Geschichte der Tracht und der Trachtenbewegung
in Bayern
II. Geschichte der Trachtenbewegung von 1849-1883
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1849
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9.11.: Brief König Max II. an Innenminister von Zwehl: "Es ist von
großer Wichtigkeit, auch in Bayern das Nationalgefühl des Volkes
zu heben und zu kräftigen."
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1850
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"Gesetz die Versammlung und Vereine betreffend" vom 26.2.1850: "Die Staatsangehörigen
haben das Recht, Vereine ohne vorgängige Erholung polizeilicher Erlaubniß
zu bilden. ... Vereine, deren Zweck sich nicht auf die öffentlichen
Angelegenheiten bezieht, sind, wenn sie Vorsteher und Satzungen haben,
verpflichtet, ihre Gründung und jede Veränderung ihrer Vorstandschaft
oder ihrer Zwecke der vorgesetzten Polizeibehörde binnen drei Tagen
anzuzeigen."
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1853:
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1.6.: Aufrufe von König Maximilian II., die Trachten zu erhalten.
"Seine Majestät der König, Allerhöchste Welchem die Erhaltung
der Verschiedenen, in den einzelnen Theilen des Königreiches herkömmlichen
Trachten der städtischen, wie insbesondere der ländlichen Bevölkerung
namentlich in Berücksichtigung ihrer Zweckdienlichkeit zur Festigung
des Nationalgefühls als sehr wünschenswert bezeichnet worden
ist, haben allergnädigst zu befehlen geruht, daß unter Vorlage
von Zeichnungen über solch herkömmliche, fortan noch als zweckmäßig
erscheinenden Landestrachten, die angemessensten Wege zur Erreichung dieses
Zweckes beantragt werden sollen. ... Es ist hiernach angelegentliche Pflicht
der Staatsbehörden, zur Vollziehung dieser Allerhöchsten Absichten
in der geeignetsten Weise mitzuwirken und hierbei von dem Gesichtspunkte
auszugehen, daß die Staatsbehörden ihre Teilnahme an der Bewahrung
der Landestrachten bei jeder Gelegenheit kundgeben, die Vorliebe für
dieselben erregen, erhalten und festigen sollen ohne irgendwie mit zwingenden
Maßregeln deshalb aufzutreten." Er stellt also die Hebung des Nationalgefühls,
was einer Vaterlandsliebe gleichkommt, in seinen Anordnungen zur Erhaltung
der Volkstrachten an den Anfang. Diese Haltung dürfte Josef Vogl von
seiner Schulzeit her gekannt haben.
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Thronbesteigung Ludwigs II.
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6.8.: Franz Xaver Huber wird in Wasserburg am Inn geboren, wo er auch die
siebenjährige Schulzeit verbringt und im nahegelegenen Rieden das
Müllerhandwerk erlernt. Es folgen bis zu seinem 29. Lebensjahr viele
Jahre der Wanderschaft durch Bayern, Württemberg, Baden, Oberösterreich,
Niederösterreich bis nach Wien.
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1858
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14.7. Bei seiner Reise von Lindau nach Berchtesgaden kommt König Max
II. nach Bayrischzell und besteigt den Wendelstein. Dort hört er das
Lied vom Wendlstoa: "1. Glaubts mir´s, daß i oft moa´
über mein´ Wendelstoa geht mir koa andrer Platz. Er is mei´
größter Schatz. 2. Drob´n da thuats mi´freu´n,
Singa und Juchhe schrey´n. Drobn wo´s kloa´ Kircherl
steht Und ´s Wölkerl umigeht. 3. Wann i´erst außi
schau´, Wo´s Lüfterl is schö´ blau, Sich´i´die
Stadt die schö´ Mit die zwoa Kirthurm steh´. 4. Dort is
der Kini z´Haus, `Schaugt wohl in d´Berg oft ´naus, `Sollt´
amal kemma ´rei´, Wur´ihm nit zwider sey´." (Lied
aus der Sammlung Herzog Max)
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15.7. In Miesbach wird anläßlich des Besuches von König
Max II zu Ehren seiner Majestät ein Schuhplattlertanz aufgeführt.
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1860:
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Ein Holzschnitt von A. von Bamberg zeigt einen plattelnden Burschen mit
der Bundlederhose, Wadelstrümpfen und einem Hut mit Spielhahnfeder
sowie ein drehendes Mädchen in einer Gaststube begleitet von einer
Geigenmusik.
