Tradition ist ...
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Erklärung:
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"Übergabe", "Überlieferung"
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zu lateinisch: tradere (tra+dare, vgl. "tradieren")
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=> über-geben, über-liefern, weiter-geben, weiter-reichen
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=> bewahren
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(vgl. franz.: transmettre und engl.: trade und transmit)
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allgemein: die "Übernahme", die "Weitergabe", das "Bewahren"
von Sitte, Brauch, Konvention, Wissen, Lebenserfahrung und Institutionen.
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=>"Tradition ist die Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten und
der Verhaltensweisen, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben"
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"Überlieferung" in der Bibel:
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Mt 15,2f.: Die Pharisäer und Jesus streiten über den Sinn und
Unsinn von Überlieferung. Die Überlieferung der Gebote Gottes
und die Überlieferung des Menschen werden einander gegenübergestellt
(so auch Kol 2,8 u.ö.)
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Tradition und Traditionalismus:
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Während der Begriff "Tradition" mittlerweile wieder positiv behaftet
ist, gilt die Ideologie des Traditionalismus als problematisch (vgl. am
Rande der katholischen Kirche den Traditionalismus von Lefebvre)
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=> "Der Traditionalismus ist ein durch die Vergangenheit bestimmtes
Festhalten an der Tradition ungeachtet der jeweiligen historischen Situation
und der gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse."
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häufig ähnlich verwendet wie: Konservatismus (Bewahren), Fundamentalismus,
Integralismus
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oft verstanden als Gegenteil von (Post-)Modernismus, Reformismus, Revolutionismus,
Pragmatismus, Avantgardismus, Liberalismus, Szientismus, Rationalismus,
Progressismus, Pluralismus
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Das Wort "Traditionalismus" in der deutschen Literatur erstmals (?): Henke,
Ernst L. Th..: Nationalismus und Traditionalismus im 19. Jahrhundert: Festrede
am 20. August 1864 ..., Marburg : Elwert, 1864. - 31 S.
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Zitate von klugen und weisen Frauen und Männer:
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über Tradition:
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Thomas Morus (1477/78-1535): "Tradition ist nicht das
Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme."
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Benjamin Franklin (1706-1790, amerik. Staatsmann): "Tradition heißt
nicht, Asche zu bewachen, sondern die Glut anzufachen".
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Jean Jaurès (1859-1914, franz. Philosoph und Politiker): "Tradition
ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme."
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Gustav Mahler (1860-1911, deutscher Komponist): "Tradition ist
die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
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Ricarda Huch (1864-1947, deutsche Schriftstellerin): "Tradition ist
Weiterreichen der Glut, nicht der kalten Asche."
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Johannes XXIII.: "Tradition heißt: Das Feuer hüten
und nicht die Asche aufbewahren*." (anonym: "bewachen")
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Friedrich Schiller (1759-1805, deutscher Dichter): "Die Quelle aller
Geschichte ist Tradition, und das Organ der Tradition ist
die Sprache."
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Friedrich Engels (1820-1895, dt. Philosoph): "Die Tradition ist
eine große hemmende Kraft, sie ist die Trägkeitskraft der Geschichte."
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900): "Tradition ist die Behauptung,
dass das Gesetz bereits seit uralten Zeiten bestanden habe."
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Gilbert Keith Chesterton (1874-1936, englischer Autor): "Die Tradition
ist eine Ausdehnung des Wahlrechts. Tradition heißt, der
unbekanntesten aller Klassen - unseren Vorfahren - Stimmen zu geben. Tradition
ist die Demokratie der Toten."
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Gerhard Ebeling (1912-2001): "Tradition ist... die nicht vergangene
Vergangenheit, die sich selbst immer neu vergegenwärtigende Vergangenheit."
(GKV: 33)
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Ephraim Kishon (* 1924, israel. Schriftsteller): "Tradition ist
die Methode, die verhindern will, daß Kinder ihre Eltern übertreffen."
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Wolfgang Herbst (* 1925, dt. Schriftsteller): "Tradition ist die
gewaltsame Fortsetzung einer abgeschlossenen Geschichte."
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Woody Allen (* 1935, Schauspieler, Regisseur): "Tradition ist die
Illusion der Permanenz."
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Roger Taylor (Autor, in: Traumfinder): "Die Tradition ist die
Kette, die unsere wechselhafte Gegenwart an den soliden Anker der Vergangenheit
bindet."
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Ricarda Huch: "Tradition ist gesiebte Vernunft
des gesamten Volkes aus einem Jahrhundert in das andere."
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Peter Clavadetscher: "Tradition: für den in die Welt geworfenen
Menschen vermeintliche Hangelstange der Ewigkeit."
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Kolakowski: "Folgten wir nur der Tradition, lebten wir noch immer
in Höhlen, folgten wir nur dem Fortschritt, wäre dies bald wieder
der Fall."
