Peter Tischleder (1891-1947)
Moraltheologe und Sozialethiker
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Biographie:
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* 22.2. 1891 in Dromersheim bei Bingen als Sohn eines Gast- und Landwirtehepaars
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Abitur in Bensheim
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1909-1914 Studium der Theologie im Mainzer Priesterseminar
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3.8.1914 Priesterweihe. Es folgte die Kaplanszeit in Heusenstamm, Mainz-Kastel,
Friedberg
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1919 Beurlaubung und Fortsetzung des Studiums in Münster/W.
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20.8.1920 Promotion zum Dr. theol. bei Josef Mausbach
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Kaplan in Lampertheim, nebenher Verfassung der Habilitationsschrift (gleichfalls
bei Mausbach)
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25.10.1922 Habilitation für Moraltheologie und Sozialethik
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1922 Dozent an der Universität Münster; Tätigkeit als Hausgeistlicher
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1925/1926 Tischleder kommt auf eine Tübinger Berufungsliste
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17.12.1928: nicht beamteter außerordentlicher Professor in Münster
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Wintersemester 1927/28 und 1928/29 Gastvorlesungen über katholische
Weltanschauung an der Technischen Hochschule Hannover
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17.4.1931 Nachfolger von Mausbach auf dem Lehrstuhl für Moraltheologie.
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21.7.1936 Lehrauftrag für Christliche Sozialethik, nachdem Heinrich
Weber am 1. Oktober 1935 zwangsweise nach Breslau versetzt worden war.
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1941/1943 Tischleder konzipierte im Kampf gegen den Nationalsozialismus
auf Anregung des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen
einen Entwurf über die Menschenrechte, der dem Mainzer Bischof Stohr
u.a. zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Hirtenschreibens der deutschen
Bischöfe zu diesem Thema diente. Tischleder ist zusammen mit Adolf
Doners und dem neuen Erzbischof von Köln Joseph Fringsfür den
Entwurf des letzten, vor dem Ende der Naziherrschaft veröffentlichten
gemeinsamen Hirtenbriefs der Deutschen Bischofskonferenz "über die
zehn Gebote als Lebensgesetz der Völker" verantwortlich, der am 19.
August 1943 verabschiedet und am 12. September desselben Jahres von den
Kanzeln verlesen wurde.
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1946 Wechsel als Ordinarius für christliche Anthropologie und Sozialethik
an die wiedereröffnete Universität Mainz.
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+ 24.5. 1947 in Mainz an Krebs.
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30. Mai 1947 Beerdigung. Die Predigt hält sein Büdesheimer Landsmann
Johannes Kraus.
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Ludwig Berg (1909-1976) ist Schüler und Nachfolger, der seinem Lehrer
gegenüber später eine gewisse Zurückhaltung geübt zu
haben scheint.
Bibliographie
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Primärliteratur:
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Wesen und Stellung der Fau nach der Lehre des hl. Paulus. Eine ethische-exegetische
Untersuchung (Diss. Münster), Münster i.W. 1923;
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Ursprung und Träger der Staatsgewalt nach der Lehre des hl. Thomas
von Aquin und seiner Schule (Habil. Münster), Mönchengladbach
1923;
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Die geistesgeschichtliche Bedeutung des hl. Thomas von Aquin für Metaphysik,
Ethik und Theologie, Freiburg im Breisgau 1927;
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Die Staatslehre Leos XIII., M. Gladbach 1925; 1927;
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Staatsgewalt und katholisches Gewissen, Frankfurt a.M. 1927;
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Der katholische Klerus und der deutsche Gegenwartsstaat. Freiburg im Breisgau,
1928; 1929
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/Weber, Heinrich: Handbuch der Sozialethik, 1931;
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Die Bedeutung des Franziskus von Vittoria für die Wissenschaft des
Völkerrechts, in: Aus Ethik und Leben. Festschr. f. Josef Mausbach,
1931, 90-106;
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Eingriffsrecht und Eingriffspflicht des Staates zur Lösung der Linderung
der sozialen Frage nach dem Rundschreiben »Rerum Novarum«,
in: Publicazioni dell' Università cattolica del Sacro Cuore 3/11,
1931, 498-524;
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Windthorst, Leo XIII., Ketteler und Brüning. Rede auf der großen
Männerwallfahrt am 28. Juni 1931, in: Mittelrheinische Volkszeitung,
84, 1931, 29. Juni.
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Die naturrechtliche Grundlage der Staats-, Kirchen- und Kolonialpolitik
nach der Lehre des Franziskus von Vittoria, in: Volkstum und Kulturpolitik,
1932;
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Der Mensch in der Auffassung des hl. Thomas von Aquin, in: Das Bild vom
Menschen. Fritz Tillmann zum 60. Geburtstag, 1934, 42-57;
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Der Totalismus in der prophetischen Vorausschau W.E. von Kettelers, Mainz
1947;
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Das rechte Bild vom Menschen als Voraussetzung aller rechten Menschensorge
besonders aller rechten Seelsorge, Mainz 1947;
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S. 5: "Die katholische Wahrheit ist die goldene Wesensmitte zwischen allen
Extremen, wei sie das frohe, volle Ja zur unverkürzten, ganzen Wirklichkeit
ist."
