Aus der Festschrift 1999:
Die Leiden eines Jugendleiters
Oder: Was ist schlimmer, Kinderprobe oder Zahnweh?

Jetzt pressierts aber! Daß ich aber auch immer, wenn Probe ist nicht zeitig aus dem Geschäft komme! Noch schnell unter die Dusche, eine Brotzeit wäre auch nicht schlecht, und kein Brot daheim und sowieso schon zu spät dran. Die Kinder werden schön umhauen. Ist egal, der Trachtenheimwart schaltet sein Hörgerät eh aus, wenn`s ihm zuviel wird. Am Vereinsheim angekommen. Merkwürdig ruhig ist es aber da drin. Ja seits ihr zwei allein? Geht meine Uhr falsch? Prob´ haben wir heute schon, oder? Unwirsches Achselzucken bei den Jungtrachtlern – wie konnte ich Sie auch beim Neunerln draus bringen! Na gut dann machen wir ein Intensivtraining. “Der Schlechinger” ist letzte Woche gar nicht gut gegangen. Begrenzte Begeisterung bei den Buben. Aber ihr “Ohhhhh” wird jäh unterbrochen: Überfallartig stürmt etwa ein Dutzend Dirndl und Buam zur Tür herein: “Grüaß di” – “Servus” – “Geh weg du Depp” – “Was ham wir heid Hausi aufkriagt” – “I kon heid ned Plattln, mei Fuaß tuad ma weh” – “Mit´m Seppi tanz I fei heid ned, höchstens mit der Evi” – “De Buam müssen aber auch irgendwie den Walzer lernen” – “Was Walzer? Des geht ja gar ned! Des konn I ned”. Unendliche Geduld heuchelnd seufe ich: “dafür proben wir ja”. Der Ziachara ist mittlerweile auch angekommen und packt seine Steirische aus dem Rucksack. Drei Aktive Dirndl sind zu früh; “mia gehen derweil zum Eisessen” verdrücken sie sich genervt. Das Eintreffen der Vortänzerin löst wiederum lautstarkes “Hallo” Und “Grüaß di” aus, und “gell, heut hab I dich schon einmal gesehen. Wer war den des, wo du hint auf dem Motorradl gsitzt bist?” Der Musikant ist zwischenzeitlich so in eine Melodie vertieft, daß er erst beim dritten Anruf reagiert: “Bitte, den Schlechinger, aber mit Eingang und Trio!”... Eine dreiviertel Stunde später ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Eltern haben ihre Sprößlinge abgeholt und nur ein Pullover und ein Haargummi sind liegengeblieben. Der Trachtenheimwart lehnt am Kachelofen. Sein Hörgerät hat er nicht abgestellt. Statt dessen hat er es vorgezogen für eine “Halbe” zum Wirt nebenan zu gehen: “Wia is` den heid ganga?” “Ganz guat. Die Kinder waren recht ruhig und handsam, und fest bei der Sach". Zahnweh ist dann doch viel schlimmer, das kann einen die ganze Nacht martern!
Franz Mauerer


Helmut Zenz