Helmut Zenz:
Gedichte-Ecke

 

Obing

I hob des Land so gern 
doo, zwischen Gasch und Prean 
zwischen Ojz und Inn, 
und unsa Obinga Gäu liegt mittendrin 

Auf der Sunnseit stehn de Berg beinand 
Gern, Felln und Kampenwand 
Watzmann und Wendlstoa, 
dutzendweis, groß und kloa 
In unsana Gengad, 
an n klingischen Gricht 
geht da d´Luft a weng frisch her 
und a so is aa de Gschicht 

Dees is a Oitboarnland, 
s´ Gsicht hots vom Bauernstand 
und s´Darf vo de Handwerksleut. 
Doo zon Lebm is a Freid! 

Schaung ma a weng umanand 
üba dees prachtig Land, 
Äcker und Seen und Holz - 
is s net al Stoiz? 

Drum loß ma de Kirch beim Darf, 
an Wirt und an Kramer, 
mach ma net oissam hi, 
waar doch zum Schaama! 

Richt ma unsa Hoamat net z´Schand 
toa ma s´net plündern! 
Da Herrgot hot´s uns gebm ois Pfand 
füa unsane Kinder! 

Walter Mayer, Ortsheimatpfleger

"D´Grüabinga"

Grüabig sei, des is ned ganz einfach zum erklärn: 
Es moant ned einfach bloß lusti, gspaßig oder überoin dabei; 
grüabig kon ma a ned so einfach schnell wern. 
Grüabig, des muaß so was wia a Lebensphilosophie sei. 

Warm kon da wern, wenn´st mit an Grüabign zsammahuckst, 
gmütlich beim Ofabankal durt. 
Do han d´Leit stad, do werd ned gmuckst, 
denn er erzählt dann Gschichtln in oan furt. 

Mit vui Humor und an Schuß Weisheit dabei 
zoagt er de Welt vo da scheena Seitn 
und find a grod nix großartigs, is oanalei; 
er kon si a gfrein an de Kloanigkeit´n. 

Und mit dera Dummheit sitz ma oft bis spat in de Nacht, 
es werd gsunga, gspuit und tanzt und vui g´lacht. 
Doch der Grüabige woaß a, wann de Zeit zum Aufhörn is, 
denn ois hod a End, a wenns no so lusti is. 

Ma kon eam ned bös sei, wenn er a moi de Wahrheit sagt, 
de ma ned hean wui, weil mas grod ned vertragt. 
Er tuats schee verpacka, er is a gscheita Mo, 
denn er is oana, der a über si selba lacha ko. 

Manchmoi do han de Grüabign a ganz stad, 
denn ois hod sei Zeit, a da Ernst in dera Welt. 
Doch deswegn wern´s no ned glei fad, 
den fade Leit gibts scho grod gnua unterm Himmelszelt. 

Er tuat ned leicht an wos verzweifeln. 
Es werd eam net so leicht wos z´vui. 
Er versucht aus ois des beste z´macha, 
macht manchmoi sogar no a guate Miene zum bösen Gspui. 

Und is ma grod ned so guat drauf, aber mit am Grüabign beinand, 
dann kriagt des Lebn schnell wieda a freundlichers G´wand. 
Denn grüabig sei des steckt bald o, 
von am Grüabign a gwisse Z´friedenheit ma lerna ko. 

Und wenn si eppa grüabig nennt, 
dann mog des ganz sche wos bedeitn. 
Denn do dazua braucht ma dann ehrliche Händ, 
grüabig sei is ned bloß wos für bestimmte Zeitn. 

Es braucht vui Muat, wenn a Verein si "D´Grüabinga" tuat nenna. 
Dem Nama Ehr zum macha is ned leicht, 
denn oft tuat ma bloß no mit ana Maskn umanandarenna, 
schnell werd des Gspui dann do recht seicht. 

