Aus der Festschrift 1999:
Theater in Obing (1884-1999)
von Werner Schubert

Theaterspielen ist eine Leidenschaft. Obinger Theatergruppen sind seit 1884 belegbar und die Lust dazu, durchzieht nahezu alle Obinger Vereine. Heute gibt es noch zwei große Theatergruppen. In der Fastenzeit spielt die Theaterabteilung des Turnvereins in der Adventszeit die Theatergruppe des Trachtenvereins Albertaich-Frabertsham. Dazwischen kann man auch heute noch Einakter und Sketche auf Vereinsversammlungen, Altennachmittagen und anderen besonderen Anlässen bei den unterschiedlichsten Vereinen sehen. Beide Festvereine haben Theatergeschichte geschrieben und reihen sich damit nahtlos in die Obinger Theatergeschichte ein.

Von 1884 bis 1910 - Die Erste "Theatergesellschaft" In Obing

Die erste Theatergruppe, genauer "Theatergesellschaft" in Obing gehörte zu den ältesten Theaterbühnen im bayerischen Raum überhaupt. Sie wurde am 23. November 1884 im heutigen Gasthof "Zur Post" von 11 Männern gegründet. Ihr berühmtester Spieler war der spätere Theaterdirektor vom Schlierseer Bauerntheater "Xaver Terofal", der 1886 als Wirt den Gasthof "Zur Post" in Obing übernommen hatte. In der Ortschronik heißt es, die Gruppe sei unter der Krieger- und Soldatenkameradschaft gegründet worden.

Ab 1891- Krieger- und Soldatenkameradschaft Obing (KSK)

Nur mehr wenig ist allerdings aus der Chronik und den alten Überlieferungen über das Theaterspielen bei der 1871 gegründeten KSK bekannt. Nur so viel, daß 1891 anläßlich des 20jährigen Gründungsfestes des Vereins im heutigen Gasthof "Zur Post", das Theaterstück "Die Bauernschlacht bei Sendling in der heiligen Christnacht 1705" aufgeführt wurde. 1899, vor hundert Jahren also, spielte man das Stück "Der Krieg 1870/71". Es wurden ausschließlich militärische Stücke gespielt. Heute spielt man noch gelegentlich bei Vereinsfeiern "Einakter oder Sketche" über die Rekrutenzeit.

Von 1908 bis 1933 - Der Katholische Männerverein

Die erste Christbaumfeier des Männervereins fand am 17. Dezember 1905 nachmittags um 17.00 Uhr im Ober´schen Gasthaus statt. Der Reinerlös wurde zur Abzahlung der neuen Theaterbühne hergenommen. Ab Weihnachten 1908 wurde bereits mit Theateraufführungen begonnen. Am 14. Januar 1909 wurde die Aufführung sogar mit dem Besuch seiner Durchlaucht "Herzog von Leuchtenberg" beehrt. "Durchlaucht" sprach sich über das Stück "Die Junggesellensteuer" und die Leistung der Spieler sehr lobenswert aus. Der Schneidermeister Alfons Auer sen. war bis zu seinem Tod am 11. November 1933 Theaterleiter. Der Verein wurde durch die Gewaltherrschaft der Nazis unterdrückt und schließlich ganz verboten. Da die Gefahr der Beschlagnahme des gesamten Vereinsvermögens bestand, wurde die Theaterbühne an den Gastwirt und Herbergsvater Max Ober verkauft. Von 1909 bis 1933 wurden 20 Theaterstücke aufgeführt, unter anderem Stücke, die unter den älteren Leuten noch gut in Erinnerung sind: "Der Müller und sein Kind"; "Gesühnt", "Der Freischütz" oder "Die Räuber auf Maria Kulm". Diese Stücke brauchten damals schon ein großes schauspielerisches Können und viel Garderobe. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es vom Männerverein aus nicht mehr zum Theaterspielen, aber ihre Bühne beim Ober wurde weiter genutzt, zunächst von den Obinger Trachtlern unter Leitung von Ludwig Auer, der in die Fußstapfen seines Vaters trat.

Ab 1910 - Theaterabteilung im Turnverein Obing

Am 5. Oktober 1910 schloß sich die Theatergesellschaft Obing dem Turnverein Obing an. Sie wurde unter seinem Dach als Abteilung unter ihrem Leiter und Regisseur Josef Römersberger geführt.

