länger zu dem Vorgang schweigen kann. Vor allem in folgenden Punkten ruft der Brief des Kardinals meinen Widerspruch hervor:
1. Kardinal Ratzinger interveniert an der Freisinger Bischofskonferenz und ihrem Vorsitzenden vorbei bei Ministerpräsident Stoiber. Man fragt sich, in welcher Funktion und mit welcher Kompetenz er das eigentlich tut.
2. Inhaltlich präjudiziert und belastet er die Gespräche zwischen der Freisinger Bischofskonferenz und der Staatsregierung, indem er mit harschen Worten die weitere staatliche Unterstützung der kirchlichen Beratungsstellen fordert. Dazu sind Gespräche zwischen den zuständigen Organen nötig. Darüber hinaus wäre bekanntlich dazu eine Änderung des entsprechenden bayerischen Gesetzes erforderlich.
3. Kardinal Ratzinger erhebt schwere Vorwürfe gegen Sozialministerin Stamm und führende CSU-Politiker, sie störten das Staat-Kirche-Verhältnis und gefährdeten den inneren Frieden der Kirche. Dass die bayerische Politik in der gesetzlichen Pflicht steht, für ein weltanschaulich plurales Angebot an Beratung zu sorgen und dass dieses durch den Rückzug der Kirche aus der gesetzlichen Konfliktberatung in Frage gestellt ist, ist ihm offensichtlich keinen Gedanken wert. Ganz abgesehen davon, dass die bayerische Ausgestaltung der Schwangerenkonfliktberatung seinerzeit kirchlichen Vorstellungen weit entgegenkam und die verantwortlichen Politiker dafür öffentlich und bis vor das Bundesverfassungsgericht den Kopf hingehalten haben.
4. Kardinal Ratzinger belehrt den bayerischen Ministerpräsidenten darüber, DONUM VITAE könne nicht beanspruchen, als katholische Organisation zu gelten. Aber diesen Anspruch erhebt DONUM VITAE gar nicht. Die Initiative versteht sich vielmehr als Verein bürgerlichen Rechts von Katholiken, die der Überzeugung sind, es müsse im überwiegend katholischen Bayern eine von christlichem Geist geprägte Schwangerenkonfliktberatung im Rahmen des staatlichen Rechts weiterhin geben, zum Schutz vieler Ungeborener.
5. Am befremdlichsten finde ich, dass Kardinal Ratzinger offensichtlich voraussetzt, katholische Laien hätten Weisungen der Hierarchie unbesehen anzunehmen; auch in Fragen rechtlich-politischer Art, in denen sie als freie Bürger in eigener Verantwortung ihrer gewissenhaft gewonnenen Einsicht folgen müssen.
6. Kardinal Ratzinger wollte die Institution Kirche aus der gesetzlichen Konfliktberatung heraus lösen. Dafür gab es durchaus gewichtige Gründe. Er hat sein Ziel erreicht. Wie Christen in politischer Verantwortung und wie katholische Laien als Staatsbürger auf die damit entstandene Situation antworten, liegt nicht mehr im Kompetenzbereich der Kirche, sofern es nicht nachweisbar gegen definierte Glaubens- und Sittenlehre steht. Nicht DONUM VITAE gefährdet die Einheit der Kirche, sondern diejenigen, die den Anspruch kirchlicher Autorität überdehnen und unterschiedliche Antworten auf schwierige Fragen unter Christen nicht dulden wollen.
München, den 16. Oktober 2000 - Professor Dr. Bernhard Sutor, Vorsitzender"



Warum der "Heilige Stuhl" in Bezug auf "Donum Vitae" irrt!
Der "Heilige Stuhl" - namentlich die Kongregation für die Glaubenslehre - antwortet einer privaten Anfrage in einem Brief, der vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo übermittelt und durch einige persönliche Anmerkungen ergänzt wurde. Der Brief vom 25.10.2000 im Wortlaut:
"Sehr geehrte Frau Leipholz! Mit Brief vom 31. Mai haben Sie und acht andere Damen, die Mitglieder katholischer Verbände sind, um eine "eindeutige Klärung" der Frage - eventuell "durch kompetente Stellen in Rom selbst" - gebeten, ob der Verein Donum vitae mit der innerkirchlichen Ordnung vereinbar sei und man ihn als katholischer Christ unterstützen dürfe. Ich habe Ihre Anfrage an den Heiligen Stuhl weitergeleitet. Mit Brief Nr. 46/87-11669 vom 25. Oktober bin ich nun seitens der Kongregation für die Glaubenslehre autorisiert worden, Ihnen folgendes mitzuteilen:
`Der Verein Donum vitae befindet sich in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters und den Entscheidungen der Bischöfe, und zwar aus folgenden Gründen: Aus diesem Grund müssen die Beratungsstellen von Donum vitae und anderen Vereinigungen, die das Ziel haben, eine "katholische" Beratung für Schwangerschaftskonflikte mit Ausstellung des Scheines fortzuführen, klar von katholischen Beratungsstellen unterschieden werden. Deswegen sollen sie auch keine diözesanen Mittel erhalten, wie die Bischöfe Deutschlands bestätigt haben. Außerdem müssen die katholischen Gläubigen darauf verzichten, solche Beratungsstelen zu unterstützen, und sich im Einvernehmen mit dem Papst und den Bischöfen dafür einsetzen, eine Neuregelung der Beratung zu verwirklichen, die sich durch Fachkompetenz, durch menschliche Zuwendung und durch die Bereitschaft zu konkreter Hilfe auszeichnet.´

