Helmut Zenz:
Carl Zuckmayer im Internet
Carl Zuckmayer (1896-1977)
Schriftsteller, Dramatiker, Erzähler, Lyriker,
Drehbuchautor, Essayist
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Quellen:
Biographie
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Kindheit und Jugend (1896 - 1914)
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27.12.1896 Geburt in Nackenheim
(Rheinhessen) als zweiter Sohn von Carl und Amalie Friederike
Auguste Zuckmayer. Der Vater war Unternehmer (Fabrik für Weinflaschenkapseln).
Kindheit und Jugend sind daher geprägt vom Wohlstand einer bürgerlichen
Familie. Die Familie beschäftigt ein Dienstmädchen und die Pflege
der Hausmusik ist ebenso selbstverständlich wie eine umfangreiche
häusliche Bibliothek. Früh lernt Carl Zuckmayer daher Werke von
Henrik
Ibsen, Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler,
Frank
Wedekind, auch Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke,
Schopenhauer
und Nietzsche kennen. Sein Bruder war der spätere Berufsmusiker
Eduard
Zuckmayer.
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1900 Umzug nach Mainz
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1903 Besuch des "Humanistischen Gymnasiums"
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1909 Ersten schriftstellerischen, genauer naturlyrische Versuche
als Dreizehnjähriger. Insgesamt zehn davon sind durch Abschriften
einer Tante des Dichters erhalten geblieben. Zuckmayer erinnert sich auch
an erste Prosaversuche, an Kurzgeschichten. Er nannte sie "Pessimistische
Novellen", da sie alle, wie er in seinen Erinnerungen schreibt, mit
Mord oder Selbstmord endeten.
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1911-1913: Kennenlernen des literarischen "Expressionismus":
"Auf
einmal aber (…) lagen im Schaufenster der Buchhandlung Wilckens am Schillerplatz
neuartig und einheitlich ausgestattete Druckschriften mit dem Aufdruck
»Kurt Wolff Verlag«. Da tauchten unbekannte Namen auf, Werfel,
Hasenclever,
eine Erzählung, »Der Heizer« von Kafka – und diese
Heftchen, »Der jüngste Tag«, erfüllten uns mit einem
ganz neuen, revolutionären Elan, wie er von der bisherigen »Moderne«
nicht ausgegangen war. »MORGENROT! KLABUND! DIE TAGE DÄMMERN!«
stand in grellen Buchstaben auf einem anderen, von Erich Reiß
herausgebrachten Band. Die apokalyptischen Visionen von Georg Heym,
der »Aufbruch« von Ernst Stadler mit seinen drängend ungestümen
Versen, der erste Gedichtband von Trakl, all das, was man später
unter dem oberflächlichen Kollektivwort »Expressionismus«
zusammenfaßte, wirkten auf mich wie ein Sturmwind oder eine Schneeschmelze."
(Als wär´s ein Stück von mir, Frankfurt am Main, 1994,
S. 202f.)
Krieg (1914-1918)
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1914 Notabitur
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1914-1915: Zuckmayer wird rasch von der allgemeinen Kriegsbegeisterung
angesteckt und meldet sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. Schließlich
wird er Leutnant. Seine Begeisterung ist von dem Glauben durchdrungen,
daß der Kampf, der das Leben kosten kann, im großen Zusammenhang
natürlicher Ordnung angesiedelt ist. Das Gedicht Das
Große (veröffentlicht am 11.8.1914 im Mainzer
»Neuesten Anzeiger«) legt dafür ebenso Zeugnis ab wie
die kurze Prosa Auch bei uns wird es Frühling.
Hinzu kommt ein Brief aus der Westfront (veröffentlicht am 20.4.1915
in der »Frankfurter Zeitung und Handelsblatt«).
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1915-1917: Umfassende literarische Weiterbildung. Sie führt
bei Zuckmayer noch während des Krieges zu allmählichen Ablösungen
und Neuorientierungen bei Zuckmayer in der Einschätzung des Krieges
und der politischen Lage..
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1917: Beginn des Kontakts zu der seit 1911 von Franz Pfempfert herausgegebenen
Zeitschrift
»Die Aktion« – die Publikation widmet sich dem literarischen
Expressionismus und ist dem Sozialismus sowie einem aktiven Pazifismus
verschrieben – führt Zuckmayer in neue Zusammenhänge, neue Denkrichtungen.
In den Jahren 1917 bis 1919 erscheinen dort Arbeiten des Dichters, die
am Expressionismus orientiert sind und in denen die religiösen Akzente
der bisherigen Prosa und Lyrik in den Hintergrund treten. Zuckmayer schließt
sich auch sozialistischen Positionen an und wird Mitunterzeichner radikaler
politischer Aufrufe. Gleichzeitig entstehen erste dramatische Werke, expressionistische
Bearbeitungen mythologischer Stoffe.
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1917/1918: Im Sommer und Herbst 1917 schreibt Zuckmayer Der
Raub des Lichtes, ein Vorspiel. 1918 entsteht Prometheus,
ein dramatisches Gedicht in drei Szenen. Beide Stücke bleiben zwar
zu Lebzeiten des Dichters unaufgeführt und unveröffentlicht,
sind aber für die weiteren Begegnungen und Wege von großer Bedeutung.
Weimarer Republik (1918-1933)
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1918/1919: Zuckmayer wird 1918 Student an der Universität
Frankfurt
a.M. 1919 setzt er sein Studium in Heidelberg fort. Es ist -
ohne feste Systematik - die Beschäftigung mit Jura und Volkswirtschaftslehre
(Nationalökonomie),
Philosophie
und Soziologie,
Literatur- und Kunstgeschichte und Naturwissenschaften
(Biologie).
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1918 In dieser Zeit lädt Carlo Mierendorff, der Zuckmayers
Arbeiten in der »Aktion« gelesen hatte, Zuckmayer ein, für
die Zeitschrift »Das Tribunal« tätig zu werden.
Zuckmayer sagt sofort zu und lernt im Kreis um Mierendorff rasch weitere
Schriftsteller, Journalisten, Verleger und Theaterleute kennen. Ein Kontakt
zum Frankfurter Schauspiel, damals eine Hochburg des expressionistischen
Theaters, kommt durch einen Freund zustande, der ohne Zuckmayers Wissen
eine Abschrift des Prometheus an den Schauspieler Carl Ebert geschickt
hatte, der wiederum ein Treffen mit Georg Plotke, dem Dramaturgen
des Frankfurter Schauspiels, vermittelte.
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1919/1920 Das dramatische Schaffen widmet sich dem Drama Kreuzweg,
das Leopold Jeßner zur Uraufführung annimmt. Diese findet
schließlich am 20.12.1920 am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin
statt. Zuckmayer siedelt dazu auch nach Berlin über. Doch nach
drei Vorstellungen verschwindet das Stück vom Spielplan, obwohl die
Kritik keineswegs nur negativ mit dem jetzt erstmals in eine größere
Öffentlichkeit getretenen Dichter umgeht. Man erkennt eine mitreißende
Sprache, bemängelt aber die Dramaturgie, mangelnde Dichte des Geschehens,
die fehlende Handlung, die den Zuschauer rat- und orientierungslos zurückläßt.
Dies wiederum sieht man jedoch mehr als negative Eigenart der literarischen
Strömung, der Zuckmayer sich mit diesem Stück angeschlossen hatte,
und diesem Sinne bemerkt Siegfried Jacobsohn zu Beginn seiner Kritik
bewundernd: "Die dreiundzwanzig unmerklich verbundenen Szenen
des »Kreuzwegs« klingen ziemlich einzigartig. Es macht nichts
für ihre Gesamtheit, daß diese und jene Wendung anklingt - anklingt
an die schönsten poetischen Tonfälle jüngster Vergangenheit.
Ein dreiundzwanzigjähriger Dichter, der keine Ahnen hätte, wäre
eine Abnormität und keine Hoffnung. Aber die meisten Verse dringen
eigen und voll und wie zum ersten Mal aus erregter Brust. «…»
Dank dieser Phrasenlosigkeit vermißt den pragmatischen Zusammenhang
immer nur der Verstand, nie das Gefühl, das von der Echtheit des dichterischen
Gefühls angerührt und von der lyrischen, vielfach gebethaft gesteigerten
Sprachgewalt über die Dunkelheiten hinweggerissen wird." (Die Weltbühne,
Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft. Berl in, Jg. 16 (1920),
H. 52, S. 763ff., zitiert nach: Carl Zuckmayer. Das Bühnenwerk im
Spiegel der Kritik. Hrsg. von Barbara Glauert. Frankfurt am Main: S. Fischer
1977.). Alfred Kerr, einer der damals am meisten gefürchteten
Kritiker, schreibt allerdings: "Soll der Dramatiker dichten
-oder die Zuschauer? Zuckmayers Stück müssen die Zuschauer dichten.
Es gab drei Stunden lang nur Geharftes, Weichexpressionistisches, Zufälliges,
Hingereihtes, Ballungsloses, Ungestaltetes, Willkürliches, zu rasch
Wechselndes, Verschwommenes (nicht Verschwimmendes, das könnte schön
sein; Verschwommenes), allgemein Blühendes, Fragen der Welt Bedichtendes.
Inkonsequent, daß dies gegen Viertel Elf aufhört - das könnte
monatelang so weiter gereimt, so weiter gerhythmet werden -und gäbe
noch immer kein Drama." (Berliner Tageblatt, 11. Dezember 1920 (Morgenausgabe),
zitiert nach: a.a.O.)
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Nur unter großen Anstrengungen gelingt es Zuckmayer in der Folgezeit,
seine Existenz zu sichern. Er übernimmt Gelegenheitsarbeiten, unbezahlte
Stellungen beim Theater, ein wenig Geld bringen kleinere Veröffentlichungen
in Zeitschriften ein. Er arbeitet als Volontär und gelegentlicher
Regieassistent in Berlin. Die Arbeit an zwei Theaterstücken scheitert.