Drum wünsch i mia ois der Vorstand von dem Haufa, 
daß Grüabigkeit bei uns tuat halt´n, wos verspricht, 
daß ma ned bloß derb is, raffa tuat und saufa 
sondern ebm grüabig de Trachtnsach vertritt: 

Treu dem guatn oidn Brauch! 

Helmut Zenz

Wia Du sein sollst

Dei´ Tracht sei echt, dei´ Urteil g´recht, 
dann bist a Mo, den ma braucha ko. 
A "Grüaß Gott" sei dein Willkommensgruß, 
A "Pfüat Gott" wer sich trennen muß 
Verletz gor niemals deine Pflicht, 
und am Vereinsabend fehle nicht. 
Halt´ dein Verein allzeit in Ehr´n. 
Tua eahm mit Leib und Seel o´ghörn. 
Zank und Streit stets vermeid, 
Trink nie zuviel, kenn Maß und Ziel. 
Pflück nia in fremden Gärt´n Ros´n, 
tua nur alloa dei Deandl kos´n. 
Was Du gelernt, das tanze auch, 
doch tanze nicht, was nicht der Brauch. 
Was Du sprichst, sei gradgewachs´n, 
denn die Lüag hat kurze Hax´n. 
Wahrer Sinn für Sitt und Tracht, 
erst an recht´n Trachtler macht. 

aus: Festschrift des Trachtenvereins Mainz-Weisenau

De Trachtler

De Trachtler san heit gern gsehng 
überoi im ganz´n Land; 
Heit is´s wieda ganz modern, 
des wundaschöne Tracht´ng´wand. 

Es hod unlängst moi a Zeit geb´n, 
do hod jeda drüba g´spott´. 
Heit ist wieda jeda stolz, 
wenn ea so a G´wandl hod. 

Aba net grod´s G´wand alloa 
macht an Trachtler ganz. 
Er muaß mi´m ganz´n Herz dabei sei, 
dann gibt de Sach an Glanz. 

A G´fui muaß drin sei in da Brust 
für d´Hoamat und für Treu, 
Jahr und Dog und alleweil, 
´s ganze Lebn und stets auf´s neu. 

Herbert Wildmoser

Mit jed´n oit´n Trachtler geht a Stückl Hoamat mit!

I kenn an alt´n, brav´n Mo, 
der ist da Hoamat treu, 
er hod a greane Jopp´n o, 
de längst scho nimma neu. 

Sei Gamsbart und sei Huat, da rund, 
hand aa zwoa alte G´selln, 
de kunnt´n uns gar manche Stund 
vo dem und sell´n vazähln. 

Vo Kummer, Sorg´n, Müah und Plag, 
vo Arbat, Freud und Leid, 
und aa vo manchem schöna Dog, 
wia ´s bringt da Lauf da Zeit. 

Und bald i ´n sehg, den brav´n Mo, 
na geh i glei d´rauf zua, 
ea gibt ma d`Händ und schaut mi o 
und sagt: "Grüaß Gott, mei Bua!" 

Drum, bleibt´s ma frische, brave Buam, 
ehrt´s unsre alt´n Leit, 
hat´s nett zu eahna, na hat´s a Form, 
sie ham die größte Freid. 

Aa mia wernd alt, de Zeit vogeht, 
werd stada aa da Schritt, 
mit jed´m alt´n Trachtla geht 
a Stückl Hoamat mit. 

Quelle unbekannt.

A so wia´s mia vo de Altn ham glernt

1. A "Trachtenverein" ghert zum ländlichn Lebm. 
Den Ausdruck hod´s friahra eigentlich ned gebm. 
Friahra hod´s Lebm de Trachtn aufbracht, 
heit is da Mensch, der de Trachtn nochmacht. 

2. Verein, hoaßt ja eigentlich, daß a kloas Packe Leit, 
fia des, wos dir eistehnd, s´Dahaltn a gfreit. 
As Dahaltn vo de Bräuch, an Volkstanz, de Tracht, 
As Dahaltn, wos s´Lebm in da Hoamat ausmacht. 

