Helmut Zenz:
Informationen zum Hl. Valentin und zum Valentinstag
Zusammengestellt für den Valentinstag 2002 - Für Hinweise,
Kritik und Korrekturen: Helmut
Zenz
Hauptsächlich benutzte Quellen u.a.:
Gedenktag des Hl. Valentin (Valentinstag): 14. Februar
Bedeutung des Namens: Der Kräftige (latein.)
Andere Schreibweise: Saint Valentine; San Valentin, S. Valentijn
Drei verschiedene Hl. Valentins sind in den frühen Martyrologien
(4. Jahrhundert) unter dem Datum des 14. Februars verzeichnet. Zwei von
ihnen sind danach am "Via Flaminia" begraben, allerdings mit unterschiedlichen
Entfernungen zur Stadt (2. Meilenstein, noch im Stadtgebiet und 63. Meilenstein
in der Nähe von Terni). Der dritte erlitt sein Martyrium zusammen
mit Begleitern in Afrika, weiter ist von ihm nichts bekannt, hat aber in
jedem Fall mit dem Valentinstag nichts zu tun. Auch die Viten und Legenden
weitere Hl. Valentins wurden damit vermischt. Die erhaltenen "Akten" über
die Heiligen stammen aus relativ später Zeit und haben daher nur einen
relativ geringen historischen Wert. Die Befunde in Bezug auf die ersten
beiden Valentins lassen letztlich drei mögliche Deutungen zu:
-
1. Es wäre möglich, dass es zwei Märtyrer mit dem Namen
Valentin gegeben hat - der eine ein römischer Priester, der andere
Bischof in Terni. Diese Hypothese, dass am gleichen Tag zwei verschiedene
Märtyrer gleichen Namens an derselben Straße verehrt wurden,
ist sehr unwahrscheinlich.
-
2. Valentin ist jener in Rom begrabene Märtyrer, der auch in Terni
verehrt und später als dortiger Ortsbischof angesehen wurde, weshalb
dort auch eine ihm geweihte Kirche gebaut wurde, evtl. mit Reliquien aus
Rom.
-
3. Der wirkliche heilige Valentin ist der Bischof von Terni, dessen kultische
Verehrung seit dem 4. Jahrhundert in Rom eingeführt worden war, weshalb
er auch Valentin von Rom heißt. Vermutlich ihm errichtete Julius
I (337-352) an der Via Flaminia eine Basilika, in der er Brandea deponierte,
also Leinen- oder Seidentücher, mit denen die Reliquien des Heiligen
berührt worden waren. Diese Brandea wurden an der Via Flaminia als
Sekundärreliquien aufbewahrt. Vielleicht kam das Patrozinium aber
erst später zustande, nachdem zunächst ein Valentin die Kirche
lediglich gestiftet hatte.
Bei einigen Vorbehalten ist die dritte Deutung die wahrscheinlichste und
wird hier zugrundegelegt. Zu Malmesburys Zeit nannte man im Übrigen
das antike "Flaminian Gate of Rome" bzw. heutige "Porta del Popolo": "Gate
of St. Valentine". Der Name wurde von der kleinen Valentinskirche in der
Nähe übernommen.
-
Lebensgeschichte des Bischofs, Priestermönchs und Märtyrers
Valentin (Märtyrer von Rom, Bischof von Terni=Interamna).
-
Zunächst wohl armer, ehrsamer Priester in Rom, später Bischof
von Terni(a)=Interamna, dann Martyrium in Rom.
-
Trotz eines Verbotes des Kaisers Claudius II. Goticus (268-270) traute
er Liebespaare nach christlichem Zeremoniell und half in Partnerschaftskrisen;
deshalb wurde er enthauptet. Der Legende nach soll er begonnen haben, ein
Mädchen zu heilen. Kurz vor seiner Enthauptung soll er dem Mädchen
eine Botschaft geschrieben haben. Als das Mädchen den Brief öffnete,
fand sie darin eine Krokus, deren Farben sie erkennen konnte. Nun waren
ihre Augen völlig gesund. Außerdem soll er Hilfe und Trost Suchenden
eine Blume aus seinem Garten, den Liebespaaren bunte Blumensträuße
geschenkt haben. Valentin von Terni soll auch den verkrüppelten Sohn
des Rhetors Kraton in Rom geheilt haben. Den Auschlag für sein Märtyrium
soll jedoch gegeben haben, dass er vor dem Kaiser die Anbetung eines Standbildes
verweigerte.