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1922: Im Frühjahr Zuckmayer verläßt Berlin, es folgt
ein mehrmonatiger Aufenthalt in Norwegen und im Herbst eine kurze
Rückkehr nach Mainz, wo es zu einer Wiederbegegnung mit dem
dortigen Ober-Regisseur Dr. Kurt Elwenspoek kommt, der gerade zum
Intendanten der Städtischen Bühnen in Kiel gewählt worden
ist.
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1922: Elwenspoek lädt Zuckmayer ein, ihm als Dramaturg
nach Kiel zu folgen, und Zuckmayer kommt dieser Einladung begeistert
nach, beinhaltet sie doch - neben Gelderwerb - die Chance, als blutiger
Anfänger Regiearbeiten zu übernehmen und sich somit weitere theatralische
Praxis anzueignen.
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1923: Doch bereits die dritte Inszenierung im Frühjahr 1923
- »Der Eunuch« des römischen Komödiendichters Terenz
- verursacht einen riesigen Skandal, der nicht nur zur Absetzung des Stückes,
sondern ebenso zur Entlassung des Intendanten führt. Auch Zuckmayers
Verträge werden kurze Zeit später fristlos gekündigt.
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1923: Nächste Zwischenstation wird München, wo
Zuckmayer Bertolt Brecht kennenlernt, mit dem ihn bald auch Freundschaft
verbindet.
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1923/1924: Im engen Kontakt mit Brecht entsteht ein neues
Stück, das mit dem Schauplatz Amerika ein damals in der Luft liegendes
Thema aufgreift. Über die Entstehung des Stücks, das schließlich
unter dem Titel Pankraz erwacht oder Die Hinterwäldler
aufgeführt wird, berichtet der Dichter: "Es hieß
»Kiktahan oder Die Hinterwäldler«, ein Stück aus
dem Fernen Westen, es war in einem balladesken Pionier-Amerika angesiedelt.
Brecht fand es gut - es war mein einziges, das unter seinem Einfluß
entstanden ist." (Als wär´s ein Stück von mir, S. 453).
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1924/1925: Auch Zuckmayers Prosa liegt in dieser und der unmittelbar
folgenden Zeit Zeugnis für die Begeisterung ab, mit der man sich damals
für die fremde Kultur interessierte - bei ihm auch wachgerufen und
unterstützt durch intensive Lektüre von Karl May und James
Fenimore Cooper: Geschichten vom Vierwochenbüffel
erscheint im Juli 1924; aus Sitting Bull,
ein Indianerroman, unvollendet entstanden 1924/25, werden 1925/26 zwei
Bruchstücke des dritten Teils in zwei verschiedenen Zeitschriften
veröffentlicht.
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1925: Gemeinsam mit Bertolt Brecht kommt Zuckmayer nach Berlin
- für ein Jahr werden sie als Dramaturgen an das Deutsche Theater
engagiert. Während sich beider Wege dann relativ rasch trennen, gibt
es für Zuckmayer eine neue wichtige Begegnung: mit dem Regisseur Heinz
Hilpert.
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15.2.1925 Uraufführung von Pankraz erwacht oder die
Hinterwäldler, unter der Leitung Hilperts, im Rahmen einer
Matinee der dem Deutschen Theater angeschlossenen, experimentell orientierten
»Jungen Bühne«. Zuckmayer, der das Stück am
liebsten noch vor der Aufführung zurückgezogen hätte, berichtet
aus der Rückschau: "Es war ein ungegorenes, ungleichmäßiges
Stück, mit skizzenhafter Fabel, ohne Proportion und Maß. Doch
hatte es, immerhin, richtige Rollen und ein paar starke Spielszenen." (Als
wär´s ein Stück von mir, S. 463). Eben diese - im
Vergleich zum Erstlingsstück - größere Spielbarkeit wird
von einigen Kritikern positiv vermerkt. Herbert Ihering, der zunächst
feststellt, Zuckmayer habe sich mit dem Kreuzweg bereits »dichterisch
legitimiert«, vermerkt weiter: "Zuckmayer hat Theaterbegabung.
Die Szene, bevor der Kaplan gehenkt wird, ist in ihrer frechen Knappheit
und sprachlichen Gelenkigkeit ausgezeichnet. Sie eröffnet den Ausblick
auf Zuckmayers Zukunft: die Komödie. «…» Zuckmayers lebendige
Begabung muß gefördert werden." (Berliner Börsen-Courier,
16. Februar 1925) Und Franz Servaes stellt fest: "Jedenfalls,
dies Stück schrieb ein Dichter. Darum soll man mit seinen Unvollkommenheiten
nicht zu hart ins Gericht gehen. Auch überwiegt das, was uns hoffen
läßt. Nicht minder ist gegenüber Zuckmayers Erstlingsdrama
»Kreuzweg«, das im Staatstheater vor Jahren so wenig verstanden
wurde, ein starker Fortschritt sowohl zur inneren Klärung wie zur
bühnenmäßigen Abfassung bemerkbar." (Berliner Lokalanzeiger,
16. Februar 1925) Das Stück erlebt keine weiteren Aufführungen,
aber es bedeutet für Zuckmayer einen entscheidenden Wendepunkt: "Mir
aber hatte diese Theaterzeit und diese Aufführung etwas viel Wichtigeres
beschert, als es Erfolg und Tantiemen hätten sein können: eine
Erkenntnis. Ich erkannte zum ersten Mal ziemlich genau meine Grenzen. «…»
Ich steckte nicht zurück. Aber ich begann zu wissen, oder zu vermuten,
was ich wollte und sollte und was nicht." (Als wär´s ein Stück
von mir, S. 463)
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1925 In der Folge ist der Dichter zunächst wieder einmal stellungslos,
doch bald ermöglicht die Einladung eines reichen Onkels in ein Schloß
am Wannsee das Weiterschreiben. "Ich hatte zwei Stoffe im
Kopf, einen tragischen, nach einer Erzählung der Regina Ullmann, und
einen heiteren, den ich mir als »lyrisches Lustspiel« dachte,
in meiner Heimat angesiedelt. «…» Ich arbeitete mit Elan. Ich
hatte mich, meiner Stimmung entsprechend, zu dem Lustspiel entschlossen,
obwohl ich mir davon geringere Erfolgschancen versprach. Ich schrieb es
in meiner heimatlichen Mundart - das galt damals nicht als modern." (Als
wär´s ein Stück von mir, S. 465f.). Doch Zuckmayer
hofft, daß man es wenigstens in seiner heimatlichen Region zur Aufführung
wird bringen können, setzt die Arbeit fort und lernt, als er für
das Abtippen eine geeignete Hilfe sucht, die Schauspielerin Alice von
Herdan (bürgerlich: Frank?) kennen.
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1925 Noch im gleichen Jahr Heirat mit der Schauspielerin Alice
von Herdan;
-
1925 Uraufführung Der fröhliche
Weinberg. Es wird ein riesiger Erfolg und großer Eklat
gleichermaßen. Das Stück wird mit dem Kleist-Preis,
dem bedeutendsten Literaturpreis der damaligen Zeit, ausgezeichnet, beschert
seinem Autor ab sofort finanzielle Unabhängigkeit, und Hedwig Fischer,
die Frau seines späteren Verlegers, erkennt ihn in diesem Zusammenhang
in ihrem Tagebuch als »urtümliches Talent«. Gleichzeitig
fühlen sich aber auch verschiedenste gesellschaftliche Gruppen karikiert
und damit beleidigt, und die »öffentliche Moral« ruft
zur Entrüstung auf. Zuckmayer erinnert sich: "Noch jetzt
treffe ich immer wieder ältere Damen, die mir erzählen, wie sie
als junge Mädchen trotz strengen Verbots heimlich in den »Fröhlichen
Weinberg« gegangen seien: Mir ist, als hätte ich eine Generation
gesitteter Haustöchter indoktriniert und aufgeklärt." (Als wär´s
ein Stück von mir, S. 483) Moralische Entrüstung ist auch
in der Kritik spürbar, wenn es etwa bei Arthur Eloesser heißt:
"Was
ich weniger ertrage, ist die Bedingung des Vaters Gunderloch, daß
seine Tochter erst Mutter, dann Braut werden soll, und die für meinen
zarten Geschmack nicht sehr appetitliche Intrige, mit der das taufrische
Klärchen den ersten, den blöden Bräutigam hineinlegt. Die
Technik des Liebesaktes in Hinsicht auf seine Folgen dürfte von einem
jungen Mädchen nicht so genau ausgelegt werden, wenn wir es nicht
- Goethisch gesprochen - für ein Luder halten sollen." (Das blaue
Heft. Freie deutsche Bühne. Berlin, Jg. 8 (1926), S. 36-40). Insgesamt
überwiegt die positive Aufnahme: "Die Aufführung
bestätigt, was seinerzeit in der Begründung der Zuerteilung des
Kleist-Preises an Carl Zuckmayer für sein Lustspiel »Der fröhliche
Weinberg« gesagt war. Es ist erstaunlich, wie der Verfasser, der
bisher in seinem »Kreuzweg« und im »Pankraz« finsterste
Literatur geliefert hat, hier den Durchstoß zum Wirklichen, das Zurückwerfen
alles bloß Literarischen, fertigbekommen hat. «…» Es
ist etwas Lebendiges in dieser Komödie - und daß dies Lebendige
die Hörer mitriß, «…» das war eigentlich der hübscheste
Beweis dafür, daß Zuckmayer mit diesem Lustspiel einen manches
verheißenden Anfang geschaffen hat. «…» Das Publikum,
glücklich, sich einmal sozusagen mit literarischer Autorisation amüsieren
zu dürfen, machte von diesem Recht ausgiebigsten Gebrauch." (Paul
Fechter, Deutsche Allgemeine Zeitung, Berlin, 23. Dezember 1925)
Und selbst der kritische Alfred Kerr, der zunächst befindet,
Zuckmayer habe sich nun etwas zu weit vom Expressionismus entfernt, muß
gestehen: "Ein oft sehr hübscher Spaß bleibt`s
trotzdem. «…» Ich verderbe den Spaß nicht. Warum? Weil
er das Theater heute vielleicht vor dem hemmungslosen Literatenmist rettet:
vor der anspruchsvollen Unmacht, vor dem sabbernden Chaos -und einen letzten
Damm baut gegen das bereits überlegene Kino." (Berliner Tageblatt,
23. Dezember 1925 (Abendausgabe)). Das Stück erlebt in der
Folge eine beispiellose Aufführungsserie: noch im Dezember 1925 in
Frankfurt, 1926 in Leipzig, in München, in Wiesbaden und - nach zahlreichen
Protestnoten von verschiedensten Seiten - auch in Mainz. Das Stück
bleibt lange Zeit Gegenstand heftigster Diskussionen. In Leipzig müssen
die Zuschauer schriftlich versichern, daß sie die Vorstellung in
keiner Weise durch Demonstrationen stören werden. Immer wieder ist
man moralisch entrüstet, sehen die Akademiker sich herabgesetzt, die
Kriegsveteranen sich denunziert, rheinhessische Familien ihren Namen geschändet.