Dieser Antwort seitens der Kongregation für die Glaubenslehre möchte ich als Apostolischer Nuntius noch einige Worte hinzufügen:
Wenn die deutschen Katholiken wieder zu einer herzlichen Einheit mit dem Heiligen Vater finden können, werden viele unleugbare Zeichen der Krise, die bei der Kirche in Deutschland zu beklagen sind, leicht überwunden werden können. Lieblose innerkirchliche Polemiken verursachen unter den Gläubigen nur Verdruss am Glauben und an der Kirche und entfernen sie vom Geist des Evangeliums. Mit dem Apostel Paulus sollen wir alle beten und wirken, damit alle Katholiken in Deutschland "eines Sinnes" sind, "einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig" (Phil. 2,2). Um eine solche Einheit zu sichern, hat der Herr seine Kirche unter anderem mit dem Petrusamt ausgestattet, so dass alle Christgläubigen in ihrem Glauben und Handeln dort einen gemeinsamen festen Bezugspunkt haben.
In diesem geschichtlichen Augenblick und in der anstehenden Frage ist es notwendig, dass die deutschen Katholiken mit ihren Bischöfen fest verbunden sind. Die neuen bischöflichen Bestimmungen zur Neuordnung der katholischen Schwangerenberatungsstellen sollen von allen wirksam unterstützt und gefördert werden. Die katholischen Vereine und die Priester und Gläubigen sollen, je nach ihrer Aufgabe, einträchtig dazu beitragen, dass alle Frauen, die sich während ihrer Schwangerschaft in Schwierigkeiten befinden, wissen, dass sie bei den katholischen Schwangerenberatungsstellen eine freundliche Annahme, einen kompetenten Rat und jede mögliche Hilfe finden werden, um mit Zuversicht und Freude die Schwangerschaft zu Ende bringen und ihr Kind aufziehen zu können. Alle sollen wissen und niemand soll es verborgen bleiben, dass die Katholische Kirche die Kirche des Lebens ist und alles tut, um den Menschen in allen Phasen seines Lebens, vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Ende durch den Tod, liebevoll zu begleiten.
Mit den besten Segenswünschen und freundlichen Grüßen
+ Giovanni Lajolo, Apostolischer Nuntius"

Warum die Glaubenskongragation in der Einschätzung von "Donum Vitae" irrt:

Daher antwortet Rita Waschbüsch auf diesen Brief zu Recht: "Wir bestehen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (GS 76) darauf, `dass zwischen dem, was die Christen als Einzelne oder im Verbund im eigenen Namen als Staatsbürger, die von ihrem christlichen Gewissen geleitet werden, und dem, was sie im Namen der Kirche zusammen mit ihren Hirten tun, klar unterschieden wird´" (7.11.2001)


Warum die "Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben" Donum Vitae nicht trifft!
Unter "IV. Erwägungen über Teilaspekte" dieser Note vom 24.11.2002 heißt es: "In jüngerer Zeit ist es gelegentlich vorgekommen, dass - auch innerhalb einiger Vereinigungen und Organisationen katholischer Prägung - Positionen zu Gunsten politischer Kräfte und Bewegungen vertreten wurden, die in grundlegenden ethischen Fragen von der Moral- und Soziallehre der Kirche abweichen. Solche Einstellungen und Verhaltensweisen widersprechen grundlegenden Prinzipien des christlichen Gewissens und sind nicht mit der Zugehörigkeit zu Vereinigungen und Organisationen vereinbar, die sich katholisch nennen." Nicht wenige Kommentatoren haben angesichts dieser Formulierung sofort an die Auseinandersetzungen um Donum Vitae gedacht. Dies ist aber entweder von den Autoren nicht beabsichtigt oder es ist ihnen nicht gelungen. Warum?

Schisma - eine Medaille mit zwei Seiten - Vom Unsinn, das allein Donum Vitae die Kirche spaltet
 