-
+ 14. Februar 269 (268-270) in Rom.
-
Die ältesten Martyrologien kennen noch keinen römischen Märtyrer
Valentinus.
-
4. Jahrhundert. Der Kult des Valentin wurde wohl in Rom eingeführt.
-
Am 2. Meilenstein ließ Papst Julius I. eine Valentinsbasilika (Chronograph
von 354) errichten. Von ihr heißt es "Quae appelatur Valentini",
ein Hinweis, dass es sich hier um einer von einem Valentin gestifteten
Kirche mit allenfalls Reliquien des Märtyrers, nicht aber um die Märtyrerbegräbniskirche
handeln dürfte.
-
Eine Passio aus dem 5.-6. Jh. nennt Valentin einen Bürger und Bischof
von Terni, der in Rom hingerichtet, jedoch von seinen Schülern in
der Nähe von Terni beigesetzt wurde. Hier wird sein Todestag aber
mit dem 14. April angegeben.
-
Aus einigen Passiones (nach dem 6. Jahrhundert) wird von einem römischen
Priester Valentin berichtet, der unter Kaiser Claudius Goticus hingerichtet
wurde.
-
Von einer Verehrung des Heiligen Valentin von Rom erfahren wir bereits
aus Pilgerberichten des 7. Jh.
-
Papst Theodor I. (642-649) ließ die römische Valentinsbasilika
vollständig renovieren. Weil mittlerweile das Missverständnis
entstanden war, es handle sich bei der Kirche um eine echte Märtyrerkirche,
konnte es von Papst Theodor I heißen: "fecit ecclesiam beato Valentino,
via Flaminea".
-
Beim 63. Meilenstein läßt sich im 8. Jh. ebenfalls eine einem
hl. Valentin geweihte Kirche nachweisen.
-
Die "Legenda Aurea" berichtet im 13. Jahrhundert, der vor dem Kaiser des
Hochverrates angeklagte Valentin sei zunächst einem Vertrauten des
Kaisers in Obhut gegeben worden. Als er die blinde Tochter seines "Gastgebers"
geheilt habe, hätte sich das ganze Haus taufen lassen. Daraufhin sei
Valentin durch Enthauptung hingerichtet worden.
-
Eher obskure volkstümliche Quellen berichten von Liebesbriefen des
heiligen Valentin und Rosen, die er Verliebten gereicht und Trauungen,
die er gegen den Willen der staatlichen Obrigkeit vollzogen habe.
-
Historisch stichhaltige Quellen lassen sich weder für Liebesbriefe
belegen, noch für verschenkte Blumen oder Spendungen des Ehesakramentes.
-
Die Gebeine des Valentin von Terni wurden 1605 in die Kathedrale
von Terni transferiert.
-
Zumindest seit der Reform des römischen Generalkalenders (1970)
und der anschließenden Reform des Regionalkalenders für das
deutsche
Sprachgebiet (1972) gibt es diesen Heiligen nicht mehr - an diesem
Tag und überhaupt - im Kalender, lediglich in den Regionalkalendern
für die Diözesen Fulda, Limburg und Mainz.
-
Reliquien von ihm werden heute noch verehrt:
-
in der Liebfrauenkirche zu Worms: Worms hat in der Verehrung des
Valetnin seit dem Mittelalter bis in unsere Gegenwart eine zentrale Rolle
in Deutschland. Zwar liegen die Anfänge dieser Verehrung in dieser
Stadt ins Dunkle gehüllt. Gesichert ist jedoch, daß die Ulrichskapelle
im Jahre 1454 einen Großteil der Reliquien verwahrte. Sie bestand
bereits 1234, dürfte aber älter sein "und, nach einer Vermutung
von F.Falk, Ursprung und die erste Station der Valentinusverehrung und
im Besitz eines Valentinusaltares gewesen sein" (H. Schmitt). Als diese
Kapelle 1561 abgebrochen wurde, wurde die Valentinusverehrung in die St.