In Mainz muß vor der ersten Vorstellung das Theater abgeriegelt werden,
rheinhessische Weinbauern verbinden eine Demonstration gegen zu hohe Steuern
mit einer Attacke gegen das Stück. Diejenigen jedoch, die nicht die
»Gesellschaftsfähigkeit« des Stückes im Visier haben,
sondern sich ernsthaft mit der Kunst des Dramas und der Stärke des
Stückes auseinandersetzen, kommen zu ähnlichen Resultaten wie
Ludwig
Marcuse unter der Überschrift »Für das junge Drama!«
in seiner Besprechung nach der Frankfurter Aufführung vom 23. Dezember
1925: "Der junge Gerhart Hauptmann könnte diesen »Fröhlichen
Weinberg« geschrieben haben: so stark wurzelt das Wort hier im Blut.
Da ist keine Konvention und keine Intellektualität zwischen Erde,
Trieb und Wort: da wächst der Mensch bruchlos aus der Kreaturen treibenden
Scholle; und das Wort ist nur ein feiner Dampf über dem Körper.
Rückkehr zum Naturalismus? Vielleicht fängt das junge Drama dort
noch einmal an, wo der junge Hauptmann begonnen hat: weil es Hauptmanns
späteren Weg nicht fortsetzen kann. Die Kraft dieses jungen Dramas
ist seine produktive, aus der Fülle der Sinne geborene Sprache. Die
Zukunft dieses Dramas ist das organische Hervorwachsen (nicht das intellektuelle
Erklügeln) menschlicher Schicksale und ihrer Deutung. Zuckmayers »Kreuzweg«
war eine Kette packender Visionen. »Pankraz erwacht« war die
erste Etappe zurück zum Beginn, an dem das Wort aus der Sinnlichkeit
geboren wird. »Der fröhliche Weinberg« ist die Erfüllung
des Beginns." (Frankfurter Generalanzeiger, 24. Dezember 1925)
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1926 Nach dem Erfolg des Fröhlichen Weinbergs erwirbt Zuckmayer
das Refugium »Wiesmühl« in Henndorf bei Salzburg.
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1926 Zuckmayer macht die Bekanntschaft Gerhart Hauptmanns,
der den jungen Kollegen beglückwünschte und ihm Mut für
die weitere Arbeit zusprach. Zuckmayer erinnert sich: "Ermutigung
konnte ich damals brauchen. Eine neue Phase des Lebens und der Arbeit hatte
begonnen - nicht die leichteste. «…» So arbeitete ich an meinem
nächsten Stück «…» ein ganzes Jahr. «…»
Saltenburg, der eine Option auf das neue Stück hatte, und der Verlag
drängten mich: nach einem solchen Durchbruch müsse man rasch
nachstoßen!" (Als wär´s ein Stück von mir, S. 492f.)
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14.10.1927 Uraufführung des Schinderhannes
im Berliner Lessingtheater. Daß Zuckmayer sich weder vom Theaterdirektor
Heinz Saltenburg noch vom Verlag drängen ließ, wird von Paul
Fechter positiv vermerkt: "Erfolg kann verpflichten -
muß es aber nicht. Zuckmayer hat die vernünftigsten Konsequenzen
aus ihm gezogen. Er hat den Erfolg genutzt, nicht ausgenutzt. Er hat nicht
sofort im nächsten Jahr ein neues Drama hinterhergehetzt; er hat geduldig
gewartet, bis das neue Schauspiel wirklich fertig war." Fechter
erkennt aber auch die Schwächen, die das Stück hat, Schwächen,
die eigentlich einer Stärke entspringen: Zuckmayers großem lyrischen
und erzählerischen Potential: "Die Aufgabe, die er sich
gestellt hatte, war dabei erheblich schwieriger als die erste. Zuckmayer
wollte Leben und Ende des tapferen Räuberhauptmanns Johann Bückler,
genannt Schinderhannes, gestalten, seinen Kampf gegen Gesetz und Obrigkeit,
für die Kleinen gegen die Großen - seinen Aufstieg zum Herrn
des Hunsrück, schließlich seine Gefangennahme und öffentliche
Hinrichtung in Mainz. Konsequenz: dramatische Steigerung ergab sich nur
während der ersten Hälfte - da Schinderhannes siegreich durchs
Land zieht, ein Erlöser der Armen, ein Feind der Reichen «…»
Mit dem Augenblick, da dieser Kampf mißglückt, versinkt die
Möglichkeit weiterer aktiver Dramatik; die Lyrik setzt ein und drängt
sich vor: Thema wird der Niedergang, die Flucht, Verhaftung und Hinrichtung
des Hannes. «…» Man ginge stärker mit, schlösse das
Balladenmäßige, das Lebensbild, nicht jede Steigerung aus."
(Deutsche Allgemeine Zeitung, Berlin, 15. Oktober 1927) Ähnliches
sieht auch Erich Kästner: "Zuckmayers Talent
- unbezweifelbar und groß - ist sehr einseitig gewachsen. Er hat
die Gabe, seine Menschen reden zu lassen wie ihnen tatsächlich der
Schnabel gewachsen ist «…» Aber, wird man fragen, was hat das
alles mit dramatischer Handlung zu tun? Das ist es ja eben! Zuckmayers
Talent ist beschreibender Natur. Er setzt Szene neben Szene «…»
und jede einzelne ist gut; manche ist großartig! Es fehlt nur die
bindende fortreißende Bewegung." (Neue Leipziger Zeitung, 16. Oktober
1927) Und Alfred Kerr faßt zusammen: "Hübsche
Lustspielzüge zwischendurch. Manchmal etwas rhein-mainische Lieblichkeit
-So schreitet ein Revolutionär, vom »Kreuzweg« über
das fröhliche »Weiße Rößl« zum Heimatstück
- das jedoch erwünschter ist als Heimatstücke sonst und bisher.
Und kräftiger. - Zuckmayers Kraft liegt in bodenwüchsiger Frische.
(Doch auch die Frische, lieber Sohn der Gegenwart, hat ihre Grenzen.) Zuckmayers
Pro: das Volkstum. Zuckmayers Contra: das Volkstümliche." (Berliner
Tageblatt, 15. Oktober 1927)
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1927 Erscheinen des ersten Erzählbandes im Berliner Propyläen-Verlag
unter dem Titel Ein Bauer aus dem Taunus und andere
Geschichten, Geschichten mit Eindrücken und Nachklängen
durchlebter Kriegs-Zeiten und eindringlich erfahrener Natur. Heimatliches
rufen Die Weinberge bei Nackenheim herauf,
die Geschichte von einer Geburt erzählt von Soldaten, die mitten im
Krieg Geburtshilfe leisten müssen. Es entsteht Menschenleer,
die Geschichte vom Tümpel und das Leben der Schwärmer, Beschwörung
der sich selbst gebärenden Natur; Nachklänge der Nordeuropa-Reise
des Jahres 1922 in der Geschichte vom Lappenvogt Bal
und der Geschichte von einer Entenjagd. Von weiteren Erzählungen
zeugen Titelblatt und Inhaltsverzeichnis eines erhalten gebliebenen Heftes,
das laut Untertitel einst Sechs Liebesgeschichten enthielt. Überliefert
ist nur die Titelgeschichte Die erste Insel,
die erstmals veröffentlicht wurde im Band Ein Bauer aus dem Taunus
und andere Geschichten - der vom S. Fischer Verlag zum hundertsten Geburtstag
herausgegebenen, mit zahlreichen editorischen Notizen versehenen Gesammelten
Werke in 17 Einzelbänden.
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1928 erfolgreiche Uraufführung Katharina
Knie. Ein Seiltänzerstück In diesem Jahr
gibt es bereits vor der Uraufführung eines neuen Stückes - fast
- einen Skandal, denn Zuckmayer hatte seine Katharina Knie ohne Wissen
um den tatsächlich existierenden Schweizer Nationalzirkus Knie geschrieben:
"Da
erhielt ich aus Zürich den Brief eines Advokaten, der sich in knappen
und barschen Worten als Rechtsvertreter des »Schweizer Nationalzirkus«
und der »Dynastie Knie« vorstellte - in seinem Schreiben war
immer nur von der »Dynastie« die Rede - und der gegen die Benutzung
des Namens Knie in einem Theaterstück Protest einlegte, noch dazu
von einem Autor, der als »moralisch nicht einwandfrei« gelte.
Die Dynastie befürchtete eine Schädigung ihres Ansehens, und
der Anwalt drohte mit gerichtlichen Schritten, um das Verbot des Stückes
herbeizuführen." (Als wär´s ein Stück von mir, S.
505). Der Eklat findet nicht statt: Eine Sondervorstellung für
die vier Brüder Knie ruft bei diesen große Rührung über
die naturgetreue Zeichnung des Vaters hervor. Und nachdem man sich verständigt
hat, im Programmheft darauf hinzuweisen, daß Zirkus Knie in Wirklichkeit
nicht von Existenznot bedroht, sondern im Gegenteil sehr wohlhabend ist,
steht der Uraufführung nichts mehr im Weg. Über das merkwürdige
Schicksal, das dieses Stück nach der ersten Aufführung vom 21.
