Geschichte der Tracht und der Trachtenbewegung
in Bayern
I. Geschichte der Tracht und der Trachtenbewegung
von 1000 n.Chr. bis Mitte des 19. Jahrhunderts
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1030/1050:
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Ein Benediktinermönch des Klosters Tegernsee schreibt den deutschen
Roman "Ruodlieb" (manchmal auch: Roudlieb, Rudlieb, Rutlieb geschrieben).
Dort ist von einem bäuerlichen Tanz die Rede, bei dem es sich wohl
um eine Vorform des Schuhplattlers handelt. Es wird darin ein Tanz "Sprung
und Handgebärde" geschildert, mit dem der Bursch um seine Tänzerin
wirbt. Es wird vom Klatschen in die Hände, vom Stampfen auf den Boden
und vom Schlagen auf die Oberschenkel und Fuße berichtet, was die
Schriftsteller und Volkskundler immer wieder zu einem Vergleich mit der
Spielhahnbalz verleitete. "Wie´s der Auerhahn vormacht," handelte
es bei diesem Vorläufer um Bewegungen nach freiem Ermessen zur Musik.
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Auszug aus dem Text: "Der Jüngling springt auf und gegen ihn das Mädchen.
Dem Falken gleicht er, und sie gleitet wie die Schwalbe. Kaum sind sie
nahe, sind sie schon vorbeigeschossen. Er greift sie werbend an, doch sie
sieht man entflattern. Und keiner der die beiden schauen darf, vermöchte
im Tanz, in Sprung und Handgebärde sie zu meistern!"
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1554:
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Der große Geschichtsschreiber Johann Turmair alias "Aventinus" (nach
seinem Geburtort Abensberg) schreibt in seiner "Bairischen Chronik": "Das
bairische Volk ist kirchlich, schlecht und recht, geht und läuft gerne
wallfahrten, hat auch viele kirchliche Aufzüge; legt sich mehr auf
den Ackerbau und die Viehzucht als auf den Krieg, dem es nit sehr nachläuft;
bleibt gerne daheim und zieht nicht viel zu Feld in fremde Länder;
trinkt sehr, macht viel Kinder; ist etwas unfreundlicher und eigensinniger,
wie es geht bei Leuten, die nit viel hinauskommen, gern daheim alt werden,
wenig Handel treiben und fremde Länder und Gegenden heimsuchen; sie
achten die Kaufmannschaft nit, es kommen auch die Kaufleute nit viel zu
ihnen. Und im ganzen Baiernland sind dreierlei Stände, die da zu Ehren
und zur Verwaltung von land und Leuten gebraucht werden. Der gemeine Mann,
der auf dem Lande sitzt, gibt sich mit Ackerbau und Viehzucht ab, liegt
dem allein ob, darf sich nichts ohne Geheiß der Obrigkeit unterstehen,
wird auch in keinen Rat genommen oder in die Landschaft berufen. Doch ist
er sonst frei, mag auch freies lediges, eigens Gut haben, dient seinem
Herrn, der sonst keine Gewalt über ihn hat, mit jährlicher Gült,
Zins und Scharwerk, tut sonst was er will."
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1555:
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Den "tanzenden, schreienden, kartenden und singenden" Baiern wird bei Strafe
von "1 Pfund Pfennig" verboten, auf Hochzeiten Kettenhandschuhe und Eisenhauben
zu tragen.
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1599:
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Dem "gemeinen Mann auf dem Lande" wird das Tragen der Landsknechtspluderhosen
strikt verboten. Kurz darauf waren dem Kurfürsten Max I. dagegen die
Hosen wieder zu eng.
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um 1600:
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Auf einem Holzschnitt werden die Bauern beim Tanz mit vollem Wehrgehänge
dargestellt.
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1627:
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Es tragen "die Weiber an Kirchweih Schlair auf dem Kopfe"
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1673:
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Immer noch erscheinen die Bauern mit langem Degen und anderen "herrischen"
Waffen im Wirtshaus.