Valentinuskapelle übertragen und blieb bis 1802 dort. Die Reliquien
sind allerdings 1689 untergegangen. Nachdem diese 1802 von den Franzosen
geschlossen und nach 1837 abgebrochen worden war, wurden Bilder und Verehrung
Valentins nach Liebfrauen in Worms übertragen, wo sie noch heute,
vor allem am 14. Februar, festlich gepflegt wird. 1875 kamen von Kiedrich
aus Reliquien an Worms zurück. In Liebfrauen finden sich auch einige
ikonographisch wichtige Darstellungen des Heiligen. So z.B. das Valentinusfenster:
Valentin und die 10 Krankheiten, geschaffen 1978 von Alois Plum.
-
in der Pfarrkirche von Kiedrich im Rheingau: Von Worms aus schenkte
Rudolf von Rüdesheim, Wormser Domdekan und später Bischof von
Breslau, ein eifriger Verehrer des hl. Valentin, ein Rippenteilchen aus
dem Reliquienschatz des V. an die Pfarrkirche von Kiedrich. Dies geschah
1454. Nach anderer Version hat ein Abt der nahe gelegenen Zisterzienserabtei
Eberbach die Reliquien im 14. Jahrhundert nach Kiedrich verbracht. Nachdem
1689 die Wormser Reliquien untergegangen waren, schenkte 1875 Kiedrich
einen Teil der von Worms erhaltenen Reliquien wieder nach Worms zurück.
Nicht weit weg von der wegen ihrer gotischen Ausstattung berühmten
Kiedricher Kirche steht noch das Sankt-Valentinus-Haus, heute ein Psychiatrisches
Krankenhaus, früher ein Heim für epilepsiekranke Frauen.
-
im Dom von Breslau: Auch in den Dom von Breslau sollen durch Rudolf
von Rüdesheim Valentinsreliquien gekommen sein.
-
Gedenkstätten:
-
in Mainz
-
in Eppertshausen bei Dieburg.
-
In Österreich wurde seine Verehrung auch sehr hochgehalten. 27 Kultorte
legen Zeugnis dafür ab. Am bekanntesten sind:
-
in Oberösterreich: Haselbach, Schacherbauerkapelle, Valentinshaft
und Sulzbach,
-
in Kärnten: Glainach, Göriach, Schloß Stein, Tainach und
Wolfsberg.
-
In Bayern sind zu erwähnen: Großköchelham, Zell, Marzoll
und Diepoltskirchen.
-
Bemerkenswerte Darstellungen des Heiligen im Bereiche von Deutschland
finden sich
-
zu Helenenberg bei Trier,
-
in Oberwesel (Liebfrauen)
-
in Worms (Liebfrauen)
-
in Kiedrich (Pfarrkirche).
-
Die Darstellungen des Heiligen zeigen ihn als Bischof mit Hahn,
mit Krüppeln oder Epileptikern (wohl durch Verwechslung mit Valentin
von Rätien)
-
Patron der Jugend, Liebenden, Verlobten (genauer: für gute
Verlobung und Heirat), der Reisenden und Bienenzüchter (Imker) (wohl
noch wegen früherem Lichtmesstermin), gegen Ohnmachtsanfälle,
"fallende Krankheit" (Epilepsie, Fraisen), Pest (letzteres wohl durch Verwechslung
mit Valetin von Rätien).
-
Häufig verwechselt wurde Valentin von Terni immer wieder mit anderen
Trägern dieses Namens verwechselt.
-
z.B. mit dem Valentin, Bischof von Rätien, dessen Fest am 7. Januar
gefeiert wird. Sowohl Valentin von Rom-Terni als auch Valentin von Rätien
werden oft mit einem verkrüppelten Kind zu Füßen abgebildet.