Dezember 1928 hat, berichtet Carl Zuckmayer: "Auch das Theaterschicksal
des Stücks war erstaunlich. Es wurde bei der Uraufführung trotz
eines lauten Premierenerfolgs von der gesamten Berliner Presse in Grund
und Boden verrissen, selbst von meinen bisherigen Gönnern, mit Ausnahme
von Kerr, der - nun schon aus Opposition gegen die andern - doch noch ein
gutes Elefantenhaar dran ließ und mit gewissen Recht fand, daß
eine solche Glanzrolle für Bassermann «…» sich nicht von
selber schreibt." (Als wär´s ein Stück von mir, S. 510)
In der Tat ist von den Rezensenten der Uraufführung Paul Fechter
die seltene Stimme, die dem Stück - vor allem aber dem Dichter - gerecht
zu werden versucht. Einmal mehr weist Fechter auf die Schwächen des
Dramas und gleichzeitig die Stärken des Autors hin: "Es
ist ein Stück, das technisch gegenüber dem »Fröhlichen
Weinberg« und dem »Schinderhannes« in seiner zweiten
Hälfte sozusagen einen Rückschritt bedeutet, das aber dichterisch
doch ein starkes Weiterkommen, ein Freier- und Mutigerwerden darstellt.
Es ist wieder, um eine heutige Formel zu gebrauchen, ein episches Drama,
mehr eine lyrische Erzählung als eine Gestaltung gespannten Geschehens.
«…» Schon der Umriß zeigt das Undramatische dieses Aufbaues,
die epischen Eliente, die in der zweiten Hälfte des Stückes gefährlich
ins Lyrische übergehen. Bestehen bleibt aber, daß die ersten
beiden Akte das Beste sind, was Zuckmayer bis jetzt geschrieben hat." (Deutsche
Allgemeine Zeitung, Berlin, 22. Dezember 1928). Trotz der verhaltenen
Aufnahme bei der Kritik setzt das Stück sich durch: "Aber
nun geschah etwas, was heute in diesem Ausmaß und vielleicht überhaupt
nicht mehr möglich wäre: das Stück nahm, völlig unbehindert
durch das kritische Verdikt, einen veritablen Siegeslauf über die
Bühnen. In Berlin kam es mit Bassermann zur hundertsten Aufführung,
kein Mensch - außer den Kritikern - erinnerte sich noch daran, daß
es eigentlich durchgefallen war." (Als wär´s ein Stück
von mir, S. 510)
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10.03.1929 In Berlin wird in der Regie von Erwin Piscator
ein Stück aufgeführt, mit dem Carl Zuckmayer Neuland betreten
hatte: Es ist, mit dem Titel Rivalen, eine Bearbeitung des amerikanischen
Schauspiels »What Price Glory?« von Maxwell Anderson
und Lawrence Stallings. Es trifft den Nerv der Zeit, die immer noch
Nachkriegszeit ist und die erst seit Erich Maria Remarques »Im
Westen nichts Neues« Stoffe, die dem Krieg entnommen
sind, überhaupt wieder zuläßt. Paul Goldmann berichtet
über das Vakuum seit 1918: "Noch vor kurzer Zeit weigerte
sich jeder Theaterdirektor, ein Stück aufzuführen, das im Kriege
spielte, und kein Verleger wollte einen Roman oder eine Novelle herausgeben,
deren Stoff dem Kriege entnommen war. Das Publikum, hieß es, wolle
nichts mehr vom Kriege wissen. Auf einmal ist ein Umschwung eingetreten."
(Neue Freie Presse, Wien, 29. November 1929). Die öffentliche
Resonanz, die das Stück erfährt, ist politisch- weltanschaulich
geprägt - wenn auch vereinzelt bemerkt wird, das Stück besitze
gute dramaturgische Qualitäten. Das Hauptaugenmerk der Rezensenten
liegt auf dem Stoff, dem Inhalt, und Zuckmayer sieht sich zum ersten Mal
mit der Frage konfrontiert, ob sein Werk die Kriegsproblematik nicht verkleinere,
nicht als kriegsverharmlosend oder auch geradezu den Krieg verherrlichend
gelten müsse. So schreibt Hans Kafka: "Und Zuckmayer
zeigt so zwischendurch, wie seinen amerikanischen, also bezahlten Infanteristen
hie und da vor dem Krieg ein bißchen mies wird. Welchen Arbeiter
befällt nicht ebenso oft vor der Arbeit die Unlust, ohne daß
vor einem Theaterpublikum daraus die dramatische Schlußfolgerung
»Nie wieder Arbeit!« gezogen werden könnte. In diesem
Stück soll aber damit sämtlichen linksgerichteten Überzeugungen
Zuckmayers und seiner Zuschauer Genüge getan werden?" (Die literarische
Welt. Unabhängiges Organ für das deutsche Schrifttum. Berlin,
Jg. 5 (1929), H. 15, S. 7)
-
1929 (1928?) Darmstädter Georg-Büchner-Preis und
Dramatikerpreis
der Heidelberger Festspiele (zusammen mit René Schickele
und Max Mell)
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1929 Verfilmung Der fröhliche Weinberg,
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1929 Aus einer weiteren Bearbeitung entsteht das Drehbuch Der
blaue Engel für ein Stück, in dem Marlene Dietrich
die
Kabarettsängerin Lola spielt.
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1929 Erster (und einziger) Versuch Zuckmayers, auch ein Autor für
Kinder zu werden: Kakadu - Kakada. Uraufführung
am 18. Januar 1930 in Berlin
-
1931 (1930?) Uraufführung Der Hauptmann
von Köpenick. Fritz Kortner hatte Zuckmayer
auf den Stoff aufmerksam gemacht, auf eine wahre Begebenheit des Jahres
1906, aus dem Zuckmayers im Untertitel Ein deutsches Märchen genanntes
Stück hervorging, das am 5. März 1931 im Deutschen Theater in
Berlin uraufgeführt wird. "Die Wirkung des »Hauptmann
von Köpenick« war tiefer und nachhaltiger als die des »Fröhlichen
Weinberg«. Das Stück wurde, von Freund und Feind, als das Politikum
begriffen, als das es gemeint war. «…» Gerade daß hier
auch die »Gegenseite«, das Militär vor allem, nicht blindlings
verdammt und verteufelt, sondern mit dem Versuch zu dramatischer Gerechtigkeit
dargestellt wurde, machte das Stück und sein Anliegen glaubwürdiger
und ließ nicht das Mißtrauen und den üblen Nachgeschmack
aufkommen, den betonte, einseitige Tendenz oder »Propaganda«
immer verursacht. Es gab keine Theaterskandale, doch wütende Beschimpfungen
von seiten der Nazipresse «…» - ich warf sie in den Papierkorb
und hielt mich an die anderen, die zustimmenden und bestärkenden,
die bis zum Schluß in der Überzahl waren." (Als wär´s
ein Stück von mir, S. 517f.). Zu den kritischeren Stimmen gehört
Ludwig
Marcuse, der unter Bezugnahme auf den Untertitel feststellt:
"Zuckmayer
hat aus dieser Welt wirklich ein »Märchen« gemacht. Er
stellt ohne Haß, ohne Angriffswillen dar. Er legt nicht die Struktur
dieser Gesellschaft frei. Er zeichnet nur nach - und nimmt beim Nachzeichnen
sein Objekt nicht sehr ernst. Er demonstriert eine Kuriosität im Raritätenladen
Weltgeschichte. Er schreibt ein historisches Stück, das er nicht auf
die Kämpfe unserer Zeit bezieht, sondern unter den Blickpunkt des
zeitlosen Humors stellt. Keine Silbe davon, daß wir acht Jahre nach
dem »Hauptmann von Köpenick« den Weltkrieg hatten. Man
wird ihm also von der einen Seite vorwerfen, daß er ein Thema, welches
schärfste Gesellschaftskritik fordert, zu einem harmlosen Witzblatt
verarbeitet hat. Man wird ihm von der andern Seite natürlich vorwerfen,
daß er das Ideal der blanken Knöpfe geschändet hat." (Frankfurter
Generalanzeiger, 7. März 1931). Der unmittelbare Zeitbezug,
der hier angerissen wird, stellt sich überdeutlich in einem Artikel
des »Völkischen Beobachters« (Ausgabe vom 24./25./26.
Mai 1931) dar, in dem Zuckmayer bereits als »Halbjude« diffamiert,
das Stück als Teil einer »Rinnsteinliteratur« gesehen
und die Geschichte als eine bezeichnet wird, die hätte »in jedem
anderen europäischen Militärstaate genau so gut passieren können«.
-
1931 Zuckmayer bearbeitet zusammen mit Heinz Hilpert Ernest Hemingways
im ersten Weltkrieg spielenden Roman »A Farewell to Arms« (erschienen
1929; auf dt. 1930 unter dem Titel »In einem
andern Land«) zu einem Bühnenstück. Die
Uraufführung des Kat genannten Schauspiels
findet am 1. September 1931 statt. Alfred Kerr findet die dramatische
Umsetzung mißlungen: "Im Roman: karg; im Drama: flach
-Im Roman: schlicht; im Drama: fad -Im Roman: schmucklos; im Drama: farblos.
Warum? Weil der Verfasser sich übernommen statt übersetzt hat.
Weil er abschrieb statt um-schrieb. Weil er schnitt statt schmolz. Weil
er verarbeitet statt bearbeitet hat. Und weil ein Unternehmer noch kein
Dichter ist. Zuckmayer war es hier nirgends. Hilpert zu taktvoll, ihn zu
übertreffen." (Berliner Tageblatt, 2. September 1931 (Abendausgabe)).
Andere Kritiker sehen jedoch die Liebesgeschichte, die eine zentrale Rolle
in der Roman- Vorlage spielt, szenisch geglückt umgesetzt und kongenial
gespielt von Käthe Dorsch und Gustav Fröhlich.