(FAZ vom 26.10.2000)
Seite 1: 
Durch monotone Wiederholung wird ein Argument nicht wahrer, auch dann nicht, wenn man einen Kurien-Kardinal auf seiner Seite wähnt. Dies gilt leider auch für die immer wiederkehrende These, das Donum Vitae die Kirche spaltet. Der Streit um die Schwangerenkonfliktberatung in der katholischen Kirche ist tatsächlich potentiell in der Lage, die katholische Kirche zu spalten, weil dahinter viel grundsätzlichere Auseinandersetzungen stehen. Aber zum Spalten gehören wie zum Streiten immer zwei Parteien. Denn Donum Vitae erhebt eben keineswegs - wie Patrick Bahners und andere mutmaßen - den Anspruch "Ersatzkirche" zu sein, die sich von der katholischen Kirche abspalten will, sondern versteht seine Entstehung selbst als ein innerhalb der nachkonziliaren Kirche völlig normalen Vorgang im Ringen um den richtigen Weg angesichts eines komplexen politischen Problems. Der Vorwurf, Donum Vitae wolle eine "Parallelkirche" aufbauen, hatte im Oktober 1999 schon der verstorbene Erzbischof Dyba den Initiatoren von "Donum Vitae" gemacht, doch wurde er prompt vom Münchner Kardinal Friedrich Wetter gekontert mit einem Hinweis auf das Kirchenrecht: "Dass sich Katholiken auf privatrechtlicher Ebene verbinden, um bestimmte Ziele zu verfolgen, die nicht in der Zuständigkeit des Bischofs liegen, ist im neuen Kirchenrecht verankert." Die Gefahr einer "Gegenkirche" sei mit diesem "Koalitionsrecht" nicht gegeben. In der Folgezeit betonte der Kardinal unter Hinweis auf das Politikverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass er im Moment weder für noch gegen "Donum Vitae" sei, sondern erst die Entwicklung dieses privatrechtlichen Vereins abwarten wolle. Er erwarte daher auch von allen kirchlichen Amtsträgern, Räten und Verbänden, "Donum Vitae" in Ausübung ihren kirchlichen Funktionen weder zu unterstützen noch zu bekämpfen, solange der Verein nicht den Anspruch erhebt, eine kirchliche Vereinigung zu sein oder im Namen der katholischen Kirche zu sprechen oder handeln. 
Es ist nun über ein viertel Jahrhundert her, dass sich kirchliche Amtsträger und Verbaende aus der unmittelbaren Vernetzung mit jeglicher Parteipolitik zurückgezogen haben, gemäß den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die Kirche nicht parteipolitisch identifizierbar sein darf. "Die Kirche, die in keiner Weise hinsichtlich ihrer Aufgabe und Zuständigkeit mit der politischen Gemeinschaft verwechselt werden darf noch auch an irgendein politisches System gebunden ist, ist zugleich Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person." (Kirche und Welt 76). 
Seite 2: 
Die Kirche, repräsentiert durch ihre Strukturen, nimmt eine prophetische Aufgabe war, indem sie die Politik darauf aufmerksam macht, wenn diese hinter den Prinzipien der Katholischen Soziallehre zurückbleibt. 
Bekanntlich kann man aber diese Prinzipien nicht melken (Nell-Breuning) und so bleibt es dem Apostolat der Laien überlassen, diese Prinzipien in verantwortungsethische Politik zu übersetzen. Dies geschieht vor allem durch das Engagement in Parteien und nicht-kirchlichen, gesellschaftlichen Verbaenden, indem sie in diese weltanschaulich pluralen Gemeinschaften christliche Wertvorstellungen einbringen. 
Das Zweite Vatikanische Konzil wusste noch um die dabei notwendige Fähigkeit zum rechten - keineswegs in Burckhardtscher Manier immer nur als "faul" und daher grundsätzlich als "böse" zu begreifenden - Kompromiss in den immer wiederkehrenden Situationen der Politik, zwischen größeren und kleineren Übeln zu wählen und dabei das aus christlicher Sicht jeweils Bestmögliche zu erreichen. 
Dieses konziliare Verständnis von Politik lag und liegt den Politischen Theologen rechter und linker Herkunft vor, während und nach dem Konzil fern, da für sie die "reine" Gesinnung, sei es aus Liebe oder Macht, seit jeher mehr zählte als eine verantwortungsvolle Folgenabschätzung. Dass nun innerhalb der katholischen Kirche auch ein beträchtlicher Teil der "Naturrechtler" auf dieses gesinnungsethische Pferd setzt, ist bedauerlich, doch kommt es für aufmerksame Beobachter keineswegs unerwartet. 
Denn am Streit um die Schwangerschaftskonfliktberatung kommt eine viel ältere Dissonanz im katholischen Naturrechtsdenken wieder zum Vorschein, die angesichts der Auseinandersetzung mit neu-linken und neu-rechten Politischen Theologen lediglich überhört worden ist. Angesichts der Entwicklungen im Nachkriegsdeutschland hatte sich die einst solidaristische und im gemeinsamen Entwurf für die Sozialenzyklika "Quadragesimo Anno" gipfelnde Weggemeinschaft der beiden Jesuiten Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning nämlich nahezu völlig aufgelöst. In der Folge entstanden zwei prinzipielle Richtungen katholischen Naturrechtsverständnisses - vertreten durch Arthur F. Utz und seine zahlreichen Schüler, der nach dem frühen Tod Gundlachs im Jahr 1963 dessen Lehre fortführte, auf der einen Seite und Oswald von Nell-Breuning selbst mit seinen Anhängern, darunter der jetzige Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Prof. em. Bernhard Sutor, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre und Didaktik der Sozialkunde an der Katholischen Universität Eichstätt, und der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken in der Erzdiözese München und Freising, Prof. Alois Baumgartner, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialethik an der LMU München (er ist mittlerweile Sutor als Vorsitzender des Landeskomittees gefolgt), auf der anderen Seite. 