Valentin von Rätien kam um 435 nach Passau, wurde aber als Bischof
von den Einwohnern immer wieder vertrieben, wirkte dann in Rätien
und Südtirol als Wanderbischof und starb im heutigen Meran um 475,
wo er in der Zenoburg zu Mais-Meran beigesetzt wurde. 739 kamen seine Gebeine
nach Trient und wurden 761 vom bayerischen Herzog Tassilo III. nach Passau
übertragen, wo er zusammen mit dem heiligen Maximilian zum Bistumsheiligen
(4.8. Übertragung der Gebeine) wurde. Die volkstümliche Deutung
seines Namens (Was gleich klingt, muss aus Gleiches bedeuten: ein "Fallentin"
ist natürlich für das Fallen zuständig!) machte ihn zum
Schutzheiligen gegen die Fallsucht, die Epilepsie. Sein süddeutscher
Name, Valtl, ließ leicht die Verwechslung mit dem anderen Epilepsieschutzheiligen,
den heiligen Veit, in Süddeutschland Veitl, zu. Neben der Fallsucht
wird er auch gegen Krämpfe, Gicht und Viehseuchen angerufen. Zu seinem
ikonographischen Erkennungszeichen wurde ein zu seinen Füßen
liegender Krüppel bzw. Epileptiker. In Meran, heute Südtirol,
half das Verschlucken von Holzstückchen vom Altar des Heiligen gegen
Zahnschmerzen. Gichtkranken Kindern setzte man in Würzburg Valentinsreliquien
auf den Kopf. Als besonderer Gedenktag ist er in den Regionalkalendern
der Diözesen Bozen-Brixen, Linz, Passau und St. Pölten enthalten.
-
z.B. Valentin von Viterbo (Fest 3. Nov.): Erwähnt ist in einem Dokument
aus dem Jahre 788 eine nach ihm benannte eine Kirche S. Valentinus in Silice
bei Viterbo (an der via Cassia, etwa zwei Kilometer von Viterbo entfernt),
aus der im 9. Jahrhundert Abt Sicardus (831-842) die Reliquien mit denen
eines Hilarius erheben ließ und in sein Kloster Farfa übertrug.
Hier wurde dieser Valentin (zeitweilig wohl auch in der Domkirche) bis
in das 15. Jahrhundert verehrt. Nach einer aus dem 15. Jahrhundert stammenden
Legende, die auf eine spätestens im 9. Jahrhundert entstandene legendarische
Passio verweist, war Valentin Priester (Presbyter) und wurde zusammen mit
dem Diakon Hilarius unter Kaiser Maximian (286-305, 307-308) oder Diokletian
(?) hingerichtet und an der Via Cassia "in locum qui vocatur Camillarius"
beigesetzt. Nach Meinung einiger Historiker ist dieser Valentin von Viterbo
mit Valentin von Terni identisch. Sein Kult soll nach Viterbo gelangt sein,
was die Festverschiedenheit erklären würde. Der Festtag des Heiligen
ist erstmals im 9. Jahrhundert im Martyrologium des Beda verzeichnet und
wurde von Baronius, wahrscheinlich aus den Auctaria des Martyrologium Usuardi,
ins MartRom übernommen, obwohl eine Handschrift des MartHieron V.
am 4. November erwähnt. Gegen eine von einigen Forschern behauptete
Identifikation mit V. v. Terni bzw. Rom wird die Diskrepanz der Festtraditionen
ins Feld geführt.
-
z.B. Valentin in Krumbach: St. Michael in Krumbach im Bistum Augsburg kann
in einem gläsernen Sarg im linken Seitenaltar einen heiligen Valentin
vorweisen, der wie ein Bischof gekleidet ist. Für diesen heiligen
Valentin ist nachgewiesen, dass er 1734 als Katakombenheiliger in Rom in
Empfang genommen wurde. Falls Valentin der wirkliche Name dieser Person
war und ist, kann es sich nicht um "den" heiligen Valentin von Rom-Terni,
sondern allenfalls um einen weiteren Märtyrer Valentin handeln.
-
Auch das Karmelkloster in Dublin, Irland, sowie die Pfarrei John-Duns-Scotus
im schottischen Glasgow sehen sich im Besitz von Valentinsreliquien, wobei
nicht bekannt ist, von welchem.