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Lohberger: "Die Dogmen der Bequemlichkeit: genannt Traditionen."
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Stanislaw Brzozowski (1878-1911, polnischer Dichter und Philosoph): "Begreifen
wir endlich, daß der emotionale Kult der Tradition nur eine
Form unserer geistigen Faulheit ist."
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Josef Pieper: "Tradition als Vorgang, als geschichtlicher
Prozeß, spielt zwischen zwei Partnern, einem älteren und einem
jüngeren, zwischen Vater und Sohn, zwischen den Generationen. Es handelt
sich dabei, genau genommen, nicht um einen Dialog, nicht um Austausch,
nicht um eine wechselseitige Mitteilung, sondern um eine sozusagen »einseitige«
Mitteilung. Der eine Partner, der Überliefernde, redet, und der andere
hört - wenn und sofern es sich um einen Traditionsvorgang handelt.
Und natürlich spielt sich zwischen den einander folgenden Generationen
auch noch etwas anderes ab als Tradition [im strengen Sinn]; wenn es mit
rechten Dingen zugeht, gibt es z. B. auch ein Gespräch zwischen Alten
und Jungen, hin und her, wovon beide Teile profitieren.Wichtig ist nun
weiter, daß der tradierende Teil im Traditionsvorgang nicht etwas
Eigenes, Selbsterworbenes weitergibt, sondern etwas gleichfalls von anderswoher
Empfangenes. Wozu wiederum zu sagen ist, daß es im Verhältnis
der Generationen natürlich auch die Weitergabe des Selbsterworbenen
gibt, etwa im Fall des Forschers, der seine eigenen Entdeckungen lehrend
mitteilt; aber dies nennen wir dann nicht im strikten Sinn »tradieren«
und »überliefern«; die Sprache selbst sperrt sich gegen
solchen Wortgebrauch. Überlieferung, Tradition also heißt nicht
einfachhin: etwas aushändigen, sondern: etwas zuvor Eingehändigtes
wiederum aushändigen. Quod a patribus acceperunt, hoc filiis tradiderunt;
das von den Vätern her Empfangene wird den Söhnen weitergegeben.
Dieser Augustinussatz bezeichnet völlig präzis die Struktur des
Traditionsvorgangs."
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über Altes und Neues
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Wolfgang von Goethe (deutscher Dichter): "Altes Fundament ehrt man,
darf aber das Recht nicht aufgeben, irgendwo wieder einmal von vorn zu
gründen."
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Theodor Fontane (1819-1898, dt. Schriftsteller): "Alles Alte, soweit
es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen
wir recht eigentlich leben."
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Bertolt Brecht (1898-1956, deutscher Dramatiker und Dichter): "Man muss
vom Alten lernen, um Neues zu machen."
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Anonym: "Nie entsteht etwas Neues, ohne daß etwas Altes dafür
vergeht, stirbt."
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über Konservativität
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Edmund Burke: "Konservativ ist Kontinuität und Erneuerung."
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Moeller van den Brucks: "Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die
zu erhalten sich lohnt."
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Durnez: "Ein Konservativer ist jemand, der etwas bewahren will,
was ihm schon abhanden genommen ist."
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Franklin D. Roosevelt: "Ein Konservativer ist ein Mensch mit völlig
gesunden Beinen, der nie gehen gelernt hat.
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Wiggam: "Ein Konservativer ist ein Mensch, der glaubt, daß
nichts zum ersten Mal getan werden sollte."
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Rosten: "Ein Konservativer ist ein Mensch, der Radikalisten ein
Jahrhundert nach ihrem Tode bewundert."
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Woodrow Wilson: "Ein Konservativer ist ein Mensch, der sitzt und
denkt; zumeist sitzt."
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Elbert Hubbard: "Ein Konservativer ist ein Mensch, der zu feige
ist, um zu kämpfen, und zu fett, um zu rennen."
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Anonym: "Ein Konservativer ist jemand, der nicht den Unterschied
zwischen Radikalismus und einer Idee sehen kann."
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Anonym: "Konservativer: einer, der etwas zu konservieren hat."
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RonKritzfeld: "Konservativer: Sein fester Standpunkt hindert ihn
am Voranschreiten."
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Ernst R. Hauschka: "Wenn die Konservativen nicht so träge und
die Progressiven nicht so verrückt wären, könnte die Welt
ins Lot kommen."
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über Konservativismus
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Gerd-Klaus Kaltenbrunner: "Konservativismus ist die Haltung jener,
die durch allen Wandel hindurch bestimmte Dinge bewahren wollen, aber auch
darum wissen, daß es darauf ankommt, Dinge zu vollbringen, die es
wert sind, bewahrt zu werden."
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Rossiter: "Konservatismus ist die Verehrung toter Revolutionäre."