3. A Paarl, a trachtlerisch! Ist ned eppa wos Feschs? 
A stämmig Bua, a Dirndl a reschs. 
A Juh-Schroa, a Plattler, a schneidiga Tanz, 
de Arbeit vom Dog vagißt ma do ganz. 

4. Ned ois is Gaudi und Musi und Freud, 
ums Zsammhoitn geht´s do, ums Dosei bei Zeit. 
Und paßn de Paarl, ham an Tanz alle drauf, 
dann dauert´s leider ned lang, do hean wieda oa auf. 

5. Drum hoit ma weida in Ehrn und in Acht 
da Hoamat ihra Brauchtum, ihre Volkstanz, ihra Tracht. 
A so wia mas vo de Altn ham glernt, 
a so gebm mas weida, daß vogeßn ned weand. 

nach Lisi Reit, Unken 
aus: Festschrift und Vereinsgeschichte - 80jähriges Bestehen D´Saalachtaler Unken

De Junga und de Altn 

De junga Leit, des woaß ma scho, 
de gengan alls hübsch schneidi o, 
da werd it rumdruckt und it gfragt: 
`Der sell hat gmoant ... der sell hat gsagt´. 
De fressatn an Deifi gar, 
bals eahna glust´, mit Haut und Haar. 
Und hätt´ ma koane junga Leit, 
o mei, da kaamat´ mar it weit. 

Diam freili brauchts des staade Bluat, 
und da san na de Altn guat. 
De ham ihr Gerschtl beianand, 
de macha´s liabe mi´n Verstand, 
weil mit da Hitz und mit da Kraft 
werd aa im Lebn it allssamm gschafft; 
und hätt´ ma koane altn Leit, 
na waars halt denascht wieda gfeit. 

Max Dingler, aus: Altbairische Gesänge, (2)1983 

Da Hoamat z´liab

Halts zam, halts zam es Boarnleut, 
halts zam - na is nia gfeit! 
Allwei san mir a no do 
und koana kaft de Schneid ins o. 
Nit de Liab zu unsern Landl 
und nit de Treu zu unsern Fahndl, 
a nit zum Brauchtum alter Zeit - 
halts des fescht, na is nia gfeit. 

Vokafts net enkern Grund und Bodn, 
na werds a net auf d´Seitn gschobn, 
für unsre Leut hats mehra Wert, 
de Junga brauchan Hoam und Herd. 
Bleibts beim Glaubn enkrer Väter, 
werds am Herrgott nit Verräter, 
an boarischn Himmi net selbn votreibn: 
Was boarisch is, muaß boarisch bleibn. 

Hans Seestaller, Ehrenvorsitzender 
in: Bayrisch Land - bayrisch Gwand, März 1976

Hoamat (1) 

Wer de Hoamat wui modern gestaltn, 
muaß a s´Brauchtum miterhaltn. 
Denn a in da modernen Zeit, 
bruachan d´Leut a Gmüatlichkeit. 
Wo d´Hoamatliab und a s´Brauchtum stirbt, 
de ganz Gsoischaft mit verdirbt. 

A Fleckerl Erdn und nette Leit, 
in ara Wölt wia da unsan heit. 
Des is unsa Hoamat, des is unsa Lebn, 
dafür brauchst a Gspür, 
sonst konnstas net segn. 

Sepp Hardt

Hoamat (2) 

Was Hoamat ist, mecht i eich deitn, 
es is Verpflichtung aller Zeitn. 
Was Hoamat ist, des muaß ma spiern, 
des muaß se innawende rian 

Es derf net sei nur alta Brauch, 
muaß weitalebn in uns auch, 
drumm is a arma Teife, 
dem d´Hoamat is völlig gleich, 
nur der, ders drinn im Herzen tragt, 
der ist wirkli reich. 

Es schätzt sei Hoamat bsundas der, 
der wos valorn hot und finds nie mehr. 
So ziagts den, der sei Hoamat liabt, 
allwei wieda hi
und wer des net im Leib vaspiert, 
begreift des Wörterl Hoamat nie. 