-
Valentin von Trier (Gedenktag: 17. Juli): Bischof von Trier ( * um 280,
+ um 350 in Trier)
-
Literatur zu Valentin von Rom/Terni:
-
BiblSS XII, 899
-
O. Marucchi, Il cimiterio e la basilica di S. Valentino, Rom 1890;
-
J.P. Kirsch, der stadtröm. Festkalender im Altertum, Münster
1924, 206<|>f., Lanzoni I 405-413; -
-
E.M. Fusciardi, Studio critico sul martire S. Valentino da Terni; - Terni
1935,
-
Bächtold-Stäubli VIII 1501<|>ff.; -
-
O. Wimmer-H.Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen. Bearbeitet und ergänzt
von J. Gelmi, Innsbruck-Wien 1988, 817<|>f.;
-
V. Schauber-H.M. Schindler, Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Augsburg
1992, 68, LCHI 8, 530<|>f.; -
-
LThK, X2, 598 f.; -
-
J. Torsy, Der große Namenstagskalender, Freiburg-Basel-Wien 1985,
69; -
-
P. Manns, Die Heiligen-Alle Biographien zum Regionalkalender für das
deutsche Sprachgebiet, Mainz 1975, 191; -
-
G. Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender, Wien 1955, 18 f.; -
-
H. Schmitt, Die Pfarreien von St. Amandus (bis 1802) und Liebfrauen (1803-1811)
in der Nördlichen Vorstadt von Worms, in: Archiv für mittelrheinische
Kirchengeschichte, 24. Bd. 1972, 60-63; -
-
W. Heininger, C.J.H. Villinger, J. Schalk: Die Kirche unserer Lieben Frau
zu Worms, 1990, 24; -
-
H.M. Wolf, Das Brautbuch-Alte Bräuche, neue Bräuche, Antibräuche,
Freiburg-Basel-Wien 1992, 62 f.
Brauchtum:
-
Der Valentinstag als Tag der Liebenden, der Familie und des Blumenschenkens:
-
Die Wurzeln des Brauchtums sind:
-
Der "Beginn" der Paarungszeit der Vögel. Der in England und
Frankreich verbreitete konventionelle Glaube sagt, dass dieser Beginn genau
am 14. Februar, in der Mitte des zweiten Monats im Jahres, ist. So ist
es im "Parliament of Foules" (Parlament der Vögel) des Dichters
Chaucer zu lesen: "For this was sent on Seynt Valentyne's day, whan
every foul cometh ther to choose his mate." Letztlich geht es also wohl
um Frühlingsgefühle, die erwachen.
-
Möglicherweise stammt der Valentinstag von einem altindischen Fest,
welches den 14. Februar dem Gott der Ehe widmete, ab. Der orientalische
Brauch an diesem Tag seiner Angebeteten Liebesschwüre zu senden, lässt
gemeinsame Wurzeln erahnen.
-
Ein Fest für die römische Göttin Juno (griech. Hera),
Gattin des höchsten Gottes Jupiter (griech. Zeus) und Mutter von Kriegsgott
Mars (griech. Ares), am 14. Februar. Juno, der Schützerin von Ehe
und Familie, wurden an diesem Tag Blumen in Form von aufwendigen Blumengebinden
geopfert; entsprechend schenkte man auch den Frauen an diesem Tag Blumen.
Angeblich sorgte sie als Ratgeberin der Frauen durch ein Liebesorakel für
die richtige Partnerwahl. Während sie als Juno Regina (Himmelskönigin)
den verheirateten Frauen beisteht, war sie ursprünglich vermutlich
als die Verkörperung der jugendlichen Kraft der Frau, weshalb ihr
verschiedene Sondergottheiten angeglichen werden konnten: Juno Fluonia
(Kraft der monatlichen Reinigung), Juno Pronuba (Brautführerin), Juno
Opigena (Geburtsbeistand), Juno Lucina (hilft den Neugeborenen ans Licht),
auch Juno Moneta (in ihrem Tempel auf dem Kapitol wurden Münzen geprägt).
Die Hauptfesttage der Juno sind aber der 1. März (Matronalia, bis
46 v. Chr. Jahresbeginn), im Juni (der den Namen von ihr hat) und im Juli.
Im übrigen bilden Juno und Jupiter zusammen mit Minerva die sog. "Reichsgötterdreiheit"
auf dem Kapitol. Minerva war die Göttin des Kampfes, der Weisheit,
des Handwerks und der Künste.
-
Das Fest des Hirtengottes Lupercus (griech. Faunus) am 15. Februar
(Lupercalien, Lupercalia-Fest, in deren Mittelpunkt Reinigungs- und Fruchtbarkeitsriten
stehen. Diese Feiern dauerten 8 Tage an.
-
Zu diesen Festen scheint es auch üblich gewesen zu sein, junge Männer
und junge Frauen durch Losentscheid miteinander auf Zeit zu verbinden.
Amor, der Liebesgott stand dabei Pate.
