Helmut Zenz: Informationen zum Thema Kirchensteuer


Zur Auseinandersetzung mit Kritikern der Kirchensteuer

Ende Februar 1998 bekam ich überraschenderweise einen Brief der Humanistischen Union - Ortsverband München. Danach mangelt es meiner "beachtlichen Sammlung von Informationen ... an Positionen der Kirchensteuer-Gegner. Dieser Mangel könnte etwas abgebaut werden", wenn ich "die Position der HUMANISTISCHEN UNION aufnehmen würden." Als Beilage erhielt ich die 67seitige Broschüre "Trennung von Staat und Kirche. Thesen der Humanistischen Union 1995", in der Dr. Gerhard Czermak die These 2 zur Kirchensteuer (S. 18-24) verfaßt hat. Dr. Czermak ist nach Auskunft der Broschüre Richter am Verwaltungsgericht Augsburg und Stellvertretender Vorsitzender des Bundes für Geistesfreiheit, Augsburg. Publikationen (in Auswahl):
  • Czermak, Gerhard:
  • Die Humanistische Union e.V. sieht sich selbst als "Bürgerrechtsorganisation", die 1961 "in einer Zeit kultureller und politischer Erstarrung" gegründet worden ist. "Sie ist der Tradition der Aufklärung verpflichtet und hat auf verschiedenen gesellschaftspolitsichen Gebieten Gedanken und Forderungen entwickelt, die von sozialen Bewegungen und Bürgerinitiativen aufgegriffen und weitergetragen worden sind." (S. 65). "Seit ihrer Gründung hat die Humanistische Union sich für die weltanschauliche und religiöse Freiheit jedes einzelnen Bürgers und für sein Recht eingesetzt, sich zu einer Religion oder Weltanschauung frei zu bekennen oder das zu unterlassen. Ebenso nachhaltig hat sie stets jede Privilegierung irgendeiner Glaubensgemeinschaft oder weltanschaulichen Gruppe bekämpft, weil dies unvermeidlich zur Benachteiligung und Diskriminierung aller Andersdenkenden und Andersgläubigen führt. Daher hat sie immer wieder gefordert, die im Grundgesetz angelegte Trennung von Staat und Kirche zu vollziehen. Nur so kann die weltanschauliche Neutralität des Staates gewährleistet und nur so können die Kirchen von allen Staatsabhängigkeiten befreit werden." (S. 63). Soweit die Selbstdarstellung der Humanistischen Union. (vgl. dazu ausführlicher das Internet-Angebot "Wir über uns")