Ein gutes Verhältnis hatte man mit dem Männerverein Obing, man tauschte Spieler und Kulissen gegenseitig aus.

Die Theatergruppe des Turnvereins spielte sporadisch sogar während des Zweiten Weltkriegs. Denn Josef Schützinger, der von 1936 bis 1956 die Geschicke der Gruppe führte, organisierte Frauen und Mädchen, um im Lazarett in Sparz bei Traunstein für die verwundeten Soldaten Theater zu spielen.

1948 trat die Theatergruppe des Turnvereins erstmals nach dem Krieg wieder an die Öffentlichkeit. Malermeister Adolf Eder renovierte die sehr in Mitleidenschaft genommene Theaterbühne, besonders die Kulissen und den Vorhang. Es wurden hauptsächlich Wildererstücke aufgeführt, später ging man auf Lustspiele über. Von 1920 bis 1999 wurden ca. 90 verschiedene Stücke gezeigt. Dabei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein Stück zwei Mal gespielt, nämlich "Der verkaufte Großvater". Anlaß für diese Ausnahme war ein Wettbewerb des bayerischen Rundfunks, bei dem man mit einer Urkunde und großem Lob ausgezeichnet wurde. Eine große Leistung vollbrachte die Theatergruppe, als 1981 auf Initiative vom späteren Theaterleiter Werner Schubert die Bühne dank großzügiger Spender und in 512 freiwilligen Arbeitsstunden von den zahlreichen Helfern total neu renoviert werden konnte.

Ab 1932 - Trachtenverein Albertaich-Frabertsham

1932 wurde von den aktiven Theaterspielern des Trachtenvereins Albertaich-Frabertsham anläßlich der Christbaumfeier, zum ersten Mal ein Einakter aufgeführt. Es folgten in den dreißiger Jahren weitere Einakter oder Sketche anläßlich von Christbaumfeiern und Heimatabenden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde 1946 mit dem Stück "Der Streithans´l" in Frabertsham der Vorhang der Theaterbühne des Trachtenvereins Albertaich-Frabertsham wieder geöffnet. Als Spielleiter fungierte damals der Reiterberger Ludwig, der dieses Amt lange Jahre ausführte. In dieser Zeit wurde der Entschluß gefaßt, eine richtige Theaterbühne zu bauen. "Gesagt" - "getan", aber zur Zeit der Währungsreform war das gar nicht so einfach. Vieles gab es, nur kein Geld. Improvisationstalent war gefragt. Der erste Theatervorhang verhüllte früher die Altarbilder der Albertaicher Kirche. Die anfallenden Rechnungen wurden mit Spenden und Naturalien (Schmalz und Fleisch) bezahlt. Die von Löw Schorsch konstruierte Bühne wurde vom Dieplinger Hias aus Honau bemalt. Am 3. März 1948 wurde die neue Bühne schließlich "eingeweiht". Jetzt konnte es so richtig los gehen mit dem Theaterspielen, bis Anfang der siebziger Jahre. 1950 spielten die Mitglieder der Theatergruppe auch zu Gunsten von neuen Kirchenglocken für Albertaich. Nach einer kleinen Flaute im Vereinsleben, die auch das Theaterspielen betraf, brachte Nikolaus Lengl im Blick auf das 60jährige Gründungsfest wieder Schwung in den Verein. Auch die Theatergruppe wurde nach 10jähriger Pause wieder aktiv. Nicht zuletzt wurde damit auch die Vereinskasse wieder einigermaßen aufgefüllt. Wie es jetzt weitergeht, nachdem der Besitzer des Vereinslokals, den Gasthof "Zur Post" wegen finanziellen Schwierigkeiten schließen mußte, ist noch unsicher; und das nachdem man in gemeinsamer Arbeit die alte Bühne und den Saal gerade wieder so richtig auf Glanz gebracht hatte. Doch keiner kann glauben, daß das Frabertshamer Theater nicht irgendwie weiterleben wird.