-
Kirchlicherseits wurde am 14. Februar vor allem von Jerusalem ausgehend
nachweisbar seit Anfang des 5. Jahrhunderts an diesem Tag "Maria Lichtmess"
bzw. das "Fest der Darstellung des Herrn" gefeiert. Weihnachten wurde
dort nämlich am 6. Januar gefeiert wurde und somit der 40. Tag nach
der Geburt auf den 14. Februar fiel. Nach mosaischem Gesetz musste ein
Neugeborener nach vierzig Tag in den Tempel gebracht werden (vgl. Ex 13,
11 - 16; Lev 12, 1 - 8; Jes 8, 14 - 15; 42, 6). In Rom hatte Papst Liberius
(352-366) die Feier des Weihnachtsfestes 354 auf den 25. Dezember verlegt
(Mariä Lichtmess wurde dort erst 650 eingeführt). Dieses neue
Weihnachtsdatum setzte sich aber in den einzelnen Regionen zu unterschiedlichen
Zeitpunkten durch, in Gallien sogar sehr spät. In Deutschland regelte
z. B. erst die Mainzer Synode 813 endgültig den Zeitpunkt und Dauer
des Festes. Dort, wo es sich in bislang oder noch heidnisch-römisch,
aber ostkirchlich geprägten Gebieten durchsetzte, wurde der 14. Februar
zu einem "leeren Tag", was wohl zum Wiederaufleben der heidnisch-römischer
Bräuche beitrug, die zwar kaum mehr religiöse Bedeutung hatten,
aber den Tag zu einem Volksfest machten.
-
Papst Gelasius I. (+ 496) drang daher beim Senat auf Abschaffung
der Feier des altrömischen Festes der "Lupercalien", was er mit
Mühe auch durchsetzen konnte. Die Kirche hat außerdem versucht,
die zugehörigen heidnischen Bräuche zu verdrängen, indem
sie dem Tag einen anderen Akzent geben wollte: Statt den Namen eines Liebsten
zu losen, kürten die jugendlichen Interessenten die Namen christlicher
Heiliger, deren Leben und Tugenden sie sich zu Vorbild nehmen sollten.
Dieses Vorhaben war nicht erfolgreich.
-
Lediglich die Übertragung des Blumenbrauchtums auf den hl. Valentin
fand in der Bevölkerung statt, wobei ein direkter, d.h. nicht legendärer
Bezug des Blumen- und Verlöbnisbrauchtums zu Valentin von Terni bis
heute nicht aufgedeckt werden konnte.
-
Die im Spätmittelalter in Deutschland verwendete Tagesbezeichnung
Vielliebchentag
gibt
den Sinn des Tages nicht nur trefflicher wieder als Valentinstag, sondern
löst ihn auch von der historisch nicht gegebenen Verbindung zum heiligen
Valentin von Terni. EinVielliebchen (Umdeutung aus St. Valentinstag, eng.
Valentine; franz. Phillipine, luxemb. Filipchen) ist eine Wette (Scherzbrauch)
um eine Zwillingsfrucht (doppelter Mandelkern), den zwei Personen gemeinsam
essen, wobei sie wetten, wer den andern am nächsten Tag zuerst darin
erinnert; auch der Preis dieser Wette heißt daher Vielliebchen.
-
In jedem Fall sagt eine alte Volksüberlieferung bzw. ein alter Volksglaube,
ein Mädchen werde den heiraten, den es am Valentinstag als ersten
Mann erblickt; heiratswillige Männer überbringen deshalb möglichst
früh am Morgen einen Blumenstrauß.
-
Entwicklung des Brauchtums
-
Im Mittelalter verbreitet sich zunächst in Frankreich und England
der Brauch, an diesem Tag Frauen Blumen zu schenken (vgl. 14./15. Jahrhundert,
vgl. z.B. die 34. und 35. Ballade des zweisprachigen Poeten John Gower
(1325?-1403), diese geschrieben in Französisch)
-
Vielen gilt der Herzog von Orleans als Begründer der "Valentines",
als er 1415 im Londoner Tower als Gefangener schmachtend, seiner Gattin
permanent Liebesbekundungen geschickt haben soll, aber eben nicht nur am
14. Februar. Urheber der Mode, das Schicken dieser Karten am Valentinstag
mit Blumen zu verbinden, soll allerdings der Schriftsteller Samuel Pepys
und seine Frau gewesen sein, der am 14.2.1667 seiner Gattin, auf hellblauem
Papier mit goldenen Initialien, einen Liebesbrief schrieb; woraufhin sie
ihm (!) begeistert einen Blumenstrauß schickte. Von da an wurden
Brief und Blumen in der noblen britischen Gesellschaft nachgeahmt. Bis
heute schickt man sich in England jedenfalls am Valentinstag anonyme
Liebesbriefe (Valentin Greetings, meist mit vierzeiligen Liebesgedichten)und
andere
Liebeszeichen. (Vgl. auch Paston Letters von Dame
Elizabeth Brews,
1477: Brew writes to the suitor, John Paston, of her daughter, Margery:
"And, cousin mine, upon Monday is St. Valentine's day and every bird chooseth
himself a mate, and if it like you to come on Thursday night, and make
provision that you may abide till then, I trust to God that ye shall speak
to my husband and I shall pray that we may bring the matter to a conclusion."