Dies führte zur unterschiedlichen Beurteilung des Neuthomismus und der Neuscholastik, des Marxismus, des Kritischen Rationalismus, der pluralistischen Demokratie und eben auch zahlreicher aktueller politischer Fragestellungen. Utz vertrat die Auffassung, "dass es um die Philosophie bei Nell schlecht bestellt war". Nur dass bei Utz und seinen Schülern selbst die Naturrechtslehre nicht nur an der Philosophie scheitert, sondern viel häufiger auch an den fehlenden sozialwissenschaftlichen Kenntnissen. 
Nun ist es kein Geheimnis, dass Utz und Ratzinger sich sozialethisch sehr nahestehen (vgl. Utz, Arthur F.: Glaube und demokratischer Pluralismus im wissenschaftlichen Werk von Joseph Kardinal Ratzinger. Zur Verleihung des Augustin-Bea-Preises 1989, Bonn 1989) und auch der Kardinal sozialethisch wenig Verständnis für den Jesuiten Nell-Breuning aufzubringen in der Lage ist (vgl. seine Bücher zu sozialethisch relevanten Fragen). Wenn sich nun Bahners auf Ratzinger beruft, wenn er die Ekklesiologie einer Rita Waschbüsch oder einer Barbara Stamm kritisiert, trifft seine Kritik auch die Naturrechtslehre Nell-Breunings. Er verzerrt dessen konziliare Auffassung von der Sendung der Laien in der Politik dabei zu einer angeblichen Distanzierung und Abtrennung der Laienchristen von der Hierarchie und der verfassten Kirche. Dies ist es aber nur, wenn man selbst eine veraltete Ekklesiologie zugrunde legt, nämlich die eines grundsätzlichen "Gegenübers" von Verfassungsstaat und verfasster Kirche, letztlich zweier "societa perfecta", die den Bereich der "res mixtae" hierarchisch-konkordatär verhandeln und ansonsten ihre Mitglieder in ihren eigenen Zuständigkeitsbereichen jeweils binden. Bahners selbst beruft sich dabei auf das Bayerische Konkordat von 1925 ("1925 verstand es sich noch von selbst, dass kirchliche Anordnungen alle Mitglieder binden."). 
Auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bleibt es selbstverständlich der Kirche überlassen, an welchen staatlichen Veranstaltungen sie sich beteiligt oder nicht. Allerdings bleibt es auch dem Staat überlassen, welche kirchlichen Veranstaltungen er fördert und welche nicht, eine Forderung auf Förderung in diesem Bereich hat weder eine ekklesiologische noch eine staatskirchenrechtliche Grundlage. Dass Kardinal Ratzinger den bayerischen Ministerpräsidenten dazu auffordert, die katholische Schwangerenberatung weiter zu fördern, ist durchaus berechtigt, dass er dies unter Umgehung der eigentlich zuständigen Bischöfe und Gremien tut, ist allerdings fragwürdig. So fragt der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern völlig zurecht, "in welcher Funktion und mit welcher Kompetenz er das eigentlich tut". Und weiter: "Kardinal Ratzinger wollte die Institution Kirche aus der gesetzlichen Konfliktberatung herauslösen. Dafür gab es durchaus gewichtige Gründe. Er hat sein Ziel erreicht. Wie Christen in politischer Verantwortung und wie katholische Laien als Staatsbürger auf die damit entstandene Situation antworten, liegt nicht mehr im Kompetenzbereich der Kirche, sofern es nicht nachweisbar gegen definierte Glaubens- und Sittenlehre steht." 
Es entspricht dem vorkonziliaren klerikalistischen Kirchenbild, dass es verwerflich sei, wenn nicht-kirchliche Vereine, kirchliche Laienverbaende und sogenannte christliche Parteien untereinander verquickt sind, ohne dass die kirchliche Hierarchie darauf Einfluss nehmen kann. Früher als die Hierarchie diese Verquickung zu ihren Gunsten nutzen konnte, war diese natürlich auch für Bahners völlig in Ordnung. 
Seite 3: 
Warum aber die Existenz eines nicht-kirchlichen Vereins die Kirche in eine Kirche der Priester und eine Kirche der Laien spalten soll, wie Bahners meint, ist nicht einsichtig. Wie will er selbst in diesem Schema die zahlreichen Neuen Geistlichen Gemeinschaften, die schon oft totgesagten, aber durchaus lebendigen kirchlichen Verbaende und nicht zuletzt die Ordensgemeinschaften unterbringen, die in der Regel aus Priestern und Laien bestehen und dennoch zur verfassten Kirche gehören? Nicht zur verfassten Kirche gehören jedoch die Parteien und andere gesellschaftliche Gruppierungen, an denen sich katholische Laien (und mit Einschränkungen auch Priester, sofern auch sie Laien sind) beteiligen sollen und eben solch eine Gruppierung ist mit Donum Vitae gegründet worden.