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1679:
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Auf einem Votivbild in Tuntenhausen werden die meisten der dargestellten
Männer in langen, roten Röcken, weißen Strümpfen und
schwarzen oder braunen Bundhosen gemalt. Einer trägt zum dunklen Rock
die an die spanische (schwedische?) Hoftracht erinnernde weiße Halskrause.
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1703:
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Bild in der 1703 zu Frankfurt erschienen "Beschreibung der fürstlichen
Grafschaft Tirol" von Franziskus Nigrinus. vgl. dazu Brunhuber "Chronik
des oberen Leizachtales": "Die Mode der nackten Knie ging über das
Duxer Joch herüber ins Zillertal als Arbeitskleidung der Holzknechte.
Ein alter Berührungspunkt der tirolerischen Holzarbeiter mit den bayerischen
Holzknechten war die Kaiserklause bei Valepp. Seit 1504 arbeiteten ständig
mehrere Abteilungen Tiroler Holzfäller in den scheyrischen und tegernseeischen
Klosterwäldern an der roten und weißen Valepp für die Holzdrift
auf der Brandenburger Ache." Die Zillertaler Holzfäller vertauschten
ihr Gewand mit dem der bayerischen, und umgekehrt. Die Obrigkeit mokiert
sich über den so entstandenen Spruch "heut´ geh´n wir
Duxerisch".
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um 1780:
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Der Tegernseer Gerichtsverweser Wieninger jammert "über die neumodische
Weiberkleidung, über die Mieder mit dem ärgerlichen Brustfleck,
über die kurzen Kittel, über die Plauschstrümpfe und den
weit ausgeschnittenen Janker, der neben dem Hals drei bis vier Finger breit
die Brust sehen lasse." (nach Brunhuber)
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1786:
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25.8. Ludwig I. wird geboren.
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1798:
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Im ersten Band der statischen Aufschlüsse über die "Bewohner
des Gebirgs im Gerichte Auerburg und Aibling" von Joseph von Hazzi befindet
sich das älteste bayerische Bild, das die heutige Gebirgstracht mit
den nackten Knie erkennen läßt.
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um 1800:
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Im Landgericht Rosenheim tragen die Hochzeitslader immer noch einen Degen,
und im Chiemgau umgürteten sie sich mit einem wuchtigen Kürassierpallasch.
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1801:
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Nach dem General-Landschaftsdirektor Joseph von Hazzi, den Kurfürst
Karl Theodor bei seinem Regierungsantritt mit einem ganzen Haufen anderer
Beamter aus der Rheinpfalz mit nach München gebracht hatte, sind in
der Miesbacher Gegend verschiedene modische Extravaganzen verboten. "Die
jungen Burschen zieren ihre grünen Hüte mit Federn, von denen
aber die der Spielhahnen, als Geraufsherausforderungen, verboten sind.
Ferner tragen sie kurze schwarze Hosen, rothe Leibl und Rollstrümpfe.
Kugeln, Kartenspielen und häufige Tänze, wozu auf einem Hackbrett
und ein paar Geigen oder ein Paar schreienden Klarinetten aufgemacht wird,
sind auch hier zu Lande die gewöhnlichen Spiele. Der gemeine Tanz
heißt "weit aus", wobei denn manchmal auch üble Stellungen zum
Vorschein kommen. ... Vorzüglich werden die Mädchen für
die schönsten im Lande geachtet. Sie sind von mittlerer Größe
und fleischig, haben einen vollen Busen, kleine Füße und Hände,
runde Gesichter, meistens blonde Haare und blaue Augen, rothe Backen und
Grübchen in den Wangen. Wegen des zum Theil entblösten Busens
haben die Mädchen in der Nachbarschaft immer Anstände; besonders
werden sie in der Klosterherrschaft Tegernsee gestraft, wenn eine so in
der Kirche erscheint."
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1811:
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König Maximilian II. wird geboren.
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Die Gewandstudie von Friedrich Wilhelm Doppelmayr zeigt Trachten aus Redenfelden,
Inntal
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1812:
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Die Gewandstudie von Friedrich Wilhelm Doppelmayr anläßlich
eines Tanzes zu Törwang auf dem Samerberg am 4.2. zeigt drei Trachtenpaare.
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Das älteste Bilddokument, das einen plattelnden Tänzer zeigt,
stammt aus dem Zillertal.