In turn, Margery wrote to John: "Unto my right well beloved Valentine John
Paston, Squyer, be this bill delivered. Right reverend and worshipful and
my right well beloved Valentine, I recommend me unto you, full heartily
desiring to hear of your welfare, which I beseech Almighty God long for
to preserve until His pleasure and your heart's desire." While speaking
of the amorous flavor of Valentine's Day, no mention is made of the saint.).
-
In England, Nordfrankreich, Belgien war mit dem Valentinstag auch mit einer
Variante des Mailehens verknüpft: Im Mai ersteigerten unverheiratete
junge Burschen für ein Jahr ein unverheiratetes Mädchen, das
ihnen gefiel, und das sie nun ausführen und - natürlich in allen
Ehren! - als Partnerin betrachten durften. In den genannten Ländern
konnte sich jeder "Valentin" seine "Valentine" wählen. Entschieden
wurde durch Los oder durch die erste Begegnung am Morgen, wobei letzteres
natürlich durch die Valentins beeinflussbar war. Es gehörte in
den entsprechenden Kreisen zum Ritual, sich gegenseitig kleine Geschenke
und Neckereien, besonders Gedichte, zu schicken. Die Paarbildung der Valentinen
galt als günstige Voraussetzung für das Zustandekommen einer
künftigen ehelichen Bindung der beiden und dauerte mitunter das ganze
Jahr lang. Am Vorabend wurden verschiedene, mehr oder weniger magische
Hochzeitsorakel vorgenommen, z.B: das die Mädchen, nach dem Genuss
hartgekochter Eier, in der Nacht zum Valentinstag verbindlich von ihrem
Zukünftigen träumen würden. Oder: Ein Mädchen, das
bei Guidesweiler, St. Wendel, aus dem Brunnen bei der Valentinskapelle
Wasser schöpfte und dabei auf einen bestimmten davor liegenden Stein
trat, kriegte mit Sicherheit einen Mann ab.
-
Mit der Auswanderung wurde der Brauch nach Amerika in die "Neue Welt" gebracht
und dort intensiviert. Vom englischen "Tag der Liebenden" mutierte es dort
(wieder) auch zu einem "Tag der Freundschaft und der familiären
Beziehungen", was den Aktionskreis - und natürlich die Absatzmöglichkeiten!
- erheblich erweiterte. Allein in den USA werden zu diesem Anlass mehr
als eine Milliarde Grußkarten versandt, die keineswegs mehr anonym
sein brauchen.
-
Im deutschsprachigen Raum verbreitete sich der Brauch der Blumengeschenke
so richtig erst nach dem 2. Weltkrieg durch den Einfluss aus den USA, vor
allem auch durch die Alliierten Soldaten. Vorher war es vor allem im Grenzgebiet
zu Frankreich und Belgien zu ersten Übernahmen von Bräuchen gekommen.
-
1950 erklärten die Blumenhändler den Valentinstag als
"Tag der offenen Herzen". Im gleichen Jahr veranstaltete man in
Nürnberg den ersten "Valentinsball"; der Valentinstag wurde
infolgedessen offiziell eingeführt.
-
In den USA wurde zum 14. Februar die erste Liebesbriefmarke der
Welt (Symbol: rotes Herz) herausgebracht.
-
In Japan beschenken am Valentinstag nur Frauen ihre Männer, Kollegen
und Chefs: zum Beispiel mit Süßigkeiten im Wert von insgesamt
umgerechnet etwa 55 Millionen Mark. Dafür dürfen die Japanerinnen
am "White Day" Mitte März Geschenke erwarten.
