Historisches aus und über Bayern

Bairische Biographien
15. Jahrhundert
Das bayerische Volk ist kirchliche, schlecht und recht, geht und läuft gerne wallfahrten, hat auch viele kirchliche Aufzüge; legt sich mehr auf den Ackerbau und die Viehzucht als auf den Krieg, dem es nicht sehr nachläuft; bleibt gerne daheim und zieht nicht viel zu Feld in fremde Länder; trinkt sehr, macht viele Kinder; ist etwas unfreundlicher und eigensinniger, wie es geht bei Leuten, die nicht viel hinauskommen, gern daheim alt werden, wenig Handel treiben und fremde Länder und Gegenden heimsuchen.
Der gemeine Mann, der auf dem Lande sitzt, gibt sich mit Ackerbau und Viehzucht ab, liegt dem allein ob, darf sich nichts ohne Geheiß der Obrigkeit unterstehen, wird auch in keinen Rat genommen oder in die Landschaft berufen. Doch ist er sonst frei, mag auch freies, lediges, eigenes Gut haben, dient seinem Herrn, der sonst keine Gewalt über ihn hat, mit jährlicher Gült, Zins und Scharwerk, tut sonst, was er will, sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt, tanzt, kartet, spielt, mag Wehr tragen, Schweinsspieß und lange Messer. Große und überflüssige Hochzeiten, Totenmahle und Kirchweihen zu haben ist ehrenhaft und unsträflich, gereicht keinem zum Nachteil, bekommt keinem übel.
In Niederbayern, wo man das Rechtsbuch nicht gebrauchtg, sitzen sie an der Landschrannen und müssen das Urteil schöpfen, auch über das Blut richten. 
Die von den Ständen sind Prälaten, Adel, Bürger. Prälaten haben große, mächtige, reiche Gotteshäuser, sollten Tag und Nacht zu bestimmter Zeit des Gottesdienst mitsamt ihren geistlichen Brüdern warten, Gott und seine Heiligen loben und ihnen danken und für die Fürsten, die solche Klöster, Pfründen und Stifter gestiftet haben, bitten. Man will wissen, sie seien reicher und vermöchten mehr denn die anderen zwei Stände mitsamt den Fürsten und hält sie für mächtiger. Der Adel wohnt auf dem Land außerhalb der Städte, vertreibt seine Zeit mit Hatzen und Jagen; sie reiten nicht zu Hof, außer wer Dienst und Sold hat. Die Bürger regieren ihre Städte und Märkte selbst, sind Handwerksleute, Wirte, Bauern, etliche Krämer, Pfragner oder Fürkäufler, die armen Tagwerker und Taglöhner. Ganz wenige haben ein Auskommen von ihren Gülten und Zinsen und jährlichem Einkommen oder Ertrag und werden "die von dem Geschlecht" genannt. Es sind auch wenige Kaufleute, die großen Handel führen. 
Die Fürsten haben volle Gewalt, in allen Dingen, so Land und Leute betreffen, zu handeln, es sei denn, daß man Krieg führen muß oder Steuer und dergleichen anlegen soll oder Zwietracht und Uneinigkeit zwischen den Herrn erwachsen und entstanden ist. Wenn dergleichen große, seltsame, ungewöhnliche Sachen vorfallen, werden die Stände alle drei an einem bestimmten Ort auf einer ausgeschriebenen Tag in eine Landschaft zusammengefordert; ein jeglicher von den Prälaten und dem Adel erscheint für sich selber, die Bürger und Städte schicken einen oder zwei aus ihnen.

Helmut Zenz