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1864
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Früher Tod von König Max II.
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1867
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Der Lehrer Jakob Fromberger gründete in Bayrischzell eine 13 Mann
starke Musikkapelle.
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1868
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29.2. König Ludwig I. stirbt.
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1870/1871:
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Deutsch-französischer Krieg und Reichsgründung
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Siebziger Jahre
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Nach Erzählungen der "Alten" überliefert Ernst Bernlocher, Ehrenvorstand
und Ehrenbürger in Bayrischzell wurde in Bayrischzell bei Hochzeiten
und geselligen Zusammenkünften immer auch geplattelt.
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1875:
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"Frohsinn" Bad Windsheim (heute: Gauverband Mittelfranken)
(mein Kommentar: Da streiten sich Miesbach und Bayrischzell um das
Jahr 1884, derweil stammt der älteste Mitgliedsverein in den Vereinigten
ohnehin aus dem Jahre 1875, oder ist etwa "Frohsinn" Bad Windsheim gar
kein Trachtenerhaltungsverein?)
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1878
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Vogl wird Mitglied im 1876 gegründeten Alpenverein, Sektion Miesbach.
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1879 (nicht 1877!)
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Der Lehrer Josef Vogl kommt als Schullehrer von Neufahrn bei Wolfratshausen
nach Bayrischzell. Er bezog mit seiner Frau die Lehrerwohnung in der damaligen
Schule im Meißauerhaus neben dem Wendelsteinbach. Am 8.4. kam ihr
erstes Kind zur Welt und wurde von Pfarrer Andreas Forstmair auf den Namen
Josef Anton getauft unter der Patenschaft vom Schwager, dem Weidacher Lehrer
Anton Schwibbacher. Am 28.12.1880 kommt eine Tochter zur Welt, die am folgenden
Tag von Pfarrer Forstmair auf den namen Ursula getauft wurde, wieder unter
der Patenschaft des Schwagers. Am 9.1.1882 kommt das dritte Kind zur Welt.
Noch am selben Vormittag tauft Pfarrer Forstmaier den zweiten Buben auf
den Namen Anton, diesmal unter der Patenschaft eines Geistlichen, nämlich
von Anton März, Stadtpfarrprediger in St. Peter in München. 1882
entstand ein Schulbild zusammen mit Pfarrer Forstmaier. Interessant ist,
daß alle zwölf Buben Trachtenjoppen trugen und 6 davon Kurze
mit Wadlstrümpfen. Lehrer Vogl konnte Zither spielen, wie auch auf
zwei Fotos zu sehen, auch wenn eines davon eine Fotomontage ist. Ein Bild
von Josef Vogl mit Kaspar Reiter, dem Wirt vom Gasthaus Wendlstein, der
angeblich die Mitgliedsnummer 1 in Bayrischzell hatte, ist echt und zeigt
Vgl. mit Zither.
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1882:
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"Historischer Burschenverein" Sommerhausen (heute: Bezirksverband
Unterfranken)
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13.8. Conrad Adlmaier wird in Zeisering, Landkreis Rosenheim geboren. Nach
seinem Studium wendet er sich der Journalistik zu.
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Der Bauerssohn Martin (Martl) Staudacher (Hofname "Stefflbauer"), ein Jahr
später unter den Mitgründern des Bayrischzeller Trachtenvereins,
schreibt das "Bayrischzeller Lied" nieder: "1. Kennst Du das Tal im Alpengrün,
wo abends rot die Berge glüh´n? Die Quelle brausend niederrauscht,
der Jäger kühn das Wild belauscht: Wos Alpenlied so traulich
schallt und in den Bergen widerhallt. Dort, wo die Glocken klingen hell,
in diesem Tal liegt Bayrischzell. ..."
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1.8. Franz Xaver Huber heiratet die Bäckermeisterstochter Barbara
Grad von Feilnbach und übernimmt im nächsten Jahr aus dem Besitz
des Schwiegervaters die erstmals 1611 urkundlich erwähnte Moosmühle
(1611 "Moßmill"/1683 "Mossmüll") in Feilnbach-Wiechs. Seine
Frau schenkte ihm vier Kinder, einen Sohn und drei Töchter. Bis heute
ist die Moosmühle in der 5. Generation im Besitz der Hubers, auch
wenn dort seit Beginn des Jahrhunderts das Mühlrad stillsteht.
Helmut Zenz