-
1931 In Deutschland spitzt die politische Situation sich zu. Bei
Zuckmayer steht das erzählerische Schaffen im Vordergrund, wenn auch
mit immer schlechter werdenden Vorzeichen, was die Publikation angeht.
Bereits im Dezember war in der »Vossischen Zeitung« Eine
Weihnachtsgeschichte erschienen - gleichsam eine Variante
der Geschichte von einer Geburt aus dem Jahr 1927.
-
1932 publiziert der Propyläen-Verlag in Berlin Die
Affenhochzeit mit Illustrationen des Bühnenmalers Emil
Orlik.
-
Unveröffentlicht bleibt damals der Fragment gebliebene Roman Das
Götterdorf - erneute Huldigung für den Geburtsort
Nackenheim, verbunden mit einem herzlichen Porträt der Eltern.
-
1933 Kämpfen muß Zuckmayer dann bereits um die weitere
Veröffentlichung seiner Erzählung Eine Liebesgeschichte,
die in der »Berliner Illustrierten Zeitung« seit Februar 1933
in Fortsetzungen erscheint: "Während ich beim Ullstein
Verlag in einer furiosen Attacke durchsetzte, daß die aus schierer
Angst vorzeitig abgebrochenen Fortsetzungen meiner »Liebesgeschichte«
wieder aufgenommen wurden - das offizielle Verbot meiner Arbeiten kam erst
später heraus -, mehrten sich die Anzeichen der direkten, persönlichen
Gefährdung. Goebbels wurde zum Propagandaminister ernannt. Viele meiner
Bekannten waren bereits verschwunden." (Als wär´s ein Stück
von mir, S. 533)
Exil (1933-1947)
-
1933 Im Frühjahr erfolgt das Aufführungsverbot. Er von
den Nationalsozialisten auf diese Weise verfolgt, weil er auf der Seite
der Mutter jüdisch war, aber auch, weil seine Werke den Nazis nicht
gefielen. Der Dichter und seine Familie übersiedeln nun dauerhaft
nach Henndorf bei Salzburg. Österreich, Salzburg, Henndorf, die »Wiesmühle«
werden bis zu Hitlers Einmarsch zur Enklave. Geprägt durch Traditionen,
die Reinhardt und Hofmannsthal hier eingepflanzt hatten. Belebt durch Personen,
die gleichfalls aus dem immer enger werdenden Deutschland flüchteten,
oder - wie Stefan Zweig - zu den Bedrängten gehörten, die ihre
österreichische Heimat schließlich verlassen mußten.
-
1933/1934: Eine Theaterarbeit beschäftigt Zuckmayer zu dieser
Zeit: Das aus einer deutschen Legende vom Niederrhein stammende Stück
Der
Schelm von Bergen, das (versehen mit Musik von Zuckmayers
Bruder Eduard) am 6. November 1934 in Wien uraufgeführt wird.
Mit diesem 1934 in Wien uraufgeführte legendarische Schauspiel berührt
Zuckmayer den ideologischen Kontext der `Konservativen Revolution'.
-
1935 Auch die erzählerische Produktivität versiegt in
diesen Jahren nicht: Die Erzählung Auf einem Weg
im Frühling entsteht im April 1935 (erstmals gedruckt
1970);
-
1935/1936 Veröffentlicht wird in jenen Jahren der Roman Salwàre
oder Die Magdalena von Bozen - bei Zuckmayers neuem Verleger
Samuel Fischer. Ullstein war im Juni 1934 unter nationalsozialistische
Führung gelangt. Die Bedingungen des Erscheinens dokumentieren einmal
mehr die schwierigen Umstände, unter denen nicht nur die Dichter und
Schriftsteller, sondern auch die Verleger zu leben und zu arbeiten hatten:
Im November 1935 wird in der »Neuen Rundschau«, der Zeitschrift
des S. Fischer Verlags, der Beginn des Romans vorabgedruckt, ebenfalls
im November das Erscheinen des gesamten Werks mit einem Vorschautext für
Anfang Dezember angekündigt. Am 12. Dezember muß Oskar Loerke,
literarischer Leiter des Verlags, jedoch in seinem Tagebuch notieren: "Im
Verlag steht es schlimm. «…» Immer neue Bücher werden
umgebracht «…» neuerdings der dreitausendfach vorbestellte
Zuckmayer." (Salwàre oder Die Magdalena von Bozen, editorische Notiz).
Der Verlagsgründer Samuel Fischer war am 15. Oktober 1934 gestorben,
sein Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer führte seitdem die Geschicke
weiter. Unter dem Zwang der politischen Verhältnisse löst die
Familie als Alleininhaberin sämtlicher Aktien der S. Fischer Verlag
AG Berlin in den Jahren 1935/36 diese Aktiengesellschaft auf. Ein Teil
des Verlages bleibt unter Leitung von Peter Suhrkamp unter dem alten Verlagsnamen
in Berlin bestehen; mit den verbliebenen Beständen und Rechten der
in Deutschland nicht erwünschten Autoren führt Bermann Fischer
den anderen Teil des Verlags zunächst in Wien fort. Dort erscheint
1936 "Salwàre oder Die Magdalena von Bozen", nachdem es Bermann
Fischer gelungen ist, die in Leipzig beschlagnahmten Bogen der für
1935 vorgesehenen Auflage freizubekommen.
-
1936 In Henndorf werden auch einige Drehbücher geschrieben,
so z.B. 1936 Rembrandt.
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1938 Das Schauspiel Bellman,
das in Wien unaufgeführt bleibt, weil die politischen Ereignisse die
erste angesetzte Probe am 11. März 1938 mit Tumulten, Aufständen
und Straßenkämpfen im Keim ersticken.
-
1938 Flucht in die Schweiz. Dort findet schließlich im November
1938 in Zürich die Uraufführung des Schauspiels Bellman statt.
Die Reaktion der Schweizer Presse ist positiv, zum Beispiel wird festgestellt:
"Ein Dichter ist der Dramatiker, der den »Fröhlichen Weinberg«
pflanzte, »Hauptmann Köpenick« in skurriler Figur auf
die Bühne stellte und nach »Katharina Knie« den schwedischen
Anakreon Carl Michael Bellmann als Volksphilosoph und Volkssänger
weit über Skandinavien hinaus als einen Lebensweisen vielfach lebendig
werden läßt. Mit seinem »Bellmann« bekräftigt
Carl Zuckmayer, daß er das Biographie-Drama beherrscht und alle seine
Gestalten atmende Menschen von Fleisch und Blut sind." (Volksrecht, Bern,
19. November 1938)
-
1938 Der Roman Herr über Leben und Tod
wird geschrieben als Filmgrundlage für den Produzenten Axel Korda
(realisiert 1954).
-
1939 Im Frühjahr werden Carl Zuckmayer und seine Familie von
der nationalsozialistischen Regierung offiziell ausgebürgert. Sein
Haus wird von der Gestapo beschlagnahmt
-
06.06.1939 Über die Schweiz und Kuba erreicht Zuckmayer das
rettende Amerika. Eine Zeit harten Existenzkampfes beginnt, Zuckmayer arbeitet
zeitweise als Drehbuchautor in Hollywood und als Dozent eines Schriftsteller-Seminars
an der Theaterschule der Exil-Universität "New School for Social Researchs"
in New York .
-
1941 Schließlich folgt - um das Überleben zu sichern
- die Übersiedlung nach Vermont: "Im Frühjahr 1941 hatten wir
uns endgültig entschlossen, die New Yorker Wohnung aufzugeben und
das Wagnis des Farmerlebens zu beginnen. Wir hatten nicht die Illusion,
daß dies ein Weg zum Wohlstand sei, aber er erschien uns als die
letzte und einzige Möglichkeit, unser Dasein durch freie, selbstgewählte
Arbeit zu fristen." (Als wär´s ein Stück von mir, S. 586)
Die Farm kommt schießlich in Gang;
-
1941-1945 Keimzelle für neue literarische Produktion - Des
Teufels General - wird eine Notiz, mit der amerikanische
Zeitungen im Dezember den Absturz des Zuckmayer persönlich bekannten
deutschen Fliegergenerals Ernst Udet vermelden: "Immer wieder sah ich ihn,
wie ich ihn bei meinem letzten, leichtsinnigen Besuch in Berlin gesehen
hatte: 1936. Wir trafen uns zum Essen in einem kleinen, wenig besuchten
Lokal. »Nicht bei Horcher«, hatte er gesagt - das war früher
unser Treffpunkt gewesen -, »da hocken jetzt die Bonzen.«
Er trug Zivil, aber er war schon ein hoher Offizier der Luftwaffe. »Schüttle
den Staub dieses Landes von deinen Schuhen«, sagte er zu mir, »geh
in die Welt und komm nie wieder. Hier gibt es keine Menschenwürde
mehr.« »Und du?« fragte ich. »Ich«,
sagte er leichthin, fast beiläufig, »bin der Luftfahrt verfallen.
Ich kann da nicht mehr raus. Aber eines Tags wird uns alle der Teufel holen.«"
(Als wär´s ein Stück von mir, S. 622) Die »Inkubationszeit«
des Stückes ist lang: Erst im Dezember 1942 beginnt Zuckmayer mit
der Niederschrift, vollendet wird das Drama im Winter 1944/45.