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Um 1818:
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In der Ramsau wird von einem gemeinsamen, gleichartigen und gleichzeitigen
Schlagen berichtet.
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1825:
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"Bairisches Volkslied zum Gebrauch bei Königlichen Festtagen" (Text
Dr. Loose, Musik N. Stößel): "1. Baiern sind wir, treu und bieder,
Baiern noch von ächtem Schlag; d´rumm erschallen unsre Lieder
froh an Königs Ehrentag, denn des Fürsten einzig Streben, ist
nur Baierns Glück und Ruhm; d´rumm bleibt unser Blut und Leben,
immerfort Sein Eigenthum. 2. Schön gedeiht des Reiches Blüthe,
zart gepflegt von Seiner Hand; denn Er herrscht voll weiser Güte,
väterlich in unserm Land. Friede liebend haßt Er Kriege und
bewahrt des Landes Kraft; schuf´s der Kunst zu sanfter Wiege, zum
Aszl der Wissenschaft. 3. Jeden Bürgers freier Sprache leiht Er ein
geneigtes Ohr, würdigt die erhobne Klage, trägt sie auch ein
Bettler vor. Er ist Vater uns nicht minder als Er Herr und König ist!
pfleget liebend alle Kinder, die Sein Vaterarm umschließt. 4. Drum
erfüllt ein drängend Beten unser dankgerührtes Herz, und
die wärmsten Bitten schweben, für den König himmelwärts;
Segne, Gott! den Landes-Vater, segne Sein Familien-Band, segne unsre Reichsberather,
segne unser Vaterland."
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1825:
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Ludwig I. tritt die Regierung an. Er ließ während seiner Amtszeit
auf dem Gebiet der Kunst, der Wissenschaften und in der Baugestaltung vieles
durch seinen Fleiß und sein Mäzenaten schaffen. (vgl. Ludwigsstraße
in München). Er erlaubte wieder Wallfahrten und Bittgänge. Die
klösterlichen Ordensleute durften wieder tätig werden und Johann
Schmeller wurde mit der Sammlung der bayerischen Wörter beauftragt.
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1835:
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Festzug mit Trachten aus ganz Bayern anläßlich seiner Silberhochzeit
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1838:
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Als die Kaiserin von Russland in Wildbad Kreuth zur Kur weilte, da ehrten
sie die Einheimischen mit einer Tanzvorführung, die dem Schuhplattler
von heute schon sehr nahe kam.
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bis 1840:
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Die Wadlstrümpfe ("Boahösl") wurden nicht enganliegend an den
Waden getragen, sondern sie hatten sich zunehmend über den Knöcheln,
die im alten Berglerdialekt "Engein" hießen, sackartige, lose herabhängende
Erweiterungen. Darin verfing sich jede Staude, sie schmutzten rasch und
waren überhaupt das Unzweckmäßigste an der ganzen Tracht.
Sie hatten den einzigen Vorteil, daß sie sich im Winter über
die Knie heraufziehen ließen, und da verschwanden dann auch die unschönen
Säcke.
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1842:
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Brautzug mit Trachten aus ganz Bayern bei der Eheschließung seines
Sohnes, des Prinzen Maximilian.
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1845:
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25.8.: Ludwig II wird auf Schloß Nymphenburg geboren.
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1847:
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In Bayern entsteht ein eigenes Kultusministerium, nachdem bis zu diesem
Zeitpunkt das Innenministerium für die Kultur zuständig gewesen
ist.
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1848:
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20.3. Abdankung König Ludwigs I. nach den Studenten- und Bürgerprotesten
und den anschließenden Unruhen in München von Januar bis März.
Im Vordergrund standen seine politische Entscheidungen (nicht seine Beziehungen
zu der Tänzerin Lola Montez), weil seine autokratische Regierungsweise
nicht mehr möglich war.
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Mai: "Reformlandtag" schafft die Zensur ab, führt die Pressefreiheit
ein, gewährt die Versammlungsfreiheit gesetzlich. Strafverfahren sind
öffentlich und mündlich abzuhalten. Die Grundherrschaft und die
Patrimonialgerichtsbarkeit wird abgeschafft. Die Ministerverantwortlichkeit
wird eingeführt.
