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Popper, Karl R.: Gegen den Zynismus in der Interpretation der Geschichte.
Karl Popper - ein Jünger von Sokrates / Hubert Kiesewetter, Regensburg
: Pustet, 1992. - 36 S. : Ill. (Eichstätter Materialien ; 14)(Eichstätter
Materialien / Abteilung Philosophie und Theologie ; 6), ISBN 3-7917-1326-4
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Biographie - Auszeichnungen, S. 6
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Prof. Dr. Hanns W. Maull, Dekan der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt: Grußwort,
S. 7-8
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Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz, Präsident der Katholischen Universität
Eichstätt: Grußwort, S. 9-11
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Prof. Dr. Hubert Kiesewetter, Katholische Universität Eichstätt:
Laudatio "Karl Popper - ein Jünger von Sokrates", S. 12-24
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Prof. Dr. Sir Karl R. Popper: Festvortrag "Gegen den Zynismus
in der Interpretation der Geschichte", S. 25-35
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Bibliographie, S. 36
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Universität Eichstätt: Sonderpressespiegel anläßlich
der Verleihung des Ehrendoktors durch die Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche
Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt an Sir Karl
Popper: Ankündigung - Festakt am 27. Mai 1991 in den Printmedien,
Eichstätt, 1991. - 28 S. : Ill.
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Aus der Laudatio von Hubert Kiesewetter:
"`Alles Lebendige sucht nach einer
besseren Welt´ (Karl R. Popper: Auf der Suche nach einer besseren
Welt. Vorträge und Aufsätze aus dreißig Jahren, München/Zürich
1984, S. I.), so beginnt Sir Karl Poppers 1984 erschienene Sammlung von
Vorträgen und Aufsätzen. Dies ist ein allgemeiner Satz, eine
Allaussage, aber es war und ist auch persönliches Anliegen des lebendigen
Menschen und Wissenschaftlers, den wir heute ehren. Wie läßt
es sich erklären, daß Karl Popper, der das 20. Jahrhundert fast
ganz durchlebt hat - ein Jahrhundert mit zwei furchtbaren Weltkriegen,
mit erschreckendem Elend und verheerender Not in unterentwickelten Ländern,
mit Umweltkatastrophen und der Gefahr unserer Selbstvernichtung durch einen
Atombombenkrieg - ein unerschütterlicher Optimist oder ein optimistischer
Realist geblieben ist? (Karl Popper schrieb in einem `Postscript´
zu seiner intellektuellen Biographie `Unended Quest´, S. 197, im
Mai 1986: `I know very well that much ist wrong in our Western society.
But I still habe no doubt that it ist the best that ever existed.) Man
könnte den zuerst zitierten Satz vielleicht durch ein altes Sprichwort
ergänzen, nämlich `Not macht erfinderisch´, um zu verstehen,
daß es trotz weitverbreitetem Pessimismus und Ängsten in unserer
Wohlstandsgesellschaft möglich ist, den festen Glauben zu bewahren,
daß wir zur ständigen Verbesserung dieser uns anvertrauten Welt,
Schritt für Schritt oder von Problemlösung zu Problemlösung,
beitragen sollen und vielleicht sogar können. (Am Ende seiner
`Autobiographie´: Ausgangspunkte. Meine intellektuelle Entwicklung
(1979), 3. Aufl., Hamburg 1984, S. 287, sagt Karl R. Popper, es sei besonders
tröstlich für ihn, daß wir alle zu dieser besseren Welt
beitragen können und auf diese Weise `uns selbst an unserem Zopf aus
dem Sumpf unserer Unwissenheit herausziehen´. In einem Gespräch
mit Konrad Lorenz am 21. Februar 1983 sagte Popper: `Ich sehe die größte
Gefahr eigentlich im Pessimismus, das heißt in dem dauernden Versuch,
den jungen Menschen zu sagen, daß sie in einer schlechten Welt leben.
Das sehe ich als die größte Gefahr unserer Zeit, größer
noch als die Atombomben.´ Vgl. Popper/Lorenz: Zukunft (Anm. 29),
S. 42) Hier möchte ich noch eine weitere Aussage Poppers hinzufügen,
die lautet: `Es kann keine vollkommene Gesellschaft geben.´
(Vgl. das `Nachwort´ zu Popper/Lorenz: Zukunft (Anm. 29), S. 138.