Dass in ihnen Menschen tätig sind, die zugleich in der verfassten Kirche eine Funktion innehaben, ist nicht verwunderlich. Aber sie sind eben in unterschiedlichen Funktionen tätig. Wenn ein Pfarrer verkündigt, hat er sich an die parteipolitische Neutralität insoweit zu halten, dass er nicht direkt Partei ergreift, sondern durch die Hervorhebung christlicher Prinzipien, die als Maßstab für politisches Handeln zu gelten haben, Kritik an gegenwärtigen politischen Positionen übt. Als Privatmensch kann er durchaus Mitglied einer bestimmten Partei sein, darf sich aber aufgrund seines kirchlichen Amtes nicht in Parteiämter wählen lassen. Vielleicht wäre hier - soweit ein Zugeständnis an Bahners - von Laien ähnliche Demutsleistungen zu verlangen, um unnötige Verquickungen zu vermeiden. So sollte tatsächlich ein hoher Parteifunktionär vielleicht nicht unbedingt an vorderster Front von kirchlichen Gremien und Verbaenden stehen bzw. ein Inhaber eines Amtes in einem kirchlichen Gremium oder Verband seine Parteiämter ablegen bzw. zumindest ruhen lassen. Doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass Bahners selbst keine Ahnung von Begriffen wie "verfasster Kirche" hat. 
Ohne Zweifel hat sich die Beteiligung der verfassten Kirche an der Schwangerenkonfliktberatung nach jahrelangem kirchenpolitischem Hin und Her als verhängnisvoll erwiesen und immer mehr frühere Befürworter für den Verbleib der Kirche in ihr sehen jetzt den Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung auch als klärende Chance an. Doch damit geben sich die Gegner noch nicht zufrieden: In integralistisch-klerikalistischer und daher vorkonziliarer Manier will man allen Katholiken ein Engagement in der staatlich anerkannten Schwangerenkonfliktberatung zumindest moralisch, wenn nicht gar kirchenrechtlich verbieten. Warum? Um sie, wenn sie dagegen verstoßen, aus der Kirche ausschließen zu können? Zumindest um ihnen vorhalten zu können, sie sollten sich für ihre unsittlichen Worte und Taten "schämen". Wo liegt da wohl der Splitter und wo der Balken im Auge begraben? 
Hätten sich die deutschen Bischöfe eher auf die jetzige Haltung zum Beispiel des Münchner Erzbischof Friedrich Wetter zu Donum Vitae zubewegt, wäre das Thema heute wohl keinen Streit mehr wert, geschweige denn, dass es sich zum Spaltpilz entwickeln könnte. Die Agitation gegen Donum Vitae führt nunmehr sogar dazu, dass sich die Lebensschutzbewegung zunehmend spaltet, nachdem sie sich gerade immer stärker vernetzt hatte. Ein Beispiel: Weil die jetzige Vorstandschaft der größten, mehrheitlich katholisch orientierten, aber nicht-kirchlichen Lebensschutzbewegung "Aktion Lebensrecht für Alle" sich eindeutig gegen Donum Vitae festgelegt hat, hat deren Gründerin und Ehrenvorsitzende Hedwig Seeligenthal ihren Austritt erklärt. Niemand in der ALfA müsse für Donum Vitae sein, aber wenn der Verband offiziell Stellung gegen Donum Vitae bezieht, haben eben die, die Donum Vitae befürworten oder dem Verein zumindest tolerant gegenüber stehen in der ALfA keine Heimat mehr. 
Die Vorsitzende Waschbüsch sagt nach der Zusammenfassung Bahners: Der Verein "handelt nicht gegen den Willen von Papst Johannes Paul II.", weil der Papst in "keinem Schreiben die Schwangerenkonfliktberatung im gesetzlichen System der Bundesrepublik als solche und in Folge die Ausstellung der Bestätigung als unsittlich gekennzeichnet" hat. "Vielmehr ging und geht es ihm um die Klarheit des kirchlichen Zeugnisses." Die Gegner bestreiten dies nun, allerdings unter Anwendung eines gesinnungsethischen Tricks: Ziel des deutschen Scheinsystems sei es danach - so Patrick Bahners - die Zahl der Abtreibungen zu senken durch ihre Ermöglichung, womit die Tötung zum Mittel des Lebensschutzes werde, was natürlich unsittlich sei. Unter Absehen von der historischen Entstehungsgeschichte des Systems und der zukünftigen Alternativen angesichts einer pluralen Gesellschaft wird hier Donum Vitae eine Absicht unterschoben, die die Mitglieder des Vereins nie hatten. 
Historisch gesehen bestand in Deutschland vor der Neuregelung die Indikationenlösung, bei der also nicht eine Beratung, sondern die Feststellung einer Indikation die Straffreiheit für die abtreibende Frau herbeiführte. Nach der Wiedervereinigung hatten die christlichen Politiker in Deutschland zwei Möglichkeiten: sich angesichts der veränderten Mehrheitsverhältnisses wenigstens für eine Aufrechterhaltung der grundsätzlichen Strafbarkeit und für eine Pflichtberatung einzusetzen oder einer allmählich völligen Freigabe nach allgemeinem westlichem und östlichem Muster zuzusehen, an der auf Dauer gesehen auch das Bundesverfassungsgericht nichts hätte ändern können. Die meisten der jetzt im Verein Donum Vitae engagierten Politiker haben immer wieder betont - und tun dies auch jetzt noch -, dass sie sich politisch weiterhin gegen eine Fristenlösung und für eine möglichst strenge Indikationenlösung einsetzen werden, dass aber der schwer errungene Kompromiss politisch gesehen das im Moment geringere Übel und daher unter Vorbehalt zu unterstützen sei. Das geringe Übel wird dadurch nicht sittlich, aber mangels Alternative notwendig, auch wenn dies vorkonziliare katholische Gesinnungsethiker nicht zu erkennen vermögen. 
Sutor betont daher zu recht: "Nicht DONUM VITAE gefährdet die Einheit der Kirche, sondern diejenigen, die den Anspruch kirchlicher Autorität überdehnen und unterschiedliche Antworten auf schwierige Fragen unter Christen nicht dulden wollen." (Vgl. dazu: http://www.landeskomitee.de/html/meldung8.html) 