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Juli: Neuregelung der Wahl der Landtagsabgeordneten.
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22. (nicht am 24.!).8. 1848 (nicht 1849!): Joseph Vogl wird in Emmering
geboren:
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als sechstes und letztes Kind des Lehrers und Mesners Anton Vogl
(* 17.8.1805 Arnschwang, Landkreis Cham, + 25.10.1872 in Holzolling), der
am 25.10.1844 nach Emmering kam, und seine Frau Walburga Vogl (* 15.12.1815;
geb. Schwägerl, Bauernstochter aus Arnschwang) im 1803/1804 erbauten
Lehrer- bzw. Schulhaus in Emmering bei Grafing;
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Am Tag darauf wird er von Kooperator Bartl auf den Namen Joseph getauft.
Josef Eder, ein Handelsmann aus Regen war der Taufpate.
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Zwei Jahre nach der Geburt wird das Wohnhaus als baufällig beschrieben,
1856 wurde es allerdings doch nur umgebaut.
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Sein Vater: Anton Vogel war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1866 im
Dienst der Emmeringer Schule. Vorher war er von 1824-1834 in Arnschwang
als Schulgehilfe, dann 1834-1841 in Perach, Landkreis Altötting, schließlich
1841-1844 in Seeon, Schulbezirk Trostberg.
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Die Geschwister:
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Katharina (* 27.8.1836 in Perach),
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Bonifaz (* 24.10.1837 in Perach; Lehrer),
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Englburga (* 5.7.1840, + 24.5.1842 an Stickkatarrh),
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Ludwig (13.11.1843 in Seeon; Lehrer),
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Othilie (* 30.5.1845).
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Joseph Vogl wurde am 17.7.1858 in Emmering von Erzbischof Gregorius von
Scherr gefirmt, sein Firmpate war der Ökonom Fischer aus Ebersberg.
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Bis 1868 besuchte er nach der Schulzeit die Präparandenschule in Rosenheim
und dann zwei Jahre lang das Lehrerseminar in Freising, deren Abschlußprüfung
er mit der Note III bestanden hat.
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Vogl arbeitete als Schulgehilfe ab 22.9.1870 zunächst zwei Monate
in Grafing, dann eine Woche in Hohenlinden, schließlich 5 Jahre und
zwei Monate dauerhaft wieder in Grafing.
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Am 29.1. kam er für knapp drei Jahre auf seine erste Lehrerstelle
nach Neufahrn bei Wolfratshausen. Dort versah er zugleich das Amt eines
Mesners, Kantors, Organisten und Gemeindeschreibers.
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Dort verliebte er sich auch in die angesehne Bürgerstochter Ursula
Kölbl, deren Eltern gegen diese Liebschaft waren. Als die inzwischen
zwanzigjährige Ursula schwanger war, zeigte ihr Vater den Lehrer Josef
Vogl sogar bei der Schulbehörde deswegen an, was ihm am 22.12.1878
einen Verweis in seiner Qualifikationsliste eintrug. Kurz zuvor am 16.12.
bat er jedoch um Bewilligung der Verheiratung mit Darlegung der Einkommensverhältnisse,
was mit Schreiben vom 17.12. von der Lokalschulinspektion von Ergertshausen
unterstützt wurde, weil die elterliche Bewilligung erlangt wurde.
Am 11.1.1879 wurde sie mit dem Hinweis bewilligt, daß er bald nach
Bayrischzell versetzt würde. So schwierig konnte damals Heiraten sein.
Am 28.1. konnte die Trauung vor dem Standesbeamten in München vollzogen
werden. Der Münchner Bäckermeister Johann Bacherl und der Münchner
Sattlermeister August Jobst waren Trauzeugen. Die kirchliche Trauung durch
Kaplan Ostermünchner fand noch am gleichen Tag in der Heilig-Kreuz-Kirche
in München Giesing statt (die 1888 nach Fertigstellung des Neubaus
abgerissen wurde.)
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Mitte des 19. Jahrhunderts
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Erste Schuhplattlervereine entstehen.
Helmut Zenz