    Vorsitzende 1961-2001

    Die Humanistische Union kann im Bundesvorstand und im Beirat bekannte Persönlichkeiten aufweisen:
    Bundesvorstand:
  • Vorsitzender
  • Dr. Till Müller Heidelberg (* 1944; Fachanwalt für Arbeits- und Steuerrecht, SPD-Mitglied; außerdem: Gründungsmitglied der IALANA - Veröffentlichungen zu verfassungsrechtlichen Fragen und zu Sicherheitsbehörden, u.a.: Die (un)heimliche Staatsgewalt (1981), Innere Sicherheit (Hrsg. 1994))
  • stellvertretende Vorsitzende:
  • weitere Vorstandsmitglieder:
  • frühere Vorstandsmitglieder 1961-2001:
  • Geschäftsführer: Tobias Baur Beiratsmitglieder (in Auswahl, Stand 2002):
  • Aus der Politik
  • Akademiker:
  • Verschiedene:
  • Fritz Bode, Heide Hering (im Vorstand der Petra Kelly-Stiftung), Ulrich Krüger(-Limberger), Luise Rinser (Schriftstellerin), Jürgen Roth (Jurist), Claus-Henning Schapper, Georg Schlaga, Helga Schuchardt, Klaus Vack, Werner Vitt, Rosi Wolf-Almanasreh
  • Frühere Mitglieder des Beirats:
  • Prof. Dr. Wolfgang Abendroth (+), Prof. Dr. Volker Bialas, Prof. Dr. Lorenz Böllinger, Prof. Dr. Tobias Brocher, Prof. Dr. Thomas Ellwein, Prof. Dr. Walter Fabian,  Prof. Dr. Dr. Ossip K. Flechtheim (+), Prof. Dr. Rudolf Genschel, Prof. Dr. Helmut Gollwitzer, Prof. Dr. Eduard Hapke, Prof. Dr. Wolfgang Hochheimer, Prof. Diether Huhn, Prof. Dr. Ulrich Klug, Prof. Prof. Dr. Rene König, Prof. Dr. Werner Maihofer, Prof. Dr. Ludwig Marcuse, Prof. Dr. Heinz Maus, Prof. Dr. Gustav Mensching, Prof. Dr. Armand Mergen, Prof. Dr. Helge Pross, Prof. Dr. Fritz Sack, Prof. Dr. Hans Schaefer, Prof. Dr. Erwin K. Scheuch, Prof. Dr. Karl Schlechta, Prof. Dr. Walter Seitz, Prof. Dr. Berthold Simonsohn, Prof. Dr. Ulrich Sonnemann, Prof. Dr. Karl Steinbuch, Prof. Dr. Hermann Wein, Prof. Dr. Wilhelm Weischedel,  Prof. Dr. Rudolf Wiethölter, Prof. Dr. Lothar Zotz
  • Dr. Josef Augstein, Dr. Otto Bickel, Dr. Herta Däubler-Gmelin (MdB SPD), Dr. Emmy Diemer-Nicolaus, Dr. Ludwig Engel, Dr. Robert Raphael Geis, Dr. Klaus Hahnzog, Dr. Hans Heinz Heldmann, Dr. Hedda Heuser, Dr. Werner Holtfort, Dr. Hans Kilian, Dr. Eugen Kogon, Dr. Lotte Köhler, Dr. Oswald Kohut, Dr. Jürgen Kühling, Dr. Charlotte Maack, Dr. Siegurd Paulsen, Dr. Georg Pick, Dr. Hans Robinsohn, Dr. Juliane Roh, Dr. Franz Roh, Dr. Richard Schmid, Dr. Gerhard Szczesny, Dr. Emil Thiemann,
  • Ruth Andreas Friedrich, Harri Bading, Peter Blachstein, Bärbel Bohley, William Borm, Ernst Buchholz, Hermann Busse, Peter Conradi, Daniela Dahn, Wolfram Dorn, Axel Eggebrecht, Erwin Fischer, Diether Gehrmann, Kurt Georgi, Karl Gerold, Rainer Haun, Günther Heipp, Fritz Hermann,  H. N. Hieronimi, Martin Hirsch, Gerd Hirschauer, Rudolf Kaffka, Georg Kahn-Ackermann, Petra Kelly (+), Hermann Kesten, H. Kloppenburg, Alfons Künstler, Wolfgang Leonhard, Ingrid Matthäus-Maier, Helmut Ostermayer, Else Reventlow, Fritz Sänger, Paul Schallück, Otto Schily, Andreas von Schoela, Joachim Steffen, Rudolf Wassermann, J. van Nes Ziegler,
  • Viele weitere namhafte Politiker aus den Reihen der SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen sind Mitglied in der Humanistischen Union, so z.B. Volker Beck (MdB Bündnis90/Die Grünen)

    Mitautoren der Broschüre sind (Angaben in Klammern beziehen sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung, vgl. Autorenverzeichnis):