 
 




 
aus: FAZ 23.11.2000, S. 15
Seite 1: 
Richtig ist, dass politische Gedankengänge und Kategorien nicht unreflektiert für eine kirchliche Orientierung zugrunde gelegt werden dürfen, allerdings gilt dies auch umgekehrt. Kirchliche Gedankengänge und Kategorien dürfen ebensowenig unreflektiert für eine politische Orientierung zugrundegelegt werden. Das Zweite Vatikanische Konzil gewährt dem Kultursachbereich der Politik und damit auch dem einzelnen Christen als Bürger eine relative Autonomie. Methodenkonfusion fälscht auch in der umgekehrten Richtung die Ergebnisse ethischer Reflexion. The(olog)ische und polit(olog)ische Ethik sind die zwei Seiten der einen Medaille mit dem Namen "christlicher Weltauftrag". Nun sind wir von den "Neuen Politischen Theologen" gewöhnt, dass sie theologische Ethik als politische Ethik verkaufen, dass sich dies nun auch im naturrechtlichen Denken fortsetzt ist neu. Die Qualität kirchlicher Weisung im Bereich der politischen Ethik ist seit altersher eine andere, als die im theologisch-dogmatischen Bereich. 
Verbote, die ihre Geltung illegitimerweise überschreiten, können auch im innerkirchlichen Bereich unter den Gewissensvorbehalt gestellt werden. Dass es sich dabei niemand zu leicht machen sollte, versteht sich von selbst; auch dass das Gewissen zuvor aufrichtig gebildet und unrechten Einflüssen entzogen worden sein sollte; nicht zuletzt, dass jeder diesen Akt der innerkirchlichen Zivilcourage und seine Folgen selbst zu verantworten hat. Auch bleibt es der Kirche unbenommen im Rahmen ihres eigenen Rechts gegen diesen Akt Maßnahmen zu ergreifen. Dabei hat sie aber nach den Maßgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils Klugheit und Umsicht walten zu lassen.
Seite 2: 
Erzbischof Dr. Paul Cordes vergleichgültigt selbst Nuancen, wohl ebenfalls wegen parteiischer Einäugigkeit. Das Kirchenrecht unterscheidet nämlich sehr wohl zwischen bürgerlichen Vereinen, denen der einzelne Christ aufgrund seiner bürgerlichen Versammlungsfreiheit angehören kann, und kirchlichen "Vereinen von Gläubigen", die aber erst dann als solche gelten, wenn ihre Statuten kirchliche anerkannt sind (Can. 298 spricht ausdrücklich von Vereinen "in der Kirche", so dass auch von Vereinen "außerhalb der Kirche" ausgegangen werden muss). Das Kirchenrecht sieht im Übrigen nur für den Fall eine "gerechte Strafe" bzw. das "Interdikt" vor, wenn er einer Vereinigung beitritt oder sie gar leitet, "die gegen die Kirche Machenschaften betreibt." (can. 1374) Dies ist bei Donum Vitae ebensowenig der Fall.
Wenn eine bürgerliche Vereinigung nun gar nicht kirchlich anerkannt werden will, und auch nicht den Anspruch erheben ein kirchlicher bzw. katholischer Verein zu sein, bleibt natürlich das Wirken dieser versammelten Gläubigen - unter Umständen gemeinsam mit nicht-katholischen Menschen - unter der Beurteilung der kirchlichen Autorität. Doch diese kirchliche Autorität hat laut Zweitem Vatikanischen Konzil vorsichtig abzuwägen, ob sie bezüglich des politischen Engagement Partei ergreift. Und genau diese Vorsicht haben kuriale und nuntiale Amtsträger nicht walten lassen. Kirche ereignet sich dort, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind; Kirche manifestiert sich in der römisch-katholischen Kirche. Zwischen Ereignis und Manifestation bleibt eine Spannung, in der es durchaus legitim ist zu sagen: Wir nehmen nicht die Kirche als Ganzes in Anspruch. Wir wollen nicht Kirche im Sinne der römisch-katholischen Kirche sein. Nichtsdestotrotz versammeln sich in dem bürgerlichen Verein "Donum Vitae" Katholiken mit Nicht-Katholiken und ihr Weltauftrag gebietet ihnen, diesem Verein eine "katholische Prägung" zu geben und sich aber die Bezeichnung "katholisch" zuzulegen. Nicht mehr und nicht weniger! Was ist daran ekklesiologisch oder kanonistisch nicht gedeckt? Abgesehen davon ist die von Erzbischof Cordes getroffen Gleichsetzung Kirchenrecht = Theologie = Wahrheit eine Zumutung sondersgleichen.
Wer mischt sich hier in was ein, wenn Katholiken, die in der Politik seit Jahrzehnten sich als Katholiken verstehen und auch im Rahmen des notwendigen Kompromisses der Politik eine katholische Prägung gegeben haben, zu einer politischen Stellungnahme der Kirche selbst Stellung nehmen, weil sie die relative Autonomie ihres politischen Handelns in Frage gestellt sehen. 
Es gibt nur die drei Ämter Jesu Christi, die den geweihten und den nichtgeweihten, den speziellen und den allgemeinen "Priestern", "Propheten" und "Königen" zu teil wird. Dass dem geweihten und speziellen Priestertum die Leitungsvollmacht zukommt, steht ausser Frage, dass sie aufgrund dieser Leitungsvollmacht aber auch ein Meinungsmonopol in der öffentlichen Darstellung des Katholizismus besäßen, ist nicht richtig, außer man vertritt die etwas fragwürdige Auffassung, dass bereits ein öffentlich ausgetragener theologischer, ethischer oder politischer Streit unter Katholiken an sich der Kirche schweren Schaden zufügt. Gleiches könnte man dann aber auch von dem hinter dieser Auffassung stehenden Integralismus und Klerikalismus behaupten.
Außerdem wurde der Kirche im Grunde kein Schaden zugefügt. Dass sich das öffentliche Diskussionsklima in der Frage der Schwangerenkonfliktberatung zum Schaden der Kirche entwickelt hat, einseitig den Mitgliedern von Donum Vitae anhängen zu wollen, wäre ein Skandal angesichts der persönlichen Verletzungen und Verleumdungen die einzelne Bischöfe und ihre Anhänger den Donum Vitae-Vertretern zugefügt haben. Ich möchte nur an das unsägliche Urteil des verstorbenen Bischofs Dyba erinnern, der die Initiatoren von Donum Vitae pauschal als "Profilneurotiker" abqualifiziert hat, ungeachtet, dass sich diese Menschen seit Jahrzehnten für den Schutz des Lebens und das Wohl der katholischen Kirche eingesetzt haben. 