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posthum erschienen:
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Wilhelm Emmanuel von Ketteler, ein klassischer Anwalt und Herold der
Synthese von der gleichzeitigen Statik und Dynamik des sittlichen Naturgesetzes
und Naturrechtes, in: Jb. f.d. Bist. Mainz 5, 1950, 94-121;
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Vom Ethos der Völkergemeinschaft, in: Lenhart, Ludwig (Hrsg.): Universitas.
Festschr. f. Bischof Dr. Albert Stohr, Bd. 2, 1960, 405-414;
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Der Dekalog - Die Magna Charta der Menschenrechte im Einzelnen, in: Berg,
Ludwig (Hrsg.): Peter Tischleders Auffassung von den Menschenrechten, in:
Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte, 1962, 389-407.
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Sekundärliteratur:
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Kraus, Johannes: Universitäts-Professor Dr. Peter Tischleder in piam
memoriam. Predigt bei der Beisetzung in Dromersheim bei BIngen am 30. Mai
1947, Mainz 1947;
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Berg, Ludwig (Hrsg.): Peter Tischleders Auffassung von den Menschenrechten,
in: Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte, 1962, 387 f.;
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Lenhart, Ludwig: Neuzeitliche Mission in einem fünfundzwanzigjährigen
Mainzer Episkopat, in: Mainzer Almanach, Mainz 1965, 90 f.; -
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Hegel, Eduard: Geschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der
Universität Münster, 1773-1964, Münster 1966/1971, Bd. 2,
S. 94 und S. 455f.
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Berg, Ludwig: Mainzer Theologen zu Sozialstaat und Menschenrechten, in:
Mainzer Almanach, 1972/74, 129;
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Augustinerstraße 34. 175 Jahre Bischöfliches Priesterseminar
Mainz, o.O.o.J. [Mainz 1980], 348.
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Bendel-Maidl, Lydia: Die Frau - ein verhinderter Mann oder verhindert durch
den Mann? Thomas von Aquin als Quelle der Frauenfrage im ersten Drittel
des 20. Jahrhunderts, in: Thurner, Martin (Hrsg.): Die Einheit der Person.
Beiträge zur Anthropologie des Mittelalters. Richard Heinzmann zum
65. Geburtstag, Stuttgart 1998, S. 195-215, hier S. 196-202 (Positionen
Mausbachs und Tischleders zur Frauenfrage)
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Fleck, Peter: "Der Gemeinde größter Sohn". Peter Tischleders
Lebensweg vom rheinhessischen Bauernjungen zum Moraltheologen und Begutachter
der hessischen und rheinland-pfälzischen Verfassung (1891-1947), in:
Archiv ür hessische Geschichte und Altertumskunde, 56, 1998, S. 205-254
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Walter, Peter: Ein Mainzer Theologe über das Verhältnis von Staat
und Kirche in schwieriger Zeit. Peter Tischleder (1891-1947), in: Raffelt,
Albert (Hrsg. unter Mitarbeti von Barbara Nichtweiß): Weg und Weite.
Für Karl Lehmann, Freiburg im Breisgau 2001
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Thesen
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BBKL (Sigrid Duchhardt-Bösken): "Im theol. Denken durch Thomas von
Aquin geprägt, setzte sich Tischleder v.a. mit ethischen Fragen des
Staats- und Völkerrechts auseinander."
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Tischleder deutet Bischof Ketteler als Thomisten, der ihm ein "klassischer
Anwalt und Herold der Synthese von der gleichzeitigen Statik und Dynamik
des sittlichen Naturgesetzes und des Naturrechtes" ist. Die wird von anderen
als Rückprojektion "einer zu Kettelers Zeit noch nicht voll durchgebildeten
und nicht voll durchgesetzten neuscholastischen Sozialethik auf Ketteler"
empfunden (siehe zum Beispiel Langner, Albrecht: Grundlagen des sozialethischen
Denkens bei Wilhelm Emmanuel von Ketteler, in: ders.: (Hrsg.): Theologie
und Sozialethik im Spannungsfeld der Gesellschaft, 1974, S. 107f.)
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Wegen seiner differenzierten Stellung zur Frage nach der Legitimation der
Staatsgewalt widersprechen sich in der katholischen Soziallehre eine Legitimation
vom Volke und eine Legitimation von Gott aus nicht. Dies hat ihm Kritik
von Franz Xaver Kiefl und Joseph Engert sowie die Verunglimpfung als "Modedemokrat"
eingebracht (Nachbemerkung der Redaktion in: Die schönere Zukunft,
3, 1927/28), S. 1030f.
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Tischleder verteidigte die katholische Soziallehre gegenüber Vorwürfen
der Liberalen (z.B. des badischen Staatspräsidenten Willy Helpach),
Katholiken könnten wohl Bürger, aber nicht Bürgen der Demokratie
sein.
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