-
1942 Auch Erzählerisches wird allmählich wieder möglich.
Zuckmayer, der sich Anfang 1942 an einer Geschichte
über Helene (Lenchen) Diuth, der langjährigen
Haushälterin bei Karl Marx, versucht hatte, berichtet am 24. Juni
1942 brieflich seinem Freund Hans Horch: "Seit drei Monaten, genau gesagt
seit dem 21. März, - arbeite ich nicht mehr am Lenchen. Sondern an
einem ganz neuen Buch «…» Da dies kein Lenchen ist, sondern
mein eigen Fleisch und Blut, kann ich recht sicher hoffen, daß ichs
in ein paar Wochen geschafft habe. «…» Amerika - Vermont -
unser blutiges Leben - und das ungeheure Erlebnis dieser Landschaft, und
die süße Gewalt unsrer Träume. Ich weiß, daß
es sehr gewagt ist, nach drei Jahren, eine amerikanische Geschichte zu
schreiben. Aber ich weiß, daß es richtig ist, weil ich nicht
anders kann. «…» Dieser Roman ist der Anfang. Das erste Mal,
nach dem Schock von 1938, der bei mir mehr verschüttet hatte als die
meisten wußten, - daß sich die Schleusen wieder aufgetan haben."
(Vermonter Roman, editorische Notiz) Nach dem erhalten gebliebenen, von
Zuckmayer handschriftlich überarbeiteten Typoskript erscheint dieser
Vermonter Roman im August 1996 erstmals bei S. Fischer.
-
1945 Noch vor Kriegsende entsteht auch die Erzählung Der
Seelenbräu aus der Erinnerung an die in Henndorf bei
Salzburg verbrachten Jahre.
-
1946 Im Herbst ist Zuckmayer Zivilangestellter der amerikanischen
Regierung und wird zur Berichterstattung über das kulturelle Leben
seines Heimatlandes nach Deutschland geschickt.
-
14.12.1946: wird im Schauspielhaus Zürich Des
Teufels General uraufgeführt - mit einer vom ersten
Augenblick an geteilten Aufnahme. Begeistert heißt es einerseits:
"Dieses Stück ist ein erstaunliches Phänomen: Auf einer abgelegenen
Farm an der amerikanisch- kanadischen Grenze, wo er sich nach seiner Flucht
im Jahre 1938 aus dem von Hitler besetzten Österreich eine neue, abenteuerliche
Existenz aufbaute, schuf Carl Zuckmayer seine atemberaubend-subtil und
doch radikal durchgeführte Abrechnung mit dem Nazitum und seinen Führern.
«…» Die bisher bekannten Stücke und Filme dieser Art,
größtenteils Importware aus Amerika, verblassen hinter Zuckmayers
Schöpfung fast allesamt als wenig besagende Schwarzweißmalerei.
Denn in diesem Stück ist die Nazi-Ideologie nicht zu Marionetten geschnitzt
- sondern hier sind die Menschen, die hinter den Zwingmauern des Dritten
Reiches lebten, auf die Bühne gerufen, um nach ihrer persönlichen
Entscheidung für oder wider den luziferischen Ungeist gewertet und
gemessen zu werden." (Sie & Er, Zofingen, 10. Januar 1947) Andererseits
wird festgestellt: "Vielleicht wenn man jeden einzelnen Zuschauer, die
sich »Des Teufels General« angeschaut haben, allein in das
Schauspielhaus hätte führen können, vielleicht wäre
ihre Reaktion eine andere gewesen. Ich will es wenigstens hoffen, der Kunst
zuliebe, dem politischen Sinne unseres Volkes zuliebe. Vielleicht würden
sie doch etwas von der Gefahr wittern, die von einem solchen Stück
ausgeht. Es mag sein, daß der Autor keine bestimmte Absicht hegte,
als er das Stück schrieb, Schriftsteller folgen ihren eigenen Gesetzen.
Um so gefährlicher ist es, wenn sich das Thema um Dinge dreht, die
um die böseste Wirklichkeit kreisen, und dann von den Zuschauern als
solche aufgefaßt werden. «…» Und nun, keine zwei Jahre
nachdem dies aufgehört hat, klatschen die Menschen einem Theaterstück
zu, das all jenes Schreckliche verwandelt, gleichsam lackiert, gewichst
und glänzend gebürstet aus dem Staube hebt, das ein Kreislein
um die »Schuldigen« zieht, so eng, daß nur wenige darin
Platz finden." (Margot Schwarz, Basler Nachrichten (Abendblatt), 21. Januar
1947). 1947 wird das Stück schließlich in Frankfurt a. M. aufgeführt.
Die Hauptperson des Stücks, General Harras, ist ein leidenschaftlicher
Flieger. Zuckmayer zeigt mit diesem Stück wie ein Mensch aufgrund
seiner Flugleidenschaft den Nationalsozialisten verfällt, obwohl er
die Partei eigentlich ablehnt. Das Stück lehnt sich an die Biographie
des berühmten Fliegers Ernst Udet, Generalflugzeugmeister der Deutschen
Armee an, der 1941 Selbstmord begeht.
Europa (1947-1977)
-
1947 Zuckmayer scheidet aus den Diensten der amerikanischen Regierung
aus und hält sich bis 1951 in Europa - hauptsächlich in Deutschland
- auf.
-
1947 Beginn der Herausgabe - noch im Exilverlag Bermann Fischer
- die Herausgabe einer ersten vierbändigen Gesamtausgabe der Zuckmayerschen
Werke. Und im November 1947 wird erstmals auch in Deutschland Des Teufels
General auf die Bühne gebracht - nachdem zuvor die amerikanischen
Kontrollbehörden eine Aufführung hier untersagt hatten. Auch
in Deutschland erlebt das Stück einerseits überaus positive Resonanz:
"Es war ein sehr kritisches Publikum anwesend, das sich nicht allein von
der Virtuosität eines Dramatikers, der Brillanz einer Aufführung,
Premieren-Atmosphäre und einer hinreißenden darstellerischen
Leistung bezaubern läßt - es wurde vor einem Publikum gespielt,
dem es nicht nur ein Anliegen bedeutete, Zuckmayer endlich mit diesem wichtigen
Werk auch in seiner Heimat vorgestellt zu sehen, sondern dem es ein nicht
minder bedeutendes Anliegen war, das Werk auch richtig verstanden und bis
in seine letzten Schlüsse begriffen und geprüft zu wissen. Und
da bleibt eindeutig festzustellen, daß »Des Teufels General«
allen Versuchungen und Mißdeutungen nach der verkehrten Seite nicht
nur großartig standgehalten, sondern die ihm vom Autor zugedachte
Aufgabe restlos erfüllt hat: Wer mit dem Teufel geht, der ist und
bleibt des Teufels, mag er persönlich auch noch so ein netter Kerl
sein und noch so plausible Motive anführen." (Emil Belzner, Rhein-Neckar-Zeitung,
Heidelberg, 29. November 1947) Aber auch hier entspinnt sich um das Stück
sehr schnell eine lebhafte öffentliche Diskussion: "Zwei Tage später,
nach einer weiteren Aufführung im Börsensaal, hielt ich die erste
Diskussion mit jungen Deutschen über das Stück, von Peter Suhrkamp
veranlaßt. Fragen wurden gestellt, Bekenntnisse abgelegt, von einer
spontanen Offenheit, die uns alle überwältigte. Das Herz dieser
Jugend schien aufgerissen. Selbst die Gestalt des »Saboteurs«
Oderbruch, vielleicht die einzige »abstrakte«, nicht ganz menschgewordene
Figur des Stückes, weil sie für mich mehr ein Symbol der Verzweiflung
als eine handelnde Person gewesen war - selbst diese schwer begreifliche
Gestalt gab Anlaß zu produktiver Erregung und Auseinandersetzung.
Von da ab kannte ich meine Aufgabe." (Als wär´s ein Stück
von mir, S. 653) Eine Schweizer Zeitung faßt die Diskussionen in
Deutschland wie folgt zusammen: "Auf der einen Seite stehen die Fortschrittlichen,
welche die Wiedergabe dieses Stückes in Deutschland für geradezu
schädlich halten. Sie verweisen darauf, daß es freilich antinationalsozialistisch
ist, jedoch in seiner Verherrlichung des Militärischen eine durchaus
nicht wünschenswerte Wirkung hat. Ein Wiedererwachen des Nationalsozialismus
ist in Deutschland kaum zu befürchten, wohl aber spielt der Militarismus
eine immer noch verhängnisvolle Rolle im Denken der Menschen und besonders
der jungen Generation. Ganz abgesehen davon, daß bei Zuckmayer das
Militär als Mitläufer gezeichnet wird «…», läßt
sich die Jugend von dem Anblick der Uniformen und Orden begeistern, sieht
im Nazi freilich den schlechten Kerl, in den Fliegeroffizieren aber trotz
ihrer Schwächen lauter sympathische Gestalten und wird so in der noch
längst nicht überwundenen Verehrung des Militarismus bestärkt."
(Tages-Anzeiger, Zürich, 14. Februar 1948)
-
Ende 1948 erleidet Zuckmayer nach einer
Diskussionsreise um Des Teufels General einen Herzinfarkt. Während
der Genesungszeit entsteht Der Gesang im Feuerofen
"-
eine andere Auseinandersetzung mit dem Geschehen der furchtbaren Zeit,
auf metaphysischer Ebene, wenn auch im realen Milieu der deutschen Frankreichbesetzung
und der französischen Résistance." (Als wär´s ein
Stück von mir, S. 654). Das Stück wird am 3. November 1950 in
Göttingen uraufgeführt (ein Jahr nach der Uraufführung des
historischen Stoffes Barbara Blomberg in Konstanz) und erlebt eine positive
Resonanz: "Carl Zuckmayer ist unter den deutschsprachigen Bühnenschriftstellern
heute der erfolgreichste. Zwanzig Bühnen warteten nur auf den offiziellen
Startschuß, auf die Uraufführung in Göttingen, um das neue
Schauspiel »Der Gesang im Feuerofen« dann selbst einzustudieren.