Gegen eine ungebührliche Verflechtung von Staat und Kirche vorzugehen, ist unbestreitbar Aufgabe der kirchlichen Leitungsämter. Gerade die Vertreter von Donum Vitae betonten ja unaufhörlich, dass sie die Entscheidung des Papstes respektieren und auch befürworten, die repräsentative Kirche aus den staatlichen Ansprüchen herauszulösen, die in der Frage der Schwangerenkonfliktberatung wie in Bezug auf die gesamten Abtreibungsgesetzgebung zu unüberbrückbaren Diskrepanzen gemündet sind. Sie wehren sich aber dagegen, dass sie als einzelne Katholiken nicht in diesem politischen Bereich tätig werden können sollen, um Frauen in Schwangerschaftskonflikten erreichen zu können und nicht nur die in Sozialen Konflikten aufgrund ihrer Schwangerschaft. 
Seite 3: 
Solange bestimmte katholische Kreise diesen Unterschied nicht ernst nehmen, wird es zu keiner Lösung kommen. 
Die nun folgende Argumentation des Erzbischofs mit Max Weber zeugt davon, dass das Hauptproblem das politologische und soziologische Nichtwissen bestimmter katholischer Kreise ist. Gerade Max Weber ist es, der mit seiner Unterscheidung von Verantwortungsethik auf der einen Seite und GesinnungsETHIKEN auf der anderen Seite, nämlich akosmistische Liebesethik und kosmistische Machtethik zwar im Unterschied zu pazifistischen Kreisen, die in der Macht in Burckhardtscher Manier das Böse an sich sehen, die Notwendigkeit der Macht in der Politik betont - wie übrigens auch Romano Guardini in "Die Macht" -, sie andererseits aber ethisch einholt, nämlich im Blick auf die Folgen politischen Handelns. Dabei grenzt er sich deutlich von utilitaristischen ErfolgsETHIKEN ab und entscheidet sich für den repräsentativ-parlamentarischen Kompromiss bei gleichzeitiger Anerkennung derjenigen ethischen Grenzfälle, in denen nichts bleibt als zu sagen: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders". Max Weber plädiert also für keine gesinnungslose Ethik, sondern für das Prinzip Verantwortung, das die Gesinnung davor bewahrt, im Bereich der Politik rein säkular oder rein religiös zu werden. 
Das Zitat von Löwenstein über die "große Wahrscheinlichkeit", dass der Papst auch in nicht-dogmatischen Bereichen in seinen Äußerungen recht hat, würden die Donum Vitae-Repräsentanten wohl ohne weiteres unterschreiben. Allerdings ist der Prozeß, der zu dieser "großen Wahrscheinlichkeit" führt, durch das Zweite Vatikanische Konzil klar beschrieben. Danach steigt die Gehorsamspflicht gegenüber einer mit "großer Wahrscheinlichkeit" richtigen Position des Papstes mit der Art des Schreibens und der Häufigkeit der Vorlage. Nun liegen vom Papst einige gewichtige Briefe vor, mit deren Inhalte die Anhänger von Donum Vitae keine größeren Probleme haben. Dazu kommen einige weitere Briefe von Kurienmitgliedern an Personen mit öffentlichem oder privatem Status. Nun mag es sein, dass einige Kurienmitglieder von sich und ihrer Position sehr überzeugt sind, aber dennoch können sie für die in ihren Schreiben enthaltenen Anordnungen keinen bindenden Gehorsam verlangen. Die Kritik der Donum Vitae-Vertreter richtet sich ja nicht gegen den Papst, sondern gegen einzelne Mitglieder der Kurie, die in ihren beratenden Funktionen das Prinzip der Rechthaberei über die "Communio" stellen. Anstatt die Entwicklung von Donum Vitae aufmerksam zu beobachten, wird abgeurteilt - ohne Rücksicht auf Verluste. 
Der Vorwurf der zentrifugale Agitation an manche deutsche Katholiken mag berechtigt sein, trifft aber keineswegs nur die Befürworter von Donum vitae, sondern auch die Gegner. 
Erzbischof Cordes vergisst, dass weitere Schismen in der Kirchengeschichte nicht selten vom Papst gegen die vorherrschende Kurienmeinung verhindert worden sind, ob nun in Bezug auf die franziskanische oder andere Ordensbewegungen oder in Bezug auf einige von bestimmten Theologenschulen ausgetragenen Streitigkeiten. Er vergißt auch, dass gerade der jetzige Papst anerkannt hat, dass das protestantische Schisma wohl hätte verhindert werden können, wenn die Kirche den von Kurie selbst propagierten Fehlentwicklungen rechtzeitig Einhalt geboten hätte. Wer nicht will, dass sich kulturelle Eigenheiten zu exklusiven Haltungen versteifen, der geht mit diesen Eigenheiten respektvoll um und tritt sie nicht mit Füßen. 
Leider haben weder Erzbischof Cordes noch Kardinal Ratzinger als Exponenten der Kirche in Deutschland das Gespräch mit den verdienten Laien in dem Maße gesucht, wie es angesichts ihrer massiven Vorhaltungen angemessen gewesen wäre.
Katholiken, die meinen, dass ihre Mitschwestern und -brüder irren, sollen zunächst das Vier-Augen-Gespräch suchen, wenn dies nicht zur Einsicht des Irrtums führt, sich Begleiter suchen als Ratgeber und Zeugen. Wenn dies immer noch nicht fruchtet, soll die zuständige kirchliche Ebene angerufen werden. Nun haben die Gegner von Donum Vitae das Gespräch nachweislich nie aufrichtig gesucht, sie haben immer sofort den Kontakt nach Rom gesucht und Rom hat gesprochen, d.h. befohlen anstatt auf das geschwisterliche Gespräch zu verweisen und es selbst zu suchen. Ein Zeugnis für die zentralistische Agitation kurialer Katholiken.