... Und er fügt hinzu, S. 140: `Wenn du eine vollkommene Gesellschaft
anstrebst, so wirst du sicher gegen die Demokratie sein.´)"
"Als ich 1967 ... nach London fuhr ... um bei Sir Karl Popper zu
studieren, wußte ich schon, was der englische Nobelpreisträger
Sir Peter Medawar vor einiger Zeit sagte, daß Popper der größte
Wissenschaftstheoretiker sei, der je gelebt hat. ... Etwas wichtiges habe
ich seitdem hinzugelernt: inzwischen habe ich nämlich die Überzeugung
gewonnen, daß Karl Popper der bedeutendste Philosph seit Kant ist.
(Popper: Ausgangspunkte, a.a.O., S. 153, hält Bertrand Russell `für
den größten Philosophen seit Kant´.)"
(Hervorhebungen durch H.Z.)
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Aus der Rede von Sir Karl R. Popper:
"Die zynische Geschichtsauffassung sagt, daß es - in der Geschichte,
wie auch überhaupt - immer nur die Gier ist, die regiert: die Habsucht,
die Geldgier, das Gold, das Öl, die Macht. So war es, sagt der Zyniker,
und so wird es wohl immer sein; es ist so in der Despotie, und in der Demokratie
ist es nicht viel anders - nur daß in der Demokratie die Heuchelei
womöglich noch ärger ist.
Ich halte diese Lehre nicht nur für falsch, sondern auch für
unverantwortlich, gerade weil ein gewisse Plausibilität für sie
zu sprechen scheint. Und ich halte es für eine dringende Aufgabe,
sie zu bekämpfen."
"Ich bin Optimist, der nichts über die Zukunft weiß,
und der daher keine Voraussagen macht. Ich behaupte, daß wir
einen ganz schwarfen Schnitt machen müssen zwischen der Gegenwart,
die wir beurteilen können und sollen, und der Zukunft, die weit offen
ist und von uns beeinflußt werden kann. Wir haben deshalb die moralische
Pflicht, der Zukunft ganz anders gegenüber zu stehen, als wenn sie
etwa eine Verlängerung der Vergangenheit und Gegenwart wäre.
Die offene Zukunft enthält unabsehbare und moralisch gänzlich
verschiedene Möglichkeiten."
"Ich muß die Hauptpunkte meines Optimismus sofort näher
erklären:
1. Ich wiederhole noch einmal: Mein Optimismus bezieht sich ausschließlich
auf die Gegenwart und nicht auf die Zukunft. Ich glaube nicht, daß
es so etwas gibt wie ein Gesetz des Fortschritts. Es gibt das nicht einmal
in der Wissenschaft; auch nicht in der Technik. Der Fortschritt kann nicht
einmal als wahrscheinlich bezeichnet werden.
2. Ich behaupte, daß wir im Westen gegenwärtig in der
besten sozialen Welt leben, die es je gegeben hat - und zwar trotz des
Hochverrates der meisten Intellektuellen, die eine neue Religion verkünden,
eine pessimistische Religion, dergemäß wir in einer moralischen
Hölle leben und an physischer und moralischer Verschmutzung zugrundegehen.
3. Ich behaupte, daß diese pessimistische Religion nicht nur
eine krasse Lüge ist, sondern daß es nie vorher eine Gesellschaft
gegeben hat, die so reformfreudig war wie unsere ...
4. Diese Reformfreudigkeit ist das Resultat einer neuen ethischen
Opferbereitschaft, ..."
"Was die Zukunft betrifft, so sollen wir also nicht versuchen zu
prophezeihen, sondern nur versuchen, moralisch und verantwortlich zu
handeln. Das macht es aber zur Pflicht, daß wir lernen, die Gegenwart
richtig zu sehen und nicht durch die farbige Brille einer Ideologie. ...
Die politische Freiheit - Freiheit von Despotie - ist der wichtigste
aller politischen Werte. Und wir müssen immer bereit sein, für
die politische Freiheit zu kämpfen. Die Freiheit kann immer verloren
werden. Wir dürfen nie die Händen in den Schoß legen im
Bewußtsein, daß sie gesichert ist."
"Die politische Freiheit ist eine Voraussetzung unserer persönlichen
Verantwortlichkeit, unserer Menschlichkeit: Jeder Versuch, einen Schritt
zu einer besseren Welt zu machen, zu einer besseren Zukunft, muß
von dem Grundwert der Freiheit geleitet sein."
(Hervorhebungen durch H.Z.)
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