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte es nach des »Teufels
General« und Borcherts »Draußen vor der Tür«
das dritte deutsche Nachkriegsstück sein, das auf dem Theater allgemein
Widerhall findet. «…» Im stofflichen Vorwurf, kaum weniger
attraktiv als »Des Teufels General«, überragt Zuckmayers
»Gesang im Feuerofen« das frühere Stück durch die
ethische Ausbalancierung der politischen Gewichte. Die Gestalt des Verräters
als zeittypische Erscheinung lotet tiefer, die Handlung ist auch dramaturgisch
ausgewogener." (Johannes Jacobi, Rheinische Post, Düsseldorf, 6. November
1950) Daß Zuckmayer dieses Mal Gewichtungen vorgenommen und eindeutiger
Stellung bezogen habe, bemerkt auch K.H. Ruppel: "Zuckmayer hat hier zum
erstenmal den Boden der Realität, dem bisher alle seine Stücke
entwuchsen, verlassen. Über die Handlungsebene erhebt sich eine zweite,
auf der sich die Deutung vollzieht, von der aus der Dichter seine Mahnungen,
Warnungen und Beschwörungen an die Menschen richtet." (Das literarische
Deutschland. Zeitung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Herausgegeben im Auftrag der Akademie von Gertrud von le Fort, Rudolf Alexander
Schröder, Bruno Snell, Gerhard Storz und Frank Thieß, Heidelberg,
Jg. 1 (1950), H. 2, S. 11)
-
1949 Uraufführung Barbara Blomberg
in Konstanz
-
1951-1958 Amerika wird wiederum ständiger Aufenthaltsort Zuckmayers,
das er lediglich zu verschiedentlichen längeren Reisen nach Europa
verläßt..
-
1952 Zuckmayer erhält den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt
a.M. und wird Ehrenbürger von Nackenheim.
-
1952 Auf Wunsch von Gerhart Hauptmanns Witwe vollendet Zuckmayer
dessen hinterlassenes Stück »Herbert Engelmann«
(uraufgeführt 1952 in Wien).
-
1953 Außerdem entsteht Ulla Winblad,
eine Neufassung des Stücks Bellman aus dem Jahr 1938. Es wird 1953
in Göttingen uraufgeführt.
-
1954/55 Es entsteht Das kalte Licht,
ein Stück, das in der Kritik geteilte Aufnahme findet und Diskussionen
auslöst. Das Drama wird 1955 in Hamburg uraufgeführt. Zuckmayer
selbst erläutert sein Drama u.a. wie folgt: "Im Lauf der letzten fünfzehn
Jahre ereignete sich in der westlichen Welt eine Reihe von Spionagefällen,
die sich von denen früherer Epochen grundsätzlich dadurch unterschieden,
daß sie weder um der Bezahlung willen noch in militärischi Auftrag,
sondern lediglich auf Grund eines persönlichen Gesinnungsentscheids
ausgeführt wurden. «…» Geschichte und Hintergrund solcher
Fälle scheinen ein besonderes Schlaglicht auf die geistige und ethische
Problematik, man kann auch sagen: Verwirrung des Menschen in unserer Zeit
zu werfen. «…» Das vorliegende Drama versucht, einen solchen
Fall darzustellen, und zwar nicht in der Form des dokumentarischen Reports,
sondern durch das Medium einer erdachten Fabel. In gewissen Zügen
seines äußeren Ablaufs lehnt es sich an die Geschichte des in
England verurteilten Atomspions Dr. Klaus Fuchs an. «…» Es
gibt keine Schlüsselfiguren und keine synthetischen Modelle, sondern
alle, die hier auftreten, fungieren ausschließlich als Dramatis Personae,
in einem Schauspiel, das um seiner selbst willen entstand. «…»
Vor alli: im Hinblick auf ihren menschlichen Aspekt. Denn das Thema des
Stückes ist nicht die Spaltung des Atoms, sondern die Krise des Vertrauens.
Weiter gespannt: Die Denk- und Glaubenskrise der Gegenwart." (Nachwort
zu dem Drama »Das kalte Licht«. In: Stuttgarter Zeitung, 3.
September 1955) Willy Haas schreibt nach der Uraufführung: "Wenn Dr.
Klaus Fuchs, der Atomspion, spätestens 1964 aus dem Kerker kommt,
wird er dieses Drama vermutlich noch auf der Bühne sehen können,
das in großen Umrissen von seinem Leben und Schicksal handelt - so,
wie Clavigo noch Goethes Drama gesehen hat. Denn es wird wahrscheinlich
noch 1964 gespielt werden, vielleicht noch sehr lange danach …" (Die Welt,
Hamburg, 5. September 1955)
-
1955 Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit
Stern.
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1957 Ehrendoktor der Universität Bonn.
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1958 Im Juli kehrt Zuckmayer endgültig nach Europa zurück,
in ein Haus in Saas-Fee in der Schweiz. Der Dichter ist in diesen Nachkriegsjahren
eine anerkannte Persönlichkeit, eine Autorität geworden. Seinen
Theaterpremieren fiebert eine große Öffentlichkeit gespannt
entgegen. Seine Meinung, seine Reden sind gefragt.
-
1958 Die Erzählung Der trunkene Herkules
entsteht.
-
1959 Die Erzählung Die Fastnachtsbeichte
schließt
sich an.
-
1960 Carl Zuckmayer bersorgt zum zweiten Mal im S. Fischer Verlag
eine Auswahl Gesammelter Werke, in der das erzählerische Werk deutlich
breiteren Raum als früher einnimmt: Der frühe Erzählband
Ein Bauer aus dem Taunus und andere Geschichten aus dem Jahr 1927 bleibt
unangetastet; es folgen Die Affenhochzeit (1932), Eine Weihnachtsgeschichte
(1931), Eine Liebesgeschichte (1933) und weitere frühe Erzählwerke
bis hin zur Fastnachtsbeichte aus dem Jahr 1959.
-
1960 Großer Österreichischer Staatspreis
-
1961 Neben diesen Bemühungen, die eigene literarische Entwicklung
der Öffentlichkeit zu dokumentieren, steht aber auch weiterhin aktive
dramatische Produktion. Am 14. Oktober 1961 wird am Wiener Burgtheater
Die
Uhr schlägt eins uraufgeführt, ein Stück,
das Zuckmayer im Untertitel Ein historisches Drama aus der Gegenwart nennt.
In einem Interview skizziert der Dichter sein Anliegen: "Es geht, wie in
den meisten meiner Stücke, um menschliche Schicksale unserer Zeit,
in ihrer tiefen Widersprüchlichkeit, in ihrer unentrinnbaren Verbundenheit
mit allem Geschehen, und gleichzeitig um ihre Unabhängigkeit im eigenen
Ich, d.h. in ihrer Seele. «…» Die Idee zu diesem Stück
hatte ich in dem Jahr, in dem es tatsächlich spielt. Das Stück
spielt nämlich in den Jahren 1953 und 1954, genau in der Zeit, in
der die Wunden des Zweiten Weltkrieges zu verheilen schienen und es so
aussah, als ob sich wieder eine Friedenswelt vorbereiten wolle. Jedoch
sind sämtliche unheilvollen Kräfte, sämtliche Dinge, die
geschehen sind, in den Menschen noch vorhanden und verfolgen sie." (Carl
Zuckmayer und Heinz Rosenthal, Gespräch über das Stück.In:
Blätter des Deutschen Theaters Göttingen, Spielzeit 1961/62,
Heft 200) Der Premierenabend wird begeistert aufgenommen, wobei nicht nur
Piero Rismondo darauf verweist, daß Zuckmayer in Gestalt von Heinz
Hilpert ganz offensichtlich im Laufe der Jahre ein kongenialer Regisseur
erwachsen ist, der es versteht, dramaturgische Unebenheiten der Vorlage
auf der Bühne vergessen zu machen: "Eine Zuckmayer-Uraufführung
ist eine Zuckmayer-Uraufführung, auch wenn sie, wie in diesem Falle,
einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterläßt. Ein Autor
ist ein Autor, auch wenn ihm, wie in diesem Falle, die Gestaltung nicht
bis zu Ende gelungen zu sein scheint. Was bleibt, ist genug. Genug, damit
der Regisseur Heinz Hilpert ein ganzes Stück daraus forme und es dem
Autor als Geschenk darreiche." (Die Presse, Wien, 17. Oktober 1961)
-
1961 Zuckmayer erhält die Ehrenbürgerschaft von Saas-Fee.
-
1962 Ehrenbürgerschaft von Mainz.
-
1964 In der Zeit zwischen 1879 bis 1899 angesiedelt ist Zuckmayers
nächstes Stück Das Leben des Horace A.W.
Tabor, das im November 1964 in Zürich uraufgeführt
wird. Daß das Stück - die Fabel geht auf reale Personen amerikanischer
Goldgräberzeiten zurück - als Anachronismus aufgefaßt werden
konnte, hat Zuckmayer selbst gesehen und vor der westdeutschen Erstaufführung
in Mainz ein Plädoyer für sein Verständnis des Menschseins
geschrieben, wie er es auch auf der Bühne vermittelt sehen wollte:
"Solche Königsdramen könnten sich heute, in einer verwandelten
«…» Gesellschaft unter der »Herrschaft der Apparatur«
kaum mehr abspielen. Im Zeitalter der Gruppenschicksale kommt es auf das
Verhalten des Einzelmenschen, dem etwas »von Gottes Gnaden«
zufällt, Glück oder Verhängnis, anscheinend nicht mehr an.
Zutiefst aber bleiben die Gesetze des menschlichen Verhaltens, die letzten
Endes über Wert und Unwert, Sinn oder Sinnlosigkeit eines Lebens entscheiden,
unverändert. Die Relation zwischen Mensch und Schicksal (also Gottesmacht)
kann sich harmonisch oder disharmonisch entwickeln und auflösen. Hier
ergibt sich die Auflösung in Heiterkeit, Güte und Selbstbescheidung:
also in Harmonie. Auch das kann »heute noch« gezeigt werden,
vielleicht ist es »morgen« sogar wieder verständlicher."