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Anonym: "Konservatismus ist eine Geistesverfassungfassung, die von
einer guten Stelle herrührt."
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über Brauch und Brauchtum
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Henning Venske: "Der religiöse Mensch liebt es, für sein Brauchtum
zu kämpfen, aber er haßt es, nach dessen ursprünglichen
Sinngehalt zu leben."
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Anonym: "Frauen halten das Brauchtum hoch, Männer allein würden
wahrscheinlich nicht einmal Weihnachten feiern."
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Jean-Jacques Rousseau (in: Brief an d´Alembert): "Bevor man daran
denkt, einen eingeführten Brauch zu zerstören, muss man
ihn wohl abwägen gegen die Bräuche, die an seine Stelle
treten werden."
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Joseph Joubert (in: Gedanken, Versuche und Maxime): "Die besten Gesetze
entstehen aus den Gebräuchen."
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Horaz: "Der Brauch ist ein Tyrann."
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Max Reitner: "`Treu dem guten alten Brauch´ heißt:
Gute Werte und Überlieferungen in die Zeit `Heute´ zu übernehmen
und mit den Erkenntnissen der Gegenwart sinnvoll weiter zu entwickeln.
heißt nicht, daß wir uns ausschließlich an der Vergangenheit
orientieren und unsere trachtlerische Vereinsarbeit nur aus der `Konservendose´
schöpfen sondern, daß man das behalten und weitertragen soll,
was gut ist und auch in unserer Zeit ebenfalls noch wert ist, daß
man es tut und die Tracht der Heimat trägt. Genauso selbstverständlich
beim Neuen und bei Erneuerungen und sagt: `Was guat is, des bhoit´
des ander laß seitenwärts liegn´. Oder wie es Josef Lettl
1980 schon geschrieben hat: `Laßt am guten Alten uns in Treue
halten, aber auf dem neuen Grund, gutes schaffen jede Stund!´"
Meditation über Tradition, Asche, Glut, Flamme
und Feuer
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Wie gesehen haben sich Thomas Morus, Benjamin Franklin, Jean Jaurès,
Gustav Mahler, Ricarda Huch und Johannes XXIII. Gedanken über die
Tradition im Blick auf das Motiv Feuer, Flamme, Glut und Asche gemacht,
in sechs unterschiedlichen Variationen, die es nun zu bedenken gilt.
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Alle sind sich einig, dass Tradition nicht bedeuten kann: (kalte) Asche
zu "halten", zu "bewachen", "(aufzu)bewahren", "anzubeten", "weiterzureichen".
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Thomas Morus und Gustav Mahler möchte aber nun die Flamme bzw. das
Feuer weitergeben. Ricarda Huch begnügt sich damit, die Glut weiterzureichen.
Benjamin Franklin und Jean Jaurès wollen die Glut anfachen bzw.
die Flamme schüren. Und Johannes XXIII. sieht die Aufgabe darin, das
Feuer zu hüten.
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Das Motiv "Flamme und Feuer weitergeben", bringt uns auf die Fackel oder
Kerze, denn ansonsten wäre es schwierig offenes Feuer zu übergeben.
Es lenkt unseren Blick auf die Instrumente und Werkzeuge "lebendige Tradition"
weiterzugeben.
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Das Motiv "Glut weiterreichen" verweist uns auf eine kleine Schaufel. Damit
der andere auch seinen Ofen wieder anheizen kann (im Zeitalter der Elektrizität
ein Bild aus vergangen Tagen)
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Das Motiv "Glut anfachen bzw. Flamme schüren" zielt auf den Blasebalg
oder den Schürhaken und auf die Notwendigkeit, neues Holz nachzulegen.
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Das Motiv "Feuer hüten" erinnert mich an die Feuerwache beim wärmenden
Lagerfeuer, die wachsam zu sein hatte, damit das Feuer immer schön
brennt und nicht verlöscht.
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Nun denke ich ist klar, wer diese Fackeln, Kerzen, Schaufeln, Blasebälge,
Schürhaken und Feuerwachen sind. Wir, jeder einzelne von uns. Was
bedeutet das aber?
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sich leidenschaftlich für andere und für die Sache zu verzehren?
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selbst "heiß" zu werden?
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aufzupassen, dass einem nicht die Luft ausgeht?
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nimmer müde zu werden? (frei nach Shakespeares Macbeth-Hexen: "Rüstig!
Rüstig! Nimmer müde! Feuer, brenne!")
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Tradition braucht also Leidenschaft, Demut, Eifer und Durchhaltevermögen.
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Was geschieht nun aber, wenn an die Stelle von Leidenschaft und Eifer:
Spaß und Gleichgültigkeit, an die Stelle von Demut und Durchhaltevermögen:
Stolz und Sprunghaftigkeit treten: Die Tradition verpufft sang- und klanglos.
Helmut Zenz - 2003