  • Prof. Edgar Baeger (Dipl.-Ing., lehrt Elektronik an der Fachhochschule Aalen. Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema Trennung von Staat und Kirche. Mitglied im Beirat der Humanistischen Union),
  • Dr. Gerhard Czermak (Richter am Verwaltungsgericht Augsburg. Stellv. Vorsitzer des Bundes für Geistesfreiheit, Augsburg),
  • Johann-Albrecht Haupt (Jurist, Beamter im Kultusministerium Niedersachsen),
  • Andrea Melbert (Juristin, Reg.-Rätin im Ministerium des Innern des Landes Brandenburg, Bereich Staats- und Verfassungsrecht),
  • Prof. Dr. Johannes Neumann (lehrt Rechts- und Religionssoziologie an der Universität Tübingen; Professor für Kirchenrecht an der Universität Mannheim. Autor zahlreicher Publikationen zum Staatskirchenrecht),
  • Jürgen Roth (Politologe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Mitglied im Bundesvorstand der Humanistischen Union),
  • Prof. Ulrich Vultejus (Amtsrichter a.D., Honorarprofessor an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden, Bundesvorsitzender der Humanistischen Union von 1987-1995).
  • Auffallend ist dabei natürlich die Mitarbeit von Prof. Dr. Johannes Neumann, der die Teile "Kapitel 1: Kirche und Staat - These 1: Verträge" und "Kapitel 3: Kirche und Bildung - These 5: Theologische Fakultäten und These 6: Religionsunterricht" behandelt hat. Irrtümlich wurde er ursprünglich auch als Autor für das "Kapitel 2: Kirche und Finanzen - These 2: Kirchensteuer" angegeben, was mittlerweile in den jetzt ausgegebenen Broschüren durch Überkleben korrigiert wurde. Dennoch ist Prof. Neumann insofern von Interesse, da auch er einige Publikationen zum Thema Kirchensteuer veröffentlicht hat. Daher hier auch einige Angaben zu ihm: Prof. Dr. iur.can Johannes Neumann ist ordentlicher emeritierter Professor an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften und kooptierter Professor der Juristischen Fakultät an der Universität Tübingen und Honorarprofessor für Kirchenrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft an der Universität Mannheim. Veröffentlichungen (in Auswahl):
  • "Mischehe" und Kirchenrecht, Würzburg 1967
  • Kirchenrechtliche Stellungnahme, inwieweit Nichtordinierte zur Habilitation an katholisch-theologischen Fakultäten zugelassen oder als Professoren an sie berufen werden können, Freiburg, 1969c
  • Braucht die Kirche ein Recht? Funktion und Grenzen des Rechts in der Kirche. Johannes Neumann antwortet Ingo Herman, Düsseldorf 1970
  • Das Kirchenrecht - Chance und Versuchung, Graz/Köln 1972
  • Synodales Prinzip. Der größere Spielraum im Kirchenrecht, Freiburg i.Br. 1973
  • Menschenrechte - auch in der Kirche?, Zürich/Köln u.a. 1976
  • Zur Kirchenfinanzierung in der BRD, in: Theologische Quartalschrift: Beiträge zu den Finanzierungsweisen der Kirchen, Jg. 156, 1976, S. 198-205
  • Grundriß des katholischen Kirchenrechts, Darmstadt 1981; Ergänzungsheft 1984
  • Toleranz und Repression, Frankfurt u.a. 1987
  • Zur religiösen Legitimation der Staatsgewalt in der Bundesrepublik Deutschland, Tübingen/[München] 1991
  • u.a.: Gesellschaft und Religion, hrsg. von Jörg Albertz, Geschäftsstelle der Freien Akademie, Berlin 1991
  • (Hrsg.): "Behinderung" : von der Vielfalt eines Begriffs und dem Umgang damit, Tübingen : Attempto-Verl., 1995; (2)1997. - 168 S. (Studien zu Lebenswelten behinderter Menschen ; 1), ISBN 3-89308-222-0
  • Der historische David : Legende und Wirklichkeit in der Geschichte Israels und Judas von der Frühzeit bis zur Dynastie Omri  1. Aufl. Radebeul : Neumann, 1997. - X, 61 S. ISBN 3-9801264-1-2
  • Historischer Jesus und Altes Testament : hellenistische Quellen der jüdischen Bibel und die Angst der Theologen vor dem wissenschaftlichen Fortschritt - 1. Aufl., Radebeul : Neumann, 2000. - XI, 189 S. ISBN 3-9801264-2-0
  • Im folgenden werde ich dem Wunsch, die Position der Humanistischen Union aufzunehmen, nachkommen, aber nicht ohne sie kritisch zu kommentieren! Sie ist in weiten Teilen unsachlich und von einem antikirchlichen Affekt durchzogen, so daß Argumente für die vom Staat eingezogene Kirchensteuer ebenso ausgeblendet werden, wie andere Positionen die Argumente gegen sie, die es zweifelsohne gibt. Es gilt die Argumente dafür und dagegen sachlich abzuwägen. Das jetzige Verfahren ist nach meiner persönlichen Abwägung mit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland vereinbar und es sprechen mehr Gründe für als gegen die vom Staat eingezogene Kirchensteuer.
     
     
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