Eine Anekdote zum Theater: Es war beim “dalkerten Buam”: Der Pfisterer Engelbert ist mit dem Bacher Girgl, dem Ostern Hans und dem Attenberger Alois nach München zur Landwirtschaftsausstellung gefahren. Heimwärts kehrten sie beim Wirt z`Forsting ein. Das Bräustüberl hielt sie dann aber länger als geplant. ... Der Theaterleiter war außer sich. Kurz vor Acht kam ein Teil der abgängigen Spieler recht gut gelaunt an und verkündeten auf Anfrage, daß der Rest später komme, da diese ja sowieso erst im zweiten Akt dran kämen. Mit 15minütiger Verspätung, einem nur halb geschminkten Bacher Girgl und einen vor Zorn bebenden Mayer Schorsch konnte dann die Vorstellung beginnen. Zur Besänftigung des Letzteren waren dann noch größere Mengen an “Kakao mit Nuß” nötig. Der Publikumserfolg tat auch noch sein Übriges dazu, die Gewitterwolken hinter den Kulissen zu vertreiben.

Von 1947 bis 1954 - Trachtenverein "D´Grüabinga" Obing

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat auch der Trachtenverein "D´Grüabinga" Obing Theatergeschichte geschrieben: Ab 1947, also noch ein Jahr bevor der Turnverein wieder begonnen hat, wurden die Stücke "S´Trauringl", "Schuldbeladen", "Liserl vom Berghof" (1949) und "Herzschlag zwischen Almenrosen" (April 1951) jeweils unter Leitung von Ludwig Auer gespielt. Beim Oberwirt, konnte man auf die Bühne des Katholischen Männervereins zurückgreifen. 1950 bei der Generalversammlung beim Haslacher (Pension Griessee) in Großbergham wurde der Entschluß gefaßt, wieder in das frühere Vereinslokal Kufner zurückzukehren, nachdem dort nach dem Krieg die "Kinderlandverschickung" einquartiert worden war. Auch dort wurde weiter Theater gespielt, unter anderem im Oktober 1951 das Theaterstück "Der Störenfried". Dieses Stück wurde auch anläßlich eines Jubiläums des Kienberger Veteranenvereins aufgeführt. 1954 wurde der Theatervorhang zum letzten Mal geöffnet. Seither schlummern und zerfallen leider auch die von Mathias Dieplinger gemalenen Kulissen auf dem Dachboden beim Kufnerwirt.

Ab 1949 - Frauengemeinschaft Obing (Mütterverein)

Daß auch der Mütterverein bzw. die Frauengemeinschaft Theater gespielt hat, zumindest in den Jahren von 1949 bis 1951, ist gewiß, doch noch konnte nicht viel über Daten und Theaterstücke in Erfahrung gebracht werden, zumal es kein Protokollbuch aus dieser Zeit gibt. Jedenfalls war damals Frau Stefanutti die treibende Kraft, die dafür sorgte, daß Einakter und Sketche aufgeführt wurden. Sie war mit Leib und Seele Theaterspielerin und führte auch selber Regie. Heute ist die Frauengemeinschaft bekannt für kleinere Stücke, vor allem auch selbstgeschriebene und improvisierte Sketche bei Altennachmittagen oder Versammlungen.

Ab 1950 - Pfarrjugend und Landjugend

Die männliche Pfarrjugend von Obing, die aus einer jüngeren und einer älteren Gruppe bestand, trat 1950 auf der Theaterbühne beim Oberwirt auf. Die eine Gruppe spielte "Die Marsrakete", die andere "Privatier Wamperlin auf dem Wilden Kaiser". H.H. Pfarrer Ernst Baier führte für beide Stücke Regie. Bei den Proben war immer was los und so wurden die Aufführungen zu einem großen Erfolg. Die weibliche Pfarrjugend trat ebenfalls gelegentlich mit Theaterstücken auf, so zum Beispiel am 15. April 1951 mit "Zwei Mütter" als Kommunion-Aufführung. Regie führte damals Kooperator Schneller. Das Theaterspielen der damaligen Jugend legte den Grundstein dafür, daß viele Spieler Geschmack am Theaterspielen bekamen und sich später der Theatergruppe des Turnvereins Obing anschlossen. Einige sind bis heute dabei. Die Pfarrjugend wurde Mitte der fünfziger Jahre zur Katholischen Landjugendbewegung und auch bei ihr war es nicht selten, daß bei besonderen Anlässen und bei Versammlungen kleine Stücke oder Sketche aufgeführt wurden; manchmal auch größere, zum Beispiel 1976 "Kurbetrieb beim Kräuterblasi" oder 1980 anläßlich des von der Landjugend organisierten Dorftages der Einakter "Warnung vor dem Hund".


Helmut Zenz