(Wiesbadener Tageblatt, 16. Oktober 1965) Daß man Zuckmayer in diesem
Sinne kannte und erkannte, zeigen eine Reihe von Kritiken, und auch Petra
Kipphoff stellt am Ende ihrer Rezension fest: "Zuckmayer hat sich nicht
angepaßt, nicht anpassen wollen und können, weil das seiner
Natur zutiefst entgegen gewesen wäre. Dafür war das, was er bisher
geschaffen hat, eben doch nicht farblos und austauschbar genug. Und selbst
wenn man mit Friedrich Luft seine Zweifel hat und aus Anlaß des »Tabor«
fragt: »Geht das heute noch?« - so ist man, unabhängig
von der Antwort auf diese Frage, gerade wenn man Zuckmayer und das für
ihn Charakteristische liebt, dankbar für diese selbstbewußte
Hartnäckigkeit inmitten einer freudig flexiblen, hektisch die Maßstäbe
auswechselnden Welt." (Die Zeit, Hamburg, 27. November 1964)
-
1966 Auf ganz außerordentliche Resonanz stößt die
Veröffentlichung von Zuckmayers Lebenserinnerungen Als
wär's ein Stück von mir, Horen der Freundschaft,
die gleich nach Erscheinen zum »Buch des Monats« gekürt
wurden und die allein im Fischer Taschenbuch bis heute 27 Auflagen erreicht
haben. Damalige Rezensenten stellten fest: "Diese Autobiographie ist die
ganz persönliche Sozialgeschichte eines halben Jahrhunderts, erzählt
gleichsam für die Freunde am Kamin. Geschichte - »als wär's
ein Stück von mir«. Auch unter diesem Gesichtspunkt nimmt Carl
Zuckmayers Buch einen hohen Rang in der selbstbiographischen Literatur
deutscher Sprache ein." (J. O. Zöller, Rheinischer Merkur, 14. Oktober
1966). "Die gewinnende Vitalität, die von Zuckmayers besten Werken
ausgeht, ist auch diesem Erinnerungsbuch eigen. Dieses Bekenntnis zum Leben
gibt ihm die eigenartige Strahlungskraft. Und weil dies heute »eine
seltne Distinktion« geworden ist, wurde dieser Memoirenband mit so
lebhaftem Echo aufgenommen. Er ist das schönste Geschenk, das »Zuck«
sich selbst zum 70. Geburtstag machen konnte." (Otto F. Beer, Neues Österreich,
10. Dezember 1966). "Ein reiches Buch, saftig, humorig und so hautnah erzählt,
wie man es von Zuckmayer gewöhnt ist, gewürzt jedoch auch mit
weiser Alterseinsicht, die in ihrer überlegenen Haltung nie Bitterkeit
aufkommen lässt. Das Buch eines Zeitgenossen, der uns nicht nur sich
selber, sondern auch zahllose, berühmte und weniger berühmte
andere Zeitgenossen in charakteristischi Erkennen nahebringt - »als
wär's ein Stück von mir«." (Der Bund, 20. Dezember 1966)
"Er hat eine sympathische, altmodische Art, daran zu erinnern, daß
sich hinter dem programmatischen Begriff Menschlichkeit lebendige Menschen
verbergen. So wie Zuckmayer an der Gestalt des Schusters Wilhelm Voigt
im »Hauptmann von Köpenick« deutsche Obrigkeits- und Uniformgläubigkeit
eindrucksvoller entlarvt, als es flammende Protestschriften und bissige
Essays vermöchten, so erklären und deuten auch Zuckmayers autobiographische
Rhapsodien vielfach besser die Zeit als historische Analysen." (Jürgen
Leinemann, Wiesbadener Tageblatt, 25. November 1966) "Es ließe sich
noch viel Amüsantes und Interessantes aus dem Buch zitieren, denn
bei aller Verhaftung im Persönlichen, Privaten, sind diese Erinnerungen
doch wertvolle Mosaiksteine zum Bild einer Zeit, die unsere Gegenwart entscheidend
vorgeprägt hat. Ein farbenreicher Zeitspiegel und eine kurzweilige
Lektüre, wie man sie nicht alle Tage findet." (Hamburger Abendblatt,
8./9. Oktober 1966) "Es ist - das Wort im umfassendsten Sinne verstanden
- ein schönes Buch. Von wievielen anderen ließe sich das in
unseren Tagen sagen?" (Günter Blöcker, Süddeutsche Zeitung,
8. Oktober 1966)
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1967 Aus Anlaß des siebzigsten Geburtstags des Dichters findet
im Januar in Zürich eine Veranstaltung statt, die, eingeleitet durch
Lesungen aus seinen Werken, auch den Einakter Kranichtanz
zur Uraufführung bringt - Schlußakt eines Anfang der 60er Jahre
versuchten Dramas, das ungeschrieben blieb.
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1972 Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf wird
erstmalig verliehen. Erster Preisträger ist Zuckmayer.
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1972 Gründung der Carl Zuckmayer-Gesellschaft
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1975 Zuckmayers letztes Stück, Der Rattenfänger,
wird in Zürich uraufgeführt. Die Fabel, wie Zuckmayer es im Untertitel
nennt, die den berühmten mittelalterlichen Sagenstoff aus Hameln variiert,
zieht die Zuschauer in Scharen nach Zürich und erlebt einen großen
Erfolg - Beifall, der einmal mehr auch der Unerschütterlichkeit der
Auffassungen und Anschauungen des Dichters gilt: "Es mag kein »großes«
Stück sein. Ein humanes Stück ist es in jedem Fall. Ein Stück,
das am Ende eines Lebensweges steht, auf einer Summe von Einsichten gewachsen
ist. Zuckmayer, der 79jährige, läßt nicht locker, seine
Sache mit staunenswerter Energie und Phantasie zu vertreten." (Kurt Heinz,
Mannheimer Morgen, 25. Februar 1975)
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1975 Erstes Erscheinen der Zuckmayer-Blätter, hrsg. von der Carl
Zuckmayer-Gesellschaft
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1976 Zuckmayer erhält eine Festschrift zum 80. Geburtstag.
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18.01.1977 Tod in Visp, Schweiz im 81. Lebensjahr
Nachruhm (1977-heute)
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1983 Die musikalische Bearbeitung von Die Fastnachtsbeichte in Giselher
Klebes gleichnamiger Oper, wird in Darmstadt uraufgeführt und zeigt,
dass auch Prosa den Weg in dieses Medium finden kann.
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1992 Tod von Alice Herdan-Zuckmayer
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1998 Das Zuckmayer-Jahrbuch der Carl Zuckmayer-Gesellschaft ersetzt
die Zuckmayer-Blätter.
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Einrichtungen, die den Namen Carl Zuckmayers tragen:
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Carl Zuckmayer-Straßen, -Wege, -Plätze etc. gibt es in:
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40699 Erkrath
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Bergkamen
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31515 Wunstorf
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55127 Mainz-Drais
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69126 Heidelberg
-
59427 Unna
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68169 Mannheim
-
55299 Nackenheim (Str. und Platz)
-
66386 St. Ingbert
-
65582 Diez (nur Zuckmayer-Str.)
-
55232 Alzey (Weg)
-
32657 Lemgo (Weg)
-
Lippe (Weg)
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A 5020 Salzburg
Internet
Zitate
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zur Literatur:
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Das Märchen ist ein ungetrübter Niederschlag der menschlichen
Seele.
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Das Theater ist weder eine Schulstube noch ein Priesterseminar. Die Leute
sollen entweder lachen oder flennen. Oder beides.
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zur Philosophie:
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Die Welt wird nie gut, aber sie könnte besser werden.
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Das richtige Lachen ist der Beginn des richtigen Denkens und Empfindens.
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Das Mittelmaß kann man nicht enttäuschen.
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Erinnerungen sind ein goldener Rahmen, der jedes Bild freundlicher macht.
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Wer das Gefühl zugunsten des reinen Intellekts ausschalten oder rationalisieren
will, hat keinen Verstand
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Die einzige dauerhafte Form irdischer Glückseligkeit liegt im Bewusstsein
der Produktivität.
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Das Böse in der Welt lebt nicht durch die, die Böses tun, sondern
durch die, die Böses dulden!
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"`Ewige Rechte und ewige Freundschaft soll man bestätigen und befestigen
mit Schrift, weil im Laufe der Zeit vergangener und vergänglicher
Dinge bald vergessen wird.´ In diesem Satz liegt der Sinn meiner
Erzählung." (aus: Als wär´s ein Stück von mir, das
Zitat stammt aus dem Bürgerbrief der Gemeinde Saas-Fee)
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zum Alltag:
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Wenn Du Kartoffeln oder Spargel isst, schmeckst Du den Sand der Felder
und den Wurzelsegen, des Himmels Hitze und den kühlen Regen, kühles
Wasser und den warmen Mist.
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Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum!
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Wer schwimmt, soll den Mund halten, bis er ein Ufer oder wenigstens ein
festes Floß erreicht hat. (aus: Carl Zuckmayer/Karl Barth in Briefen,
Späte Freundschaft, Zürich 1979)
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zu Leben und Tod:
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Ich schaue ins Tal, dort laufen die Wege zusammen, die vielfach verschlungenen,
die ich gegangen bin, und ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: dahinter
ist die Unendlichkeit, welche durch alle Weltraum- und Kernforschung nie
ganz ergründbar sein wird, so wie der Tod, der Austritt aus dem bewussten
Leben, der große Übergang, durch alle Findung der Biologie und
Genetik nie seines letzten Geheimnisses entkleidet wird. (aus: Als wär's
ein Stück von mir)
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Die Freunde sterben nicht. Sie stehen mitten in unserem Lebenskreis: oft
vernehmen wir ihre Stimmmen, im Schlaf oder im Wachen, oft spüren
wir, sie sind mit uns
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Ich halte das meiste in meinem Leben für Glück, auch das Pech.
Carl Zuckmayer (wenige Wochen vor seinem Tod)
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zu Exil und Deutschland:
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Die Fahrt ins Exil ist "the journey of no return". Wer sie antritt und
von der Heimkehr träumt, ist verloren. Er mag wiederkehren - aber
der Ort, den er dann findet, ist nicht mehr der gleiche, den er verlassen
hat, und er selbst ist nicht mehr der gleiche, der fortgegangen ist.
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Wie schön Deutschland ist, wenn man ganz weit weg ist und nur immer
dran denkt
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