Die zentralen Aussagen der Papstbriefe
 
Papstbrief vom 11.1.1998 (vgl. den vollständigen Text)
"Nach gründlicher Abwägung aller Argumente kann ich mich der Auffassung nicht entziehen, daß hier eine Zweideutigkeit besteht, welche die Klarheit und Entschiedenheit des Zeugnisses der Kirche und ihrer Beratungsstellen verdunkelt. Deshalb möchte ich Euch, liebe Brüder, eindringlich bitten, Wege zu finden, daß ein Schein solcher Art in den kirchlichen oder der Kirche zugeordneten Beratungsstellen nicht mehr ausgestellt wird. Ich ersuche Euch aber, dies auf jeden Fall so zu tun, daß die Kirche auf wirksame Weise in der Beratung der hilfesuchenden Frauen präsent bleibt. ... Ich weiß, daß die Bitte, die ich an Euch richte, ein nicht leichtes Problem anrührt. Schon seit langem und verstärkt seit der Begegnung vom 27. Mai 1997 ist von vielen Seiten, auch von Menschen, die sich für die Kirche und in der Kirche einsetzen, nachdrücklich vor einem solchen Entscheid gewarnt worden, der die Frauen in Konfliktsituationen ohne den Beistand der Glaubensgemeinschaft lasse. Ebenso nachdrücklich ist freilich auch von gläubigen Menschen aller Schichten und Stände angemahnt worden, daß der Schein die Kirche in die Tötung unschuldiger Kinder verwickelt und ihren unbedingten Widerspruch gegen die Abtreibung weniger glaubwürdig macht.  Ich habe beide Stimmen sehr ernst genommen und respektiere die leidenschaftliche Suche nach dem rechten Weg der Kirche in dieser wichtigen Sache auf beiden Seiten, fühle mich aber um der Würde des Lebens willen gedrängt, die oben dargelegte Bitte an Euch zu richten. Zugleich anerkenne ich, daß die Kirche sich ihrer öffentlichen Verantwortung nicht entziehen kann, am allerwenigsten da, wo es um das Leben und die Würde des Menschen geht, den Gott geschaffen und für den Christus gelitten hat. Das Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz bietet viele Möglichkeiten, um in der Beratung präsent zu bleiben; die Präsenz der Kirche darf letztlich nicht vom Angebot des Scheins abhängen. Nicht nur der Zwang einer gesetzlichen Vorschrift darf es sein, der die Frauen zu den kirchlichen Beratungsstellen führt, sondern vor allem die sachliche Kompetenz, die menschliche Zuwendung und die Bereitschaft zu konkreter Hilfe, die darin anzutreffen sind. Ich vertraue darauf, daß Ihr mit den vielfältigen Möglichkeiten Eurer Institutionen und Eurer Organisationen, mit dem reichen Potential an intellektuellen Kräften wie an Innovationsfähigkeit und Kreativität Wege finden werdet, die Präsenz der Kirche in der Beratung nicht nur nicht vermindern zu lassen, sondern noch zu verstärken. Ich bin davon überzeugt, daß Ihr in der geistigen Auseinandersetzung, die in der Gesellschaft Eures Landes bereits stattfindet und die nun folgen wird, alle Eure Kräfte mobilisieren könnt, um den Weg der Kirche nach innen und nach außen verständlich zu machen, so daß er auch dort wenigstens Respekt findet, wo man nicht glaubt, ihn billigen zu können. Daß die Kirche den Weg des Gesetzgebers in einem konkreten Punkt nicht mitgehen kann, wird ein Zeichen sein, das gerade im Widerspruch zur Schärfung des öffentlichen Gewissens beiträgt und damit letztlich auch dem Wohl des Staates dient."
Papstbrief vom 3.6.1999 (vgl. den vollständigen Text)
"Die Variante 1 des Vorschlags kommt Eurem und meinem Willen zu einem "anderen Schein" am nächsten. Damit die rechtliche und moralische Qualität dieses Dokuments unzweideutig wird, ersuche ich Euch, im Text selbst klarzustellen, daß der Schein, der die kirchliche Beratung bestätigt und Anrecht auf die zugesagten Hilfen gibt, nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen gemäß StGB § 218a (1) verwendet werden kann. Dies soll dadurch erfolgen, daß in der brieflichen Bescheinigung, die den Frauen im Rahmen des "Beratungs- und Hilfeplans" ausgehändigt wird, im Sinn der Variante 1 nur das Ziel der Beratung und Hilfe erwähnt und am Ende der Satz hinzugefügt wird: "Diese Bescheinigung kann nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen verwendet werden." Durch diesen notwendigen Zusatz werden die katholischen Beraterinnen und die Kirche, in deren Auftrag die Beraterinnen handeln, aus einer Situation befreit, die mit ihrer Grundauffassung in der Frage des Lebensschutzes und dem Ziel ihrer Beratung in Konflikt steht. Der unbedingte Einsatz für jedes ungeborene Leben, dem sich die Kirche von Anfang an verpflichtet weiß, läßt keine Zweideutigkeiten oder Kompromisse zu."

Zur gesamten Debatte vornehmlich in der FAZ siehe: http://webalbum.de/kirche/


Die folgenden Linklisten sind eine Zusammenstellung über Lebensschutzbewegungen, für deren Internet-Angebot ich keine Gewähr gebe. Sollte in Ihnen zu Militanz aufgerufen werden, Intoleranz gegenüber politisch verantwortungsethisch argumentierenden Lebensschutzbewegungen gezeigt werden oder gegen andere ethische und strafrechtlich relevante Maßgaben verstoßen werden, lehne ich dies ab und übernehme dafür keine Verantwortung. Sollten Sie einen derartigen schwerwiegenden Verstoß feststellen, bitte ich Sie um Mitteilung, um den Link löschen zu können.

Zum Thema Lebensschutz, Abtreibung und Schwangerschaftsberatung


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Deutscher Kinderschutzbund


Zum Thema Kindesmißbrauch und Kinderschutz


Hilfen für Mutter und Kind/Familienbund

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