-
Auch Italien bleibt der Valentinslegende treu: Wo einst der Bischof von
Terni wirkte (etwa 70 Kilometer von Rom entfernt) wird heute die Auszeichnung
"San Valentino d'Oro" an Schlagersänger verliehen.
-
Der Valentinstag als Tag des Valentinopfers, Valentinsbrotes, Valentinikreuzels
und Beifußkrautes
-
Charakteristische Opfergabe an Valentin war das schwarze Huhn als Apotropäon
gegen Epilepsie und Fieberkrämpfe (Fraisen/Freisen/Froasen).
-
Valentinikreuzel in das Wasser geworfen, machten dieses für
Epileptiker heilsam.
-
Auch die Auflegung von Valentinshirnschalen war üblich.
-
Das Valentinsbrot galt als Heilmittel.
-
Das Beifußkraut ("Herba S. Valentini") ist dem hl. Valentin
geweiht. (Beifuß wurde im Okkultismus der Venus zugeordnet. Das Räuchern
mit Beifuß geht auf germanische und keltische Rituale zurück,
aber auch indische Schamanen mischen Beifuß zum Räuchern unter
andere Kräuter. Der Teufel fürchtete den Beifuß und böse
Geister hatten keine Chance in ein Haus einzudringen. Auch beim verbrennen
ihrer Toten legten die Germanen Beifußbüschel mit auf den Scheiterhaufen
der Verstorbenen. In England heißt Beifuß heute noch witch
herb – Hexenkraut. In Indien wird er dem Gott Shiva geweiht. Das Kraut
wird dort zur Meditation und zum Schutz gegen Dämonen des Wahnsinns
verräuchert. Wegen seiner verdauungsfördernden Eigenschaften
als Gewürz schätzte auch Hildegard von Bingen den Beifuß
in besonderem Maße. Heute ist Beifuß beliebt als Gewürz
zu schwer verdaulichen und fetten Speisen. Beifuß wächst zahlreich
an Wegrändern, auf Weiden und Schuttplätzen und ist in ganz Europa
sowie West- und Nordasien verbreitet.)
-
In Kiedrich berührte man mit Zweigen von auf dem Kirchhof wachsenden
Eiben die Statue des Heiligen und kochte dann gegen die Fallsucht Tee daraus.
-
Der Valentinstag als Unglückstag:
-
Der Valentinstag galt im Mittelalter aber auch als Unglückstag, da
der 14.2. angeblich der Geburtstag von Judas Ischariot (Iskariot),
dem Verräter Jesu sein soll.
-
Alles, was an diesem Tage geboren wurde, sollte kein Glück haben und
früh sterben.
-
Donnerte es an diesem Tag, starben angeblich viele Leute, vor allem die
reichen.
-
Die Unglücksdrohung galt nicht für die Menschen allein. Auch
für das Vieh war der Velten-Tag ein Unglückstag.
-
Das Vieh durfte an diesem Tag nicht arbeiten, denn Tiere, die an diesem
Tag fallen, stehen nicht mehr auf.
-
Kälber, die am 14. Februar geboren waren, wurden nicht zur Zucht eingesetzt.
-
Bruthennen durfte man nicht auf die Eier setzen, die sonst faulten oder
nur blinde, lahme und nicht lebensfähige Küken einbrachten.
-
Im Schweizer Amden hat der Valentinstag sogar einer Dämonengestalt,
dem "Väledi", den Namen gegeben.
-
Der Valentinstag als Tag des Freundschaftsmahles
-
In den Hansestädten trafen sich am Valentinstag die Seefahrer, Kaufmannsgilden,
Handwerkerzünfte und andere Bruderschaften zum Freundschaftsmahl.
(Noch) nicht zuordenbare Informationen:
-
Der hl. Valentin (welcher?) wurde auch bei Gebärmutterleiden angerufen;
man opferte ihm wächserne Kröten, verbergende Symbole für
die Gebärmutter. In Juniège hat man die Pfarrkirche dem Heiligen
geweiht, weil alle Ratten, die das Land verwüsteten, sich in Seine
stürzten, als seine Reliquien hindurchgetragen wurden.
Einige Internet-Seiten:
Helmut Zenz - 2003