Drumm tragts in Ehrn eier Trachtengwand, 
halts aufrecht de alte Tradition 
für unsa schenes Bayernland 
und de nächste Generation. 

Sepp Hardt

Mitanander

Fremd vorbeizuschleichn 
waar scho fast a Schand. 
Habn an Weg, an gleichn, 
gehn ma mitanand! 

Red ma mitanander, 
wern ma guat bekannt! 
Oaner wia da ander 
tragt ja allerhand. 

Tragn mas mitanander, 
trag mas net alloa! 
Oana wia da ander 
werd se leichter doa. 

Joseph Straßer

Boarisch sei

s´Boarischsei, des weist si aus 
net durchs hübsche Bauernhaus, 
des ma ´kauft hot aufm Land, 
net durchs schönste Trachtngwand. 

s´Boarischsei, des duad si kund 
net, wenn ma vom Berglerbund 
"Edelweiß" an Vorstand trifft 
und a Fahnastanga stift´. 

s´Boarischsei, des weist si nach 
net amal durch d´Red und Sprach; 
ebba wenn i üab und zoag, 
daß i sang ko: Loawidoag 

s´echte, rechte Boarischsei 
tauscht ma net vo außen ei. 
Leut, wenns noo so boarisch deats: 
boarisch macht nur - s boarisch Herz. 

Joseph Straßer

Dahoam

Sechs Buachstab´n, oa Wort
Und doch so vui drin.
Gmoant is der Ort,
wo i gern bin. 

Dahoam is net dort,
wo Feindschaft und Streit.
Dahoam is der Ort,
wo d´Liab is und d´Freud. 

Dahoam hat nix z´toa
mit arm oder reich.
Ob´s Stüberl blos kloa
oder groß, dös is gleich. 

Dahoam, a kurz Wort,
es braucht gar koa Frag,
gmoant is der Ort,
da wo ma se mag. 

(in unserer Festschrift fälschlicherweise Johanna Vordermayer, Schabing zugeschrieben)

So is 's bei'n uns in Boarnland

Deutsch woll' ma' sei', san's allwei' gwest,
Aber boarisch woll' mer aa bleibn
Und haltn an unsern Kini' fest,
Dees soll uns niem'd vertreibn.

Frei woll' ma' sei', und aber aa' treu,
Und lassn uns d'rum nit scheltn,
Wo koa' Glaabn und Treu, is 's a Lumperei,
"A' Mann a' Wort" muaß geltn.

Grad woll' ma' sei' und redli und frumm,
Dees Erbtoal woll' ma' d'erhaltn,
Und kehret si' aa' die ganz' Welt um,
In den Stuck lass' ma's bei'n Altn.

So is 's bei'n uns in Boarnland,
Und d'rüber woll' ma' wacha,
Und wenn's nit recht in sein' Verstand,
Dem woll' ma's scho' recht macha!

Franz von Kobell

Boarisch

Mei Ahnl und mei Vater san gwest guat boarischi Leut,
Und boarisch will i bleibn, so lang mi s Lebn freut.
Es hätt an diem wohl oana uns gar gern anders gmacht,
Dato hats aba koana, hats koana zwegnbracht
Mir hamm aa für die Farbn, so lang ma san, nix gspart,
Der Löw hat raaffe müssn mit Adler aller Art;
Mer hamm en nie verlassn, vontwegen den Weiß und Blau,
Und Gott hat allzeit gholfa und unsa liebi Frau.
Dees boarisch Blau, dees Farbi, hat gar an guetn Halt,
Sunst waar der boarisch Himmi scho gschossn, er is alt,
Und weiß schickt unser Herrgott 'n Schnee, bals schneibn tuat;
Dees hätt er lang scho gändert, waar ebba d'Farb nit guat.
Drum laß i aa Leib und Lebn fürs Boarn und für mein Herrn,
Und soll von meini Buabna aa koaner anderst wern,
Und solls an j'der sagn, als wie is sagn ko:
Der Vater is guat boarisch gwest, is gwest a brava Mo.

Franz von Kobell



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